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Marinas erstes Klassentreffen nach der Transition

Autorin: Marina

Seit dem Realschulabschluss sind 30 Jahre vergangen. Alle 10 Jahre gibt es ein Klassentreffen doch dieses ist das erste nach der Transition. Marina berichtet.

Hi,

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier in meinem eigenen Thema etwas geschrieben habe. Aber es gab auch keinen Grund hier etwas zu schreiben, denn mein Leben ist, man könnte es schon fast als stinklangweilig normal bezeichnen. Hin und wieder ergeben sich aber doch interessante Begebenheiten. Und davon möchte ich heute mal wieder berichten.

Am Freitag den 10. November fand ein Klassentreffen der Realschule in meinem Heimatort statt, die ich damals besucht habe. Es ist 30 Jahre her, dass wir den Realschulabschluss gemacht haben. Dies war jetzt das dritte Klassentreffen, immer alle 10 Jahre. Fast 8 Jahre bin ich jetzt hier im Gendertreff. Dementsprechend fand das letzte Klassentreffen noch vor meinem Weg hin zu mir selbst statt.

Aber der Reihe nach….
Ende Oktober erhielt ich eine E-Mail von meiner ehemaligen Klassenkameradin, in der sie mich zu dem Klassentreffen einlud. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob ich überhaupt an dem Freitag Abend Zeit haben würde, stand doch für Samstag den 11.11. die Gründung des Gendertreff e.V. bevor. Deshalb habe ich erst einmal abgesagt.

Eine Woche später rief mich dann eine andere ehemalige Klassenkameradin an. Sie hatte meine Nummer von meiner Mutter bekommen. Ihre Mutter und meine Mutter sind nämlich gut befreundet. Sie fragte mich noch mal, warum ich denn abgesagt habe. Ich erklärte ihr, dass ich noch gar nicht weiß, ob ich an dem Wochenende in meinen Heimatort kommen kann. Sie boten mir aber an, dass man mich in eine, extra für das Treffen geschaffene, WhatsApp-Gruppe aufnimmt. Dem stimmte ich zu. In dieser Gruppe wurde viel geschrieben und jede Menge alter Bilder ausgetauscht. Das war schon recht interessant, zumal ich feststellen musste, dass ich doch sehr, sehr viel vergessen habe. Ich konnte auch nicht wirklich viel beitragen, denn ich habe überhaupt keine Bilder aus meiner Schulzeit.

Ein paar Leute haben mich persönlich angeschrieben, also nicht über die Gruppe, weil sie doch neugierig wurden. Eine Marina hat es nämlich nie in der Klasse gegeben. Sie wollten wissen, was es mit meinem „neuen“ Namen auf sich hat. Und ich erklärte es eben…

Ich konnte zum Glück meine geschäftlichen Termine so legen, dass ich an dem Freitag Abend in meinem Heimatort sein konnte, und so sagte ich relativ kurzfristig noch zu.

An dem Abend selbst wurde eine Fahrgemeinschaft organisiert, so dass ich nicht selbst fahren musste. Beim Eintreffen am Restaurant wurden erst einmal alle begrüßt. Manche haben sich nicht sehr verändert, andere jedoch so sehr, dass man schon 2-3x hinschauen musste um sie zu erkennen. Ein paar wenige habe ich auch gar nicht mehr erkannt. Ich muss zugeben, dass ich von den meisten auch nur noch das Gesicht erkannt habe, mich aber gar nicht mehr an den Namen erinnern konnte.

So saßen wir nun zusammen und es wurde viel geredet. Es wurde teilweise so laut in dem Raum, dass man sich kaum noch über den Tisch hinüber unterhalten konnte. Viele von meinen ehemaligen Klassenkameradinnen kamen zu mir, gratulierten mir zu meinem Mut, drückten mich und waren ganz neugierig zu erfahren wie wo was wann…. Die Jungs verhielten sich eher reserviert. Sie waren alle sehr daran interessiert zu erfahren, wann ich zum ersten Mal gemerkt habe dass ich Transgender bin. So ganz genau kann ich das selbst nicht sagen, da ich nur sehr wenige Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend habe. Das einzige was ich sagen konnte, war dass ich irgendwie immer schon wusste, dass ich irgendwie anders war. Ohne dass ich dieses anders sein hätte benennen können.

Es wurde viel erzählt, auch von dem was ich so alles so getan habe. Und da kamen bei mir viele sehr böse Erinnerungen hoch. Dinge, die ich vollkommen verdrängt hatte. Denn ich war immer ein krasser Außenseiter in der Schule gewesen. Heute würde man das, was mir damals widerfahren ist, eindeutig als Mobbing bezeichnen. Mobbing, an dem sich faktisch die ganze Klasse beteiligt hatte. Und die wenigen, die sich nicht beteiligt haben, haben einfach weggesehen. Ich habe deshalb keine einzige schöne Erinnerung an meine Schulzeit. Die Lehrer haben nicht eingegriffen und mit meinen Eltern konnte ich nie darüber reden wie es mir ging. Diese Erinnerungen sind alte Narben auf meiner Seele. Narben, die nie wirklich völlig verheilt sind.

Ich habe an diesem Abend so manche Träne vergossen. Zumindest anfangs, denn als die anderen gemerkt haben, wie sehr mir diese alten Erinnerungen weh tun, haben sich viele von ihnen ganz förmlich bei mir entschuldigt, für das was sie mir damals angetan haben. Das hat gut getan, aber nichtsdestotrotz, die Narben werden bleiben. Die meisten sagt mir auch, dass sie jetzt besser verstehen, warum ich damals so seltsam war.

Immerhin besserte sich meine Stimmung so sehr, dass ich nach relativ kurzer Zeit mit den anderen mitlachen konnte. Wir haben alte Fotoalben angeschaut und uns über die grottig schlechten, unscharfen und teilweise verwackelten Bilder amüsiert. Tja, vor 30 Jahren haben wir noch analog fotografiert und jedes Bild war eine relativ teure Angelegenheit. Nicht so wie heute, wo man misslungene Bilder einfach wieder löschen kann. Und wie wir damals aussahen…. Es waren eben die 80er Jahre…

Es wurde dann im Endeffekt doch noch ein schöner Abend für mich. Interessant dabei ist, dass ich mich fast ausschließlich nur mit den Frauen unterhalten habe. Nur mit drei von den Männern habe ich geredet, mit denen ich mich damals noch am besten verstanden habe. Das waren eben jene die mich nicht gemobbt haben, auch wenn sie mir nie wirklich geholfen haben.

Von unseren ehemaligen Lehrern sind leider nur zwei gekommen. Unsere ehemalige Mathematiklehrerin, die heute 86 Jahre alt ist und ein ehemaliger Sportlehrer. Von unseren Klassenlehrern hatte leider niemand Zeit, davon mal abgesehen lebt einer davon schon nicht mehr.

Der Abend wurde erheblich länger als gedacht. Wir haben um 2 Uhr morgens als letzte Gäste quasi das Restaurant abgeschlossen.

Was bleibt ist die Erinnerung an einen Abend der zumindest anfangs sehr durchwachsen war. Aber auch gleichzeitig die Hoffnung, dass es nicht wieder 10 Jahre dauert, bis ich sie alle mal wiedersehe jetzt, wo ich endlich zu mir selbst gefunden habe. Über die WhatsApp Gruppe ist es auch leichter, in Kontakt zu bleiben.

Liebe Grüße
Marina

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Gendertreff Vereinsgründung

Vereinsgruendung

Der Gendertreff ist nun ein Verein

Es ist Samstag, der 11. Nov. 2017. Bei wolkenverhangenem Himmel und leichtem Regen strömen an diesem Nachmittag immer mehr Menschen in ein Gebäude in Haan-Gruiten, das schon so manche gute Party erlebt hat.

Doch diesmal ist etwas anders: Denn an diesem Tag sind jede Menge Stühle um einen Konferenztisch gruppiert. Es herrscht hektisches Treiben, ein Laptop wird an den Beamer angeschlossen. Akten liegen auf dem Tisch und alle Teilnehmer haben ein Programm mit Tagesordnungspunkten vor sich liegen.

Denn an diesem 11.11. im Jahr 2017 wird nicht etwa wie so oft im Rheinland üblich die fünfte Jahreszeit eingeleitet. Und ja, obwohl es im Anschluss etwas zu Feiern gibt, wird an diesem Samstagnachmittag erst einmal gearbeitet. Denn hier treffen sich 16 Trans*-Personen und Angehörige, um einen Verein zu gründen. Am Ende der Sitzung ist es dann geschafft: Der Gendertreff ist Gendertreff e.V.

Gut, zugegeben: Zunächst heißt es korrekterweise Gendertreff e.V. i.Gr. – also „eingetragener Verein in Gründung“. Denn zunächst muss ein Verein ja erst einmal gegründet werden, um ihn dann eintragen zu lassen. Unsere Vereinsgründung hatten wir seit Monaten vorbereitet und so ging es dann auch zügig, sachlich und professionell an die Arbeit. Denn wie es sich gehört, mussten ja eine ganze Menge Tagesordnungspunkte abgearbeitet werden.

Die wichtigsten Tagesordnungspunkte sind dabei sicherlich die Verabschiedung der Vereinssatzung, die Wahl des Vorstands, die Verabschiedung der Vereinsordnung sowie die Verabschiedung der Beitragsordnung. Knapp drei Stunden später war es dann geschafft und es gab in der Tat etwas zu Feiern: Die Vereinsgründung des Gendertreff.

Vereinsgruendung

Am Montag, 13.11.2017 gehen die Gründungsdokumente zum Notar und zum Finanzamt, damit aus dem eingetragenen Verein in Gründung dann auch ein richtiger eingetragener Verein wird. Dann erfolgen die Eintragung ins Vereinsregister und die endgültige formale Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Warum ein Verein?

Dreizehn Jahre nach seiner Gründung war es notwendig geworden, dem Gendertreff eine neue Struktur zu geben. Denn aus den bescheidenen Anfängen ist im Laufe der Jahre eine ansehnliche Trans*- und Selbsthilfe-Organisation für Trans*-Menschen und ihre Angehörigen geworden. Gleich mehrere Webseiten mit vielen Informationen, ein Internet-Forum, Selbsthilfetreffen in diversen Städten Deutschlands, zahllose Aktionen im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit und nicht zuletzt auch die Gendertreff Messe & Fachtagung bedeuteten auch, immer mehr Verantwortung zu tragen und auch ein immer größer werdendes Budget zu verwalten. Und auch in Bezug auf Fördergelder oder Spenden bzw. die Vergabe von Spendenquittungen wird unsere Arbeit in Zukunft an dieser Stelle einfacher.

Nach den Erfahrungen im Rahmen unserer politischen Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit war es uns zudem auch wichtig, durch eine Vereinsstruktur unserem Anliegen Nachdruck geben zu können. Dabei kam uns natürlich zugute, dass wir bereits seit Jahren letztlich wie in einer Vereinsstruktur gearbeitet haben. In der Art und Weise, wie alle Mitglieder des Gendertreff-Teams zusammenarbeiten, wird sich also nicht viel ändern.

Und dann doch noch eine Feier

Wir wären nicht der Gendertreff, wenn wir unsere Vereinsgründung nicht noch mit einer kleinen Feier verbunden hätten. Denn wer arbeitet, muss ja am Ende des Tages auch etwas davon haben. 😉

Vereinsgruendung

Unsere Kulinarik-Expertin Powerlady Sabine überraschte uns mit einer Gendertreff-Gründungs-Torte. Wie es sich gehört, kam diese aber tatsächlich erst nach der Sitzung zur Vereinsgründung auf den Tisch. Denn das Sprichwort heißt ja: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Selbstverständlich haben wir auch noch ein Foto der bei der Vereinsgründung anwesenden Personen gemacht. Nur Ayden fehlt auf dem Foto, denn er hat auf den Auslöser gedrückt. 😉

Vereinsgründung

Danach gab es noch eine kleine Feier. Und der nun frischgebackene Verein Gendertreff freut sich auf viele weitere Jahre Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit für trans*- Menschen, ihre Angehörigen und Interessierte. Wir haben noch viele Ideen für die Zukunft – und dabei wird uns unser Verein die Arbeit künftig erheblich erleichtern. Wir freuen uns schon auf die kommenden Aufgaben. 🙂

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Transidente holt Sitz in US-Parlament

Historisches Ergebnis bei den Wahlen in Virginia: In dem US-Bundesstaat zieht mit der Demokratin Danica R. erstmals eine Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein. Die Kandidatin der Demokraten besiegte bei den Wahlen im US-Bundesstaat ihren republikanischen Gegner und zieht damit als erste Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein.

Hier weiterlesen………………………..

>> Quelle: Spiegel.de

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Drittes Geschlecht im Geburtenregister

Heute hat das Bundesverfassungsgericht den Weg für ein drittes Geschlecht frei gemacht. Für eine Regelung hat der Gesetzgeber Zeit bis Ende 2018, neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte positive Bezeichnung des Geschlechts, zum Beispiel „inter“ oder „divers“ zu finden.

Intersexuelle Menschen sind nicht eindeutig männlich oder weiblich. Wenn sich eine Person aufgrund genetischer, anatomischer oder hormoneller Merkmale nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lässt, spricht die Medizin von Intersexualität. Begründet wurde der Entscheid mit den geschützten Persönlichkeitsrechten im deutschen Grundgesetz.

Und eine klare Entscheidung für die „Grüne Karte für Diversity“.

Grüne Karte für Diversity

Iserlohner Ehrenamtstag 2017

Am Samstag 14.10.2017 fand der 4. Iserlohner Ehrenamtstag in der Parkhalle Iserlohn statt. Über 80 Teilnehmer und Akteure sorgten für einen gefüllten und Informationsreichen Samstag. Tanz- und Musikgruppen sorgten unter anderem für eine tolle Stimmung im Innen- und Außenbereich und die zahlreichen Vorträge, u.a. Trans-am-Arbeitsplatz vom Gendertreff, waren gut besucht. Hier der Stand vom Gendertreff kurz nach der Fertigstellung:

Na ja okay, die Kugelschreiber liegen noch nicht richtig. 🙂

Vor der Halle wurde schon Musikalisch eingestimmt und drinnen spielte ein Orchester.

 

Schnell füllte sich die Halle und es gab gute Gespräche und Kontakte.

 

Die Stadt Iserlohn und AGG-Beauftragte diverser Unternehmen war sehr interessiert an dem Angebot des Gendertreff.

 

Ein Blick von oben in die Halle:

Im Laufe des Tages wurden wir mit zahlreichen Köstlichkeiten (Kuchen u.v.m.) versorgt und am Schluss wurden noch Fotos mit den lieben „Nachbarn“ gemacht.

 

Um 16:00 Uhr ging ein erfolgreicher und informativer Tag mit vielen Präsentationen zu Ende.

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Bericht zur 2. Gendertreff Messe & Fachtagung am 07.10.2017

Am Samstag, den 07.10.2017 öffnete die 2. Gendertreff Messe & Fachtagung für Transgender, Angehörige und Interessierte ihre Pforten. An über 20 Ständen und in zahlreichen Fachvorträgen konnten sich die Besucher_innen rund um das Thema Transidentität austauschen und informieren. Die Bandbreite der Aussteller und Fachvorträge reichte dabei von Brustprothesen für Transfrauen über Stimmtherapie, Perücken oder unterschiedliche Methoden der Haarentfernung bis hin zu Psychotherapie und Methoden der geschlechtsangleichenden Operation. Alleine zur GaOP gab es vier Fachvorträge zur OP Frau-zu-Mann und Mann-zu-Frau.

Doch bevor es richtig losging, wurde die Gendertreff Messe & Fachtagung durch kurze Ansprachen von Gendertreff-Gründerin Xenia, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz sowie Ava eröffnet. Herr Bürgermeister Schultz betonte, dass sich die Stadt Erkrath klar zu Diversity bekennt und freute sich, die Gendertreff Messe & Fachtagung im Bürgerhaus Erkrath-Hochdahl begrüßen zu dürfen. Ute überreichte einen Blumenstrauß.

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Wir verändern

Unter diesem Motto lud der Paritätische Bergisches Land zum Selbsthilfetag nach Leverkusen ein. Von den über 50 verschiedenen Selbsthilfegruppen in Leverkusen fühlten sich ca. 12 Gruppen aufgerufen mit einem Stand vertreten zu sein.

Auch der Gendertreff, der seit 2006 ein regelmäßiges Selbsthilfetreffen in Leverkusen unterhält, war mit vier Ehrenamtlichen dabei.

Das schöne Wetter erlaubte es uns draußen die Stände aufzubauen. Im Gebäude gab es Programme zum Mitmachen, die Selbsthilfegruppen stellten sich vor und es standen Getränke und Kuchen zur Verfügung.

Es war ein guter Tag, denn wir konnten wieder viel Aufklärungsarbeit leisten und spannende und intensive Gespräche führen. Die Stadtverwaltung bewaffnete sich auch gleich mit einer Handvoll grüner Karten. Politiker und Bürgermeister interessierten sich für unsere Arbeit und wünschten uns einen erfolgreichen Tag.

Hier ein paar Impressionen:

 

Dies war die letzte Veranstaltung um noch einmal öffentlich auf die Gendertreff Messe & Fachtagung im Oktober hinzuweisen.

 

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Gendertreff auf der Paracelsus Messe Düsseldorf 2017

Bereits zum fünften Mal war der Gendertreff mit einem Infostand auf der Paracelsus Gesundheitsmesse in Düsseldorf vertreten. Wie bereits in den Vorjahren, fand die Messe auch in diesem jahr wieder parallel zur Veggie World und dem Heldenmarkt in den Alten Schmiedehallen auf dem Areal Böhler statt.

Für den Gendertreff hat sich die Paracelsus Messe als wichtiger Eckpfeiler der Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Trans* etabliert und so wurden auch in diesem Jahr wieder reichlich Flyer und Grüne Karten für Diversity verteilt. Für die Kinder gab es Gendertreff Ballons und wie immer wurden jede Menge Gespräche geführt.

Worum es in den Gesprächen geht? Manchmal ist es allgemeine Aufklärung über Transidentität, manchmal informieren wir Trans*-Personen oder Angehörige, Kollegen oder Freunde von Trans*-Personen über unser Selbsthilfeangebot oder treffen auf medizinisches Fachpersonal, das immer an Informationen interessiert ist.

Da wir an einem frei gebliebenen Messestand Informationsmaterial anbringen durften, konnten wir an einer Infowand über Themen wie den Transitionsablauf oder auch Trans* am Arbeitsplatz bzw. Trans* und Schule informieren. Da die Infowand in Sichtweite des Gendertreff-Stands war, konnten wir auch immer direkt zu Informationsgesprächen hinzukommen.

Während der Paracelsus Messe 2017 sind am Gendertreff-Infostand unzählige schöne Fotos entstanden, die einen guten Eindruck vom Standaufbau und auch dem Messebetrieb vermitteln. Die folgende Galerie zeigt somit, dass Öffentlichkeitsarbeit sicherlich auch Arbeit macht, aber eben auch viel Spaß bringen kann. Denn obwohl Transidentität ein sehr ernstes Thema ist, kam am Messewochenende auch der Spaß nicht zu kurz und so wurde viel gelacht, aber auch diskutiert und informiert. In guter Tradition wurden beide Messetage jeweils mit einem guten Abendessen abgeschlossen. Wir bedanken uns herzlich bei der Organisation der Paracelsus Messe und freuen uns jetzt schon auf die nächste Paracelsus Messe in Düsseldorf.


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Gendertreff & ein veganes Straßenfest in Iserlohn

Eigentlich war es ja ein veganes Straßenfest, das da am Samstag, den 02.09.2017 auf dem Alten Rathausplatz in Iserlohn stattfand. Aber wir hatten eine Einladung erhalten, uns ebenfalls zu beteiligen. Und da wir nun einmal gerne dort auftauchen, wo man das Thema Trans* nicht erwartet, nahmen wir die Einladung dankend an und bauten unseren Infostand in der Iserlohner Innenstadt auf, um mal wieder ein wenig Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Transidentität zu leisten.

Da am gleichen Abend auch noch mit dem Gendertreff Leverkusen eines unserer Selbsthilfetreffen stattfand, waren wir mit einer eher kleinen Besetzung nach Iserlohn gefahren. Chrissie wohnt in Iserlohn und war als Organisatorin des Gendertreff Iserlohn selbstverständlich dabei. Außerdem hatten sich noch Xenia, Rita und Ava auf nach Iserlohn gemacht. Und so standen wir also wieder einmal in aller Herrgottsfrühe an einem Samstagmorgen auf, um zunächst das Equipment zu laden und dann in Iserlohn unseren Infostand aufzubauen.

Iserlohn liegt im Sauerland und hat etwas über 93.000 Einwohner. Die Stände des Straßenfests und somit auch unser Infostand sollten zentral in der schönen Iserlohner Innenstadt stehen. Beste Voraussetzungen also, um möglichst viele Menschen über Transidentität aufzuklären. Das Foto zeigt die Ruhe vor dem Sturm, denn noch war die Stadt leer, schließlich war es ja noch früh. Der Stand war schon aufgebaut und wir bereiteten die bei den Kindern sehr beliebten Gendertreff-Ballons vor.

Auf dem Bild unten präsentiert Ava eine neue Errungenschaft: Wetterfeste Ablaufpläne zur Transition sowie Themen wie Trans* am Arbeitsplatz oder Trans* und Schule. Selbstverständlich findet man diese Ablaufpläne auch auf der Gendertreff Plattform in den jeweiligen Themenportalen zum Download.

Nun hat Iserlohn zwar nur etwas über 93.000 Einwohner. Aber da der Alte Rathausplatz mitten in der Iserlohner Innenstadt liegt und Iserlohn auch viele Menschen aus dem Umland zum Einkaufen anzieht, rechneten wir mit reichlich Betrieb am Gendertreff-Stand. Und tatsächlich: Auch wenn es beim Aufbau noch ruhig war, füllte sich die Stadt ziemlich schnell und wir konnten wieder einmal viele intensive Gespräche führen, Flyer und Grüne Karten verteilen und auch Kontakte knüpfen.

Bei den Kindern kommen natürlich unsere Gendertreff-Ballons immer richtig gut an. Die Eltern bekommen dann immer einen Info-Flyer und eine Grüne Karte. Und natürlich verweist auch der Aufdruck www.gendertreff.de auf den Ballons auf unser Informationsangebot.

Wieder einmal haben wir jede Menge Flyer und auch Ballons verteilt, so dass ständig neue Ballons aufgeblasen werden musten.

Diesmal war Rita unsere Ballon-Beauftragte. 😉

Hier wünscht sich Ava, sie hätte drei Hände. Das würde zwar etwas merkwürdig aussehen. Aber es hilft, wenn man mit Ballons, Grünen Karten und Info-Flyern gleichzeitig hantiert.

Auch mit dem Wetter hatten wir noch halbwegs Glück. Bis auf einen halbstündigen Regenguss, bei dem natürlich alle sofort in die umliegenden Geschäfte strömten, blieb es trocken, so dass die Stadt bis auf die kurze „Regenzeit“ immer voller Menschen war.

Hier sehen wir Chrissie und Rita im Gespräch am Gendertreff-Stand.

Bei den vielen Gesprächen verging die Zeit wie im Flug.

Hier noch ein weiterer Blick aus dem Gendertreff-Stand auf die anderen Stände des Straßenfests.

Ava, Xenia und Chrissie im Gespräch mit zwei Damen vom Nachbarstand. Denn als die Stadt gegen Ende der Veranstaltung langsam etwas leerer wurde, konnte man sich auch noch etwas intensiver austauschen.

Wie immer wollten die Besucher unseres Infostands alles Mögliche wissen und wir beantworteten gerne die Fragen und berichteten mit Informationen aus erster Hand über Transidentität.

Chrissie und Ava vor dem Gendertreff Infostand.

Auch einige Trans*-Personen, Angehörige und beruflich Interessierte fanden den Weg zu unserem Infostand und wir machten sie natürlich auch direkt auf die 2. Gendertreff Messe & Fachtagung am 07.10.2017 aufmerksam.

Nach der Veranstaltung ließen wir den erfolgreichen Tag in bester Tradition mit einem guten Essen ausklingen.

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Xenia am Arbeitsplatz

Kurz nach meinem 10-Jährigen Firmenjubiläum lud ich eine Kollegin vom Betriebsrat und die AGG-Beauftragte zu einem Meeting ein. Mir war flau im Magen und so trafen wir uns in einem der freien Konferenzräume. Ich stammelte los und schwups war es raus – Ich hatte mich als transidente Person geoutet. Alles war vorher mit meiner Frau gut vorbereitet. Die Reaktion war, wie ich gehofft hatte, super positiv. Parallel zu dem Gespräch in der Firma hatte ich bereits meine Unterlagen an das Amtsgericht geschickt und seit ca. einem halben Jahr nahm ich bereits Hormone. Meine Kolleginnen sprachen mir ihren Respekt aus und wir trennten uns nach ca. einer 3/4 Stunde.  Ich flatterte immer noch am ganzen Körper.

Zurück im Büro, natürlich mit Pokerface, saß ich keine viertel Stunde am Schreibtisch, da stand auch schon die AGG-Beauftragte wieder neben mir und meinte, dass wir uns doch gleich noch mal zusammensetzen sollten. Diesmal gleich mit der Geschäftsleitung und dem Vorgesetzten, sonst wäre erst wieder in 4 Wochen ein Termin frei um alle zusammen zu bringen. Also saßen wir wieder in dem besagten Konferenzraum, aber diesmal in einer größeren Runde. Ich erzählte meine Geschichte und zeigte Alltagsbilder von mir. Niemand hatte ein Problem und alle hatten Respekt vor meinem Mut.

Wir gingen dann auch gleich in den nächsten Tagen an die Planung. Wie bringen wir es ins Unternehmen und wann geht es los. Wir guckten uns ein verlängertes Wochenende mit Brückentag aus, ca. 4 Wochen nach den Gesprächen. Diese 4 Wochen waren zugegeben für alle Beteiligten die schlimmste Phase.

Meine Frau und ich hatten eine eMail verfasst, die an meinem letzten Arbeitstag zusammen mit einer Erklärung der Geschäftsleitung an alle Kollegen und Kolleginnen gesendet werden sollte. Ich verschwand in den Kurzurlaub und alle Mitarbeiter bekamen etwas „spannendes“ zu lesen. Gerne hätte ich Mäuschen gespielt.

*

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

beigefügt möchten wir Ihnen heute einen offenen Brief Ihres Kollegen übersenden. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, um diesen in Ruhe zu lesen. Wir möchten unterstreichen, dass die Firma die Entscheidungen und die kommenden Änderungen voll mitträgt und unterstützt. Auch Sie möchten wir alle bitten, das Thema mit Respekt und Toleranz zu behandeln. Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass die Firma in diesem Sachverhalt keine Diskriminierung akzeptieren wird.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und danken – auch im Namen Ihres Kollegen – für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
Präsident, Personalchefin, Abteilungsleiter, Teamleiter

[Offener Brief im Anhang]
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
viele von Ihnen kennen mich als langjährigen Mitarbeiter der Firma. Ich bin gerne in diesem Unternehmen tätig und hatte im Juli dieses Jahres mein 10-jähriges Dienstjubiläum. Was Sie nicht wissen konnten und können, ist wie es in mir aussieht. Mein Leben lang schlummerte etwas in mir, was mir früher auch nicht klar war, aber ich endlich seit 2004 zulassen kann.

Ich bin Transsexuell und lebe privat seit meinem Outing 2004 fast ausschließlich nur noch als Frau, seit Anfang dieses Jahres zu 100%. Hier im Unternehmen verkleide ich mich quasi als Mann. Durch eine Therapeutin erfahre ich professionelle Unterstützung. Meine Familie und Freunde stehen zu mir und unterstützen mich. Ganz wichtig für mich ist es, dass meine Frau und mein Sohn auch die weiteren Schritte mittragen werden.

Die AGG-Beauftragte und der Betriebsrat, sowie die Personalabteilung und direkten Vorgesetzten sind unterrichtet, dass ich in Zukunft als Frau hier meine Tätigkeit weiter ausüben werde. Auch dieser offene Brief entstand in einvernehmlichen Gesprächen. Der Antrag zur Personenstandsänderung wurde beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht und es bedarf nun noch einiger Gutachten und Formalitäten, bis die Änderung rechtskräftig ist.

Die meisten von Ihnen werden sich mit diesem Thema noch nicht auseinander gesetzt haben, deshalb müssen wir uns gegenseitig die Zeit nehmen und geben, um sich aneinander zu gewöhnen. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.

Ich hoffe, dass das gute kollegiale Verhältnis zu Ihnen weiter bestehen bleibt und Sie mich als Frau genauso akzeptieren wie vorher als Mann. Sie werden eine ausgeglichene Kollegin bekommen, aber ich werde der gleiche Mensch bleiben wie vorher.

Ich freue mich auf weitere Jahre der Zusammenarbeit.

Vielen Dank
Xenia
[/Offener Brief]

*

Nach dem langen Wochenende war dann Xenia`s Premiere. Mit leicht wackligen Beinen betrat ich mein Büro. Für den ersten Arbeitstag hatte ich Strumpfhose, Jeanshose, ein helles Longshirt und Pumps mit einem leichten Absatz angezogen. Ich war leicht geschminkt und die Haare brauchten nur noch entsprechend geföhnt zu werden, denn die Länge stimmte bereits. Ich öffnete meine eMails und staunte nicht schlecht über die vielen positiven Reaktionen aus dem Unternehmen. Der Höhepunkt aber war eine Torte in Herzform mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen Xenia“ von einer Kollegin. Ich verlor kurz die Fassung. Dann versuchten alle einen normalen Arbeitstag zu verbringen.

Das aber scheiterte daran, dass ich im Gebäude, im Laufe des Tages, immer wieder  umarmt wurde oder mir mit Handschlag gratuliert wurde. So ging der erste Tag zu Ende.

Ein halbes Jahr später sagte mein damaliger Chef zu mir, dass man es auch an meiner Arbeitsleistung merken würde, dass ich nun glücklich, zufrieden und befreit bin.

Ich durchlief eine pubertäre Phase (Hormone) und ca. 2 Jahre nach dem Outing im Betrieb bekam ich einen Termin zur geschlechtsangleichenden Operation. Wir sprachen uns ab und ich konnte den Termin in der Uniklinik Essen bestätigen. Nach ca. 6 Wochen war ich wieder einsatzbereit.

Zwischenzeitlich hatte der Chef gewechselt und ich hatte wohl in den letzten Wochen einigen Bockmist verzapft, so dass mein Chef und ich aneinander gerieten. Mein neuer Chef musste sich auch noch einarbeiten und so drehte sich jeder um sich selbst. Meine 2. OP folgte ein paar Wochen später.

Wieder im Betrieb gingen mein Chef und ich uns ein wenig aus dem Weg. Das funktionierte gut, weil einer meiner Kollegen nun Teamleiter im Innendienst geworden war. Die Monate flogen so dahin und es gab hier und da auch immer mal wieder ein kurzes Gespräch über meinen Werdegang.

Nun ist das Outing bereits 6 Jahre her und das Verhältnis zu meinem Chef ist wieder gut. Es hat eine bis mehrere Aussprachen gegeben und außerdem sind Kollegen, Kolleginnen, Teamleiter und Chef sehr zufrieden mit meiner Arbeitsleistung und meiner Zwischenmenschlichkeit.

Was aber mit Kunden und Lieferanten? Dazu muss ich sagen, dass ich in der Auftragsabwicklung arbeite und auch für den Einkauf im In- und Ausland zuständig bin. Bei Kunden gibt es heute noch teilweise Aufklärungsbedarf wegen der etwas dunkleren Stimme, aber das lässt sich meist kurz erklären. Ich sage dann schon mal: „Keiner macht sich selber“, „Keiner sucht sich das aus“, „Jeder muss das Beste aus seinem Leben machen“ oder „Frau mit männlichem Migrationshintergrund“. Ein Problem gab es auf jeden Fall noch nie!

Bei Lieferanten war es ähnlich, wobei man sich ja schon einige Jahre kannte. Eigentlich alle hatten es positiv aufgenommen, egal ob im In- oder Ausland. Einige benötigten noch eine gewisse Übergangszeit und wollten meinen Mann sprechen oder fragten an, ob mein Mann nicht mehr dort arbeiten und ich jetzt die Stelle besetzen würde. Auch eMails wurden noch an die alte Adresse geschickt, die aber unsere IT-Abteilung weitergeschaltet hatte. So kam es teilweise zu lustigen und interessanten Gesprächen.

Alles in allem habe ich nur gute und positive Erfahrungen gesammelt und bin glücklich und zufrieden wie es jetzt ist. Dass mal ab und zu noch ein falsches Pronomen rausrutscht stört mich nicht. Meist regelt es sich von ganz alleine unter den Kollegen oder man überhört es schlichtweg. Aber man muss natürlich aufpassen, dass es nicht Absichtlich geschieht und in Mobbing oder Diskriminierung ausartet. Ich für meinen Teil kann das allerdings nicht bestätigen.

Da ich auch noch Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen und viel im Gebäude unterwegs bin, schauen schon mal Handwerker oder Laufkundschaft einmal mehr hin, aber es ist alles ganz easy. Auch bei Schulungen usw. werde ich als Mensch akzeptiert, der_die einen kleinen Geburtsfehler hat. Mittlerweile ist der behoben und alles ist gut!

Xenia

 

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