Hallo Welt

Autorin: Drachenfrau

 

Hallo Welt,

hier bekommt nun die Geschichte von Denies und mir, ihrer Frau, etwas Raum.
Diesen Beitrag habe ich bereits in einem anderen Forum veröffentlicht, bevor wir überhaupt etwas vom Gendertreff wussten.
Da wir durch die Selbsthilfetreffen in Leverkusen und Düsseldorf doch einige aus dem Forum inzwischen persönlich kennenlernen durften, finde ich, dass die Beiträge hier sogar passender hin gehören, weshalb ich sie hierhin nun übernehme.

20.08.2016:
Wir haben uns vor etwas mehr als 3 Jahren gefunden, was eine Geschichte ist, die Rosamunde Pilcher in den Schatten stellen könnte, wie es mal jemand ausdrückte. (Wer es wissen mag, wie wir uns kennengelernt haben, erzählen wir gern, ist jedoch für hier etwas zu lang).
Unsere Verbindung ist seit Anfang an sehr tiefgehend und mit jedem gemeinsamen Schritt verfeinert sich dieses Band. Als wichtig empfanden wir es seit dem ersten Augenblick, miteinander klar und offen, ehrlich und direkt zu kommunizieren. Das Vertrauen hierfür mussten wir auch erst einmal entstehen lassen und miteinander die positive Erfahrung machen, dass wenn etwas ausgesprochen sein möchte, dann auch eine Rückmeldung kommt, die weder streitsüchtig, noch zickig oder bewertend geschweige denn be- oder verurteilend einhergeht.

Seit 2 Jahren sind wir in einem Erotikportal angemeldet, auch wie im Forum als Paar. Wir kamen dazu wie die Jungfrau zum Kind und haben seitdem sehr viel über das Menschsein und die Vielfalt des Menschelns dazu gelernt.

Immer mal wieder war mein Mann, wenn er bei diesem Portal aktiv war in Chats wie Highheels und Nylons oder TV+TS. Er schrieb, dass ihn dies anziehe, das Feminine im Mann und schrieb sich auch mit Männern, die Nylons toll fanden. Es reizte ihn, aber anders als bei den Männern mit denen er schrieb. Fühlte sich auch immer mehr zu den TV+TS hingezogen.
Dass ihn das reizt, schrieb er regelmäßig und durch unsere Offenheit bekam ich das mit, da ich auch jetzt noch, sehr viel dann neben ihm sitze und mitlese und wir während dem Chat oder danach auch über das Geschriebene sprechen.

Gut zwei Wochen lang habe ich mir das angesehen und fand, er kreist um das Thema wie eine Katze um den heißen Brei. Das kenne ich gar nicht an ihm. Es wurde mir schlicht zu bunt. Obwohl meine Nylons und Oberteile für ihn zu groß sind, dafür meine Schuhe zu klein – holte ich alles herbei, brachte ihn dazu sich Nylons anzuziehen und sich mit Bluse und meinen Pumps vor den Spiegel zu stellen.

Das hat etwas ausgelöst. Beim nächsten Gang in ein Kaufhaus kauften wir die ersten Strümpfe passend für ihn. Online surfte er nach den ersten Schuhen für sich. In dieser Zeit sprachen wir viel miteinander, was in ihm vorgeht. Das war manchmal für ihn nur sehr schwer zu beschreiben.
Klar war jedoch absolut: da will etwas raus. Aus der gemachten Lebenserfahrung wussten wir beide, etwas zu unterdrücken, kann nicht gut gehen.

Er wurde immer femininer in seiner Ausstattung. Wir saßen am Rechner und surften nach Kleidern. Was er sich aussuchte, beriet ich ihn, denn die Teile sollen ja auch zu seiner Figur passen. Das erste Kleid war gefunden und dann die Haare. Abends im Bett fragte ich ihn dann, ob er denn schon einen Namen für sich als Frau hätte. Ziemlich spontan antwortete er „Denies“. So war sie dann geboren.

Vor ungefähr jetzt 2 Wochen fand ich es an der Zeit, dass wir nicht nur Heels für sie haben, sondern auch erst einmal Schuhe mit flachem und mittlerem Absatz zum Eingewöhnen, alltagstauglich und auch bequem. Im Schuhgeschäft hatten wir unseren Spaß zusammen. Es war alles einmal umgekehrt. Ich brachte ihm die Schuhe zum Anprobieren anstatt er mir. Manche Frau bekam das mit und schaute uns kariert an, doch ich lächelte einfach freundlich als sei es das Normalste auf der Welt, dass Frau für ihren Mann Damenschuhe aussuchen hilft. Wir fanden 3 Paar. Ein Paar Sandaletten verziert mit breitem mittleren Absatz, ein Paar Ballerinas und noch einmal schwarze Heels. Es zog uns auch noch in die Stadt und im SSV fanden wir ein Kleid, zeitlos und super günstig. Für meinen Mann war es an dem Tag anfangs schon ein etwas seltsames Gefühl noch als Mann Frauensachen anzuprobieren, doch ich fand, entweder stehen wir dazu oder wir stehen dazu. Was andere über uns denken, ist deren Sache.

Über das Erotikforum lernten wir einen Mann = TV kennen, der am nächsten Tag mit seiner Tasche uns besuchte. Es war sein zweiter Besuch bei uns. Das hat uns sehr viel Freude gemacht. Wir konnten uns wieder richtig gut unterhalten und die Mädels zogen sich zusammen um und stylten sich. Ich half mit einem Handgriff mal hier und mal da. Der Abend war kurzweilig. Er sagte uns, dass er noch auf einem anderen Forum angemeldet sei, speziell wo sich TVs tummeln und wir registrierten uns am nächsten Tag. Nur ein paar Stunden später hatte Denies dort mit Gina geschrieben, die im Nachbarort wohnt und wir telefonierten. Noch zwei Stunden später hatte ich einen selbstgemachten Obstkuchen eingepackt und wir fuhren zu Gina Kaffee trinken. Auch dieser Nachmittag war kurzweilig und interessant ihre Geschichte zu hören. Zwei Tage später sagte Gina, dass in Mönchengladbach an dem Samstag ein Stammtisch ist und ob wir dahin möchten. Wir besprachen uns und sagten zu.

Es war ein Abenteuer, Denies herzurichten. Sie hat ganz viel epiliert und rasiert und verbrachte Stunden im Bad. Ich schminke mich wenig bis gar nicht und bin daher auch nicht geübt, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und so zogen wir los, beide geschminkt und gestylt. Wir wurden beim Stammtisch nett begrüßt und uns wurden noch 3 weitere Paare bekannt gemacht.
Das empfand ich schon mal als erfrischend und beruhigend, denn über den Chat und die TV+TS-Gruppe, die wir als erstes ja hatten, bekam ich die einige Erfahrungen mit, dass es nicht einfach normal ist als Mann Frauenkleider zu tragen bzw. sich als Frau herzurichten.

Denies und ich fanden jede für sich unterschiedliche Unterhaltung und Gesprächspartner. So lernten wir auch Michaela (TV) kennen, die für mich eine Freundin geworden ist. Wir hatten an dem Abend Spaß und blieben auch etwas länger als beabsichtigt und werden auf jeden Fall weiter Stammtische besuchen.

Donnerstag waren wir unterwegs um uns Silikoneinlagen anzuschauen. Ein Online Händler bietet Prothesen von Amoena an. Am Telefon meinte er, es könnten unterschiedliche Größen passend sein. Das Hin-und-her-Schicken wollten wir aber vermeiden, vor allem, wenn uns ein Missgeschick mit den Prothesen beim Ausprobieren unterlaufen wäre, hätten wir sie nicht wieder zurücksenden können.
Also fuhren wir hin. Denies war im Sommerkleid, leicht geschminkt. Es war gut, dass wir dort waren und uns persönlich haben beraten lassen. Die BHs, die wir mal vorab kauften, nahmen wir mit und fanden dann auch dafür die passenden Einlagen, nicht zu klein und nicht zu groß – eben passend zu den Proportionen von Denies. Danach saßen wir in einem Bistro, haben etwas gegessen und wurden betrachtet. Manchen mag es aufgefallen sein, dass hinter Denies Outfit ein Mann verborgen ist, andere fanden sie vielleicht sympathisch oder attraktiv. Nach dem Essen schlenderten wir Hand in Hand durch den Ort und benahmen uns wie immer, wenn wir zusammen sind, innig und vertraut, berühren einander – was uns auch Blicke eintrug – doch was soll’s => das ist eben unser Leben.

Zuhause probierte Denies die Einlagen mit allen Kleidern durch und wäre am liebsten nur noch mit den Einlagen rumgelaufen. Als nächstes möchten wir ein Schminktraining machen, dann hätten wir schon mal vom Äußeren her ziemlich viel geschafft und das in gut 5 Wochen.

Seitdem wir uns in den Foren umschauen, hatten wir beide sehr viel Stoff zum Nachdenken. Hier war besonders für mich das Forum interessant, in dem die Partnerinnen darüber schrieben, wie es ihnen damit ergeht. Das trieb mir manchmal Pipi in die Augen und ich habe mich gefragt, ob es auch einen Stammtisch für die Partnerinnen gibt. Nach allem, was ich bisher gelesen habe, klingt unser Weg ja easy und nachdem ich einen Beitrag vom Wandeln zwischen den Welten gelesen habe, bin ich doch froh, dass es auch viel Positives gibt. Mir ist bewusst, dass unser Weg erst begonnen hat und wir nicht wirklich wissen, welche weiteren noch tiefgehenden Konsequenzen das Leben mit Denies haben kann, doch bisher sind wir allen Herausforderungen offen begegnet und immer wieder wurde uns bewusst, wir können gar nicht oft genug und noch detaillierter miteinander reden.

Wir haben darüber gesprochen und mir würde, ginge Denies wirklich den Weg einer GaOP, das Männliche, der Partner fehlen. Eine Trennung könnten wir uns dennoch nicht vorstellen. Es würde für uns eine polygame Lösung geben, sollte ich dann einen Mann kennenlernen (wollen). Für jetzt genieße ich das Leben mit Dee. Manchmal ist es für mich verwirrend, wenn ich mit Denies unterwegs bin, ob ich jetzt von Detlef oder Denies sprechen soll den Kontext betreffend. So habe ich die Namen gemischt und heraus kam Dee, als Kosename für Detlef + Denies. Ich habe Freude, mit Denies shoppen zu gehen, auszugehen und bin glücklich wenn ich in Dee`s strahlend glückliche Augen schaue.

Unseren bestehenden Freunden haben wir davon noch nichts erzählt, doch da müssen sie jetzt durch, so nach und nach, wie wir uns wieder sehen. Fest steht für uns, dass wahre Freunde uns erhalten bleiben und für die anderen gilt, das Leben ist ein stetiger Wandel.

Nach dem gleichzeitig vielen und wenigen, was ich gelesen und erfahren habe, fragte ich mich auch, was hat es für mich so einfach gemacht? Bevor wir uns kennenlernten, hatten wir in unseren Leben bereits sehr viel durchgemacht und wussten, um alles Vergangene zu überstehen, blieb uns nur, dass wir die Wunden ausheilen und den Weg der Veränderung gehen müssen. Wir waren beide wohl schon bevor wir voneinander wussten auf dem Weg zu uns selbst. Eine andere Antwort fand ich (noch) nicht.

Ihr Lieben, Fortsetzung folgt schnellst möglich. Nachdem ich diesen Beitrag heute gelesen habe, sehe ich, wie viel seitdem passiert ist und staune darüber. Damals war noch keine Rede von Transition oder Transsexualität, das kam etwas später.

Herzliche Grüße,
Ulla

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Gendertreff in der Lindenstraße

Zirka ein Jahr nach dem ersten Kontakt bekam Nathalie im September 2017 eine eMail von Gitta, der Pressesprecherin der Lindenstraße.

Wortlaut: In unseren neuen Büchern kommen drei Transfrauen vor, die wir sehr gerne mit „Originalen“ besetzen würden, am liebsten Transfrauen unterschiedlicher Ausrichtung, die gemeinsam mit „Sunny“ (Martin Walde) und „Viktoria“ (Zazie de Paris) Szenen spielen würden.

Inhalt: Sunny fühlt sich schon lange nicht als Mann, sondern als Frau. Sein/ Ihr Weg, die eigene Identität zu finden, ist seit Monaten geprägt von vielen Zweifeln, Ängsten und Unsicherheiten. Viktoria war schon einmal bei Sunny in der „Lindenstraße“, um sie zu beraten. Nun schaut Viktoria wieder zu Hause bei Sunny vorbei und hat gleich drei Freundinnen mitgebracht. Sie alle möchten Sunny Mut zusprechen.

Ava, Nathalie, Rita und Xenia meldeten sich zum Casting, nachdem wir das Drehbuch gelesen hatten. Es war unserer Meinung noch nicht ganz stimmig, aber das wollten wir beim Casting und während des Workshops klären. Ende Oktober war es dann soweit und wir vier vom Gendertreff sowie Stella aus Dresden und Julia aus Koblenz kamen zum Casting in die Lindenstraße auf dem WDR-Gelände.

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Nach einer ausgiebigen Vorstellungsrunde vor der Kamera mit der Produzentin und der Regisseurin spielten wir die Szenen einmal durch. Danach gab es noch viele Gespräche und wir wurden zu einer kleinen Feier eingeladen. Immer nach dem letzten Drehtag einer Staffel gibt es ein kleines Treffen aller Schauspieler und so hatten wir Gelegenheit, mit einigen der beteiligten Personen zu reden. Auch „Mutter Beimer“ war anwesend und interessierte sich für unsere Selbsthilfeorganisation.

Zwei Wochen später kam der Bescheid, wer zum Drehtag eingeladen werden sollte. So trafen sich Nathalie und Xenia vom Gendertreff sowie Stella und die Schauspieler Martin Walde und Zazie de Paris in früher Stunde in der Maske.

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Hier wurde zwischendurch Nathalie noch angezogen.

 

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Um 9:45 Uhr ging es zu den Proben ans Set. Mann, waren wir nervös.

 

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Viele Menschen standen um uns herum: Techniker, Producer, Regie, Assistenten, Maske, Kostümbildner, Requisite, Kameraleute, Ton usw., usw. Wir waren von viel Technik umringt und schon ging es los.

 

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Probe, technische Probe, Kameraprobe, Aufnahme und das Ganze nochmal mit neuer Kameraeinstellung. Bis zu 8x pro Szene. Fiel die Klappe, blendete jede von uns die Personen und die Kameras völlig aus und konzentrierte sich auf die Szene.

 

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Nach 16:00 Uhr waren die Aufnahmen im Kasten und wir fix und fertig. Die Regisseurin Esti war begeistert und das tolle sympathische Team hat uns durch den ganzen Tag getragen und uns gleich von Anfang an das Gefühl der Zugehörigkeit gegeben. Alle Anwesenden haben uns beim Dreh phantastisch unterstützt und gaben uns das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein. Für alle waren wir Kolleginnen des Lindenstraßenteams.

Gleich nach den Dreharbeiten gaben wir noch ein Interview und danach gab es noch das ein oder andere Gespräch in einem der Büros und auf dem Gang. Wir wollten uns gar nicht trennen, so waren wir von den Ereignissen gefesselt.

 

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Sunny und Viktoria waren tolle und sehr sympathische „Kolleginnen“. Wir waren glücklich über diese tolle Erfahrung und dass die Lindenstraße sich dem Thema „Transgender“ mit Hilfe des Gendertreff stellt. Wir bedanken uns für die Chance, die durch den WDR und die GFF eröffnet wurde, unsere Selbsthilfearbeit zu verbessern und bekannter zu machen.

Von links:

Viktoria, Xenia, Nathalie, Clara, Sunny

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copy: WDR/ Thomas Kost
Mit freundlicher Genehmigung: GFF und WDR

 

>> Ausstrahlung: ARD – Das Erste am 11.03.2018 (Folge 1665 „Falsch ist genau richtig“)

>> https://www1.wdr.de/daserste/lindenstrasse/index.html

>> https://www.fernsehserien.de/lindenstrasse/spoiler-vorschau

>>http://mediathek.daserste.de/Lindenstra%C3%9Fe/Sendung?documentId=5280&topRessort&bcastId=5280

>> https://www.youtube.com/user/Lindenstrasse

>>https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Darsteller_und_Figuren_der_Lindenstra%C3%9Fe

>> https://www1.wdr.de/daserste/lindenstrasse/videos/Lindenstrasse-Live-170.html

>> https://www1.wdr.de/daserste/lindenstrasse/fotos/wochenschau-dezember-siebzehn-156.html

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Diskriminierung durch Update

Schon immer werden meine Frau Ute und ich als „Eheleute“ auf Briefköpfen und Kontoauszügen geführt. Ein Mitarbeiter unserer Bank hatte sich nach meiner Personenstandsänderung dafür eingesetzt, dass dies auch so bleibt. Dafür musste die Software angepasst werden.

Vor ein paar Tagen nun bekamen wir wieder ein Schreiben über irgendwelche Änderungen von unserer Bank. Die Anrede lautete „An die Damen Ute und Xenia …………….“. Ich bin ein wenig zusammen gezuckt. Da wir sowieso einen Gesprächstermin bei der Filialleiterin hatten, wartete ich auf diesen Termin.

Wir sprachen über dies und das und bevor ich auf das Thema kommen konnte, entschuldige sich die Filialleiterin tausend Mal bei uns für die Anrede. Es hätte bereits mehrere Reklamationen und Beschwerden gegeben. Ausgerechnet jetzt nach dem Beschluss der „Ehe für Alle“ so ein Fauxpax der IT-Abteilung.
Durch ein Update der Software war es zu diesem Desaster gekommen. An den Kontoeinstellungen und Freistellungsaufträgen änderte sich nichts, versicherte sie uns. Leider würde die Umstellung ein paar Monate dauern aber die Softwarespezialisten arbeiten fieberhaft an diesem Problem.

Jetzt kann man natürlich auf die Barrikaden gehen und Beschwerdebriefe schreiben oder sich einfach gelassen zurück lehnen und abwarten. Ich habe mich natürlich für die zweite Variante entschieden, denn es gibt eine Erklärung für das Problem und die Bank hat sich in aller Form dafür entschuldigt.
Es ist ihnen sehr peinlich.

Grüße
Xenia

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Transidente holt Sitz in US-Parlament

Historisches Ergebnis bei den Wahlen in Virginia: In dem US-Bundesstaat zieht mit der Demokratin Danica R. erstmals eine Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein. Die Kandidatin der Demokraten besiegte bei den Wahlen im US-Bundesstaat ihren republikanischen Gegner und zieht damit als erste Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein.

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>> Quelle: Spiegel.de

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Iserlohner Ehrenamtstag 2017

Am Samstag 14.10.2017 fand der 4. Iserlohner Ehrenamtstag in der Parkhalle Iserlohn statt. Über 80 Teilnehmer und Akteure sorgten für einen gefüllten und Informationsreichen Samstag. Tanz- und Musikgruppen sorgten unter anderem für eine tolle Stimmung im Innen- und Außenbereich und die zahlreichen Vorträge, u.a. Trans-am-Arbeitsplatz vom Gendertreff, waren gut besucht. Hier der Stand vom Gendertreff kurz nach der Fertigstellung:

Na ja okay, die Kugelschreiber liegen noch nicht richtig. 🙂

Vor der Halle wurde schon Musikalisch eingestimmt und drinnen spielte ein Orchester.

 

Schnell füllte sich die Halle und es gab gute Gespräche und Kontakte.

 

Die Stadt Iserlohn und AGG-Beauftragte diverser Unternehmen war sehr interessiert an dem Angebot des Gendertreff.

 

Ein Blick von oben in die Halle:

Im Laufe des Tages wurden wir mit zahlreichen Köstlichkeiten (Kuchen u.v.m.) versorgt und am Schluss wurden noch Fotos mit den lieben „Nachbarn“ gemacht.

 

Um 16:00 Uhr ging ein erfolgreicher und informativer Tag mit vielen Präsentationen zu Ende.

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Bericht zur 2. Gendertreff Messe & Fachtagung am 07.10.2017

Am Samstag, den 07.10.2017 öffnete die 2. Gendertreff Messe & Fachtagung für Transgender, Angehörige und Interessierte ihre Pforten. An über 20 Ständen und in zahlreichen Fachvorträgen konnten sich die Besucher_innen rund um das Thema Transidentität austauschen und informieren. Die Bandbreite der Aussteller und Fachvorträge reichte dabei von Brustprothesen für Transfrauen über Stimmtherapie, Perücken oder unterschiedliche Methoden der Haarentfernung bis hin zu Psychotherapie und Methoden der geschlechtsangleichenden Operation. Alleine zur GaOP gab es vier Fachvorträge zur OP Frau-zu-Mann und Mann-zu-Frau.

Doch bevor es richtig losging, wurde die Gendertreff Messe & Fachtagung durch kurze Ansprachen von Gendertreff-Gründerin Xenia, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz sowie Ava eröffnet. Herr Bürgermeister Schultz betonte, dass sich die Stadt Erkrath klar zu Diversity bekennt und freute sich, die Gendertreff Messe & Fachtagung im Bürgerhaus Erkrath-Hochdahl begrüßen zu dürfen. Ute überreichte einen Blumenstrauß.

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Wir verändern

Unter diesem Motto lud der Paritätische Bergisches Land zum Selbsthilfetag nach Leverkusen ein. Von den über 50 verschiedenen Selbsthilfegruppen in Leverkusen fühlten sich ca. 12 Gruppen aufgerufen mit einem Stand vertreten zu sein.

Auch der Gendertreff, der seit 2006 ein regelmäßiges Selbsthilfetreffen in Leverkusen unterhält, war mit vier Ehrenamtlichen dabei.

Das schöne Wetter erlaubte es uns draußen die Stände aufzubauen. Im Gebäude gab es Programme zum Mitmachen, die Selbsthilfegruppen stellten sich vor und es standen Getränke und Kuchen zur Verfügung.

Es war ein guter Tag, denn wir konnten wieder viel Aufklärungsarbeit leisten und spannende und intensive Gespräche führen. Die Stadtverwaltung bewaffnete sich auch gleich mit einer Handvoll grüner Karten. Politiker und Bürgermeister interessierten sich für unsere Arbeit und wünschten uns einen erfolgreichen Tag.

Hier ein paar Impressionen:

 

Dies war die letzte Veranstaltung um noch einmal öffentlich auf die Gendertreff Messe & Fachtagung im Oktober hinzuweisen.

 

INHALTSVERZEICHNIS

Xenia am Arbeitsplatz

Kurz nach meinem 10-Jährigen Firmenjubiläum lud ich eine Kollegin vom Betriebsrat und die AGG-Beauftragte zu einem Meeting ein. Mir war flau im Magen und so trafen wir uns in einem der freien Konferenzräume. Ich stammelte los und schwups war es raus – Ich hatte mich als transidente Person geoutet. Alles war vorher mit meiner Frau gut vorbereitet. Die Reaktion war, wie ich gehofft hatte, super positiv. Parallel zu dem Gespräch in der Firma hatte ich bereits meine Unterlagen an das Amtsgericht geschickt und seit ca. einem halben Jahr nahm ich bereits Hormone. Meine Kolleginnen sprachen mir ihren Respekt aus und wir trennten uns nach ca. einer 3/4 Stunde.  Ich flatterte immer noch am ganzen Körper.

Zurück im Büro, natürlich mit Pokerface, saß ich keine viertel Stunde am Schreibtisch, da stand auch schon die AGG-Beauftragte wieder neben mir und meinte, dass wir uns doch gleich noch mal zusammensetzen sollten. Diesmal gleich mit der Geschäftsleitung und dem Vorgesetzten, sonst wäre erst wieder in 4 Wochen ein Termin frei um alle zusammen zu bringen. Also saßen wir wieder in dem besagten Konferenzraum, aber diesmal in einer größeren Runde. Ich erzählte meine Geschichte und zeigte Alltagsbilder von mir. Niemand hatte ein Problem und alle hatten Respekt vor meinem Mut.

Wir gingen dann auch gleich in den nächsten Tagen an die Planung. Wie bringen wir es ins Unternehmen und wann geht es los. Wir guckten uns ein verlängertes Wochenende mit Brückentag aus, ca. 4 Wochen nach den Gesprächen. Diese 4 Wochen waren zugegeben für alle Beteiligten die schlimmste Phase.

Meine Frau und ich hatten eine eMail verfasst, die an meinem letzten Arbeitstag zusammen mit einer Erklärung der Geschäftsleitung an alle Kollegen und Kolleginnen gesendet werden sollte. Ich verschwand in den Kurzurlaub und alle Mitarbeiter bekamen etwas „spannendes“ zu lesen. Gerne hätte ich Mäuschen gespielt.

*

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

beigefügt möchten wir Ihnen heute einen offenen Brief Ihres Kollegen übersenden. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, um diesen in Ruhe zu lesen. Wir möchten unterstreichen, dass die Firma die Entscheidungen und die kommenden Änderungen voll mitträgt und unterstützt. Auch Sie möchten wir alle bitten, das Thema mit Respekt und Toleranz zu behandeln. Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass die Firma in diesem Sachverhalt keine Diskriminierung akzeptieren wird.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und danken – auch im Namen Ihres Kollegen – für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
Präsident, Personalchefin, Abteilungsleiter, Teamleiter

[Offener Brief im Anhang]
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
viele von Ihnen kennen mich als langjährigen Mitarbeiter der Firma. Ich bin gerne in diesem Unternehmen tätig und hatte im Juli dieses Jahres mein 10-jähriges Dienstjubiläum. Was Sie nicht wissen konnten und können, ist wie es in mir aussieht. Mein Leben lang schlummerte etwas in mir, was mir früher auch nicht klar war, aber ich endlich seit 2004 zulassen kann.

Ich bin Transsexuell und lebe privat seit meinem Outing 2004 fast ausschließlich nur noch als Frau, seit Anfang dieses Jahres zu 100%. Hier im Unternehmen verkleide ich mich quasi als Mann. Durch eine Therapeutin erfahre ich professionelle Unterstützung. Meine Familie und Freunde stehen zu mir und unterstützen mich. Ganz wichtig für mich ist es, dass meine Frau und mein Sohn auch die weiteren Schritte mittragen werden.

Die AGG-Beauftragte und der Betriebsrat, sowie die Personalabteilung und direkten Vorgesetzten sind unterrichtet, dass ich in Zukunft als Frau hier meine Tätigkeit weiter ausüben werde. Auch dieser offene Brief entstand in einvernehmlichen Gesprächen. Der Antrag zur Personenstandsänderung wurde beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht und es bedarf nun noch einiger Gutachten und Formalitäten, bis die Änderung rechtskräftig ist.

Die meisten von Ihnen werden sich mit diesem Thema noch nicht auseinander gesetzt haben, deshalb müssen wir uns gegenseitig die Zeit nehmen und geben, um sich aneinander zu gewöhnen. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.

Ich hoffe, dass das gute kollegiale Verhältnis zu Ihnen weiter bestehen bleibt und Sie mich als Frau genauso akzeptieren wie vorher als Mann. Sie werden eine ausgeglichene Kollegin bekommen, aber ich werde der gleiche Mensch bleiben wie vorher.

Ich freue mich auf weitere Jahre der Zusammenarbeit.

Vielen Dank
Xenia
[/Offener Brief]

*

Nach dem langen Wochenende war dann Xenia`s Premiere. Mit leicht wackligen Beinen betrat ich mein Büro. Für den ersten Arbeitstag hatte ich Strumpfhose, Jeanshose, ein helles Longshirt und Pumps mit einem leichten Absatz angezogen. Ich war leicht geschminkt und die Haare brauchten nur noch entsprechend geföhnt zu werden, denn die Länge stimmte bereits. Ich öffnete meine eMails und staunte nicht schlecht über die vielen positiven Reaktionen aus dem Unternehmen. Der Höhepunkt aber war eine Torte in Herzform mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen Xenia“ von einer Kollegin. Ich verlor kurz die Fassung. Dann versuchten alle einen normalen Arbeitstag zu verbringen.

Das aber scheiterte daran, dass ich im Gebäude, im Laufe des Tages, immer wieder  umarmt wurde oder mir mit Handschlag gratuliert wurde. So ging der erste Tag zu Ende.

Ein halbes Jahr später sagte mein damaliger Chef zu mir, dass man es auch an meiner Arbeitsleistung merken würde, dass ich nun glücklich, zufrieden und befreit bin.

Ich durchlief eine pubertäre Phase (Hormone) und ca. 2 Jahre nach dem Outing im Betrieb bekam ich einen Termin zur geschlechtsangleichenden Operation. Wir sprachen uns ab und ich konnte den Termin in der Uniklinik Essen bestätigen. Nach ca. 6 Wochen war ich wieder einsatzbereit.

Zwischenzeitlich hatte der Chef gewechselt und ich hatte wohl in den letzten Wochen einigen Bockmist verzapft, so dass mein Chef und ich aneinander gerieten. Mein neuer Chef musste sich auch noch einarbeiten und so drehte sich jeder um sich selbst. Meine 2. OP folgte ein paar Wochen später.

Wieder im Betrieb gingen mein Chef und ich uns ein wenig aus dem Weg. Das funktionierte gut, weil einer meiner Kollegen nun Teamleiter im Innendienst geworden war. Die Monate flogen so dahin und es gab hier und da auch immer mal wieder ein kurzes Gespräch über meinen Werdegang.

Nun ist das Outing bereits 6 Jahre her und das Verhältnis zu meinem Chef ist wieder gut. Es hat eine bis mehrere Aussprachen gegeben und außerdem sind Kollegen, Kolleginnen, Teamleiter und Chef sehr zufrieden mit meiner Arbeitsleistung und meiner Zwischenmenschlichkeit.

Was aber mit Kunden und Lieferanten? Dazu muss ich sagen, dass ich in der Auftragsabwicklung arbeite und auch für den Einkauf im In- und Ausland zuständig bin. Bei Kunden gibt es heute noch teilweise Aufklärungsbedarf wegen der etwas dunkleren Stimme, aber das lässt sich meist kurz erklären. Ich sage dann schon mal: „Keiner macht sich selber“, „Keiner sucht sich das aus“, „Jeder muss das Beste aus seinem Leben machen“ oder „Frau mit männlichem Migrationshintergrund“. Ein Problem gab es auf jeden Fall noch nie!

Bei Lieferanten war es ähnlich, wobei man sich ja schon einige Jahre kannte. Eigentlich alle hatten es positiv aufgenommen, egal ob im In- oder Ausland. Einige benötigten noch eine gewisse Übergangszeit und wollten meinen Mann sprechen oder fragten an, ob mein Mann nicht mehr dort arbeiten und ich jetzt die Stelle besetzen würde. Auch eMails wurden noch an die alte Adresse geschickt, die aber unsere IT-Abteilung weitergeschaltet hatte. So kam es teilweise zu lustigen und interessanten Gesprächen.

Alles in allem habe ich nur gute und positive Erfahrungen gesammelt und bin glücklich und zufrieden wie es jetzt ist. Dass mal ab und zu noch ein falsches Pronomen rausrutscht stört mich nicht. Meist regelt es sich von ganz alleine unter den Kollegen oder man überhört es schlichtweg. Aber man muss natürlich aufpassen, dass es nicht Absichtlich geschieht und in Mobbing oder Diskriminierung ausartet. Ich für meinen Teil kann das allerdings nicht bestätigen.

Da ich auch noch Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen und viel im Gebäude unterwegs bin, schauen schon mal Handwerker oder Laufkundschaft einmal mehr hin, aber es ist alles ganz easy. Auch bei Schulungen usw. werde ich als Mensch akzeptiert, der_die einen kleinen Geburtsfehler hat. Mittlerweile ist der behoben und alles ist gut!

Xenia

 

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Petra-Katharina`s Leben als Frau

Autorin: Petra-Katharina

Ich lebe nun seit ca. 3 Jahren als Frau (ca. 1,5 Jahre davon schon „staatlich anerkannt“), nachdem ich davor ca. ein halbes Jahr in einem quasi-öffentlichem Switching-Prozess war. Mir war immer wichtig, die positiven Beziehungen aus meinem zuvorigen Mann-Sein in meine neue Erscheinungsform rüber zu retten und das ist mir wohl weitestgehend gelungen: Ich fahre immer noch in der gleichen Runde Motorrad und mache dabei nicht selten die Leitgemse auf entsprechenden Touren. Bedingt durch meinen „halben“ Ortswechsel nach Süddeutschland sind sogar einige neue Mitfahrer dazugekommen. Wahrscheinlich kennen zumindest viele davon meine Historie, aber es wird praktisch nie thematisiert, weil es nicht zum Gruppenthema (Motoradfahren) gehört. Ich habe jedoch nicht den Eindruck, dass sie irgendeine Rolle spielt. Entsprechendes kann ich von meinen Musikerbeziehungen berichten: Auch da spiele ich immer noch mit den gleichen Leuten, wobei auch dort eine gewisse Fluktuation zu verzeichnen ist, die aber nichts mit meiner Person zu tun hat.

Ich habe auch als FH-Lehrbeauftragte und damit als Person des zumindest halb-öffentlichen Lebens in dem Semester den Schritt mit einer kurzen knappen Erläuterung (ca. 2-3 Sätze) vollzogen und ansonsten einfach den Job inhaltlich wie gewohnt weitergemacht – ebenfalls ohne besondere Vorkommnisse. Meine lukrativste Einnahmequelle (bei einem süddeutschen Unternehmen, das ich ein- bis drei-wochenweise im Schnitt halbtags bediene) habe ich seinerzeit genau in meiner Umstellungszeit gefunden, wobei ich dort immer ausschließlich im „Female Mode“ aufgetreten bin. Wenn ich mich da seinerzeit im „Male Mode“ beworben hätte, wäre ich wahrscheinlich zu langweilig/konventionell rübergekommen und denke, die Verbindung nicht hätte aufbauen zu können. Natürlich habe ich mich seinerzeit mit allen Unterlagen in „männlich“ beworben, denn es ist ein absolutes Unding, bei zahlreichen Veröffentlichungen (Bereich Physik, Verfahrenstechnik, teils international) irgendetwas umschreiben lassen zu wollen.

Im privaten Bereich lebe ich nach wie vor mit meiner Familie (Frau, Sohn; relativ engen Besuchskontakt zu Schwiegereltern, weil in gleicher Stadt), wobei man allerdings fairerweise sagen muss, dass die Beziehung platonisch geworden ist, weil meine Frau halt nicht lesbisch ist. Nach anfänglichen Irritationen gerade im engeren Umfeld (es stand halt das männliche Bild von über 20 Jahren im Raum, das die Meinigen von mir hatten) und nicht zuletzt der Generation meiner Schwiegereltern geschuldet (beide jenseits der 85 Jahre) hat sich die Sache innerhalb ca. eines Jahres deutlich entspannt. Wobei ein Teil dieser Normalität letzte Woche ihren traurigen Höhepunkt gefunden hat, bei dem wir meinen Schwiegervater (mit 89) beerdigen mussten.

Auch Sohnemann (zum Zeitpunkt des öffentlichen Outings ca. 15 Jahre alt und ziemlich konservativ eingestellt) hatte zunächst mal ziemliche Schwierigkeiten, obwohl mir in den Jahren zuvor immer wichtig war, dass er mich zumindest gelegentlich als Petra gesehen hat. Er nennt mich weiterhin Papa und hat schon noch gewisse Schwierigkeiten, mich fremden Dritten gegenüber vorzustellen. Aber das billige ich ihm zu. Auf der anderen Seite unternehme ich mit ihm alleine oder auch in anderen Gruppen durchaus auch einige Aktionen im öffentlichen Raum (Fahrradtouren, Eis essen gehen, Urlaubstouren auch mit Anwesenheit seiner Schulkameraden, Hinbringen zu Sport-/Musik-Terminen mit Einladen von Kumpels …), so dass er mittlerweile wieder ganz gut mit mir klarkommt.

Was hat mir geholfen?

Ich denke, ein zeitweises Separieren hat dabei schon geholfen: Ich hatte mir am Familienwohnort vor der „Umstellung“ für zwei Monate eine Studentenbude gemietet und bin dann nur wenige Male zuhause vorbeigekommen. Mir hat gerade während der Zeit des „Umbruchs“ geholfen, in neuen Kontexten als Frau aufzutreten, ohne immer die alten Beziehungskisten dabei im Kopf haben zu müssen. Andersrum aber genauso wichtig: Das Mitnehmen der alten Kontakte! Dabei habe ich schon so einige Male eine Faust in der Tasche gemacht, wenn ich mal wieder – erkennbar ohne böse Hintergedanken – missgegendert wurde. Aber das legt sich mit der Zeit! Und bitte nicht immer alles auf die Goldwaage legen.

Ich war im Vorfeld des Outings in der glücklichen Lage, meine Laser-Epi problemlos aus der eigenen Tasche bezahlen zu können. Und bei der dann folgenden tatsächlichen Umstellung war die Abwesenheit eines Bartschattens eine ganz wesentliche Sache, was das Selbstbild und die Wahrnehmung im Spiegel anging. Ich denke, das überträgt sich unmittelbar auf die gelebte Interaktion mit den Anderen! Das gleiche gilt für die vorüber gehende Nutzung einer Perücke, die klar besser ausgesehen hat als die paar Spierzen, die jetzt wieder unbedeckt meinen Kopf „zieren“. Aber auch da musste erst mal das Selbstbewusstsein in der neuen Rolle wachsen, bevor ich mich getraut habe.

Nach vielen Jahren des Selbstzweifels und des Zweifels, wie ein Outing im Umfeld ankommen würde, glaube ich, mit ca. 55 einen späten, aber glücklichen Zeitpunkt erwischt zu haben. Bei einem Outing 10-20 Jahre zuvor wäre wahrscheinlich vieles nicht oder daneben gegangen und vieles, was mir heute wichtig ist (Familie), wäre wohl nie passiert.

 

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