Oh du fröhliche, oh du seelige….

Zu Hause das erste Mal „Marina“ über die Weihnachtsfeiertage:

Die Weihnachtsfeiertage sind nun auch schon wieder vorbei. Das erste Weihnachten, an dem ich nur ICH war. Kein Verstecken, kein Umziehen, nur weil Verwandte oder Bekannte zu Besuch kommen. Nur noch Marina….nur noch Marina….nur noch Marina….

Ich bin am 23.12. kurz nach Mittag bei meiner Mutter in unserem kleinen Heimatdorf bei Fulda angekommen. Meine älteste Stiefschwester C. war kurz vor mir angekommen. So wie letztes Jahr auch, blieb sie über die Feiertage bei uns. Als es dunkel wurde, sind wir zum Weihnachtsmarkt nach Fulda gefahren. Eine Runde über den Markt und dann ein Glühwein. Eine Begebenheit gab es an einem Stand, an dem frisch gebackene badische Flammkuchen und frisches Brot verkauft wurden. Ich hatte mich angestellt, weil wir gerne ein frisches Brot und 2 Flammkuchen zum Glühwein haben wollten. Die Brote lagen schon fertig auf dem Tresen, die Flammkuchen waren noch im Ofen. Meine Mutter sagte zu dem Bäcker, dass sie schon mal das Brot mitnimmt. „ER“ würde warten bis die Flammkuchen aus dem Ofen kommen und dann alles bezahlen. Der Bäcker fragte „wer ER?“, meine Mutter sagte „Na hier, der Gentleman“ und zeigte auf mich. Ich sagte dann „Ja, ist schon gut, ich zahle dann alles zusammen“. Meine Mutter weigert sich auch sonst hartnäckig, mich „Marina“ oder „sie“ zu nennen. Ich verstehe ja auch, dass es für eine Mutter sehr schwer ist zu akzeptieren, dass aus ihrem Sohn eine Tochter wird. Deshalb sage ich nichts dazu und versuche das zu ignorieren, so schwer es mir auch fällt. Meine Mutter kann man zu nichts zwingen. Ich hoffe ja, dass sie mich eines Tages auch Marina nennen wird, genauso wie sie jetzt seit kurzem Marina auch zu Hause zulässt. Weh tut es mir aber trotzdem, aber ich kann warten…

Am 24.12. haben wir den Baum geschmückt und die nächsten Tage vorbereitet. Um 17 Uhr ging es dann zur Christmette ins Kloster Hünfeld. Auch da gibt es für mich keine Ausnahme, denn ich bin zwar katholisch erzogen worden, aber streng gläubig bin ich nie gewesen.

Nach der Kirche haben wir zu Abend gegessen; Schnitzel mit Waldpilzsauce und Kroketten.

Dann gab es die Bescherung. Ich bekam ein 6-teiliges Espresso-Service für meine Wohnung, ein Buch über die Geschichte Deutschlands und eine Sweathose für zu Hause. Meiner Schwester und dem Stiefvater haben wir eine Reise nach Hamburg mit Besuch des Miniatur Wunderland Ende Mai geschenkt. Später saßen wir noch zusammen im Wintergarten bei einem Glas Wein und haben uns über dies und das unterhalten. Es war alles in allem ein schöner Abend

Am 25.12. haben wir spät gefrühstückt und dann angefangen, das Mittagessen mit meinem Bruder D. und seiner Partnerin S. vorzubereiten. Mein Bruder kam sogar fast eine ½ Stunde zu früh. Er hatte sich nämlich in der Uhrzeit geirrt. Das Familientreffen zog sich noch bis in den frühen Nachmittag, dann mussten die beiden weg. S. Vater hatte die beiden zum Abendessen eingeladen. Den Rest des Nachmittags haben wir mit Faulenzen, Nichts-Tun und Fernsehen verbracht.

Am 26.12. kam mein ältester Stiefbruder mit seiner Familie: seine Frau, seine zwei Söhne mit Partnerinnen und seine Enkelin, also die Urenkelin meines Stiefvaters. Es war auch das erste Mal, dass all diese Verwandten Marina zu sehen bekamen. Zusammengefasst habe ich keine negative Reaktion erlebt. Im Gegenteil, ich habe mehr als nur einmal Komplimente für mein gutes Aussehen bekommen. Ich habe mich so wohl gefühlt. Bis nach dem Kaffee blieben sie bei uns.

Zum Abendessen waren wir von meiner Stiefschwester L. nach Hünfeld eingeladen. Zu diesem Familientreffen kamen also alle drei Stiefschwestern mit ihren Familien. Auch hier habe ich wieder nur Komplimente bekommen, besonders von meiner Stiefschwester L. Ein durch und durch schöner Abend.

Ich fühle mich so wohl, wie noch nie zu vor in meinem Leben. Auch wenn mein Stiefvater noch ab und zu blöde Bemerkungen macht, so glaube ich, dass mich meine Familie so akzeptiert wie ich nun einmal bin. Ich werde niemandem den Namen „Marina“ aufzwingen. Außer meiner Stiefschwester L. nennen mich nämlich noch alle bei meinem Männernamen. Aber das ist schon OK. Ich kann und werde warten….

-Marina

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Sandra-Melinas Nachtrag auf das Jahr 2012

Sandra-Melinas hat da doch noch einen Nachtrag zu Ihrem Bericht „Rückblick auf das Jahr 2012“

Hallo,

jetzt kommt doch noch ein Nachtrag zur Rückblende des Jahres 2012. Ich hätte nicht gedacht, das jetzt noch was kommt. Na ja wie dem auch sei.

Nun kann ich sagen, das Jahr 2012 ist eine runde Sache für mich gewesen. Nach langem Warten hab ich jetzt doch noch mein zweites Gutachten bekommen. Wahnsinn, was der geschrieben hat. Der hat doch echt 20 Seiten über mich geschrieben. Ich hab mich schon gefreut wie ich den Brief in meinem Briefkasten gesehen hab, der war richtig dick. Da dachte ich, oh wie schön, da ist gleich mein Beschluss drin. Lach, war nichts, eine Kopie von 20 Seiten des Gutachtens. Na ja.

So das ist jetzt auch durch. War sehr Interessant zu lesen, was er so über mich denkt. Aber das war klar für mich, dass er nicht anders entschieden hat, als ich für mich.

Ja und dann musste ich jetzt noch am 20.12 zum Amtsarzt vom Job Center. Die wollten mich auch untersuchen und begutachten lassen, ob ich für den ersten Arbeitsmarkt verfügbar bin. Und es geht ja bei mir um eine Förderung für die Caritas. Ich hab ja schon einiges geschrieben, was da so abgelaufen ist.

Da bin ich dann am Donnerstag hin. Nun ich hab mir da eigentlich keine großen Gedanken gemacht. Warum auch. Ich hab nur gedacht, dass die mich da jetzt groß untersuchen. Aber rein gar nichts. Wir haben nur geredet, wie es mir so geht, was ich noch vorhabe. Ich hab natürlich gesagt, dass ich die geschlechtsangleichende Operation noch anstrebe und wie es mir mit allem geht. Ich hab ihnen das alles klar gemacht, wie es ist.

Die Ärztin war sehr nett und verständnisvoll, was mich doch etwas gewundert hat, lächel.
Jedenfalls bin ich auch dort ohne Probleme durch gekommen. Das heißt im Klartext, dass ich erst mal weiterhin bei der Caritas bleiben kann und auch gefördert werden soll, bis ich alles hinter mir habe für die nächsten 2 bis 3 Jahre. Damit bin ich erst mal sehr zufrieden und kann damit sehr gut leben.

Wie das jetzt weiter geht, liegt jetzt so nicht mehr in meiner Hand. Aber ich denke, im neuen Jahr werde ich noch mal mit dem Job Center reden. Ich hab mir nämlich auch eine zweite Variante ausgesucht und schon vorgearbeitet. Ich werde so oder so in Rheinberg bei der Caritas bleiben. Ob jetzt als Hausmeisterin oder in einer anderen Abteilung, das hab ich schon geregelt.

Ich kann echt stolz darauf sein, was ich erreicht habe seit ich wieder in Deutschland bin. Ich hab mir was aufgebaut, wo ich doch echt nichts hatte. Hast du gut gemacht Sandra Melina, lächel.

So schwer war es nicht, aber es war auch nicht leicht. Ich hab auch viel gelassen und durchmachen müssen. Aber wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre und nichts gemacht hätte, wäre ich in der Zeit nicht da, wo ich jetzt bin. Und ich danke den Menschen, die wirklich zu mir gestanden haben und mich begleitet haben die letzten 1 ¾ Jahre. Kann stolz darauf sein, dass ich solche Menschen gefunden habe. Ja von nichts kommt nichts. So ist das Jahr doch recht Rund abgelaufen.

Sandra Melina

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Sandra-Melinas Rückblick auf das Jahr 2012

Sandra-Melina aus dem Forum Gendertreff beschreibt ihr Jahr 2012

Was kann ich da groß sagen, Ich bin zu mir selbst gekommen. Endlich nach wie viel Jahrzehnten denn. Es ist vieles so gelaufen, wie ich es mir gewünscht und erhofft habe. Kann darüber nichts großes Negatives sagen. Warum auch, wenn man den Schalter umgelegt hat und weiß was man will.

Und Selbstbewusstsein wird vielleicht manchmal mit Einbildung verwechselt, aber gut, wer sich den Schuh anzieht, soll es so sein. Ich ziehe nicht mehr viel auf mich. Ich lebe das, was ich immer wollte aus Überzeugung. Was soll man da schon groß noch sagen. Ich bin angekommen, auch wenn noch gewisse Dinge gemacht werden müssen. Aber gut, das sehe ich nicht so schlimm.

Ich kann sagen, dass das Jahr 2012 ein gutes Jahr für mich war. Habe viel gelernt durch die Gesellschaft, meine Bekannten und die netten Menschen, die ich kennen gelernt habe. Aber auch durch meine laufende Therapie, meine Arztbesuche, meine Behördengänge und auch von den negativen Erlebnissen. Ist nicht immer alles Gold…..

Aber ehrlich gesagt, ob als Mann oder als Frau, es wird immer das gleiche bleiben. Man hat so oder so Probleme oder auch nicht.

Ich habe mit meinem Körper, meinem Geist, meiner Seele und meiner Psyche eine „Party“ erlebt und habe eine ganz andere Einstellung dazu bekommen. Ich bin ich geworden im Jahr 2012, das ist mal sicher. Bin befreiter, endlich das zu leben.

Ich sage es mal so: Ich lebe, wie ich immer innerlich gelebt habe. Viele sagen, ich lebe authentisch. Da will ich den Menschen, die das von sich gegeben haben auch nicht widersprechen, denn so fühle ich es auch.

Ich hab dieses Jahr noch mehr erreicht, als ich erwartet hätte. Na ja, so kann es gehen, wenn man es annimmt. Hätte auch mehr sein können, aber ich gebe mich damit zufrieden. Was ich gemerkt habe, dass ich durch Probleme nur selbstbewusster geworden bin und diese Probleme haben mich dahin gebracht, wo ich jetzt stehe. Sie haben mich dahin gebracht, was ich jetzt Lebe.

Was Lebe ich jetzt… Ich lebe MEIN Leben, MEIN ICH…

Natürlich hab ich auch fürs neue Jahr schon einige Dinge und Ziele vor mir, die ich natürlich auch erreichen will. Mal sehen wie es kommt.

Wie sagte meine Therapeutin? Ich soll endlich mal Stolz auf mich sein und das annehmen, was ich erreicht habe. Und das mache ich. Sandra&Melina sind glücklich mit einander und das war das Ziel. Das Ziel im Leben, glücklich zu sein. Und das hab ich erreicht, deswegen kann ich auf mich Stolz sein.

Ich spreche hier nicht mehr von den Sachen, die gehören zu meinem Weg dazu. Das ist Formsache für mich. Kann ja nicht einfach Schnips machen und schon bin ich es. Nein, es geht seinen Weg, das gehört dazu und fertig. Ich spreche von mir, als Mensch. Was es so gemacht hat mit mir – Eine ganze Menge.

Ja ich war auf vieles gefasst, vorbereitet von den Gedanken, aber was es im Grunde wirklich gemacht hat, nein das konnte ich so nicht erahnen. Aber nicht schlimm, ich habe es einfach angenommen und bin damit gut gefahren.

Oh wie ist es doch schön zu hören, dass ich eine gute Missionarin bin. Nun ich habe nichts weiter gemacht, als nur mein Leben erklärt. Wie heißt es doch so schön? Das Leben ist draußen. Ja ich hab viel von draußen gelernt. Was hab ich auch manchmal geheult. Aber ich hab mich einfach nicht unterkriegen lassen und bin dadurch gewachsen. Habe viele Unterhaltungen gehabt und beide Seiten haben voneinander gelernt. So soll es sein.

Ich habe ein sehr erfolgreiches Jahr hinter mir. Und damit kann ich sehr gut leben.

Sandra Melina

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Being Transgender Is No Longer a Disorder

Quelle: www.slate.com

The American Psychiatric Association salutes the T in LGBT.
By J. Bryan Lowder; Posted Monday, Dec. 3, 2012, at 6:21 PM ET

The Associated Press reported that the American Psychiatric Association’s Board of Trustees approved certain notable changes to that body’s Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders on Saturday. The story began with the controversial announcement that Asperger’s syndrome will now be included in the autism spectrum disorder category, but another change buried at the bottom of the piece may prove to be even more divisive—and, if historical precedent is any indication, more influential on society at large…..

More….

Quelle: www.slate.com

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Uta gibt was zurück

Uta gibt was zurück und das schien wohl einfacher als gedacht…

Neulich wollte ich bei ALDI etwas aus dem Wochenangebot zurückgeben, da es doch nicht ganz so wie erwartet passte. Etwas zurückgeben ist bei ALDI eigentlich eine ganz einfache Sache, aber leider konnte ich den Kassenschein nicht mehr finden.

Unsere Nachbarin meinte aber, wenn alles original verpackt ist, ginge es auch ohne Kassenschein…

So bin ich also in den Laden zurück und hab freundlich gefragt. Die Verkäuferin meinte nur: „… wenn Sie ihren Personalausweis dabei haben – kein Problem…“

Na ja – für sie nicht – aber für mich, denn die Namensänderung ist ja noch nicht durch!

Ich hab ihr also meinen Personalausweis gezeigt, ihr nebenbei mit freundlicher (aber leider immer noch leicht männlicher) Stimme erklärt „… daß nicht immer alles so ist wie es scheint…“ und vorsichtshalber noch schnell den DGTI-Ergänzungsausweis gezückt.

Den hat die Verkäuferin aber kaum noch angeschaut und nur so ganz nebenbei zu mir bemerkt: „… das hab ich mir schon fast gedacht…“ und mit einem Lächeln die Sachen einfach zurückgenommen. Dann hab ich noch schnell den Rückgabeschein ausgefüllt und schon war die Sache erledigt.

Für mich war das wieder einmal die Bestätigung, daß ein nettes aber selbstsicheres Auftreten fast jede Situation entschärft und unserem Gegenüber ganz schnell die Unsicherheit im Umgang mit uns nimmt.

Ich kann nur bestätigen: Sei einfach Du selbst, dann ist alles andere (fast) kein Problem!

Bis zum nächsten Mal,
Uta

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Video-Aktion zum Transgender Day of Remembrance

Trotz aller positiver Entwicklungen in den letzten Jahren ist für Transgender natürlich nicht alles eitel Sonnenschein. Im Gegenteil: Mitunter stößt man im Alltag oder im Beruf auf Vorurteile, die es abzubauen gilt. Deshalb beteiligt sich der Gendertreff immer wieder an Aktionen, die über das Thema Transidentität aufklären.

Heute, am 20.11.2012, erinnern weltweit Transgender-Organisationen im Rahmen des Transgender Day of Remembrance an Transgender, die Opfer von Diskriminierungen und/oder Gewalttaten wurden. Aus diesem Anlass haben sich viele Trans-Organisationen unter Federführung von Trans-NRW an einer Video-Aktion beteiligt. Auch der Gendertreff hat die Aktion gerne unterstützt.

>> Das Video auf YouTube ansehen.

Idee war, nach einigen einleitenden Erklärungen Trans-Personen vorzustellen, die Statements zu ihrer Transidentität bzw. zum Transgender Day of Remembrance abgeben. Der Gendertreff beteiligte sich mit dem Statement „Selbstbewusstsein ist der Schlüssel zum Leben“, da nach unserer Auffassung die Akzeptanz in der Öffentlichkeit maßgeblich davon beeinflusst wird, dass transidente Menschen sich selbst als das akzeptieren, was sie sind und dass sie selbstbewusst und selbstbestimmt ihr Leben im Identitätsgeschlecht leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies in Vollzeit oder als Teilzeitlösung erfolgt. Vielmehr sollen transidente Mensche die Lösung finden, die für sie selbst individuell passt.

Wir haben ein Bild vom CSD in Dortmund beigesteuert, da alle darauf abgebildeten Personen hinter dieser Aussage stehen und wir u.a. Aktionen wie den CSD, Stadtfeste oder andere Veranstaltungen nutzen, um Menschen über das Thema Transidentität aufzuklären.

Gendertreff

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War doch einfach…

Utas kurz notiertes Erlebnis in der Bankfiliale:

Endlich hab ich mich entschlossen, eine eigene Kreditkarte zu beantragen.

Vor dem Gespräch mit der Filialleiterin der Bank (sie kennt mich und meine Frau seit mehr als 10 Jahren – mich allerdings bisher nur als Mann) hatte ich mir so einige Gedanken gemacht, wie ich das ganze einigermaßen verständlich einfädeln könnte.

Dann kam mir die zündende Idee – und es hat ganz trefflich funktioniert!

Ich begann das Gespräch mit der Bitte um eine Zweitkarte zu meinem Konto, allerdings nicht für meine Frau (wie die Bankangestellte es wohl vermutete) sondern bitte „… auf einen anderen Namen…“.

Dann war erst mal kurz Pause – und ich konnte ein kleines Entsetzen in den Augen der Frau sehen, ich hörte es regelrecht bei ihr im Kopf rattern und ihre Gedanken gingen auch sofort in die von mir vorbestimmte Richtung:

„Natürlich können Sie eine Zweitkarte ausfertigen lassen, auch auf eine andere Person als auf Ihre Ehefrau …. aber … ich kenne Sie beide doch schon so lange als glückliches Ehepaar und so erlauben Sie mir bitte, daß ich etwas irritiert bin … natürlich kann ich auch auf Ihre Freundin eine Zweitkarte ausstellen…“, stammelte sie dann weiter.

Doch hier unterbrach ich sie schnell und sagte einfach nur: „Da haben Sie mich leider etwas missverstanden! Es geht nicht hier um eine Freundin, es geht um mich!

„ … ??? …“

Dann gab ich der Filialleiterin erst einmal meinen vorsorglich mitgebrachten Flyer zum Thema Transsexualität sowie meinen DGTI-Ausweis und das nachfolgende Gespräch wurde länger als Anfangs von ihr erwartet. Es kamen viele Fragen, ich musste viel erklären aber irgendwie erschien mir die Frau plötzlich deutlich erleichtert.

Und als ich ihr dann noch versicherte, daß meine Frau über mich Bescheid weiß und wir uns ganz fest vorgenommen haben, die Ehe daran nicht zerbrechen lassen zu wollen, war Ihr die große Erleichterung dann endgültig anzusehen.

Der Rest waren dann nur noch Formalitäten.

Und beim Verabschieden sagte sie nur noch: „ … also wenn´s weiter nichts ist, ich dachte schon, sie wollen sich trennen…“

Inzwischen habe ich die neue Karte, ein schönes Motiv mit Sonnenuntergang unter Palmen und ganz unten, deutlich zu lesen, der Name Uta!

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Ein historischer Moment in NRW

Quelle: www.andersundgleich-nrw.de

31.10.2012

Ein historischer Moment!

Die Presseerklärung der Landesregierung

Ministerin Steffens: Landesregierung beschließt „Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – gegen Homo- und Transphobie“

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit:

Einen „NRW-Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – gegen Homo- und Transphobie“ hat das Kabinett gestern (30.10.2012) beschlossen. „Die Landesregierung tritt für ein gesellschaftliches Klima ein, in dem Menschen unabhängig von ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben führen können“, erklärte Emanzipationsminis­terin Barbara Steffens nach Verabschiedung des Aktionsplans. „Die Landesregierung will der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen kon­sequent begegnen und sich aktiv für Akzeptanz, Wertschätzung und ein tolerantes Nordrhein-Westfalen engagieren, in dem Vielfalt selbstver­ständlich gelebt und erlebt werden kann“, so Steffens weiter.
Alle Ressorts sollen zur Umsetzung von über 100 Maßnahmen bei­tragen. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen:

Die vollständige rechtliche Gleichstellung von Eingetragenen Lebens­partnerschaften mit Eheleuten im Einkommenssteuerrecht und bei der Adoption; von Regenbogenfamilien (gleichgeschlechtlich liebende Eltern und ihre Kinder) und solchen, die es werden wollen, mit anderen Familien; von Transsexuellen (Reform des Transsexuellengesetzes) und von Intersexuellen (Berücksichtigung der persönlichen geschlecht­lichen Zuordnung im Personenstandsrecht).

Schutz vor Diskriminierung und Gewalt: Hier geht es um eine Verbesse­rung der Gewaltprävention und des Opferschutzes in Kooperation mit der Polizei, aber auch um eine Kultur der Wertschätzung am Arbeits­platz.

Notwendig ist auch:

Nicht medizinisch notwendige geschlechtsangleichende Operationen bei intersexuellen Kindern zu vermeiden.

Initiierung und Förderung von Forschung, Studien und Studien­gängen, um die Lebenslagen von sexuellen Minderheiten transparent zu machen.

Gewährleistung von qualifizierten psychosozialen Beratungs- und Selbsthilfestrukturen.

Kompetenzerweiterung von Fachkräften in der Verwaltung und bei freien Trägern insbesondere in der Kinder-, Jugend und Familien­hilfe, in Schule, Sport, Polizei und Justiz.
Ein Klima der Offenheit, Akzeptanz und des Respekts schaffen, in dem andere Lebensformen willkommen sind.

Bereits während der Erarbeitung des Aktionsplans wurden wesentliche Schritte eingeleitet oder umgesetzt. So wurden die rechtliche Gleich­stellung von Lebenspartnerschaften mit Ehen im Landesrecht abge­schlossen, eine qualitative Studie zur Lebenssituation von Trans­sexuellen sowie eine Sonderauswertung der Langzeitstudie Gruppen­bezogene Menschenfeindlichkeit zum Thema Homophobie gefördert, die Sachkosten der Träger der psychosozialen Beratungs- und Selbst­hilfeinfrastruktur aufgestockt sowie ein Büro für die Kampagne „anders und gleich – Nur Respekt Wirkt“ eingerichtet. Zudem werden verschie­dene Vernetzungs- und Koordinierungsstellen gefördert: für das Projekt „SchLAU – Schwul-Lesbisch-Bi-Trans- Aufklärung NRW -, für die schwul-lesbische Jugendarbeit in der Region Niederrhein, für die Kampagne „Schule ohne Homophobie – Schule der Vielfalt“, für die Seniorenarbeit und für den Bereich Pflege sowie für den Bereich Migration. Die Ministerpräsidentin und weitere Mitglieder der Landes­regierung haben zudem zahlreiche Veranstaltungen der schwul-lesbischen Initiativen durch Schirmherrschaften, Grußworte und persönliche Teilnahme unterstützt, um ihre Wertschätzung zu zeigen.

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Weitere Infos: www.andersundgleich-nrw.de

Unterstützt und finanziert wird die Kampagne vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW.

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Neulich in der Notaufnahme im Krankenhaus

Marinas Erfahrung in der Notaufnahme:

Eigentlich wollte ich gar nichts darüber schreiben, denn die folgenden Ereignisse sind für mich inzwischen nichts besonderes mehr – Alltag eben. Alltag einer Transfrau, die das Leben in der neuen Geschlechterrolle für sich ausprobiert.

An jenem Dienstag hatte ich Rita im Garten geholfen ein paar Bäume und Büsche zurück zu schneiden. Dabei hat sich wohl ein Dorn durch den Handschuh hindurch in meinen linken Zeigefinger gebohrt. Vor Ort habe ich den Dorn nicht entfernen können, so dass ich dies auf den Abend zuhause verschoben habe. Abends habe ich dann mit Pinzette, Nadel und Schere bewaffnet versucht jenen Dorn aus meinem Finger heraus zu bekommen. Die Einzelheiten möchte ich euch hier ersparen. Jedenfalls war das Ergebnis meiner Bemühungen, dass der ******** (zensiert) Dorn noch tiefer als jemals zuvor drin saß. Damit sich die Wunde nicht entzündet habe ich also etwas PVP-Jod Salbe aufgetragen und ein Pflaster drüber gemacht und beschlossen am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen.

Am nächsten Tag, Mittwoch, habe ich dann bei verschiedenen Allgemein-Ärzten und praktischen Ärzten angerufen und mein Problem geschildert. Die Aussage war immer die Gleiche: Gehen sie ins Krankenhaus. Mittwochs haben ja viele Ärzte ihren freien Nachmittag…

Also fuhr ich zum Krankenhaus in MG-Nord und ging in die Notaufnahme. Zuerst musste ich mal 20 Minuten anstehen, so lang war die Schlange vor mir.  Irgendwann war auch ich an der Reihe und erklärte der Dame am Schalter mein Problem. Sie sagte mir, dass sie meine Versicherten-Karte braucht und ich 10€ Notfall-Praxisgebühr zahlen muss. So gab ich ihr dann meine Karte und die 10€.

Nachdem sie die Karte ins Lesegerät gesteckt hatte meinte sie: Das ist nicht ihre Karte, die hier läuft auf Herrn H. Ich sagte ihr, dass dies schon richtig so ist, denn rein formal bin ich Herr H. Ich erklärte ihr, dass ich Transident bin und das Leben als Frau für mich derzeit ausprobiere. Und dass ich es nett finden würde wenn man Frau H. aufrufen würde. Die Dame am Schalter sagte mir: „Kein Problem“ und strich das „Herr“ auf der Laufkarte durch und schrieb „Frau“ drüber.

Nach einer Wartezeit von ca. 1 Stunde wurde dann tatsächlich Frau H. aufgerufen. Ich ging also ins Behandlungszimmer und erklärte dem anwesenden Arzt mein Problem mit dem Dorn im Finger. Er entfernte das Pflaster und schaute sich die Wunde mit der Lupe an. Er konnte nichts erkennen, da inzwischen der Heilungsprozess eingesetzt hatte und die Wunde schon mit Fibrin verschlossen war. Der Arzt fragte mich, ob ich denn sicher sei, dass da noch was in der Wunde sei, worauf ich antwortete „ja, ganz sicher“. Um sicher zu gehen wurde ich jetzt zum Röntgen in den 1. Stock geschickt.

Ich ging also in den 1. Stock und meldete mich zum Röntgen an. Man teilte mir mit mich zu setzen, ich werde aufgerufen. Ca. 10 Minuten später ertönte „Herr H. bitte Zimmer 2“.
Leicht verärgert stand ich auf und ging auf die Röntgenassistentin zu, die auf mich wartete. Sie schaute mich mit großen Augen an und sagte „Ich habe aber Herrn H. aufgerufen“. Ich dann (mal wieder): „Das ist schon richtig so“. Sie schaute noch mal ungläubig auf die Akte in ihrer Hand und dann wieder zu mir. Dann lächelte sie und sagte mir ich soll mich setzen. Kurz und knapp: Es wurden zwei Bilder meines Fingers gemacht, von oben und von der Seite. Während die Fotoplatte im Entwicklungsgerät war kam sie zu mir und unterhielt sich mit mir. Ich erklärte ihr, dass ich eben Transident bin und in meiner Freizeit nur noch als Frau lebe, jedoch bei der Familie und im Beruf Abstriche machen muss. Sie fand es toll, dass ich meine Transidentität so selbstverständlich offen auslebe. Und ein Kompliment für mein Aussehen bekam ich noch oben drauf.

Ich fragte sie, warum ich denn als Herr aufgerufen wurde, wo doch an der Anmeldung schon die Akte geändert wurde. Sie erklärte mir, dass im Haus die Daten nur noch elektronisch Übertragen werden, und in meiner Versicherten-Karte steht nun einmal „Herr“. Also kein Grund sich aufzuregen. Die Bilder waren in Ordnung und die Röntgenassistentin verabschiedete mich und wünschte mir noch alles Gute auf meinem weiteren Weg.

Wieder im Erdgeschoss in der Notaufnahme musste ich wieder ca. 1 Stunde warten bis ich aufgerufen wurde. Auf den Röntgenbildern war nichts zu erkennen. Wenig verwunderlich, Holz sieht man eben nicht auf einem Röntgenbild. Wozu das Bild überhaupt gemacht wurde ist mir schleierhaft. Naja….

Noch einmal fragte mich der Arzt, ob ich denn sicher wäre, dass da noch etwas in der Wunde wäre, was ich noch einmal bejahte. Also müsse er die Wunde öffnen und nach dem Fremdkörper suchen. Gesagt-getan… Ich musste mich auf einen OP-Tisch legen, die Hand wurde steril abgedeckt und bekam eine Betäubungsspritze in den Finger. Dann suchte der Arzt nach dem Dorn. Nach ein paar Minuten hatte er ihn dann auch gefunden. Der Finger wurde verbunden und ich durfte Heim gehen.

Alles in allem, wie gesagt, nichts Besonderes. Für mich ist es normal geworden, dass ich immer wieder die Diskrepanz zwischen meinem Aussehen und meinen Papieren erklären muss. Das macht mir aber gar nichts aus, denn ich stehe zu dem, was ich bin. Alles Alltag.

Liebe Grüße
Marina

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