Selbstmedikation

Autorin: Chris

Ich will jetzt nicht mit erhobenem Zeigefinger ermahnen, das machen dann schon andere. Hier mein Erfahrungsbericht:

Mit 24 habe ich mit der Selbstmedikation angefangen, und über fast 15 Jahre immer wieder on/off gemacht, je nachdem wann ich wo an was ran gekommen bin (Bezug über Internet aus Thailand, Neuseeland, etc.) und hatte zuletzt mit 38/39 eine feste Quelle im Ausland.

Das Ganze ist mit erheblichen Folgen gewesen. Zum einen finanziell, teilweise kam die Ware gar nicht an, obwohl sie bezahlt war, das ging in die Tausende über die Jahre. Natürlich musste ich alles selber zahlen. Logisch, Kinderwunsch war irgendwann schwierig, trotzdem wurde ich mit 28 Vater, dann lange Jahre nichts, dann wieder mit 36. Hat also dann doch noch irgendwie funktioniert. Bevor ich dann mit der eigentlichen betreuten HRT mit 42 begonnen habe war ich noch beim Urologen, der meinte dass bei mir eigentlich gar nichts mehr geht. Gut, Kinderwunsch war abgeschlossen, wobei ich liebend gerne 3 Kinder gehabt hätte.

Nicht nur körperlich haben die Medikamente ihre Spuren hinterlassen. Auch mental gab es erhebliche Auswirkungen durch das Durcheinanderwürfeln verschiedenster Medikamente (Estrifam, Androcur, Aldactone, um nur ein paar zu nennen) sowie mit Dosierungen die ich mir vor allem aus dem Internet gezogen hatte. Das führte bei mir zu einer heftigen schweren Depression, mit Suizidgedanken, einem 3-monatigem Aufenthalt in der Psychiatrie, Suizidversuch. Das war echt kein Spaß. Ich sage jetzt nicht das Hormone zu Suizidgedanken führen, dann müssten ja alle Frauen chronisch suizidal sein. Das Problem ist, dass deine Werte nicht kontrolliert sind und du bist nicht eingestellt. Das kann nur ein Endokrinologe, mit entsprechenden Untersuchungen, Blutabnahme, etc. Ich war damals auch mal bei meinem Hausarzt, der meinte nur dass meine Werte weiblich sind und Transidentität komme bei uns im Ort öfters vor. Das war’s! Meine Endokrinologin kann mich engmaschig kontrollieren, wenn die Werte zu niedrig sind kann angepasst werden, sind sie zu hoch wird reduziert.

Mit Antiandrogen rauscht der Testosteronwert in den Keller. Okay, das ist gewünscht aber ein niedriger Testowert alleine ist ganz schlecht. Dann brauchst du die gegengeschlechtlichen Hormone. Zu wenig davon ist schlecht, weil dann nichts oder nur sehr wenig wirkt, zu viel ist noch schlechter, weil Du mit jeder Menge Nebenwirkungen rechnen musst. Depression gehört ganz klar dazu, auch körperliche Nebenwirkungen wie Gynökomastie aber insbesondere Herz-Kreislauf, Blutsystem, Knochenaufbau, etc. Das sind alles Dinge von denen spürt man vielleicht erst mal nichts aber die Folgeschäden sind enorm!!! Ich weiß von was ich rede. Naja und das mit Depressionen bei Frauen ist gar nicht so weit her geholt. Denkt man an die hormonellen Veränderungen während des Zyklus und die bekannten damit einhergehenden Stimmungsschwankungen aber das regelt der Körper selber.

Es ist ganz wichtig die Hormoneinnahme (HRT) nur unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen und nicht an sich selber herumzubasteln! Außerdem mögen es Therapeuten und Endokrinologen überhaupt nicht wenn man sich selbst mit Medikamenten versorgt. Und ohne Therapie bezahlt die Krankenkasse keine Epilation, keine GaOP, keinen eventuellen Brustaufbau und man bekommt keine Gutachten zur Personenstandsänderung.

LG
Chris

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Petra im Zweibettzimmer

Autorin: Petra

Mal wieder etwas von mir.

Beim letzten SHG-Treffen in Düsseldorf, war mein Rücken schon der Meinung mich permanent ärgern zu müssen und der folgende Arztbesuch am Dienstag hat auch keine Abhilfe geschaffen. Der Mist steigerte sich bis Freitag soweit, dass meine Beste beschloss mich in ein Krankenhaus zu verfrachten. Ute wird das noch kennen, wenn man vor Schmerzen wimmernd und zitternd auf der Liege behandelt wird. Ist nicht schön!

Dann kam die Frage, die mir schon immer im Hinterkopf herumspukte, der stationären Aufnahme. Wenn ich nicht solche Ping gehabt hätte, wäre ich wohl lachend von der Liege gefallen: Wo bringen wir sie jetzt unter? Meinen Einwand, auf keinen Fall auf ein Männerzimmer, brachte sie dann völlig ins Schwitzen, so dass ich erst einmal alleine auf ein Zweibettzimmer verfrachtet wurde.

Pflegepersonal im Neuwerk, 1+ mit Sternchen, die waren cool und ganz locker, es ging tatsächlich um meine Schmerzen. Sonst nix. Bei dem ärztlichen Personal, wäre jede Aussage spekulativ.

Aber dann wurde am Samstag eine Frau auf mein Zimmer verlegt. Ich dachte schon, das gibt Diskussion. Und? Nix! Außer dass sie es cool fand mal jemanden wie mich kennenzulernen und dass sie froh war jemanden auf dem Zimmer zu haben die nicht schnarcht, alles ganz gechillt.

Am Montag musste diese Dame dann das Zimmer verlassen und eine lebensbejarte Dame kam auf das Zimmer und was soll ich sagen: Eine echt coole Socke. Nö, hätte sie sich schon gedacht, dass da ein männlicher Hintergrund wäre, das ließe sich bei meinen Ausmaßen ja nicht verheimlichen. 🙂

Aber diese Dame war sehr wissbegierig und hatte nicht einfach alles so akzeptiert wie ich ihr es erzählt hatte. Da war echtes Interesse vorhanden und sie hatte auch bei der Kleidung nicht alles abgenickt, aber in einer Art, wie ich sie mir öfters von anderen Menschen wünschen würde. Es ist nicht ihr Geschmack, aber das wäre auch gar nicht wichtig, sondern dass ich mich darin wohlfühlen müsste und was andere sagen sollte mir egal sein. 🙂
Ein Menschen, kritisch ohne Ablehnung und trotzdem offen für andere(s) würde ich mir viel mehr wünschen. Die Menschen müssen nicht meiner Meinung sein und alles gut finden was ich tue. Für mich wäre es schon ein riesiger Fortschritt, wenn die Menschen sich gegenseitig so leben lassen würden, wie sie sich wohl fühlen. 😉

Von solch
Petra

 

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CUX DU

Urlaub in Cuxhaven-Duhnen, dem Nordseeheilbad am Wattenmeer.

Endlich mal wieder raus und ans Meer, wenn es auch nur eine Woche war. Aber in dieser einen Woche wurde uns Wettertechnisch alles geboten. Von Sonnenbrand bis stürmische Böen und natürlich Regen, denn Regen hatten wir diesen Sommer ja wohl reichlich. Aber insgesamt war es schön und wir haben uns gut erholt. Der Fisch war lecker….. 🙂

Ein paar Impressionen:

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Service person of the year 2020

Autorin: Marina

Hi,

Ich möchte euch über etwas berichten, das ich so nicht für möglich gehalten hätte und mit dem dementsprechend ich auch gar nicht gerechnet hatte.

Zunächst muss ich aber ein bisschen ausholen: bevor die Welt verrückt wurde hatten wir, von meinem Arbeitgeber organisiert, jedes Jahr im Januar eine große Vertriebs- und Service-Konferenz für Deutschland und Österreich. Diese Konferenz findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt, in 2020 z.B. in Wien. Davor waren wir auch schon in Berlin, München, Düsseldorf etc.

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Diskriminierung bei der Wohnungssuche

Autorin: Rita

 

Hallo,

meine Frau und ich suchen eine größere Wohnung in unserem Heimatort. Ich hab dann natürlich als erstes das Internet gefragt. Und konnte es kaum glauben, es war eine Wohnung im Haus nebenan frei. Schnell den Makler angerufen und einen Besichtigungstermin gemacht.

Wir trafen uns vor dem Haus und nach kurzer Vorstellung, fragte der Makler meine Frau, ob sie alleine da einziehen möchte. Meine Frau sagte nein, wir beide zusammen. Daraufhin war der Makler sehr distanziert und wortkarg. Nach der Besichtigung sagten wir ihm, dass wir die Wohnung gerne haben möchten. Der Makler wollte noch eine Selbstauskunft und eine Schufa-Auskunft haben. Nach ein paar Tagen sandten wir dem Makler alle Unterlagen zu und er rief uns an, dass die Vermieter uns gerne kennenlernen wollen. Anscheinend waren für sie die Frauennamen in der Schufa-Auskunft und Selbstauskunft nicht klar.

Ein Termin war auch schnell gefunden und wir hatten aus meiner Sicht eigentlich ein gutes Gespräch. Ich habe auch ein paar Worte zu mir erzählt und es schien kein Problem zu sein. Wir besprachen sogar schon den möglichen Einzugstermin. Am Ende fragte ich, wann sie sich entscheiden würden, ob wir die Wohnung bekommen. Die Vermieterin sagte uns, dass wir bis Mittwoch eine Antwort bekommen sollten. Es war Samstagnachmittag und wir fuhren nach Hause, sicher die Wohnung mieten zu können. Nach ca.10 Minuten schloss ich die Haustüre auf und bemerkte, dass ich eine eMail vom Makler bekommen hatte. Es war eine Absage! 🙁
Wir konnten uns das nicht erklären und waren schon sehr enttäuscht, denn die Wohnung wäre perfekt für uns gewesen.

Ein paar Tage später erzählte ich meinem Schwager diese Geschichte. Er kennt die Vermieter als sehr konservative ältere Leute und sagte, wenn ich als Mann hingegangen wäre, hätten wir die Wohnung bekommen. Pöh, tolle Äußerung, die nicht wirklich weiterhilft!

Er wollte trotzdem mal nachhaken, warum die Entscheidung gegen uns fiel und rief die Vermieter an. Er stellte das Telefon laut und fragte, warum seine Schwester und ihre Frau die Wohnung nicht bekommen hätten. Und ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Da sagte die Vermieterin doch tatsächlich, dass sie alle Mieter und Eigentümer in dem Haus gefragt hatte und die meisten sind gegen uns gewesen. Es täte ihr leid aber sie muss sich ja daran halten.
Ich fragte meinen Schwager, wie sie das innerhalb von 10 Minuten geschafft hat und dann noch dem Makler Bescheid zu sagen, dass er uns die eMail mit der Absage schicken soll.
Eine ganz klare Ausrede!

Da die Vermieterin nicht weiß, dass wir einen sehr guten Kontakt zu einigen Eigentümer bzw. Mietern in dem Haus haben, habe ich dort einfach mal nachgehakt. Ich fragte ob die Vermieterin die Eigentümer bzw. Mieter tatsächlich gefragt hat, ob wir da einziehen dürfen. Es stellte sich schnell heraus, dass niemand gefragt wurde. Und es kommt noch besser.

Einige sind richtig sauer, dass sie, ohne es zu wissen mit in diese Diskriminierung hineingezogen wurden. Sie wollen dies bei der nächsten Eigentümerversammlung auf jeden Fall ansprechen und hätten sich alle gefreut, wenn wir da eingezogen wären.

Die Wohnung haben wir nicht bekommen, aber diese schöne und mutmachende Reaktion der Leute im Hause fand ich einfach toll.

Liebe Grüße
Rita

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Hallo Welt…oder doch lieber erst mal nur das Forum

Autorin: Stefanie_

nachdem ich seit nun knapp zwei Monaten im Gendertreff Forum registriert bin, möchte ich nun auch die Chance nutzen mich vorzustellen. Zu Anfang möchte ich sagen, die Weisheit „in der Kürze liegt die Würze“ ist nicht unbedingt die Weisheit nach der ich lebe. Ich bin gerne sehr ausschweifend.

Anfang der 90er Jahre an einem frühen Sommermorgen, in einem Krankenhaus in einer Großstadt im Ruhrgebiet. Dort im Kreißsaal. Eine Frau liegt dort in den Wehen, wartend auf die Geburt ihres ersten Nachkömmling. Die Zeit verstreicht, Stunde um Stunde, Minute um Minute. Die Schmerzen sind groß. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es endlich soweit, die Geburt beginnt.

Unbemerkt von Allen zieht sich der Himmel zu und ein Unwetter zieht auf. Im Geburtssaal ist das Licht gedimmt, lediglich eine OP-Lampe erhellt den Ort, wo gleich ein Neugeborenes das Licht der Welt erblicken soll. Nach wartenden, schmerzvollen Minuten ist endlich der Kopf des Kindes zu erblicken und wenig später ist die Geburt vollzogen.

Während die Nabelschnur durchtrennt wird, wiegt sich das Kind in den Händen des Arztes. Kurz nach der Trennung von der Mutter, hebt der Arzt das Kind empor, just in diesem Moment erhellt das flackernde Licht eines Blitzes den Raum, die Wassermengen des Regens trommeln an das Fenster, da verkündet der Arzt mit diabolischer Stimme, lachend und leicht vom Licht der Blitze erleuchtet, „es ist ein Junge“. Der weinende und schreiende Protest des Säuglings wird übergangen, ja nahezu von niemanden wahrgenommen. Es wird dunkel…die Erinnerungen verblassen.

Jahre später, der damalige Säugling ist mittlerweile circa zehn Jahre alt, erwacht er aus dem Schock, den dieser erste Tag des noch jungen Lebens hinterlassen hatte. Er merkt, etwas ist anders, irgendetwas passt nicht und beginnt die Suche…

Ob sich wirklich alles so abgespielt hat, wer weiß das schon, schließlich ist doch bei jeder Geschichte etwas dazu geschrieben, aber doch auch immer etwas wahres dran. Was davon, sucht euch bitte selber aus.

Aber nun zum eigentlichen. Soviel sei gesagt, ich bin tatsächlich Ende 20 und komme tatsächlich aus dem Ruhrgebiet. Allerdings hat mich der Beruf für ein gutes Jahr nach Westfalen verschlagen, ehe ich vor knapp fünf Jahren ins Rheinland gezogen bin. Mit circa zehn Jahren merkte ich auch tatsächlich, dass ich mich irgendwie anders fühle und nicht so sein wollte, wie ich nach außen hin wirkte. Wo mir allerdings mein grundsätzliches Problem, nicht grade in Eile zu sein, nicht grade von Vorteil war. Grade die Schulzeit, vor allem zum Ende hin, als auch die Ausbildung bot mir super Gelegenheiten mich auf andere Dinge zu fokussieren, weshalb so Punkte wie Persönlichkeitsfindung auf der Strecke blieben. Allerdings empfinde ich das nur noch als bedingt negativ. Da es mich immer wieder zu dem Thema zurückgeführt hat, sehe ich dies als Bestätigung, da muss doch irgendetwas sein.

Vor knapp zwei Jahren fing ich an mir Hilfe zu suchen, da es hierbei allerdings nicht nur um das Thema Selbstfindung ging, konnte ich die letzten zwei Jahre nicht ausschließlich daran arbeiten – leider. Dazu kommt, dass ich selbst eine sehr perfektionistische Persönlichkeit bin. Am liebsten würde ich Schnipps machen und ich könnte en-femme, in einem 100%igem Passing auf die Straße gehen und so leben, wie ich innerlich ticke. Das dies leider eine utopische Vorstellung ist, ist mir leider selbst bewusst, weshalb ich glaube, dass dieser Schritt hier für mich enorm wichtig ist. Zum Thema Passing muss ich glaube ich noch sehr, sehr viel lernen, wenn ich nicht sogar noch am Start stehe. Bislang hatte ich auch noch nie Kontakt zu ebenfalls „Betroffenen“, zumindest nicht in diesem Kontext. Das ist auch nicht grade eine Sache die es leichter gemacht hat. Umso froher bin ich, es geschafft zu haben, mich im Forum anzumelden. Für manche vielleicht kein großes Ding, mich macht es aber grade schon ein wenig stolz. Wichtig dürfte es für mich sein, erst mal einen vernünftigen Umgang mit der Thematik und damit ja auch mit mir selbst zu finden. Und ein wenig in Kontakt zu kommen ist bestimmt auch nicht schlecht 🙂

Auch wenn es sich hierbei um die Vorstellung und nicht um Fragen handelt, es aber auch irgendwie zu mir gehört, möchte ich euch noch mitgeben, dass mich derzeit folgende Fragen vor allem beschäftigen…

…wieso bin ich nicht so wie ich mich fühle/sein möchte?
…wo komme ich irgendwann mal an?

Vor allem erstere Frage nagt sehr an mir. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Fragen dem einen oder anderen vielleicht vertraut vorkommen. Falls ihr eine Antwort gefunden habt, immer her damit.

Liebe Grüße und bleibt gesund in den stürmischen Tagen

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Marinas 10-Jähriges – Gendertreff

Am Sonntag, den 19.01.2020, war ein durchaus denkwürdiger Tag für mich. Als Erstes fand der Gendertreff Düsseldorf zum ersten Mal wieder im Café Süd in Düsseldorf statt, aber auch war dies mein 10-jähriges Jubiläum.

10 Jahre ist es her, dass eine völlig verunsicherte, vor Angst zitternde Marina mit Ihrem Auto auf dem Parkplatz vor dem Café Süd stand. Genau genommen war dies der 17.01.2010, aber eben der 3. Sonntag im Januar. Es war ca. 15:00 Uhr, ich war also etwas zu spät, aber ich hatte gerade ~350 km von Fulda nach Düsseldorf zurückgelegt. Bei der Strecke kann man nie so genau planen.

Wie gesagt, da saß ich also in meinem Auto und zitterte am ganzen Körper vor Angst, vermischt mit Aufregung, hatte ich mich doch erst am 12.12.2009 im Gendertreff-Forum angemeldet. Außer den Avatarbildern und dem was andere geschrieben haben, wusste ich nicht viel von den Leuten, die da drüben im Café sitzen. Was werden das wohl für Menschen sein? Werde ich mich da wohlfühlen? Was erwartet mich, wenn ich jetzt die paar Meter vom Parkplatz zum Café hinter mich bringe? Fragen über Fragen…

Und so, etwa 10-15 Minuten später, hatten sich meine Nerven insoweit beruhigt, dass ich es schaffte aus zusteigen und rüber zu laufen. Vor dem Café standen einige andere Trans*-Personen beim Rauchen. Ich war so aufgeregt, dass ab dort meine Erinnerungen etwas unklar sind.

Irgendeine der Raucherinnen sprach mich an, ob ich eine „Neue“ wäre. Ich glaube, ich habe kein Wort heraus bekommen und nur genickt. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wer das damals war. Jedenfalls sendete sie mich mit „Wir sitzen da hinten, geh nur rein“ während sie nach links zeigte, zum Selbsthilfetreffen ins Café Süd.

Unsicher ging ich also rein und wurde unmittelbar von Xenia und Ava begrüßt. Wir wechselten ein paar Worte, wobei ich kaum etwas sagte. Naja, jedenfalls führten sie mich an die lange Kaffeetafel links und ich fand einen Sitzplatz ungefähr in der Mitte.

Ich saß erst mal da und hörte den anderen erst einmal nur zu. Dann bestellte ich einen schwarzen Tee und ein Stück Kuchen(?), wobei, ich kann mich nur an den Tee erinnern. Ich nehme immer Süßstoff zum Tee aber es gab keinen Süßstoff auf dem Tisch. Mir gegenüber saß Kirsten, die ich aber damals noch nicht kannte. Sie sagte mir, dass sie Süßstoff dabei hätte und gab mir einen kleinen Süßstoffspender. Ich war immer noch sehr nervös und zitterte noch immer ziemlich.

Und dann passierte das Unvermeidliche: Der Süßstoffspender rutschte mir aus der zitternden Hand und versank im Tee. Oh (zensiert), ich hätte vor Scham im Boden versinken können. Die anderen am Tisch fanden es aber lustig, mir war gar nicht zum Lachen. Ich habe mich 1000x bei Kirsten entschuldigt, aber sie sagte, dass es nicht so schlimm ist. Kann man ja reinigen und neu befüllen. Der Tee jedenfalls war ungenießbar.

Das erste Mal da und dann so etwas…

Rita setzte sich dann neben mich, lächelte mich an aber sprach kein Wort. Irgendwie beruhigte mich das. Und so saß ich weiter am Tisch, anstatt meinem Impuls zu gehen nachzugeben. Die Zeit verging wie im Flug, ich trank mehrere Tassen Tee und hörte den anderen zu. Und da wusste ich: Ja, hier bist du richtig. Hier sind Menschen, die genau das Gleiche erlebt haben wie du. Die sich mit genau den gleichen Problemen herumschlagen wie du. Hier sind Menschen, die dich verstehen.

Um 18:00 Uhr war Schluss, einige verabredeten sich noch irgendwo Abendessen zu gehen. Aber das traute ich mich dann doch noch nicht. Und so fuhr ich zu meiner damaligen kleinen Zweitwohnung in Meerbusch-Nierst.

Dies war also das erste Mal, aber ich kam immer wieder, und wieder und wieder. Ich fing an, diese Menschen kennenzulernen und anscheinend hatten sie auch ein Interesse an mir. So war ich dann ganz schnell bei den ersten Ausflügen mit dabei. Im August 2010, beim Sommerfest wurde ich gefragt, ob ich im Team mitarbeiten wolle. Nach 3 Tagen Bedenkzeit sagte ich zu.

Und hier bin ich heute, 10 Jahre später: Teammitglied, Vorstandsbeisitzerin und Moderatorin im Gendertreff e.V. . Seit 2013 lebe ich Vollzeit als Frau, auch wenn es mir mein Arbeitgeber nicht ganz leicht gemacht hat. Meine Transition ist insoweit abgeschlossen. Namens- und Personenstandsänderung habe ich seit Dezember 2015. Die GaOP ist bei mir aus medizinischen Gründen ausgeschlossen. Aber je länger ich so glücklich und zufrieden lebe wie jetzt, je unwichtiger wird dieser Schritt für mich. Inzwischen wäre es vielleicht in ein paar sehr wenigen Situationen von Vorteil die GaOP zu haben, aber in 99,9% meines Lebens spielt es eigentlich keine Rolle. Ich bin zufrieden.

Heute schaue ich auf diese Zeit zurück und frage mich, warum hast du so lange gewartet? Naja, die Zeit war noch nicht reif für mich. Ich musste erst einmal zu mir selbst finden. Ich musste erst einmal die Menschen finden, die den Weg zu mir selbst mittragen. Und genau diese Menschen habe ich an diesem denkwürdigen Tag im Januar 2010 gefunden.

An jenem Sonntag den 19.01.2020 feierte ich also mit allen Anwesenden mein 10-jähriges Jubiläum. Und ratet mal, was ich von meinem Freunden geschenkt bekam:

Von Ava, Xenia und Ute sowie von Rita und Kirsten jeweils ein Teeglas und einen kleinen Süßstoffspender. Das ist also auch bei Ihnen in Erinnerung geblieben. Ich habe köstlich gelacht. Ja, ich habe gelernt auch über mich selbst zu lachen und nicht alles so bitterernst zu nehmen.

Deshalb sage ich hier noch einmal: Danke meine lieben Freundinnen! Mehr als alles andere, habt Ihr mir etwas geschenkt, das ich vorher in meinem Leben nicht hatte – Echte Freundschaft –

Und so gab ich einen Toast auf meine Freundinnen, den Gendertreff e.V., das Café Süd und das Leben an sich.

PROST!!!

 

Liebe Grüße

Marina

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Folge 1747 – Gendertreff und Lindenstrasse

Sag niemals nie und so kam es zum dritten Auftritt von Mitgliedern des Gendertreff bei der Lindenstrasse. Folge 1747 wurde am 12. Januar 2020 ausgestrahlt. Drehtag dazu war der 8.10.2019.

Leider war am 20.12.2019 der letzte Drehtag der beliebten Serie aber am 8. Oktober war richtig Stress und ein wuseliges Treiben in den Studios des WDR. Zwei Folgen wurden parallel abgedreht und es waren viele bekannte und unbekannte Schauspieler sowie Komparsen und Drehteams vor Ort. Darunter wir vom Gendertreff, die erst einmal, wie alle Schauspieler, die Abteilungen „Maske“ und „Kostüme“ durchlaufen mussten.

Endlich gegen 16:00 Uhr ging es auch für uns los. Den Weg zum Set (Akropolis) kannten wir ja und dort war bereits ein buntes Treiben. Die Technik baute in Windeseile auf und die Schauspieler und die Komparsen nahmen Aufstellung. Probe – Noch `ne Probe – Tupfer – Kamera – Ton – und Aufnahme. Neue Einstellung und das Ganze von vorn. Und dann noch eine Einstellung und noch eine Einstellung usw.

Kurz zum Inhalt:

Freunde sind im Restaurant Akropolis dabei um zu Gratulieren und sich zu freuen, wenn Tanja (Sybille W.) ihrer Sunny (Martin W.) einen Heiratsantrag macht.

Gegen 19:00 Uhr schließlich waren alle zufrieden und die Szenen im Kasten. Wir verabschiedeten uns herzlich von allen – Vielleicht für immer………….

Am 29. März 2020 wird nach knapp 35 Jahren die 1758. und damit letzte Folge der „Lindenstraße“ ausgestrahlt. Zahlreiche Requisiten, Kostüme und Kulissen der „Lindenstraße“ werden nach dem Ende der Serie im März 2020 zu Ausstellungsstücken. Die Küche von Helga Beimer und die Bushaltestelle Lindenstraße/Kastanienstraße wandern ins Haus der Geschichte in Bonn. Das Technik Museum Speyer wird u.a. das Restaurant „Akropolis“ und das „Café Bayer“ in seine Sammlung aufnehmen. Die Deutsche Kinemathek in Berlin wird diverse Dinge, darunter u.a. die Speisekarten des „Akropolis“ sowie Helga Beimers und Anna Zieglers Bademäntel übernehmen. Das, was dann  noch übrig ist, geht in den auch vom WDR genutzten Fundus für Film- und Theaterausstattung (FTA) oder wird für einen karitativen Zweck verkauft. 

 

 

Bilder, Texte & Filme: Westdeutscher Rundfunk (WDR)

 

Folgen mit Gendertreff Beteiligung:

-) 1665 „Falsch ist genau richtig“

-) 1715 „Was ist schon gerecht“

-) 1747 „Gut gemeint“

 
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