Erlebnis vor der Waschstraße

Autorin: Hanna

 

Hallo Ihr Lieben,

die Geschichte ist so grandios, die muss ich mit euch teilen!

ich habe mich selten so aufgeregt wie vorhin! Gleichzeitig habe ich aber auch selten so gelacht und mich ebenso selten dermaßen diebisch gefreut wie eben… „Erlebnis vor der Waschstraße“ weiterlesen

Radiomitschnitte des Gendertreff beim Campusradio Düsseldorf

Im Dezember 2018 hatten wir darüber berichtet, dass der Gendertreff e.V. ein Interview beim Campusradio Düsseldorf 97,1 MHz (hochschulradio.de) gegeben hatte.

Der Gendertreff e.V., vertreten durch Ava und Nathalie, stellte unsere Selbsthilfeorganisation vor und beschrieb unsere Aktionen.  Dazu zählen unsere regelmäßigen Selbsthilfetreffen, die wir in Düsseldorf, Leverkusen und Berlin anbieten, genauso  wie unsere Messe und Fachtagung, sowie die grüne Karte für Diversity und vieles mehr.

Öffentlichkeitsarbeit ist oft schwierig und mühsam. Gerade bei Mitmenschen, die vermeintlich nichts mit Trans* zu tun haben, bleiben Fragen, die nicht gestellt werden, unbeantwortet. Deshalb waren  wir sehr dankbar für die Möglichkeit im Radio das Thema zu erklären und Fragen zu beantworten.

Anni, eine Reporterin des Campusradio, führte Nathalie und Ava mit gezielten Fragen professionell durch das Interview, so dass alle wichtigen Aspekte angesprochen wurden, Interesse geweckt und einfach viele Leute erreicht wurden, die mehr über das Thema Transgender wissen möchten, auch wenn sie nichts oder wenig damit zu tun haben.

Hier sind nun die Mitschnitte, die uns das Campusradio Düsseldorf 97,1 MHz (hochschulradio.de) zur Verfügung gestellt hat. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle recht herzlich bedanken.

Viel Spaß beim Reinhören!

>> Campusradio Düsseldorf

>> BmO Rieger

>> IV Gendertreff

>> IV TransberatungTeil1

>> IV TransberatungTeil2

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Gendertreff zu Gast im Radio

Autorin: Nathalie

 

Öffentlichkeitsarbeit ist oft schwierig und mühsam. Gerade bei Mitmenschen, die vermeintlich nichts mit Trans* zu tun haben, bleiben Fragen, die nicht gestellt werden, unbeantwortet.

Deshalb sind wir sehr dankbar für Möglichkeiten das Thema zu erklären und Fragen zu beantworten. Im Dezember hatten wir eine Einladung beim Campusradio Düsseldorf 97,1 MHz. welche wir gerne angenommen haben. Im Rahmen des Gesundradios konnten wir, der Gendertreff e.V., vertreten durch Ava und Nathalie, unsere Selbsthilfeorganisation vorstellen und unsere Aktionen beschreiben.  Dazu zählen unsere regelmäßigen Selbsthilfetreffen, die wir in Düsseldorf, Leverkusen und Berlin anbieten, genauso  wie unsere Messe und Fachtagung, sowie die grüne Karte für Diversity und vieles mehr.

Gerne berichteten wir wie so ein Selbsthilfetreffen abläuft, dass alle Transgender, Angehörige und Interessierte teilnehmen können  und das die Treffen alle in öffentlichen Lokalen stattfinden. Natürlich erzählten wir auch von den Ängsten, die neue Besucher oft bei dem ersten Besuch haben und wie diese abgebaut werden, da die Gruppe immer ein offenes Ohr hat, Fragen beantwortet und das eigene Selbstvertrauen gesteigert wird.

Anni, eine Reporterin des Campusradio, führte uns mit gezielten Fragen professionell durch das Interview, so dass alle wichtigen Aspekte angesprochen wurden, Interesse geweckt und einfach viele Leute erreicht werden, die mehr über das Thema Transgender wissen möchten, auch wenn sie nichts oder wenige damit zu tun haben.

Wir, vom Team Gendertreff e.V., bedanken uns sehr herzlich für die Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit beim gesamten Campusradio.  Wer die Sendung mit verfolgen möchte, hat am ersten Montag im Januar 2019 um 18:00 Uhr die Chance den Gesundfunk des Campusradios 97,1 MHz. (über Kabel 91,2 MHz.) einzuschalten.

Die Wiederholungen laufen an allen anderen Montagen im Januar um 18 Uhr, sowie samstags um 19 Uhr.

 

Damit endet dann auch die umfangreiche ehrenamtliche Selbsthilfearbeit des Gendertreff e.V. für das Jahr 2018. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, Wiederhören und Wiederlesen im neuen Jahr 2019 und wünschen alles Gute!

>> Campusradio Düsseldorf

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Nachlese zur 3. Gendertreff Messe & Fachtagung

Am Samstag, den 06.10.2018 fand die 3. Gendertreff Messe & Fachtagung für Transgender, Angehörige und Interessierte statt. An 22 Informationsständen und in 14 Fachvorträgen konnten sich die rund 300 Besucher_innen über das Thema Transidentität austauschen und informieren.

Möglich war dies wieder durch die Unterstützung der Commerzbank und der Klinik Solingen. Auch Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz ließ es sich nicht nehmen, die Messe & Fachtagung 2018 im Bürgerhaus Hochdahl zu eröffnen. Gerne verwies er dabei auf die Gendertreff Aktion „Grüne Karte für Diversity“. Danke auch an dieser Stelle für die tolle Unterstützung der Stadt Erkrath.

Vieles gilt es im Vorfeld einer solchen Messe zu organisieren: Versicherung der Veranstaltung, Standplanungen, Erstellen von Plakaten und Flyern, Einladungen organisieren, Vortragsplanungen, etc. Eine echte Herausforderung in unserer ehrenamtlichen Tätigkeit. Alleine ist das nicht zu meistern und deshalb hat das gesamte Team und die zahlreichen Vereinsmitglieder tatkräftig zu gepackt. Auch dafür vielen Dank.

Der bunte und interessante Mix aus Ausstellern, Fachvorträgen und Austausch untereinander wird gerne angenommen. So reichte das Angebot über Transbedarf, Stimmtherapie, Endokrinologie, Perücken und unterschiedliche Methoden der Haarentfernung bis hin zu Psychotherapie und Methoden der geschlechtsangleichenden Operation.

Knapp 90% der Befragten fanden die Mischung gut, ca. 80% begrüßten den Termin an einem Samstag im Oktober und ca. 70% gefiel die Location in Erkrath. Dass die Aussteller und Vorträge gut gewählt waren, fanden 66%. Hier wäre zu erwähnen, dass es leider immer wieder zu Absagen kommt. Alle waren sich wieder einig, dass die Gendertreff Messe & Fachtagung viele interessante Gespräche, Diskussionen, Informationen, Vorträge und Anregungen vermittelt hat.

Getragen durch diese positive Stimmung und diese konzentrierte fachliche Auswahl, ist es klar, dass es eine 4. Veranstaltung geben wird. Infos und Aktuelles dazu findet man auf www.Gendertreff-Messe.de

>> Artikel in der Rheinischen Post

>> Weitere Bilder gibt es in der Galerie zur Gendertreff Messe & Fachtagung 2018

>> Webseite der Gendertreff Messe & Fachtagung

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Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit

Autorin: Solveig

Quelle: AWMF Online

Die lange erwartete S3-Richtlinie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung von Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit ist jetzt in ihrer Endfassung beschlossen und veröffentlicht worden:

Die Empfehlungen sind verbindlich für alle Behandelnden im Gesundheitswesen. Damit sind alte Standards zur Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen hinfällig geworden. Ging man bisher im wesentlichen davon aus, dass Trans* Menschen als psychisch Kranke keine verantwortlichen Entscheidungen für sich selbst treffen könnten und vor sich selbst zu schützen wären, sollen sie jetzt im Gesundheitswesen als selbstbestimmt handelnde Menschen unterstützt werden, die über ihr Wohlbefinden bestmöglich selbst entscheiden.

Mal sehen, wie lange die Krankenkassen jetzt noch gegen den medizinischen Sachverstand an ihren MDK-Richtlinien von 2009 festhalten. 😉

>> AWMF Online

>> Leitlinien-Detailansicht

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Urheberrechtliche Regelungen AWMF (Auszug):
………Verweise („links“) aus anderen Dokumenten des World Wide Web auf die Dokumente in „AWMF online“ sind dagegen ohne weiteres zulässig und erwünscht, für eine entsprechende Mitteilung sind wir jedoch dankbar………..

Erster Dortmunder TSD

DORTMUND ist die Stadt im Ruhrgebiet mit der längsten CSD-Geschichte. Dieser Tradition fühlen sich TransBekannt e.V. verpflichtet, indem am 18. August 2018 (12.00 bis 18.00 Uhr) der 1. Dortmunder TRANS* CSD veranstaltet wird.

Gemeinsam mit vielen befreundeten Selbsthilfegruppen, Vereinen und Organisationen (u.a. dem Gendertreff e.V.), soll zu den Themen TRANSGENDER, TRANSIDENT, NON BINARY, GENDERQUEER und GENDERFLUID informiert, sowie mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz erreicht, schlicht TRANS* bekannter gemacht werden.

Wir hoffen auf viele Besucher und Unterstützung. Wir sehen uns auf dem 1. Dortmunder TRANS* CSD …

 

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Abbruch

Autorin: Christiane

Ich habe meine Transition abgebrochen. Ich lebe wieder zu 100% als Mann, und mit meiner Frau und meiner Familie zusammen. Laut meinem Therapeuten existiert sogar eine Bezeichnung für meine Situation: „Trans* Alternativ“

Wie kam es dazu?

Vor etwa einem Monat hatte ich Geburtstag, meinen Ersten. Es war vor einem Jahr Ende Juli, dass ich aus dem Leben gehen wollte und es tatsächlich versucht habe. Meine Ängste waren zu groß, meine Verzweiflung ohne Gleichen. Ich habe überlebt. Mit dem Bewusstsein, dass es so nicht weiter gehen kann und sich etwas ändern muss.

Durch die Selbsthilfegruppe, den Dialog mit anderen Betroffenen und vor allem durch das aktive Ausleben, habe ich gelernt, dass ein Großteil dieser Ängste selbstgemacht und unbegründet ist. Dabei haben mir besonders Mitglieder des Gendertreff geholfen, insbesondere Marina, aber auch Rita, Steffi, Xenia und viele andere, die mir geschrieben und Mut zugesprochen haben. Jedoch besteht ein nicht vernachlässigbarer Anteil an realen Ängsten.

Ich habe eine Familie, zwei wunderbare Kinder, eine Frau die mich liebt, wie ich schmerzhaft erfahren musste nicht grenzenlos, da sie mit mir als Frau nicht leben kann.

Mir ging es im Laufe der Zeit immer schlechter, vor allem da mir klar wurde, dass eine Transition unweigerlich die Trennung bedeutet. Meine Frau hat für sich ganz klar entschieden, dass sie den Weg mit mir nicht gehen kann, sie kann mir bestenfalls als gute Freundin beistehen.

Das Märchen von unendlicher und grenzenloser Liebe hatte ich lange für mich aufrecht erhalten und musste schmerzlich feststellen dass die Liebe eben nicht grenzenlos ist. Das ist eine naive aber romantische Vorstellung. Ich kann aber durchaus behaupten, dass ich meine Liebe als grenzenlos begreife. Bei meiner Frau ist es anders, und ich kann ihr da keinen Vorwurf machen.

Die Transition stellt einen vor große Schwierigkeiten, von denen ein Teil durchaus lösbar ist, dennoch geht sie nicht ohne Verluste. Mir ist klar, dass ich mein altes Leben nicht mehr leben kann, das ist unmöglich, ich kann aber auch kein Leben ohne meine große Liebe leben. Sicherlich hätte ich durch die Transition einen enormen Gewinn für mein Leben, aber mir ist bewusst geworden, dass dieser Gewinn niemals meine Verluste wird ausgleichen können.

Ganz sachlich betrachtet habe ich eine Gewinn-Verlust-Rechnung erstellt und ausgewertet, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die Transition nicht weiter fortführen kann. Durch den Transitionsversuch habe ich vor allem gelernt was möglich ist und was nicht, und da ich zumindest in Teilzeit als Frau gelebt habe, bis auf zu Hause und bei uns im Ort, kann ich durchaus behaupten dass ich weiß, was die Transition bedeutet. Letztendlich sind meine Verluste zu hoch.

Ich hatte immer die Hoffnung, ich könne meine Frau dazu bewegen, den Weg mit mir gemeinsam zu gehen, vor allem da sie bereits seit nahezu 20 Jahren von meiner Transidentität weiß und ich hatte immerzu die Hoffnung, dass die gemeinsame Zeit und die Liebe uns zusammen schweißen würden. In den letzten 2 Jahren hatte ich meine Frau durch die Geschehnisse intensiv mit dem Thema konfrontiert und vor allem seit Ende letzten Jahres vieles voran getrieben. Aber nur ein bisschen Trans geht eben nicht. Ab dem Tag, an dem die Entscheidung fällt, ein Leben als Frau zu führen, verändert sich alles. Und leider ist nicht nur die Gesellschaft binär sondern auch das Leben an sich, so dass eben nur zwischen zwei Geschlechtern unterschieden wird. Zwischen diesen gibt es eine Grenze und selbst wenn es Definitionen von androgyn, non-binär oder ähnlichem gibt, ist der Mensch trotzdem entweder Mann oder Frau. Diese Grenze zu überschreiten bedeutet eine klare Zuordnung. Meine Frau kann diesen Weg nicht mit mir gehen, und ich würde sie verlieren.

Ich hatte gegen Ende meines Transitionsversuches schwer zu kämpfen, war wieder in der Notfall-Ambulanz in der Psychiatrie, nach einer wochenlangen schweren Lebenskrise und Zweifeln an meinem Leben, ebenso an der Möglichkeit, mir Hilfe zu holen. Ich war am Boden zerstört, hielt es noch nicht mal mit meinen Kindern im Kino aus, stand am Abgrund, ging in den Wald, hatte im Schlafzimmer Besuch von der Polizei, die ich letztendlich unter Tavor-Einfluss davon überzeugen konnte, freiwillig in die Klinik zu gehen. Mir ging es also trotz der Transition, aber eben wegen der Gewissheit, alles zu verlieren was mir tatsächlich etwas bedeutet, sehr schlecht. Und all das nur, weil ich meine Frau unendlich liebe und ich dabei war, sie zu verlieren.

Ich hatte Ängste und Panik. Vor allem vor der realen Gefahr, meine Frau zu verlieren, davor dass die Liebe nicht bedingungslos ist, dass da eben Grenzen existieren, da gibt es kein Zurück mehr wenn sie überschritten werden.

In meiner Transition war ich bereits recht weit, meine Coming Outs waren  überwiegend abgeschlossen. Viele Menschen wissen von mir, ich bekam viel Verständnis und Unterstützung aber auch Hass und Ablehnung. Ganz besonders hart waren solche Aussagen wie „Du machst Dich lächerlich“, „Er soll in die Hölle“, „Er ist der Teufel“, genauso auch wie Ekel, und sogar Übelkeit die bei anderen Menschen ausgelöst wurde. Aber ganz besonders die Ablehnung durch meine große Lebensliebe…

Die Transition ist nicht mein Weg. Ich weiß ich bin eine Frau, aber ich kann das nicht leben. Ich kann nicht ohne meinen Lebensmenschen leben. Ich verliere und kann diese Verluste nie wieder wettmachen. Ich habe den Weg der Transition versucht, werde mir niemals mehr vorwerfen können es nicht wenigstens mal versucht zu haben, und mir ist klar geworden das ich ihn trotz der persönlichen Erfolge nicht gehen kann.

Nun kann man sagen, dass mir doch klar sein muss, dass mein altes Leben als Mann nicht mehr funktionieren kann. Das konnte ich in den letzten zwei Jahren beweisen mit 3-monatigem  Psychiatrieaufenthalt wegen schwerer Depression, folgendem schwerem Suizidversuch mit Aufenthalt auf der Intensivstation, daraus folgend die Leistungseinschränkung auch im Job, verbunden mit entsprechenden Folgen zum Beispiel auch finanzieller Art. In den letzten zwei Jahren wurde mein Leben massivst auf den Kopf gestellt. Die Folge war dann die kurzzeitige vollzogene  Trennung von meiner Frau, zunächst innerhalb unseres gemeinsames Hauses und dann der überstürzte Auszug.

Ich bin natürlich immer noch bei meinem Therapeuten, er hat drei Sitzungen gebraucht bis er mich letztendlich in meinem Abbruch unterstützt hat, auch mein Psychiater begrüßt meine  Entscheidung, meine Logopädin findet es auch gut und mutig, die Logopädie habe ich natürlich abgebrochen, die Hormontherapie zunächst reduziert, gegen Ende Juli aber auch ganz abgebrochen, ich verfolge den Kostenübernahmeantrag für die Nadelepi nicht weiter trotz Zusage…

Wie gesagt, mein altes Leben funktioniert nicht mehr, ebenso nicht ein neues Leben. Ich muss nun einen Weg finden, wie ich mit irgendetwas dazwischen klar komme. Ich bin der Überzeugung, der Schlüssel liegt im Umgang mit der Transidentität. Und dieser Umgang ist nun nach all den sich überschlagenden Ereignissen natürlich ein ganz anderer als er früher war.

Ich kann nun offen darüber reden, muss nichts mehr verstecken oder verheimlichen, die Menschen wissen was mit mir los ist, ja ich kann es sogar jederzeit in Grenzen ausleben wenn mir danach ist. Mittlerweile habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass dieser Weg auch nicht wirklich einfach ist. Der Mensch denkt nach wie vor binär, und die anfänglich entstandene Verwirrung durch die Coming Outs wird durch den Abbruch noch verstärkt.

Was macht uns denn zu Frauen? Kiloweise Makeup? Hormone? OPs? Weibliche Kleidung? Klar das ist eine Angleichung des Äußeren an unser Inneres, an unsere Identität und an unsere Seele. Aber was ist mit dem Boyfriendlook? Der funktioniert bei uns nicht! Und im Blaumann? Werden wir auch als Mann gesehen. Wir müssen ganz heftig auf weibliche Attribute setzen um von der Gesellschaft auch nur ansatzweise als Frau wahrgenommen zu werden. Morgens in den Spiegel zu schauen und eine Frau zu sehen funktioniert nicht. Und wir werden immer Transfrauen bleiben,  also zumindest bin ich mir da bei mir sicher, bei 1,93m, breiten Schultern und großen Händen. Mir ist bewusst, dass eben sehr viel möglich ist, und wenn erst mal die Hormone jahrelang gewirkt  haben und diverse OPs hinter mir liegen würde mein Passing auch anders sein, aber es wird eben immer das Thema Trans* da sein und höchstwahrscheinlich wird das falsche Gendern niemals  aufhören.

Nein, ich kann den Weg nicht gehen. Ich verliere. Ich bin sogar der Meinung, dass die Transition mein Leben zerstört. Ich hasse meine Transidentität, weil sie so viel Schaden in meinem Leben  angerichtet hat.

Als Betroffene sehe ich mich jedoch in der Pflicht der Aufklärung. Und das ist ungleich schwerer. Wie meinte einer unserer Tennistrainer letztens: „Gott sei Dank, du wirst keine Frau. Du bist doch  ein Mann!“. Natürlich musste ich ihn erst einmal wieder aufklären. Unsere Gesellschaft macht es uns schon extrem schwer. Sie wird sich auch nicht ändern. Sie ist einfach binär und auch ich habe mich immer so gesehen und die meisten von uns stecken sich auch selber in diese Schubladen, denn wie wichtig ist alleine die Personenstandsänderung? Besonders die steht doch für die Unterwerfung unter diese Binärität!

Ich bin eine Frau. In einem hässlichen Männerkörper, den ich ablehne. Damit musste ich mich 40 Jahre abfinden. Damit werde ich mich auch in Zukunft abfinden müssen. Aber ich muss mich nicht mehr verstecken. Ich kann darüber reden. Jederzeit. Ganz offen und wenn es sein muss auch proaktiv. Ich stehe zu dem, wer oder was ich bin. Ich will aufklären, sehe mich auch als Botschafter/in in einem Kampf gegen die Gesellschaft, nur so kann ich etwas bewirken. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, kann ich den Menschen zeigen, dass es noch etwas anderes gibt, ohne dass sie mich gleich wegen meines Äußeren verurteilen. Viele sind überrascht, beschränken Glück auf materielle Dinge, verstehen nicht, wie man so empfinden und denken kann, aber ich erzähle dann von mir, von meinem unendlichen Leid und von meiner unendlichen Liebe.

Ich kann nicht sagen, ob und wie lange ich das schaffe. Aber es ist mein einziger Weg. Ich kann nicht nach hinten und nicht nach vorne, ich muss durch die Mitte durch. Ich bekomme Zuspruch  aber auch viel Zweifel, es würde mich irgendwann mit voller Wucht treffen. Mir bleibt nichts anderes übrig als es zu versuchen….

Mir ist es bewusst, dass viele ein Problem damit haben, wie nun meine Entscheidung ist. Es muss nicht immer nur der eine Weg Volldampf nach vorne sein. Es gibt auch noch andere  Möglichkeiten. Klar ich sehe mich als Frau. Aber ich weiß, dass ich den Menschen helfen kann, zu sich selber zu stehen, egal welchen Weg sie für sich wählen. Und ja, es ist eine Wahl. Dass wir so sind ist eine Tatsache, aber was wir daraus machen ist unsere eigene Entscheidung. Ich verstehe die Ängste, die Sorgen, die Panik, die unser Leben beeinflussen. Ich verstehe auch, wie man so  abstürzen kann. Genau hier setzt Selbsthilfe an, eben nicht nur den besten Operateur zu finden oder schnellstmöglich an die Hormone heran zu kommen, sondern auch eine aktive, intensive und  kritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, ohne daran zu verzweifeln und im Suizid zu enden. Das war auch monatelang meine Intention während meiner Besuche in den  Gruppenabenden, quasi seit August `15 bis Mai ´16, mich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen bevor ich irgendwelche Schritte unternehme und nicht nur stur nach vorne zu stürmen.

Viele sagen ich wäre schon so weit und könne nicht mehr zurück, auch damit muss ich mich nun abfinden. Aber ist es nicht toll, dass ich nichts mehr verheimlichen muss? Ich kann darüber reden,  ganz offen. Auch das ist ein Ergebnis meiner Coming Outs, sowohl privat als auch beruflich. Ich kann dafür einstehen, kann gegen Homophobie und Transphobie kämpfen, und dabei auch  irgendwie ich sein, ohne gleichzeitig zu verstören oder zu irritieren.

Ich komme derzeit ganz gut zurecht, mein Leidensdruck hält sich in Grenzen, vor allem dadurch, dass ich die Gewissheit habe, nichts mehr verstecken oder verheimlichen zu müssen. Meine Frau  sieht das natürlich auch und ermutigt mich sogar, mich wieder mit anderen Betroffenen zu treffen und meine Transidentität auch mal auszuleben. Wir haben quasi eine Übereinkunft getroffen, mit was sie einverstanden wäre, aber im Moment habe ich überhaupt keine Lust oder kein Verlangen danach.

Ich hoffe ich habe die Kraft, das so durch zu halten. Ich weiß vor allen Dingen auch, dass ich die Transition jederzeit wieder aufnehmen könnte, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, denn ich  habe bereits Erfahrungen gemacht, die mir diese Schritte vereinfachen würden. Das gibt mir Halt und Gewissheit. Natürlich habe ich neue Baustellen, an denen ich jetzt arbeiten muss, aber mein  durch die Transition gewonnenes Selbstvertrauen habe ich behalten und kann es erfolgreich einsetzen.

 

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Diskriminierung betrifft uns alle

Autorin: Vivian

War letztes Wochenende bei einer Mittelalter-Veranstaltung, die 800 Jahre feierten.

Soweit ok. Ist wie bei vielen solcher Märkte, wenig Gewandete (Kostüm sagen wir nicht gerne).
Aber man kennt sich die im Gewand die dort waren. Auf dem Parkplatz hatte ich Zweifel, da viele eher in „Zivil“ kamen. Habe dann doch mein mitgebrachtes Kleid angezogen und bin hingegangen. Eintritt war für alle gleich und mit 5 € günstig. Die Schausteller und die in dem Lager hatten andere Farben. Die mich kannten, begrüßten mich – sind eh immer die gleichen.

Ich bekam Hunger und suchte mir einen Essensstand. Auf dem Weg dahin fiel mir eine junge Frau auf, die angepöbelt und ausgelacht wurde. Ich lief ihr nach, da ich einen Verdacht hatte. An einem Stand verweigerte man ihr den Verkauf mit der Bemerkung, geh nach Hause und ziehe dich um. Ich sprach sie an was los ist und bat sie zu mir an den Platz. Ich bestellte für uns beide was zu Essen, bekam aber nur meines, ich fragte wieso. Der uns bedient hatte, meinte: „Der da soll verschwinden, er spielt sich als Frau auf dabei ist er ein Mann.“ Ich ging an den Essensstand und fragte, wer der Chef ist. Es kam jemand und großes Bla Bla folgte. Zum Schluss fragte ich sie, ob sie das Diskriminierungsgesetz kennen würden. Einer meinte nur, das beträfe doch nur Flüchtlinge. „Falsch“, erwiderte ich. „Es betrifft jeden von uns und zeigte auf die Leute. Da Sie sie nicht bedient haben, haben Sie sich strafbar gemacht.“ Ich hatte das essen noch nicht bezahlt und so ließ ich es stehen. Unter diesen Umständen gehe ich woanders hin.

Ich ging mit der jungen Frau nach Hause und sie wunderte sich, dass ich für sie einsprang. Bei ihr angekommen outete ich mich ihr gegenüber als Transfrau. Sie war echt überrascht. „Hätte ich nie gedacht“, meinte sie. Wir redeten ein wenig und ich half ihr noch beim Zurechtmachen. Dann gingen wir noch mal auf den Markt. Auf dem Weg dorthin meinte ich zu ihr, dass sie keine so großen Schritte machen und leiser und langsamer sprechen soll. Schau dir die Leute an. Ich gab ihr noch ein paar Tipps und dass sie sich eine Selbsthilfegruppe suchen soll.

Auf dem Markt wurden wir an den Ständen anständig bedient ohne hick hack. Ich stellte sie als meine Bekannte vor und sie genoss den Tag. Am WC-Wagen schaute sie mich erst unsicher an und ging dann selbstverständlich auf die Frauenseite. Als sie wieder raus kam meinte Sie, es könne doch alles so einfach sein. Später kam sogar jemand von dem ersten Essensstand und entschuldigte sich bei ihr.

Als ich zu Hause war, hatte sie mir auf den AB gesprochen und bedankte sich für meine Hilfe. Ich hoffe, dass sie ihren Weg geht. Gerne helfe ich, wenn jemand Hilfe braucht.

 

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Mein erster Ausflug zum Gendertreff Düsseldorf

Autorin: Daniela

Sonntag war ein ganz besonderer Tag für mich. Schon seit Wochen habe ich gefiebert, mich gefreut aber auch mit Ängsten gekämpft. Denn an diesem Tag sollte ich viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben tun.

Es sollte zum Gendertreff nach Düsseldorf gehen. Und nicht nur das, es sollte auch direkt en femme sein. Zum ersten Mal außerhalb der eigenen 4 Wände. Ursprünglich wollte ich ja erst mal in meiner männlichen Erscheinung vorbeischauen, aber je näher der Termin rückte, desto mehr fühlte sich das für mich einfach falsch an. Also stand irgendwann der Entschluss, einfach ins kalte Wasser zu springen.

Nun stellte sich die Frage der Umsetzung. Da ich eher Teilzeitfrau bin und meine Frau in unserem Viertel recht berühmt ist, wollen wir aktuell nicht, dass meine weibliche Identität groß bei uns bekannt wird. Gut, wenn es passiert, dann ist das eben so, aber wir wollen es einfach nicht darauf anlegen. Also haben wir mich nur zum Teil hergerichtet. Das Make-up, bis auf die Lippen, das Kleid unter der Jacke versteckt, und den Lidschatten unter einer Sonnenbrille. Zum Glück sind wir auf dem Weg zum Auto dann doch niemandem über den Weg gelaufen, denn an die roten Nägel hatte ich in diesem Moment schon nicht mehr gedacht. Die wären definitiv bemerkt worden.
Also Navi an und auf nach Düsseldorf. Die Fahrt von Bochum lief erwartungsgemäß unspektakulär. Das Navi setzte uns dann an der Einfahrt zum Kaisershaus ab. Alles komplett überfüllt und kein Parkplatz in Sicht, der Puls steigt.
Als wir dann endlich das Auto abgestellt hatten, haben wir schnell den Feinschliff vorgenommen. Perücke, Schmuck, Lippenstift anlegen, schnell die Jeans unter dem Kleid entfernen und die Schuhe wechseln. Keiner gesehen? Gut!

Da standen jetzt meine Frau und ich. Auf dem Grünstreifen in der Einfahrt und ein Rentnerpärchen nach dem anderen schritt an uns vorbei, während ich noch meine Handtasche kontrollierte.
„Schatz, wir sind wohl die einzigen hier. Bist du sicher dass wir hier richtig sind. Die Leute schauen schon etwas skeptisch…“, war von meiner Frau zu hören. Das war der Moment wo mir mein Pulsarmband vibrierend mitteilte, dass die 120 jetzt überschritten waren.
Ja ich war mir sicher richtig zu sein. Zum Glück hatte ich Drachenfrau´s Nummer und nach einem kurzen Text lief sie uns auch schon freudig entgegen. Was für eine Erleichterung! Dies war aber auch der letzte unangenehme Moment des Nachmittags.

Nachdem wir uns begrüßt hatten, zeigte sie uns wo genau die Gruppe saß. Meine Güte waren das viele Menschen. Wir mussten uns noch einen Tisch zum Anbauen besorgen. (Hihi und haben auch direkt einen Rüffel von der Bedienung kassiert, dass wir doch nicht alle Tische einsammeln sollten). Drachenfrau stellte uns vor und wir setzten uns. Ich habe mich direkt angenommen gefühlt. Das war wundervoll und so langsam ging der Puls auch wieder runter. Ganz ablegen konnte ich meine schüchterne Ader allerdings nicht. Das lag aber nicht an der Gruppe, ich brauche immer etwas mehr Zeit um mit neuen Menschen warm zu werden.
Meine Frau und ich haben dann ein bisschen mit den anderen gequatscht aber auch viel einfach auf uns wirken lassen. Wenn wir also etwas still rüber kamen, seid uns nicht böse. Der Tag war ein absolutes Abenteuer für uns beide.

Und er verging wie im Flug! Ich hatte mir vorgenommen ganz viele Fotos von meinem ersten Ausflug zu machen aber bis auf 2 Selfies habe ich nicht mal das geschafft. Noch heute bin ich total überwältigt, allem voran wegen der Freundlichkeit die uns von allen Seiten entgegen gebracht worden ist! Vielen, vielen Dank! Leider hat mich mein verfluchtes Namensgedächtnis mal wieder erwischt, deshalb muss ich so einigen Personen einfach das nächste Mal persönlich meinen Dank übermitteln. Denn ein nächstes Mal mit Daniela und Melanie wird es definitiv geben!

LG Daniela

 

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