Blog

Gendertreff beim CSD Konstanz

Düsseldorf/Konstanz, 16.07.2011 Der grenzüberschreitende Christopher Street Day in Konstanz und Kreuzlingen steht in diesem Jahr unter dem Motto „Trau’ Dich“. Grund genug für den Gendertreff, sich mit einer Fußgruppe an dem deutsch-schweizerischen Event am 16.07.2011 zu beteiligen.

„Trau Dich“ – für viele Transgender ist tatsächlich der Schritt in die Öffentlichkeit ein bedeutender. Das Ausleben der eigenen Persönlichkeit ist für viele Transgender auch heute noch nicht selbstverständlich.

Der Gendertreff möchte mit der Teilnahme am Christopher Street Day in Konstanz und Kreuzlingen anderen Transgendern Mut machen und eine breite Öffentlichkeit über das Thema Transgender informieren.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Identitätsgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Identitätsgeschlecht ist deshalb im Transsexuellengesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff unter www.gendertreff.de eine große Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit den Selbsthilfegruppen „Gendertreff Düsseldorf“ in Düsseldorf und „Gendertreff Leverkusen“ in Leverkusen ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

Gruß
Team Gendertreff

>> Kleine Galerie vom Gendertreff beim CSD am See 2011 in Kreuzlingen und Konstanz

>> Bunt ist die Welt – auch am Bodensee

>> Bunt ist die Welt – auch am Bodensee (Teil 2)

>> Zum Inhaltsverzeichnis

Larissa`s Geschichte

Larissa aus dem Gendertreff Forum erzählt uns ihre Geschichte:

Im Gendertreff gelandet und will hier auch ein wenig mehr von mir erzählen.

Nun, wie fange ich an?
Ich bin transsexuell, noch vor der geschlechtsangleichenden Operation, kurz GaOP. Meine Vornamensänderung fand vor mehr als dreieinhalb Jahren statt, danach folgte der Kampf mit der Krankenkasse wegen der Kostenübernahme für die GaOP. Dieser Streit ging bis vors Sozialgericht. Letztlich lenkte die Krankenkasse aber, nach einem von ihr selbst geforderten Gutachten beim MdK, ganz schnell ein und erklärte sich bereit, im Zuge eines Vergleichs die Kosten für die GaOP sowie den größten Teil der Kosten für die Barthaarepilation (Nadelepilation bei einer nicht krankenkassenzugelassenen Kosmetikerin) zu übernehmen, bevor es zur endgültigen Verhandlung vor dem Sozialgericht kam.

Mein Lebensweg dürfte sich von dem vieler anderer Transsexueller nicht allzu sehr unterscheiden. Ich bin nicht mehr die Jüngste, tatsächlich gehöre ich mittlerweile dem "Rentnerclub" an.

Schon als Kind war ich davon überzeugt, eigentlich ein Mädchen zu sein. Meine Eltern hatten das damals einfach so akzeptiert, mir aber nahegelegt, um mir viel Leid und Ärger mit anderen zu ersparen, das als unser Geheimnis zu betrachten. So lernte ich mich in der Öffentlichkeit zu verstellen, was mir sehr schwer fiel, sodass ich mich oft zu Hause in Tränen aufgelöst wiederfand. Irgendwie konnte ich nicht begreifen, warum ich den Jungen spielen musste und nicht einfach ein Mädchen sein konnte. Zum Glück fand ich immer bei meinen Eltern Trost. Fast mein gesamter Freundeskreis während der Schul- und Jugendzeit bestand aus Mädchen. Bei ihnen fühlte ich mich wohl, ihre Denkweise war mir vertraut, während mir die Denkweise der Jungen und später der jungen Männer immer ein wenig fremd war. In manchen Dingen empfand ich sie sogar als abstoßend. (Sorry, wenn ich damit jemandem auf dem Schlips getreten haben sollte, aber ich muss wohl dazu sagen, dass ich empathisch veranlagt bin und dadurch die Gefühle anderer wahrnehme, als wenn ich ein offenes Buch sehe. Damals hatte ich noch nicht gelernt, wie ich das so weit wie möglich abblocken kann.)

Später lernte ich gezwungenermaßen, mich in der Männerwelt zurechtzufinden und auch eine Männerrolle zu spielen, denn so etwas wie mich dürfte es ja gar nicht geben, das sei doch völlig unnormal und widerwärtig. So begrub ich die Frau in mir im hintersten Winkel und tat das, was Männer eben so tun. Ich heiratete, wir bekamen Kinder, und ich dachte schon, die Frau in mir sei endgültig verschwunden, so lange, bis sie plötzlich von Zeit zu Zeit wieder aus ihrem Gefängnis hervorbrach. Es gab Phasen, da zog ich mir Frauenkleider an, wenn es keiner sah, kaufte mir heimlich Frauenkleider und -wäsche, nur um später alles wieder in die Mülltonne zu stopfen.

Nach der Trennung von meiner letzten Frau kam dann alles endgültig an die Oberfläche. Ich war allein, die Kinder waren aus dem Haus, ich brauchte also auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen. Ich ließ die Frau in mir aus ihrem Versteck und so langsam begann sie die Oberhand zu gewinnen. Meine Kleidung, obwohl noch männlich, änderte sich langsam aber sicher zum Weiblichen hin, aber so, dass ich mich darin in der Öffentlichkeit zeigen konnte ohne großes Aufsehen zu erregen. Meine Haare trug ich lang, in Zöpfen – weshalb ich von den Leuten oft nur als "Der Indianer" bezeichnet wurde.

Irgendwann war mir das dann aber auch nicht mehr genug, die Frau forderte ihr Recht, auch in der Öffentlichkeit Frau sein zu können. Ich begann (jedenfalls dort, wo mich keiner kannte) in Kleidern und Röcken herumzulaufen und fühlte mich dabei eigentlich zum ersten Male richtig frei und ganz ich selbst und so langsam war es mir auch völlig egal, was andere über mich denken mochten. Jedoch wurde das Verlangen, auch ganz offiziell als Frau anerkannt zu werden und einen weiblichen Namen tragen zu können, immer drängender. Es war mir aber nicht ganz klar, wie ich das erreichen konnte. Ich wusste nur, dass das irgendwie möglich wäre. Andere Transsexuelle, die ich hätte um Rat fragen können, wird man hier auf den Dörfern wohl kaum finden, und was ich anfangs an Seiten im Internet fand, war auch nicht so berauschend. Die meisten machten auf mich eher den Eindruck von Sex-Seiten und das war mir alles sehr suspekt.

Ich überwand dann die letzte Hemmschwelle und schrieb an das Standesamt hier in unserer Verbandsgemeinde eine Brief mit der Frage, wie und wo ich meinen Vornamen ändern lassen könnte mit einer kurzen Erklärung der Gründe. Zwei Tage später schon erhielt ich eine freundliche Antwort vom Standesamt, dass sie meinen Brief an das zuständige Amtsgericht in Frankenthal weitergeleitet hätten und dass sie mir viel Erfolg bei meinem Vorhaben wünschten. Auf so viel Freundlichkeit und Verständnis war ich nun wirklich nicht gefasst gewesen. Innerhalb kurzer Zeit erhielt ich dann Post vom Amtsgericht, der Antrag auf Namensänderung sei eingegangen. Das ganze Verfahren mit Gutachtern etc. dauerte 8 Monate, dann hatte ich den Gerichtsbeschluss, dass die Namensänderung vollzogen sei.

Neue Papiere, Änderungen bei Krankenkasse und der Sozialversicherung etc. gingen dann innerhalb weniger Tage über die Bühne. Süß war noch hier auf der Verbandsgemeindeverwaltung, als sie mir meinen vorübergehenden Personalausweis ausstellten, als die zuständige Sachbearbeiterin mir sagte, dass sie ja eigentlich offizielle Schreiben an mich noch mit Herr Larissa E… adressieren müssten, aber es wäre mir doch sicher Recht, wenn sie stattdessen Frau Larissa E… schreiben würden.

Das alles hat einige Veränderungen mit sich gebracht. So habe ich zum Beispiel den größten Teil meines früheren Bekanntenkreises verloren. Viele wollten oder konnten das nicht verstehen. Im Dorf hier (ich wohne jetzt seit über 12 Jahren hier) bin ich allerdings nicht dumm angemacht worden, die waren ja auch schon von meinen Zöpfen und meiner doch nicht ganz "normgerechten" Kleidung von früher her einiges von mir gewohnt. Was vielleicht hinter meinem Rücken über mich geredet wurde oder wird, weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht im Geringsten.

Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich meinen Namen ändern würde und auch eine GaOP in Betracht ziehe, war das für sie völlig in Ordnung. Sie meinte nur lächelnd: "Das hättest Du Dir aber wirklich vor der Geburt überlegen können. Du solltest doch sowieso ein Mädchen werden. Okay, dann habe ich ja jetzt doch noch eine Tochter."

Wie gesagt, ich lebe jetzt seit über 12 Jahren hier in dem Dorf, und seit mehr als 10 Jahren zusammen mit meiner Freundin. Sie hat von Anfang an gewusst, wie es um mich bestellt war und hat also meine ganze Metamorphose zur Frau hautnah miterlebt. Eigentlich bin ich jemand, der nicht so gerne in die Öffentlichkeit geht, Menschenansammlungen und Veranstaltungen habe ich bisher nach Möglichkeit vermieden. Der Grund liegt vor allem in meiner schon erwähnten empathischen Veranlagung – ich fühle mich nach einiger Zeit durch die auf mich eindringenden Gefühle der Anderen äußerst unwohl und will dann nur noch flüchten.
Trotzdem habe ich mich dazu aufgerafft, am 23.10. zu einem Schminkkurs nach Köln zu fahren. Schließlich hatte mir meine Freundin diesen Kurs ja zum Geburtstag geschenkt. Ich fuhr also mit sehr gemischten Gefühlen hin, war aber sehr überrascht von der angenehmen Atmosphäre dort. Ich fand es schön, endlich auch einmal ein paar Gleichgesinnte kennenlernen zu können. Zwei von ihnen habe ich auch schon hier im Gendertreff wiedergefunden.

Tja, und so, wie es aussieht, werde ich dann wohl auch bald einmal zu den Selbsthilfegruppen gehen, allerdings mit meiner Freundin, denn die brauche ich manchmal immer noch zum Händchenhalten, wenn ich zu solchen Treffen fahre, bei denen doch noch sehr viele mir Unbekannte sind.

Ich wollte doch nur ein wenig über mich schreiben, und nun ist es ein halber Roman geworden; ich hoffe, ich habe keinen gelangweilt.

Liebe Grüße

Larissa

>> Zum Inhaltsverzeichnis

7 Naturschönheiten in der Schönheit der Natur

Bundesgartenschau Koblenz 2011

erlebt und geschrieben von Gitta

In den letzten Tagen war es für diese Jahreszeit ein ungewöhnlich warmes, ja fast schon heißes Wetter, selbst in den Nächten kühlte es kaum ab. Die Wärme der Nacht ließ auch unseren Reporter Günni vom Tranny – Magazin nicht zur Ruhe kommen. So kam es, dass er an seinem freien Samstag schon sehr früh auf den Beinen war. Doch was sollte er unternehmen, an diesem 28. Mai 2011? Zuhause bleiben wollte er auf keinen Fall, dazu war der freie Tag zu schade, vielleicht einen Stadtbummel oder einfach nur ein wenig am Rheinufer faulenzen? Also fuhr er mal wieder ohne Ziel in Richtung Norden des Landes und freute sich auf einen unbeschwerten Tag ohne Arbeit.

Weiterlesen

Avas Gedanken zu euphorischen Neulingen

Stehe zu Dir selbst und Deiner Transgender-Eigenschaft. So steht es sinngemäß auf meiner eigenen kleinen Webseite hier auf der Gendertreff Plattform . Und tatsächlich: Obwohl viele Transgender es offensichtlich zunächst kaum glauben können so lehrt doch die eigene Erfahrung, dass das ungezwungene Ausleben der Transgender-Eigenschaft relativ problemlos möglich ist.

Die diversen Erlebnisberichte , Erfahrungsberichte und Reportagen unserer Gendertours sprechen Bände. Die vielfach gehörten und gelesenen – meist sehr theoretischen – Überlegungen dazu, was einem draußen en femme alles passieren könnte muten an wie ein Erfahrungsbericht aus einem Paralleluniversum.

Die eigene Erfahrung lehrt, dass ein Großteil des Passing durch selbstsicheres und selbstverständliches Auftreten in der Öffentlichkeit bestimmt wird. Die Reaktionen der Mitmenschen sind entweder nicht vorhanden oder aber sogar überwiegend positiv. Nicht zuletzt um das zu vermitteln, finden unsere Selbsthilfetreffen in öffentlichen Lokalen statt. Denn wer seine Ängste und seinen inneren Schweinehund überwindet, hat häufig einen bedeutenden Teil seiner aus dem „Zimmertransendasein“ resultierenden Probleme gelöst.

Bewaffnet mit dieser Erkenntnis neigen jedoch offensichtlich einige Transgender nach den ersten überwiegend positiven Reaktionen ihrer Umwelt dazu, in eine Art totale Euphorie zu verfallen. Nach nur einigen Malen en femme in der Öffentlichkeit wissen diese euphorischen Neulinge kraft Selbstdiagnose, dass sie natürlich transsexuell sind. Und ab dann wird auf die Transition hingearbeitet.

So erging es auch Sandra-Melina, einer Userin aus dem Gendertreff Forum. Da sie ihre diesbezüglichen Erfahrungen im geschützten Mitgliederbereich des Gendertreff Forums veröffetlicht hat, möchte ich sie – natürlich mit Sandra-Melinas Einverständnis – hier kurz zusammenfassen.

Was war passiert? Sandra-Melina hatte lange Jahre im Ausland gelebt. Bereits von ihrem Wohnort im Ausland hatte sie sich im Gendertreff Forum angemeldet und sich mit anderen Transgendern und natürlich auch Angehörigen ausgetauscht. Irgendwann stand für sie fest, dass sie wieder nach Deutschland übersiedeln und ihre Transgendereigenschaft ausleben wollte.

Und so stand sie tatsächlich eines Tages als Überraschungsgast auf dem Gendertreff Leverkusen. Und auch sie wusste zu diesem Zeitpunkt natürlich bereits, dass sie von nun an nur noch als Frau leben wollte. Also wurde alles in Bewegung gesetzt, um die Transition vorzubereiten. Bartepilation, Psychologe und Hormonbehandlung waren ab nun die hoch gesteckten Ziele. Bis – ja, bis Sandra-Melina sich verliebte.

„Es kommt anders als man denkt“ – so hieß ihr Bericht dazu im Forum. Denn in Sandra-Melinas Leben war plötzlich eine Frau getreten. Und diese Beziehung stellte die zuvor noch so sicher geglaubte Selbstdiagnose der Transsexualität plötzlich in Frage.

Ich schrieb ihr dazu folgende Antwort auf ihren Beitrag im Gendertreff-Forum:

„Hallo Sandra-Melina,

vielen Dank für diesen interessanten Bericht. Denn er beschreibt etwas, das ich bei vielen unserer etwas neueren User mit einiger Sorge beobachte und vor dem ich einige auch schon explizit gewarnt habe:

Viele der neuen User hier, die erst vor einigen Monaten die ersten Schritte gewagt haben, verfallen in eine Art Euphorie, die nur schwerlich nachvollziehbar ist. Da sind sie gerade erst ein paar Monate in der Öffentlichkeit en femme unterwegs und haben festgestellt, dass man eigentlich ganz problemlos in die Öffentlichkeit kann und es entwickelt sich etwas, das ich als „Hyperventilieren“ bezeichne.

Denn diese User sind sich schlagartig alle ganz sicher, dass die vollständige Transition für sie ab nun der einzig wahre Weg ist. Liebe Leute, das ist aber niemals die Botschaft gewesen, die Euch der Gendertreff mit auf den Weg gegeben hat . Sandra Melina ist ein perfektes Beispiel: Nach Jahrzehnten im stillen Kämmerlein traut sie sich erst seit ein paar Monaten raus. Und schon weiß sie, dass sie nur noch als Frau leben will – bis plötzlich die Liebe des Lebens auftaucht.

Deshalb an dieser Stelle eine Botschaft an so einige von Euch: Liebe Leute! Kommt erst einmal an! Alle hier stecken doch in einem sozialen Gefüge aus Familie, beruflichem Umfeld, Freundeskreis, Sport-, Schützen- oder Kegelverein usw. Fragt Euch bitte erst einmal in Ruhe, ob ihr wirklich immer und unwiderruflich Frau sein wollt. Nach erfolgreicher Transition inkl. gaOP ist das nämlich zu spät.

Mit einiger Sorge beobachte ich, dass einige hier Unsummen ausgeben für Laserbehandlungen und Ähnliches. Dabei muss vielleicht nur ein Ereignis wie jetzt bei Sandra-Melina auftreten, das die eigene Sicht als Transsexuelle in Frage stellt.

Die Erfahrung, die ich gemacht habe ist die, dass man bei aller Euphorie nichts überstürzen sollte. Wenn ich lese, in welcher Geschwindigkeit sich gerade einige Neulinge hier im gesamten privaten und beruflichen Umfeld outen, dann wird mir ganz anders. Liebe Leute, Ihr müsst von Euren Berufen leben. Ein berufliches Outing macht nur Sinn, wenn Ihr wirklich dauerhaft als Frau leben wollt. Und da erzählt mir niemand, der vor einem Jahr noch im stillen Kämmerlein gesessen hat, dass er nun genau weiß, dass nur die gaOP der einzig wahre Weg ist. Auch sollte man immer bedenken: Wenn man sich erst einmal geoutet hat, dann ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Nicht zuletzt deshalb würde ich mir bei einigen hier wünschen, dass sie ihre eigene Situation einmal etwas genauer reflektieren.

Hier denken Leute über Hormone nach, die noch vor einigen Monaten nicht einmal eine Damentoilette von innen gesehen haben. Ich kann es nur gebetsmühlenartig wiederholen: Schaut doch erst einmal einige Zeit (und damit meine ich nicht 2 Wochen oder Monate), ob ihr denn wirklich immer und unwiderruflich zu jeder Zeit Frau sein wollt. Denkt einmal darüber nach, dass vielen von Euch das Testosteron die Männlichkeit ins Gesicht geschrieben hat und dass Ihr notfalls ständig im Alltag dazu stehen müsst, als Mann geboren zu sein und als Frau zu leben. Hier besteht nämlich ein großer Unterschied, ob man das nur in Teilzeit oder gleich in Vollzeit macht.

Und erst dann, wenn Ihr Euch nach einigen Jahren völlig sicher seid, dann solltet Ihr über die Transition nachdenken.

Sorry für die deutlichen Worte, aber das ist wirklich meine Meinung dazu. Denn in letzter Zeit „hyperventilieren“ mir hier einige Leute viel zu schnell.

Viele Grüße

Ava“

Ja, das musste zu diesem Zeitpunkt einfach mal raus. Denn eine Anleitung, wie man(n) möglichst schnell Frau wird, kann und möchte der Gendertreff nicht geben. Transidentität ist schließlich kein Wettbewerb bei dem es darum geht, wer Erster bei der Laserepilation oder der Hormonbehandlung ist. Und „weiter auf seinem Weg“ ist nicht derjenige, der einen dieser vermeintlichen Meilensteine erreicht hat. Weiter ist vielmehr derjenige, der einen Weg gefunden hat, seine Transidentität in sein Leben und sein soziales Umfeld derart zu integrieren, dass er damit leben kann und gleichzeitig seinen sozialen und/oder beruflichen Status nicht gefährdet.

Viele Erfahrungen deuten zudem darauf hin, dass einige, die auf Biegen und Brechen die Transition durchgezogen haben, mit ihrer Entscheidung im Nachhinein sehr unglücklich waren. Auch zeigen einige Erfahrungen aus dem näheren Umfeld, dass es ratsam ist, sowohl sich selbst als auch das eigene Umfeld in eher kleinen Schritten an das Thema heranzuführen.

Ich für mich habe deshalb beschlossen, auf meinem eigenen Weg nichts zu überstürzen.

Viele Grüße
Ava

INHALTSVERZEICHNIS

8 Neandertalerinnen auf den Spuren der Römer

Osterreise nach Trier 2011

erlebt und geschrieben von Gitta

Endlich war es soweit, Ostern 2011 stand vor der Tür, und unser altbekannter Reporter Günni vom Trannymagazin hatte vier Tage Urlaub, den er auch fernab seiner Arbeit einmal richtig genießen wollte. Alle Wetterdienste sagten bestes Sommerwetter voraus, und so beschloss er, ohne festes Ziel einfach mal so ins Grüne zu fahren. Bereits am frühen Karfreitagmorgen startete er und sein Weg führte ihn zunächst in Richtung Norden. An der Raststätte Solingen–Ohligs machte er eine Pause, um einen Kaffee zu trinken. Schon auf dem gut gefüllten Parkplatz fiel ihm ein Auto auf, das ihm irgendwie bekannt vorkam. Aber so sehr er auch nachdachte, es wollte ihm nicht einfallen. Also ging er ins Restaurant, holte sich einen Kaffee, den er auf der Terrasse genießen wollte. Und da fiel ihm auch wieder ein, wem das auffällige Auto auf dem Parkplatz gehörte: Allein und in der Sonne sitzend hatte es sich Gitta gemütlich gemacht, die er ja schon seit längerem kannte. Aber warum hatte sie sich am heiligen Karfreitag schon so früh auf den Weg gemacht?

Weiterlesen

Professionell unterwegs

Petra-Susanne ist PhysikerIn und hat sich in professionelle Kreise gewagt um an einem Workshop teil zu nehmen. Im folgenden ihr Bericht:

Gestern habe ich mich zum ersten Mal in weiblicher Erscheinungsform in professionelle Kreise gewagt. Ultrakurzzusammenfassung: Keinerlei Probleme!

Hier nun die etwas längere Beschreibung:

Ich bin als PhysikerIn unter Anderem auch mit dem simulativen Rechnen von physikalischen Systemen beschäftigt, um Vorhersagen über deren Verhalten beim Verändern von Randbedingungen etc. machen zu können. Hierzu gibt es sehr spezielle, komplexe Programme, die in der Regel richtig viel Geld kosten, wenn man nicht in der akademischen Forschung angesiedelt ist und dessentwegen von den Firmen angefixt werden soll. 🙂

Solch ein Programm wurde in gestern in zwei aufeinander folgenden Workshops (vormittags und nachmittags) im Allgemeinen und für eine Spezialanwendung im Besonderen vorgestellt, und zwar im nahen europäischen Ausland. Eine Begegnung mit Kollegen aus dem direkten Arbeitsumfeld war nicht zu erwarten – und wenn es doch dazu gekommen wäre, hätte ich halt ein Outing der anderen Art billigend inkauf genommen. Daher habe ich dann einfach mal als *ich* teilgenommen.

Morgens um ca. Viertel nach Sechs ging’s los, nachdem ich mir den Abend zuvor die Plümmen und die erforderlichen Materialien der Kriegsbemalung passend zurecht gelegt hatte, um nicht nach dem Aufstehen um Fünf noch in Zeitnot zu geraten. Das Outfit: Frauentypisches Sitzungsoutfit mit engerem, knielangem, dunklem Rock, eher dunklen Strümpfen, leicht pumpsartigen Halbschuhen und rotem etwas edleren T-Shirt; dezenter Schmuck. Für den Einkaufsbummel wäre es overdressed gewesen, aber in dem erwartbaren Kreis wohl passend.

Hinfahrt war natürlich kein Problem. Am Zielort musste ich dann erst mal nach dem Workshop-Raum (gemietet in einem größeren, nobleren Hotel) suchen und bin dann schnell fündig geworden. Überraschung: Wir waren nur zu sieben TeilnehmerInnen. Entsprechend war ein „Untertauchen in der Menge“ hier nicht angesagt, und es entwickelten so einige einleitende Fachgespräche. Großartige Verwirrung mir gegenüber war überhaupt nicht zu spüren, obwohl ich meine Stimme trotz einer gewissen Anhebung und wohl auch etwas femininerer Ausdrucksweise schon etwas weiblicher wünschen würde. Ich gehe aber davon aus, dass die Teilnehmer mich schon als transident eingeschätzt haben, auch wenn einigen dieser Begriff wahrscheinlich gar nicht bekannt war.

Der gleiche Effekt dann nach dem kurzen Baguette+Wässerchen-Mittagsmahl (mit entsprechender höflicher Bedienung der „Madame“ durch das Restaurationspersonal) im zweiten Workshop, mit nur noch 5 TeilnehmerInnen, bis hin zur Verabschiedung per Handschlag durch den Workshopleiter.

Schließlich noch ein Tankstop zum kostengünstigen Nachfüllen des Diesels mit ähnlich unspektakulärem Verlauf, bevor ich nach einem langen Arbeitstag um ca. 19 h wieder zuhause eintraf. Und ja, ich kann die Aussagen meiner Frau durchaus nachvollziehen: Der BH (bzw. bei mir das Korselett) drückte doch irgendwann eher unangenehm!
Aber da mein (klebetechnisch realisiertes) Bindegewebe nach dem ganzen Tag auf Achse eher etwas schwächelte, hab ich das Ding noch tapfer bis zum Zubettgehen ertragen.

Liebe Grüße,

Petra

INHALTSVERZEICHNIS

Kerstin fasst sich ein Herz

Kerstin aus dem Gendertreff-Forum hat uns gebeten, ihr Outing bei ihrer Mutter zu bloggen. Das wollen wir hiermit gerne tun.

Hallo Ihr lieben!

Heute Nachmittag habe ich mir ans Herz gefasst und mich endlich bei meiner Mutter geoutet. Es musste einfach sein, weil ich bei dieser Sache, die mich so bewegt und ein wirklich großer Teil meiner Seele und überhaupt von mir ist, das Gefühl hatte sie anzulügen, indem ich nichts davon erzählte. Auch wenn ich irgendetwas unternommen habe musste ich irgendeine Geschichte auftischen. Nein, ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern. Auch wollte ich Ihr die Bilder zeigen, auf die ich teilweise riesig stolz bin und von Erlebnissen berichten.

Ich habe meine bewährte Methode angewendet. Ich habe immer zwei kleine Bilder von Kerstin in meinem Portemonnaie. Eins in blond und das andere mit roter Frisur. Die habe ich ihr hingehalten und gefragt, ob sie die kennen würde. Vorher habe ich nochmal überprüft ob mein Vater wirklich draußen arbeitet und nicht jeden Moment hereinkommen könnte. Mit meinem Bruder bin ich da einer Meinung, dass er es nicht verstehen würde. Seine größte Angst war in unserer Kindheit, dass wir schwul werden, wenn wir den Puppenwagen der Nachbarin schieben oder mit Big Jim spielten (männliche Barbie mit Jeeps, Abenteuerausrüstung, Westernklamotten und diverse Waffen).

Sie sah sich die Bilder an und relativ schnell fing sie an zu schmunzeln und fragte, ob ich das sei. Ich bejahte das. Dann fragte sie nach, ob ich auch die Blonde bin. Auf dem Bild hätte sie mich nicht erkannt, sagte sie. Dann ging ihr Mundwinkel etwas nach unten und sie sagte, dass sie es nicht verstehen würde. Was sie nicht verstünde, fragte ich. Warum ich das mache. Dafür habe ich selber auch keine wirklich gute Antwort. Da sagte ich, dass ich das brauche. Ich will keine Hormone oder Operation, es reicht mir wenn ich hin und wieder zu Kerstin werde.

Eine Frage ließ mich zusammen zucken: Ob wir uns an kleinen Mädchen vergreifen. So etwas von meiner Mutter zu hören… Da war ich einen Moment richtig sauer und sagte ihr, dass wir doch keine Perversen sind! Ich glaube das war ihr auch nur herausgerutscht. Ich merkte ihr an, dass sie doch erst mal platt war und nicht wusste, was sie sagen solle. Sie ist siebzig und hat sich noch nie mit dem Thema näher beschäftigt

Dann machten wir erst mal das wofür ich gekommen war und ihr helfen sollte – Onlinebestellungen von Medikamenten.

Danach zeigte ich ihr meine Picasa Seite. Ich erklärte ihr verschiedene Besonderheiten an den Bildern. Dann meinte sie, ich wäre echt hübsch, schade dass ich kein Mädchen geworden bin. Da merkte ich, dass sie etwas lockerer wurde. Es kamen noch Fragen wie z.B. wo ich die ganzen Klamotten her habe, wo ich die unterbringe, wie ich mit den Absätzen laufen kann, wie viel Schuhe ich habe, ob ich so bei mir herausgehe, wo ich mich umziehe und so weiter.

Dann hörte ich meinen Vater durch den Flur laufen. Ich habe schnell den Bildschirm "gesäubert". Nachdem ich ihr den Link zu meinen Bildern und zu verschiedenen Foren in ihre Lesezeichen gespeichert hatte, verabschiedete ich mich. Ich war irgendwie sehr emotional und zitterig und bin es jetzt immer noch. Das war doch etwas heftig. Dann machte ich etwas, was ich viel zu selten mache: Ich sagte ihr, dass ich sie lieb habe. Daraufhin umarmte sie mich, was irre gut tat!!!

Im Prinzip hat sie genau so reagiert, wie ich es eingeschätzt habe. Sie muss das erst mal verarbeiten, hat es aber sehr gut aufgenommen. Warum habe ich dann ein flaues Gefühl im Bauch??? Eigentlich müsste ich doch erleichtert sein!?

Liebe Grüße,
dat Kerstin

INHALTSVERZEICHNIS

Gendertreff Forum – 5 Jahre Forum für Transgender, Angehörige und Interessierte

Am 25. April 2006 um 23:31 Uhr ist es passiert: Eine Userin namens Xenia meldete sich im Gendertreff Forum an. Damit war sie die erste Userin dieses Forums und administriert es bis heute. Und was bedeutet das, wenn sich der erste User eines Forums anmeldet? Richtig: Es ist die Geburtsstunde eines Forums.

Am 25. April 2011 ist das Gendertreff Forum demnach 5 Jahre alt geworden. Seit 5 Jahren bietet es die Plattform für den Austausch zwischen Transgendern, Angehörigen und Interessierten und es hat in dieser Zeit auch manche interessante und kontroverse Diskussion erlebt. Kein Wunder, denn das Thema Transgender ist alles andere als trivial.

Als virtuelle Verlängerung des damals schon seit nicht ganz zwei Jahren existierenden Gendertreff Düsseldorf sollte das Gendertreff Forum helfen, die lebhaften Diskussionen unserer Treffen im Internet fortzusetzen. Weiter sollten sich Transgender, Angehörige und Interessierte auch virtuell vernetzen können.

Mittlerweile hat sich das Gendertreff Forum fest in der Transgender-Szene etabliert und es wurden unzählige Themen von Schminktipps bis hin zu Erfahrungen rund um die Transition behandelt. Im "unsichtbaren Teil" des Forums wird mittels persönlicher Nachricht auch von User zu User vertraulich diskutiert. Freundschaften werden geknüpft und gepflegt und auch Events und Ausflüge geplant.

Im fünften Jahr seines Bestehens ist das Gendertreff Forum nunmehr Bestandteil des Informations- und Selbsthilfeangebots des Gendertreff, der mit zwei Selbsthilfgruppen/Treffen sowie dem Forum und der Plattform den Austausch zwischen Transgendern, Angehörigen und Interessierten fördert.

>> Gendertreff Forum

>> Zum Inhaltsverzeichnis

Linas Geschichte

Lina37 hat ihre Geschichte freundlicherweise für das Magazin frei gegeben:

Hallo ihr Lieben,
Ich bin ja schon einige Zeit hier, habe aber im Gegensatz zu den Anderen noch recht wenig über mich geschrieben….

Also, meine Mutter erzählt immer wieder die Geschichte, dass ich mit fünf Jahren manchmal mit den Worten „Heute bin ich ein Mädchen“ aufgestanden bin. Meine Mutter ist da auch sehr locker gewesen und hat mich dann auch den ganzen Tag so angesprochen. Ich hatte auch etwas längere Haare (meine Ma ist ziemlich alternativ) und auch nicht so die typischen Jungs-Klamotten und Spielzeuge, einen Vater hatte ich nie. Dennoch glaube ich, dass meine Mutter das eher als ein Spiel von mir gesehen hat. Leider bin ich dann mit sechs zu meinen Großeltern gekommen, welche sehr streng und spiessig waren und für die ich damals total verzogen war. Ich habe dann die Grundschulzeit dort verbracht, war aber immer Aussenseiter in der Klasse, hatte keine Freunde, weshalb mich meine Großeltern im Fussballverein anmeldeten, wo ich auch nie anerkannt wurde. Ich war halt zu weich. Nach der Grundschulzeit kam ich dann zurück zu meiner Mutter, welche inzwischen einen neuen Mann hatte, was zu sehr großen Problemen geführt hat bis ich mit 18 ausgezogen bin.

Ich hatte während der Pubertät eigentlich nur weibliche Freunde und mir oft vorgestellt, wie meine beste Freundin zu sein und habe mich insgesamt ziemlich rebellisch verhalten. Mit 15 wurde ich Punk, habe teilweise absichtlich auf der Straße gelebt und in besetzten Häusern übernachtet, obwohl ich ein Zuhause hatte. Mit 18 habe ich dann die Stadt verlassen und bin nach Düsseldorf…durch die ganzen Probleme, die ich hatte, war „Lina“ auch ganz verschwunden, ja, ich erinnerte mich sogar nicht mehr an Gefühle, die ich als Kind und Teenie hatte. Im Laufe der Jahre hatte ich mehrere feste Beziehungen, bei denen aus heutiger Sicht oft mehr Bewunderung als Begehren der Grund für die Liebe war. Dadurch das ich mit 20 auch noch sehr weiche Gesichtszüge und auch mal längere Haare hatte, kam es zweimal vor, dass eine Freundin von mir mich „nur mal so zum Spaß“ geschminkt hat und ich mir auch sehr gefallen habe, aber es nicht zugeben wollte.Dann hatte ich eine sehr lange Beziehung, in der meine damalige Partnerin und ich zusammen wohnten. Und so kam es eines Tages, sie war oft abends arbeiten oder aus, dass ich heimlich ihre Sachen anzog. Und mich so gut gefühlt habe…aber nur kurz, denn nach einiger Zeit kam wieder das ungeheure Schamgefühl.

Eines Tages erwischte sie mich. Erst hat sie mich ausgelacht und dann hat sie sich einen Neuen gesucht. Es folgten sehr depressive Jahre, ich bin mittlerweile dreißig und in eine andere Stadt gezogen. In diesen Jahren habe ich meinen Körper aggressiv zerstören wollen. Ich habe mich zwei Jahre kaum gewaschen, habe sehr ungesund gelebt und mich mit allem betäubt, was mich nicht direkt tötete. Als ich dann eines Abends am Dortmunder Hauptbahnhof so verprügelt wurde, dass ich ein halbes Jahr in Krankenhaus und Reha verbracht habe, hörte es zumindest auf, dass ich mich so dermaßen hängen ließ. Ich zog zurück an den Rhein und wollte mein leben in den Griff bekommen. Ich fing an, mir Kleidung zu bestellen und startete die ersten Schminkversuche. Allerdings waren das immer nur Phasen. Dazwischen habe ich mich dann immer geschämt und wollte nichts davon wissen, habe oft Sachen weggeschmissen.

Als ich dann meine jetzige Freundin (SabZi) kennengelernt habe, habe ich davon natürlich nichts gesagt. Ich habe inzwischen gelernt, mich als Mann auch unter Männern zu behaupten und verstand es sehr gut, ihr auch das Bild eines sehr männlichen Typs zu suggerieren. Dafür habe ich mich manchmal extra wie ein Schwein ihr gegenüber verhalten. Selbst als sie den Schminkkoffer fand und mich zur Rede stellte, war ich nicht mutig genug, dazu zu stehen, sondern habe es als depressives Fluchtverhalten abgetan, welches ich nun ja nicht mehr nötig habe. Das Blöde oder besser das Gute an Dingen, die wir verdrängen, ist, dass sie mit voller Wucht zurückkommen. Und so kam es so stark zurück, dass ich in meiner Panik mit ihr Schluss machte, die Geschichte dazu habe ich ja bereits in meinem Vorstellungsthread geschrieben.

Wie ihr wisst, sind wir ja wieder sehr glücklich zusammen, dennoch ist auch vieles nicht so einfach. Trotz dass ich nun einige Male draußen war und meine Freundin habe, fällt es mir immer noch etwas schwer. Auf der einen Seite habe ich nun alle Freiheiten, auf der anderen Seite fangen damit auch eine ganze Menge Schwierigkeiten an. Ich fühle mich selber viel mehr, habe ein viel größeres Körperbewusstsein, wenn ich Lina bin. Und habe zur Zeit eine größere gefühlte Ablehnung, wenn ich Mann bin, als je zuvor. Vielleicht ist es ja auch nur jetzt am Anfang so und es pendelt sich irgendwo ein. Vielleicht ist es aber auch mehr. Ich war heute bei Frau Dr. Schleussner und sie sagte, ich soll einfach Lina komplett in meinem Alltag integriert leben und mal eine Woche permanent auch so vor die Tür gehen. Da ich ja von zu Hause aus arbeite und die Auftragslage gerade sehr schlecht ist (ich arbeite in der Mediengestaltung) habe ich zumindest keine Probleme wegen einem Arbeitgeber.

Seit meinem Outing tut sich so viel in mir und ich bin teilweise wirklich überfordert mit meinen eigenen Gefühlen. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt mit meiner Geschichte, aber es tat mal gut, es so aufzuschreiben und ich freue mich, Euch morgen Abend zu sehen!

Lina

INHALTSVERZEICHNIS

Romeos [AT]

In den vergangenen Monaten sind Filme über Transsexuelle (besser Transgender) in Mode gekommen. Allerdings bleiben die filmischen Werke über solche Themen meistens im Klischeehaften stecken. Sie zeigen zwar phantasievolle Kostüme und skurrile Typen, bleiben aber in der Handlung an der Oberfläche. Das wollen die beiden Produzentinnen Janna Velber und Kristina Löbbert vom Kölner Startup Boogiefilm ändern. Ihr neuer Spielfilm „Romeos [AT]“ spielt in Köln und zeigt die Geschichte des jungen und rebellischen Lukas (gespielt von Rick Okon). Als er wegen seiner Zivildienststelle nach Köln kommt, wird er in einen Strudel der Gefühle gerissen. Gefangen in einem weiblichen Körper unternimmt er alles, um sich nach außen als Mann zu geben…


Produzentinnen Janna Velber und Kristina Löbbert
Regisseurin Bernardi
Als Ko-Produzent und Finanzier tritt die ZDF-Redaktion „Der kleine Fernsehfilm“ auf
Dauer ca. 90min.

Quelle: koeln-nachrichten.de/kultur/kinofilm/koeln_film_zdf_filmstiftung_boogiefilm_dreharbeiten_2010

>> Zum Inhaltsverzeichnis