Berlin. Vielfalt und Respekt, dafür steht die „Grüne Karte für Diversity“. Als Plakat wirbt sie vom 12. bis 21. November 2019 an der Großfläche 1/6, Berlin Hauptbahnhof Richtung U55, für Toleranz und Akzeptanz der menschlichen Vielfalt.
Blog
Xenias Geburtsfehler
Neulich im Bus
Autorin: Vivian
Ich war heute auf der Sparkasse ein bisschen Geld vom Sparbuch holen. Hatte am letzten Donnerstag meine Boutique wieder aufgesucht und das reservierte heute abgeholt. Auf dem Weg nach Hause nahm ich den Bus (faule Socke). Im Bus traf ich eine aus der Verwandtschaft meiner Frau. Sie weiß es von mir, obwohl sie Probleme ab und zu mit dem Namen hat. Sie sah meine Tasche, „Warst wieder in der Boutique?“ Ich, „Jepp“. „Zeig mal.“ „Ich habe mir wieder ein Kleid und einen Rock gekauft.“
Während wir uns unterhielten meinte der Typ neben uns: ,,Weiber“. Ich schaute ihn an und meinte, mal eine Frage, haben sie einen großen Spiegel zu Hause? Er nein wieso? Nun dann würden sie sehen wie schlampig sie herum laufen. Einige junge Frauen lachten und als der Bus anhielt stieg er aus und zeigte den Mittelfinger.
Meine Bekannte wollte unbedingt das Kleid sehen. Ihr Rock war der gleiche nur mit anderen Farben. Wir stiegen eine Station weiter aus. Von dort ist es nicht sonderlich weit bis zu mir. Im Treppenhaus holte ich das Kleid aus der Tasche. Sie meinte, weißt du Vivi, als ich dich am Anfang als Frau sah war ich überrascht und dachte das wird nichts. Wenn ich dich heute sehe, sehe ich eine schicke Frau. Mit Mut zu was anderem, hin zur Farbe.
Wie zeige ich mich meiner Partnerin?
Autorin: Amanita
Lisa schreibt:
Liebe Amanita, die Geschichte von Dir und Deiner Frau hat mir Mut gemacht mit meiner Weiblichkeit offener umzugehen. In mir steckt seit meiner Kindheit der Wunsch ein Mädchen/eine Frau zu sein. Meine Freundin weiß auch darüber Bescheid. Nur schäme ich mich noch zu sehr vor ihr um mich als Lisa zu zeigen.Wie habt ihr das das erste Mal gemacht? Wie war das für dich als Freundin? Ich habe große Angst mich vor meiner Freundin lächerlich zu machen.
Liebe Lisa,
ich antworte Dir gerne und glaube, dass Du schon nah an Deinem Ziel bist, in Deiner Partnerschaft offen zu leben. Ich finde es total toll, dass Du Deinen Wunsch und Dein Selbst so gut kennst und auch schon lange wahrnehmen kannst. Und dass Du mit Deiner Freundin auch darüber gesprochen hast und sie positiv reagiert hat.
Mir fallen für Dich einige Wege ein, die denkbar sind:
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Arbeite an Deiner Selbstsicherheit.
Bevor Du Dich zeigst, lasse Deine Selbstsicherheit noch weiter aktiv wachsen. Deine Angst, Dich lächerlich zu machen kann darauf hinweisen, dass Du verinnerlicht hast, es sei falsch so zu sein wie Du bist. Es sei falsch, sich mit dem Körper, den Du hast, weiblich zu zeigen. Es ist nicht falsch. Genauso wie Du bist und Dich zeigst, bist Du richtig. Lasse diesen Gedanken tief in Dich einsinken. Beratung von jemandem, der Dich ganz als Frau sieht, kann Dir hierbei helfen. Wenn Deine Freundin die richtige Partnerin ist, wird sie Dich dabei unterstützen, mehr und mehr Selbstsicherheit zu gewinnen.
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Frage Deine Freundin, ob Du Dich ihr zeigen kannst. Frage sie auch, ob es ihr lieber wäre, „nach und nach“ kleine Veränderungen an Dir zu sehen oder ob Du Dich ihr in voller Weiblichkeit mit allem, was Du normalerweise trägst, wenn Du Dich ganz angekommen fühlst, zeigen kannst. Es geht hier um Euch beide. Wie fühlst Du Dich am wohlsten, wie fühlt sie sich am wohlsten?
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Es wäre wunderbar, wenn Äußerlichkeiten, keine Rolle spielen würden, aber für die meisten Menschen tun sie das. Es ist wichtig, dass die Art, wie Du Dich ihr zeigst, ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Zum Beispiel ist es wichtig, dass eine Perücke – falls Du eine trägst – eine gute Qualität hat, dass Make-up – falls Du welches trägst – gut aufgetragen ist. Aber keine Angst: Perfektion muss nicht sein. Wenn sie sich gut auskennst, kannst Du sie auch bitten, Dich zu schminken oder aus Deinem Kleiderschrank ein Outfit auszusuchen, in dem sie Dich gerne sehen würde.
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Sei darauf gefasst, dass sie unter Umständen zuerst langsame, zögerliche Reaktionen hat, dass sie vielleicht Zeit braucht, weil gesellschaftliche Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit sie vielleicht erst irritieren und dass sie zunächst reflektieren möchte, welche Reaktionen in ihr vorgehen und woher sie kommen. Bitte Sie, Dir ganz tief in die Augen zu sehen und Deine Weiblichkeit zu spüren.
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Zeige ihr zuerst ein alltägliches Outfit, bevor Du ihr etwas sehr Sexuelles oder Anzügliches zeigst. Das gibt Euch beiden mehr Raum für Sicherheit, Kommunikation und Annäherung. Gehe davon aus, dass sie Dich vielleicht neu kennenlernen möchte. Eine große optische Veränderung kann bewirken, dass wir denken, wir hätten es mit einem neuen Menschen zu tun, mit dem wir erst sprechen möchten und dann nach und nach Körperkontakt aufbauen. Vielleicht möchtet ihr Euch erst einmal fest in den Arm nehmen?
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Spür mal tief in Dich hinein. Du kennst Euch als Paar besonders gut. In welcher Situation kannst Du Dir Euch beide am besten vorstellen? Was hilft Dir, was hilft Ihr, Euch wohl zu fühlen?
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Ein gemeinsamer Besuch bei einer Selbsthilfegruppe kann sehr hilfreich sein. Und/oder eine Anmeldung im Gendertreff-Forum kann auch nicht schaden.
Bei mir war es so, dass meine Partnerin damals noch im Verborgenen lebte und wir in zwei unterschiedlichen Wohnungen waren. Sie kam also in „männlicher“ Kleidung bei mir an, zeigte mir dann aber ihre „weibliche“ Unterwäsche, die sie drunter trug. Es war für mich damals ein ungewöhnlicher Anblick, aber was ich vor allem sah, war ihr Vertrauen, ihre Echtheit, ihre Verletzlichkeit, die sie mir zeigte. Ich fand sie wunderschön. Und auch wenn ich von meiner gesellschaftlichen Prägung her immer wieder Stimmen im Kopf hatte, die sagten, sie sei „männlich“, sah ich ihre Weiblichkeit immer und immer mehr, je mehr sie sie mir emotional zeigte. Äußerlichkeiten wie dezentes Make-up, weibliche Outfits und eine gute Perücke halfen mir und auch ihr selbst, diese Weiblichkeit immer mehr zu sehen.
Von da an war ich bei jedem weiteren Schritt mit dabei. Sie trug weibliche Kleidung zunächst nur in unseren vier Wänden, dann gingen wir eines Tages zusammen auf einen Abendspaziergang im Sonnenuntergang. Sie trug einen langen Rock und ein weich fallendes T-Shirt. Wir hatten zwei Gläser Wein dabei und stießen am Fluss darauf an, dass sie nun in Kleidung, in der sie sich wohl fühlte, das Haus verlassen hatte. Wir waren sehr glücklich!
Amanita
Amanita M. Nomi ist cis, ihre Partnerin ist trans. Beide verbindet eine große Liebe. Seit drei Jahren hat sich Amanita in ihrer Beratungstätigkeit auf trans*-Themen spezialisiert. Sie ist Gründerin des #transtalk auf Twitter und Autorin für verschiedene Medien. Unter www.transgender-beratung.jimdosite.com oder über ihre Email-Adresse „amanita.m.nomi(at)gmail(Punkt)com“ könnt Ihr Fragen zu verschiedenen Themen senden und erhaltet in ihrem Blog auf gendertreff.de Antworten. Beim nächsten #transtalk auf Twitter am Mittwoch um 17 Uhr geht es übrigens um Sprache: „Formulierungen die verletzen, Formulierungen die helfen“. Der #transtalk findet in englischer Sprache statt.
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Der Gendertreff feiert 15 Jahre Selbsthilfearbeit
Xenias Outing bei Ihrer Ehefrau und das erste Treffen im Oktober 2004 in Düsseldorf waren der Grundstein für den heutigen Gendertreff.
15 Jahre Gendertreff bedeuten 15 Jahre gemeinnützige und ehrenamtliche Hilfe zur Selbsthilfe. Hilfe, die auch heute im 21. Jahrhundert noch transidente Menschen und deren Angehörige dringend benötigen. Vieles ist besser geworden in den letzten 15 Jahren und das Thema ist mehr und mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aber leider gibt es immer noch Diskriminierung!
Das Team des Gendertreff und dessen Mitglieder werden nicht müde, weiter Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um über das Thema Trans* und die daraus resultierenden Probleme zu informieren. Auch wenn viele nach erfolgter Hilfe das Forum oder die Selbsthilfetreffen verlassen, freuen wir uns über jeden, der durch sein ehrenamtliches Engagement die Arbeit des Gendertreff weiterhin unterstützt. Die Besucher der Selbsthilfegruppen und die User des Forums haben durch ihren offenen Umgang miteinander und den Willen, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, dazu beitragen, dass das Projekt „Gendertreff“ zu dem geworden ist, was es heute ist.
Das Jubiläum wurde im Rahmen des Selbsthilfetreffens Düsseldorf gefeiert. Vielen Dank an das „Restaurant Kaisershaus“ für die zu diesem Anlass gespendete Torte.
Mittlerweile gibt es viele Vernetzungen und Dachverbände, denen sich der Gendertreff angeschlossen hat. Aber wir wollen mit unserer Philosophie (Leitbild), einem gesunden Pragmatismus und auch einer gehörigen Portion Humor unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen.
Für uns sind die letzten 15 Jahre ein Ansporn, die nächsten Jahre weiterhin ehrenamtliche Arbeit im Sinne der Gemeinnützigkeit zu leisten. Alle sind herzlich eingeladen, uns auf diesem Weg zu unterstützen und die Lebenssituation transidenter Menschen nachhaltig zu verbessern. Politisch, medizinisch und gesellschaftlich gibt es noch genügend Handlungsbedarf, dem wir uns stellen wollen.
Bitte informiert euch über unser umfangreiches Informations- und Selbsthilfeangebot auf unseren zahlreichen Webseiten oder werdet selbst Teil des Gendertreff durch Teilnahme am Forum, Besuch der Selbsthilfetreffen oder durch eine Vereinsmitgliedschaft.
Treffen mit dem Generalsekretär der CDU
Am 28.09.2019 trafen sich auf Einladung des Trans*Treff Iserlohn der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Paul Ziemiak, mit Vertretern des Trans*Treff Iserlohn und des Gendertreff e.V. um sich ausführlich über die Belange transidenter (transsexueller) Menschen zu informieren. Im ersten Teil des Gesprächs ging es um die Frage „ Was ist Transidentität (Transsexualität) und wie entsteht sie?“ Dabei wurden die neusten medizinischen Erkenntnisse vorgestellt, wonach Transidentität (Transsexualität) eine alternative Entwicklung bestimmter Areale im Gehirn darstellt. Im weiteren Verlauf wurden die bisherigen Probleme vor und während einer Transition erörtert. So ist bisher eine Personenstandsänderung für Transidente (Transsexuelle) immer noch nur mit einem teuren Gerichtsverfahren und zwei Gutachten möglich, während für Intersexuelle inzwischen ein Attest eines Arztes über eine alternative Geschlechtliche Entwicklung ausreicht. Weiterhin erörtert wurden Probleme, wie eine zu geringe Zahl von Beratungsstellen und weitere Probleme, wie z.B. ein unzureichender Schutz der Betroffenen vor Zwangsoutings, z.B. durch bewusste Nutzung der vor der Personenstandsänderung gültigen Anrede durch Dritte, sowie die zum Teil langen Wartezeiten für medizinische Maßnahmen und dadurch entstehende Probleme.
Im zweiten Teil des Gespräches ging es dann um Änderungen des aktuellen Transsexuellen-Gesetzes (TSG). Um den Sonderstatus abzuschaffen, plädieren wir sogar für die Abschaffung des Gesetzes. Von den beiden Selbsthilfeorganisationen wurde vorgeschlagen die Personenstandsänderung dahingehend abzuändern, dass ein Antrag beim Einwohnermeldeamt/Standesamt nach vorheriger Beratung durch eine ehrenamtliche Beratungsstelle (ähnlich wie bei der Schwangerschaftsberatung), die vorzugsweise durch speziell geschulte Mitglieder der örtlichen Trans*-Selbsthilfeorganisationen besetzt werden sollten, ausreichen soll. Weiterhin wurde erörtert, dass für medizinische Maßnahmen eine Indikation eines mit dem Thema Trans* vertrauten Facharztes ohne feste zeitliche Abläufe ausreichen soll. Haarentfernungen, für die bisher eine Behandlung durch einen Hautarzt notwendig war, sollten zukünftig auch durch Kosmetikstudios mit spezieller Ausbildung gestattet werden, weil die Zahl der Hautärzte, die Haarentfernungen anbieten, ständig abnimmt. Zum Schluss wurden noch Vorschläge für den Schutz vor Zwangsouting durch Dritte unterbreitet. Dabei sollen die Änderungen nicht in ein eigenständiges neues TSG sondern in das BGB einfließen.
Paul Ziemiak bedankte sich für die sehr persönlichen Eindrücke und das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Ziemiak betonte, dass die gesetzlichen Regelungen im engen Dialog mit den Betroffenen novelliert werden müssten. Die Kritik an der aktuellen Situation konnte der CDU-Generalsekretär sehr gut nachvollziehen.
>> Forderungspapier des Gendertreff e.V. zur Reform des Transsexuellenrechts
Wer ich bin, warum ich hier schreibe
Autorin: Amanita
Ich bin Amanita. Nein, mein richtiger Name ist das nicht. Ich habe ihn von Sense8 übernommen, der amerikanischen Serie über Seelen, menschliche Verbindungen und ein liebendes Paar aus zwei wunderbaren Frauen: Amanita und Nomi. Amanita ist Cis. Nomi ist Trans. Genauso ist es auch in meinem Leben. Ich bin Cis, meine Partnerin ist Trans. Als wir uns kennenlernten wussten wir das beide nicht. Wahrscheinlich kannte ich damals noch nicht einmal den Begriff „Cis“. Als meine Partnerin mir erzählte, dass sie Trans ist, waren wir gerade in zwei verschiedenen Ländern, etwa 5000 Kilometer voneinander entfernt. Zuerst schrieb sie, sie sei “Genderfluid”, ihr Geschlecht wechselt und sie fühle sich manchmal als Mann, manchmal als Frau. Das fand ich ziemlich interessant und sehr ganzheitlich. Ich stellte ihr viele Fragen: Wann fühlst Du Dich als Frau, wann als Mann? Folgen die Wechsel nach ein paar Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten? Ist eine Seite stärker ausgeprägt als die andere?
Durch meine vielen Fragen und ihre tiefen Überlegungen, viel Meditation und Nachspüren fand sie schließlich heraus: „Ich bin eine Frau. Immer. Nicht nur manchmal. Und immer, wenn ich vermeintlich eine männliche Phase habe, dann ist es eigentlich nur eine Phase, in der ich versuche meine Weiblichkeit zu unterdrücken, in der ich versuche, mich anzupassen an das, was andere von mir wollen.“
Ganz ehrlich, erst mal habe ich geweint, als ich das hörte. Ich wusste einfach gar nicht, was das bedeutete und was ich nun verlieren würde. Irgendwie schien die Zukunft nun plötzlich aus ganz vielen Fragezeichen zu bestehen. Heute glaube, ich dass das daran liegt, dass wir für Mann-Frau-Beziehungen so viele Vorbilder aus Büchern, Filmen und vielen Beziehungen um uns herum haben, aber fast keine Beispiele von Beziehungen, in denen viele Veränderungen im Bereich Geschlecht anstehen. Ich hatte so viele Fragen: Wie würde sie aussehen? Wie würde ich auf sie reagieren, wenn ich sie als weiblich sehe? Welcher Teil meiner Anziehung für sie hatte eigentlich mit Gender zu tun? Welcher einfach mit ihrem Kern, ihrer Seele, ganz unabhängig von Geschlecht?
Ich stellte noch tausend weitere Fragen. Auch solche, von denen ich heute weiß, dass sie sehr ignorant und uninformiert waren. Ob sie vielleicht eine Frau sein wollte, weil sie sich so viel mit Weltpolitik beschäftigte und weil da immer die Männer die Schurken sind. Ob sie vielleicht eine Frau sein wollte, weil in der Metoo-Bewegung immer die Männer die Täter sind? Ich wusste damals einfach nicht, dass sie genau so wenig eine Frau sein wollte wie ich. Denn genau wie ich war sie einfach eine Frau. Und nur das war auch der Grund, warum sie als Frau wahrgenommen werden wollte…
Wir besprachen vieles über die Distanz: Wie sie es ihren Kindern sagen wollte, wie ihren Kollegen und Kolleginnen. Wie wird wohl ein Gespräch mit den Eltern ablaufen und wie es wohl sein würde, wenn wir uns sehen? Wie wir uns wohl lieben könnten, wir beiden.
Plötzlich war alles anders. Ich, die ich dachte, ich sei nun mal eben eine Frau, die an Männern interessiert ist, hinterfragte plötzlich meine Orientierung, mein Geschlecht und meine Zukunft. Ich hatte bisher immer gedacht, ich sei eine eifrige Unterstützerin der Regenbogencommunity, aber eben leider nicht selbst L, G, B, T oder Q. Sie, die bisher dachte, sie sei ein Mann, Familienvater, LGBTQ-Aktivist und nur gelegentlich glücklich beim Experimentieren mit der eigenen Weiblichkeit, wechselte nun vom privilegierten Status als weiß, männlich, hetero zum Label T, Trans*, Transgender, Transfeminin, Transfrau: eine Frau, aber bisher unerkannt aufgrund ihrer Anatomie.
Ich möchte Euch auf dieser Plattform an unserem Leben teilhaben lassen. Von ihrem Coming out erzählen und meinem. Von den Kindern, den Eltern, der Arbeit, unserer Liebe und unserer Sexualität. Meinem Leben das sich völlig verändert hat. Und meinem Beruf, den ich nun ganz der Beratung derer widme, die Trans* sind oder sich fragen, ob sie eventuell Trans* sind. Und unserem gemeinsamen Aktivismus für eine Welt, in der es nicht mehr so schwierig ist, sich zu offenbaren. Weil Vielfalt normal ist.
Amanita
Amanita M. Nomi (sie/ihr) ist cis, ihre Partnerin (sie/ihr) ist trans. Beide verbindet eine große Liebe. Seit drei Jahren hat sich Amanita in ihrer Beratungstätigkeit auf trans*-Themen spezialisiert. Sie ist Gründerin des #transtalk auf Twitter und Autorin für verschiedene Medien. Unter www.transgender-beratung.jimdosite.com oder über ihre Email-Adresse „amanita.m.nomi(at)gmail(Punkt)com“ könnt Ihr Fragen zu verschiedenen Themen senden und erhaltet in ihrem Blog auf gendertreff.de Antworten.
Manuelas Erlebnisse (2)
Autorin: Manuela
Ich freue mich, denn ich bin wieder ein Schritt weiter. Gestern Abend war der nächste Termin beim Endokrinologen. Ich wurde als Frau M. aufgerufen. Das war eine besondere Streicheleinheit für meine Seele. Das Ergebnis der Blutwerte war OK und auch die Nieren und die Leber sowie der Lungenfunktionstest waren in Ordnung. Manche fragen sich nun vielleicht, weshalb man einen Lungenfunktionstest bei einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung braucht. Da bei der Hormonbehandlung auch schwerwiegende Nebenwirkungen wie eine Lungenembolie auftreten können ist diese Untersuchung gar nicht so abwegig. Das weitere Arztgespräch war eine sehr gute Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen der Hormonbehandlung, wie z.B. Thrombose oder Brustkrebs. Besonders praktisch ist, dass der Endokrinologe gemeinsam mit seiner Frau und einem angestellten Arzt die Praxis betreibt und ich dadurch gleich noch eine neue Hausärztin gefunden habe. Nachdem meine Therapeutin nun doch die Indikation vorgelegt hatte, bekam ich das Rezept für den Testosteronblocker und das Estradiol. Da ich im ländlichen Raum als Transfrau eine Exotin bin, musste die Apotheke die Medikamente bestellen. Die kommen heute Mittag um 14 Uhr. Dann kann die Behandlung noch heute Abend begonnen werden. Den nächsten Termin für die Kontrolluntersuchung habe ich auch schon in der Tasche. Ich habe meine Frau darauf vorbereitet, dass es zu weiteren Nebenwirkungen kommen kann wie z.B. Stimmungsschwankungen.
Anfang November habe ich den nächsten Therapietermin. Dann bekomme ich eine Gutachterliste und stelle den Antrag auf PÄ/VÄ beim zuständigen Amtsgericht. Wenn ich Glück habe, werde ich im Dezember/Januar eine Anhörung beim Gericht bekommen und 2020 die Gutachtertermine durchziehen. Wenn alles gut geht und irgendwann der Gerichtsbeschluss vorliegt, beginnt die Ochsentour, Bürgerbüro, Standesamt, Führerscheinstelle, Krankenkasse, Rentenversicherung, Grundbuchamt etc., aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik.
Da die Klinik, in der ich die vaginoide Geschlechtsangleichung machen lassen möchte, darauf besteht, dass die Hormonbehandlung mindestens 8 Monate lang durchgeführt wurde, werde ich Mitte 2020 einen Beratungstermin in der Klinik vereinbaren. Die haben eine Wartezeit für die GaOP von ca. 6 Monaten. Was mir noch Kopfzerbrechen bereitet ist die Haarepilation, denn bei meinen grauen Haaren wird das sehr schmerzhaft, weil nur die Elektronadelepilation bei grauen Haaren dauerhaft wirksam ist.
Ich schwimme nun nicht mehr hilflos, orientierungslos in einem Ozean sondern ich habe nun einen klaren Fahrplan und ein klares Ziel und ich werde dieses Ziel erreichen.
Gemeinsam mehr bewegen
Am 11. Oktober 2019 fand auf dem Potsdamer Platz der Berliner Aktionstag Selbsthilfe von Selko e.V. und SEKIS statt. Jeder der vorbei kam hatte die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, sich zu informieren und zu engagieren. Man konnte mit Betroffenen, Interessenten und Fachleuten ins Gespräch kommen. An zahlreichen Pavillons stellten rund 50 Selbsthilfeorganisationen und -gruppen aus Berlin und Brandenburg ihr Angebot vor. Mit dabei war u.a. der Gendertreff e.V. Abgerundet wurde der Aktionstag durch Darbietungen auf und um die Veranstaltungsbühne, sowie Podiumsdiskussionen und Gespräche mit Fachpersonal.
Um unser Team in Berlin zu unterstützen reisten wir mit 5 Personen aus dem Rheinland bereits am Vortag an. Leider mussten sich jeweils zwei Organisationen einen Pavillon teilen, so dass pro Gruppe nur ca. 1,50m x 3,00m (B x T) zur Verfügung stand. Durch unseren vorgestellten Roll-up und unser vielfältiges Angebot, konnten wir uns dennoch entsprechend in Szene setzen und auf uns Aufmerksam machen. Wir informierten die interessierten Besucher über das Thema Trans* und hatten so an diesem leicht vernieseltem Tag gut zu tun. Neben unserem umfangreichen Informationsmaterial und den grünen Karten für Diversity, wurden auch gerne unsere Kugelschreiber und Schlüsselbänder mitgenommen. Die Kinder erfreuten sich an unseren Luftballons. Übrigens: Vom 12. bis 21. November 2019 wird am Berliner Hauptbahnhof die Grüne Karte für Diversity als Plakat für Vielfalt und Toleranz werben.
Der Tag ging relativ schnell vorbei und wir packten unser Equipment um mit den zahlreichen U- und S-Bahnen zurück zum Hotel zu gelangen. Natürlich endete der erfolgreiche Tag mit einem guten Essen im Nikolaiviertel Berlins, dem ältesten Siedlungsgebiet der Hauptstadt. Erfreulicherweise hatten sich uns noch zwei Berliner angeschlossen: Michel der Cousin von Marina sowie Ronny von „wir-insuliner.de“.
Den Samstag nutzten wir noch, bei schönem Wetter, zu einer Besichtigung der Berliner Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten. Einem Tipp folgend gingen wir zum Abschluss in Kreuzberg essen. Dort stieß auch Alex vom Gendertreff Berlin zu der Gruppe. Das war gut! 🙂
Die Rückfahrt am Sonntag verlief ruhig und fast ohne Staus……………
Der Selbsthilfetag 2019 in Düsseldorf
Sehr gerne waren wir vom Gendertreff e.V. wieder zu Gast in Düsseldorf, wo das Selbsthilfeservicebüro Düsseldorf bei Kaiserwetter und strahlend blauem Himmel und einer hervorragenden Organisation zu einem bunten und informativen Zusammensein einlud. Die Möglichkeiten, so viele unterschiedliche Selbsthilfegruppen kennen zu lernen und Informationen aus erster Hand zu bekommen nutzten sehr viele Besucher, die den Weg in die Innenstadt zum Schadowplatz unternahmen.
Selbstverständlich konnten auch wir vom Gendertreff e.V. vielen Besuchern weiterhelfen und sie unterstützen. Mit unserem Team haben wir einige unserer Projekte wie Trans am Arbeitsplatz, Anders als erwartet und natürlich unsere Grüne Karte für Diversity vorgestellt und Fragen beantwortet.
Zum Thema „Grüne Karte für Diversity“ wollten wir von unseren Besuchern wissen, was sie mit dem Begriff „Diversity“ bzw. „Vielfalt“ verbinden. So sammelten wir viele unterschiedliche Statements unserer Besucher, die wir Euch in einer Zusammenstellung der Karten zeigen möchten. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Mitarbeit bedanken.
Auch auf unser nächstes Projekt wird schon fleißig zugearbeitet. Wir freuen uns, dass wir die Türen zu unserer Messe und Fachtagung am 25. April 2020 in Erkrath wieder öffnen können. Es gibt wieder viele Informationen, Aussteller und Vorträge zum gesamten Bereich Trans*. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie oder Euch als Gäste begrüßen dürfen. Selbstverständlich ist der Eintritt kostenlos. Wenn Sie als Aussteller zu unserer Messe und Fachtagung kommen möchten, scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.
Es war ein toller Selbsthilfetag und wir möchten uns für die Organisation und natürlich auch bei den vielen Helferinnen und Helfern bedanken, die einen schönen Tag perfekt gemacht haben.
Sehr gerne stehen wir selbstverständlich weiter mit Rat und Tat sowie vielen nützlichen Informationen, wie dem Gendertreff Forum, den regelmäßigen Selbsthilfetreffen und weiteren Veranstaltungen zur Verfügung.
Ihr / Euer Gendertreff e.V.
- Selbsthilfetreffen: Gendertreff Düsseldorf
- Die Grüne Karte für Diversity
- Was verbinden Menschen mit Diversity?
Noch ein kurzes Interview rund um Selbsthilfe und Trans*.
Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Transgender beim Selbsthilfetag 2019 in Düsseldorf.
