Urlaub auf Usedom

Autorinnen: Ute & Xenia

 

Usedom, die zweitgrößte Insel Deutschlands - 445 km² (deutscher Anteil 373 km² – polnischer Anteil 72 km²), war unser diesjähriges Urlaubsziel.

Also ging es am Sonntag 26.8. los Richtung Nordosten. Eine Zwischenstation legten wir kurz vor der Elbe in Hitzacker (Lüchow-Dannenberg) ein. Nach der erholsamen Übernachtung und einem guten Frühstück legten wir die Reststrecke durch Mecklenburg-Vorpommern (MV) recht zügig zurück. An Schwerin, Rostock, Stralsund und Greifswald vorbei waren wir nachmittags in Heringsdorf auf Usedom angekommen. Kurze Einweisung und Schlüsselübergabe bei der Verwaltung und dann ging es durch den Wald nach Korswandt zu unserem Ferienhaus in der Waldsiedlung.
Sogleich belagerten wir die Doppelhaushälfte mit unseren Koffern. Die Fahrräder verstauten wir im Fahrradkeller. Dann fuhren wir gleich nach Ahlbeck zum Einkaufen.

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Erster Dortmunder TSD

DORTMUND ist die Stadt im Ruhrgebiet mit der längsten CSD-Geschichte. Dieser Tradition fühlen sich TransBekannt e.V. verpflichtet, indem am 18. August 2018 (12.00 bis 18.00 Uhr) der 1. Dortmunder TRANS* CSD veranstaltet wird.

Gemeinsam mit vielen befreundeten Selbsthilfegruppen, Vereinen und Organisationen (u.a. dem Gendertreff e.V.), soll zu den Themen TRANSGENDER, TRANSIDENT, NON BINARY, GENDERQUEER und GENDERFLUID informiert, sowie mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz erreicht, schlicht TRANS* bekannter gemacht werden.

Wir hoffen auf viele Besucher und Unterstützung. Wir sehen uns auf dem 1. Dortmunder TRANS* CSD …

 

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Abbruch

Autorin: Christiane

Ich habe meine Transition abgebrochen. Ich lebe wieder zu 100% als Mann, und mit meiner Frau und meiner Familie zusammen. Laut meinem Therapeuten existiert sogar eine Bezeichnung für meine Situation: „Trans* Alternativ“

Wie kam es dazu?

Vor etwa einem Monat hatte ich Geburtstag, meinen Ersten. Es war vor einem Jahr Ende Juli, dass ich aus dem Leben gehen wollte und es tatsächlich versucht habe. Meine Ängste waren zu groß, meine Verzweiflung ohne Gleichen. Ich habe überlebt. Mit dem Bewusstsein, dass es so nicht weiter gehen kann und sich etwas ändern muss.

Durch die Selbsthilfegruppe, den Dialog mit anderen Betroffenen und vor allem durch das aktive Ausleben, habe ich gelernt, dass ein Großteil dieser Ängste selbstgemacht und unbegründet ist. Dabei haben mir besonders Mitglieder des Gendertreff geholfen, insbesondere Marina, aber auch Rita, Steffi, Xenia und viele andere, die mir geschrieben und Mut zugesprochen haben. Jedoch besteht ein nicht vernachlässigbarer Anteil an realen Ängsten.

Ich habe eine Familie, zwei wunderbare Kinder, eine Frau die mich liebt, wie ich schmerzhaft erfahren musste nicht grenzenlos, da sie mit mir als Frau nicht leben kann.

Mir ging es im Laufe der Zeit immer schlechter, vor allem da mir klar wurde, dass eine Transition unweigerlich die Trennung bedeutet. Meine Frau hat für sich ganz klar entschieden, dass sie den Weg mit mir nicht gehen kann, sie kann mir bestenfalls als gute Freundin beistehen.

Das Märchen von unendlicher und grenzenloser Liebe hatte ich lange für mich aufrecht erhalten und musste schmerzlich feststellen dass die Liebe eben nicht grenzenlos ist. Das ist eine naive aber romantische Vorstellung. Ich kann aber durchaus behaupten, dass ich meine Liebe als grenzenlos begreife. Bei meiner Frau ist es anders, und ich kann ihr da keinen Vorwurf machen.

Die Transition stellt einen vor große Schwierigkeiten, von denen ein Teil durchaus lösbar ist, dennoch geht sie nicht ohne Verluste. Mir ist klar, dass ich mein altes Leben nicht mehr leben kann, das ist unmöglich, ich kann aber auch kein Leben ohne meine große Liebe leben. Sicherlich hätte ich durch die Transition einen enormen Gewinn für mein Leben, aber mir ist bewusst geworden, dass dieser Gewinn niemals meine Verluste wird ausgleichen können.

Ganz sachlich betrachtet habe ich eine Gewinn-Verlust-Rechnung erstellt und ausgewertet, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die Transition nicht weiter fortführen kann. Durch den Transitionsversuch habe ich vor allem gelernt was möglich ist und was nicht, und da ich zumindest in Teilzeit als Frau gelebt habe, bis auf zu Hause und bei uns im Ort, kann ich durchaus behaupten dass ich weiß, was die Transition bedeutet. Letztendlich sind meine Verluste zu hoch.

Ich hatte immer die Hoffnung, ich könne meine Frau dazu bewegen, den Weg mit mir gemeinsam zu gehen, vor allem da sie bereits seit nahezu 20 Jahren von meiner Transidentität weiß und ich hatte immerzu die Hoffnung, dass die gemeinsame Zeit und die Liebe uns zusammen schweißen würden. In den letzten 2 Jahren hatte ich meine Frau durch die Geschehnisse intensiv mit dem Thema konfrontiert und vor allem seit Ende letzten Jahres vieles voran getrieben. Aber nur ein bisschen Trans geht eben nicht. Ab dem Tag, an dem die Entscheidung fällt, ein Leben als Frau zu führen, verändert sich alles. Und leider ist nicht nur die Gesellschaft binär sondern auch das Leben an sich, so dass eben nur zwischen zwei Geschlechtern unterschieden wird. Zwischen diesen gibt es eine Grenze und selbst wenn es Definitionen von androgyn, non-binär oder ähnlichem gibt, ist der Mensch trotzdem entweder Mann oder Frau. Diese Grenze zu überschreiten bedeutet eine klare Zuordnung. Meine Frau kann diesen Weg nicht mit mir gehen, und ich würde sie verlieren.

Ich hatte gegen Ende meines Transitionsversuches schwer zu kämpfen, war wieder in der Notfall-Ambulanz in der Psychiatrie, nach einer wochenlangen schweren Lebenskrise und Zweifeln an meinem Leben, ebenso an der Möglichkeit, mir Hilfe zu holen. Ich war am Boden zerstört, hielt es noch nicht mal mit meinen Kindern im Kino aus, stand am Abgrund, ging in den Wald, hatte im Schlafzimmer Besuch von der Polizei, die ich letztendlich unter Tavor-Einfluss davon überzeugen konnte, freiwillig in die Klinik zu gehen. Mir ging es also trotz der Transition, aber eben wegen der Gewissheit, alles zu verlieren was mir tatsächlich etwas bedeutet, sehr schlecht. Und all das nur, weil ich meine Frau unendlich liebe und ich dabei war, sie zu verlieren.

Ich hatte Ängste und Panik. Vor allem vor der realen Gefahr, meine Frau zu verlieren, davor dass die Liebe nicht bedingungslos ist, dass da eben Grenzen existieren, da gibt es kein Zurück mehr wenn sie überschritten werden.

In meiner Transition war ich bereits recht weit, meine Coming Outs waren  überwiegend abgeschlossen. Viele Menschen wissen von mir, ich bekam viel Verständnis und Unterstützung aber auch Hass und Ablehnung. Ganz besonders hart waren solche Aussagen wie „Du machst Dich lächerlich“, „Er soll in die Hölle“, „Er ist der Teufel“, genauso auch wie Ekel, und sogar Übelkeit die bei anderen Menschen ausgelöst wurde. Aber ganz besonders die Ablehnung durch meine große Lebensliebe…

Die Transition ist nicht mein Weg. Ich weiß ich bin eine Frau, aber ich kann das nicht leben. Ich kann nicht ohne meinen Lebensmenschen leben. Ich verliere und kann diese Verluste nie wieder wettmachen. Ich habe den Weg der Transition versucht, werde mir niemals mehr vorwerfen können es nicht wenigstens mal versucht zu haben, und mir ist klar geworden das ich ihn trotz der persönlichen Erfolge nicht gehen kann.

Nun kann man sagen, dass mir doch klar sein muss, dass mein altes Leben als Mann nicht mehr funktionieren kann. Das konnte ich in den letzten zwei Jahren beweisen mit 3-monatigem  Psychiatrieaufenthalt wegen schwerer Depression, folgendem schwerem Suizidversuch mit Aufenthalt auf der Intensivstation, daraus folgend die Leistungseinschränkung auch im Job, verbunden mit entsprechenden Folgen zum Beispiel auch finanzieller Art. In den letzten zwei Jahren wurde mein Leben massivst auf den Kopf gestellt. Die Folge war dann die kurzzeitige vollzogene  Trennung von meiner Frau, zunächst innerhalb unseres gemeinsames Hauses und dann der überstürzte Auszug.

Ich bin natürlich immer noch bei meinem Therapeuten, er hat drei Sitzungen gebraucht bis er mich letztendlich in meinem Abbruch unterstützt hat, auch mein Psychiater begrüßt meine  Entscheidung, meine Logopädin findet es auch gut und mutig, die Logopädie habe ich natürlich abgebrochen, die Hormontherapie zunächst reduziert, gegen Ende Juli aber auch ganz abgebrochen, ich verfolge den Kostenübernahmeantrag für die Nadelepi nicht weiter trotz Zusage…

Wie gesagt, mein altes Leben funktioniert nicht mehr, ebenso nicht ein neues Leben. Ich muss nun einen Weg finden, wie ich mit irgendetwas dazwischen klar komme. Ich bin der Überzeugung, der Schlüssel liegt im Umgang mit der Transidentität. Und dieser Umgang ist nun nach all den sich überschlagenden Ereignissen natürlich ein ganz anderer als er früher war.

Ich kann nun offen darüber reden, muss nichts mehr verstecken oder verheimlichen, die Menschen wissen was mit mir los ist, ja ich kann es sogar jederzeit in Grenzen ausleben wenn mir danach ist. Mittlerweile habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass dieser Weg auch nicht wirklich einfach ist. Der Mensch denkt nach wie vor binär, und die anfänglich entstandene Verwirrung durch die Coming Outs wird durch den Abbruch noch verstärkt.

Was macht uns denn zu Frauen? Kiloweise Makeup? Hormone? OPs? Weibliche Kleidung? Klar das ist eine Angleichung des Äußeren an unser Inneres, an unsere Identität und an unsere Seele. Aber was ist mit dem Boyfriendlook? Der funktioniert bei uns nicht! Und im Blaumann? Werden wir auch als Mann gesehen. Wir müssen ganz heftig auf weibliche Attribute setzen um von der Gesellschaft auch nur ansatzweise als Frau wahrgenommen zu werden. Morgens in den Spiegel zu schauen und eine Frau zu sehen funktioniert nicht. Und wir werden immer Transfrauen bleiben,  also zumindest bin ich mir da bei mir sicher, bei 1,93m, breiten Schultern und großen Händen. Mir ist bewusst, dass eben sehr viel möglich ist, und wenn erst mal die Hormone jahrelang gewirkt  haben und diverse OPs hinter mir liegen würde mein Passing auch anders sein, aber es wird eben immer das Thema Trans* da sein und höchstwahrscheinlich wird das falsche Gendern niemals  aufhören.

Nein, ich kann den Weg nicht gehen. Ich verliere. Ich bin sogar der Meinung, dass die Transition mein Leben zerstört. Ich hasse meine Transidentität, weil sie so viel Schaden in meinem Leben  angerichtet hat.

Als Betroffene sehe ich mich jedoch in der Pflicht der Aufklärung. Und das ist ungleich schwerer. Wie meinte einer unserer Tennistrainer letztens: „Gott sei Dank, du wirst keine Frau. Du bist doch  ein Mann!“. Natürlich musste ich ihn erst einmal wieder aufklären. Unsere Gesellschaft macht es uns schon extrem schwer. Sie wird sich auch nicht ändern. Sie ist einfach binär und auch ich habe mich immer so gesehen und die meisten von uns stecken sich auch selber in diese Schubladen, denn wie wichtig ist alleine die Personenstandsänderung? Besonders die steht doch für die Unterwerfung unter diese Binärität!

Ich bin eine Frau. In einem hässlichen Männerkörper, den ich ablehne. Damit musste ich mich 40 Jahre abfinden. Damit werde ich mich auch in Zukunft abfinden müssen. Aber ich muss mich nicht mehr verstecken. Ich kann darüber reden. Jederzeit. Ganz offen und wenn es sein muss auch proaktiv. Ich stehe zu dem, wer oder was ich bin. Ich will aufklären, sehe mich auch als Botschafter/in in einem Kampf gegen die Gesellschaft, nur so kann ich etwas bewirken. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, kann ich den Menschen zeigen, dass es noch etwas anderes gibt, ohne dass sie mich gleich wegen meines Äußeren verurteilen. Viele sind überrascht, beschränken Glück auf materielle Dinge, verstehen nicht, wie man so empfinden und denken kann, aber ich erzähle dann von mir, von meinem unendlichen Leid und von meiner unendlichen Liebe.

Ich kann nicht sagen, ob und wie lange ich das schaffe. Aber es ist mein einziger Weg. Ich kann nicht nach hinten und nicht nach vorne, ich muss durch die Mitte durch. Ich bekomme Zuspruch  aber auch viel Zweifel, es würde mich irgendwann mit voller Wucht treffen. Mir bleibt nichts anderes übrig als es zu versuchen….

Mir ist es bewusst, dass viele ein Problem damit haben, wie nun meine Entscheidung ist. Es muss nicht immer nur der eine Weg Volldampf nach vorne sein. Es gibt auch noch andere  Möglichkeiten. Klar ich sehe mich als Frau. Aber ich weiß, dass ich den Menschen helfen kann, zu sich selber zu stehen, egal welchen Weg sie für sich wählen. Und ja, es ist eine Wahl. Dass wir so sind ist eine Tatsache, aber was wir daraus machen ist unsere eigene Entscheidung. Ich verstehe die Ängste, die Sorgen, die Panik, die unser Leben beeinflussen. Ich verstehe auch, wie man so  abstürzen kann. Genau hier setzt Selbsthilfe an, eben nicht nur den besten Operateur zu finden oder schnellstmöglich an die Hormone heran zu kommen, sondern auch eine aktive, intensive und  kritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, ohne daran zu verzweifeln und im Suizid zu enden. Das war auch monatelang meine Intention während meiner Besuche in den  Gruppenabenden, quasi seit August `15 bis Mai ´16, mich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen bevor ich irgendwelche Schritte unternehme und nicht nur stur nach vorne zu stürmen.

Viele sagen ich wäre schon so weit und könne nicht mehr zurück, auch damit muss ich mich nun abfinden. Aber ist es nicht toll, dass ich nichts mehr verheimlichen muss? Ich kann darüber reden,  ganz offen. Auch das ist ein Ergebnis meiner Coming Outs, sowohl privat als auch beruflich. Ich kann dafür einstehen, kann gegen Homophobie und Transphobie kämpfen, und dabei auch  irgendwie ich sein, ohne gleichzeitig zu verstören oder zu irritieren.

Ich komme derzeit ganz gut zurecht, mein Leidensdruck hält sich in Grenzen, vor allem dadurch, dass ich die Gewissheit habe, nichts mehr verstecken oder verheimlichen zu müssen. Meine Frau  sieht das natürlich auch und ermutigt mich sogar, mich wieder mit anderen Betroffenen zu treffen und meine Transidentität auch mal auszuleben. Wir haben quasi eine Übereinkunft getroffen, mit was sie einverstanden wäre, aber im Moment habe ich überhaupt keine Lust oder kein Verlangen danach.

Ich hoffe ich habe die Kraft, das so durch zu halten. Ich weiß vor allen Dingen auch, dass ich die Transition jederzeit wieder aufnehmen könnte, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, denn ich  habe bereits Erfahrungen gemacht, die mir diese Schritte vereinfachen würden. Das gibt mir Halt und Gewissheit. Natürlich habe ich neue Baustellen, an denen ich jetzt arbeiten muss, aber mein  durch die Transition gewonnenes Selbstvertrauen habe ich behalten und kann es erfolgreich einsetzen.

 

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Diskriminierung betrifft uns alle

Autorin: Vivian

War letztes Wochenende bei einer Mittelalter-Veranstaltung, die 800 Jahre feierten.

Soweit ok. Ist wie bei vielen solcher Märkte, wenig Gewandete (Kostüm sagen wir nicht gerne).
Aber man kennt sich die im Gewand die dort waren. Auf dem Parkplatz hatte ich Zweifel, da viele eher in „Zivil“ kamen. Habe dann doch mein mitgebrachtes Kleid angezogen und bin hingegangen. Eintritt war für alle gleich und mit 5 € günstig. Die Schausteller und die in dem Lager hatten andere Farben. Die mich kannten, begrüßten mich – sind eh immer die gleichen.

Ich bekam Hunger und suchte mir einen Essensstand. Auf dem Weg dahin fiel mir eine junge Frau auf, die angepöbelt und ausgelacht wurde. Ich lief ihr nach, da ich einen Verdacht hatte. An einem Stand verweigerte man ihr den Verkauf mit der Bemerkung, geh nach Hause und ziehe dich um. Ich sprach sie an was los ist und bat sie zu mir an den Platz. Ich bestellte für uns beide was zu Essen, bekam aber nur meines, ich fragte wieso. Der uns bedient hatte, meinte: „Der da soll verschwinden, er spielt sich als Frau auf dabei ist er ein Mann.“ Ich ging an den Essensstand und fragte, wer der Chef ist. Es kam jemand und großes Bla Bla folgte. Zum Schluss fragte ich sie, ob sie das Diskriminierungsgesetz kennen würden. Einer meinte nur, das beträfe doch nur Flüchtlinge. „Falsch“, erwiderte ich. „Es betrifft jeden von uns und zeigte auf die Leute. Da Sie sie nicht bedient haben, haben Sie sich strafbar gemacht.“ Ich hatte das essen noch nicht bezahlt und so ließ ich es stehen. Unter diesen Umständen gehe ich woanders hin.

Ich ging mit der jungen Frau nach Hause und sie wunderte sich, dass ich für sie einsprang. Bei ihr angekommen outete ich mich ihr gegenüber als Transfrau. Sie war echt überrascht. „Hätte ich nie gedacht“, meinte sie. Wir redeten ein wenig und ich half ihr noch beim Zurechtmachen. Dann gingen wir noch mal auf den Markt. Auf dem Weg dorthin meinte ich zu ihr, dass sie keine so großen Schritte machen und leiser und langsamer sprechen soll. Schau dir die Leute an. Ich gab ihr noch ein paar Tipps und dass sie sich eine Selbsthilfegruppe suchen soll.

Auf dem Markt wurden wir an den Ständen anständig bedient ohne hick hack. Ich stellte sie als meine Bekannte vor und sie genoss den Tag. Am WC-Wagen schaute sie mich erst unsicher an und ging dann selbstverständlich auf die Frauenseite. Als sie wieder raus kam meinte Sie, es könne doch alles so einfach sein. Später kam sogar jemand von dem ersten Essensstand und entschuldigte sich bei ihr.

Als ich zu Hause war, hatte sie mir auf den AB gesprochen und bedankte sich für meine Hilfe. Ich hoffe, dass sie ihren Weg geht. Gerne helfe ich, wenn jemand Hilfe braucht.

 

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Mein erster Ausflug zum Gendertreff Düsseldorf

Autorin: Daniela

Sonntag war ein ganz besonderer Tag für mich. Schon seit Wochen habe ich gefiebert, mich gefreut aber auch mit Ängsten gekämpft. Denn an diesem Tag sollte ich viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben tun.

Es sollte zum Gendertreff nach Düsseldorf gehen. Und nicht nur das, es sollte auch direkt en femme sein. Zum ersten Mal außerhalb der eigenen 4 Wände. Ursprünglich wollte ich ja erst mal in meiner männlichen Erscheinung vorbeischauen, aber je näher der Termin rückte, desto mehr fühlte sich das für mich einfach falsch an. Also stand irgendwann der Entschluss, einfach ins kalte Wasser zu springen.

Nun stellte sich die Frage der Umsetzung. Da ich eher Teilzeitfrau bin und meine Frau in unserem Viertel recht berühmt ist, wollen wir aktuell nicht, dass meine weibliche Identität groß bei uns bekannt wird. Gut, wenn es passiert, dann ist das eben so, aber wir wollen es einfach nicht darauf anlegen. Also haben wir mich nur zum Teil hergerichtet. Das Make-up, bis auf die Lippen, das Kleid unter der Jacke versteckt, und den Lidschatten unter einer Sonnenbrille. Zum Glück sind wir auf dem Weg zum Auto dann doch niemandem über den Weg gelaufen, denn an die roten Nägel hatte ich in diesem Moment schon nicht mehr gedacht. Die wären definitiv bemerkt worden.
Also Navi an und auf nach Düsseldorf. Die Fahrt von Bochum lief erwartungsgemäß unspektakulär. Das Navi setzte uns dann an der Einfahrt zum Kaisershaus ab. Alles komplett überfüllt und kein Parkplatz in Sicht, der Puls steigt.
Als wir dann endlich das Auto abgestellt hatten, haben wir schnell den Feinschliff vorgenommen. Perücke, Schmuck, Lippenstift anlegen, schnell die Jeans unter dem Kleid entfernen und die Schuhe wechseln. Keiner gesehen? Gut!

Da standen jetzt meine Frau und ich. Auf dem Grünstreifen in der Einfahrt und ein Rentnerpärchen nach dem anderen schritt an uns vorbei, während ich noch meine Handtasche kontrollierte.
„Schatz, wir sind wohl die einzigen hier. Bist du sicher dass wir hier richtig sind. Die Leute schauen schon etwas skeptisch…“, war von meiner Frau zu hören. Das war der Moment wo mir mein Pulsarmband vibrierend mitteilte, dass die 120 jetzt überschritten waren.
Ja ich war mir sicher richtig zu sein. Zum Glück hatte ich Drachenfrau´s Nummer und nach einem kurzen Text lief sie uns auch schon freudig entgegen. Was für eine Erleichterung! Dies war aber auch der letzte unangenehme Moment des Nachmittags.

Nachdem wir uns begrüßt hatten, zeigte sie uns wo genau die Gruppe saß. Meine Güte waren das viele Menschen. Wir mussten uns noch einen Tisch zum Anbauen besorgen. (Hihi und haben auch direkt einen Rüffel von der Bedienung kassiert, dass wir doch nicht alle Tische einsammeln sollten). Drachenfrau stellte uns vor und wir setzten uns. Ich habe mich direkt angenommen gefühlt. Das war wundervoll und so langsam ging der Puls auch wieder runter. Ganz ablegen konnte ich meine schüchterne Ader allerdings nicht. Das lag aber nicht an der Gruppe, ich brauche immer etwas mehr Zeit um mit neuen Menschen warm zu werden.
Meine Frau und ich haben dann ein bisschen mit den anderen gequatscht aber auch viel einfach auf uns wirken lassen. Wenn wir also etwas still rüber kamen, seid uns nicht böse. Der Tag war ein absolutes Abenteuer für uns beide.

Und er verging wie im Flug! Ich hatte mir vorgenommen ganz viele Fotos von meinem ersten Ausflug zu machen aber bis auf 2 Selfies habe ich nicht mal das geschafft. Noch heute bin ich total überwältigt, allem voran wegen der Freundlichkeit die uns von allen Seiten entgegen gebracht worden ist! Vielen, vielen Dank! Leider hat mich mein verfluchtes Namensgedächtnis mal wieder erwischt, deshalb muss ich so einigen Personen einfach das nächste Mal persönlich meinen Dank übermitteln. Denn ein nächstes Mal mit Daniela und Melanie wird es definitiv geben!

LG Daniela

 

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Ein Tag wie kein anderer

Autorin: Nathalie

Wie gewohnt waren wir auch in diesem Jahr zu unserem Lieblingsort auf Mallorca geflogen, um unseren Sommerurlaub zu genießen. 

In diesem Jahr war es aber etwas anderes, denn wir, Silvia und ich, hatten einen ganz besonderen Tag, unsere Silberhochzeit.

Im Vorfeld zu diesem Tag kam mir ein Gedanke, den ich unbedingt umsetzen wollte, um diesen Tag zu feiern. So schrieb ich die Geschäftsführung unseres Hotels an, ob meine Idee überhaupt umsetzbar sein würde. Die Antwort kam sehr schnell und Sie, Maria und Gayan, taten ihr Möglichstes, so dass wir diesen besonderen Moment in unserem Sinn genießen konnten. Selbstverständlich durfte Silvia von der Aktion nichts erfahren, da es ja eine Überraschung sein sollte.

Auf Mallorca angekommen genossen wir den Urlaub, mit Besuchen an verschiedenen Stränden und Orten, sowie einer sehr schönen Show im Son Amar. Im Hintergrund liefen die Vorbereitungen für die Erneuerung unseres Eheversprechens.

Selbstverständlich hatte ich mir einen Text zurechtgelegt, um Silvia einfach zu sagen wie sehr ich sie liebe und wie ich die vergangenen Jahre erlebte.

Nun standen wir vor unserem selbst gepflanzten Baum und alles war einfach weg. Ich fragte Silvia, ob sie Lust auf die nächsten 50 Jahre hat und sie hat „Ja“ gesagt!

Keine Frage, dass in diesem Moment sämtliche Emotionen heraus kamen. Fast alles hat so funktioniert, wie es geplant war, der Baum wird gepflegt und wir werden bei jedem Besuch sehen wie er gewachsen ist.

Wir möchten uns, auf diesem Weg, ganz herzlich für die Unterstützung bei dem gesamten Team des Parque Mar bedanken, die diesen unvergesslichen Tag möglich machte.

Liebe Grüße

Silvia und Nathalie

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DortBunt Teil 3

Unter dem Motto „DORTBUNT! Eine Stadt. Viele Gesichter.“ zeigte Dortmund im Mai 2018 seine bunten Facetten an vielen Plätzen, Bühnen und Orten in der gesamten City.

An vielen Plätzen, Bühnen und Orten in der City präsentierten sich Institutionen, Vereine, Verbände, Initiativen, Kirchen, Gewerkschaften, Kulturschaffende, Behörden, Selbsthilfegruppen und viele mehr.

Wer in die Innenstadt kam konnte feiern, staunen, lernen und Diversity erleben.

Der Gendertreff e.V. war auch wieder eingeladen um sein ehrenamtliches Engagement mit einem Stand zu präsentieren. Bei sehr schönem Wetter waren wieder tausende Bürger_innen in der Stadt unterwegs um zu schauen, zu genießen und sich zu informieren. Beim Gendertreff gab es zusätzlich zu den umfangreichen Informationen, Luftballons für die Kleinen, Nelken für die Erwachsenden und Kugelschreiber für alle. Klar das die „Grüne Karte für Diversity“ nicht fehlen durfte, die wieder zu Hunderten verteilt und mit genommen wurden.

Natürlich kam es auch wieder zu einem regen Austausch mit Freunden von TransBekannt e.V. und dem Landesdachverband NGVT e.V.

Schön dass wir wieder dabei sein durften und mit vielen guten Gesprächen auf das Thema Trans* im Allgemeinen und Speziellen aufmerksam machen konnten.

Wir freuen uns auf nächstes Mal.

 

>> Grüne Karte für Diversity

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Erfahrungsbericht Mastek – Große Schnitte

Autor: Jasha

 

Ich berichte, wie es bei mir abgelaufen ist, wie es mir ging, wie ich mich gefühlt habe. Das hat logischerweise keine Allgemeingültigkeit.

Kurz vorneweg: Vorgespräch nach sechs Wochen Wartezeit, Beantragung Kostenübernahme bei der Krankenkasse etwa einen Monat später, Kostenübernahmeerklärung kurz vor Ablauf der Fünf-Wochen-Frist. Am nächsten Tag Terminvereinbarung, OP dann ziemlich genau acht Wochen später.

 

Ich bin am Tag vor der Operation mit dem Zug angereist. Um 11.15 Uhr hatte ich Termin zum abschließenden Gespräch. Da ich ein bisschen Zeitpuffer eingeplant hatte, war ich schon eine Stunde früher im Krankenhaus und durfte gleich den Marathon starten: Anmelden in der Ambulanz der Plastischen Chirurgie, formale stationäre Aufnahme am anderen Ende des Gebäudes, zurück zur Ambulanz, zum Narkosegespräch wieder ans andere Ende des Gebäudes, zurück zur Ambulanz, Arztgespräch in der Ambulanz, zwischendurch noch verschiedene Papiere ausfüllen. Warten musste ich, obwohl deutlich vorm Termin da, kaum und so war ich um 11.15 Uhr schon wieder draußen. Beim Narkosegespräch wurde Blutdruck und Temperatur gemessen, beim Arztgespräch musste ich mich nicht nochmal ausziehen, denn beim Vorgespräch im September war die Brust bereits vermessen worden. Mittags ging ich in die nur 300 oder 400 Meter vom Krankenhaus entfernt gelegene Pension, in der ich mir ein Zimmer reserviert hatte. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, mir den Ort anzugucken und einen langen Spaziergang am Rhein zu machen. Aufgeregt war ich gar nicht, Vorfreude war es auch nicht, eher so ein Gefühl, von innerer Ruhe und, dass es das Richtige ist.

Am nächsten Tag (Freitag) sollte ich mich um 9 Uhr auf der Station melden. Dann saß ich erstmal drei Stunden im Aufenthaltsraum, weil der für mich geplante Zimmerplatz doch nicht frei wurde. Mit mir warteten noch andere Patient_innen, eine bekam ihr Zimmer und wurde um kurz vor 12 Uhr Richtung OP gefahren, der andere wurde schon früh auf eine andere Station geschickt. Ich wurde zur Mittagszeit einen Stock höher geschickt, wo der Bettenmanager einen Platz für mich organisiert hatte. Dort sah alles deutlich weniger nach Krankenhaus aus – es war eine der „Wahlstationen“, die normal wohl für die Privatpatienten sind. Diesmal saß ich im Aufenthaltsraum noch nicht mal richtig, da wurde ich abgeholt und kam in ein leeres Zweibettzimmer, das ich das ganze Wochenende für mich alleine haben sollte. Die Schwester brachte mir das OP-Hemd mit schickem Netzhöschen und ich sollte mich gleich umziehen, weil ich bald abgeholt würde. Ich packte schnell meine wenigen Sachen so aus, dass ich hoffte, da nach der OP halbwegs alleine dran zu kommen (also nichts nach ganz oben, ganz unten oder ganz hinten im Schrank) legte Buch, Kopfhörer, Socken (ich hab immer kalte Füße) und Unterhose ins Nachtschränkchen, damit ich da dran kommen würde, bevor ich das erste Mal unter Aufsicht aufstehen darf und wartete. Zwischendurch kam eine Schwesternschülerin rein, klebte mir ein Patientenarmband ans Handgelenk (dabei lief irgendwas schief: Die Schlaufe hatten mindestens den doppelten Umfang meines Handgelenks, es ließ sich nicht mehr öffnen, wir haben es dann mit den verbleibenden 3 mm Klebefläche irgendwie eng gemacht, aber die begrenzte Haltbarkeit war absehbar.) Zudem fragte sie, ob ich etwas zur Beruhigung bräuchte, aber ich war immer noch nicht aufgeregt.

Gegen 13 Uhr holte mich der „Taxifahrer“ ab und weil ich ja alleine im Zimmer war, wurde hinter uns abgeschlossen. Mit dem Aufzug ging es einen Stock runter und um ein paar Kurven, dann war ich im Wartebereich des OP. Dort musste ich schon mal aus den Ärmeln meines OP-Hemds schlüpfen, aber da und an allen weiteren Stationen, die ich wach erlebt habe, haben alle immer darauf geachtet, dass das ja quasi nur noch als Decke auf mir liegende Hemdchen nicht verrutscht. Mir wurde ein Zugang gelegt und gesagt, dass und warum ich mit einem weiteren an der anderen Hand aufwachen werde, ich bekam ein EKG geklebt, eine Blutdruckmanschette kam an den einen Arm und eine Klemme (ich glaube die ist zum Pulsmessen) an den Finger auf der anderen Seite. Dazu wurde noch ein Wärmeschlauch (Schlauch, in den warme Luft gepumpt wurde) um mich und unter meine Bettdecke gelegt. Irgendwann ging es weiter, ich musste vom Bett auf den Tisch klettern, bekam ein Häubchen auf den Kopf, meinen Wärmeschlauch wieder um und eine andere Decke über mich. Wie oft ich während des ganzen Tages nach Name und Geburtsdatum gefragt wurde, weiß ich nicht mehr. In dem nächsten Raum dauerte es wieder, wir flachsten ein bisschen rum, der Monitor spuckte für Blutdruck und Puls einen Lehrbuchwert nach dem anderen aus und mir wurde schon mal eine Infusion angehängt. Ich war wohl für 14 Uhr angesetzt, aber es war ein bisschen Verzug, eine der Schwestern ging zwischendurch mal gucken, wie weit sie waren. Dann kam ein Mann, stellte sich als Narkosearzt vor und leitete die Narkose ein. Ich spürte ein leichtes brennen im Arm, dann setzte meine Erinnerung aus.

Im Aufwachraum wusste ich erst nicht so recht wo ich war. Ich habe ein schwammiges Bild vor mir, dass drei Personen am Fußende meines Betts standen und versuchte das irgendwie in meinen normalen Alltag einzuordnen, irgendwann realisierte ich „Krankenhaus“, fragte mich warum, versuchte zu überlegen, ob ich mich erinnern konnte, wie ich dahin gekommen bin/wo ich zuletzt war. Ich erinnerte mich an Düsseldorf, daran, warum ich nach Düsseldorf wollte, guckte dann mal unter die Decke und sah dort um die Brust einen Gurt, der mit irgendwas unterpolstert war und auf dem ein Totenkopf prangte. Wie lange ich zwischen den einzelnen Gedankenschritten geschlafen oder gedöst habe, kann ich nicht sagen. Die erste Uhrzeit, die ich gehört habe war 16.30 Uhr. Zehn Minuten später wurde ich abgeholt und auf mein Zimmer gebracht. Die Schwester stellte mir Wasser hin, maß den Blutdruck, befestigte Klemmen an den Drainageflaschen und diese damit rechts und links am Bettlaken und ermahnte mich, das erste Mal nicht alleine aufzustehen. Seit 16.30 Uhr war ich auf jeden Fall die ganze Zeit „voll da“ und fühlte mich auch gut. Wirklich gefreut habe ich mich nicht, es war mehr ein Gefühl tiefer Zufriedenheit und dass der Oberkörper jetzt so ist, wie er sein soll. Ich tauschte ziemlich gleich die OP-Kleidung gegen meine bereitgelegte und fand es doch etwas ungewohnt, dass es jetzt völlig ok war, mit freiem, wenn auch dick verbundenem, Oberkörper da zu liegen. Insgesamt wussten nur wenige Menschen von der OP, denen ich ein Selfie mit Totenkopfverband schickte. Ich sah wohl schon wieder ziemlich fit aus, fanden zumindest meine Freunde. Gegen 17.30 Uhr klingelte ich, weil ich aufstehen wollte, es wurde nochmal Blutdruck gemessen und der Kreislauf blieb auch bei mir. Wenig später kam das Abendessen. Den Rest des Abends habe ich mit Hörbuch hören, bisschen Handy spielen verbracht, dabei bin ich immer wieder eingeschlafen. Zwischendurch hatte auch die Ärztin, mit der ich am Vortag gesprochen hatte, nochmal reingeschaut. Schmerzen hatte ich keine, obwohl ich nach der Narkose den ganzen Abend und die ganze Nacht kein Schmerzmittel genommen habe. Es war lediglich so ein Gefühl wie Muskelkater oder leichte Zerrung in der Brust zu spüren. Das einzige, was wirklich weh tat, war die Thrombosespritze, die mir der Nachtpfleger in den Oberschenkel statt in den Bauch gab, weil er nicht so nah am OP-Gebiet stechen wollte. Einer der beiden Zugänge wurde mir auch schon gezogen, als ich danach fragte. Die Nacht war mittelmäßig, weil ich eigentlich Seitenschläfer bin.

Samstagmorgen hatte ich Tabletten auf dem Nachttisch, ich fragte, was es sei und wir entschieden, dass ich erstmal nur Ibuprofen und Magenschutz nehme und die stärkeren Schmerztabletten, die auch auf den Kreislauf gehen, erst mal zurück gehen – ich brauchte sie während des gesamten Aufenthalt nicht. Frühstück und Abendessen gibt es in diesem Krankenhaus (auf Normal- und Privatstation) vom Buffetwagen. Die Servicekräfte kommen rein, fragen, was man möchte und bringen es direkt. Wer fit ist, kann auch raus gehen und selbst gucken, was man will. Beim Frühstück wird gefragt, was man zum Mittagessen möchte. Die Visite, am Wochenende bestehend aus Assistenzarzt_ärztin und Pflegekraft, kam auch irgendwann. Es wurde die Menge der Flüssigkeit in den Drainageflaschen notiert und der Brustgurt geöffnet. Ich konnte zum ersten Mal kurz das Ergebnis sehen oder zumindest erahnen. Auf den Brustwarzen waren mit so angeordneten Pflasterstreifen Polster befestigt, über den großen Schnitten klebte eine durchsichtige Folie. Die Narben waren zu erahnen, aber durch getrocknetes Blut nicht klar zu erkennen. Die Ärztin drückte vorsichtig ein bisschen auf der Brust rum und dann wurde mit vereinten Kräften die Bandage wieder eng angelegt. An diesem Tag verließ ich das Bett schon öfter mal, holte mir immer wieder selbst Wasser im Aufenthaltsraum und bekam nachmittags Besuch. Nervig war, immer an die Drainageflaschen zu denken, die sich zwar gut an den Hosenbund klemmen ließen…man musste nur vor dem Aufstehen dran denken. Bewegungen gingen relativ gut, solange die Oberarme nah am Oberkörper waren. Probleme machte es mir, Türen zu zuziehen und die Türklinke runter zu drücken, das wurde aber wie die Beweglichkeit/Kraft allgemein von Tag zu Tag besser. Im Bett aufrichten ging ohne Arme recht gut, zumindest wenn das Rückenteil nicht ganz flach war. Was Anziehen betrifft, stellte ich fest, dass ich ohne Probleme in die weiten T-Shirts kam, Jacken anziehen war deutlich schwerer, beim Ausziehen war es genau anders herum. Trotz Drainagen, habe ich mich wohl im Schlaf schon wieder auf die Seite gedreht, zumindest lag ich zweimal so, als ich nachts mit Schmerzen an der Stelle, wo der Schlauch aus dem Brustkorb kam, aufwachte. Wie ich das hin gekriegt habe, weiß ich nicht, denn wach konnte ich mich nicht drehen.

Sonntag lief die Visite ähnlich ab und es wurde beschlossen, dass die Drainagen raus können. Vom Ziehen der Schläuche habe ich so gut wie nichts gemerkt, geziept hat vor allem das durchschneiden der Fäden, mit denen die Schläuche angenäht waren. Danach konnte ich auch wieder auf der Seite liegen, zumindest wenn ich mich aus dem Sitzen gleich auf die Seite gelegt habe. Am Montagmorgen war die Runde bei der Visite dann etwas größer und kam sehr früh. Wieder Bandage auf, drauf gucken, fühlen, Bandage wieder drum. Im Laufe des Vormittags musste ich dann umziehen. Es standen zwei Praktikanten bereit, um mir beim Packen zu helfen, ich lehnte ab und räumte alles selbst auf mein Bett, das sie beiden Jungs dann runter schoben auf die Station, wo ich am Freitag schon mal drei Stunden gewartet hatte. Dort kam ich in ein Dreibett-Zimmer. Ich bekam den Platz direkt an der Wand zum Bad, in der Mitte lag ein älterer Herr mit vielen Schläuchen und wenig Kleidung, dessen Finger auf der Umschalttaste des Fernsehers fest gewachsen zu sein schien…wenn man länger als fünf Minuten den gleichen Sender guckt, wird es auch langweilig. Den Fensterplatz hatte ein Mann, ich schätze mal in den Dreißigern, mit verbundenem Arm der häufig in einer mir fremden Sprache telefonierte. Am mittleren Bett war viel Betrieb (Interview von Studierenden, Ernährungsberatung, Diabetesberatung, Stomaberatung, Sozialberatung, Visite, Pflege…). Zu mir kam zweimal die Mitarbeiterin des Sanitätshauses, vormittags um Maß zu nehmen und nachmittags, um die Kompressionsweste zu bringen. Als ich dann da im Zimmer stand (quasi vor den anderen beiden Männern, wobei ich nicht weiß, ob sie geguckt haben), sie die Bandage ab machte und mir die Weste einstellte und anzog, war das schon irgendwie ein komisches Gefühl, aber auch gut. Es hätte ja die Möglichkeit gegeben, dazu ins Bad zu gehen, aber sie schlug es nicht vor und ich fragte auch nicht. Ab Sonntag ging ich täglich ein bis zweimal raus und lief bei Regen auch drinnen über die Gänge. Ansonsten verbrachte ich viel Zeit mit Lesen und Hörbücher hören, die Anschaffung eines „richtigen“ Kopfhörers als Ergänzung zu den normal unterwegs genutzten In-Ear-Steckern hat sich auf jeden Fall gelohnt. Von Zeit zu Zeit saß ich auch mit meinem E-Book-Reader im Aufenthaltsraum oder unterhielt mich dort mit anderen Patient_innen.

Am Mittwoch wurden bei der Visite die Polster von den Brustwarzen genommen, die Folie auf den großen Narben sollte bis zu Ziehen/Kappen der Fäden drauf bleiben. Es sah alles gut aus, die Nähte um die Brustwarzen waren kaum zu sehen und alles schien gut durchblutet. Die Schwester kam zehn Minuten später zurück, um die Brustwarzen zu verbinden und der Entlassung stand nichts mehr im Wege. Zusammen mit dem Mann am Fensterplatz, der wie dann in bruchstückhaftem Englisch erfuhr aus Sri Lanka kam, ging ich in der Ambulanz unsere Entlassungsbriefe holen. Dann musste ich noch ein paar Stunden im Aufenthaltsraum warten, bis mein Bruder mich abholen kam. Ich saß nicht alleine da, weil auch andere Angehörige länger als geplant brauchten, weil es an diesem Tag schneite.

Insgesamt war mein Eindruck vom Krankenhaus gut, auch wenn manche Ecken wohl auch baustellenbedingt etwas heruntergekommen aussahen. Das Personal habe ich durchweg als freundlich erlebt. Das Essen war für Krankenhaus echt ok und die Kommunikation im Vorfeld (Terminvereinbarung, durchschicken der Kostenübernahme) unkompliziert.

 

Wieder zu Hause…

Da ich alleine wohne hatte ich meine Wohnung so vorbereitet, dass ich möglichst alleine klarkomme, was auch funktionierte. Klamotten hatte ich so viel wie möglich auf mittlere Höhe im Schrank geräumt, im Bad habe ich ohnehin nur niedrige Schränke, mein Geschirr und Töpfe hatte ich auf den Esstisch geräumt, Vorräte auf das mittlere Regalbrett in der Abstellkammer und auf ein Sideboard im Wohnbereich. Wasservorräte stapelten sich im Flur und in der Abstellkammer. Ich kam tatsächlich gut alleine zurecht. Alles was sich hält, hatte ich im Vorfeld besorgt, frische Sachen besorgte ich im Zuge von kleinen Spaziergängen im Supermarkt. Groß gekocht habe ich die erste Zeit zu Hause nicht, gerade die Bewegung beispielsweise beim Brot oder Gemüse schneiden, habe ich noch sehr deutlich gespürt, aber Tüten mit TK-Ware aufschneiden ging problemlos

Am ersten Tag nach der Entlassung war ich beim Hausarzt, der einen Vertretungsarzt in der Praxis hatte, der mir beim Entfernen des Brustwarzen-Pflasters einen Teil der Folie mit abriss. Er fand das nicht tragisch, ich klebte dann zu Hause ein wasserfestes Pflaster auf die Stelle. Ich diktierte ihm noch, was auf das Rezept für die Kompressionsweste zum Wechseln soll (hatte mir die Mitarbeiterin des Sanitätshauses aufgeschrieben) und er fragte mich nach Medikamenten. Warum er mir einerseits sagte, dass ich keinen Magenschutz bräuchte, weil ich ja nicht ewig Schmerztabletten nehmen wolle, er mir aber gleichzeitig eine 50er-Packung Ibuprofen 600 aufschrieb, obwohl ich gesagt habe, dass ich mit Schmerzmitteln noch versorgt bin, werde ich wohl nie erfahren. Tatsächlich habe ich die Schmerztabletten noch bis Freitag, also eine Woche ab OP-Tag, wie im Krankenhaus weiter genommen – Ibuprofen hat ja auch eine entzündungshemmende Wirkung. Am Samstag wollte ich auf Bedarf umstellen, aber der Bedarfsfall trat nie ein. In der folgenden Woche bin ich am Mittwoch das erste Mal wieder Auto gefahren, am Donnerstagabend war ich drei Stunden arbeiten und ab Freitag habe ich dann wieder fast normal gearbeitet. Am Freitagvormittag wurden auch die Fäden gezogen und gekappt. Die Krusten von den Brustwarzen fielen Großteils nach etwa vier Wochen ab, die eine Seite etwas früher als die andere.

Die Kompressionsweste sollte ich sechs Wochen tragen. Als diese vorbei waren stellte ich relativ schnell fest, dass von heute auf morgen ausziehen bei mir nicht funktioniert. Ich bekam nach wenigen Stunden Rückenschmerzen und fühlte mich auch unsicher. Ich machte es also wie bei Medikamenten, die man lange genommen hat: Ausschleichen lassen. Ich ließ die Weste zu Hause immer häufiger weg, zog sie aber an, sobald ich das Haus verließ, weil ich mich mit sicherer fühlte. Als ich zum ersten Mal ohne draußen war, hatte ich ständig das Gefühl, dass da doch was wackeln und für alle sichtbar sein müsste – dass da nichts mehr ist, war wohl noch nicht ganz im Kopf angekommen. Auch T-Shirt-Stoff locker auf der Brust zu spüren, war erst mal ungewohnt. Das zog sich über zwei Wochen, dann hatte ich Urlaub und konnte sie davon einen auf den anderen Tag ganz weglassen. Solange ich die Weste trug, habe ich die Brustwarzen mit Fett Gaze und Kompresse bzw. später nur noch Kompressen abgeklebt und über die großen Narben kamen erst selbstgebastelte Verbände aus Kompressen und breitem Papierpflaster und später nur noch ein Streifen Papierpflaster, damit die Kompressionsweste nicht daran reibt.

Nach drei Monaten war ich zur Kontrolle in Düsseldorf. Der Arzt war sehr zufrieden mit meiner Narbenbildung, ich bin es auch. Von den Narben um die Brustwarzen ist weder etwas zu sehen, noch zu spüren. Die Brustwarzen verlieren allerdings an manchen Stellen etwas Farbe – bisher fällt es beim flüchtigen Blick wie es ihn vielleicht im Schwimmbad geben würde, nicht auf. Die großen Narben sind noch fest, wobei der Bereich schon deutlich kleiner geworden ist, und rot. Von der Breite bewegt es sich zwischen Strich mit einem spitzen Bleistift und Strich mit einem stumpfen Bleistift. An der rechten Brust ist oberhalb der Brustwarze noch eine verhärtete Stelle. Derzeit massiere ich die gesamte Brust inklusive Narben von Zeit zu Zeit und probiere seit ein paar Tagen Silikon-Narbenpflaster, die das Gewebe rund um den Schnitt weicher machen sollen, aus.

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Handreichung zu Transsexualität in der Kirche

Quelle: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Diese Handreichung der Fachgruppe Gendergerechtigkeit der EKHN informiert über ein bisher kaum beleuchtetes Thema: Transsexualität und Kirche.

Erstmals hat sich eine evangelische Kirche in einer umfangreichen Publikation mit Fragen zur Transsexualität auseinandergesetzt.