Floras Problem mit dem „Passing“

Autorin: Flora99

Für viele Trans* Menschen ist das Passing so ein bisschen wie ein Ritterschlag- die endgültige Bestätigung der eigenen Ausstrahlung im richtigen Geschlecht. Stimmt das Passing, fühlt sich Mensch gleich viel selbstbewusster und bestätigt und bekommt das auch von außen mitgeteilt. Eigentlich eine rundum positive Sache- könnte man meinen.

Ich habe trotzdem seit geraumer Zeit ein Problem mit dem Begriff und dem Prinzip „Passing“. Schon der Ursprung ist mir zuwider; im englischen bedeutet „to pass as […]“ so viel wie „als […] durchgehen“, heißt übertragen auf die Situation von trans* Menschen, eine Transfrau mit gutem Passing „geht als (Cis) Frau durch“ und ein Transmann „geht als (Cis) Mann durch“. Nun gibt es ja Leute, die das Attribut „Trans“ für sich nur als Übergangsbeschreibung nutzen, und dieses nach abgeschlossener Transition hinter sich lassen. Für diese Leute mag das Prinzip „Passing“ okay und überlebenswichtig sein – ich aber definiere „Trans*“ als Teil meiner ganz persönlichen Identität und damit als Teil meiner selbst. Soll heißen: Wenn ich als Trans* Mensch ein gutes „Passing“ habe und damit als Cis Frau „durchgehen“ will, ist es das erklärte Ziel meines Passings, mich nicht als Transfrau erkennbar zu machen, meine Identität zu verschweigen. Ich würde sogar noch weiter gehen: Indem wir Trans* Menschen immer weiter versuchen, unser „Passing“ zu verbessern und damit dem Cisgender-Stereotyp hinterherhecheln, unterstreichen wir nur noch mehr die Ansicht, dass Trans* Identitäten und Körper weniger wert sind als die unserer Cis-Gegenstücke. Wir wollen als „echte“ Frauen und Männer durchgehen – und bezeichnen uns als Trans* Menschen damit unbewusst als „unechte“ Männer und Frauen; wir werten uns selbst ab.

Aber warum? Nun, der Aspekt der Sicherheit ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn die Bundesrepublik nachweislich eines der transfreundlichsten Länder der Welt ist, vor Ausgrenzung, Diskriminierung oder sogar Gewalt aufgrund der eigenen Geschlechtsidentität ist auch hier niemand komplett sicher. So kann es für Trans* Menschen durchaus wichtig für die eigene Gesundheit sein, ein gewisses Passing zu besitzen. Dennoch scheint es mir häufig so, als wäre das Passing das einzig erklärte Ziel einer körperlichen Transition für viele Leute. Die veraltete Beschreibung „zur Frau/zum Mann werden“ für die körperliche Transition sagt da im Prinzip schon alles – möglichst nah ran kommen an das Aussehen von Cis Menschen, um sich vollständig zu fühlen. Und an diesem Punkt stelle ich ganz deutlich die Frage: Warum eigentlich? Warum sind Cis Menschen immer noch für (nicht alle, aber viele) Trans* Menschen das non plus Ultra wenn es darum geht, wie „Männer“ und „Frauen“ auszusehen haben?

Ich wachse in einer Zeit auf, in der es (zumindest im englischsprachigen Raum) schon zahlreiche Vorbilder und Berühmtheiten aus der Trans* Community gibt. Ich hatte eine Zeit, in der wollte ich unbedingt die breiten, weiblichen Hüften haben, die Laverne Cox auf ihrem bahnbrechenden Time-Cover zeigt (das sie als erste Transfrau in der Geschichte des Magazins schmücken durfte). Sie waren für mich das Symbol von Weiblichkeit, auch für eine Transfrau. Doch damals ohne jeglichen Zugang zu Hormonen oder die nötige Kreativität, mit Stoff nachzuhelfen, lernte ich irgendwann meine schmaleren Hüften „kennen und lieben“, wie man so schön sagt. Ein banales Beispiel, ich weiß, aber ich will damit zum Ausdruck bringen, dass ich es für extrem gefährlich halte, sich auf der Suche nach dem richtigen Verhältnis zum eigenen Körper als Trans* Person dazu verleiten zu lassen, unbedingt das größtmögliche „Passing“ erzielen zu wollen. Meine Hüften mögen nicht das aller femininste Modell sein, aber ich mag sie – das musste ich nur erstmal bemerken, und mich dazu von dem vorgezeichneten Bild einer „echten“ weiblichen Hüfte entfernen. Dieselbe Laverne Cox, die bei mir damals durch ihr Aussehen dafür gesorgt hat, dass ich für mich selbst eine viel zu hohe Messlatte setzte, spricht schließlich selbstbewusst in ihrer tiefen Stimme und trägt ihre breiten Schultern mit Stolz – wie eine (Trans-) Frau, die mit sich selbst und ihrem Körper im Reinen ist. Dabei sieht sie fantastisch aus – obwohl sie eindeutig als Transfrau erkennbar bleibt. Und genau das ist der Punkt. „Trans is Beautiful“ ist ihr Credo, das mich so fasziniert hat. „Trans ist schön“, Trans* Menschen, ihre Körper und ihr Aussehen sind genauso viel wert und genauso schön wie die von Cis Menschen. Das ist die Botschaft, die meiner Meinung nach einer jeden Trans* und Cis Person klar sein muss. Durch das Prinzip „Ich muss als Cis Frau/Mann durchgehen, um schön zu sein“ degradieren wir uns nur unnötig selbst.

Mir ist bewusst, dass dieser ganze Text als heuchlerisch wahrgenommen werden kann, wenn ich ihn als junge Transfrau schreibe, die Hormone bekommen konnte, bevor die Pubertät bei ihr große Spuren hinterlassen hat. Mein „Passing“ ist etwas, das mir schon oft Lob eingebracht hat („Boah, das hätte ich nie erkannt, dass du Trans bist!“, „Mensch, du siehst ja aus wie eine richtige Frau!“) und ich bin für jedes Lob dankbar. Aber ich bin es auch leid, dass mit so gut wie jedem dieser Komplimente mein Trans-Sein als unerwünscht oder eben „nicht echt“ dargestellt wird („richtige Frau“=Cis Frau). Es ist schließlich schon lange nicht mehr mein erklärtes Ziel, jedes Merkmal meines Körpers, das mich als Trans* kennzeichnen könnte, zu verstecken, sondern mich in meiner Haut wohlzufühlen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir als Trans* Leute aufhören darauf hinzuarbeiten, wie Cis Leute auszusehen, und stattdessen versuchen, das Äußere und das Auftreten zu erreichen, mit dem wir uns selbst am besten gefallen. Ob man damit am Ende nun aussieht wie eine Cis Person oder nicht, sollte komplett egal sein. Hauptsache man gefällt sich am Ende selbst- „Passing“ hin oder her.

Anmerkung: Ich benutze in diesem Text bewusst Formulierungen, die sich auf binäre Trans* Menschen beziehen, weil das Prinzip „Passing“ auf nichtbinäre Menschen meines Wissens gar nicht richtig passt (korrigiert mich wenn ich falsch liege). Meine hier geäußerte Meinung entspringt aus meiner ganz persönlichen Wahrnehmung der „Gefühlslage“ innerhalb der Trans* Community.

INHALTSVERZEICHNIS

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Wird ein transsexueller Bewerber aufgrund seiner Transsexualität und damit wegen seines „Geschlechts“ oder „sexuellen Identität“ abgelehnt, so kann dies einen Ent­schädigungs­anspruch nach § 15 Abs. 2 des Allgemeinen Gleich­behandlungs­gesetzes (AGG) begründen. Dies setzt gemäß § 22, § 7 Abs. 1 AGG unter anderem voraus, dass der Bewerber Indizien vorträgt und im Bestreitenfall beweist, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, er sei vom Arbeitgeber als transsexueller Mensch wahrgenommen und deshalb benachteiligt worden. Dies hat das Bundes­arbeits­gericht entschieden.

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Offener Brief an die Bundesärztekammer

Offener Brief des Gendertreff an die Bundesärztekammer bez. diskriminierender Aussagen über Transgender bzw. transidente Personen in Zusammenhang mit Blutspenden

Sehr geehrte Damen und Herren der Bundesärztekammer,

der Gendertreff ist eine ehrenamtlich geführte Trans*-Organisation. Die Ziele des Gendertreff sind Hilfe zur Selbsthilfe für Trans*-Menschen und ihre Angehörigen sowie politische Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Wir streben an, die Lebenssituation von Trans*-Menschen und ihren Angehörigen nachhaltig zu verbessern. Dazu betreiben wir unter www.gendertreff.de eine große Internet-Plattform, Selbsthilfegruppen in Düsseldorf und Leverkusen sowie mit dem Gendertreff-Forum (www.gendertreff-forum.de) eine virtuelle Selbsthilfegruppe.

Im Zuge der Foren-Diskussion zu unserem offenen Leserbrief an die Welt-Redaktion wurden wir auf Ihr Positionspapier „Blutspendeausschluss von Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ aufmerksam. Dort vertreten Sie die Auffassung, dass Trans*-Personen eine AIDS-Risikogruppe wären. Unter anderem heißt es dort:

In Studien zur HIV-Prävention werden Transsexuelle häufig zur Kategorie der Männer gezählt, die Sex mit Männern haben (MSM) [■ Bockting 2001]. Die AIDS-Aufklärungsprogramme erreichen aber häufig diese Zielgruppe nicht, da sich die Betroffenen als Frau fühlen, auch wenn das Geschlechtsorgan, der Penis, meist noch vorhanden ist [■ Weeks 1995]. Aus medizinischer Sicht werden dagegen lediglich diejenigen Menschen als transsexuell bezeichnet, die eine Geschlechtsanpassung in allen körperlichen, sozialen und rechtlichen Bereichen vollzogen haben oder noch vollziehen wollen. Über die Prävalenz der Transsexualität nach dieser engen Definition gibt es keine gesicherten Angaben. Die Schätzungen schwanken zwischen 1:10.000 bis 1:1000 [■ Olyslager 2007].

Da sich viele Transsexuelle, die eine vollständige Geschlechtsumwandlung anstreben, beruflich ausgegrenzt und gesellschaftlich diskriminiert fühlen, arbeiten viele als Prostituierte, um auf diese Weise nicht nur den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch die Operationskosten zu erwirtschaften. Zur Größenordnung dieser Gruppe liegen international keine Statistiken vor. Eine einschlägige deutsche Erotik-Webseite, auf der Transsexuelle ihre Dienste bundesweit anbieten, enthält ca. 300 Inserate (Stand April 2011). Die tatsächliche Zahl dürfte höher sein. Unter den hier inserierenden transsexuellen Sexarbeiterinnen befinden sich auffällig viele mit asiatischer oder südamerikanischer Herkunft.

Die häufig anzutreffende, häufig vielleicht auch nur temporäre Arbeit im Sexgewerbe führt dazu, dass Transsexuelle ein noch größeres HIV-Risiko haben, nicht nur im Vergleich zu Sexarbeiterinnen, sondern auch im Vergleich zu Männern, die Sex mit Männern haben

Diese Aussagen verwundern, da es sich bei der Bundesärzekammer um eine Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung handelt. Weshalb also werden allgemein anerkannte medizinische Forschungesrgebisse im Rahmen der getroffenen Risikoanalyse nicht berücksichtigt? Der Gendertreff kritisiert mit diesem offenen Brief die getroffenen Aussagen als sachlich falsch. Die getroffenen Aussagen stellen zudem eine massive Diskriminierung sowie eine entwürdigende Beleidigung von Trans*-Personen dar.

Zunächst einmal ignoriert der zitierte Text, dass es sowohl Transfrauen als auch Transmänner gibt. Transmänner sind Personen, deren Identitätsgeschlecht männlich ist, die jedoch weibliche äußere Geschlechtsmerkmale besitzen. Transfrauen sind Personen, deren Identitätsgeschlecht weiblich ist, die jedoch männliche äußere Geschlechtsmerkmale besitzen. Weiter wird mit dieser Aussage unterstellt, dass Transidentität irgendeinen Bezug zur sexuellen Orientierung von Menschen besitzen könnte. Auch dies ist jedoch sachlich falsch, da es empirisch erwiesen ist, dass die sexuelle Orientierung vollkommen unabhängig vom Identitätsgeschlecht ist. Um es ganz klar zu formulieren: Die Aussage, dass „Transsexuelle häufig zur Kategorie der Männer gezählt [würden], die Sex mit anderen Männern haben“, ist empirisch selbst für medizinische Laien ohne weiteres widerlegbar. Weshalb also wird ausgerechnet seitens der Bundesärztekammer eine derart realitätsferne These aufgestellt?

Die Bundesärztekammer legt demnach ihrer Analyse zum HIV-Risiko von Trans*-Personen das sachliche falsche Bild des „Mannes in Frauenkleidern, der Sex mit Männern“ anstrebt zugrunde. Die wissenschaflich unhaltbaren Thesen des oben zitierten Textes basieren demnach auf einem zu massiver Beleidigung geeigneten Vorurteil. Dabei werden Studien zitiert, die offenbar ebenfalls sehr realitätsferne Annahmen zugrunde legen.

Auch ansonsten verwundert der Text, da er durch erhebliche fachliche Defizite auffällt. Denn bereits Begriffe wie „Transsexuelle“ oder „Geschlechtsumwandlung“ lassen erkennen, dass sich die Autoren des Papiers nicht einmal ansatzweise mit dem Themenkomplex Transidentität auseinandergesetzt haben. Der Gendertreff empfiehlt der Bundesärztekammer deshalb dringend, sowohl den Kontakt mit einschlägigen Trans*-Organisationen – wie z.B. dem Gendertreff – als auch mit Fachmedizinern aus den Reihen der eigenen Mitglieder aufzunehmen. Es gilt als medizinisch anerkannt, dass eine Angleichung an das Identitätsgeschlecht angestrebt wird. Der korrekte fachliche Terminus lautet demnach nicht „Geschlechtsumwandlung“, sondern „geschlechtsangleichende Maßnahmen“. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass der Terminus „Transidentität“ treffender ist, da er auf das Identitätsgeschlecht abhebt.

Die Aussagen zur Prostitution von Trans*-Personen sind schlichtweg völlig unqualifiziert und stellen eine abstoßende Beleidigung dar. Zwar mag es tatsächlich Trans*-Personen geben, die sich prostituieren. Bei sorgfältiger Recherche sollte die Bundesärztekammer jedoch feststellen, dass die überwiegende Mehrzahl der Trans*-Personen völlig normalen bürgerlichen Berufen nachgeht. Auch sollte der Bundesärztekammer bekannt sein, dass geschlechtsangleichende Maßnahmen in Deutschland von den Krankenkassen übernommen werden. Weshalb also sollte sich jemand zwecks Durchführung einer medizinischen Maßnahme prostituieren, deren Bezahlung die jeweilige Krankenversicherung übernimmt? Diese Aussage ist demnach in ihrer Argumentation nicht schlüssig. Desweiteren überrascht sie auch insofern, als die Bundesärztekammer die Spitzenorganisation von Ärzten ist, denen die Abrechnung medizinischer Leistungen mit den Krankenversicherungen aus der eigenen beruflichen Praxis hinlänglich bekannt sein sollte.

Das Zitieren einer einschlägigen deutschen Erotik-Webseite kann nicht als wissenschaftlich fundierte Recherche bzw. Datenanalyse bezeichnet werden. Im Wege einer Vorverurteilung und pauschalen Herabsetzung wird offenbar das gewünschte Ergebnis durch gezieltes Ausblenden der statistisch relevanten Grundgesamtheit herbeigeführt, indem man eben gerade nicht die zu betrachtende Grundgesamtheit – also alle Trans*-Personen – in die Erhebung einbezieht. Dies ist umso unverständlicher, als es in Deutschland und auch anderen Ländern namhafte Mediziner und auch Trans*-Organisationen gibt, die zur Erfassung der zur Ableitung einer validen Statistik benötigten Grundgesamtheit beitragen könnten.

Aus den hier monierten Passagen und den Einwürfen des Gendertreff wird deutlich, dass die Aussage, nach der Transidente ein besonders hohes HIV-Risiko haben sollen, wissenschaftlich nicht zu halten ist. Statt einer wissenschaftlich fundierten Analyse präsentiert die Bundesärztekammer Recherchen auf Erotik-Webseiten. Die Bundesärztekammer ignoriert die gängige Abrechnungspraxis der Krankenkassen und stellt statt dessen die realitätsferne Behauptung auf, dass sich viele Transidente prostituieren würden, um ihren Lebensunterhalt und insbesondere die Kosten von medizinischen Maßnahmen zu verdienen. Weiter ignoriert die Bundesärztekammer die empirisch sehr leicht zu überprüfende Tatsache, dass es sowohl Transfrauen als auch Transmänner gibt und legt ihren Ausführung ein empirisch nicht zu haltendes Vorurteil zugrunde.

Der Gendertreff fordert die Bundesärztekammer vor diesem Hintergrund auf, das zitierte Positionspapier in naher Zukunft zu überarbeiten und sich fachliche Unterstützung aus den Reihen einschlägiger Mediziner und Trans*-Organisationen einzuholen, um derart herabwürdigende und diskriminierende sowie medizinisch unhaltbare Aussagen in Zukunft zu vermeiden. Über eine Stellungnahme Ihrerseits würden wir vom Gendertreff uns ebenso wie die vielen Trans*-Personen freuen. Darüber hinaus bietet der Gendertreff seine Unterstützung bei der Erstellung einer fachlich fundierten Analyse an.

Dieser offene Brief wird der Bundesärztekammer per Briefpost ebenfalls zugestellt und vorab per E-Mail übermittelt.

Mehr zum Thema:

>> Antwort der Bundesärztekammer auf den offenen Brief des Gendertreff

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Der Gendertreff in Solingen 2016

Zum neunten Mal lud u.a. Silvia K. (Mitorganisatorin) zum Selbsthilfetag ins Klinikum Solingen und 42 Selbsthilfegruppen machten mit.

Wie schon im letzten Jahr hatte der Gendertreff wieder den guten Platz am Eingang des Foyers. Diesmal konnten wir auch unsere Beachflag draußen vor dem Eingang platzieren. Bereits während des Aufbaus des Standes konnten tiefgründige Gespräche geführt werden. Um 11:00 Uhr dann war alles fertig und der offizielle Teil begann. Ava, Nathalie, Rita, Ute, Xenia und später auch Jonas waren bereit. Es sollte ein intensiver Samstag werden.

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Anders als erwartet“ aber auch die Themen „Transidentität am Arbeitsplatz“, „Transidentität in der Schule“, „Transidentität und Medizin“ sowie „Transidentität und Recht“  waren die vorherrschenden Themen und wurden zur Diskussion aufgegriffen.

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Der Solinger Bürgermeister drehte seine Runde und verblieb zu einem längeren Gespräch an unserem Stand. Gerne nahm er eine „Grüne Karte für Diversity“ mit. Auch Silvia, die in vielen Gesprächen eingebunden war, besuchte uns zwischendurch gerne.

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Aber die zahlreichen Besucher konnten sich nicht nur über Transgender informieren. Blutdruck- und Blutzuckermessungen wurden durchgeführt. Kinder aber auch Erwachsene wurden auf Wunsch geschminkt und ein Künstler zauberte aus Ballons schöne Figuren.

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Sogar eine kleine Tanzformation zeigte ihr Können und verließ mit viel Applaus und jeweils einem Gendertreff Ballon das Foyer. Und damit nicht genug.

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Am Nachmittag bekam der Gendertreff die Gelegenheit kranke Kinder, auf der Kinderstation im 7. Stock des Klinikums, zu besuchen. Es war herrlich, wie sich die Kinder in ihren Zimmern über diese kleine Geste freuten, als sie die Gendertreff Ballons überreicht bekamen. Für alle war dies eine gelungene Abwechslung und für die Kinder eine schöne Überraschung im Klinikalltag, die ein wenig von der Krankheit ablenkte. Natürlich bekamen die anwesenden Eltern auch gleich noch die „Grüne Karte für Diversity“ als Information an die Hand.

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So sprang der Zeiger der großen Uhr auf 4 und alle bauten ab. Wir verabschiedeten uns und luden das Equipment in die Fahrzeuge.

Wir freuen uns auf den 10. Selbsthilfetag im Solinger Klinikum 2017.

>> Solingen Magazin

>> Solingen 2015

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Trans* und Kirche

Trans-sexualität/-identität auf www.evangelisch.de

-) Buch zur Frankfurter Tagung über Transsexualität erschienen

-) Papst befürwortet offenen Umgang mit Transsexuellen

-) Ich gehöre als lesbische Transfrau zum Gemeindeleben

-) Pilgrims‘ Haven

-) Was ist der Mensch? – Geschlechtergerechtigkeit trans*zendiert

-) Befiehl du deine Wege

-) Es geht nicht immer nur voran

Weitere Links:

-) Deutschlandfunk-Entmoralisierung der Geschlechterfrage-Transsexualitaet

-) Kirche entschärft Kündigungsregeln

-) Neuapostolische Kirche International

-) Trans* in Religion und Ethik

-) Pfarrerin Elke, Vater von sieben Kindern

-) Zum Umgang mit Transsexuellen in der Kirche

-) Von der Transsexualität zur Transidentität

„Wir sind alle Gottes Kinder, geliebt, gesegnet und in Gottes Bild geschaffen. Das ist es was zählt!“

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NRW ist vernetzt

Das „Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans NRW“ NGVT*-NRW ist nun gegründet.

Der Grundstein für diese Vernetzung wurde bereits 2011 gelegt. Viele Selbsthilfeorganisationen, Einzelpersonen und Vereine trafen sich mit dem Ziel, die Vernetzung untereinander sowie die Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern und zu koordinieren. Dabei war und ist es wichtig, dass die beteiligten Trans*-Organisationen ihr eigenes Profil wahren und auch in Zukunft selbständig auftreten.

Wir sind uns sicher, dass von einem derartigen Austausch alle profitieren und in der Öffentlichkeit ein größeres Gewicht in der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung erlangen können.

Nach vielen Treffen, Gesprächen aber auch Rückschlägen, ist es nun doch schließlich gelungen das Netzwerk zu gründen. Der Gendertreff, als Gründungsmitglied, freut sich und ist stolz darauf Teil dieses Netzwerks zu sein.

Gemeinsam wünschen wir uns viel auf den Weg zu bringen und einiges zu bewegen.

 

 

>> 2011: So fing es an

>> NGVT

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Offener Leserbrief an die Welt-Redaktion

Durch eine E-Mail aus unserem Netzwerk wurden wir auf einen Artikel auf dem Online Portal der Welt aufmerksam. In diesem Artikel geht es um ein neu in der EU zugelassenes Medikament, das die Ansteckungsgefahr mit AIDS minimieren soll. In diesem Artikel ist im weiteren Verlauf folgender Abschnitt zu lesen:

Als Anwender der Prophylaxe kommt nach Angaben der Deutschen Aids-Gesellschaft eine kleine Gruppe mit hohem Risiko infrage: Männer und Transgender, die auch ungeschützten Sex mit häufig wechselnden Männern haben, sowie Partner unbehandelter HIV-Infizierter.

Diese Aussage ist pauschal herabsetzend sowie in höchstem Maße beleidigend, ehrverletzend, diskriminierend und darüber hinaus sachlich falsch. Denn sie unterstellt fälschlicherweise, dass Transidentität irgendeinen Bezug zur sexuellen Ausrichtung von Menschen hätte. Weiter unterstellt sie fälschlicherweise, dass bei Transgendern Sex ein wesentlicher Motivationsfaktor sei.

Die Autoren des Beitrags zeichnen so ein Bild eines Mannes in Frauenkleidern, dessen Motivation häufiger Sex mit Männern sei. Dabei verkennen sie bereits, dass es sowohl Mann-zu-Frau- als auch Frau-zu-Mann-Transgender gibt. Das Bild des „Mannes in Frauenkleidern“ entspricht bereits deshalb schon nicht der Realität.

Weiter verkennen die Autoren, dass Transidentität bedeutet, dass die geschlechtliche Identität eines Menschen nicht mit den körperlichen Geschlechtsmerkmalen übereinstimmt. Salopp bezeichnet man dieses Phänomen als „sich im falschen Körper fühlen“. Es ist für den Gendertreff nicht ersichtlich, weshalb dies dazu führen sollte, dass Trans*-Personen häufiger als der Durchschnitt der restlichen Bevölkerung ungeschützten Sex mit Männern haben sollten.

Aus unserer seit 2004 betriebenen Selbsthilfearbeit wissen wir aus erster Hand, dass sich Heterosexualität und Homosexualität über die Grundgesamtheit der Trans*-Personen verteilt wie über die restliche Bevölkerung auch. Nach „klassischem Verständnis“ sind die meisten Transgender demnach heterosexuell. Alleine schon die Behauptung, dass Transgender grundsätzlich Sex mit Männern anstreben würden, ist demnach schlichtweg aus der Luft gegriffen.

Weshalb ausgerechnet Transgender dann auch noch häufig wechselnde Geschlechtspartner haben sollen, vermögen wohl nur die Autoren des Berichts zu sagen, denen wohl offensichtlich die Phantasie dabei durchgegangen ist. Fakt ist: Die meisten Trans*-Menschen streben eine langfristige Beziehung an bzw. leben in langfristigen Beziehungen. So ist z.B. die Gendertreff-Gründerin Xenia seit über 30 Jahren mit ihrer Ehefrau Ute verheiratet. Sex mit häufig wechselnden Männern? Fehlanzeige.

„Auch ich stehe ausschließlich auf Frauen und könnte mir Sex mit Männern niemals vorstellen“, bestätigt Ava, seit 2008 Mitglied im Gendertreff-Team. „Alle meine Partnerschaften waren zudem langfristiger Natur.“ Xenia bestätigt: „Auch innerhalb des Gendertreff-Teams gibt es viele weitere langjährige Partnerschaften und auch zu unseren Selbsthilfetreffen kommen vielfach Menschen mit ihren Partner_inne_n, die in teils langjährigen Beziehungen leben.“

Auch Angehörige von Trans*-Personen, die unsere Selbsthilfetreffen besuchen, zeigen sich angesichts der diskriminierenden Formulierungen entsetzt. Darüber hinaus beeinträchtigt eine derart wahrheitswidrige Berichterstattung die Selbsthilfearbeit des Gendertreff, da wir unser Angebot explizit auch an die Angehörigen von Transgendern wenden, die ggf. durch derartige Diffamierungen verunsichert werden.

Dem Gendertreff ist klar, dass in der Gesellschaft Informationsdefizite zum Thema Transidentität bestehen. Ein Medium wie die Welt bzw. grundsätzlich Journalisten müssen sich jedoch kritisch fragen lassen, weshalb sie derartige Vorurteile und derbe Beleidigungen medial verbreiten. Fakt ist: Die Behauptung, dass Transgender eine besonders anfällige AIDS-Risikogruppe darstellen sollen, ist falsch. Die Behauptung, dass Transgender ungeschützten Sex mit häufig wechselnden Männern hätten, ist ebenfalls falsch und völlig realitätsfern.

Der Gendertreff fordert hiermit alle Journalisten bzw. Zeitungen, Zeitschriften, Online-Portale usw. zu einer fairen, sachlichen und vor allem wahrheitsgemäßen Berichterstattung auf. Der Gendertreff fordert die Welt-Redaktion und alle anderen Redaktionen auf, publizierte Inhalte gründlich zu recherchieren, mithin das zu leisten, was man von Journalisten gemeinhin erwartet: Saubere journalistische Arbeit und nicht ein copy & paste unsubstantiierter Behauptungen und unflätiger Beleidigungen.

Der Gendertreff fordert die Welt-Redaktion darüber hinaus auf, darzulegen, auf welche Quelle der Deutschen Aids-Gesellschaft sie sich bezieht. Ebenso fordern wir die Deutsche Aids-Gesellschaft auf, offenzulegen, weshalb und auf welcher Datenbasis sie derartige Behauptungen postuliert.

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Fotos vom Gendertreff auf der Paracelsus Messe Düsseldorf 2016

Der Gendertreff klärte auf der Paracelsus Messe Düsseldorf 2016 über Transidentität auf und stand für Fachgespräche zum Thema Transgender zur Verfügung. Bereits zum vierten Mal waren wir mit einem Infostand auf der Gesundheitsmesse dabei.

Parallel zur Paracelsus Messe fanden in den Messehallen auf dem Areal Böhler die Messen Veggie World und Heldenmarkt statt. Wir rechneten also mit vielen Besuchern und tatsächlich: Am Freitag war der Start noch verhalten, denn der Freitag war ja ein ganz normaler Arbeitstag. Aber am Samstag und Sonntag wurde es richtig voll, denn bei bestem Wetter strömten viele Besucher auf das Messegelände.

Die Bilanz: Ungefähr jeweils 2.000 verteilte Flyer und Grüne Karten für Diversity sowie unzählige Gespräche mit Ärzt_inn_en, Psycholog_inn_en, Pflegepersonal und natürlich auch interessierten Messebesuchern.

Die Besucher hatten zahlreiche Fragen, die wir gerne beantworteten.

Marina, Ava und Nathalie im Gespräch mit Messebesuchern.

Ava und Xenia im Gespräch mit einer Messebesucherin. Dabei nutzten wir auch unsere Aktion anders als erwartet zur Aufklärung über Transidentität.

Endspurt zum letzten Messetag: Nach dem Herrichten des Messestands am Sonntagmorgen erwarten Ava und Marina die Besucher der Paracelsus Messe.

Ute und Ava präsentieren die Aktion anders als erwartet.

Manchmal kamen wir mit den Gesprächen kaum noch nach und das gesamte Standpersonal hatte alle Hände voll zu tun.

Nathalie und Ava mit Flyern und Grünen Karten.

Der Blick aus dem Stand heraus zeigt: Es war richtig voll auf der Messe und am Gendertreff-Stand war immer etwas los.

Die Gespräche am Gendertreff-Stand waren zum Teil sehr intensiv und in die Tiefe gehend, da wir auch von unseren persönlichen Erfahrungen mit unserer Transidentität bzw. der Transidentität von Familienangehörigen berichten. Gerade diese persönlichen Erfahrungsberichte regen viele Zuhörer zum Nachdenken an und helfen, falsche Vorstellungen über Transgender zu beseitigen.

Immer wieder stellen wir fest, dass vor allem Informationsdefizite bestehen, die mitunter zu diskriminierenden Situationen führen können. Dagegen hilft nur, die Aufklärungsarbeit in die eigene Hand zu nehmen. Und genau deshalb werden wir auch in Zukunft keine Gelegenheit auslassen, um das Thema Transidentität in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

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Gendertreff 2016 auf der Paracelsus Messe Düsseldorf

Düsseldorf, 28.10. – 30.10.2016

Weil das Feedback für das Areal Böhler in den Alten Schmiedehallen so gut war, findet die Paracelsus Messe auch dieses Jahr wieder dort statt. Und auch der Gendertreff beteiligt sich wieder mit seiner ehrenamtlichen Aufklärungsarbeit, um auf Transidentität aufmerksam zu machen.

Die Paracelsus Messe ist eine Gesundheitsmesse, die seit 2012 in Düsseldorf stattfindet. Mit einem Einzugsgebiet von fast 5 Mio Einwohnern, ist Düsseldorf ein idealer Standort für die größte Gesundheitsmesse Deutschlands.

Die Düsseldorfer Selbsthilfegruppen bekommen regelmäßig die Möglichkeit, einen eigenen Infostand einzurichten. In diesem Zusammenhang nutzt der Gendertreff bereits die Paracelsus Messe zum vierten Mal zu intensiver Öffentlichkeitsarbeit.

Das Areal Böhler bietet ausreichend Parkplätze und eine Straßenbahnlinie hat ihren Halt direkt vor dem Messeeingang. So kann man ohne Umsteigen in die Düsseldorfer Innenstadt sowie zum Hauptbahnhof gelangen.

Die Messe ist an den drei Tagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Wir freuen uns wieder auf gute Gespräche mit den Besuchern der Messe und den anderen Standbesitzern.

AREAL BÖHLER Düsseldorf
Hansaallee 321
40549 Düsseldorf

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Ist Transidentität ein Problem in der Gesellschaft?

Nach den Erfahrungen des Gendertreff aus nunmehr 12 Jahren Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit kann dies verneint werden. Das Thema Transidentität ist nicht zuletzt durch die Aufklärungsarbeit des Gendertreff und anderer Trans*-Organisationen sowie eine Vielzahl von Medienberichten in der Gesellschaft angekommen. Allerdings beobachten wir weiterhin Informationsdefizite, die teils durch eine unzureichend recherchierte Medienberichterstattung gestützt werden. Aus diesen Informationsdefiziten resultieren mitunter Verwechslungen (z.B. mit Homosexualität oder mit Travestie), was wiederum zu Unverständnis oder Vorurteilen führen kann. Demnach ist weiterhin Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, um mögliche Diskriminierungen zu vermeiden.

Viele Erlebnisse und unzählige Gespräche der Gendertreff Leser_innen, User_innen und natürlich auch der Mitglieder des Gendertreff-Teams machen Mut, dass man nicht mehr dumm angeschaut wird, nicht mehr jede_r seine Familie verliert und sich nicht mehr der Freundeskreis abwendet. Aber Vorsicht: Das bedeutet nicht, dass es nicht doch noch Diskriminierung gibt. Übrigens ist Diskriminierung nicht nur transidenten Menschen gegenüber zu finden.

Es nützt nichts, überspitzt formuliert im „Keller“ zu sitzen und auf die Gesellschaft zu schimpfen. Man selber ist Teil dieser Gesellschaft und man kann nicht die anderen erziehen oder ändern, sondern muss auch an sich selber arbeiten. Deshalb handelt der Gendertreff nach dem Motto: Raus in die Öffentlichkeit und weiter Aufklären. Aufklärung und Gespräche sind die Schlüsselwörter zum Erfolg. Die Gesellschaft an den Pranger zu stellen ist dagegen der falsche Weg, vgl. hier.

Ebenso ist es aber auch der falsche Weg, die Gesellschaft zu überfüttern und zu überfordern. Ständige Forderungen führen zu einer Abwehrhaltung und zu einer Umkehr der Stimmung. Besser ist es, einen gesunden Mittelweg finden, bei dem sich alle wieder finden können. Es ist wichtig, Information nicht zu überfrachten und vor allem positiv zu formulieren.

Viele Rahmenbedingungen haben sich insbesondere in Deutschland in den letzten Jahren erheblich verbessert. Auch international verbessern sich vielfach die Verhältnisse für transidente Menschen durch rechtliche Grundvoraussetzungen. So gibt es z.B. in einigen Ländern ganz offiziell ein drittes Geschlecht. Aber leider gibt es auch Länder, in denen Diskriminierung, Verfolgung und Unterdrückung nicht nur für Trans*-Menschen an der Tagesordnung sind. Und obwohl Transidentität in Deutschland durchaus in der Gesellschaft angekommen ist, bleibt auch hier noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Gendertreff lädt alle Menschen zum konstruktiven Dialog ein.

Niemand hat sich selber gemacht. Aber jede_r ist aufgerufen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz in unserer Gesellschaft selbstverständlich sind und es auch bleiben.

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