Der erste Termin beim Endokrinologen.

Marinas Bericht ihres ersten Endokrinologentermins:

Nachdem bei mir alle Rahmenbedingungen, die ich mir mal gesetzt hatte endlich erfüllt sind, konnte ich den nächsten Schritt auf meiner Reise zur Frau angehen.

All die Probleme, sowohl mit meiner Familie als auch mit meiner Arbeit sind ja nun gelöst bzw. geregelt. Also sprach ich bei der vorletzten Therapiesitzung meine Therapeutin auf angleichende Maßnahmen, sprich die Hormontherapie an.

Im Vorfeld hatte ich mich bei den verschiedenen Endokrinologen in NRW nach den momentanen Wartezeiten erkundigt. Diese waren alle im Bereich von 6-9 Monaten.

Da es mir gut, sogar sehr gut geht, meinte meine Therapeutin, ich könne mir ja jetzt schon einmal einen konkreten Termin einholen. Also habe ich wieder alle Endokrinologen in NRW abtelefoniert. Der Arzt in Mönchengladbach hatte einen Termin im September für mich, die Ärzte in Düsseldorf und Krefeld jeweils im August, die Ärztin in Duisburg im Juli. Dann rief ich in Essen an, dort sagte man mir 23.05.2013 um 11:15 Uhr. Diesen Termin habe ich natürlich mit Kusshand genommen.

Die Zeit verging… am 17.05, hatte ich wieder eine Therapiesitzung. Bei dieser Sitzung hat mir meine Therapeutin einen Arztbrief (die sogenannte Indikation) und eine Überweisung zum Endokrinologen ausgestellt. Am Vorabend des 23.05. habe ich zusätzlich eine Medikamentenliste erstellt. Aber nicht mit den Handelsnamen der Medikamente, sondern mit deren Wirkstoff und Dosierung. Da noch Platz war auf der Liste, habe ich darunter noch alle meine bekannten Vorerkrankungen und OPs aufgeführt.

Am 23.05. war es nun so weit. Ich fuhr nach Essen, parkte in einem Parkhaus in der Innenstadt und lief die paar Meter bis zu dem Gebäude. Es ist eine riesige Baustelle. Ich hatte schon Angst, dass sich die Praxis gar nicht mehr dort befindet, denn es sah nicht gerade danach aus, als ob das Gebäude noch bewohnt ist. Also rief ich vorsichtshalber die mir bekannte Nummer an. Die Assistentin am Telefon versicherte mir jedoch, dass sich die Praxis durchaus noch im 6. Stock befindet. Um da hin zu kommen musste ich jedoch einmal um das Gebäude herum laufen, bis zu einer Lücke im Bauzaun, die den Zugang zum Fahrstuhl bildet. Ab in den 6. Stock und angemeldet.

Ich gab also meine Papiere ab, füllte einen Fragebogen aus und begab mich dann in den Wartebereich. Das eigentliche Wartezimmer war wegen der Umbauarbeiten derzeit unbenutzbar.

Man hatte mich im Vorfeld gewarnt, dass dieser Arzt mitunter schwierig sein soll. Deshalb war ich schon ein bisschen nervös, als ich da so gewartet habe. Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil es ein wichtiger aber auch einschneidender Schritt in meinem Leben ist. Ich habe mir eigentlich immer Kinder gewünscht. Wirken die Hormone erst einmal voll, dann ist es damit ein für alle Mal vorbei. Andererseits denke ich, dass ich mit meinen über 40 Jahren dafür schon zu alt bin. Würde jetzt ein Kind geboren, dann würde ich in Rente gehen, wenn es mal das Haus endgültig verlässt. So schwer es auch ist, der Zug ist für mich abgefahren. Aber vielleicht habe ich ja eines Tages noch Neffen oder Nichten durch meinen jüngeren Bruder, die ich dann hoffentlich verwöhnen kann.

Um 12:30 Uhr wurde ich aufgerufen. Stilecht mit Frau H., auch wenn auf meiner Krankenkassenkarte noch immer Herr H. steht.

Der Arzt fragte mich, weswegen ich denn zu ihm gekommen bin, was ich mit meiner Transidentität beantwortete. Dann las er sich den Arztbrief durch und schaute sich die Überweisung und meine Medikamentenliste an. Er sagte mir, dass ich mich da ja gründlich vorbereitet habe, denn viele andere kämen ganz ohne bzw. mit unvollständigen Unterlagen.

Er fragte mich, wann das Ganze mit der Transidentität denn so bei mir angefangen hat, und wie sich das im Laufe der Jahre entwickelt hat. Also gab ich eine Kurzfassung meines Lebenslaufs zum Besten. Noch besser wäre es vielleicht gewesen, wenn ich auch das schriftlich gemacht hätte, aber meine Erzählung war wohl auch so ausreichend. Er machte sich viele Notizen dabei.

Dann ging er meine Liste der Medikamente und Vorerkrankungen durch. Die Medikamente und deren Dosierung sind wohl soweit OK. Er machte dabei Markierungen auf dem Laufzettel fürs Labor.

Dann begann er mit einem kurzen Vortrag über die Hormontherapie. Es gibt wohl eine sehr wenig abgesicherte Studie der american society of endocrinology in der folgende Dosierungsempfehlungen gegeben werden: 4-10 mg Estradiol und 50-100 mg Cyproteronacetat. Die erste Zahl (4-10 mg Estradiol) erschien mir durchaus als gut und glaubwürdig, aber als er die Cyproteronacetat-Dosierung (auch bekannt als Androcur) nannte, da konnte ich mir einen spontanen Ausruf des negativen Erstaunens nicht verkneifen. In etwa so, als hätte ich gerade eine Faust in den Magen bekommen. Letztlich ist das auch sinngemäß so, denn 50-100 mg ist eine wirklich sehr extreme, viel zu hohe Dosierung. Meine Reaktion fand er aber gut und meinte: „Das war die richtige Reaktion.“

Im weiteren Gespräch habe ich dem Arzt gesagt, dass ich mich schon vor längerer Zeit dazu entschlossen habe, gar keine Blocker zu nehmen. Auch diese Entscheidung fand er gut.

Er sagte mir dann, dass er mir für den Anfang 4 mg Östrogen verschreibt. Ich soll jedoch darauf achten, ob sich Anzeichen von Thrombosen zeigen. Wenn ja, dann soll ich sofort zum Hausarzt gehen. Als nächstes schaute er sich meine Brust an und stellte fest, dass ich (neben der Fettbrust) durchaus schon ein wenig Brustgewebe habe.

Wegen der Thrombosegefahr schaute er sich noch meine Beine an, aber außer ein paar kleinen Besenreißern habe ich keine Krampfadern. Jedoch weiß ich, dass Krampfadern bei mir in der Familie häufig auftreten, also muss ich vorsichtig sein.

Zuletzt schaute er sich noch meine Hoden an, um deren Größe zu bestimmen und ich musste meine Perücke ablegen, da er sich noch den Haarwuchs ansehen wollte. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte verabschiedete sich der Arzt von mir und ich wurde zum Wartebereich des Labors geführt.

Nach ein paar Minuten wurde ich hinein gerufen. Die Assistentin nahm mir 4 größere Spritzen Blut ab. Dann legte sie das Blanko-Rezept in den Drucker ein und druckte mir mein erstes Rezept über 100 Stück Estradiolvalerat 2mg, von denen ich jeweils morgens und abends eine nehmen soll. Dann bekam ich noch einen weiteren Termin Ende September, und schon konnte ich gehen.

Von einem „schwierigen“ Arzt konnte ich nichts feststellen. Im Gegenteil, unser Termin und die Gespräche waren sehr angenehm für mich. Das lag aber sicherlich auch daran, dass ich von vorne herein klar gemacht habe, dass ich mich mit dem Thema Hormone schon im Vorfeld lange und intensiv beschäftigt habe und auch, dass ich mich entsprechend auf den Termin vorbereitet hatte.

Bei Estradiolvalerat handelt es sich nicht um reines Östrogen, sondern um den Valeriansäureester des Östrogen. Durch die zusätzliche Valeriansäure Gruppe wird das Östrogen einerseits leichter vom Körper aufgenommen, andererseits erreicht man damit einen gleichmäßigeren Hormonspiegel, weil diese Gruppe erst durch Enzyme abgespalten werden muss. Durch diese Seitengruppe entsprechen 4 mg Estradiolvalerat aber „nur“ 3,06 mg reinem Estradiol. Ich will mich aber gar nicht beschweren. Die meisten anderen haben mit 2 mg reinem Estradiol angefangen. Ich bin etwas kräftiger gebaut, von daher denke ich, dass diese effektiven 3 mg genau richtig sind für mich.

Heute ist nun der 5. Tag, an dem ich Hormone nehme. Spüre ich schon etwas? Und ob! Meine Brustwarzen sind erheblich berührungsempfindlicher geworden und ab und zu kribbelt und juckt es ein bisschen in diesem Bereich.

Ich freue mich schon auf die Wirkungen, die da noch kommen werden.

Alles in allem war es ein bedeutungsvoller und wichtiger Tag in meinem Leben. Und der verlief deshalb so gut weil ich einerseits mich gut vorbereitet, andererseits aber auch keinen Zweifel an meinem Willen gezeigt habe.

Allen Neuen noch ein paar Worte der Warnung: Die Hormonbehandlung kann niemals am Anfang des persönlichen Weges liegen (siehe hier). Bevor man damit anfängt kann ich nur dazu raten zuerst seine ganzen anderen Probleme in den Griff zu bekommen. Also sich selbst, die Familie, Freunde und die Arbeitsstelle. Diese 4 Komponenten muss man unbedingt mit auf die Reise nehmen. Und das braucht einfach seine Zeit. Bei mir hat das insgesamt 3½ Jahre gedauert. Und das war schon eine ziemlich schnelle Reise, so im Vergleich zu manch anderer, die ich kenne. Auf der anderen Seite mögen einem 3½ Jahre lang vorkommen, aber ich habe diese Zeit einfach gebraucht um mit mir und meinem Umfeld ins Reine zu kommen. Und deshalb war diese Zeit genau die richtige für mich.

Und so muss jede von uns, die den Weg bis hier oder noch weiter gehen will ihre eigene Geschwindigkeit finden. Mein Rat: Lasst euch Zeit…. es kommt nicht auf ein paar Monate oder sogar Jahre an. Es zählt letztlich nur eines: Glücklich und zufrieden zu sein.

Liebe Grüße
Marina

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Kleines 1×1 der Hormone

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Der Gendertreff beim CSD Düsseldorf 2013

Düsseldorf, 17.05.2013 „Generations of Love“ – so lautet das Motto des diesjährigen CSD Düsseldorf. Auch der Gendertreff ist zum 10-jährigen Jubiläum des CSD mit einem Stand (Sa. und So.) und auf der Parade am Sonntag vertreten. Das Rahmenprogramm am Freitag beginnt mit einer Podiumsdiskussion über das Thema „Transidentität an der Deborah vom LSVD, sowie Ava und Xenia vom Gendertreff teilnehmen.

Für Transgender stellt das Thema Liebe und Partnerschaft häufig ein Konfliktpotential dar: Ist beispielsweise ein Mann-zu-Frau-Transgender ein heterosexueller Mann mit einer weiblichen Psyche oder eine lesbische Frau in einem Männerkörper? Begriffe wie „Homosexualität“ oder „Heterosexualität“ beziehen sich demnach auf ein bipolares Geschlechtsmodell, das für transidente Menschen gar nicht zutrifft. Auch die Akzeptanz der Transidentität in der Partnerschaft wirft mitunter Probleme auf.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Wunschgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Wunschgeschlecht ist deshalb im Transsexuellen Gesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff unter http://www.gendertreff.de eine große Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit den Selbsthilfegruppen Gendertreff Rheinland in Düsseldorf und Brauhaustreff Opladen in Leverkusen ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

Gruß
Gendertreff

CSD-Düsseldorf 2012

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Alltag…

Marina beschreibt ihren Alltag:

Alltag, das beschreibt es am besten. Alltag ist das was ich erreicht habe. Marina ist Alltag geworden. Es ist das was ich immer haben wollte und jetzt, da ich es habe fühlt es sich doch irgendwie komisch an. Dieses Gefühl etwas Besonderes zu tun, etwas Besonderes zu sein ist weg. Dafür hat sich ein anderes Gefühl breit gemacht. Ein Gefühl von tiefer innerer Zufriedenheit. Eine Zufriedenheit, die ich so noch niemals zuvor erlebt habe.

Aber Alltag bedeutet nicht, dass ich nichts Neues mehr erlebe. Und davon möchte ich jetzt berichten:

In den letzten drei Wochen war ich mehrmals wieder im Außendienst, um die Kunden an meine Kollegen zu übergeben. Dabei war ich auch mit Kollegen unterwegs, mit denen ich schon lange vorher zusammen gearbeitet habe. Diese Kollegen sagten mir beide sinngemäß, dass sie mich noch niemals zuvor so ruhig und gelassen erlebt haben. Diese tiefe innere Zufriedenheit strahlt auch nach außen und ist sichtbar für diejenigen, die mich auch anders kannten.

In dieser Woche war ich mit einem Kollegen bei einem großen Kunden in Burghausen in Südost-Bayern, direkt an der Grenze zu Österreich.
Wenn ich jetzt zu Kunden gehe, dann verkleide ich mich nicht mehr als Mann, aber ich binde es auch nicht jedem Kunden direkt auf die Nase. Ich gehe einfach so rein wie ich auch sonst arbeiten gehe. Wenn man mich darauf anspricht, dann erkläre ich gerne was es mit mir auf sich hat, wenn nicht, dann eben nicht.
Dieses Mal kam das Gespräch eher indirekt auf mich, aber egal, ich habe dem Kunden erklärt, dass ich Transgender bin und meinen Alltagstest begonnen habe. Wie immer hatte ich unseren Flyer dabei und bat darum den Erklärungsteil zu lesen. Das hat sehr großes Erstaunen ausgelöst, denn der Kunde hatte das große, bekannte Vorurteil „Transgender sind schwul“. Deshalb verwunderte ihn die Aussage in unserem Flyer:

„Entgegen der vorherrschenden Meinung hat eine Transidentität nichts mit der sexuellen Orientierung der betreffenden Person zu tun. Demzufolge sind die meisten Transgender heterosexuell“

Ich erklärte, dass dieser Irrtum leider weit verbreitet ist, weil er so auch durch die Medien propagiert wird; Stichwort „Olivia Jones“. Aber auch, das ich ein lebendes Beispiel bin, dass dies meistens nicht so ist. Der Kunde sagte mir, dass er das interessant findet und wieder etwas gelernt hat. Er wird sich mal auf unserer Plattform umsehen.

…. Tja, jedes bisschen Öffentlichkeitsarbeit zählt … und „steter Tropfen höhlt den Stein“ sagt der Volksmund. Das ist unser Prinzip: immer weiter machen, die Öffentlichkeit aufzuklären.

An dem Abend war ich alleine, der Kollege ist nach der Arbeit direkt nach Hause gefahren. Zuerst war ich in einem mongolisch/chinesisch/japanischen Restaurant essen. Da gibt es nichts zu berichten, außer, dass ich schon in besseren Restaurants dieser Art war. Das Essen war durchschnittlich, nicht schlecht aber auch nichts Besonderes.

Es war ein schöner milder Abend und ich hatte einfach keine Lust wieder alleine auf dem Hotelzimmer zu sitzen. Ich hatte gelesen, dass in Burghausen gerade Mai-Wiesn ist, also dachte ich mir, ich schau mal. Auf dem Weg dorthin kam ich an der Bar vorbei, in der ich mit dem Kollegen am Abend zuvor ein Bier getrunken habe. Von weitem konnte ich schon das Riesenrad sehen und die Musik schallte herüber. Und so stand ich einen Moment etwas unschlüssig da, denn eigentlich bin ich kein Fan von bierseeliger baiuwarischer Fröhlichkeit. Dann fiel mir ein, dass ich gelesen hatte, dass man besser einen Platz im Festzelt reservieren soll. Das hatte ich natürlich nicht getan, also entschied ich mich nicht zur „Wiesn“ zu gehen sondern hier zu bleiben.

Wie ich da so stehe spricht mich eine Frau an, die dort vor der Bar an einem der Tische sitzt. Sie sagte mir, dass es zur „Wiesn“ da lang geht und zeigte in die Richtung. Ich meinte, dass ich eben auch darüber nachgedacht habe, dorthin zu gehen, aber eigentlich lieber hier bleiben würde. Also suchte ich mir einen Tisch, etwas weiter weg von ihr und versuchte mich zu setzen. Leider passte ich nicht in die aufgestellten Korbstühle mit Armlehne. Da sagte die Frau, dass es ihrem Freund auch immer so gehen würde. Es gäbe aber auch ein paar Stühle ohne Armlehnen. Der nächste derartige Stuhl stand genau am Tisch neben ihr. Ich fragte, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich mich stattdessen eben dort hinsetzen würde, was sie verneinte.

Ich nahm die Getränkekarte und überlegte was ich denn wohl trinken könnte. Die Frau neben mir empfahl mir den Grünen Veltliner Weißwein und dazu eine Karaffe Wasser. Sie hatte genau das auf dem Tisch vor sich stehen. Also eine Weinschorle zum selbst mischen…. Gute Idee. Ich bestellte genau das. Und so kamen wir ins Gespräch. Wir redeten über alles Mögliche, zum Beispiel, dass sie aus Ost-Holstein kommt und schon 17x im Leben umgezogen ist. Ich erzählte ihr auch so dies und das, aber das Thema Transgender kam gar nicht auf. Zwischendurch kam die Kellnerin an unseren Tisch und wir drei Frauen haben angestoßen. Dabei erfuhr ich auch, dass die Frau am Nebentisch Ulrike heißt.

Nach ca. 2 Stunden kam noch ihr Freund dazu, der gerade von der Schicht kam. Und wir drei redeten und redeten und redeten…. Erst nachdem ich zwischendurch einmal zur Toilette gegangen war kam die „berühmte Frage“ auf, nämlich wie lange ich denn schon eine Frau wäre…. OK, also haben sie es doch gemerkt. Ulrike erklärte mir, dass sie mich schon gesehen hatte, wie ich die Straße entlang kam. Und als ich so unschlüssig vor der Bar stand, merkte sie, dass ich etwas Besonderes bin. Sie sagte mir, dass ich für sie von ersten Moment an ein ein Frau war, auch wenn ich ziemlich groß bin und eine zu tiefe Stimme habe. Mein Benehmen, meine Gestik…. alles weiblich. Deshalb hat sie mich angesprochen.

Die Frage nach dem „wie lange denn schon“ kam auf, weil ihr Freund sie gefragt hat, während ich auf Toilette war. Na gut, also erklärte ich, dass ich erst seit knapp 3 Monaten Vollzeit lebe und ich noch keinerlei anpassende Maßnahmen hatte. Dann kam die nächste obligatorische Frage, nämlich auf welche Toilette ich gehe. Selbstverständlich die Damentoilette… Das wollte Ulrikes Freund irgendwie gar nicht verstehen. Wie ich denn auf die Damentoilette gehen könnte ohne GaOP? Für Ulrike und mich war es aber gar keine Frage. Sie betonte noch einmal, dass ich für sie eine Frau bin, und damit ist es wohl klar. Und die dritte unausweichliche Frage ließ nicht lange auf sich warten, nämlich ob ich denn einen Freund hätte. Auch hier musste ich erst einmal Aufklärungsarbeit leisten, genauso wie bei meinem Kunden zuvor. Nämlich das ich das bin, was manchmal in der Fachliteratur als eine männliche Lesbe bezeichnet wird. Auch das konnte Ulrikes Freund irgendwie gar nicht einordnen. Naja, egal, wir haben uns trotzdem noch weiter unterhalten bis die Bar zu gemacht hat. Das war dann um 1 Uhr morgens. Ulrike und ich haben noch Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und uns dann verabschiedet.

Ich muss schon sagen, das war für mich das aller erste Mal, das ich jemanden so zufällig kennengelernt habe. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Euch anderen mag das komisch vorkommen, aber wer so ein bisschen meine Geschichte kennt, der weiß warum.

Liebe Grüße
Marina

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Der Gendertreff beim Selbsthilfetag 2013 in Leverkusen

Leverkusen, 04.05.2013 „Selbsthilfe in Bewegung“ – so lautet das Motto des Selbsthilfetags am 04.05.2013 im Forum in Leverkusen. Doch was bedeutet dies für Menschen, die sich mit ihrem Geburtsgeschlecht nicht identifizieren?

Auch transidente Menschen möchten an sportlichen Aktivitäten teilnehmen. Gerade in der „Transition“ genannten Phase der Angleichung an das Identitätsgeschlechtgeschlecht stellt dies jedoch oftmals ein Problem dar. Körperlich noch Mann, rechtlich bereits schon Frau – oder umgekehrt – stellen sich Fragen wie:

  • Wo zieht man sich um?
  • Wie reagieren die Mitmenschen?

Grund genug für den Gendertreff, auf die Problematik mit einem eigenen Stand auf dem Selbsthilfetag in Leverkusen hinzuweisen und über das Thema Transidentität allgemein zu informieren.

Abends ab 20:00 Uhr lädt der Gendertreff dann herzlich ein, die Selbsthilfegruppe Gendertreff Leverkusen zu besuchen.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Identitätsgeschlechtgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Identitätsgeschlechtgeschlecht ist deshalb im Transsexuellengesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff unter https://www.gendertreff.de eine große Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit den Selbsthilfegruppen Gendertreff Düsseldorf und Gendertreff Leverkusen ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

Gendertreff – Interview im Leverkusener Anzeiger

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Jetzt ist halt der Papa die Mama

Dies hier möchte uns Joselle noch schnell zwischen durch erzählen:

Jetzt ist der Papa halt die Mama
„Mehr muss ich nicht wissen“, oder wieso ich dieses Erlebnis vor dem der ursprünglich angedacht war veröffentliche (kommt aber noch  😉 ).

Doch der Reihe nach.

Da meine Frau am Samstag arbeiten musste und wir zurzeit auf ein Auto verzichten müssen, habe ich Ihr Versprochen sie zu fahren (Aber beim nächsten Gendertreff in Leverkusen bin ich wieder dabei, versprochen).

Gegen Mittag habe ich mich doch dazu entschlossen einen Joselle-Tag einzulegen – auch um die eine oder andere Farbe mal auszuprobieren. Gegen Nachmittag klingelte das Telefon und meine Frau rief an um mich zu fragen, ob wir eine gute Freundin mit nach Hause nehmen können.

Buff. Da ging mir aber die Pumpe.

„Ist alles geklärt, sie weiß Bescheid, ich habe es Ihr gesagt“, sagte meine Frau noch bevor ich was sagen konnte.

Buff. Jetzt ging die Pumpe aber richtig.

„Bringe bitte Deine Vorstellung noch mit.“ Diese habe ich für so einen Fall entwickelt. (nochmals Danke an Chrissie  😉 ).

Die Freundin freut sich das Joselle sie abholt und nicht J…
Ich holte also meine Frau und unsere Freundin von der Arbeit ab und sie nahm mich gleich in den Arm und sagte mir wie hübsch ich aussehen würde.

Jetzt ging mir die Pumpe aber vor Glück!

Wir fuhren los, und sie las sich den Flyer vom Gendertreff und meine Vorstellung durch. Die Freundin war erstaunlicherweise gut informiert. Das kannte ich bisher nur aus dem Forum oder halt von den Stammtischtreffen. So unterhielten wir uns noch auf der Rückfahrt über das bisher Erlebte und die Fahrt endete in diesem Fall viel zu früh….
Die Freundin stieg aus, und gab den Umschlag an meine Frau zurück. „Möchtest Du die Vorstellung nicht behalten?“ „Der Papa ist jetzt die Mama und mehr muss ich nicht wissen.“

Am kommenden Tag erhielt ich noch eine SMS, dass nicht nur sie sondern auch ihr Mann mich schon fast bewundern – aber vor allem das ich einfach ich bin! Und das werde ich auch weiterhin sein.

Am kommenden Freitag werden wir uns um eine neue Frisur kümmern und so das Wochenende einläuten. Ich bin jetzt schon aufgeregt, aber erst muss noch die Arbeitswoche zu Ende gebracht werden.

Das musste ich Euch einfach erzählen.

Liebe Grüße wünscht

Joselle

P.S. Natürlich habe ich bevor ich losgefahren bin noch einmal das Make-up aufgefrischt und darauf geachtet, dass ich entsprechend gekleidet war.

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Shopping mit Körperverletzung

Eine gute Bekannte, die auch sehr häufig die Treffen des Gendertreff besucht hat, hatte bei einem der letzten Treffen in Leverkusen folgenden Erlebnisbericht abgegeben. Da ihr der Vorfall heute noch peinlich ist und ihr das Geschehene noch nach hinkt, möchte sie nicht namentlich genannt werden. Auch in diesem Blogbeitrag, verbürgen wir uns für die Richtigkeit des Berichtes.
Wir sind der Meinung, dass auch diese negativen Berichte in unseren Blog gehören, weil nicht immer und überall alles Friede Freude Eierkuchen ist:

Shopping mit Körperverletzung

An einem November-Samstag in 2012 ging sie alleine durch die Bonner Innenstadt zum Shoppen. Nachdem sie in einem bekannten Bekleidungsgeschäft mit zwei Buchstaben und einem „&“ dazwischen, einiges an vollen Tüten zusammen gekauft hatte, ging sie vor die Tür und stellte Ihre Einkaufstaschen auf einer Bank in der Fußgängerpassage ab und suchte etwas in Ihrer Handtasche. Die Innenstadt war gut besucht.

Plötzlich riss jemand Ihre Perücke vom Kopf und ein Jugendlicher rief: “ Na, Du Transe, zeig mal was Du Dir für Fummel gekauft hast.“, dabei wurden Ihr die Taschen entrissen. Drei Jugendliche waren es, die nun mit Ihrer Perücke fangen spielten. Sie war geschockt, hilflos und hatte in diesem Moment nur Angst erkannt zu werden. Niemand in der Menge hielt es für nötig zu helfen, auch die Security im Geschäft rührte sich nicht.

Sie konnte dennoch einem der Jugendlichen die Taschen wieder entreißen. Sie forderte einen der Umstehenden auf, ihr zu helfen, was dieser auch tat. So erhielt sie ihre Perücke zurück. Anschließend flüchtete sie zitternd zurück in das Geschäft. Von dort aus nahm sie einen anderen Ausgang und ging rasch zu Ihrem Auto im Parkhaus. Nur weg, dachte sie in diesem Augenblick.

Sie hatte lange damit zu tun, dies zu verarbeiten und hat dann endlich drei Monate später beim Gendertreff Leverkusen darüber berichtet. Sie dachte, sie hätte genug Selbstvertrauen und alles im Griff, war aber in diesem Moment so überrascht und geschockt, dass sie so falsch gehandelt hatte. Erschreckend an dieser Gegebenheit war, dass wieder einmal niemand von alleine zur Hilfe eilte!

Eine Körperverletzung ist der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit einer Person. Dazu gehört auch das Entreißen einer Perücke vom Kopf. Im deutschen Strafrecht wird die Körperverletzung in § 223 bis § 231 (Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit) sowie § 340 (im Abschnitt über Straftaten im Amt) StGB geregelt.

Leider hat sie keine Anzeige erstattet und wollte nur schnell weg von dem Tatort.

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Ja ist denn heut schon Weihnachten…

Oder der Besuch auf einem Ostermarkt…

Erlebt und geschrieben von Joselle:

Schon vor Ostern haben meine Frau und ich überlegt wie wir die Ostertage verbringen wollen. Natürlich mit Joselle!
Geplant war, dass sich Joselle bereits am Abend des Gründonnerstags verwandelt. Aber irgendwie fehlte mir der richtige Antrieb. Auch am Karfreitag überkam es mir nicht, so dass ich mir schon Anfing Gedanken über mich zu machen.

Am Samstagmorgen, nach dem meine Frau die Wohnung zur Arbeit verlassen hat, begann die Verwandlung in Joselle. Da war es wieder das richtige Gefühl – Endlich!
Eigentlich sollte ich noch was von zu Hause im Home-Office arbeiten, bekam aber keine Verbindung zum Server (liegt an der schnellen Internetverbindung….). Gut kein Arbeiten. Ich könnte doch noch nach Siegburg und ein wenig nach anderen Lippenstiftfarben usw. Ausschau halten.

Man war das voll in der Stadt. Da verließ mich die Lust und ich bin wieder nach Hause.

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema:

Nach einem schönen ausgiebigen Frühstück am Ostersonntag ohne Eiersuchen haben wir beide uns zurecht und auf den Weg nach Bergheim gemacht. Dort haben wir Tanja eingeladen und sind Richtung Mechernich zur Burg Satzvey gefahren. Dort war Weihnachtsmarkt – äh Ostermarkt.

Denn dort angekommen, fing es an zu schneien wie es an Weihnachten nicht geschneit hat. Das darf doch nicht wahr sein. Frau sorgt ja vor, und so habe ich die schönen schwarzen Stiefel mit Absatz in die ohne gewechselt. Und das war auch gut so. War das stellenweise ein Matsch. Wir waren zum Glück warm angezogen und genossen die Stände mit unterschiedlichen Warenangeboten, haben einen Kaffee getrunken und sind nach ein paar schönen Stunden wieder nach Hause gefahren – auch um mal wieder Wärme zu spüren.
Wir haben vorher aber noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen und haben Tanja wohlbehalten wieder zu Hause abgesetzt.

Zu Hause angekommen, haben wir uns erst einmal mit einer weiteren Tasse Kaffee aufgewärmt und den schönen Tag nochmal Revue passieren lassen.

Drei Freundinnen haben es sich gut gehen lassen…..

Joselle

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Sabine beim Personalchef

Autorin Sabine berichtet von einem guten Gesprächsverlauf in ihrem Betrieb:

Hallo Leute,

nachdem es in der vorletzten Woche gar nicht gut ausgeschaut hat, hat sich das Blatt wohl doch noch zum Guten gewendet.

In der vergangen Woche war mein Termin beim Personal Recruiting (so heißt das jetzt bei uns). Mit der Info aus der Vorwoche und meiner TS Kollegin bin ich dann auf die neunte Etage.

Freundlich sind wir empfangen worden, doch bei mir hingen die Ohren runter. Ich wurde gefragt, wie ich angesprochen werden wollte. Da ich ja "verkleidet" dort aufgeschlagen bin, hab ich es erst mal bei der männlichen Form belassen.

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Ana-Lynas erster Gendertreff Rheinland

Hallo ihr Alle,

am Sonntag d. 17. März 2013 war ich, Ana-Lyna, das erste Mal bei eurem/unserem Selbsthilfetreffen in Düsseldorf. Ich war doch sehr angetan von den Menschen an denen ich vorbei ging, um in den hinteren Raum zu unserem Tisch zu gelangen. Niemand hat „komisch“ geguckt. Ich war wirklich ein bisschen überrascht und glücklich, einfach so als Frau auftreten zu können. Und die Aufnahme als Frau in dem Kreis von euch Frauen und Männern ist mir sehr nah gegangen. 😉
Danke!

Draußen hat Ava Fotos von mir gemacht, u.a. für das Profil im Forum. Dann kam eine fremde Dame aus einer Gruppe fremder Leute und bot sich an, ein Foto von Ava und mir zu schießen. Das ist mir runter gegangen wie Öl. Alle haben sich durch ihre Gesten positiv uns gegenüber gezeigt. Ist das nicht schön?

Liebe Grüße
Ana-Lyna

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