Meine erste Arbeitswoche

Autorin: Stefanie1268 aus dem Gendertreff-Forum

Transidentität und Arbeitsplatz – Die positiven Erfahrungen im beruflichen Umfeld häufen sich. Hier berichtet Stefanie aus dem Gendertreff Forum über ihre erste Arbeitswoche im Wunschgeschlecht.

Hallo zusammen,

nachdem hier schon einige über ihre Umstellung im Job berichtet haben, möchte ich mich da nun anschliessen.

Nach meinem letzten Eintrag, wo ich um Meinungen darum gebeten hatte, ob ich den Schritt im Büro gehen sollte, war es nun am 01.07. soweit. Mein erster Tag im Büro als Stefanie.

Ich hatte mir vorher schon Sorgen gemacht, ich wäre an dem Tag oder Abend vorher ein nervöses Wrack, aber das passierte nun gar nicht. Ich war nur in der Vorwoche mal für ca. 5 Minuten etwas nervös, als ich an den ersten Tag dachte. Danach war es nur noch eine leichte Anspannung (die aber je näher der Tag rückte auch immer mehr nachließ) und ansonsten Vorfreude und etwas Neugierde, ob alles klappen würde.
Am 30.06. hatte ich dann passenderweise noch meine Typberatung beim ‚Engel‘ und habe dort wirklich eine Menge an Infos bekommen. Die sollten mir helfen, in Zukunft zumindest nicht komplett in die falsche Farbkiste zu greifen.

So war ich dann bestens gerüstet für den ersten Arbeitstag als Stefanie. Ich hatte am Freitag vor meinem grossen Tag mit einer Mail an die wichtigsten Kollegen schon mal die entsprechende Information rumgeschickt, so dass der allergrösste Teil entsprechend vorinfomiert war. An der Stelle muss ich sagen, dass ich mir dazu keine Infos von anderen geholt hatte, wie die es geschrieben haben, sondern einfach irgendwann innerhalb von ca. 10 Minuten den Text so wie er mir in dem Moment richtig erschien runtergetippt hatte. Mit ein wenig Stolz muss ich sagen, dass er sehr gut angekommen ist.

Ich habe dann am Montagmorgen wie üblich meinen ersten Gang in unsere Kantine gemacht, um mir mein Frühstück zu holen. Jetzt ist es um die Zeit wenn ich anfange in der Kantine noch recht leer, so dass dies keine echte Hürde darstellte. Erstaunlich fand ich es nur, dass mich die Kantinencrew wirklich nicht zu erkennen schien. Erst war es nur ein rein subjektiver Eindruck, wurde aber durch 2 weitere Erlebnisse der ersten Woche deutlich bestätigt.

Im Büro angekommen wurde ich dann von einer netten Kollegin begrüsst die mir zum Einstieg einen Energiedrink Marke ‚Shopping Power‘ und dem Aufdruck ‚Tussi on Tour‘ überreichte. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich mich schon in den Wochen vorher ausführlich mit dieser Kollegin unterhalten hatte, da sie von dem Thema an sich recht fasziniert war. Mir bot sich damit die perfekte Gelegenheit über mein aktuelles Lieblingsthema zu reden und in ihr hatte ich die perfekte Zuhörerin.

Der Rest des ersten Tages verlief eigentlich recht normal, fast so wie ein ganz normaler Arbeitstag. Ich hatte ein paar Meetings, die aber wie auch an den weiteren Tagen rein beruflich abliefen.

Ansonsten habe ich am ersten Tag auch noch etwas hinter mich gebracht (eine echte Chance hatte ich eh nicht das zu vermeiden) was mir mit am meisten Sorgen gemacht hatte, ich habe das Damenklo benutzt. Jetzt mag es für die ein oder andere ein wenig unverständlich sein, warum man gerade vor so einer Kleinigkeit ja fast schon Angst hat, aber wenn man sich immer selber eingeredet hat, dass man auf dem Damenklo nichts verloren hat, war es für mich halt ein grosser Schritt. Aber spätestens nach dem ersten Mal, als ich dann beim Händewaschen in den Spiegel schaute, war mir klar, dass ich ab sofort auf dem Herrenklo nichts mehr verloren hatte.

Ach ja, ich hatte ja solche Bedenken wegen meiner Stimme. Ja, die Stimme ist nicht so, wie ich es mir wünschen würde, aber sie wird akzeptiert und ich bin ja auch noch dabei mit Logopädie da noch was zu ändern. Bzgl. Logopädie kann ich nur sagen, wer keinen Arzt (HNO oder andere) kennt und hat, der sich mit Transsexualität auskennt, wird es schwer haben, die nötige Heilmittelverordnung zu bekommen. Ich bin letztendlich bei 4 verschiedenen Ärzten vorstellig geworden (Hausarzt, Psychologin, HNO) und erst beim HNO der mir von meiner Logopädin empfohlen wurde, bekam ich sie dann. Alle anderen fühlten sich entweder nicht zuständig dafür oder wollten sie schlicht und einfach nicht ausstellen. Sollte jemand also eine gute HNO Adresse dafür in Düsseldorf suchen, ich könnte da jemanden empfehlen.

Der Rest der ersten Arbeitswoche brachte eigentlich nur noch eine Erkenntnis: Es kann passieren, dass einen selbst Leute die einen schon länger kennen, auf einmal nicht mehr auf Anhieb erkennen. So passiert mit einem Kollegen, mit dem ich zum Frühstück verabredet war und einer Kollegin, mit der ich mich zum Mittagessen getroffen habe. Beide waren nicht wirklich weit von mir entfernt, haben aber erst einmal an mir vorbeigeschaut (und das nicht weil ich so klein bin). Erst als ich mich dann fast direkt vor sie stellte, haben sie mich dann doch erkannt.

Ebenso sitzen auf dem Gang, wo ich mein Büro habe, auch einige Leute, die nicht in dem Mailverteiler meiner Infomail waren. Ich denke, einige werden wohl auch glauben, dass einfach eine neue Kollegin angefangen hat. In einer Zeit wo eine nicht ganz kleine Umstrukturierung bei uns läuft kein wirklich ungewöhnlicher Gedanke.

So langsam merke ich aber auch, dass sich bei einigen Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit mir auch etwas verändert. Ich meine nicht, dass sich jemand distanziert (aber auch das ist zumindest in einem Fall so), sondern dass man tatsächlich anders behandelt wird. Einige Frauen werden offener, einige Männer nehmen meine Meinung nicht mehr so an wie vorher. Ich hatte schon von letzterem gelesen, aber dass ich das schon in der ersten Woche mitbekomme ist schon erstaunlich. Es ist aber nicht so, als würde mich das wirklich stören. Solange man meine Arbeit letztendlich anerkennt, sehe ich diese Verhaltensänderung schon eher als Bonus an, weil sie mir sagt, dass man mich so akzeptiert, wie ich bin.

Bisher also alles in allem ein sehr harmonischer Anfang. Nächste Woche steht mir noch eine Hürde bevor, nämlich das erste Training, das ich halten muss. Ich denke, da werde ich dann doch noch mal etwas unruhiger werden, aber auch das werde ich meistern. Ich würde mir wünschen, dass es allen bei diesem Schritt so einfach gemacht würde wie mir. Ach ja, einen Haken gibt es noch: Unsere Admins haben es bisher noch nicht geschafft mir zumindest einen Mailaccount unter Stefanie anzulegen. Aber ich habe auch schon von Kolleginnen die ‚nur‘ geheiratet haben gehört, dass das ggfs. auch ein paar Wochen gedauert hat. Aktuell kann ich aber nur sagen, das ist für mich eine reine Nebensache. Dass ich mich nun nicht mehr verstellen muss und ganz ich selber sein darf, macht das mehr als wett.

Liebe Grüsse

Stefanie

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Geschafft!

Transidentität und Arbeitsplatz – kein ganz leichtes Thema. Denn hier geht es schließlich um die Existenz. Zum Glück gibt es immer mehr positive Beispiele, dass sich beides verbinden lässt. Hier berichtet Brigitte aus dem Gendertreff Forum über ihren Weg in das Berufsleben.

Die folgenden Einträge wurden aus Brigittes Beiträgen im Gendertreff Forum entnommen.

Geschafft (1)

Hallo zusammen,

jetzt ging alles ganz schnell. Ich habe jetzt zwei Wochen Urlaub und ab 10.06. geht Brigitte zur Arbeit. Die reine Freude.

Gruß Brigitte

Kurze Zeit später:

Geschafft (2)

Hallo Mädels,

ich hatte einen Bericht versprochen.

Im Januar hatte ich mich meinem Chef, den ich seit 12 Jahren kenne, anvertraut. Zuerst geschockt, dann zugehört und am Ende verstanden. Kurz darauf bin ich zu meiner Betriebsrätin. Sie hat mit einem Lächeln zugehört und mich dann gefragt, ob ich mich nicht wundere, dass sie es so leicht nimmt. Ich sagte, dass ich mich wundere.

Darauf sagte sie, dass sie eine Cousine hat, die vor 12 Jahren noch ihr Cousin war. Dann wurden Pläne gemacht, wie wir weiter vorgehen. Zunächst haben wir meinen Abteilungsleiter informiert. Geplant war, an einem Mittwoch den Vorstand durch die Betriebsrätin unter vier Augen zu informieren. Dann sollte am Freitag ein Gespräch mit der nächsten Ebene stattfinden (Personalchef etc.). Der Vorstand sagte: „So ein Quatsch, die Kollegen informieren und gut ist es.“

Also wurden die Kollegen zusammen gerufen. Am Ende meines Vortrags wurde mir stehend applaudiert und ich wurde in den Arm genommen. Zwei Tage später hatte ich meinen neuen Dienstausweis.

Gruß Brigitte

Und wieder etwas später:

Geschafft (3)

Hallo Mädels,

falls es jemanden interessiert: Ich habe nun eine Woche Arbeit im Außendienst ohne Probleme hinter mich gebracht. Das einzige Unangenehme war: Mir ist ein Nagel abgebrochen. Und seit Montag bekomme ich meine Hormone. Was will ich mehr?

Lieben Gruß Brigitte

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E-Mail vom Chef – Transition am Arbeitsplatz

Manchmal ist es mit dem Thema Transition am Arbeitsplatz einfacher, als man denkt. Hanna aus dem Gendertreff Forum berichtet von ihrer Transition im beruflichen Umfeld.

Liebe Freundinnen,

ich kam vor ca. 1,5 Jahren recht schüchtern zum Gendertreff, als Mann, unter meinen weiten Sachen Strumpfhose, Rock, BH etc. verborgen, so wie mein Leben bis dahin. Mit euch habe ich gelernt, laufen zu lernen und heute stehe ich noch lange nicht am Ende meines Weges, habe aber schon so einige Hürden genommen. Von einer großen Hürde, dem Outing in meiner Firma, möchte ich euch kurz berichten.

Am besten kopiere ich euch einfach den Text, den meine Chefs über mich geschrieben haben. Die untere spätere Mail hat einen potentiellen Empfängerkreis von ca. 2000 Leuten, ich arbeite in einer Firma mit ca. 4000. Mein Chef sagte danach „Jetzt bist du berühmt“. Ich kann dem nicht viel hinzufügen. Am Abend nach diesen Mails habe ich vor Glück geheult und ich brauche diesen Worten nichts hinzuzufügen:

eure Hanna

(Ich werde in der Mail noch als Holger bezeichnet, gehe aktuell noch als Mann „verkleidet“ ins Büro, TTC ist meine Abteilung.)

********

From: M.,
Sent: Monday, June 24, 2013 10:29 AM
To: xxxxx approx 80 people Subject: Diversity @ TTC

Liebe Kollegen.

Dies hier ist sicherlich eine ungewöhnliche und nicht alltägliche Mail, aber ich freue mich, diese schreiben zu dürfen.

Ein Teil unserer Kultur des Unternehmens ist Vielfalt oder, um den Trendnamen zu nutzen, „Diversity“.
Für uns im Team ist das nichts Neues, wir arbeiten bereits überregional und auch global zusammen und das nicht einfach so, sondern wir sind ein echtes Team.
Wir sind so bunt wie die Gesellschaft und wir profitieren von unterschiedlichen Sichtweisen und persönlichen Hintergründen.
Die Kultur im Team, der Abteilung und letztendlich im Unternehmen wird geprägt durch unsere Vielfalt.
Akzeptanz und Toleranz sind Elemente, aber letztlich ist so etwas nur mit Wertschätzung erreichbar. Wertschätzung kommt nicht nur von der Führungskraft (oder sollte kommen 😉 ), sondern von untereinander gelebter Wertschätzung.

Um wertschätzend miteinander umgehen zu können, brauchen wir ein Umfeld, in dem sich niemand verstellen muss. Ein Umfeld, in dem wir so sein dürfen wie wir sind.
Niemand sollte seine Energie verschwenden, sich an ein wie auch immer geartetes Ideal anpassen zu müssen.

Daher bin ich froh, dass Holger H. mir über seine Transidentität (besser bekannt als Transsexualität) und die damit verbundenen Schritte berichtet hat und bewundere seinen Mut.
Ganz normal ist, dass jeder von uns eine sexuelle Orientierung und eine Geschlechter-Identität besitzt, so individuell wie der Mensch an sich.
Außergewöhnlich ist es aber (leider) immer noch, über Themen zu sprechen, die vermeintlich von einer / der gesellschaftlichen Norm abweichen.

Dazu möchte ich hier ganz klar Position beziehen!

Holger H. hat bereits damit begonnen, sich über einen längeren Zeitraum geschlechtsangleichenden Maßnahmen zu unterziehen.
Er wird dadurch auch nach außen in der Identität als Frau leben können, die ihn bereits sein ganzes Leben innerlich prägt.
Ich finde es sehr gut und einen Vertrauensbeweis, dass Holger den Mut hat, dies mit uns zu teilen.
Ich stehe uneingeschränkt hinter Holger und werde ihn in jeder Hinsicht unterstützen. Das Gleiche erwarte ich von jedem/jeder KollegIn im Team.
Selbstverständlich dürft ihr ihn bis auf weiteres mit Holger und in der männlichen Anrede ansprechen, die weibliche Form mit Hanna ist noch nicht notwendig, aber durchaus möglich.

Warum kommuniziere ich dies via Mail?
Ich wollte jedem von euch die Gelegenheit geben, diesen Schritt in Ruhe persönlich zu reflektieren.
Ich hoffe, dass ihr gemäß des rheinischen Brauchtums „jeder Jeck is anners“, mit Neugier und Aufgeschlossenheit auf Holger zugehen könnt.
Die Mail soll also kein Mittel versteckter und anonymer Kommunikation sein und bleiben, genauso wie das Thema an sich kein Tabu bleiben sollte.
Holger und ich würden uns freuen, wenn ihr das offene Gespräch sucht und ihr euch / wir uns mit Interesse auf die Veränderung einstellen.

Ich kenne euch alle gut und bin mir sicher, dass es nicht erforderlich ist, aber eines möchte ich dennoch ganz klar zum Ausdruck bringen:
Ich werde keinerlei Ausgrenzung, Diskriminierung, Ironie, Ignoranz, Tuschelei o. ä. dulden.
Am Mut von Holger sollte sich jeder ein Beispiel nehmen!

Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern sich aktiv mit den Unterschieden der Menschen beschäftigen führt zu einer Erweiterung des persönlichen Horizonts und Flexibilität im Denken.

Mit diesen letzten Sätzen möchte ich nicht nur die Mail beenden, sondern auch den virtuellen Kommunikations-Pfad verlassen.
Geht auf Holger zu, sucht das Gespräch.
Aber vielleicht braucht ihr auch zuerst einen anderen Ansprechpartner. Ein Jeder kann sich gerne vertraulich an mich oder auch an Gerda K, unsere Diversity Beauftragte, wenden.

Gruß M.

********

From: xxxx, S,
Sent: Monday, June 24, 2013 16:58 AM
“
To: xxxxx approx 90 to 2000 people Subject: Diversity @ TTC

I buried my best friend on Saturday; he taught me the importance of living life to the fullest. I admire and applaud your bravery, Holger, to do what is right for you to get fulfilment in your life and I echo the sentiments that Meinolf has eloquently expressed below. We’re here to support you and I wish you luck and happiness as you undertake this challenging and rewarding journey.

I can only imagine the anguish you’ve gone through before you reached the point where you were ready to overcome your anxiety and what is right for you. There are many people who become entrenched in their lifestyles, ways of working, etc. You see the need to change and you are making it happen – good for you! My wish is that you get tremendous support from those around you. Should you find anybody who be unsupportive or make you feel in any way uncomfortable, please remember two things:

  • Should anyone have their own issues or prejudices that they project that on you, shame on them and you should never feel diminished by them – for each of them, there are multiple people who feel inspired by you
  • Should anyone in the workplace treat you with less than 100% respect, I genuinely want to know about it. I want you to feel absolutely comfortable within your work community, and you have my word that I will give not tolerate anything that threatens this

That said, I believe that people are understanding and caring, and I expect you to be well supported through your transition and beyond, and safe / comfortable / happy in your working life.

S.

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Dieses süße Mädchen (6) ist ein Junge

Quelle: Bild.de

25.06.2013 – 16:05 Uhr
Denver (USA) – Es klingt zunächst banal, wofür die Eltern von Coy Mathis (6) seit Monaten kämpfen und nun vor Gericht Recht bekamen:
Der Ex-Marine Jeremy Mathis und sein Frau Kathryn wollten, dass ihre Tochter in der Schule auf die Mädchentoilette darf. Die Schulleitung hatte es der Erstklässlerin untersagt – weil sie ein Junge ist.

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>> Bild.de

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Gestatten, Herr Professorin!

Uni Leipzig macht Männer zu Frauen.

Quelle: www.express.de
Von NASTASIA SCHIWEG

Leipzig: In Leipzig sind jetzt alle gleich, nämlich Frauen. Professoren gibt’s nicht mehr, nur noch Professorinnen, gemeint bleiben damit natürlich auch noch die männlichen Akademiker, die jedoch nur noch in einer Fußnote erwähnt werden.

Ein großes Ärgernis waren die Schrägstriche, in denen die Dozenten/innen gleichberechtigt erwähnt werden mussten. Die Lesbarkeit sollte verbessert werden, und dank des Rektorats…

Mehr lesen …

>> Bericht in express.de

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Der erste Termin beim Endokrinologen.

Marinas Bericht ihres ersten Endokrinologentermins:

Nachdem bei mir alle Rahmenbedingungen, die ich mir mal gesetzt hatte endlich erfüllt sind, konnte ich den nächsten Schritt auf meiner Reise zur Frau angehen.

All die Probleme, sowohl mit meiner Familie als auch mit meiner Arbeit sind ja nun gelöst bzw. geregelt. Also sprach ich bei der vorletzten Therapiesitzung meine Therapeutin auf angleichende Maßnahmen, sprich die Hormontherapie an.

Im Vorfeld hatte ich mich bei den verschiedenen Endokrinologen in NRW nach den momentanen Wartezeiten erkundigt. Diese waren alle im Bereich von 6-9 Monaten.

Da es mir gut, sogar sehr gut geht, meinte meine Therapeutin, ich könne mir ja jetzt schon einmal einen konkreten Termin einholen. Also habe ich wieder alle Endokrinologen in NRW abtelefoniert. Der Arzt in Mönchengladbach hatte einen Termin im September für mich, die Ärzte in Düsseldorf und Krefeld jeweils im August, die Ärztin in Duisburg im Juli. Dann rief ich in Essen an, dort sagte man mir 23.05.2013 um 11:15 Uhr. Diesen Termin habe ich natürlich mit Kusshand genommen.

Die Zeit verging… am 17.05, hatte ich wieder eine Therapiesitzung. Bei dieser Sitzung hat mir meine Therapeutin einen Arztbrief (die sogenannte Indikation) und eine Überweisung zum Endokrinologen ausgestellt. Am Vorabend des 23.05. habe ich zusätzlich eine Medikamentenliste erstellt. Aber nicht mit den Handelsnamen der Medikamente, sondern mit deren Wirkstoff und Dosierung. Da noch Platz war auf der Liste, habe ich darunter noch alle meine bekannten Vorerkrankungen und OPs aufgeführt.

Am 23.05. war es nun so weit. Ich fuhr nach Essen, parkte in einem Parkhaus in der Innenstadt und lief die paar Meter bis zu dem Gebäude. Es ist eine riesige Baustelle. Ich hatte schon Angst, dass sich die Praxis gar nicht mehr dort befindet, denn es sah nicht gerade danach aus, als ob das Gebäude noch bewohnt ist. Also rief ich vorsichtshalber die mir bekannte Nummer an. Die Assistentin am Telefon versicherte mir jedoch, dass sich die Praxis durchaus noch im 6. Stock befindet. Um da hin zu kommen musste ich jedoch einmal um das Gebäude herum laufen, bis zu einer Lücke im Bauzaun, die den Zugang zum Fahrstuhl bildet. Ab in den 6. Stock und angemeldet.

Ich gab also meine Papiere ab, füllte einen Fragebogen aus und begab mich dann in den Wartebereich. Das eigentliche Wartezimmer war wegen der Umbauarbeiten derzeit unbenutzbar.

Man hatte mich im Vorfeld gewarnt, dass dieser Arzt mitunter schwierig sein soll. Deshalb war ich schon ein bisschen nervös, als ich da so gewartet habe. Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil es ein wichtiger aber auch einschneidender Schritt in meinem Leben ist. Ich habe mir eigentlich immer Kinder gewünscht. Wirken die Hormone erst einmal voll, dann ist es damit ein für alle Mal vorbei. Andererseits denke ich, dass ich mit meinen über 40 Jahren dafür schon zu alt bin. Würde jetzt ein Kind geboren, dann würde ich in Rente gehen, wenn es mal das Haus endgültig verlässt. So schwer es auch ist, der Zug ist für mich abgefahren. Aber vielleicht habe ich ja eines Tages noch Neffen oder Nichten durch meinen jüngeren Bruder, die ich dann hoffentlich verwöhnen kann.

Um 12:30 Uhr wurde ich aufgerufen. Stilecht mit Frau H., auch wenn auf meiner Krankenkassenkarte noch immer Herr H. steht.

Der Arzt fragte mich, weswegen ich denn zu ihm gekommen bin, was ich mit meiner Transidentität beantwortete. Dann las er sich den Arztbrief durch und schaute sich die Überweisung und meine Medikamentenliste an. Er sagte mir, dass ich mich da ja gründlich vorbereitet habe, denn viele andere kämen ganz ohne bzw. mit unvollständigen Unterlagen.

Er fragte mich, wann das Ganze mit der Transidentität denn so bei mir angefangen hat, und wie sich das im Laufe der Jahre entwickelt hat. Also gab ich eine Kurzfassung meines Lebenslaufs zum Besten. Noch besser wäre es vielleicht gewesen, wenn ich auch das schriftlich gemacht hätte, aber meine Erzählung war wohl auch so ausreichend. Er machte sich viele Notizen dabei.

Dann ging er meine Liste der Medikamente und Vorerkrankungen durch. Die Medikamente und deren Dosierung sind wohl soweit OK. Er machte dabei Markierungen auf dem Laufzettel fürs Labor.

Dann begann er mit einem kurzen Vortrag über die Hormontherapie. Es gibt wohl eine sehr wenig abgesicherte Studie der american society of endocrinology in der folgende Dosierungsempfehlungen gegeben werden: 4-10 mg Estradiol und 50-100 mg Cyproteronacetat. Die erste Zahl (4-10 mg Estradiol) erschien mir durchaus als gut und glaubwürdig, aber als er die Cyproteronacetat-Dosierung (auch bekannt als Androcur) nannte, da konnte ich mir einen spontanen Ausruf des negativen Erstaunens nicht verkneifen. In etwa so, als hätte ich gerade eine Faust in den Magen bekommen. Letztlich ist das auch sinngemäß so, denn 50-100 mg ist eine wirklich sehr extreme, viel zu hohe Dosierung. Meine Reaktion fand er aber gut und meinte: „Das war die richtige Reaktion.“

Im weiteren Gespräch habe ich dem Arzt gesagt, dass ich mich schon vor längerer Zeit dazu entschlossen habe, gar keine Blocker zu nehmen. Auch diese Entscheidung fand er gut.

Er sagte mir dann, dass er mir für den Anfang 4 mg Östrogen verschreibt. Ich soll jedoch darauf achten, ob sich Anzeichen von Thrombosen zeigen. Wenn ja, dann soll ich sofort zum Hausarzt gehen. Als nächstes schaute er sich meine Brust an und stellte fest, dass ich (neben der Fettbrust) durchaus schon ein wenig Brustgewebe habe.

Wegen der Thrombosegefahr schaute er sich noch meine Beine an, aber außer ein paar kleinen Besenreißern habe ich keine Krampfadern. Jedoch weiß ich, dass Krampfadern bei mir in der Familie häufig auftreten, also muss ich vorsichtig sein.

Zuletzt schaute er sich noch meine Hoden an, um deren Größe zu bestimmen und ich musste meine Perücke ablegen, da er sich noch den Haarwuchs ansehen wollte. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte verabschiedete sich der Arzt von mir und ich wurde zum Wartebereich des Labors geführt.

Nach ein paar Minuten wurde ich hinein gerufen. Die Assistentin nahm mir 4 größere Spritzen Blut ab. Dann legte sie das Blanko-Rezept in den Drucker ein und druckte mir mein erstes Rezept über 100 Stück Estradiolvalerat 2mg, von denen ich jeweils morgens und abends eine nehmen soll. Dann bekam ich noch einen weiteren Termin Ende September, und schon konnte ich gehen.

Von einem „schwierigen“ Arzt konnte ich nichts feststellen. Im Gegenteil, unser Termin und die Gespräche waren sehr angenehm für mich. Das lag aber sicherlich auch daran, dass ich von vorne herein klar gemacht habe, dass ich mich mit dem Thema Hormone schon im Vorfeld lange und intensiv beschäftigt habe und auch, dass ich mich entsprechend auf den Termin vorbereitet hatte.

Bei Estradiolvalerat handelt es sich nicht um reines Östrogen, sondern um den Valeriansäureester des Östrogen. Durch die zusätzliche Valeriansäure Gruppe wird das Östrogen einerseits leichter vom Körper aufgenommen, andererseits erreicht man damit einen gleichmäßigeren Hormonspiegel, weil diese Gruppe erst durch Enzyme abgespalten werden muss. Durch diese Seitengruppe entsprechen 4 mg Estradiolvalerat aber „nur“ 3,06 mg reinem Estradiol. Ich will mich aber gar nicht beschweren. Die meisten anderen haben mit 2 mg reinem Estradiol angefangen. Ich bin etwas kräftiger gebaut, von daher denke ich, dass diese effektiven 3 mg genau richtig sind für mich.

Heute ist nun der 5. Tag, an dem ich Hormone nehme. Spüre ich schon etwas? Und ob! Meine Brustwarzen sind erheblich berührungsempfindlicher geworden und ab und zu kribbelt und juckt es ein bisschen in diesem Bereich.

Ich freue mich schon auf die Wirkungen, die da noch kommen werden.

Alles in allem war es ein bedeutungsvoller und wichtiger Tag in meinem Leben. Und der verlief deshalb so gut weil ich einerseits mich gut vorbereitet, andererseits aber auch keinen Zweifel an meinem Willen gezeigt habe.

Allen Neuen noch ein paar Worte der Warnung: Die Hormonbehandlung kann niemals am Anfang des persönlichen Weges liegen (siehe hier). Bevor man damit anfängt kann ich nur dazu raten zuerst seine ganzen anderen Probleme in den Griff zu bekommen. Also sich selbst, die Familie, Freunde und die Arbeitsstelle. Diese 4 Komponenten muss man unbedingt mit auf die Reise nehmen. Und das braucht einfach seine Zeit. Bei mir hat das insgesamt 3½ Jahre gedauert. Und das war schon eine ziemlich schnelle Reise, so im Vergleich zu manch anderer, die ich kenne. Auf der anderen Seite mögen einem 3½ Jahre lang vorkommen, aber ich habe diese Zeit einfach gebraucht um mit mir und meinem Umfeld ins Reine zu kommen. Und deshalb war diese Zeit genau die richtige für mich.

Und so muss jede von uns, die den Weg bis hier oder noch weiter gehen will ihre eigene Geschwindigkeit finden. Mein Rat: Lasst euch Zeit…. es kommt nicht auf ein paar Monate oder sogar Jahre an. Es zählt letztlich nur eines: Glücklich und zufrieden zu sein.

Liebe Grüße
Marina

>> Ablaufplan

Kleines 1×1 der Hormone

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Podiumsdiskussion zum Thema Transidentität beim CSD Düsseldorf 2013

Das Rahmenprogramm des CSD Düsseldorf 2013 begann mit einer Diskusion zum Thema Transidentität auf der Bühne des CSD-Geländes. Xenia und Ava vom Gendertreff sowie Deborah Campbell und Band wurden interwiewt und gaben teils sehr persönliche Einblicke.

Das folgende Video zeigt die Diskussion in voller Länge. Lediglich das Video, das ursprünglich eingespielt werden sollte, haben wir herausgeschnitten, da die Technik nicht mitgespielt hat.


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Da das Video der Diskussion mit einer sehr einfachen Kamera aufgenommen wurde, ist die Bildqualität leider nicht ganz so berauschend. Aber hier kommt es ja auf die Aussagen und nicht auf die Kamerführung an.

Die Podiumsdiskussion auf YouTube ansehen

Nothing wrong with me

Fotos vom Gendertreff beim CSD-Düsseldorf 2013

Inhaltsverzeichnis

Fotos vom Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2013

Wie berichtet hat der Gendertreff auch 2013 wieder am CSD Düsseldorf teilgenommen. Nach der Teilnahme von Xenia und Ava an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Auftaktveranstaltung am Freitag waren wir am Samstag und am Sonntag mit unserem Informationsstand auf dem CSD-Gelände vertreten. Darüber hinaus haben wir am Sonntag an der Parade teilgenommen.

Hier ist ein Bild unseres Informationsstands mit der Stand-Besetzung vom Samstag zu sehen.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Bereits am Freitag ging es los. Leider spielte das Wetter nicht richtig mit und man sieht es an den Winterklamotten: Bei gerade einmal einstelligen Temperaturen gab es eine kurze Diskussion rund um das Thema Transidentität. Eigentlich sollte eine Videopremiere folgen, doch ebenso wie das Wetter spielte auch die Technik nicht richtig mit. So blieb es bei der Diskussion, bei der Xenia und Ava vom Gendertreff sowie Deborah Campbell Statements sowie teils sehr persönliche Einblicke zum Leben mit der Transidentität gaben. Deshalb war es schade, dass aufgrund der frostigen Temperaturen nur wenige Besucher anwesend waren.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Zum Glück jedoch hatte der Wettergott ein Einsehen, wie das folgende Bild vom Pfingstsonntag zeigt. Man soll nicht glauben, dass das Bild oben und das Bild unten vom gleichen Wochenende stammen. Doch offenbar ist Petrus transident und half mit stündlich besser werdendem Wetter, dass sich der CSD-Platz füllte. Und während wir am Freitag noch in Winterklamotten auf der Bühne standen, wurde am Sonntag das Sommerkleid aus dem Schrank geholt.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Doch bereits am Samstag wurde es nach verhaltenem Start noch richtig sonnig. Die Düsseldorfer Rheinuferpromenade füllte sich mit Menschen und der CSD-Platz wurde immer belebter. So führten wir am Samstag und am Sonntag viele Gespräche am Stand und verteilten fleißig unsere Flyer.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Am Sonntag hieß es dann: Aufbruch zur Parade. Aber natürlich blieb auch während der CSD-Parade der Gendertreff-Stand besetzt.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Die Parade des CSD Düsseldorf 2013 setzte sich am Graf-Adolf-Platz in Bewegung. Der Zug ging über die Königsallee …

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

… und durch die Düsseldorfer Altstadt. Wie man sieht, war es richtig voll und natürlich haben wir auch wieder jede Menge Flyer verteilt.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Die Parade dauerte über drei Stunden. Hier stehen wir vor dem Füchschen. Die Hausbrauerei ist eine Düsseldorfer Institution und natürlich war auch die ganze Ratinger Straße gut besucht. Kein Wunder, bei dem Wetter.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Dann ging es weiter zur Rheinuferpromenade. Hier sind wir sozusagen auf der Zielgeraden, denn am anderen Ende der Promenade befand sich das CSD-Gelände.

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Der Gendertreff wurde auf dem CSD-Platz vor der Bühne begrüßt und den Anwesenden vorgestellt.

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Wie man sieht, hatten wir am Samstag und auch am Sonntag bestes Wetter. So macht ein CSD richtig Spaß. Und Gendertreff-Ballons hatten wir auch. 🙂

CSD Düsseldorf Gendertreff 006

Am Sonntag Abend ging wieder einmal ein erfolgreicher CSD zuende. Der CSD Düsseldorf feierte übrigens sein 10-jähriges Bestehen. Im nächsten Jahr wird der Gendertreff 10 Jahre alt – und das werden wir bei hoffentlich ähnlich gutem Wetter auch beim CSD Düsseldorf 2014 feiern. 🙂

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Der Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2013

Düsseldorf, 17.05.2013 „Generations of Love“ – so lautet das Motto des diesjährigen CSD Düsseldorf. Auch der Gendertreff ist zum 10-jährigen Jubiläum des CSD mit einem Stand (Sa. und So.) und auf der Parade am Sonntag vertreten. Das Rahmenprogramm am Freitag beginnt mit einer Podiumsdiskussion über das Thema „Transidentität an der Deborah vom LSVD, sowie Ava und Xenia vom Gendertreff teilnehmen.

Für Transgender stellt das Thema Liebe und Partnerschaft häufig ein Konfliktpotential dar: Ist beispielsweise ein Mann-zu-Frau-Transgender ein heterosexueller Mann mit einer weiblichen Psyche oder eine lesbische Frau in einem Männerkörper? Begriffe wie „Homosexualität“ oder „Heterosexualität“ beziehen sich demnach auf ein bipolares Geschlechtsmodell, das für transidente Menschen gar nicht zutrifft. Auch die Akzeptanz der Transidentität in der Partnerschaft wirft mitunter Probleme auf.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Wunschgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Wunschgeschlecht ist deshalb im Transsexuellen Gesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff unter http://www.gendertreff.de eine große Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit den Selbsthilfegruppen Gendertreff Rheinland in Düsseldorf und Brauhaustreff Opladen in Leverkusen ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

Gruß
Gendertreff

CSD-Düsseldorf 2012

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Alltag…

Marina beschreibt ihren Alltag:

Alltag, das beschreibt es am besten. Alltag ist das was ich erreicht habe. Marina ist Alltag geworden. Es ist das was ich immer haben wollte und jetzt, da ich es habe fühlt es sich doch irgendwie komisch an. Dieses Gefühl etwas Besonderes zu tun, etwas Besonderes zu sein ist weg. Dafür hat sich ein anderes Gefühl breit gemacht. Ein Gefühl von tiefer innerer Zufriedenheit. Eine Zufriedenheit, die ich so noch niemals zuvor erlebt habe.

Aber Alltag bedeutet nicht, dass ich nichts Neues mehr erlebe. Und davon möchte ich jetzt berichten:

In den letzten drei Wochen war ich mehrmals wieder im Außendienst, um die Kunden an meine Kollegen zu übergeben. Dabei war ich auch mit Kollegen unterwegs, mit denen ich schon lange vorher zusammen gearbeitet habe. Diese Kollegen sagten mir beide sinngemäß, dass sie mich noch niemals zuvor so ruhig und gelassen erlebt haben. Diese tiefe innere Zufriedenheit strahlt auch nach außen und ist sichtbar für diejenigen, die mich auch anders kannten.

In dieser Woche war ich mit einem Kollegen bei einem großen Kunden in Burghausen in Südost-Bayern, direkt an der Grenze zu Österreich.
Wenn ich jetzt zu Kunden gehe, dann verkleide ich mich nicht mehr als Mann, aber ich binde es auch nicht jedem Kunden direkt auf die Nase. Ich gehe einfach so rein wie ich auch sonst arbeiten gehe. Wenn man mich darauf anspricht, dann erkläre ich gerne was es mit mir auf sich hat, wenn nicht, dann eben nicht.
Dieses Mal kam das Gespräch eher indirekt auf mich, aber egal, ich habe dem Kunden erklärt, dass ich Transgender bin und meinen Alltagstest begonnen habe. Wie immer hatte ich unseren Flyer dabei und bat darum den Erklärungsteil zu lesen. Das hat sehr großes Erstaunen ausgelöst, denn der Kunde hatte das große, bekannte Vorurteil „Transgender sind schwul“. Deshalb verwunderte ihn die Aussage in unserem Flyer:

„Entgegen der vorherrschenden Meinung hat eine Transidentität nichts mit der sexuellen Orientierung der betreffenden Person zu tun. Demzufolge sind die meisten Transgender heterosexuell“

Ich erklärte, dass dieser Irrtum leider weit verbreitet ist, weil er so auch durch die Medien propagiert wird; Stichwort „Olivia Jones“. Aber auch, das ich ein lebendes Beispiel bin, dass dies meistens nicht so ist. Der Kunde sagte mir, dass er das interessant findet und wieder etwas gelernt hat. Er wird sich mal auf unserer Plattform umsehen.

…. Tja, jedes bisschen Öffentlichkeitsarbeit zählt … und „steter Tropfen höhlt den Stein“ sagt der Volksmund. Das ist unser Prinzip: immer weiter machen, die Öffentlichkeit aufzuklären.

An dem Abend war ich alleine, der Kollege ist nach der Arbeit direkt nach Hause gefahren. Zuerst war ich in einem mongolisch/chinesisch/japanischen Restaurant essen. Da gibt es nichts zu berichten, außer, dass ich schon in besseren Restaurants dieser Art war. Das Essen war durchschnittlich, nicht schlecht aber auch nichts Besonderes.

Es war ein schöner milder Abend und ich hatte einfach keine Lust wieder alleine auf dem Hotelzimmer zu sitzen. Ich hatte gelesen, dass in Burghausen gerade Mai-Wiesn ist, also dachte ich mir, ich schau mal. Auf dem Weg dorthin kam ich an der Bar vorbei, in der ich mit dem Kollegen am Abend zuvor ein Bier getrunken habe. Von weitem konnte ich schon das Riesenrad sehen und die Musik schallte herüber. Und so stand ich einen Moment etwas unschlüssig da, denn eigentlich bin ich kein Fan von bierseeliger baiuwarischer Fröhlichkeit. Dann fiel mir ein, dass ich gelesen hatte, dass man besser einen Platz im Festzelt reservieren soll. Das hatte ich natürlich nicht getan, also entschied ich mich nicht zur „Wiesn“ zu gehen sondern hier zu bleiben.

Wie ich da so stehe spricht mich eine Frau an, die dort vor der Bar an einem der Tische sitzt. Sie sagte mir, dass es zur „Wiesn“ da lang geht und zeigte in die Richtung. Ich meinte, dass ich eben auch darüber nachgedacht habe, dorthin zu gehen, aber eigentlich lieber hier bleiben würde. Also suchte ich mir einen Tisch, etwas weiter weg von ihr und versuchte mich zu setzen. Leider passte ich nicht in die aufgestellten Korbstühle mit Armlehne. Da sagte die Frau, dass es ihrem Freund auch immer so gehen würde. Es gäbe aber auch ein paar Stühle ohne Armlehnen. Der nächste derartige Stuhl stand genau am Tisch neben ihr. Ich fragte, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich mich stattdessen eben dort hinsetzen würde, was sie verneinte.

Ich nahm die Getränkekarte und überlegte was ich denn wohl trinken könnte. Die Frau neben mir empfahl mir den Grünen Veltliner Weißwein und dazu eine Karaffe Wasser. Sie hatte genau das auf dem Tisch vor sich stehen. Also eine Weinschorle zum selbst mischen…. Gute Idee. Ich bestellte genau das. Und so kamen wir ins Gespräch. Wir redeten über alles Mögliche, zum Beispiel, dass sie aus Ost-Holstein kommt und schon 17x im Leben umgezogen ist. Ich erzählte ihr auch so dies und das, aber das Thema Transgender kam gar nicht auf. Zwischendurch kam die Kellnerin an unseren Tisch und wir drei Frauen haben angestoßen. Dabei erfuhr ich auch, dass die Frau am Nebentisch Ulrike heißt.

Nach ca. 2 Stunden kam noch ihr Freund dazu, der gerade von der Schicht kam. Und wir drei redeten und redeten und redeten…. Erst nachdem ich zwischendurch einmal zur Toilette gegangen war kam die „berühmte Frage“ auf, nämlich wie lange ich denn schon eine Frau wäre…. OK, also haben sie es doch gemerkt. Ulrike erklärte mir, dass sie mich schon gesehen hatte, wie ich die Straße entlang kam. Und als ich so unschlüssig vor der Bar stand, merkte sie, dass ich etwas Besonderes bin. Sie sagte mir, dass ich für sie von ersten Moment an ein ein Frau war, auch wenn ich ziemlich groß bin und eine zu tiefe Stimme habe. Mein Benehmen, meine Gestik…. alles weiblich. Deshalb hat sie mich angesprochen.

Die Frage nach dem „wie lange denn schon“ kam auf, weil ihr Freund sie gefragt hat, während ich auf Toilette war. Na gut, also erklärte ich, dass ich erst seit knapp 3 Monaten Vollzeit lebe und ich noch keinerlei anpassende Maßnahmen hatte. Dann kam die nächste obligatorische Frage, nämlich auf welche Toilette ich gehe. Selbstverständlich die Damentoilette… Das wollte Ulrikes Freund irgendwie gar nicht verstehen. Wie ich denn auf die Damentoilette gehen könnte ohne GaOP? Für Ulrike und mich war es aber gar keine Frage. Sie betonte noch einmal, dass ich für sie eine Frau bin, und damit ist es wohl klar. Und die dritte unausweichliche Frage ließ nicht lange auf sich warten, nämlich ob ich denn einen Freund hätte. Auch hier musste ich erst einmal Aufklärungsarbeit leisten, genauso wie bei meinem Kunden zuvor. Nämlich das ich das bin, was manchmal in der Fachliteratur als eine männliche Lesbe bezeichnet wird. Auch das konnte Ulrikes Freund irgendwie gar nicht einordnen. Naja, egal, wir haben uns trotzdem noch weiter unterhalten bis die Bar zu gemacht hat. Das war dann um 1 Uhr morgens. Ulrike und ich haben noch Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und uns dann verabschiedet.

Ich muss schon sagen, das war für mich das aller erste Mal, das ich jemanden so zufällig kennengelernt habe. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Euch anderen mag das komisch vorkommen, aber wer so ein bisschen meine Geschichte kennt, der weiß warum.

Liebe Grüße
Marina

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