Das Interview zur Folge 1665 der Lindenstraße

Pünktlich zum Weltfrauentag 2018 erscheint das Interview zur Folge 1665 der Lindenstraße auf Lindenstrasse.de/WDR.

Da es in der Lindenstraße um die transidente Sunny (Martin Walde) geht, waren nur Transfrauen eingeladen. Transmänner und vor allem Angehörige und Partner hätten das Gesamtbild abgerundet (wie real auf unseren Selbsthilfetreffen). Aber es ist halt nur eine Momentaufnahme möglich.

 

 

 

Bilder & Texte: Westdeutscher Rundfunk (WDR)

>> Lindenstrasse.de/Videos/Interview

>> Vorschau Folge-1665: Falsch ist genau richtig

>> https://www.gendertreff.de/2018/01/06/Gendertreff in der Lindenstrasse. Wie alles begann.

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Mein Höllenritt durch die Geschlechtsangleichende-OP

Autorin: Anna Bianca

Mein Bericht zu meiner GaOP wo nicht alles glatt lief. Reale Gefahren über die sich jede_r wirklich Gedanken machen sollte.
Wie Ihr ja wisst wird vor jeder OP / GaOP der Risikokatalog geschwungen und über die Risiken aufgeklärt. Nehmt die Risiken ernst, denn eine Operation kann mit schwersten Komplikationen einhergehen.

Leider verschonte mich das Risiko einer folgenschweren Darmverletzung nicht. Ich wurde nicht wie erwartet im Aufwachraum sondern auf der Intensivstation wach. Der behandelnde Arzt und seine Assistenzärztin hatten sehr große Mühe mir zu erklären wie es zum Colostoma, sprich künstlichem Darmausgang, kam. Beim scharfen Präparieren des Scheidenkanals lag eine Ausbuchtung des Darms so unerwartet ungünstig dass die Verletzung des Darms unausweichlich war. Andrea wollte mir eigentlich nur zeigen dass die GaOP erfolgreich war, aber der Schock über den Beutel am Bauch war einfach zu brutal. Beim zweiten Blick unter die Bettdecke konnte ich nur ein „endlich“ herausbringen, zu mehr fehlte mir einfach die Kraft.

Erst beim zweiten Verbandswechsel ließ ich mich von Andrea überreden einen Blick in den mir gereichten Handspiegel zu werfen, und der hat sich dann gelohnt: In Natur sieht das Ergebnis besser aus als in irgendwelchen Dokumentationen. Es wurde wirklich tolle Arbeit geleistet. Auch wenn die Zeit der absoluten Bettruhe für mich besonders schwer war, auch die habe ich überstanden. Durch die Darmprobleme hatte ich oft starke Schmerzen, aber das gehört scheinbar dazu.

Im Krankenhaus verliefen die folgenden Verbandwechsel mit vielen Erklärungen und der behandelnde Arzt zeigte mir wie ich den Platzhalter selbst wechseln kann. Das klappte trotz meiner Nervosität dann auch ganz gut. Die Wundversorgung und das Bougieren, sprich Platzhalter wechseln, müssen bis zur Entlassung gut funktionieren, alleine schon aus meinem eigenen Antrieb.

Dann kam die eigentliche Hölle. Blasenkrämpfe durch die beiden Katheter, besonders in dem Moment wo die Blase komplett leer war. Bei mir kamen auch noch erschwerend heftigste Schmerzen durch den Darm dazu. Da der künstliche Ausgang zwischen Zwerchfell und Bauchdecke gelegt wurde ist der gesamte Bauch eine riesige Operationswunde. Die Darmschlingen wollen aber in ihre normale Position zurück und dadurch kommt es immer wieder zu heftigen Bewegungen und damit heftigen Schmerzen. Mir wurden Schmerzmittel und Krampflöser verordnet, die ich auf der Station nicht bekam. Entsprechend verwirrt war dann der Stationsarzt dass ich nicht einmal Sab-Simplex bekam, was meinem Darm schon sehr geholfen hätte.

Nach dem Ziehen der Katheter hörten die Blasenkrämpfe kurzfristig auf, kamen dann aber umso heftiger wieder. Novalgin und Buscopan werden wohl noch eine oder zwei Wochen meine Freunde sein, dann sollte sich die Blase endgültig beruhigen und die Krämpfe endgültig verschwinden.

Nun kommt die Frage von anderen Patienten_innen ob ich noch einmal durch diese Hölle gehen würde, die Bettlägerigkeit und die höllischen Schmerzen auf mich nehmen würde. Meine klare Antwort lautet weiterhin ja, weil ich nicht mit den männlichen Genitalien weiter hätte leben können.

Den Stoma werde ich in 3 Monaten wieder los, kombiniert mit der Korrektur-OP. Ich werde dann vielleicht auch wieder Schmerzen haben, nicht so schlimme wie jetzt aber es wird wieder Wunden geben. Die Wunden werden heilen und die Schmerzen gehen auch vorbei. Aber dieses Ding zwischen meinen Beinen was nicht zu mir gehörte kehrt nie wieder zurück. Alleine wegen dieser Gewissheit und dem doch schönen Ergebnis der GaOP würde ich diesen Schritt wieder gehen, weil ich jetzt erst wirklich weiß, dass es für mich der richtige Schritt war.

Vor der OP war ich davon mehr als überzeugt, mehr als sicher dass ich nur so weiter leben kann. Im Spiegel sehe ich MICH, ANNA. Nach so vielen Rückschlägen kann ich nur sagen: Endlich!

Ich wollte hier ursprünglich meinen ganzen Krankenhausaufenthalt dokumentieren, möchte mich hiermit aber klar davon distanzieren.

Die Kompetenz der Ärzte und des Fachpersonals stehen über Allem. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Pflegepersonals kann ich wirklich loben, die war vorbildlich. Ich hatte das Pech in einen personellen Engpass zu geraten, weil viel Personal aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen war. Auch diese Menschen sind nicht vor Glätte und damit verbundenen Unfällen geschützt, und davon gab es leider zu viele. Die Sauberkeit und Hygiene waren ebenfalls regelmäßig auf hohem Niveau, nicht ein Tag wo das Zimmer und die Flure nicht gereinigt wurden. Das einzige Manko waren die mangelnde Kommunikation zwischen den einzelnen Stationen und den Ärzten was leider zu Kosten der Patienten_innen ging. Ich hoffe einfach dass mein nächster Aufenthalt in 3 Monaten ein besseres Gesamtergebnis bringt.

Meine Frau Andrea war täglich von 6:45 Uhr bis ca. 18:00 Uhr bei mir im Krankenhaus und hat mir wirklich sehr liebevoll durch die besonders schweren Zeiten geholfen. Auch sie wünscht allen, die die GaOP vor sich haben, dass diese ohne Komplikationen verlaufen.

Ich habe die zweizeitige OP gewählt und es war der erste Eingriff. In 3 Monaten folgt die Korrektur mit der Rücklagerung des Darms. Bei einer „großen“ OP wäre es zu einem Abbruch und damit doch zur zweizeitigen OP gekommen da ich so schon über 8 Stunden im OP war. So konnte das Operationsteam wenigstens die Operation mit einem guten Ergebnis zu Ende durchführen.

Zum Thema „Alien“ hatten Andrea und ich das Teil einfach „Komma“ genannt, da es durch die HET schon recht klein war. Dazu kommt der Unterschied zwischen Blutpenis und Fleischpenis wobei der Blutpenis erst durch erhöhte Durchblutung anschwillt und ansonsten doch eher klein ist. Ein Fleischpenis ist eher groß und schwillt nicht mehr besonders an wenn die Schwellkörper gefüllt werden.

Eher lustig fand ich die Frage, ob es sich für mich gut anfühlt, seit ich das erste Mal im Sitzen pinkeln konnte. Das mache ich ja sowieso schon seit Jahren, daher macht es für mich nur das „richtige“ Gefühl aus. Schlimmer war die Zeit mit dem Blasenkatheter, da konnte ich ja auch im Liegen pinkeln.

Gemein war einfach nur die Zeit in der ich den Harnbeutel selbst leeren musste, das funktioniert nämlich nicht im Sitzen. Umso größer war die Freude wie der Beutel endlich weg war, endlich im Sitzen pinkeln wie vorher, nur ohne lange Harnröhre.

Auch wenn ich durch den Stoma noch Probleme habe, es fühlt sich so unendlich gut und auch richtig an. Auch im Spiegel sieht es jetzt so aus, wie es eigentlich immer richtig war und ist. Durch den aufgeblähten Bauch kann ich leider keine Röcke anziehen, aber ich freue mich dass es dann im Stoff keine Delle mehr geben wird. Nichts mehr verstecken oder kaschieren zu müssen ist ein Stück weiter an meiner Weiblichkeit zu sein. Die Unterwäsche sitzt langsam auch so wie sie passen muss, was mir fast die Tränen in die Augen trieb. Es gibt immer mehr mir vorher nicht so klar bewusste Punkte die mich auch mal überraschen und es ist einfach nur schön. Es ist ja schon eine Erleichterung, dass die Hoden beim Sitzen nirgendwo drücken oder eingeklemmt werden können. Die Testosteron-Fabrik ist futsch und ich brauche keine Blocker mehr wodurch der Stoffwechsel auch entlastet wird. Es sind so viele positive Aspekte dass es mir leichter fällt die Komplikation leichter zu ertragen.

Zur OP selbst kann ich aber ergänzen, dass meine Blutarmut als Vorteil ausgefallen ist. Ich habe so wenig geblutet, dass ich keine Transfusion benötigt habe. Ein paar Beutel Ringer-Lösung und Kochsalzlösung haben gereicht um mein Volumen dahin zu bringen, dass ich nur eine Nacht auf der Intensivstation verbringen musste. Wäre der Zugang in meinem Handrücken richtig gesetzt worden, hätte die Behandlung richtig anschlagen können, statt mir einen dicken Arm zu wachsen zu lassen. Das ist auf der Station dann schnell geändert worden, hätte aber vielleicht meinen Aufenthalt in der Intensivstation verhindern können. Was soll ich sagen, ich bin froh diesen Höllenritt hinter mir zu haben und mich doch gut erhole. Man könnte meinen, dass ich durch die Erfahrung Angst vor der OP in 3 Monaten habe, aber die Korrektur muss gemacht werden.

In der Tat ist es für mich nicht leicht mit dem Stoma umzugehen, aber ich sehe die 3 Monate als Heilungsdauer für den verletzten Darm. Der ganze Bauch ist wahnsinnig aufgebläht und schmerzt trotz Medikamente, dazu kommt der Umstand dass der Stuhl sich in einem bestimmten Bereich staut. Meine schönen Röcke sind plötzlich 4 Größen zu klein und ich habe nur eine Jeans wo ich knapp rein passe. Zum Glück habe ich noch eine Jogginghose, aber der Bund drückt unterhalb vom Stoma auf den Darm. Ausflüge fallen auch schon wegen der bösen Kälte aus, weil ich durch den Beutel selbst das Unterhemd über der Hose tragen muss. Meine Jacken stehen dadurch so ungünstig ab, dass die Kälte ganz schnell den Bauch erreicht.

Seit gestern habe ich etwas festen Stuhlgang was zusätzlich, auch durch Blähungen, zu Problemen führt. Es ist aber im Vergleich zu den Schmerzen die ich im Krankenhaus ertragen musste fast schon harmlos. Mich belastet es eher psychisch, weil ich in meiner Freiheit stark eingeschränkt bin. Es ist schon mies wenn ich verschwitzt aufwache und nicht eben mal unter die Dusche springen kann. Selbst hier muss ich schauen wie ich das mit dem Beutelwechsel abstimmen kann. Essen und Trinken muss ich so abstimmen dass es keine Verstopfung oder Durchfall erzeugt. Für eine Woche habe ich einen Pflegedienst an meiner Seite, der mich im Umgang mit dem Stoma schulen soll, aber eigentlich geht es nur um die Kontrolle eines großen Wasserödems am Ausgang, da ich den Beutel selbst wechsle.

Mein Ziel ist einfach die Heilung des Darms und die innere Heilung meiner Neo-Vagina, und Beides wird noch eine Weile dauern. Ich habe so viele Aufschübe und Wartezeiten besonders durch die Krankenkasse erfolgreich überstanden, da werde ich die 3 Monate auch überstehen. Bis Anfang Mai wird es kein Spaziergang aber dann wird der Darm wieder zurückgelegt und die Korrektur gemacht. Dieses Ziel gilt es für mich zu erreichen und ich weiß dass es mich viel Geduld und Kraft kosten wird. Ich bin sicher dass ich von Beidem noch genug Reserven habe, die ich nur mobilisieren muss.

Bei den Vorgesprächen wurden so viele Komplikationen nebenbei aufgezählt und nicht wirklich darauf eingegangen, wer soll da bitte ernsthaft daran denken selbst betroffen zu sein? Es ist mir ein ernstes Anliegen darauf hinzuweisen, die möglichen Komplikationen als reales Risiko wahrzunehmen.

Ich war wegen meinem Blutdruck auf der Intensivstation gelandet, nicht wegen dem Stoma. Dort haben die Ärzte mit großer Not einen Herzstillstand verhindert und ich war für ein paar Stunden in Lebensgefahr. Mein Sportlerherz wollte und konnte nicht aufgeben. Mein Gedanke an Andrea gab mir zusätzlichen Antrieb, aber ich konnte selbst nicht viel beitragen, mein Leben lag in den Händen der Ärzte. Ich wollte diesen Teil nicht schreiben, weil es mir wirklich immer noch schwer fällt. Aber ich wollte hier ehrlich über meinen OP-Verlauf berichten. Die GaOP ist trotz aller Komplikationen mit einem klasse Ergebnis beendet worden und ich kann dem Ärzteteam nur danken. Trotzdem wird sie mir als Höllenritt tief in Erinnerung bleiben.

Jede OP birgt ein Risiko von 50 %, egal welche Komplikationen auftreten können. Das ist kein erfundener Wert sondern er stammt vom Ärzteteam. Darüber sollte sich jede_r wirklich bewusst sein. Macht bitte nicht den Fehler und denkt dass es nur Andere treffen kann, seid Euch bitte dieser Gefahr bewusst. Ich will hier niemandem Angst machen, weil ich selbst weiß, welche Folgen es haben kann die GaOP nicht machen zu lassen. Ohne die GaOP wäre ich selbst auf die eine oder andere Art kaputt gegangen, so habe ich eben einen Schaden der wieder heilt. Mich hat nur brutal getroffen, dass ich mit dem Stoma aufgewacht bin. So wie mich ein paar Leute kennen bin ich mit allen Konsequenzen in die OP gegangen, darum kann ich langsam die Folgen ertragen. Es ist nicht leicht, wird aber jeden Tag erträglicher.

Mit 13 cm Neo-Vagina habe ich die für mich passende Tiefe gewählt und muss erwähnen dass das Risiko einer Darmverletzung bei ca. 6 cm Tiefe beginnt. Ich habe von Wunschtiefen ab 18 cm erfahren die aus ärztlicher Sicht kaum umsetzbar sind und deswegen auch verweigert werden. Die von mir gewünschte Tiefe von 12 – 13 cm ist die biologische Eindringtiefe einer biologischen Frau, weil dort schon der Gebärmutterhals sitzt. Mein Pech war das dort eine Auswölbung des Darmes lag die dort nicht vorhanden sein durfte. Diese Auswölbung war die Folge einer Hämorriden-OP vor 1,5 Jahren. Eigentlich hätte der Darmbereich entfernt werden müssen, aber durch die Anwendung der sogenannten Staplertechnik war dort die Darmwand überdehnt und es kam zu Aussackungen. Das wurde mir so vom Proktologen Team nach der GaOP bestätigt und war der Grund für den Stoma. Ich hatte die Ärzte gebeten vor zukünftigen GaOP´s eine proktologische Untersuchung anzuordnen um dieses Risiko zu minimieren. Trotzdem bleibt es im Ganzen wie ein gewaltiger Eingriff mit sehr verschiedenen Risiken die lebensbedrohlich sein können. Ich bin bewusst ein paar mögliche Szenarien durchgegangen wie z.B. Schlaganfall oder Koma, da bin ich doch noch sehr glücklich mit dem Stoma davon gekommen.

Kurze Info noch. Mein Platzhalter hat nur eine Länge von 10 cm (extra nachgemessen) womit die spätere Tiefe bei ca. 12 cm liegt. Wenn die Korrektur am Damm gemacht wird passt die Tiefe wie erwartet. Das hilft mir dann doch die Situation leichter zu nehmen.

Dieser Bericht stammt aus meinem OP-Tagebuch und wurde von mir teilweise chronologisch zusammengefügt. Dieser Text dient zur Verwendung im von mir genehmigten Blog auf Gendertreff.

Anna Bianca

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Chrissies Umzug

Autorin: Chrissie

 

Am 30.1. fand bei mir ein Umzug statt: ausgezogen sind zwei typische männliche Merkmale und eingezogen zwei typisch weibliche. Wie es dazu kam und was ich dabei erlebte.

Im März 2017 habe ich mit Androcur angefangen, weil meine Oberweite nach 2 Jahren Östrogen immer noch nicht so wollte wie ich, gerade mal AA. Ich wollte testen, wie ich mich ohne TESTO fühle, quasi als Vorbereitung für eine GaOP, die schon länger angedacht war.

Ich muss aber anmerken, dass eine GaOp kam und kommt für mich aus mehreren Gründen nicht in Betracht:
1. Ich bin selbständig und ein Ausfall von 8 bis 12 Wochen ist nicht finanzierbar, zumal ich überwiegend beim Kunden vor Ort bin.
2. Ich habe Diabetes mit hohen Insulinraten, da treten Wundheilungsstörungen häufiger auf, was zu noch längeren Ausfällen führen und das Ergebnis verschlechtern könnte.
3. Für meine Frau ist der dann gewählte Schritt, ob Zwischenschritt oder endgültig, einfacher zu verkraften und der „Alien“ hat mich nie extrem gestört.

So kam dann bald die Idee einen Brustaufbau zu machen, wenn die Oberweite bis Anfang diesen Jahres unverändert war und das mit einer Orchiektomie zu kombinieren um Androcur einzusparen und den Rest besser verstecken zu können. Laut Internet werden solche Op’s einzeln auch schon ambulant durchgeführt, was meiner Ausfallquote sehr entgegen kommen würde. Dies war zwar nicht der Auslöser für die Entscheidung aber schon etwas blauäugig im Hinblick auf die Gesamtdauer. Ich dachte zu der Zeit noch Freitag rein und nach der OP spätestens Sonntag raus und Montag wieder arbeiten.

Also zunächst bei der KK im August `17 nachgefragt, welche Unterlagen sie im Falle eines Falles bräuchten, dazu die Gutachten aus der beigelegt. Nach einer kurzen Nachfrage nach der Klinik kam statt der Angaben, welche Unterlagen ich einreichen soll, sofort die Kostenübernahmeerklärung.

Da sich bis September nichts an der Oberweite getan hatte, habe ich dann einen Termin mit Frau Dr. Schwerfeld-Bohr (Essen Mitte) zur Beratung vereinbart. Ich wurde ausführlich über die Möglichkeiten und Risiken aufgeklärt und wir legten die Größe anhand meines BHs und Demo-Implantaten fest.

Im November habe ich mich dann endgültig entschlossen und einen Termin für die letzte Januarwoche vereinbart. Aufnahme am 29.01.2018 Dauer allerdings ca. 7 Tage, was mich dann doch etwas verunsicherte, hatte ich doch mit 2 bis 3 Tagen gerechnet.

Die Zeit bis Ende Januar verging rasend schnell und das letzte Wochenende vor der OP kam. Zwar waren die Nerven nicht so ganz die besten, ich wollte die OP, hatte aber gleichzeitig ziemlich Angst vor den Risiken. Also noch schnell alles Wichtige regeln, vor allem Rechnungen an Kunden fertig machen und die eigene Angst drücken, indem ich am Samstag noch schnell einen neuen Firmenwagen bestellt habe, Lieferzeit KW25. So konnte ich mir immer sagen: Du wirst den Wagen in der 25. KW abholen, es kann also nichts schief gehen.

Nun zum eigentlichen Aufenthalt im KH:
Am 29.01.2018 brachte uns ( meine Frau und mich ) eine Freundin nach Essen. Um 10.20 Uhr, sogar etwas vor der vereinbarten Zeit, konnten wir in die Aufnahme, danach ging es auf die Station.

Das Zimmer war noch nicht frei und so durften wir in der Lounge Platz nehmen. In Essen Mitte gibt es ein paar gehobene Bettenstationen mit Ein- und Zweibettzimmer. Diese haben auch eine Lounge, wo man Frühstücksbuffet, Kaffee und Kuchen und Abendessen vom Buffet einnehmen kann.

Irgendwann kam dann die Blutabnahme und das Mittagessen und dann war auch das Zimmer fertig. Ich war am ersten Tag bei einer netten etwas älteren Dame mit auf dem Zimmer, da ich Zweibett- Zimmer wollte. Gegen 13.00 Uhr kam dann der schwere Abschied von meiner Frau mit sehr gemischten Gefühlen und ein paar Tränen und dann hieß es warten. Gegen 14.30 ging es dann zum Arztgespräch bei Frau Dr. Schwerfeld-Bohr und anschließend zum EKG und gegen 16.00 war ich wieder zurück auf dem Zimmer. Nun war erstmal Entspannen angesagt. Um 18 Uhr gab es Abendessen und danach noch das Narkosegespräch und um 22:00 Uhr hieß es : Licht aus.

Die Nacht verlief ruhig und ich konnte gut schlafen.

Am 30.01.2018 wurde ich dann schon um 6 Uhr geweckt. Dann hieß es ausführlich mit Speziallotion Duschen und um 7:15 Uhr war Frau Dr. Schwerfeld-Bohr im Zimmer zum Anzeichnen der Hilfslinien. Dabei teilte sie mir mit, dass sie sich noch ausführlich Gedanken gemacht hat und doch dazu raten würde die Implantate auf und nicht unter den Brustmuskel zu setzen, da es bei meiner Anatomie ein besseres Ergebnis geben würde. Da auch die Heilungsphase kürzer ist und die Schmerzen geringer stimmte ich natürlich sofort zu.

Nach einer halben Stunde wurde ich dann zur OP abgeholt. Mit dem Bett ging es zum Vorbereitungsraum wo ich auf das OP-Bett umsteigen durfte. Dann ging es los mit der Vorbereitung. Der Zugang wurde gelegt, dann gab es eine schicke Mütze für die Haare, der Anästhesist stellte noch einige Fragen und dann gab es Sauerstoff aus der Maske. Diese wurde aber nur leicht über Mund und Nase gehalten, man hat sie kaum gespürt und dann…..

….war ich plötzlich in einem großen Raum mit einigen anderen wachen und halbwachen Menschen in ihren Betten und die Uhr stand auf 11:20 Uhr. Wenn das mal keine Zeitreise war. Allerdings hatte ich nun einen Elefanten auf meiner Brust sitzen. Das war der Druckverband von der Brust-OP.

Gegen 13:00 Uhr ging es dann zurück auf Station, diesmal aber in ein Einzelzimmer. Warum habe ich später gemerkt. Dann gab es Mittagessen und Frau Dr. Schwerfeld-Bohr kam vorbei und erklärte mir den Verlauf und dass sie sehr zufrieden mit dem Ergebnis sei.

Nach einer Visite des Stationsarztes konnte ich dann gegen 16:00 Uhr das erste Mal in Begleitung und danach alleine aufstehen. Nun wusste ich auch warum das Einzelzimmer. Ich hatte das OP-Hemd an, hinten komplett offen und unten schaute mein Alien aus einem Verband hervor. Dieser Anblick wäre für die ältere Dame sicher nicht zumutbar gewesen.
Es ging dann immer besser mit dem Laufen, allerdings plagten mich vermeintliche Blähungen. Die Tabletten dagegen halfen nur leider nicht. Warum wurde mir am nächsten Tag klar. Der Rest des Tages verlief dann normal, ich habe das Bett gehütet und mich kaum bewegt. Die Nacht war allerdings etwas schlimmer. Ich bin es nicht gewohnt auf dem Rücken zu schlafen und war so häufiger wach, geholfen hat dann eine Endlosschleife der CD Gesund Schlafen von Arndt Stein, eine Selbsthypnose.

Am 31.01.2018 kam dann erst mal ein Rückschlag. Ich wollte mich vorsichtig im Bett etwas nach oben hangeln, machte eine blöde Bewegung und … mir drehte sich alles. Nun wurde ich natürlich unsicher was das Aufstehen anbelangte, dazu waren die Schmerzen bei Bewegungen des Oberkörpers wesentlich heftiger geworden. Nun stellte ich mir ernsthaft die Frage: „Wozu hast du das gemacht, vorgestern warst du noch fit.“

Die Antwort kam am späteren Vormittag in Form von Frau Dr. Schwerfeld-Bohr. Sie entfernte den Druckverband, die Schmerzen wurden schlagartig weniger und das Ergebnis sah einfach nur wunderschön aus, nichts war grün oder blau, alles war klasse und es flossen einige Freudentränen. Die Schwindelanfälle hatten sich inzwischen als verklemmter Halsnerv herausgestellt und hat nach einer Massage mit Schmerzöl dann auch aufgehört. Gegen Mittag kam meine Frau und unsere Freundin. Auch die fand das Ergebnis ganz super. Irgendwann mussten sie wieder nach Hause und ich habe mir die andere Baustelle etwas genauer angesehen und festgestellt, dass die vermeintlichen Blähungen Schmerzen von der Orchiektomie waren. Der rechte Leistenkanal schmerzte bei Berührung und der linke war taub. Wie mir erklärt wurde lag das daran, dass diese Kanäle bei einer OP auch direkt mit verschlossen werden. Der Rest des Tages war dann ausruhen und versuchen den Darm wieder in Gang zu bekommen. Da der Kompressions-BH noch nicht da war konnte ich mich dann bis Donnerstagmorgen am Anblick erfreuen.

Bis auf heftige Rückenschmerzen vom Liegen, die mich um 3 Uhr weckten und erst nach Einreiben mit Schmerzöl weggingen war die Nacht ruhig.

Am 1.2.2018 war alles anders! Es kam der Kompressions-BH und nach anlegen desselben waren alle Schmerzen bei Bewegungen des Oberkörpers nur noch marginal. Ich habe dann den ganzen Tag mal im Stuhl, mal im Bett gesessen und war zweimal in der Lounge um Kaffee zu holen, lediglich die Verstopfung und die Leistenschmerzen, insbesondere beim Husten, nervten leicht. Frau Dr. Schwerfeld-Bohr hat natürlich auch wieder nach dem Rechten gesehen und mir gesagt am Freitag sei noch Ultraschall geplant und dann könnte man an die Entlassung denken. Das war natürlich Musik in meinen Ohren.

Der Kompressions-BH mit Stuttgarter Gurt sitzt zwar straff, schnürt aber nicht ein und behindert auch nicht, an den leichten ständigen Druck hat man sich schnell gewöhnt.

Die Nacht war nun auch wieder normal, ich hatte mich an die Rückenlage gewöhnt.

Am 2.2.2018 kam dann von Frau Prof. Dr. Krege während der Visite und später von der Stationsleitung der Hinweis, es ginge nach Hause. Gegen 10:00 Uhr kam dann ein Pfleger und wollte mich zur urolog. Ambulanz bringen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und auf den Rolli verzichtet und bin zu Fuß mitgegangen. Sollte es stimmen mit „nach Hause“, musste ich ja fit sein.

Es ging durch das halbe Krankenhaus und in der Ambulanz nahm mich Frau Dr. Schwerfeld-Bohr auch gleich dran. Es folgte Ultraschall der Brust und Entfernung des Verbandes von der Orchiektomie. Die Nähte sahen gut aus und Frau Doktor war sehr zufrieden. Nachdem ich noch Duschpflaster und Verhaltensregeln bekam durfte ich wieder gehen. Ich habe dann im Sekretariat gleich den Termin für die Kontrolle in einem Monat vereinbart und bin dann allein zu Fuß zurück, weil ich nicht noch auf den Pfleger warten wollte.
Zurück auf dem Zimmer war meine erste Tat ausgiebig zu duschen, das war jetzt nämlich auch erlaubt. Anschließend Kofferpacken und mich wieder menschlich herrichten, also Rock und Bluse und Haare machen. Nach dem Mittagessen kam dann unsere Freundin und hat mich abgeholt, meine Frau war schon in Gedanken bei der Abholung als sie noch mal mit unserem Hund draußen war und hat nicht auf die Umgebung geachtet. Unser Hund schon und schon hatte sie sich diesmal einen Nerv geklemmt, weil unser Hund einen Feind schräg hinten sah und einen Satz in die Richtung machte. So konnte sie leider nicht mit, weil sich jetzt bei ihr alles drehte.

Fazit: für mich war es die richtige Entscheidung, wenn auch etwas blauäugig was den Ablauf anbelangt. Heute habe ich am Oberkörper keinerlei Probleme mehr, lediglich das Ziehen in der Leistengegend ist links heftiger und rechts besser geworden. Das wird wohl noch ein paar Tage dauern und nervt eigentlich nur beim Husten und auf Toilette.

Ich bekam eine beidseitige Orchiektomie mittels eines Schnittes in der Mitte des Hodensacks, dazu zwei tropfenförmige Brust-Implantate á  445 ml jeweils auf dem Brustmuskel.

Ich muss nun noch eine Woche auf dem Rücken schlafen, 6 Wochen den Stuttgarter Gurt tragen und nicht mehr als 6 kg heben und 8 Wochen den Kompressions-BH Tag und Nacht tragen. Die Fäden lösen sich allein auf und ich darf den BH natürlich zum Duschen und zweimal pro Tag für jeweils 30 Minuten ablegen.

Würde ich es nach den Erfahrungen nochmal machen? Jaaaa!!!!

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Gendertreff on Grünkohltour 2018

Traditionell trafen sich wieder viele zum winterlichen Grünkohlessen. Aber vorher wurde gewandert,  mit einem gut gefüllten Handwagen im Schlepptau. Zur Stärkung und um sich gegen die kühlen Temperaturen zu wappnen, wurden in dem Bollerwagen ausreichend alkoholische Getränke mitgeführt.

An einer Kreuzung, Kurve oder Brücke wurden die Pinchen mit den Getränken gefüllt. Schnell war der Wagen leer und es ging zurück zum Grünkohlessen.

Nachdem alle gut gegessen hatten, wurde noch aufgeräumt und Platz geschaffen. Dann kam man zum gemütlichen Teil. 🙂

Danke an Kirsten und Rita.

 

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Auf dem Weg zur Arbeit

Autorin: Petra

 

So Ihr Lieben,

mal wieder was zum Schmunzeln von mir und ich weiß jetzt schon, ich kriege auch wieder Schimpfe im Forum. 🙂

Seit Anfang des Jahres gehe ich als Petra zumindest in die Firma und verlasse diese auch so wieder. Eine Abmachung mit meinem Chef, denn solange ich noch keine Personenstandsänderung habe, könnte er das nicht anders vertreten. Nach der ist alles in Ordnung.
Da ich während der Arbeit Blaumann und Sicherheitsschuhe trage, ist das kein Problem für mich.

Seit 2 Wochen geht das jetzt so, wobei ich Feigling, letzte Woche noch mit dem Auto zur Arbeit bin. Ich lehne das aus tiefstem Herzen ab und benutze normalerweise entweder Fahrrad, Bus oder Bahn. Also dann, diese Woche galt es.

Um 5:20 Uhr in der Früh sind in der Stadt noch nicht allzu viele Menschen. Auf dem Weg zum Bahnhof war nichts Auffälliges. Am Bahnhof angekommen, schon ein etwas anderes Bild. Bahnsteig 4 um 5:35Uhr – Blicke…….
Einer der Herren die dort standen, wusste nicht wohin er schauen sollte, ein anderer vergaß fast das Einsteigen in den Zug und rammte den Türrahmen. Eine Frau, die ich morgens dort regelmäßig treffe, musste einen Augenblick überlegen. „Irgendwoher kenne ich doch die Person.“ Aber als sie mich erkannte, ein herzliches Guten Morgen und Respekt, sie trauen sich was.

Im Zug selber saßen meine beiden Kollegen, die meine Transition von der Weihnachtsfeier zwar kannten, aber nicht um die Zeit im Zug. Aber auch hier, kein Problem.

Ich war reichlich mehr als nur nervös, vor dem ersten Mal und bin es auch jetzt noch (Clara, müsste  dir bekannt vor kommen). Zudem bin ich mit meinem morgendlichen Erscheinungsbild noch nicht ganz zufrieden. Aber, es lohnt sich über seinen Schatten zu springen. Es gibt neben den üblichen, halbgaren Reaktionen jede Menge positive Feedbacks. Übrigens etwas, zu dem mir der Gendertreff mit seinen Treffen viel Mut gemacht hat.

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Hallo Welt, 21.11.2017

Autorin: Drachenfrau

Hallo Welt,

seitdem wir aus München zurück sind, gehen mir sehr viele Gedanken durch den Kopf.

Irgendwann die Tage kam in mir eine Frage hoch (auch im Zusammenhang über die Bedeutung von Grenzen). Die Frage war, was haben die letzten 12 – 18 Monate mit mir gemacht? Was haben sie mir gegeben? Was war für mich gut?

Ja, ganz vorne weg, ich habe durch die Transition von Denies eigene Grenzen erkannt, sie mir angesehen. Diese haben jedoch nicht automatisch alleine etwas mit Denies zu tun. Manche konnte ich auflösen, bei anderen bin ich mittendrin und andere warten noch auf meine Aufmerksamkeit.

Insgesamt setzte ich zusammen, was das alles war:

  • Ich habe noch weiter über meinen Tellerrand gesehen
  • Ich habe andere, neue wunderbare Menschen kennengelernt
  • Ich habe neue Türen aufgemacht, z. B. Schminktraining, mich mehr/anders mit Mode auseinander gesetzt
  • Ich habe mich neu erfahren
  • Das Leben hat mir gezeigt, was ich gelernt habe und woran ich noch üben darf
  • Ich war überwältigt von meinen Gefühlen und versucht, so gut ich konnte und kann, diese zuzulassen und mich darin wieder neu kennenzulernen.
    (Mit einem Meditationslehrer sprach ich über die Zeit der Transition und er sagte, ich sei eine starke Frau/ein starker Mensch. Das Gespräch war für mich überwältigend und die Tränen kamen hoch. Ich meinte, dann darf ich auch mal schwach sein. Er antwortete, ich sei nicht schwach, sondern berührbar, dass ich kein Stein bin – das ist für mich immer noch sehr bewegend.)
  • In diesen Gefühlen verstand ich oder bin noch im Prozess des Verstehens, wie wertvoll es ist, wenn man im Leben Mauern fallen lässt, fallen lassen kann – mehr denn je zuvor.
  • Tiefe, wertvolle Gespräche mit Denies und anderen Menschen, die mit Denies haben uns näher zu einander gebracht.
  • Den Mann, den ich lieben lernte, war eine Illusion.
  • Ich, wir, fanden heraus, dass wir eine vielfältige Basis für unsere Beziehung haben und auch jetzt sind wir immer noch ein Liebespaar.
  • Den Familienkonflikt, der Jahrzehnte im Raum stand, bin ich entschlossener angegangen als je zuvor. Es hat sich für mich etwas verändert.
  • Ich habe verstanden, was ich mit meiner Familie (Herkunftsfamilie) wirklich teilen möchte und was nicht.
  • Ich habe verstanden, was das Bedürfnis nach Anerkennung für mich bedeutet und um wie viel besser, ich dies für mich erfüllen kann.
  • Ich habe mich stärker gefragt, was ich brauche und was ich will und gehe darauf entschlossener zu.

Wenn ich mich noch eine Weile länger nachdenke, dann werde ich bestimmt noch eine ganze Menge mehr finden. Alles nicht immer unbedingt einfach und doch in all dem war auch Lachen, Humor, Liebe, Vertrauen, …. und vieles Wunderschöne mehr.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich jetzt jede_r Single eine_n möglichen transsexuellen Partner_in suchen sollte, weil das alles so toll ist.
Was ich damit meine, ist, dass ich wohl immer in meinem Leben das Rezept verfeinere, wie man aus Zitronen Limonade macht und ich versuche im Fluss des Lebens/des Seins zu sein/zu bleiben, denn oftmals ist der Widerstand, den wir dem Leben geben, das, woran wir zerbrechen.

Lasst es euch gut ergehen.
Ulla

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Hallo Welt, 14.11.2017

Autorin: Drachenfrau

Hallo Welt,

wir sind heute nun aus München zurück und zumindest mir kommt alles so vor, als sei München wie ein Traum gewesen.

Denies wurde von den Menschen bewundert wegen ihrem Mantel, den ich ihr strickte. Mich glotzten manche beim Stadtbummel in München an, meiner kunterbunten Haare wegen.
Das ist jedoch seit 6/7 Jahren für mich etwas Alltägliches. Besonders Kindern fällt das bunte Allerlei direkt ins Auge. (Kuck mal Mama, was die Frau für bunte Haare hat).

Der Termin bei Dr. Liedl war gestern. Denies war froh, dass ich meine ursprünglichen Pläne, an einem Seminar teilzunehmen, geändert habe und mit ihr fuhr. Ich bin auch sehr froh, dabei gewesen zu sein, denn die souveräne Art von Dr. Liedl hat mich sehr beruhigt und ich selbst kann nun etwas gelassener diesem Eingriff entgegen sehen. Jedoch muss ich dann für den Zeitraum der OP in München mehr Vorarbeit und Organisation leisten, als wenn Denies nach Essen gegangen wäre.

Da am Samstag und Sonntag beide Tage verregnet waren, unternahmen wir natürlich weniger als bei schönem Wetter. Wir verbrachten die Zeit mit ganz viel reden und diese Gespräche waren für uns beide wieder sehr wohltuend. Sie brachten mich wieder auf eine Buchzeile von Richard Bach, aus dem Buch „Der unsichtbare Ring“.

„Ignoranz hält die Wahrheit nicht davon ab wahr zu sein“

Das Buch habe ich vor gut 10 Jahren gelesen, diese Zeile prägte sich bei mir ein. Davon erzählte ich auch Denies und wahrscheinlich war auch die Erkenntnis aus diesem Buch eine, die mir hilft, mit Denies umzugehen. Denn die Transsexualität von ihr sehe ich als eine Wahrheit, die sich nicht mehr leugnen lässt und ich hätte – auch wenn ich nicht damit klar gekommen wäre – ihr diesen neuen Weg immer gelassen – selbst, wenn ich noch so verletzt oder unglücklich darüber geworden wäre. Ihr ist auch selbst klar geworden, dass sie mir meinen Weg genauso lassen muss, wie ich ihr diesen lassen kann. Denn meine bunten Haare spiegeln nur wieder wie bunt ich mein Leben gestalte und wie viele bunte = verschiedene Interessen ich auch habe.
Sie sagt: ich kann dich nicht im Voraus berechnen, wie du reagierst oder was du tust, du bist immer wieder in alle Richtungen für eine Überraschung gut. Für sie ist das auch noch einmal ein Schritt, etwas Neues zu lernen und für uns beide fühlt sich unsere Beziehung in diesem Geben von gegenseitiger Freiheit noch einmal tiefer und verbundener an.
Nach dem gestrigen Termin ist mir auch bewusst geworden, dass jetzt alles, was die angleichenden Maßnahmen seitens der Krankenkasse, bis auf die Kostenübernahme zur OP, bereits beantragt ist sowie auch ab Ende November die Gutachten stattfinden zur /.
Das lässt mich alles schon als sehr weit fortgeschritten empfinden, wenn man bedenkt, dass unsere ersten Gehversuche im Juli/August 2016 waren.

Achtet auf euch und lasst es euch gut ergehen.
Ulla

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Hallo Welt, 02.11.2017

Autorin: Drachenfrau

Hallo Welt,

bei all dem ganzen Tiefsinn habe ich relativ wenig über unsere Entwicklung im gemeinsamen Leben geschrieben.

Denies ist seit Februar in der HRT und sie verändert sich stark. Wir hätten nicht gedacht, dass sich die Hormone so noch auswirken würden, denn sie ist bereits 60 – also umso erfreulicher. Die Hormone bescheren uns sehr viele Abenteuer des Alltags, oft kann ich humorvoll damit umgehen und manchmal, wenn sie tiefen Schmerz und traurige Erkenntnisse erfassen, dann kann ich mich nur zu ihr kuscheln, sie spüren lassen, dass ich da bin und nach einer Weile bekrabbelt sie sich dann auch wieder langsam.
Frühere Situationen, an die sie sich plötzlich wieder erinnert, sieht sie dann in einem anderen Licht und das macht natürlich im Gefühlsleben eine ganze Menge in die unterschiedlichsten Richtungen.
Vor allem der innere Kampf, dass sie es hätte ja schon viel früher leben können und dann das Wissen darum, wie das direkte Umfeld, besonders die frühere Ehefrau reagiert hätte, dass das ziemlich schlimm gewesen wäre, geschweige denn als Kind. Manchmal ist da tiefe Traurigkeit deswegen. In dieser Traurigkeit mischt sich sehr viel, was neben dem als Junge erzogen worden zu sein, noch viel mehr schiefgelaufen ist.

Letztes Jahr hatten wir einen kleinen Funken Hoffnung, dass eventuell doch wenigstens zu Denies Tochter wieder Kontakt kommen könnte, doch das hat sich ziemlich schnell zerschlagen. Denies hat sich dann dazu entschlossen, ihren Kindern vor den Semesterferien diesen Sommer einen Brief zu schreiben und sich darin zu outen – denn sie wollte nicht riskieren, dass sie es über Dritte erfahren.
Hierzu kam keine Reaktion. Damit hatten wir auch gerechnet.
Als der Onkel ins Krankenhaus musste und es sah eine Weile nicht so gut aus, schrieb Denies noch einmal die Kinder an, dass vielleicht, um sich um ihn zu kümmern, nicht mehr allzu viel Zeit sein könnte – auch da kam keine Rückmeldung, was Denies nicht fassen konnte. Für ein paar Tage war sie sehr enttäuscht und beschloss dann, dass es wohl Zeit wäre, die Kinder endgültig los zu lassen, was natürlich alles andere als ein einfacher Prozess ist.

Ihre Cousine, die wir mal zum Kaffee nach langer Zeit wieder trafen (da lebte Dee noch als Mann), hätte trotz der Bilder, die wir ihr hin und wieder mal schickten, Denies nicht mehr erkannt, wenn ich nicht gesagt hätte „schau mal, kennst du sie?“ Ihre Antwort war glatt: „nein, ich hätte sie ohne dich nicht erkannt“. Denies gefällt das natürlich und auch dass sich ihr Körper langsam aber stetig mit verändert. Sie wird immer mehr ausschließlich als Frau wahrgenommen.

Inzwischen hat sie auch die / beantragt und der erste Termin für ein Gutachten wird wohl Mitte November stattfinden. Der Abschluss wird dann irgendwann Anfang nächstes Jahr sein.

Die Bartepilation ist auch beantragt und seit 3 Wochen ist sie bei der Logopädin. Wenn sie ihre Übungen macht, dann hört sich das für mich manchmal an, als wenn sie mit Venusianern kommuniziert, besonders wenn sie in die „Flasche blubbert“. Ich verkrümel mich dann meistens in meine kreative Werkstatt, damit sie sich auf sich konzentrieren kann, weil ich, wenn ich dabei bin, sie ständig humorvoll ablenke.

Anfang Oktober waren wir auf der Gendertreff Messe. Sie ging von einem Vortrag in den nächsten und das markanteste Ergebnis war, dass sie sich nun doch auch eine Klinik in München anschaut. Bisher ging sie davon aus, sich in Essen operieren zu lassen. In 10 Tagen sind wir auf dem Weg in die Klinik nach München. Im Januar dann das Vorgespräch in Essen.

Am vorigen Wochenende waren wir auf dem Geburtstag von Denies‘ Tante. Sie wünschte sich von mir eine Geburtstagstorte und wir tranken mit anderen Verwandten bei ihr Kaffee, gingen später zusammen essen. Die Verwandten wussten über Denies Bescheid und nur einer hatte eine Bemerkung über Denies ihre Pumps auf Lager. Da schwanke ich noch, ob es Unsicherheit oder ein Macho-Ding war.
Ich kam beim Abendessen mit Denies‘ Onkel etwas ins Gespräch, denn Onkel und Tante sind bisher die einzigen gewesen, die mit ihrer Transition nicht so gut umgehen konnten/können. Ihr Onkel sagte ganz klar, dass er es vom Verstand her nicht fassen kann. Das ist etwas, das ich sehr gut verstehe. Würde ich es allein vom Verstand her angehen, dann käme ich damit auch nicht klar. Genauso wundern sie sich, wie ich mit all dem klar komme. Ja, auch wieder verständlich, doch als das Thema für uns nun einmal da war, kam ich nicht auf die Idee, den Weg nicht mit ihr gehen zu wollen/können. Nein, damals wusste ich nicht, worauf ich mich wirklich einließ, doch das, was kam, hat nichts am Weg oder an der Gemeinsamkeit verändert.

Denies sagt manchmal: ich finde es erstaunlich, wie du mit mir umgehen kannst und das mit lebst.
Darauf antworte ich ihr: ich auch.

Wir gehen zwar bisher unseren gemeinsamen Weg unabhängig von ihrer Transition, jedoch wissen wir nicht, was uns die Zukunft bringt. Deswegen haben wir beschlossen, wenn wir wirklich auch nach der verheilten GaOp einander weiter so bejahen wie jetzt, dass wir uns noch einmal ein Eheversprechen geben und wollen noch einmal in einer schönen, wahrscheinlich keltischen Zeremonie, heiraten.

Viele Grüße,
Ulla

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Hallo Welt, 18.08.2017

Autorin: Drachenfrau



„Ich nehme das als Anlass und wage einmal, die provokative Frage zu stellen, warum wir unser Dasein so oft als Belastung für uns und Andere empfinden und darstellen? Die ständige Betonung negativer Aspekte zieht uns doch auch herunter. Oder irre ich mich da?

Als junger Mensch empfand ich mich als eine Belastung für meine Familie, denn das war das, was sie mir vermittelten, dass ich es ihnen schwer mache, sie belaste. Für mich war das enorm schlimm, denn ich fühlte mich schlecht und mies, wollte ich doch so gerne in Harmonie mit meiner Familie leben und dass ich geliebt und anerkannt bin. Mittelmäßig schaffte ich das nur, wenn ich mich selbst verleugnete und funktionierte so wie sie es wollten. Dies bewirkte jedoch in mir tiefe Leere, Einsamkeit und die Frage nach dem Sinn des Lebens, denn ich fühlte mich schrecklich. In der Welt gab es so viel zu entdecken und das wurde familiär abgetan als überflüssig, neumodischer Kram, unnötig – oder oder oder – als würde man einem Menschen die Luft zum Atmen nehmen und einem Adler die Schwingen abschlagen. Ich fühlte mich als eine Belastung für meine Familie, sah die Last im Spiegel, wenn ich mich anschaute und war verzweifelt, auf der Suche – lange Zeit auf der Suche nach mir selbst.

So wie mir geht es vielen Menschen und sie haben noch nicht einmal das Thema Trans*.

Irgendwann war mir klar, dass egal was ich tue, ich es meiner Familie wohl nie recht machen könne und dass ich selbst wohl am allermeisten auf der Strecke bleiben würde. Also begab ich mich auf eine Reise zu mir selbst, folgte den Spuren der Suche. Die Reise war geprägt von Versuch und Irrtum, aber auch von kleinen Schritten, die mir dann doch langsam aber sicher den Weg zu mir selbst zeigten.
Was es mir einbrachte, war und ist ein großer Konflikt mit meiner Familie. Meine zweite Ehe blieb auf der Strecke, doch um gesund zu bleiben (nach einer schweren Chronical Fatique Syndrome Krise) hatte ich keine andere Wahl als mein Verhalten und mein Denken, dauerhaft zu verändern. Es tat mir schrecklich weh, dass dieser wunderbare Mensch, den ich heiratete nicht mit meiner Entwicklung mitging, doch der Adler konnte nicht am Boden leben und der Igel konnte nicht fliegen lernen. Wir haben uns also getrennt, doch es war eine gute Trennung und ich wünsche ihm alles Glück und Segen auf der Welt.
Was macht uns also zu einer Belastung? Dass wir nicht den Erwartungen anderer entsprechen können?

Anders gefragt: wie sollen wir mit all unseren Talenten und Fähigkeiten die Welt und unsere Mitmenschen bereichern, wenn wir nicht so leben dürfen, wie wir sind? Wie soll die Welt von uns profitieren, wenn wir nicht unser Potential entfalten dürfen, das uns ausmacht und mit dessen Schwingen, wir das Leben für uns und andere Menschen aufblühen lassen?

Ist es rücksichtslos, egoistisch, dass man sein Leben lebt? Ich finde nein. Die Frage ist, wie man mit den Menschen umgeht. Mit meinem damaligen Mann habe ich geredet und ihn eingeladen, doch meinen Weg nach zu vollziehen und mitzugehen. Er konnte es nicht. Als ich dann nach etwa 2 Jahren spürte, dass es nicht anders ging, als sich zu trennen, fragte er, was er tun könne, um unsere Ehe zu retten. Ich antwortete: nichts.
Sicher hätte es etwas gegeben, doch die Zeit davor konnte er es nicht und etwas wollte ich absolut gar nicht: dass er sich für mich verbiegen würde, dass er jetzt anfangen würde, sich mir zu liebe zu verändern oder etwas zu tun, das ihm missfiel bevor das Thema Trennung aufkam. Denn, er hätte nie sein Leben gelebt, sondern nur versucht, meinen Erwartungen gerecht zu werden. Er wollte die Frau wiederhaben, die ich vor der gesundheitlichen Krise war, doch diese konnte es nicht mehr geben. Hätte ich mich wieder wie vorher verhalten, wäre ich wieder krank geworden. Wir haben unsere Beziehung im Guten geklärt, doch für ihn begann wieder eine schwere Zeit und ich musste Schuldgefühle mir ansehen und bereinigen. Er hat sich nach der Trennung in die passende Richtung für ihn weiterentwickelt und ich in meine. Wir können uns heute freundlich begegnen. Heute weiß ich auch, dass es für uns beide richtig war, dass ich ging, auch wenn es für ihn schwer war. Denn durch die Trennung ging er schließlich weiter vorwärts und bekam selbst die Chance, die Segel des Lebens neu zu setzen, sich in vielerlei Hinsicht noch einmal zu verändern (auch beruflich).

Nach der Trennung begann in meinem Leben langsam ein Aufschwung und ich würde heute nicht dort sein, wo ich jetzt bin, ohne diese Entscheidung – aber auch nicht ohne diese gemachte Erfahrung und viele Erkenntnisse daraus. War es jetzt rücksichtslos und egoistisch, dass ich gesund bleiben wollte, anstatt eine Beziehung aufrecht zu erhalten?

2 Jahre später traf ich Dee. Als sich letztes Jahr Denies immer mehr verdeutlichte, brauchte ich noch die Brücke, dass ich ihr den Kosenamen Dee gab, eine Mischung aus Detlef und Denies für mich.
Ihre Verwandten waren um diese Brücke sehr froh und Denies mag den Kosenamen Dee auch behalten. Schon sehr früh sagte ich, dass es den Mann für mich nicht mehr gibt und nur noch die Frau für mich erkennbar ist. Inzwischen kann ich das auch etwas besser benennen. Denn….
……. ich habe nie einen Mann kennengelernt und war nie mit einem Mann zusammen und war nie in einen Mann verliebt – sondern in eine Frau, die die Rolle eines Mannes spielte und äußerlich die Illusion eines Männerkörpers zeigte.

Ganz klar sehe ich rückblickend, dass ich zwar emotional (auf die Beziehung gesehen) den schwereren Part zu bewältigen habe, dadurch dass ich Denies ganz und gar von Anfang an bejahte und auch nie Grenzen setzte und setze – doch wie viel schwerer ist es in einem falschen Körper gefangen zu sein und nicht leben zu können, was darüber hinaus möglich ist? Egal, wie ich es hätte drehen und wenden wollen, dass sie sich als Frau anfangs gut fühlte und es „brauchte“, daran hätte ich nichts ändern können oder wollen, weil ich ja um meinen eigenen Weg wusste. Als sie mir dann im September letztes Jahr sagte, dass sie eine Frau ist gefangen im Körper eines Mannes, wie hätte ich da Grenzen setzen können? Da gibt es keine Möglichkeit mehr dazu, denn jede Grenze hätte für sie eine Form von Unterdrückung und Selbstverleugnung bedeutet. Das unvermeidliche wäre nur hinaus gezögert gewesen. Mein Ausdruck hierfür ist Leidverschiebung. Jeder Kompromiss, den sie für mich eingegangen wäre, wäre faul gewesen.

Was war also seitdem mit mir?

Ja, ich habe getrauert und mir war klar, dass ich die Illusion des Mannes loslassen musste. Geholfen hat es, dass ich mir psychologische Begleitung suchte, denn eine außenstehende Person sieht die blinden Flecken, denen wir selbst zu nahe sind, als dass wir sie erkennen könnten. Vorbei ist es noch nicht, es gibt immer noch Herausforderungen, doch ich stelle mich ihnen. Geholfen hat es, dass Denies und ich miteinander sprechen können. Immer wieder stellen wir fest, wir reden viel miteinander – und es könnte immer mehr und besser sein.

Geholfen hat, zu sehen, welchen eigenen Themen von mir möchte ich ausweichen und projiziere sie so auf sie – doch sie hat damit nichts zu tun. Denies war nicht immer und jederzeit bewusst, welche eigene Verwandlung ich durchschritt und noch durchschreite, doch wenn es ihr dann klar wurde, erkannte/erkennt sie auch die Tragweite für mich und konnte mir dann auch wieder leichter Raum geben für mich, damit ich Balance finden konnte/kann.

So sehr das eigene Leben aufzuräumen, kann einen schon an Grenzen bringen, doch so sehr ich nach Alternativen suche – ich finde keine.

Der Drache beendet hier mal den Beitrag, denn er ist so lang geworden.

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