Michaela berichtet über Ihre Transition

Mit Michaelas Einverständnis konnte der Bericht ihrer Transition hier im Gendertreff Blog erscheinen. Vielen Dank dafür.

Nachdem ich nach Duisburg gezogen war, begann ich mir das Leben ganz anders aufzubauen.

Ich lebte quasi als Transvestit (entschuldigt bitte, ist nun mal meine ureigene Definition, Transvestit bedeutet für mich eigentlich immer Frau auf Zeit, Transsexuell ist eben der Wunsch ganz als Frau zu leben unter Nutzung der Möglichkeiten den Körper anzugleichen ohne Wenn und Aber), das heißt in der Freizeit Frau (optisches Erscheinungsbild, Verhalten war ja schon immer mehr fraulich), arbeitsmäßig eben als das wie ich körperlich geboren bin man könnte sagen als Mann.

Nun suchte ich mir einen Therapeuten, weil ich nach der Selbstdiagnose schon genau wusste, wie ich leben wollte und welchen Körper ich mir wünschte (das wusste ich aber schon seit der Kindheit). Die Entblößung der Seele nahm nun bei dem Therapeuten April 2011 seinen Anfang. Gleichzeitig weihte ich auch manche vertrauenswürdige Mitarbeiterinnen auf der Arbeit ein.
Im Juli letzten Jahres hieß es dann nach Absprache mit dem Therapeuten, Schritt nach vorne und Arbeitgeber einweihen, Folge für mich war die Kündigung zum Oktober 2011. Naja, was soll ich sagen, ab da war ich Transsexuell, denn mein Psychologe bescheinigte mir im Ende Juli noch die Arbeitsunfähigkeit.
Alles wurde auf einmal forciert, die männliche Kleidung verschwand in den Säcken. Hört sich komisch an, aber ab da war ich Michaela, ebenso wie ich mich schon immer gefühlt habe. Es war klar, es gibt von nun an kein wenn und kein aber für mich.

Ich bekam dann auch die Indikation für die Endokrinologin und nach ausgiebiger Untersuchung begann die Hormontherapie am 5.10. Ende Oktober erfolgte dann auch der Antrag für die Namens- und Personenstandsänderung. Im November bekam ich dann auch die Einladung zum Gericht in Düsseldorf.
Bammel, oh ja, was passiert da, fressen die mich auf. Aber was war, ich unterhielt mich super mit der netten Richterin, sie fragte mich ob ich bestimmte Psychologen im Auge hätte für die Gutachten, ich verneinte und sagte nur, machen sie mal. Lächelnd bestimmte sie dann Herrn Dr. Rolloff-Stachel und zu meiner Überraschung meinen eigenen Psychologen. Ich dachte mir nur, Hauptsache nicht die überfüllte Frau Schleussner die Mutter aller "Transen". Ist nicht böse gemeint, aber wer den einfachen Weg gehen möchte, der geht dort hin.

Zwischenzeitlich nicht untätig sein bis zu den Terminen kam mir in den Sinn. Gesagt, getan,  Anruf bei meiner Sachbearbeiterin von meiner Krankenkasse. Sehr nettes Gespräch, ganz offen, Folge na so was ein Fehler im System, für 24 Stunden hatte sich einfach ein "a" an meinen Vornamen angehängt und wie es der Teufel so will ging auch noch eine Bestellung für eine neue Krankenkassenkarte raus. Sie kam an und ich nahm sie mit zu meinem nächsten Termin beim Arbeitsamt zur Arbeitslosenmeldung, fragte dann scheinheilig am Empfang wie ich denn geführt werde, denn ich war ja schon bei der Arbeit suchend Meldung als Michaela da, ups als Herr und ohne Vermerk.
Da sagte ich der netten Dame, meinen sie nicht das das zu Irritationen führen könnte, grins,  da machte sie schon mal einen Vermerk. Jedenfalls wurde ich als Frau aufgerufen bei dem Sachbearbeiter. Ich zeigte ihm die Ladung vom Gericht und die Krankenkassenkarte und fragte ihn ganz lieb, ob man nicht schon vorher also vor der offiziellen Namens- und Personenstandsänderung was machen könnte, lach die Krankenkasse könnte das ja auch. Nach Rücksprache mit seinem Chef wurden die Daten geändert, ich lächelte ihn an und hauchte ihm noch ein Danke entgegen. Da kann ich nur sagen, viele Sachen sind möglich, es kommt manchmal nur darauf an, wie man fragt.

Das weitere was kam, die Gutachten wurden erstellt. Witzig war noch wo ich Herrn Dr. Rolloff Stachel fragte ob ich denn auf ein positives Gutachten hoffen könnte, er sagte nur, wenn er sich unsicher ist lädt er die Probanden auch noch ein zweites, drittes oder viertes Mal ein. Hmmmhhh, ich bekam keinen neuen Termin, auch eine Beantwortung meiner Frage ohne direkte Beantwortung.

Irgendwann hielt ich dann Ende März den rechtskräftigen Bescheid vom Gericht in den Händen, wartete noch bis das Geburtsregister bzw. Geburtsurkunde in Essen geändert war. Danach folgte viel Arbeit und Telefonate und Mails um alles ändern zu lassen. Offizieller Teil beendet könnte man sagen, jetzt heißt es warten auf den körperlichen Teil.

Apropos Körperlichen Teil, jetzt an alle Transsexuellen Mitstreiterinnen die diesen Weg gehen. Erwartet nicht zu viel von der Hormonbehandlung, denn es liegt in den Genen, am Alter und an Vererbung wie sich alles entwickelt. Ich fühle mich zwar sehr gut unter den Hormonen, aber nehmt die Sachen so wie sie kommen. Fragt mal geborene Frauen, ob sie auf die Entwicklung Einfluss hatten. Arbeitet lieber daran wie ihr von anderen wahrgenommen werdet, ja auch außerhalb der Transgenderwelt. Habe ich gemacht und ja man bekommt auch manchmal ganz brutale Wahrheiten mit. Meine beste Freundin ist eine geborene Frau und schonungslos sagt sie mir, wann ich denn mal "fraulicher" werde wie jede "normale Frau".
Ich weiß auch das mir im allerbesten Fall, auch nach Jahren der Hormoneinnahme immer ein Hauch von Exotik anhaftet, also total unerkannt leben ist eine Illusion (Ich habe bisher persönlich jedenfalls nur eine einzige Frau mit transsexuellen Hintergrund gesehen, wo ich es nicht erkannt habe). Als ich davon sprach, den Transsexuellen Weg zu gehen, hieß das auch mit allen Konsequenzen.

Im Moment habe ich die Situation das ich alles verloren habe. Trennung bzw. Scheidung, Abkehr der gesamten Familie von mir, auch meiner geliebten Kinder und Arbeitslosigkeit. Aber ich konnte einfach nicht mehr anders nach 40 Jahren mit einer "Maske" zu leben. Ich gehe aber mit einer positiven Einstellung, mit meinem wahren Ich, in die Zukunft.

So genug geschrieben, nicht das noch manche bei der Lektüre einschlafen. Falls ich manchen mit Adressen oder so etwas helfen kann, tue ich das gerne, auch wenn ich mit meiner Meinung zu den Begriffen Transvestit oder Transsexuell ein wenig polarisiere, da ist der Begriff Transgender schon eine gute Wortschöpfung, in erster Linie zählt sowieso nur der Mensch der dahinter steht.

Gruß

Michaela

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Erste Fotos vom Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Wie kürzlich berichtet hat sich der Gendertreff mit einem Stand sowie der Teilnahme an der Parade am CSD Düsseldorf 2012 beteiligt. Schon jetzt können wir sagen: Es war eine sehr erfolgreiche Aktion. Sowohl am Pfingstsamstag als auch am Pfingstsonntag wurden jede Menge Gespräche geführt, Aufklärungsarbeit geleistet und natürlich auch der Austausch mit anderen Organisationen gepflegt.

Unseren Aufklärungsflyer („Was ist ein Transgender?“) müssen wir nun sogar schleunigst nachdrucken lassen, da kaum noch Exemplare vorhanden sind. Und auch unsere Zwei Seelen CD’s wurde gerne mitgenommen.

Heute Morgen hatten wir schon die ersten Bilder, die wir Euch natürlich nicht vorenthalten möchten.

Hier ein Bild von Pfingstsonntag: Die ganze Truppe hinter dem Gendertreff-Stand.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Unsere Standdeko aus blauen und weißen Ballons passte hervorragend zum strahlend blauen Himmel. Hier ein Bild mit dem Düsseldorfer Rheinturm. Komisch: Im letzten Jahr beim CSD in Konstanz hatten wir ebenfalls Glück mit dem Wetter. Vielleicht ist der Wettergott ja Transgender?

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Der Gendertreff-Stand zwischen heißem Schafskäse und Piratenpartei.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Am Stand gab es jede Menge intensiver Gespräche: Was ist ein Transgender? Und wie ist der Ablauf einer Transition?

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Es wurde viel diskutiert und erklärt: Es war auf jeden Fall immer etwas los.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Am Pfingstsonntag hieß es dann: Aufstellung zur Parade.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Von unserem Stand zogen wir zur Aufstellung am Graf-Adolf-Platz und auch unser berühmter Bollerwagen war natürlich wieder mit dabei.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Von dort ging es über die Königsallee …

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

… und durch die Düsseldorfer Altstadt zuück zum CSD-Gelände am Johannes-Rau-Platz am Düsseldorfer Rheinufer.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Hier sind schon auf der Zielgeraden am Burgplatz mit dem Düsseldorfer Schlossturm.

Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Das kleine Video zeigt, wie wir wieder auf dem CSD-Gelände ankommen.

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Chrissies 18. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Der gestrige Donnerstag war wiedermal geprägt von „Outings“. Vormittags machte ich mich auf den Weg zu meiner zehn Jahre jüngeren Schwester, die alleine einige Kilometer von uns entfernt wohnt. Telefonisch angemeldet mit dem Hinweis, dass ich wegen einer großen Veränderung in meinem Leben mit ihr sprechen müsste, war sie schon sehr neugierig darauf.

Obwohl die Sonne schien, war es eiskalt und so entschied ich mich dementsprechend gekleidet abzufahren. Also dunkle Damenhose, rosafarbener Pulli, schwarze halbhohe Pumps, Perücke und dezent geschminkt. Sie muss mich schon in die Einfahrt einfahren haben sehen, denn kaum stand der Wagen, war sie schon bei mir. Ungläubig, aber auch unsicher fragte sie: „Christian? Bist du das wirklich?“ Nach meinem Kopfnicken bat ich sie, ob wir nicht ins Haus gehen könnten. Hier betrachtete sie mich ausgiebig. Von oben bis unten und stellte dann „lakonisch, eher rein rhetorisch“ fest: „Das ist also deine Veränderung. Mein Gott, die ist aber wirklich nicht klein“.

Klar war ich zu Beginn wiederum äußerst unsicher. Wackelige Stimme und Beine. Und immer die gleich bohrende Frage, wird alles gut gehen? Gott sei dank legte sich die Aufregung und ich erzählte zum wiederholen Mal meine Geschichte, immer wieder unterbrochen von Fragen, die neue Antworten erforderten.

Wir unterhielten uns aber so gut, dass wir ganz die Zeit vergaßen und als sie auf die Uhr blickte, wars schon knapp 12:30 Uhr. So nahmen wir beide die Gelegenheit beim Schopf und gingen zum naheliegenden Italiener, um eine Kleinigkeit zu essen. Auch hier löcherte sie mich mit Fragen über Fragen, die ich zum Teil mir selbst noch nicht beantworten kann. Aber im gesamten Gespräch war kein einziger Vorwurf, kein böses Wort und schon gar keine Belehrungen ihrerseits. Und als ich mich verabschiedete wünschte auch sie mir alles Liebe, Gute und viel Glück im neuen Leben. Dass ich mich irre freute, als sie fragte, ob sie nächste Woche mal zum Nachschauen bei uns vorbei kommen könnte, ist leicht Untertrieben.

Am Spätnachmittag waren dann meine Schwiegereltern dran. Hier spürte nicht nur ich eine deutliche Reserviertheit, als sie sahen und hörten, was mit mir los ist. Aber was soll`s? Leben, arbeiten und zurechtkommen muss ja schließlich ich. Ebenso habe ich mir meine Transsexualität sicher nicht ausgesucht und so gingen die beiden denn mit noch vielen offenen, nicht ausgesprochenen Fragen. Also abwarten, was die Zeit hoffentlich bessern wird. Und mit der Zeit werde ich ja auch immer sicherer im Umgang mit mir und anderen. Und so gesehen war ich eigentlich recht froh, dass die Schwester meiner Frau für heute abgesagt hat.

Entschädigt für dieses nicht so optimal gelaufene Gespräch wurde ich wieder mal heute früh. Es ist ein nicht zu beschreibendes aber „Himmel hoch jauchzendes“ Vergnügen, wenn man nach dem Aufwachen überlegen kann, was man heute anzieht. Rock oder doch Kostüm, Hosenanzug oder nur leger, Bluse oder Pulli? Welches Tuch, welcher Schal würde dann passen? Und dazu welche Schuhe? Das sind dann Momente, die einem gefühlsmäßig so aufbauen.

Und, sorry, aber ich kann es nicht anders ausdrücken, aber ich bin stolz eine transsexuelle Frau zu sein. Mit all den Vorteilen aber auch Nachteilen.

So, genug für heute geschwafelt. Euch allen ein schönes, hoffentlich angenehm warmes Wochenende.

LG
Chrissie

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Gendertreff ist Gründungsmitglied von Trans-NRW

Der Gendertreff ist Gründungsmitglied von Trans-NRW, einem landesweiten Netzwerk zur Koordination der Selbsthilfe-Arbeit im Trans*-Bereich in Nordrhein-Westfalen.

Trans-NRW wurde 2011 von mehreren Selbsthilfeorganisationen für transidente Menschen aus NRW gegründet mit dem Ziel, die Vernetzung untereinander sowie die Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern und zu koordinieren. Dabei ist es wichtig, dass die beteiligten Trans*-Organisationen ihr eigenes Profil wahren und auch in Zukunft selbständig auftreten werden.

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Der Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2012

Düsseldorf, 25.05.2012 „We’re Europe“ – so lautet nicht nur das Motto des CSD in Düsseldorf . Auch Transgender gehören zur Gesellschaft in Europa. Der Gendertreff möchte mit der Teilnahme am Christopher Street Day in Düsseldorf anderen Transgendern Mut machen und eine breite Öffentlichkeit über das Thema Transgender informieren. Dazu wird sich der Gendertreff mit einem Info-Stand sowie der Teilnahme an der Parade engagieren.

Es gibt Transgender überall in Europa, doch viele leben auch heute noch unerkannt und unentdeckt. Nicht nur in anderen Ländern, auch in Deutschland haben transidente Menschen mit einer Vielzahl von Problemen und Vorurteilen zu kämpfen. Dabei gibt es weitaus mehr Transgender, als vielfach angenommen wird.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Wunschgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Wunschgeschlecht ist deshalb im Transsexuellengesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff eine große Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit den diversen Selbsthilfegruppen des Gendertreff ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

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Chrissies 16. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Gerade komme ich vom Besuch beim Amtsarzt. Der Termin wurde schon letzte Woche vereinbart. Anfangs noch (immer) etwas kribbelig sowohl im Bauch als auch in den Beinen ging ich hin. Netterweise wurde mir dies während meiner normalen Dienstzeit gestattet. Gerechnet habe ich mit einem Zeitaufwand alles in allem mit runden zwei, dreieinhalb Stunden. Gedauert hat es gerade mal dreißig Minuten.

Und ehrlich gesagt, hätte ich mir das alles auch sparen können. Obwohl die Begrüßung schon bei der Anmeldung sehr lieb war („Ah, Frau F., schön dass sie schon da sind, warten Sie noch kurz draußen“) und mich später auch der Arzt richtig mit Frau F. ansprach, war die Untersuchung mehr/minder für die Katz.

Denn nach der Kurzanamnese, in der ich den bisherigen Verlauf meiner Transsexualität schilderte, und zwei, drei Fragen des Doktors geschah bis auf Blutdruckmessen und Fragen nach Gewicht, Alkohol und meinem derzeitigen Befinden als Frau nichts mehr.

Vor der Verabschiedung meinte dann der Arzt noch, ich solle selbst bei weiteren Fachärzten vorsprechen. Entweder beim Hausarzt oder gleich zu den richtigen Stellen (????) gehen. Das wars dann. Noch ein nettes „Auf Wiedersehen Frau F.“ und „vergessen Sie nicht die Besuchsbestätigung“, fertig.

Naja, mal schauen, wie ich demnächst verfahren werde.

Jedenfalls geht es mir zur Zeit so gut wie schon lange nicht mehr. Es ist ein so beglückendes Gefühl als Frau in die Arbeit gehen zu können, einzukaufen oder einfach raus zu gehen. Auch heute wieder waren drei Mails in meinem Arbeits-PC die mir bestätigten, dass alles richtig war, was ich bisher getan habe. Und mit den Kollegen/innen werden Gespräche geführt, die keinerlei Gründe für „Mobbing“ hergeben. Dienstlich, korrekt und knapp, privat in der Pause fast immer auf die Thematik bezogen. Wie ich mich fühle, wo ich einkaufe, ob ich diesen Film gesehen habe usw. usf. Auch Fragen nach meinem Gewicht wurden schon gestellt. „Wie machst du das nur?“ als ich ihnen voller Stolz erzählte, dass ich innerhalb von drei Wochen von 67 auf 63kg kam.

Grummelig wird mir nur vor heute Abend und vor dem morgigen Tag. Da stehen nochmals ein Outinggespräch mit meiner Schwester, der Schwester meiner Frau und den Schwiegereltern bevor. Aber auch das wird schon gut gehen. Und damit reicht es dann mit dem Bekanntgeben meiner Transsexualität.

LG
Chrissie

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Chrissies 14. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Sonntag stand wieder mal ein Outen bevor. Oh Gott, irgendeinmal wird das auch vorübergehen. Bei unseren älteren Nachbarn gab es zwar mehrere argwöhnische Blicke, als ich, diesmal alleine, vorsprach. Das legte sich jedoch, sobald sie meine Geschichte erfuhren. Und verabschiedet wurde ich eigentlich ganz nett und mit der korrekten Ansprache „Frau“. Ist schon klasse, wie „ältere Herrschaften“ mit dieser Thematik umgehen können.

Weniger gut fiel das outen bei meinen beiden männlichen „Freunden“ aus. Gelinde gesagt war´s ein Horrortrip. Telefonisch angekündigt waren beide zusammengekommen. Und als ich auf das Thema „Transsexualität“ kam, dämmerte es ihnen, dass es sich ja um mich persönlich handeln müsste.

Obwohl sehr androgyn gekleidet, entstanden mir die heftigsten Vorwürfe. Ob ich nicht alle Tassen im Schrank hätte, was das alles soll, wie man so in die Gosse kommen kann usw. Bereits nach knapp einer Dreiviertelstunde verabschiedete ich mich von ihnen, sicher für immer, und fuhr desillusioniert nach Hause.

Dass man sich so, nach Jahren vermeintlicher Freundschaft, in seinen „Freunden“ täuschen kann, geht mir heute noch zu Herzen und macht mir ganz schön zu schaffen. Daheim nahm mich meine Frau in die Arme und tröstete mich so gut es ging. Aber daran knabbern werde ich wohl noch lange.

Fast hätte ich vergessen dies noch zu schreiben. Heute in der Arbeit bat mich meine Vorgesetzte zu sich. Sie teilte mir mit, dass sie, wenn ich einverstanden wäre, meine Personalakte von derzeit „Herr und Er“ auf „Frau und Sie“ geändert werden könnte. Ich war derart baff, dass mich meine Vorgesetzte zweimal ansprach ob ich dies wolle.

Meine Frage, ob denn das auch rechtlich möglich sei, beantwortete sie damit, dass die Erkundigungen die sie eingeholt hatte, dies zulassen. In etwa „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Und dass ein beigefügtes amtliches Blatt in meiner Personalakte meine neue Identität beschreibt und ebenso beigefügt wird, dass dies „unter Vorbehalt“ geschieht solange nichts amtliches bescheinigt wird.

Natürlich willigte ich gerne ein. Dass es so was überhaupt gibt, ist/war mir völlig neu. Gut, so sehr habe ich mich darüber auch nicht informiert. Aber ich finde es ganz toll von meiner Chefin, dass sie mir dieses Angebot überhaupt gemacht hat.

LG
Chrissie

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Chrissies 11. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Wochenende. Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Seit Montag kleide ich mich ausschließlich als Frau. Auch in der Arbeit und der Freizeit. Und alles läuft so harmonisch ab, dass es kaum zu glauben ist. Trotz allem werde ich behutsam langsam aber doch weiter meinen Weg gehen.

Wenn ich zurückdenke an die letzten Monate, wie unausgeglichen, gar nervig ich mit meiner Liebsten und anderen umgegangen bin, bin ich heute die glücklichste und ausgeglichenste Person. Hängt´s damit zusammen, dass ich nun zu meiner Transsexualität stehe?

Bereits morgens stehe ich glücklich und innerlich so tief zufrieden auf, wie es seit „Jahrhunderten“ nicht mehr der Fall war. Dann die tief verwurzelte Freude aufs Schminken, Ankleiden usw. Das gemeinsame Frühstück mit immer noch so lieben Komplimenten meiner Frau. Die Fahrt zur Arbeit ohne Hektik und bösen Gedanken, wenn ich mal im Stau stehe. Die Arbeit selbst mit meinen so netten und lieben Kolleginnen. Oft denke ich daran, welch dumme Kuh ich war, dass ich solange gewartet habe zu dem zu stehen was ich eigentlich immer war. Soviel Jahre hergeschenkt und verschleudert zu haben. Brrrrrrrr.
Sorry, ihr Lieben. Musste ich mir mal von der Seele schreiben.

Gestern wurden meine Frau und ich ganz spontan von Sabine (Nachbarin) abends eingeladen auf ein, zwei Gläser Wein. Hier lernte auch Sabines Tochter mich als Chrissie kennen. Keine negative Reaktion. Eher stillschweigende Neugier, die sicher irgendwann in Fragen enden wird. Es war ein sehr schöner Abend. Voller Harmonie. Und die Gespräche gingen weit über das hinaus, was allgemein als „Weibergequatsche“ bezeichnet wird. Ich glaube auch, dass meine Liebste froh ist, sich mit jemanden austauschen zu können. Und dabei wird es auch um meine Wenigkeit gehen. Und mir tut es auch gut, wenn wir drei uns so toll verstehen. Jedenfalls sind wir uns gestern Abend ein ganzes Stück weit emotional näher gekommen.

Euch allen ein ganz harmonisches und liebes Wochenende
LG
Chrissie

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Chrissies 9. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Die letzten beiden Tage verliefen so normal, als wäre es das Normalste, Transsexuelle zu sein. Die Arbeit macht immer mehr Spaß. Obwohl das tägliche Anziehen von Damenkleidung, das Schminken und Herrichten schon ab und an stressig werden kann. Aber auch noch so kleine Komplimente von meiner Liebsten oder der einen oder anderen Arbeitskollegin entschädigen dafür tausendfach.

Demnächst werde ich bei unserem Amtsarzt vorstellig. Es soll ja alles nach „behördlichen Richtlinien“ laufen. Sicher nur ein kurzer Besuch, denn zur weiteren Behandlung wird er mich sicher zu meinem Hausarzt oder wohin auch immer schicken.

Abzeichnen wird sich aber sicher, dass ich nicht die geschlechtsangleichende Operation machen werde. Die Risiken, nicht nur meines fortgeschrittenen Alters, sind mir einfach zu hoch. Gut, das schreibe ich heute. Wie´s denn mit meiner Gefühlswelt erst ausschaut, wenn die Hormone kommen und wirken ist eine andere Sache.

Ebenso bald schaue ich, dass mit der Epilation begonnen werden kann. Gott sei Dank habe ich kaum Haarwuchs am Körper. Einmaliges „Säubern“ im Monat reicht locker. Aber der blöde Bart geht mir schon auf die Nerven.

Am Wochenende wird sich Chrissie noch bei den restlichen Leuten vorstellen, die mich noch nicht so kennen. Ich fühle, dass das noch mal ganz schön schwer werden wird. Obwohl ich mich heute schon darauf freue. Verrückt, aber so ist´s nun mal.

Ach ja. Die „leidlich weiblichen“ Eigenschaften, nämlich Hausarbeiten, darf ich jetzt auf Bitten meiner Liebsten auch übernehmen. Bis auf’s bügeln (wird mir noch beigebracht) also die Tätigkeiten, die Frau ja liebend gerne macht.

Liebe Grüße
Chrissie

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Argentinier dürfen wählen: Bin ich Mann oder Frau?

„Das ist dem, was in den meisten Ländern gilt, um Lichtjahre voraus“ – Argentiniens Transsexuelle freuen sich über das neue Gesetz.
In vielen Ländern sind sie Ausgestoßene, Rechtlose. Auch in Argentinien leben die meisten am Rand der Gesellschaft. Eine Hürde bleibt Argentiniens Transsexuellen künftig jedoch erspart: Der Kampf um die Anerkennung ihres Geschlechts.

In den meisten Ländern eine undenkbare Liberalisierung: In Argentinien dürfen die Menschen künftig selbst entscheiden, zu welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen, unabhängig von medizinischen und psychologischen Tests. Am Mittwochabend (Ortszeit) votierte der Senat in Buenos Aires mit 55 Stimmen für ein entsprechendes Gesetz, 17 Senatoren enthielten sich, Gegenstimmen gab es keine. Da das Abgeordnetenhaus bereits im November zugestimmt hatte, brandete unter den etwa Tausend Transsexuellen vor dem Kongress Jubel auf. Dass Präsidentin Cristina Kirchner das Gesetz in Kraft setzen wird, gilt als sicher.

Demnach wird die Geschlechtszugehörigkeit allein durch das innere und individuelle Erleben des Geschlechts bestimmt, unabhängig von der Geschlechtsbestimmung bei der Geburt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Betroffenen vor Gericht ziehen mussten und in langwierigen Prozeduren die Änderung ihres Namens und der Geschlechtseintragung im Personenregister durchfechten mussten. Marcela Romero brauchte zehn Jahre für ihre juristische Anerkennung als Frau. „Damit ist jetzt Schluss“, sagte die 48-Jährige Vorsitzende der argentinischen Transvestiten- und Transsexuellenvereinigung A.T.T.T.A, die an der Ausarbeitung des Gesetzes mitgewirkt hat. „Wir sind nicht mehr die Vergessenen der Demokratie.“

„Es ist nicht zu befürchten, dass jemand aus Jux und Dollerei sein Geschlecht ändert“

Argentinien übernimmt damit nach der Zulassung der Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren im Jahr 2010 abermals eine Vorreiterrolle in Lateinamerika. Für Justus Eisfeld von der New Yorker Transsexuellenorganisation „GATE“ hat das argentinische Gesetz sogar einen weltweiten Vorbildcharakter. „Das ist dem, was in den meisten Ländern gilt, um Lichtjahre voraus“, betont Eisfeld. „Die Tatsache, dass keinerlei medizinische Anforderungen gestellt werden, wie Chirurgie, Hormonbehandlung oder auch nur eine Diagnose, ist weltweit fast einmalig.“

Nur Portugal hat nach Angaben der auf das Thema spezialisierten deutschen Rechtsanwältin Maria Sabine Augstein ein ähnlich weitreichendes Gesetz. In Deutschland müsse ein Betroffener noch zwei Gutachten einholen. Das sei teuer und langwierig. In Argentinien werden die Meldestellen jetzt angewiesen, Änderungen in Geburtsurkunden und Ausweispapieren gratis vorzunehmen.

Auch Minderjährigen garantiert das argentinische Gesetz die freie Geschlechterwahl. Sollten die Eltern die notwendige Zustimmung verweigern, können Minderjährige einen sogenannten „Kinderanwalt“ anrufen. Zudem wurden die Krankenversicherungen zur Kostenübernahme von geschlechtsverändernden Behandlungen und Eingriffen verpflichtet.

Dass eine solche Liberalisierung zu Missbrauch führen könnte, glaubt Manfred Bruns, Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), nicht. „Es ist nicht zu befürchten, dass jemand aus Jux und Dollerei sein Geschlecht ändert“, sagt der frühere Bundesanwalt. „Dazu ist der Prozess zu belastend.“

Die argentinische Senatorin Sonia Escudero gab zu bedenken, dass das Gesetz allein die schwierige Situation der betroffenen Menschen nicht schlagartig verbessere. Mehr als 90 Prozent der Transsexuellen arbeiteten in der Prostitution. Wer sich zur transsexuellen Gemeinschaft zähle, habe eine Lebenserwartung von 35 Jahren. „Die Zahlen zeigen, dass 95 Prozent der auf landesweit geschätzten 22.000 Personen keinen Zugang zu den fundamentalsten Menschenrechten haben.“

 

>> Quelle : http://aktuell.evangelisch.de

>> 2. Quelle : http://taz.de

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