Reformation für Alle – Transidentität/Transsexualität und Kirche

Im 500. Jahr der Reformation erneuert sich die Evangelische Kirche in Deutschland. Reformationen sind immer im Gange und beeinflussen auch das Denken aller anderen Menschen, egal ob sie evangelische Christ_innen sind oder nicht.

Lassen Sie sich von diesen neuen Wegen inspirieren und gehen Sie mit der Broschüre auf Nahreise in Welten in Ihrer Nachbarschaft.

Januar 2017

 

Die gedruckte Broschüre kann in Kürze über das Publikationsverzeichnis des www.bmfsfj.de bestellt werden.

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V. Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Mit freundlicher Genehmigung der dgti

 

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>> Trans* und Kirche

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Mein Leben als Frau – viel mehr als ein Alltagstest

Autorin: Svenja

Nun will ich schon seit einer Ewigkeit wieder berichten. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Einige Erlebnisse habe ich inzwischen schon stichpunktartig aufgeschrieben. Die wollen „nur“ noch ein bisschen in Form gebracht und gepostet werden. Mir fehlt jedoch einfach die Zeit. Oder besser, die Zeit fehlt mir nicht. Ich setze sie nur anders ein. Ich lebe jetzt einfach mal und nutze die Gunst der Stunde mein bisher verkorkstes Leben zu ordnen, Kontakt mit alten Freund_innen und Bekannten, Verwandten und Kund_innen zu pflegen. Neue Menschen kennenzulernen.
Das Forum vergesse ich dabei nicht. Dem Forum bzw. den Menschen dort verdanke ich sehr viel!
Darum sage ich jetzt mal „Vielen herzlichen Dank, liebe Forianer_innen!“

Heute möchte ich einmal erzählen wie es mir aktuell so geht. Seit 2015 lebe ich als Frau und vertrau(t)e mich nach und nach Familie, Verwandtschaft, Nachbarn, Kunden und weiteren an. Die Reaktionen der Menschen in meinem Umfeld sind durchweg positiv.

Das erklärt auch, warum es mir grundsätzlich unheimlich gut geht. Es gibt natürlich täglich irgendwelche Probleme und Aufgaben zu erledigen, die jedoch nichts mit meiner Transidentität zu tun haben. Oder zumindest nicht direkt.
Zum Beispiel habe ich viel aufzuarbeiten, das zum Teil jahrelang liegen geblieben ist. Meine Identitätsprobleme und die daraus entstandenen Gesundheitsdefizite hatten mich dermaßen herunter gezogen, dass ich keine Kraft mehr hatte wichtige Aufgaben in meinem Leben anzugehen.
Da kam eine stattliche Liste wichtiger Dinge zusammen. Diese ganzen Baustellen und Horrorszenarien kann ich heute bewältigen. Ich lebe wieder und habe Kraft für vieles, das mich früher hoffnungslos überforderte!

Seit ich erkannt habe tatsächlich eine Frau zu sein und, was noch viel wichtiger ist, als die Frau, die ich offenbar schon immer war, zu leben, ist fast alles in Ordnung. Natürlich bringt das neue Leben viele neue Herausforderungen mit und kostet auch Zeit und Geld. Schon alleine mein Gesicht einigermaßen fraukonform zu gestalten ist eine tägliche Herausforderung. Der Bartschatten und das Rasieren schaffen mich. Ich bin auch schon immer zu doof zum Rasieren und verletze mich ständig dabei.
Naja, rasiert, mit etwas Camouflage, Puder, Cajal und dezentem Lippenstift gehe ich als Fünfzigjährige durch und kann mich selbst im Spiegel gut ertragen. Oft freue ich mich sogar regelrecht, weil ich so hübsch aussehe. Klingt vielleicht merkwürdig. Natürlich bin ich nicht wirklich hübsch. Nur relativ zu manch anderen Frauen. Oh, das hört sich vielleicht überheblich an!

Letztens war der 96. Geburtstag meiner lieben Omi. Sie ist eine großartige Frau. Einige ihrer Aussagen sind: „Meine Svenja habe ich genauso lieb wie meinen Schwenni vorher!“ Oder: „Es ist ein Wunder, dass ich das noch erleben darf! Man hat ja schon davon gehört. Aber in der eigenen Familie … das ist so schön.“ und „Ich habe das natürlich schon gemerkt. Aber ich kann ja hier nichts sagen. Die hätten mich für verrückt erklärt.“
Es waren einige Verwandte bei der Feier. Alle waren sehr herzlich zu mir. Meine Tante und mein Onkel drückten mich zur Begrüßung (die anderen natürlich auch, ich drückte zurück) und sie sagten mir, wie gut ich aussehen würde. Das hat mich sehr gefreut und stolz gemacht. Später, im Gespräch mit meiner Tante, bemerkte ich, dass unser fürsorglicher Staat es gerne sieht, wenn unsereins einen sogenannten Alltagstest macht und so kommt es, dass ich wie eine Vogelscheuche herumlaufe. Meine Tante musste spontan lachen und sagte, dass ich absolut nicht so aussähe und herüber käme. Ich sähe toll aus und hätte Stil. Das hat mich natürlich wahnsinnig gefreut und ich habe sie dafür gedrückt. Während meines Mann-Experiments oder schon als Kind (das laut den anderen ja männlich sein sollte) hatte ich es nicht so mit dem Drücken. Ein richtiger Mann zeigt ja schließlich keine Gefühle!
Mein Cousin, 40, meinte ich hätte mich etwas verändert. Die Haare seien nun länger. Ich verstand den Scherz nicht und meinte, es gab auch noch ein paar andere Veränderungen. Er sagte, das wüsste er doch, sollte ein Joke sein. Er wollte nicht direkt auf meine Transidentität eingehen, weil er wüsste, wie ich die meiste Zeit meines Lebens gelitten haben muss. Das fand ich sehr beachtlich und feinfühlig von ihm und es hat mich sehr gefreut.

Überhaupt habe ich unheimlich Glück mit meiner Familie und den Menschen in meinem Leben. Mit Fremden gibt es auch praktisch nie Probleme. Hm, ganz von selbst kommt das natürlich nicht. Ein altes Sprichwort lautet: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“ Früher habe ich das nicht so richtig kapiert. Im Prinzip bedeutet es: „Dein Leben ist das, was du daraus machst!“ Und der Spruch: „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus!“ ist auch nicht ganz unwichtig im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Ich habe inzwischen mit vielen Menschen gesprochen und werde von Bekannten und Kunden mit Respekt behandelt. Bei einigen alten Freunden ist das plumpe kumpelhafte gewichen. Sie verhalten sich mir gegenüber irgendwie erwachsener. Sie behandeln mich respekt- und würdevoll. So wie man andere Menschen eigentlich behandeln sollte. Das war nicht immer so. Für viele war ich der kleine dumme Svenni, der schon nichts sagen wird, wenn sie mich mit ihren Aufgaben bedachten. Allerdings hat mein Helferinnensyndrom mich oft nicht „nein“ sagen lassen. Nur mir selbst konnte ich nicht helfen! Das ist heute anders. Ich habe einen halbwegs gesunden Egoismus entwickelt.

Ich bin aber auch endlich selbst erwachsen geworden! Ein Gefühl, dass ich seit Jahrzehnten vermisst habe. Ich bin heute eine erwachsene, selbstbewusste, freundliche Frau, die sich ein bisschen ihre Kindlichkeit bewahrt hat.

Bis zu meinem 20sten Lebensjahr war ich die größte Antialkoholikerin und Nichtraucherin. Doch dann kam ich zur NVA, der Armee der DDR. Damals gab es keine Alternative dazu. Waffen waren auch nie mein Ding.
Na, jedenfalls habe ich bei der Armee angefangen zu rauchen und zu trinken. Das Rauchen habe ich schon vor 18 Jahren besiegt. Ich habe es gehasst. Aber was machen echte Kerle nicht alles! Alkohol hat mich jedoch bis 2015 begleitet. Zeitweise bis zu 4 Flaschen Bier am Abend. Es hat mich betäubt. Auch das habe ich gehasst. Die Betäubung hatte scheinbar einen positiven Effekt: Ich konnte mich entspannen.
Seit ich die Frau bin, die ich bin, brauche ich keinen Alkohol mehr. Ich habe nicht das geringste Verlangen danach. Es ist verrückt. Es ist für mich viel schöner bewusst mein Leben zu erleben. Ich trinke jetzt gelegentlich ein Glas Rotwein zum Essen oder ein Biermischgetränk. Das mache ich ganz bewusst und genieße es. Ich brauche einfach keine Drogen mehr, um zu leben. Die einzigen „Drogen“ die ich mir gönne, sind die Glücksgefühle, die mich immer wieder daran erinnern, wie schön es ist nicht mehr in einer Rolle gefangen sein zu müssen, die ich nie ausfüllen konnte und wollte.

Letztes Jahr lernte ich Jessica kennen. Eine von 4 Transfrauen, die ich mittlerweile in meiner Stadt kenne. Sie gab mir den wertvollen Tipp zu einem Doktor in Leipzig zu gehen. Er ist unter anderem einer der Gutachter, welche vom Amtsgericht anerkannte „Trans-Versteher“ sind. Er fragte mich (sinngemäß) was ich bei ihm wolle. Ich meinte, es wäre eine schöne Idee ihn mal zu besuchen, da ich meine Vornamens- und Personenstandsänderung angeschoben und erfahren habe, dass er einer der beiden Gutachter sein wird. Er bejate es.

Wir sprachen über meine Kindheit, meine Vergangenheit, meine Veränderungen der letzten Jahre und, dass zum Beispiel alle meine Gesundheitsprobleme, die ich seit 10 Jahren mit meiner Allgemeinmedizinerin und ein paar Spezialisten nicht in den Griff bekam, nun weg sind. Sie konnten nichts finden, weil ich nach deren Aussagen körperlich völlig gesund war!
Der Trans-Spezialist hatte es jetzt natürlich leicht bei seiner Diagnose: Es war der Leidensdruck!
Er sagte, dass das alles psychosomatisch war. Die Psyche hat jahrelang versucht auf sich aufmerksam zu machen. Da ich jetzt erkannt habe was los ist und nicht mehr leide, hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Er meinte auch, dass er normalerweise eine begleitende Psychotherapie anbietet. Bei mir wäre das alles jedoch so eindeutig und ich so gefestigt, dass er das nicht für nötig hält. Lediglich die Krankenversicherungen würden wohl darauf bestehen, falls ich z.B. eine geschlechtsangleichende Operation machen lassen wollte.
Nachdem ich gefühlte 700 Fragen beantwortet hatte, bekam ich bei unserem nächsten Termin schriftlich von ihm, nicht verrückt zu sein.
Er gab mir ein Schreiben mit, welches mir Mann-zu-Frau-Transsexualismus, F64.0 bescheinigt und meinem Endokrinologen empfiehlt eine Hormontherapie zu beginnen.
Nach wochenlangem erfolglosen Herumtelefonieren hatte ich Glück einen Endokrinologen in Köthen zu finden, der sogar auch noch Trans-Erfahrung hat! Besser geht es nicht. Die Menschen dort in der Praxis sind auch unheimlich toll. Sie reden mich von Anfang an richtig an, obwohl meine Karte und Daten noch auf den alten Namen lauteten. Meine Krankenversicherung hat mir inzwischen ohne weiteres eine neue Karte mit meinem richtigen Vornamen, den richtigen Daten und dem richtigen Foto darauf ausgestellt.

Heute bin ich im 2. Monat meiner Hormonersatztherapie (HET). Und ich fühle mich sehr gut damit! Das eine Medikament hat nach kurzer Zeit Ruhe zwischen den unteren Extremitäten einkehren lassen. Ich liebe das! Das andere wird unter anderem meine Gesichtszüge verweiblichen und die Fettverteilung an meinem Körper etwas korrigieren. Bei mir gibt es keine Nebenwirkungen von den beiden Medikamenten.
Ich finde es schon etwas suboptimal, nun jeden Tag Pillen essen zu müssen. Habe ich ja fast 50 Jahre erfolgreich verhindern können. Aber was macht man nicht alles, um schön zu sein! (Scherz!) Auf jeden Fall ist die Ruhe im Schritt schon ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität! Was hat mich das Gewebe bisher jeden Tag richtig böse gestört. Jetzt ist es mir fast egal. Eines Tages wird es ganz weg sein.

Der Rest wird sich ergeben. Ich mache mich da nicht verrückt. Mir ist es wichtiger in meinem Umfeld als Frau akzeptiert zu sein als z.B. mit großer Brust zu glänzen. Der Bartschatten ist zwar echt blöd, aber andere Frauen haben auch Bartprobleme. 2015 habe ich eine Kundin in einer Autowerkstatt gesehen, die hatte einen richtigen Oberlippenbart. Ist sie deswegen weniger Frau?
Der Endokrinologe frug mich, ob ich es denn schon mal mit IPL versucht hätte. Als ich ihm zu verstehen gab, schon 6 Sitzungen hinter mir zu haben und schon allerhand Bart zugesetzt habe, meinte er, dass der ja ganz schön hartnäckig wäre, die HET aber nicht viel daran ändern dürfte. Naja, was soll’s. Ich besuche meine IPL-Behandlerinnen gern. Dort bin ich eine ganz normale Frau mit (immer weniger) Bart.

Natürlich ist das Leben für Menschen wie uns, die wir – wie es so schön heißt – im falschen Körper geboren wurden, nicht immer ein Ponyhof!
Mit der Transition warten viele neue, aber meist lösbare Aufgaben auf uns. Für mich kann ich sagen: Es lohnt sich!
Für mich wäre es keine Lösung gewesen, weiter zu versuchen den Mann zu geben, der ich noch nie war. Es fühlt sich so unheimlich gut an, so natürlich und selbstverständlich, endlich ich sein zu können. Und ich bin stolz auf mich. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Ich fühle mich in Deutschland gut aufgehoben, selbst wenn es noch einiges an der gesetzlichen Situation der Trans*Menschen zu verbessern gibt.

Svenja
Februar 2017

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Trans* in der Bundeswehr

Quelle: Berliner-Kurier

Berlin – Es sind nur zwei kleine Stiche ins Ohr, die sie an einem Tag vor ihrem Urlaub machen lässt. Weil sie Ohrstecker tragen will, wie Millionen andere Frauen auch. Doch Anastasia B. weiß, dass sich ihr Leben damit dramatisch ändern wird. Sie hat es bei der Bundeswehr bis zum Oberstleutnant im Generalstab gebracht – als Mann! Doch sie fühlt sich als Frau und will in Zukunft auch so leben. 24 Stunden am Tag, also auch im Dienst………

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>> Wie trans* darf die Truppe sein?

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Grünkohlwandern 2017 im Neanderland

Und auch 2017 danken wir dem Orga-Team Kirsten und Rita für dieses traditionelle Event – Dem Grünkohlwandern durch das Neanderland.

Viele Teilnehmer trafen sich zur Wanderung um sich den deftigen Grünkohl zu verdienen. Einige stießen später zur Party dazu. Um einem drohenden Flüssigkeitsverlust vorzubeugen, war der Bollerwagen wieder mit schmackhaften Getränken gefüllt.


An strategischen Punkten wie z.B. Wegkreuzungen, Brücken, Kurven und Steigungen wurden die Getränke verteilt. Das Wetter war gut aber zum „Vorglühen“ doch leider etwas zu warm (ca. 10°C).


Zwischendurch konnten auch noch Gäste begrüßt werden und am Ende gab es sogar einen schönen Sonnenuntergang.



Nach ca. zwei Stunden gab es dann endlich Grünkohl mit deftigem Fleisch. Alle ließen es sich schmecken. Sabine, Barbara und Sabrina sorgten für das leibliche Wohl und die Getränke.

Danach glühte die Tanzfläche, denn Xenia gab ihr Bestes am Mischpult. Die Stimmung war spitze und bis die ersten gingen war es kurz vor Mitternacht.

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Bewerbungsgespräch als Nonbinary

Autor_in: L* (Flughunde)

Neulich hatte ich ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum und ich war im Vorhinein ziemlich nervös – einerseits, weil ich die Stelle doch ganz gern hätte, andererseits, weil ich bisher noch in keinem Bewerbungsgespräch thematisiert habe, dass ich Nonbinär-Transgender bin. Das heißt im Wesentlichen, dass ich mich zwischen Mann und Frau verorte. Jetzt drängt sich für manche vermutlich die Frage auf, wieso das meine_n Arbeitergeber_in überhaupt interessieren soll. Die meisten damit verknüpften Aspekte sind für sie_ihn auch irrelevant. Allerdings verwende ich im Alltag einen geschlechtsneutralen Vornamen, der nicht amtlich ist und daher weder in Zeugnissen noch in meinem Personalausweis steht. Um bei der Arbeit aber sofort mit meinem richtigen Vornamen angesprochen zu werden, habe ich mich dazu entschieden, mich mit diesem zu bewerben. Meinen künftigen Kolleg_innen hilft das, indem sie sich nicht umstellen müssen und mir tut das gut, weil ich dann direkt mit einem Vornamen bezeichnet werde, den ich mag. Um bei der schriftlichen Bewerbung Verwirrungen aufgrund unterschiedlicher Vornamen in Mailadresse, Anschreiben und Lebenslauf einerseits und Zeugnissen andererseits zu vermeiden, habe ich meiner Mail eine Signatur beigefügt: „Ich bin Nonbinär-Transgender und freue mich über geschlechtsneutrale Anreden (z.B.: Guten Tag, Hallo, Dear).“

Als ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten habe, war meine Freude sehr groß. Nicht nur darüber, dass ich es in die engere Auswahl geschafft habe, sondern auch, weil ich mit einer geschlechtsneutralen Anrede angeschrieben wurde. Solche Erlebnisse freuen mich sehr, da ich als das wahrgenommen werde, was ich bin. Bereits bei einem anderen Bewerbungsgespräch hatte ich mir fest vorgenommen, dass ich erkläre, dass ich L* genannt werden möchte und mich über geschlechtsneutrale Bezeichnungen zur Beschreibung meiner Person freue. Da ich aber trotz meiner Signatur bereits in der Mailkommunikation und dann beim persönlichen Gespräch mehrfach als „Herr“ angesprochen wurde, hatte ich es damals bleiben lassen.
Nachdem ich aber dieses Mal mit einer geschlechtsneutralen Anrede angeschrieben wurde, standen die Voraussetzungen besser und ich ging mit einem guten Gefühl in das Gespräch. Meine positive Stimmung konnte nicht mal dadurch getrübt werden, dass ich am Bahnhof von einer fremden Person – vermutlich wegen meines Aussehens – beleidigt wurde. Als das Bewerbungsgespräch begann, stellten sich meine künftige Vorgesetzte und ich uns namentlich vor. Und dann kam eine Frage, die alle meine Bedenken beseitigte, ob ich dieses Mal meine Transidentität ansprechen werde. Mein Gegenüber fragte mich, wie ich bezeichnet werden möchte und vermutete, dass „Herr“ und mein Nachname keine Option sei. Dies bestätigte ich und sagte, dass ich einfach mit meinem Vornamen und Nachnamen bezeichnet werden mag. Innerlich hab ich zudem gestrahlt, weil diese Nachfrage Druck von mir genommen hat. Für gewöhnlich muss ich immer einfordern, einfach mit meinem Namen anstelle von „Herr“ bezeichnet zu werden. Dieses Einfordern, korrekt bezeichnet zu werden, kostet mich zudem immer Überwindung. Dementsprechend erleichtert es meinen Alltag, wenn ich gefragt werde, wie ich bezeichnet werden möchte, als wenn ich es jedes Mal selbst ansprechen muss.

Das weitere Gespräch ist ganz gut verlaufen, so gut, dass ich schlussendlich die Stelle erhalten habe. Beim Verlassen des Büros bin ich noch gefragt worden, wie meine Vorgesetzte mich im Gespräch mit anderen bezeichnen soll (vorher ging es ja um die direkte Anrede). Daraufhin hab ich gesagt, dass sie einfach meinen Namen nennen soll und auch meinen Vornamen anstelle eines Pronomens verwenden kann.

Am Nachhauseweg war ich euphorisch über das gute Gespräch und die Rücksichtnahme, die ich erfahren habe. Bezüglich meiner Transidentität wurden nur die relevanten Fragen auf sensible Weise gestellt. Alles andere hat meine künftige Vorgesetzte auch nichts anzugehen, es sei denn, wir sollten uns im Laufe der Zeit anfreunden und uns auch über Privates austauschen.

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Floras Problem mit dem „Passing“

Autorin: Flora99

Für viele Trans* Menschen ist das Passing so ein bisschen wie ein Ritterschlag- die endgültige Bestätigung der eigenen Ausstrahlung im richtigen Geschlecht. Stimmt das Passing, fühlt sich Mensch gleich viel selbstbewusster und bestätigt und bekommt das auch von außen mitgeteilt. Eigentlich eine rundum positive Sache- könnte man meinen.

Ich habe trotzdem seit geraumer Zeit ein Problem mit dem Begriff und dem Prinzip „Passing“. Schon der Ursprung ist mir zuwider; im englischen bedeutet „to pass as […]“ so viel wie „als […] durchgehen“, heißt übertragen auf die Situation von trans* Menschen, eine Transfrau mit gutem Passing „geht als (Cis) Frau durch“ und ein Transmann „geht als (Cis) Mann durch“. Nun gibt es ja Leute, die das Attribut „Trans“ für sich nur als Übergangsbeschreibung nutzen, und dieses nach abgeschlossener Transition hinter sich lassen. Für diese Leute mag das Prinzip „Passing“ okay und überlebenswichtig sein – ich aber definiere „Trans*“ als Teil meiner ganz persönlichen Identität und damit als Teil meiner selbst. Soll heißen: Wenn ich als Trans* Mensch ein gutes „Passing“ habe und damit als Cis Frau „durchgehen“ will, ist es das erklärte Ziel meines Passings, mich nicht als Transfrau erkennbar zu machen, meine Identität zu verschweigen. Ich würde sogar noch weiter gehen: Indem wir Trans* Menschen immer weiter versuchen, unser „Passing“ zu verbessern und damit dem Cisgender-Stereotyp hinterherhecheln, unterstreichen wir nur noch mehr die Ansicht, dass Trans* Identitäten und Körper weniger wert sind als die unserer Cis-Gegenstücke. Wir wollen als „echte“ Frauen und Männer durchgehen – und bezeichnen uns als Trans* Menschen damit unbewusst als „unechte“ Männer und Frauen; wir werten uns selbst ab.

Aber warum? Nun, der Aspekt der Sicherheit ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn die Bundesrepublik nachweislich eines der transfreundlichsten Länder der Welt ist, vor Ausgrenzung, Diskriminierung oder sogar Gewalt aufgrund der eigenen Geschlechtsidentität ist auch hier niemand komplett sicher. So kann es für Trans* Menschen durchaus wichtig für die eigene Gesundheit sein, ein gewisses Passing zu besitzen. Dennoch scheint es mir häufig so, als wäre das Passing das einzig erklärte Ziel einer körperlichen Transition für viele Leute. Die veraltete Beschreibung „zur Frau/zum Mann werden“ für die körperliche Transition sagt da im Prinzip schon alles – möglichst nah ran kommen an das Aussehen von Cis Menschen, um sich vollständig zu fühlen. Und an diesem Punkt stelle ich ganz deutlich die Frage: Warum eigentlich? Warum sind Cis Menschen immer noch für (nicht alle, aber viele) Trans* Menschen das non plus Ultra wenn es darum geht, wie „Männer“ und „Frauen“ auszusehen haben?

Ich wachse in einer Zeit auf, in der es (zumindest im englischsprachigen Raum) schon zahlreiche Vorbilder und Berühmtheiten aus der Trans* Community gibt. Ich hatte eine Zeit, in der wollte ich unbedingt die breiten, weiblichen Hüften haben, die Laverne Cox auf ihrem bahnbrechenden Time-Cover zeigt (das sie als erste Transfrau in der Geschichte des Magazins schmücken durfte). Sie waren für mich das Symbol von Weiblichkeit, auch für eine Transfrau. Doch damals ohne jeglichen Zugang zu Hormonen oder die nötige Kreativität, mit Stoff nachzuhelfen, lernte ich irgendwann meine schmaleren Hüften „kennen und lieben“, wie man so schön sagt. Ein banales Beispiel, ich weiß, aber ich will damit zum Ausdruck bringen, dass ich es für extrem gefährlich halte, sich auf der Suche nach dem richtigen Verhältnis zum eigenen Körper als Trans* Person dazu verleiten zu lassen, unbedingt das größtmögliche „Passing“ erzielen zu wollen. Meine Hüften mögen nicht das aller femininste Modell sein, aber ich mag sie – das musste ich nur erstmal bemerken, und mich dazu von dem vorgezeichneten Bild einer „echten“ weiblichen Hüfte entfernen. Dieselbe Laverne Cox, die bei mir damals durch ihr Aussehen dafür gesorgt hat, dass ich für mich selbst eine viel zu hohe Messlatte setzte, spricht schließlich selbstbewusst in ihrer tiefen Stimme und trägt ihre breiten Schultern mit Stolz – wie eine (Trans-) Frau, die mit sich selbst und ihrem Körper im Reinen ist. Dabei sieht sie fantastisch aus – obwohl sie eindeutig als Transfrau erkennbar bleibt. Und genau das ist der Punkt. „Trans is Beautiful“ ist ihr Credo, das mich so fasziniert hat. „Trans ist schön“, Trans* Menschen, ihre Körper und ihr Aussehen sind genauso viel wert und genauso schön wie die von Cis Menschen. Das ist die Botschaft, die meiner Meinung nach einer jeden Trans* und Cis Person klar sein muss. Durch das Prinzip „Ich muss als Cis Frau/Mann durchgehen, um schön zu sein“ degradieren wir uns nur unnötig selbst.

Mir ist bewusst, dass dieser ganze Text als heuchlerisch wahrgenommen werden kann, wenn ich ihn als junge Transfrau schreibe, die Hormone bekommen konnte, bevor die Pubertät bei ihr große Spuren hinterlassen hat. Mein „Passing“ ist etwas, das mir schon oft Lob eingebracht hat („Boah, das hätte ich nie erkannt, dass du Trans bist!“, „Mensch, du siehst ja aus wie eine richtige Frau!“) und ich bin für jedes Lob dankbar. Aber ich bin es auch leid, dass mit so gut wie jedem dieser Komplimente mein Trans-Sein als unerwünscht oder eben „nicht echt“ dargestellt wird („richtige Frau“=Cis Frau). Es ist schließlich schon lange nicht mehr mein erklärtes Ziel, jedes Merkmal meines Körpers, das mich als Trans* kennzeichnen könnte, zu verstecken, sondern mich in meiner Haut wohlzufühlen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir als Trans* Leute aufhören darauf hinzuarbeiten, wie Cis Leute auszusehen, und stattdessen versuchen, das Äußere und das Auftreten zu erreichen, mit dem wir uns selbst am besten gefallen. Ob man damit am Ende nun aussieht wie eine Cis Person oder nicht, sollte komplett egal sein. Hauptsache man gefällt sich am Ende selbst- „Passing“ hin oder her.

Anmerkung: Ich benutze in diesem Text bewusst Formulierungen, die sich auf binäre Trans* Menschen beziehen, weil das Prinzip „Passing“ auf nichtbinäre Menschen meines Wissens gar nicht richtig passt (korrigiert mich wenn ich falsch liege). Meine hier geäußerte Meinung entspringt aus meiner ganz persönlichen Wahrnehmung der „Gefühlslage“ innerhalb der Trans* Community.

INHALTSVERZEICHNIS

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Wird ein transsexueller Bewerber aufgrund seiner Transsexualität und damit wegen seines „Geschlechts“ oder „sexuellen Identität“ abgelehnt, so kann dies einen Ent­schädigungs­anspruch nach § 15 Abs. 2 des Allgemeinen Gleich­behandlungs­gesetzes (AGG) begründen. Dies setzt gemäß § 22, § 7 Abs. 1 AGG unter anderem voraus, dass der Bewerber Indizien vorträgt und im Bestreitenfall beweist, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, er sei vom Arbeitgeber als transsexueller Mensch wahrgenommen und deshalb benachteiligt worden. Dies hat das Bundes­arbeits­gericht entschieden.

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Der Gendertreff in Solingen 2016

Zum neunten Mal lud u.a. Silvia K. (Mitorganisatorin) zum Selbsthilfetag ins Klinikum Solingen und 42 Selbsthilfegruppen machten mit.

Wie schon im letzten Jahr hatte der Gendertreff wieder den guten Platz am Eingang des Foyers. Diesmal konnten wir auch unsere Beachflag draußen vor dem Eingang platzieren. Bereits während des Aufbaus des Standes konnten tiefgründige Gespräche geführt werden. Um 11:00 Uhr dann war alles fertig und der offizielle Teil begann. Ava, Nathalie, Rita, Ute, Xenia und später auch Jonas waren bereit. Es sollte ein intensiver Samstag werden.

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Anders als erwartet“ aber auch die Themen „Transidentität am Arbeitsplatz“, „Transidentität in der Schule“, „Transidentität und Medizin“ sowie „Transidentität und Recht“  waren die vorherrschenden Themen und wurden zur Diskussion aufgegriffen.

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Der Solinger Bürgermeister drehte seine Runde und verblieb zu einem längeren Gespräch an unserem Stand. Gerne nahm er eine „Grüne Karte für Diversity“ mit. Auch Silvia, die in vielen Gesprächen eingebunden war, besuchte uns zwischendurch gerne.

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Aber die zahlreichen Besucher konnten sich nicht nur über Transgender informieren. Blutdruck- und Blutzuckermessungen wurden durchgeführt. Kinder aber auch Erwachsene wurden auf Wunsch geschminkt und ein Künstler zauberte aus Ballons schöne Figuren.

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Sogar eine kleine Tanzformation zeigte ihr Können und verließ mit viel Applaus und jeweils einem Gendertreff Ballon das Foyer. Und damit nicht genug.

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Am Nachmittag bekam der Gendertreff die Gelegenheit kranke Kinder, auf der Kinderstation im 7. Stock des Klinikums, zu besuchen. Es war herrlich, wie sich die Kinder in ihren Zimmern über diese kleine Geste freuten, als sie die Gendertreff Ballons überreicht bekamen. Für alle war dies eine gelungene Abwechslung und für die Kinder eine schöne Überraschung im Klinikalltag, die ein wenig von der Krankheit ablenkte. Natürlich bekamen die anwesenden Eltern auch gleich noch die „Grüne Karte für Diversity“ als Information an die Hand.

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So sprang der Zeiger der großen Uhr auf 4 und alle bauten ab. Wir verabschiedeten uns und luden das Equipment in die Fahrzeuge.

Wir freuen uns auf den 10. Selbsthilfetag im Solinger Klinikum 2017.

>> Solingen Magazin

>> Solingen 2015

>> Inhaltsverzeichnis

Trans* und Kirche

Trans-sexualität/-identität auf www.evangelisch.de

-) Buch zur Frankfurter Tagung über Transsexualität erschienen

-) Papst befürwortet offenen Umgang mit Transsexuellen

-) Ich gehöre als lesbische Transfrau zum Gemeindeleben

-) Pilgrims‘ Haven

-) Was ist der Mensch? – Geschlechtergerechtigkeit trans*zendiert

-) Befiehl du deine Wege

-) Es geht nicht immer nur voran

Weitere Links:

-) Deutschlandfunk-Entmoralisierung der Geschlechterfrage-Transsexualitaet

-) Kirche entschärft Kündigungsregeln

-) Neuapostolische Kirche International

-) Trans* in Religion und Ethik

-) Pfarrerin Elke, Vater von sieben Kindern

-) Zum Umgang mit Transsexuellen in der Kirche

-) Von der Transsexualität zur Transidentität

„Wir sind alle Gottes Kinder, geliebt, gesegnet und in Gottes Bild geschaffen. Das ist es was zählt!“

>> Inhaltsverzeichnis

NRW ist vernetzt

Das „Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans NRW“ NGVT*-NRW ist nun gegründet.

Der Grundstein für diese Vernetzung wurde bereits 2011 gelegt. Viele Selbsthilfeorganisationen, Einzelpersonen und Vereine trafen sich mit dem Ziel, die Vernetzung untereinander sowie die Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern und zu koordinieren. Dabei war und ist es wichtig, dass die beteiligten Trans*-Organisationen ihr eigenes Profil wahren und auch in Zukunft selbständig auftreten.

Wir sind uns sicher, dass von einem derartigen Austausch alle profitieren und in der Öffentlichkeit ein größeres Gewicht in der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung erlangen können.

Nach vielen Treffen, Gesprächen aber auch Rückschlägen, ist es nun doch schließlich gelungen das Netzwerk zu gründen. Der Gendertreff, als Gründungsmitglied, freut sich und ist stolz darauf Teil dieses Netzwerks zu sein.

Gemeinsam wünschen wir uns viel auf den Weg zu bringen und einiges zu bewegen.

 

 

>> 2011: So fing es an

>> NGVT

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