Quelle: Dagmars coming out bei Siemens
Das Video ist auf dem YouTube-Kanal von Siemens und dient dazu, die Erfahrungen zu illustrieren und klar zu stellen, dass Siemens das Thema „Diversity“ unterstützt. Das Video ist wie folgt unterschrieben:
Trans*-Menschen, Angehörige, Interessierte
Autor: Hilling
So, ich dachte es wäre mal an der Zeit euch über den neuesten Stand aufzuklären.
Inzwischen habe ich nun auch meine Mastektomie hinter mir. Am 10. Juli 2014 war es soweit und seitdem ist ein langer Heilungsprozess von Nöten gewesen. Es war einerseits das Einfachste der Welt, da ich es mir schon immer gewünscht hatte und andererseits eine der ganz großen Hürden, da die Operation unbedachte Folgen hatte.
Die Operation an sich verlief super und es gab weder Komplikationen noch Probleme mit der Heilung. Nach 2 Tagen konnten die Drainagen schon raus, es waren nur ein paar Tropfen Blut raus gelaufen. Das Ergebnis sah am ersten Tag schon super aus. Nach 3 Tagen konnte ich entlassen werden und sah den nächsten 6 Wochen Ferien freudig entgegen. Ich musste nicht hart arbeiten, keinen Sport machen und wurde von meinen Eltern abwechselnd gepflegt.
Doch gerade dies sollte sich als eine der großen Hürden herausstellen. Ich schaffte es wenig Sport zu machen, ging zwar jeden Tag mindestens eine Stunde lang spazieren, doch dies genügte nicht um den sonst so hohen Kalorienverbrauch beizubehalten, den ich durch Sport erreichte. Ich nahm gewaltig zu, was sich zu dem Gewicht, welches ich durch Testosteron schon erlangte dazu addiert hatte und obwohl ich mich endlich schön fühlte litt mein Selbstbild doch gewaltig unter dieser Veränderung.
Nach den 6 Wochen Bewegungssperre durfte ich langsam wieder mit Sport anfangen, hatte jedoch immer noch nicht meine volle Beweglichkeit zurück erlangt. Dies führte auch zu Problemen in meiner Beziehung in der es aufgrund der Gewichtszunahme und der eingeschränkten Beweglichkeit zu immer weniger Körperlichkeiten kam, da ich mich nicht einmal auf einem Arm abstützen konnte.
Zum Glück erkannte ich jedoch den Hintergrund des Problems und als ich wieder etwas beweglicher wurde konnte ich mich überwinden meinen sonst so gerne gemachten Sport wieder aufzunehmen. Das Fett verschwand und die Muskeln wuchsen, was ich jedoch anfangs gar nicht mitbekam, das Gewicht blieb immer gleich. Bald sollten sich jedoch Komplimente zu meiner Abnahme häufen und ich merkte, dass die Anstrengung sich lohnte. Ich arbeitete weiter an mir und habe es inzwischen dank guten Operateuren und viel Schweiß geschafft einen Körper zu formen, dem man gut ansieht, dass er von Testosteron durchspült wird. Es kam nur unerwartet wie viel Arbeit ich darein investieren musste, nachdem die größte Unstimmigkeit, die Brust, entfernt bekam.
Allgemein bin ich nun zufriedener denn je, mein Körper stimmt immer weiter mit dem Selbstbild überein und ich schaffe es auch weiterhin an ihm zu arbeiten, denn meine Motivation hat durch die nicht mehr ganz so flache Brust (auch Brustmuskel genannt) einen erneuten Schub erlangt.
Und die Motivation steigt und steigt. Der so ersehnte Bart ist endlich da und lässt sich gut tragen. Die Stimme wird weiterhin tiefer, wenn auch nicht mehr so schnell (was sich durch die Hystorektomie nächsten Sommer jedoch auch noch ändern kann, so berichten viele Transmänner). Der Oberkörper wird breiter und die Hüfte schmaler. Alle meine Hosen sind zu groß und ich kann nun endlich normale Männerhosen kaufen ohne sie kürzen zu müssen, damit sie über die Hüften passen. Ich bin zufrieden all diese Schritte getan zu haben und ich bin stolz so gekämpft zu haben um mich so als neue Person zu erschaffen.
Ich habe an Selbstbewusstsein gewonnen. Ich habe an Mut gewonnen. Und ich habe gelernt für mich selbst einzustehen. Und das ist das wichtigste.
Ich werde weiter über folgende große Schritte berichten, wenn auch nicht mehr so häufig, da die Schritte mit der Zeit seltener werden und die kleinen Veränderungen oftmals im Alltag untergehen. Es ist ein schöner Alltag.
Und da ich die großen Hürden und das stressige Transitionsleben und die meisten Schulstresssituationen nun hinter mir habe würde ich diesen Alltag gerne auch öfter wieder mit euch teilen. Es tut mir Leid, dass ich euch so vernachlässigt habe, die mich am Anfang so gut unterstützt haben, aber dank euch waren diese Sprünge, welche für mich so bedeutend waren wie Mondlandungen, erst möglich und leider waren diese Sprünge auch zeitintensiv.
Es würde mich freuen, wenn ihr mich auch gerne wieder bei euren Treffen begrüßen würdet.
Alles Gute!
Autorin: Stefanie
Hallo,
ich komme gerade von einer kurzen Dienstreise nach England zurück.
Nach 15 Monaten war es dann mal soweit, dass ich meinen Personalausweis vorzeigen musste und das dann gleich vier Mal und zwar am Zoll. Es dauert ja leider noch ein paar Wochen, bis ich dann endlich den mit dem richtigen Namen habe.
Den dgti-Ergänzungsausweis habe ich ja nun auch schon eine Weile, bin aber bisher überall ohne ihn ausgekommen.
Nun erwies er sich als ein Mittel, um drei von vier Mal einem Zollbeamten ein Lächeln zu entlocken, was ja beileibe nicht immer der Fall ist.
Am Flughafen in Düsseldorf war beim Hinflug eine junge Zöllnerin an der Kontrolle, die echt interessiert war und wohl auch noch länger geredet hätte, aber ich war ja nun mal nicht die Einzige die durch die Zollkontrolle musste.
Bei der Einreise in England wieder eine Zöllnerin, die, als sie erkannte worum es ging, ebenfalls nett lächelte und mir einen schönen Tag wünschte.
Bei der Ausreise aus England war die Zollabwicklung zusammen mit dem Boarding und die gute Dame war einfach nur verwirrt als sie die zwei Ausweise in der Hand hatte und es war auch recht viel los. Ich erklärte ihr nur kurz, dass die beide von mir seien und dann ging es auch schnell weiter.
Bei der Wiedereinreise in Deutschland war es dann das einzige Mal ein Mann in dessen Schlange ich beim Zoll stand. Auch hier eine interessierte Nachfrage und ein Lächeln.
Allerdings zeigte sich dabei insgesamt auch, wie wenig bekannt der dgti-Ausweis wohl immer noch ist.
Aber im Endeffekt bleibt zu sagen, wer den Weg nach draußen gewagt hat und keine Lust mehr hat, sich für irgendwas zu verstellen, gerade bei Reisen kann dieser Ausweis einem viele Erklärungen ersparen, aber auch ein guter Einstieg für interessante Gespräche sein.
Für mich war es auf jeden Fall mal wieder schön, einigen Menschen ein echtes Lächeln ins Gesicht gezaubert und ein wenig Wissen damit verbreitet zu haben.
Liebe Grüsse
Steffie
Autorin: Julia
Lange her das ich hier mal was geschrieben habe. Daher musste ich das mal ein wenig strukturieren.
Trennung und Auszug
Ende 2013 haben sich meine Frau und ich nach einigem hin und her dann doch getrennt. Wir haben uns nicht in einem riesen Streit getrennt, sondern einfach festgestellt das unsere Lebensziele nicht mehr übereinander passen. Trotzdem war es eine schwierige Zeit, die uns beiden sehr weh getan hat. Immerhin waren wir knappe 17 Jahre zusammen und davon rund 6 Jahre verheiratet. Im Nachhinein mussten wir aber beide feststellen, dass die Entscheidung richtig war und wir beide damit glücklich sind.
Anfang 2014 ist Claudia dann auch aus unserem gemeinsamen Haus ausgezogen. Das bedeutete für mich das ich das erste mal in meinem Leben alleine wohnen musste. Ich habe die ersten Wochen viel Zeit und Energie in eine neue Ordnung in dem Haus gesteckt. Durch Claudias schwere Depression ist viel liegen geblieben das ich dringend wieder in eine vernünftige Ordnung bringen musste.
Neue Liebe
Über diese schwierige Anfangsphase hat mich meine neue Liebe gerettet. Christin hat mir sehr den Rücken gestärkt und mir immer wieder mit Rat und auch Tat zur Seite gestanden. Wir haben grade in den ersten 2-3 Monaten sehr viel Zeit damit verbracht unsere „verflossenen“ Beziehungen aufzuarbeiten. So konnten wir beide einen Schlussstrich ziehen und aus den Trümmern unsere Beziehung aufbauen. Durch eine verunglückte OP kam es dann dazu das Christin fast 8 Wochen bei mir gewohnt hat. Eine Zeit der ich heute noch sehr nachtrauere. Was bei einer Fernbeziehung wohl verständlich ist.
Das Leben
Christin hat mir aber auch immer wieder dabei unter die Arme gegriffen, wenn es darum ging mein Selbstbewusstsein aufzubauen. Das Leben findet nicht nur in den eigenen 4 Wänden statt. Sie hat mich immer wieder ermutigt auch vor die Tür zu gehen. Und es war mit Ihr am Anfang viel leichter. Es macht einen so großen Unterschied ob man alleine durch die Stadt läuft oder mit einer Freundin an der Hand. Andersherum konnte ich Ihr immer wieder die Angst nehmen sich mit einer Frau an der Seite zu zeigen. Ich glaube, dass es auch für eine Partnerin ein gewaltiger Schritt ist sich in eine lesbische Beziehung zu begeben. So schwer wie wir uns mit unserem Outing tun, so schwer tun sich nun mal auch unsere Partnerinnen.
Epi
Im Juni habe ich dann den ersten Schritt für die körperlichen Veränderungen gewagt und habe mir ein Studio für die Entfernung des Bartes gesucht. Heute habe ich die ersten zwei Termine hinter mir. Bisher bin ich unglaublich zufrieden mit dem Ergebnis. Der Bartschatten ist (fast) vollständig weg. Dadurch entwickelt sich ein ganz neues Gefühl der Sicherheit. Wo ich mich sonst nur mit viel Make Up im Gesicht vor die Tür getraut habe, konnte ich jetzt schon die ersten Male ohne Kosmetik vor die Türe. Die blonden Haare die übrig sind, sind so wenig und wachsen so langsam, das ich überhaupt kein schlechtes Gefühl habe. Diese Veränderung, obwohl es nur eine kleine ist, weckt den Hunger auf mehr. Ich kann es bis zu den Hormonen kaum erwarten. Aber auch hier will ich nichts überstürzen und das mit meinem Psych in Ruhe besprechen.
Ein Massenouting
Da das Outing im Kreise der Familie und der Bekannten ohne Probleme verlaufen war, war Anfang September der nächste Kreis dran. Die Mittelalter Szene. Hier wussten bisher nur die Leute Bescheid die ich auch zu meinem Freundeskreis zähle. Eigentlich war das Outing in der Szene erst für die Saison 2015 geplant. Das lag aber nicht an der fehlenden Motivation, sondern viel mehr an der fehlenden Kleidung. Aber auch hier konnte ich mich voll und ganz auf meine Freundin verlassen. Sie hat mit viel Fleiß komplett neue Klamotten für mich genäht. Und es mir dadurch ermöglicht schon viel früher als geplant auch das „Hobby“ als Frau zu erleben. Auf dem ersten Markt ging es rum wie ein Lauffeuer. Die meisten kennen mich schon lange Jahre und konnten es nicht so recht glauben. Viele haben mich gefragt ob ich eine Wette verloren hätte. Aber ich konnte so jedem erklären was diese Veränderung auf sich hat. Ich konnte mich an dem Wochenende kaum vor Komplimenten retten. Alle haben die Veränderung sehr positiv aufgenommen und mir viel Respekt entgegengebracht.
Der zweite Markt, vergangenes Wochenende, war der Abschluss von 8 Tagen in Vollzeit. Christin und ich haben erst ein paar freie Tage bei Ihr genossen und einiges dabei unternommen und sind dann zu dem Mittelaltermarkt gefahren. Es hat sich alles so normal angefühlt. Auf dem Markt haben wir dann ein paar Leute von dem ersten Markt wieder getroffen. Da war das schon alles verarbeitet und völlig normal. Bei den Leuten die ich noch nicht gesehen hatte gab es die unterschiedlichsten Reaktionen. Aber nie war sie negativ. Viele Leute kamen im Verlauf des Marktes und haben nach Christins neuem Freund gefragt. Ich saß meistens daneben. Sie hat mich denen die ich nicht kannte vorgestellt und dann die Situation aufgeklärt. Die meisten hatten mich für eine Freundin, aber nicht für die Freundin gehalten. Zwei Märkte die wichtig für mein Ego waren und super gelaufen sind.
Der Wechsel zurück in die alte Rolle für den erste Arbeitstag war dann aber leider alles andere als leicht.
Psych
Auch hier hat sich etwas getan! Nach eingem Suchen habe ich mittlerweile einen Therapeuten gefunden mit dem ich gut auskomme. Wir sind aktuell noch in der Phase in der wir uns kennenlernen. Aber die Ziele der Therapie haben wir schon abgesteckt. Ich möchte mit Ihm zu erst an der HRT und am Outing am Arbeitsplatz arbeiten. Danach dann die VÄ/PÄ angehen. Er hat in dem ganzen Thema Trans Erfahrung und begleitet nicht das erste mal eine Transfrau. Bisher habe ich auch den Eindruck das er sehr genau weiß wie er vorgehen muss. Übermorgen ist der nächste Termin und ich bin schon wieder sehr gespannt wie es weiter geht. Aber das erfahrt ihr erst beim nächsten Eintrag…
Julia
Autorin: Thara
Das lange Wochenende ist fast vorbei…
Sorry, wenn ich wieder so viel Text schreiben muss, aber ich muss mal einiges niederschreiben, sonst hebe ich noch ab. 🙂
Mit meinen Eltern lief die ganze Woche alles super. Sie stellen nur sachliche Fragen und wollen auch bald schon versuchen, mich mit meinem neuen Namen anzusprechen.
Dieser ändert sich auch noch einmal… Sie haben einen Vorschlag gemacht und er fühlt sich einfach super an: Thara (In Indien: die unendlich liebende). Wobei ich dann offiziell Thara Tanja bei einer PÄ eintragen lassen werde.
War viel unterwegs diese Woche, da ich nur am Mittwoch arbeiten musste und es war einfach nur… kann es nur unfassbar nennen…
Montag früh das erste Mal zu Hause geschminkt und als Frau das Haus verlassen – zum Hausarzt, Rezept holen. Beim Betreten der Praxis kommt mir eine Sprechstundenhilfe entgegen und sagt: „Ui hallo, na das sieht aber gut aus“
Der Hausarzt selbst hat mich auch kurz rein gerufen und meinte nur, das er sich auf der Straße nach einer Frau wie mir umdrehen würde…
Die Freundin meines Cousins hat mich mit Klamotten beschenkt, die ihr zu klein geworden sind, sowie mit Makeup. Donnerstag habe ich mit meiner Frauengruppe einen wunderschönen Tag in Gießen verbracht.
Freitag sind eine Freundin und ich dann spontan nach Frankfurt ins ehemalige Cocoon (jetzt Moon13) zur Ladies Night. Eintritt frei und 30€ Verzehr frei. Dazu gab es eine Karte vom Ladies Member Club (in Pink natürlich)(Freier Eintritt bis Jahresende)
Samstagvormittag Ohrlöcher stechen (bzw. nur frei machen, die alten gingen doch noch) und Augenbrauen zupfen (nur dezent wegen Arbeitsplatz zur Zeit noch). Abends dann auf eine Reggae-Party. Dort habe ich mich zum ersten Mal als Thara vorgestellt und (halt mich mal jemand fest bitte…) ein absolut bezauberndes Wesen kennen gelernt. War natürlich zu schüchtern, aber Sie hat mir jede Menge Komplimente gemacht und ein paar Mal meine Hand gehalten… In ihren Augen hätte ich ertrinken können. Ich weiß nicht einmal ob sie überhaupt lesbisch oder bi ist und hoffe einfach nur, dass ich sie in dem Café bald wiedersehe. Zumindest weiß ich, wie sie heißt…
Die ganze Woche über maximal Leute die 2x hin geschaut haben. Keine komischen Blicke, keine blöden Kommentare!
Es ist einfach unbeschreiblich wie mein Herz aufblüht, könnte letzte Zeit öfter weinen vor Glück. Schon immer habe ich alles geliebt was ist, aber habe mich in meinem männlichen Körper verkrochen und ihn versucht zu zerstören. Langsam findet diese Liebe jetzt einen Kanal nach draußen und sie kommt von allen Seiten zurück.
Ich glaube mein Kopf hat es noch gar nicht richtig kapiert, das kann auch noch ein paar Wochen dauern.
Sollte jemand einen Bleigürtel im Angebot haben, damit ich nicht 10cm über dem Boden schwebe -> kauf ich! 🙂
Ich wünsche allen noch einen wunderschönen Sonntag!
Thara
Autorin: Stefanie
Hallo zusammen,
nachdem ich mal wieder eine Weile nichts geschrieben habe, möchte ich den Stand der Dinge doch mal ein wenig aktualisieren.
Die beiden Gutachtertermine habe ich nun erfolgreich hinter mich gebracht.
Beim ersten (Dr. Behrends) wurde ich mit den Worten begrüßt: schon wieder eine große Frau. Danach machte er schon ein paar Anmerkungen, dass er ja gar nicht wisse, was er negatives schreiben solle, nachdem er meinen Lebenslauf gelesen hatte (immerhin knapp 8 Seiten, die man hier auch nachlesen kann, da es der Anfang dieses Tagebuchs ist). Dann hat er es aber doch noch geschafft mir 1,5 Stunden Löcher in den Bauch zu fragen. Er ging beinahe alle meine Aussagen aus meinem Lebenslauf durch wohl auch um zu prüfen, ob alles von mir kommt oder ich etwas dazu gedichtet habe. Da alles authentisch war, lief es aber recht entspannt. Ein wenig überrascht hat er mich nur als er am Schluss noch eine kurze Untersuchung machen wollte, die schon die Neurologin auch gemacht hatte. Aber auch hier nichts auszusetzen. 🙂
Etwas irritierend fand ich nur, dass er mir dann noch den sogenannten Düsseldorfer Fragebogen in die Hand drückte und sagte, den möge ich dann bitte zu Hause ausfüllen und kurzfristig zusenden. Naja, im Endeffekt hat es mich ein Lächeln, eine halbe Stunde und etwas Porto gekostet und dann war der ausgefüllte Fragebogen am nächsten Tag auf dem Postweg.
Knapp 4 Wochen später hatte ich dann den zweiten Termin bei Frau Schleussner. Auch hier wurde ich freundlich begrüßt und es ging in einer recht entspannten Atmosphäre los. Im Gegensatz zu Dr. Behrends legte sie bei ihren Fragen mehr Wert auf die Kinder- und Jugendzeit, wohl auch deswegen, weil auch in meinem Lebenslauf da nicht so viele Ereignisse drinstanden, die recht früh schon auf eine klare Transidentität hätten schließen lassen. Der Besuch dauerte auch nur knapp mehr als eine Stunde und endete auch in ein wenig Smalltalk und einem weiteren Tipp, wie man brüchigen Nägeln am besten auf die Sprünge helfen kann. Und sie informierte mich auch, dass entgegen ihrer Angewohnheit sie das Gutachten erst am übernächsten Wochenende schreiben würde (normalerweise macht sie nur einen Gutachtertermin pro Woche und schreibt dann am folgenden Wochenende gleich den Bericht). Sie konnte nämlich das Gutachten von der Woche davor noch nicht schreiben, weil sie ihrer Tochter beim Umzug geholfen hatte und dies nun erst mal nachholen muss. Danach habe sie dann noch Urlaub aber dann sei ich dran. Mir war es recht, da Dr. Behrends gar keinen Termin genannt hatte und da eine Woche mehr warten zu müssen, nicht wirklich relevant erschien.
Alles in allem kann ich nun zu den Gutachtern nur das sagen, was ich mir genau genommen schon vorher gedacht hatte. Wer den Weg bis dahin aus eigenem Willen gegangen ist und alles was an Unterlagen eingereicht wurde nur dem entspricht was man wirklich erlebt hat, muss sich niemand Sorgen machen, dass einen ein Gutachter ‚zerpflückt‘ oder Steine in den Weg legt. Seid ihr authentisch ist es nur ein Gespräch, das zugegeben ja nach Frage schon mal grenzwertig sein kann, aber hier soll möglichst in einem Gespräch jemand sagen, ob ihr ehrlich seid oder nicht. Da sind nicht alle aber viele Fragen ggfs. auch sinnvoll. Also einfach den ausführlichen Lebenslauf nicht schönen, sondern einfach schreiben was passiert ist und gut.
In meinem Urlaub vor dem zweiten Termin habe ich es dann auch endlich mal geschafft mich um eine weitere Baustelle zu kümmern. Ich hatte ja schon Anfang 2013 mit IPL des Barts begonnen und mittlerweile 11 Termine hinter mich gebracht. IPL ist aber leider nicht dauerhaft und wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Anfangs war es mir egal, da ich einfach was tun wollte. Nun aber war es an der Zeit auf die Nadelepilation umzusteigen. Ich hatte mir nun endlich einen Termin besorgt und bekam dann sehr ausführlich erzählt, welche Haarwuchszyklen es gibt und die im Gesicht leider wohl über 7 Jahre laufen können. Ebenso ist die Nadelepilation, wenn auch sehr effektiv, leider auch sehr aufwändig, da nun wirklich Haar für Haar behandelt werden muss und das bei ich glaube 800 Haaren pro Quadratzentimeter (nicht schlagen wenn der Wert nicht ganz stimmt, aber so habe ich es mir gemerkt ).
Wie dem auch sei, ich habe dann auch den ersten Termin für eine Probebehandlung gemacht und ich muss sagen, IPL ist ein wenig angenehmer weil auch in der Regel kürzer und auf einer größeren Fläche. Nachdem ich nun auch den Kostenvoranschlag habe, werde ich am kommenden Montag den Antrag für die Kostenübernahme bei meiner Krankenkasse abgeben.
Zum guten Abschluss hatte ich dann letzten Samstag auf einmal wieder Post vom Amtsgericht. Die Kopie des ersten Gutachtens kam in einem grauen DINA5 Umschlag, der noch nicht mal verschlossen war. Aber egal, der Inhalt war ja noch drin. Meine Herrschaften: 20 Seiten. Aber das schöne stand auf den letzten 2 Seiten. Das Ergebnis bzw. die Antworten auf die 3 Fragen, die das Gericht gestellt hat und die waren alle positiv. 🙂
Jetzt heißt einmal mehr wieder warten, dieses Mal auf das zweite Gutachten und das Urteil vom Gericht. Der einzige Wermutstropfen wird dann aber wohl auch nicht mehr lange auf sich warten lassen, nämlich die Rechnung zum Verfahren.
Es geht weiter voran und so ganz nebenbei läuft das Leben mittlerweile in ganz normalen Bahnen.
Für alle die noch am Anfang stehen sei gesagt: es geht beinahe alles, solange man mit Herz und Seele dabei ist, aber bitte hört auf euer Herz und die Seele und macht nichts, was sich falsch anfühlt, denn das ist es oft genug auch. Ich persönlich hatte das Glück wie genug andere auch, dass als wir den Weg endlich eingeschlagen haben, es für uns zu 100% feststand, dass es der einzig richtige Weg ist. Aber holt euch auf jeden Fall Unterstützung und wenn es auch nur für den Anfang sei. Alle sollten sich nämlich auch kritischen Fragen stellen, die aber halt dann auch von jemandem kommen sollten, der weiß wovon er redet.
Die Gesellschaft ist heutzutage viel aufgeschlossener als viele meinen, wer aber eine Zielscheibe anbietet, muss auch damit rechnen, dass man verbal auf ihn schießt. Anfangs kann das verdammt wehtun und einen auch zweifeln lassen. Aber lasst euch gesagt sein, ein Mensch der euch ehrlich sagt, wie tapfer er/sie es findet, was ihr tut und euch ein wenig unterstützt hilft so manches unbedachte Wort aufzuwiegen. Seid selbstbewusst und man wird euch akzeptieren. Gesteht aber dem Rest der Welt auch ein, dass es nur Menschen sind, die auch Fehler machen und mancher Ausspruch auch nicht wirklich böse gemeint ist. Durch die ein oder andere Erfahrung ganz zu Anfang, habe ich angefangen auch mal über mich und mein Verhalten nachzudenken. Auch ich habe Menschen die nicht der Norm entsprechen aus Neugierde angeschaut und mit Sicherheit auch das eine oder andere mal länger, als es höflich gewesen wäre. Man sollte halt nicht jeden Blick der auf einen gerichtet wird überbewerten (auch wenn das am Anfang zugegebenermaßen schwierig ist). Ich bin stolze 190cm was für eine Frau auch heute nicht so typisch ist. Auch deswegen schauen mich die Leute an, aber auch oft genug nur genau deswegen. Also Kopf hoch und geht euren Weg, aber hinterfragt euch auch immer wieder mal selber. 😉
Liebe Grüße
Steffie
Am 30.08.2014 gab es eine echte Premiere: Denn erstmals fand in Aurich ein CSD statt – der erste CSD in Ostfriesland überhaupt. Und der Gendertreff hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, beim ersten ostfriesischen CSD mit einem Infostand vertreten zu sein. Selbstverständlich haben wir auch an der Demonstration teilgenommen.
Doch immer der Reihe nach: Wie kommt der Gendertreff zum CSD in Aurich? Ganz einfach: Gidion aus dem Gendertreff-Forum kommt aus Aurich. Und da sie auch regelmäßig unsere Treffen / SHG besucht, kam irgendwann während des Gendertreff Leverkusen zu später Stunde spontan die Idee auf, am CSD in Aurich teilzunehmen. Denn immerhin sollte es der erste CSD überhaupt in Ostfriesland sein.
Also haben wir uns zum CSD in Aurich angemeldet und unsere Teilnahme in einer Pressemeldung angekündigt. Diesmal mussten wir allerdings richtig früh aufstehen. Der CSD in Aurich sollte zwar erst um 14:00 Uhr beginnen, aber wir mussten ja schließlich vorher aus dem Rheinland anreisen. Wie man sieht, waren wir aber pünktlich da und wurden von Gidion auf dem CSD-Gelände empfangen.
Jeder CSD beginnt mit einer Bastelstunde, denn wir müssen ja zunächst einmal unseren Stand aufbauen. Doch nach dem Aufbau gab es für die Weitgereisten erst einmal eine Kaffeepause, denn Gidion hatte uns mit frisch gebrühtem Kaffee erwartet. 🙂
Hier sehen wir Gidion, unsere ostfriesische Trans*-Botschafterin im Gendertreff-Infostand.
Noch war es leer auf dem CSD-Gelände und auch an den anderen Ständen waren die Aufbauarbeiten voll im Gange. Wir ließen uns derweil den Kaffee schmecken.
Bis jetzt war das Wetter besser als angekündigt. Sollten wir wirklich wieder einmal Glück mit dem Wetter haben?
Auch die LKW für die Demonstration standen bereits geschmückt bereit. Der CSD Aurich 2014, der erste CSD in Ostfriesland, konnte starten.
Und tatsächlich: Langsam füllte sich das CSD-Gelände. Hier sehen wir den Blick aus unserem Infostand auf den Platz, der in wenigen Stunden Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz heißen sollte – benannt nach einem Auricher, der vor vielen Jahren Vorreiter in Sachen LGBT war.
Ein weiterer Blick aus unserem Stand zeigt, dass sich die Besucher des CSD Aurich nicht von den Wetterprognosen abschrecken ließen. Zwar war es deutlich ruhiger als auf den CSD’s in den großen Städten, an denen der Gendertreff bislang teilgenommen hatte. Aber die Auricher machten das mit der Freude über den ersten ostfriesischen CSD locker wieder wett. Wir haben uns jedenfalls auf dem CSD Aurich richtig wohl gefühlt.
Dann entwickelten sich auch schon die ersten Gespräche am Stand. Hier sehen wir Gidion mit Alexandra, die dann auch am Stand mitgeholfen und uns auf der Demonstration begleitet hat. Vielen Dank dafür. 🙂
Natürlich haben wir auch die obligatorischen Fotos mit der Standbesetzung gemacht.
Die Stiefel zeigen: Gendertreff-Stand und Standbesatzung waren wetterfest und somit bestens vorbereitet.
Und das war gut so, denn das Wetter hielt, was uns versprochen wurde: Bestes ostfriesisches Küstenwetter, so wie es sich für einen Sommertag im August gehört.
Es schüttete wie aus Eimern und es wehte das, was man an der Küste wohl etwas mehr als nur eine steife Brise nennt. Aber der Gendertreff-Stand ist ja sturm- und regenfest. Außer ein wenig Wasser von oben ist nichts passiert. Und während die Wolken noch bedrohlich über uns hingen, machten wir nach dem Regenguss schnell wieder den Stand klar.
Aber nicht nur das Wetter schien uns ärgern zu wollen. Auch auf der neuen Beachflag hat ein Fehlerteufel zugeschlagen:
Aber wir nehmen so etwas mit Humor, denn irgendwie ist sogar etwas Wahres dran: Wir sind gern der Treff für Transgender, Angehörige und Interessierte. Denn uns macht die Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit für transidente Menschen und ihre Angehörigen auch im 10-jährigen Jubiläumsjahr immer noch viel Spaß. Ja, wir machen das wirklich gern und deshalb sind ostfriesisches Sommerwetter und ein Tippfehler eher ein Ansporn für uns, die nächsten 10 Jahre in Angriff zu nehmen. Und wer weiß? Vielleicht feiert der CSD Aurich ja 10-jähriges Jubiläum, wenn wir das 20. feiern? Dann feiern wir nämlich zusammen beim CSD Aurich 2024.
Na ja, die Beachflag ist beim Hersteller reklamiert und die neue bereits in Arbeit. 😉
Da das Wetter nach dem Schauer wieder besser wurde, ging der Standbetrieb weiter. Auch Ballons wurden wieder fleißig verteilt. Und wie man sieht, lassen sich die Auricher von etwas Regen auch den ersten ostfriesischen CSD nicht verderben.
Dann nahmen wir Aufstellung, denn zum CSD gehörte auch eine Demonstration durch Aurich.
Die Demo ging einmal rund um die Auricher Innenstadt. Das Motto des CSD Aurich – „Sehen und Gesehen werden“ – wurde für alle Auricher sichtbar umgesetzt.
Auch wir waren mit unserer diesmal ungewöhnlich kleinen Fußgruppe dabei und zeigten den Aurichern, dass es transidente Menschen gibt.
Dabei haben wir natürlich auch wieder fleißig viele Infoflyer verteilt.
Im Hintergrund ist es deutlich zu sehen: Wir sind tatsächlich in Aurich, beim ersten CSD in Ostfriesland. Und das ist gut so, denn im ländlichen Raum ist es für Transgender viel schwieriger, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu helfen. Es ging uns deshalb also nicht nur darum, auf Transidentität aufmerksam zu machen. Vielmehr möchten wir auch zeigen, dass es Anlaufstellen für Transgender und ihre Angehörigen gibt.
Und auch denen, die sich noch nicht heraustrauen oder die nicht wissen, wie sie mit ihrer Transidentität umgehen sollen möchten wir Mut machen und Wege aufzeigen. Ganz so, wie es der CSD in Aurich als Motto ausgegeben hat: „Sehen und Gesehen werden.“
Und so zogen wir weiter durch die Auricher Innenstadt.
Gegen Ende der Demonstration hatten wir auch alle Flyer verteilt.
Dann kam die Demonstration schließlich wieder auf dem CSD-Gelände an und wir führten noch diverse Gespräche an unserem Infostand. Kurz vor dem Abbau zeigte das ostfriesische Sommerwetter sich nochmal von seiner stürmischen Seite mit viel Wind und fast waagrecht auftreffendem Regen. Aber bei der Demonstration war es trocken geblieben und unser Infostand ist ja wetterfest.
Nach dem gemeinsamen Abendessen fuhren wir dann wieder zurück ins Rheinland, wo wir spät in der Nacht erschöpft aber zufrieden ankamen. Nur Gidion ist als Auricherin natürlich noch auf der CSD-Party gewesen.
Uns hat der erste ostfriesische CSD in Aurich viel Spaß gemacht. Wir bedanken uns bei den Organisatoren und kommen gerne wieder. 🙂
Der §2 des Transsexuellengesetz legt fest, dass für das Verfahren das Amtsgericht am Sitz des Landgerichts zuständig ist, in der der_die Antragsteller_in ihren Hauptwohnsitz hat. Die jeweilige Landesregierung kann per Rechtsverordnung auch andere Reglungen festlegen. Daher sind die genauen Zuständigkeiten von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.
[Zitat]
§ 2 Zuständigkeit
(1) Für die Entscheidung über Anträge nach § 1 sind ausschließlich die Amtsgerichte zuständig, die ihren Sitz am Ort eines Landgerichts haben. Ihr Bezirk umfaßt insoweit den Bezirk des Landgerichts. Haben am Orte des Landgerichts mehrere Amtsgerichte ihren Sitz, so bestimmt die Landesregierung durch Rechtsverordnung das zuständige Amtsgericht, soweit nicht das zuständige Amtsgericht am Sitz des Landgerichts schon allgemein durch Landesrecht bestimmt ist. Die Landesregierung kann auch bestimmen, daß ein Amtsgericht für die Bezirke mehrerer Landgerichte zuständig ist. Sie kann die Ermächtigungen nach Satz 3 und 4 durch Rechtsverordnung auf die Landesjustizverwaltung übertragen.
(2) Örtlich zuständig ist das Gericht, in dessen Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz oder, falls ein solcher im Geltungsbereich dieses Gesetzes fehlt, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat; maßgebend ist der Zeitpunkt, in dem der Antrag eingereicht wird. Ist der Antragsteller Deutscher und hat er im Geltungsbereich dieses Gesetzes weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt, so ist das Amtsgericht Schöneberg in Berlin zuständig; es kann die Sache aus wichtigen Gründen an ein anderes Gericht abgeben; die Abgabeverfügung ist für dieses Gericht bindend.
[/Zitat]
Baden-Württemberg
Gemäß der Verordung sind die Amtsgerichte
zuständig.
Bayern
Die „Verordnung zum Transsexuellengesetz“ regelt welche Amtsgerichte zuständig sind.
Diese Aufteilung ergibt sich aus der Zuständigkeit der jeweiligen Oberlandesgerichtsbezirke.
Berlin
Zuständig ist das Amtsgericht Berlin-Schöneberg, welches auch für sämtliche Anträge von Auslandsdeutschen zuständig ist.
Brandenburg
Gemäß der Verordnung ist das Amtsgericht Potsdam zuständig.
Bremen
Zuständig ist das Amtsgericht Bremen.
Hamburg
Zuständig ist das Amtsgericht Hamburg-Mitte
Hessen
Gemäß der Verordnung sind die Amtsgerichte
zuständig.
Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern sind diese Amtsgerichte zuständig:
Niedersachsen
Das Niedersächsische Landesjustizportal bietet umfassende Informationen zum Thema „Angelegenheiten nach dem Transsexuellengesetz (TSG)“.
Zuständig sind die Amtsgerichte:
Nordrhein-Westfalen
In NRW sind gemäß Verordnung die Amtsgerichte
zuständig.
Rheinland-Pfalz
Das Amtsgericht Frankenthal ist zuständig für alle Verfahren in Rheinland-Pfalz.
Saarland
Zuständig ist das Amtsgericht Saarbrücken, Nebenstelle Heidenkopferdell.
Sachsen
Zuständig sind die Amtsgerichte
Sachsen-Anhalt
Eine Verwaltungsvorschrift legt als zuständige Amtsgerichte fest:
Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein sind folgende Amtsgerichte zuständig:
Thüringen
In Thüringen sind folgende Amtsgerichte zuständig:
Stand 31.08.2014
In der Regel müssen folgende Unterlagen eingereicht werden:
Zusätzlich können diese Unterlagen eingereicht werden, bzw. werden angefordert:
Informationen und Änderungswünsche werden gerne entgegen genommen.
Änderungen vorbehalten.