Was hat euch bewogen, die Messe & Fachtagung 2016 ins Leben zu rufen?
Die Idee einer Messe & Fachtagung für Trans*-Menschen und Angehörigen begleitete uns im Gendertreff-Team schon lange. Unser Ziel war es, Experten und Anbietern aus dem Bereich Transidentität zusammenzubringen und so den direkten Austausch zwischen Betroffenen und Fachleuten zu medizinischen und anderen zentralen Fragen zu ermöglichen.
Besonders wichtig war uns dabei der persönliche Austausch an einem Ort und an einem Tag. Trans*-Menschen und Angehörige sparen sich so lange Wartezeiten auf Termine oder weite Anreisen. Sie erhalten direkte Antworten auf ihre Fragen, können Erfahrungen teilen, voneinander lernen und vor Ort wertvolle Netzwerke knüpfen. Gleichzeitig bietet die Veranstaltung Fachleuten aus verschiedenen Bereichen eine Plattform, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.
Wie hat sich die Messe im Laufe der Jahre verändert, und worauf seid Ihr besonders stolz?
Die Messe & Fachtagung startete 2016 bescheiden in kleinen Konferenzräumen in Iserlohn, mit etwa zehn Teilnehmenden und vier Vorträgen. Doch schon nach der ersten Veranstaltung war klar, es bestand ein großer Bedarf. Alle Anwesenden signalisierten ihren Wunsch nach einer Wiederholung im Folgejahr.
Da die Räumlichkeiten bald nicht mehr ausreichten, zog die Veranstaltung 2017 ins Bürgerhaus Erkrath um. Dort boten rund 20 Aussteller und zahlreiche Fachvorträge ein breites Informationsangebot, von Brustprothesen über Stimmtherapie, Perücken und Haarentfernungsmethoden bis hin zu Psychotherapie und verschiedenen Verfahren der geschlechtsangleichenden Operation. Allein zur geschlechtsangleichenden Operation (GaOP) gab es vier Fachvorträge zu den Themen Frau-zu-Mann und Mann-zu-Frau. Die Besucherzahlen stiegen rasant an und die Eröffnungsreden wurden von Vertretern der Stadt, wie Bürgermeister und AGG-Beauftragten, gehalten.
2020 musste die Messe aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Seit 2022 findet sie im Forum Leverkusen statt, wo wir bereits seit 2006 regelmäßige Selbsthilfetreffen ausrichten. Mittlerweile verzeichnen wir über 20 Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet und mehr als zehn Fachvorträge.
Besonders stolz sind wir darauf, dass sich die Messe zu einer festen Institution entwickelt hat, die Trans*-Menschen und Angehörigen eine einzigartige Plattform für Austausch, Information und Vernetzung bietet und dass wir dabei immer wieder auf die Unterstützung von Kommunen und Fachleuten zählen können.
Was macht die Tagung aus eurer Sicht für die Teilnehmenden so wertvoll?
Die Messe & Fachtagung Trans* ist ein zentraler Treffpunkt für Austausch, Vernetzung und Fachwissen rund um Transidentität, mit Ausstellern und Engagierten aus dem gesamten Bundesgebiet.
Für die Besucher bietet die Veranstaltung an einem Tag und an einem Ort die einzigartige Möglichkeit, kostenlos und direkt Informationen zu erhalten, sich vor Ort beraten zu lassen und an Fachvorträgen teilzunehmen. Hier können Erfahrungen geteilt, voneinander gelernt und wertvolle Kontakte geknüpft werden.
Die aktuellen Fachvorträge vermitteln fundiertes Wissen, das an den Messeständen weiter vertieft werden kann. Gleichzeitig profitieren auch Aussteller und Fachpersonal. Sie lernen das Leben von Trans*-Menschen abseits des klinischen Settings kennen und können ihre Produkte und Dienstleistungen direkt auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abstimmen.
Wie lautet euer Fazit nach 10 Jahren Gendertreff Messe & Fachtagung?
Nach zehn Jahren ziehen wir ein dankbares und stolzes Fazit. Die Messe & Fachtagung Trans* hat sich zu einem wichtigen Baustein der Selbsthilfearbeit entwickelt. Unser ausdrücklicher Dank gilt allen (ehrenamtlichen) Ausstellern und Teilnehmenden, die mit ihrem Engagement in ihrer Freizeit die Veranstaltung bereichert haben. Durch ihre Informations-, Beratungs- und Dialogangebote leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag, um die Lebenssituation von Trans*-Menschen, Angehörigen und Interessierten zu verbessern.
Dass die Teilnahme kostenfrei ist, war uns von Anfang an wichtig, so können möglichst viele Betroffene und Interessierte die Chance nutzen, sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Die Veranstaltung steht für eine unterstützende, informative Umgebung, die den Bedürfnissen von Trans*-Menschen gerecht wird und ihre Anliegen sichtbar macht.
Die letzten Jahre waren schön, lehrreich und sehr arbeitsintensiv. Nun stehen wir aber vor der Frage, wie es weitergeht mit der Messe & Fachtagung, die ein zentraler Teil unserer Selbsthilfearbeit war. Durch Alter, einer dünner werdenden Personaldecke und teilweisen Wegfall von Fördermitteln ist nicht sicher, ob wir dieses Konzept in der bisherigen Form aufrechterhalten können. Doch unabhängig davon bleibt: Die Arbeit hat sich gelohnt!
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