Gendertreff bei center.tv Düsseldorf

Interview Gendertreff

Bildnachweis: Screenshot der Sendung

Der Düsseldorfer Lokalsender center.tv berichtete in der November-Ausgabe seines Gesundheitsmagazins Vitamin D über Selbsthilfegruppen in Düsseldorf. Der Gendertreff Düsseldorf fand erstmalig im Oktober 2004 statt und war somit die Keimzelle des heutigen Gendertreff e.V. (i.Gr.). Wie alle Selbsthilfetreffen des Gendertreff ist auch der Gendertreff Düsseldorf anerkannte Selbsthilfegruppe und als solche auch mit anderen Düsseldorfer Selbsthilfegruppen über das Selbsthilfeservicebüro am Gesundheitsamt Düsseldorf vernetzt. „Gendertreff bei center.tv Düsseldorf“ weiterlesen

Transidente holt Sitz in US-Parlament

Historisches Ergebnis bei den Wahlen in Virginia: In dem US-Bundesstaat zieht mit der Demokratin Danica R. erstmals eine Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein. Die Kandidatin der Demokraten besiegte bei den Wahlen im US-Bundesstaat ihren republikanischen Gegner und zieht damit als erste Transfrau in ein amerikanisches Parlament ein.

Hier weiterlesen………………………..

>> Quelle: Spiegel.de

>> Inhaltsverzeichnis

Stellungnahme des Gendertreff zu „Hedwig and the Angry Inch“

Am 11.08.2017 fragte die Off-Musical Frankfurt UG (haftungsbeschränkt) bezüglich eines Interviews an. Hintergrund war die Premiere des Stücks „Hedwig and the Angry Inch“. In diesem Rock-Musical geht es laut der Interview-Anfrage um Identitätsfindung und aktuelle Gender-Fragen.

Laut Wikipedia hat das Musical folgende Handlung:

Die „weltweit ignorierte Chanteuse“ Hedwig, die als Rock-and-Roll-Drag-Queen mit Ehemann Yitzhak und Band durch Amerika reist, erzählt dem Publikum ähnlich einer Psychotherapie ihre Geschichte.

In Ostberlin „auf der falschen Seite der Mauer“ aufgewachsen, lässt sich der androgyne Hansel Schmidt aus Liebe zu dem GI Luther in eine Frau (eben Hedwig) verwandeln, um durch Heirat aus der DDR zu kommen. Doch die Geschlechtsumwandlung läuft katastrophal schief: Das Messer des besoffenen Chirurgen erweist sich als so stumpf wie das Leben, aus dem Hansel zu entkommen versucht. Zurück bleibt jener titelgebende „Angry Inch“ – ein „zorniger Zentimeter“, der Hedwig daran erinnert, dass sie vielleicht niemals ganz zu einer Seite gehören wird.

Den 9. November 1989 erlebt Hedwig mittellos und von ihrem „Sugar Daddy“ verlassen in einem heruntergekommenen Trailerpark in Kansas. Während sich in ihrer ehemaligen Heimat die Wiedervereinigung vollzieht, ist Hedwig von ihrer inneren Einheit und geschlechtlichen Identität weit entfernt. Bei einem der Babysitter-Jobs, mit dem sie sich über Wasser hält, lernt sie einen pickligen Jungen namens Tommy Speck kennen, ein Jesus-Freak, dem sie alles über Musik und Entertainment beibringt. Sie gibt ihm den Künstlernamen „Tommy Gnosis“ und schreibt für ihn im ranzigen Wohnwagen nun Songs, die den Geist des Glam Rocks der 70er Jahre atmen und von der Suche nach Liebe und Erfüllung handeln. Das scheinbare Glück währt jedoch nicht lange und Hedwig wird erneut betrogen. Tommy Gnosis lässt sie sitzen und sich mit den gestohlenen Songs als Superstar feiern. Für Hedwig und ihre zusammengewürfelte Band bleibt dagegen nur der schale Abklatsch einer Low-Budget-Tour; der Tour von Tommy Gnosis folgend, die sie auch in das aufführende Theater führt.

Dazu nehmen wie folgt Stellung: Die Handlungsbeschreibung enthält diverse Fehler bzw. Fehlinformationen, die geeignet sind, ein völlig falsches Bild in der Öffentlichkeit zu platzieren und überdies geeignet sind, Trans*-Personen in unqualifizierter Weise zu beleidigen und zu diskriminieren. Im Einzelnen:

In Ostberlin „auf der falschen Seite der Mauer“ aufgewachsen, lässt sich der androgyne Hansel Schmidt aus Liebe zu dem GI Luther in eine Frau (eben Hedwig) verwandeln, um durch Heirat aus der DDR zu kommen.

Hier werden gleich diverse Vorurteile vermischt. Denn es wird suggeriert, dass es sich bei Trans*-Personen um schwule Männer handeln würde, die aus sexuellen Motiven eine „Verwandlung“ anstreben. Das ist jedoch sachlich in mehrfacher Hinsicht falsch.

Trans*-Personen sind nicht schwul

Heterosexualität und Homosexualität verteilen sich über die Grundgesamtheit aller Trans*-Personen ggf. abweichend um eine zufällige Streuung ebenso, wie über den Rest der Bevölkerung auch. Das bedeutet: Die sexuelle Orientierung einer Trans*-Person korreliert nicht mit der Transidentität.

Trans*-Personen sind keine schwulen Männer

In der Öffentlichkeit, manchen Medien, Musicals wie „Hedwig and the Angry Inch“ oder „Rocky Horror Picture Show“ oder auch Filmen wie „Der bewegte Mann“ wird immer wieder suggeriert, Trans*-Personen wären schwule Männer, die sich „als Frauen verkleiden“, um andere Männer als Sexualpartner zu wählen.

Leider wird in diesen Darstellungen völlig ignoriert, dass Transidentität keine auf die Sexualität des Menschen gerichtete Eigenschaft ist. Vielmehr geht es um die Geschlechtsidentität eines Menschen: Transidente Menschen erleben eine teils erhebliche Diskrepanz zwischen ihrer Geschlechtsidentität und einem als „falsch“ empfundenen Körper.

Weiter wird in derartigen Darstellungen vollkommen ignoriert, dass es sowohl Transfrauen als auch Transmänner gibt. Transmänner sind Personen, deren Identitätsgeschlecht männlich ist, die jedoch weibliche äußere Geschlechtsmerkmale besitzen. Transfrauen sind Personen, deren Identitätsgeschlecht weiblich ist, die jedoch männliche äußere Geschlechtsmerkmale besitzen. Das Bild des „Mannes in Frauenkleidern“ ist demnach sachlich falsch. Vielmehr ist es so, dass viele Trans*-Personen bestrebt sind, ihre äußere Erscheinung dem empfundenen Geschlecht anzugleichen.

Bei Transidentität geht es niemals um Sex

Die oben beschriebene Diskrepanz lässt sich anschaulich und salopp wie folgt formulieren: „Trans*-Personen fühlen sich im falschen Körper.“ Ebenso anschaulich kann man also auch sagen: „Das Phänomen Trans* findet zwischen den Ohren statt und nicht zwischen den Beinen.“

Für viele Trans*-Personen bedeutet die empfundene Diskrepanz zwischen dem körperlichen Geschlecht und dem Identitätsgeschlecht eine erhebliche psychische Belastung, die je nach dem empfundenen individuellen Leidensdruck vielfache Problematiken beinhalten kann. Dem Gendertreff sind durch seine langjährige Selbsthilfearbeit Fälle von Arbeitssucht, Sportsucht, Spielesucht, Burn-Out, Depressionen, Alkoholismus oder auch Drogensucht bekannt. Zwar muss eine Transidentität nicht zwingend mit diesen Problematiken einhergehen. Die psychische Belastung, der Trans*-Personen ausgesetzt sind, ist jedoch häufig erheblich.

In diesem Zusammenhang anzunehmen, dass jemand aus sexuellen Motiven „sein Geschlecht wechseln“ könnte, ist völlig realitätsfern. Vielmehr ist es so, dass das eigene Empfinden nicht mit dem äußerlichen Erscheinungsbild zusammenpasst. Anschaulich: Ein Mann hat eben keine weiblichen Brüste und auch keine Vagina. Ebenso hat eine Frau keinen Penis oder auch keinen Bartwuchs. Spätestens mit der Pubertät müssen Trans*-Personen jedoch mitansehen, wie sich ihr Körper in eine Richtung entwickelt, die ihren Empfindungen vollkommen widerspricht.

Dies verursacht ebenso Leidensdruck wie die Tatsache der als völlig falsch empfundenen Sozialisierung. Anschaulich: Eine Transfrau erscheint äußerlich als Mann und erlebt deshalb eine männliche Sozialisierung, die jedoch ebenfalls nicht zu ihrem Empfinden passt. Schon im Kindesalter können Transfrauen mit dem Imponiergehabe „der anderen Jungs“ nichts anfangen, werden von der Gesellschaft jedoch diesem falschen Geschlecht zugeordnet. Entsprechend haben viele Trans*-Biographien eine Außenseiter-Rolle als traurige Gemeinsamkeit.

Trans*-Personen verwandeln sich nicht

Die vorangegangenen Abschnitte deuten es bereits an: Bei Transidentität geht es nicht um eine Verwandlung. Es geht vielmehr darum, den als falsch empfundenen Körper dem Identitätsgeschlecht anzugleichen. Dies erfolgt zum einen über Kleidung und einfache Maßnahmen eher kosmetischer Natur. So binden sich Transmänner die weibliche Brust ab. Transfrauen nutzen Kosmetik, Rasur oder Epilation sowie Perücken als ersten Schritt einer äußerlichen Angleichung.

Medizinisch unterstützte geschlechtsangleichende Maßnahmen sind dann Hormontherapien und geschlechtsangleichende Operationen. Hinzu kommen geschlechtsangleichende Maßnahmen juristischer Natur. In Deutschland ist dies das Verfahren zur Vornamens- und Personenstandsänderung nach dem TSG.

Alle diese Maßnahmen sind darauf gerichtet, die als falsch und belastend empfundenen äußerlichen Geschlechtsmerkmale dem Identitätsgeschlecht anzugleichen. Eine „Verwandlung“ findet niemals statt – und schon gar nicht aus den in der Handlung des Musicals „Hedwig and the Angry Inch“ beschriebenen Motiven.

Doch die Geschlechtsumwandlung läuft katastrophal schief: Das Messer des besoffenen Chirurgen erweist sich als so stumpf wie das Leben, aus dem Hansel zu entkommen versucht. Zurück bleibt jener titelgebende „Angry Inch“ – ein „zorniger Zentimeter“, der Hedwig daran erinnert, dass sie vielleicht niemals ganz zu einer Seite gehören wird.

Geschlechtsumwandlung?

Wie zuvor bereits erläutert, ist der Terminus Geschlechtsumwandlung sachlich falsch. Richtig ist, von geschlechtsangleichenden Maßnahmen zu sprechen.

Weiter verwahrt sich der Gendertreff davor, die Geschlechtsangleichung lediglich mit einer Operation äußerlicher Geschlechtsmerkmale gleichzusetzen. Denn wie erläutert bedeutet die Angleichung an das Identitätsgeschlecht auch eine Angleichung auf juristischer und sozialer Ebene.

Angry Inch?

Die Vorstellung des besoffenen Chirurgen mit dem stumpfen Messer ist eine realitätsferne Groteske. Auch ist es nicht so, dass überhaupt ein „zorniger Zentimeter“ als Rest einer schiefgelaufenen geschlechtsangleichenden Operation „stehen bleiben“ könnte.

Die hier angedeutete geschlechtsangleichende Operation für Mann-zu-Frau-Transidente verläuft so, dass eine Neo-Vagina gebildet und mit Teilen des Penis modelliert wird. Es wird demnach nichts „abgeschnitten“, sondern – ähnlich salopp formuliert – „umfangreich umgebaut und nach innen verlagert“. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den auf der Gendertreff Plattform hinterlegten Artikel zu entsprechenden Operationstechniken.

Aus dem Leben entkommen?

Wer sich geschlechtsangleichenden Maßnahmen unterzieht, um einer als unbefriedigend empfundenen Lebenssituation zu entfliehen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht transident und handelt überdies grob fahrlässig. Nicht zuletzt deshalb ist die Angleichung an das Identitätsgeschlecht auf medizinischer Ebene an eine umfangreiche Diagnostik gebunden, mit der z.B. eine Realitätsflucht oder Schizophrenie ausgeschlossen werden soll.

Die im Musical „Hedwig and the Angry Inch“ beschriebenen Motive zur Durchführung geschlechtsangleichender Maßnahmen sind sämtlich den Phantasien eines über die Thematik Trans* völlig uninformierten Autors entsprungen. Sie entsprechen nicht der Realität und sind vielmehr geeignet, Trans*-Personen in diffamierender Weise zu verunglimpfen.

Niemals ganz zu einer Seite gehören?

Die Handlungsbeschreibung aus der Wikipedia suggeriert, dass der verbliebene Rest eines männlichen Penis geeignet wäre, das Geschlecht eines Menschen zu definieren. Abgesehen davon, dass wir schon ausgeführt haben, dass das Vorhandensein des „angry inch“ medizinisch gesehen realitätsferner Unsinn ist wird hier unterstellt, dass die empfundene Geschlechtsidentität in irgendeiner Verbindung mit dem Vorhandensein äußerer Geschlechtsmerkmale stehen könnte. Das ist sachlich ebenso falsch wie die Vorstellung, dass Transidentität in irgendeinem Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung stehen könnte.

Stimmen aus dem Gendertreff-Team

Ava sagt dazu:

Als ich die Zusammenfassung der Handlung in der Wikipedia gelesen habe, habe ich Wut und Ekel verspürt. Wieder einmal werde ich öffentlich auf etwas reduziert, das ich nicht einmal ansatzweise empfinde. Es geht bei Transidentität eben gerade nicht um Sex und ebenso wenig um Homosexualität.

Ich selber stehe z.B. auf Frauen – also CIS-Frauen, wie man politisch korrekt sagen müsste. Demnach wäre ich entweder ein heterosexueller Mann mit weiblichem Identitätsgeschlecht oder eine lesbische Frau, die in einem Männerkörper leben muss. Aber mit dem, was in der Musical-Handlung beschrieben wird, habe ich und hat mein gesamtes Leben nichts zu tun. Das ist völlig realitätsfern.

Aus einer Vielzahl von persönlichen Gründen lebe ich mein Identitätsgeschlecht derzeit in Teilzeit aus. Das Ausleben meines Identitätsgeschlechts ist in keiner Weise sexuell motiviert. Ich kenne auch keine andere Trans*-Person, bei der das der Fall wäre. Ich frage mich deshalb, weshalb immer wieder derartiger Blödsinn in die Welt gesetzt wird.

Ich empfinde das als schwere Beleidigung. Es ist eine Behauptung falscher Tatsachen, eine schwerwiegende Diffamierung, die geeignet ist, massive Diskriminierungen hervorzurufen. Derartige Diffamierungen setzen Vorurteile in die Welt, die Trans*-Menschen in ihren Familien, ihren Freundeskreisen und im beruflichen Umfeld erhebliche Probleme bereiten können.

Chrissie sagt dazu:

Ich bin traurig und gleichzeitig wütend, wenn ich solche Vorurteile hören oder lesen muss. Leider werden auch in der oben zitierten Handlungszusammenfassung uralte Klischees aus der Schublade geholt, um das Musical anzupreisen. Dass diese Werbung aber ganze Menschengruppen diffamiert und viel Aufklärungsarbeit der Trans* -Menschen unterläuft scheint egal zu sein, Hauptsache, die Unterhaltungsindustrie generiert Umsätze.

Traurig bin ich, dass diese Klischees immer noch nicht ausgerottet werden konnten und wütend bin ich darüber, dass – anscheinend ohne groß zu recherchieren oder nachzudenken – auf Kosten einer Gruppe von Menschen, die schon mehr als genug damit zu tun haben gegen Vorurteile und damit verbundener Ablehnung oder gar Hass anzukämpfen versucht wird, Profit zu machen.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor im Vorfeld Kontakt zu Trans* Organisationen aufnimmt und ein Musical über die – teilweise sehr schweren – Lebenswege der Betroffenen schreibt.

Ich selbst bin Transfrau, seit 30 Jahren glücklich mit meiner Frau verheiratet und seit diesem Jahr endlich auch rechtlich als das anerkannt, was ich seit meiner Geburt bin: Als Frau.

Was geschlechtsangleichende Operationen anbelangt: Wir haben eine Fehlbildung, vergleichbar z.B. mit Fehlstellungen der Beine, durch die eine Person nicht laufen kann. Durch eine geschlechtsangleichende Operation wird diese Fehlbildung korrigiert, genauso wie die Fehlstellung der Beine, damit diese Person dann laufen kann.

Vielleicht kann das folgende Beispiel helfen, die Situation besser zu verstehen: Wenn Sie ein Mann sind stellen Sie such vor, sie hätten in ihrer Jugend Brüste bekommen und nur einen extrem kleinen Penis, und sie müssten so in die Sauna oder schwimmen gehen und werden vielleicht schon von klein auf deswegen gemobbt. Oder wenn Sie eine Frau sind: Es haben sich keinerlei Brüste entwickelt, dafür aber eine extrem grosse Klitoris, so dass sich eine Beule bei enger Kleidung abzeichnet. Sie würden sicher extrem leiden und sobald wie möglich eine Operation durchführen lassen. Nicht anders verhält es sich mit der geschlechtsangleichenden Operation.

Xenia sagt dazu:

Auch in der ehemaligen DDR gab es Regelungen in Bezug auf die Angleichung an das Identitätsgeschlecht. Dazu findet man u.a. hier weitergehende Informationen. Zudem haben mir dies auch Personen, die vor der Wende in der ehemaligen DDR gelebt haben, auch in persönlichen Gesprächen bestätigt.

Homosexuelle Männer haben sich garantiert nicht geschlechtsangleichenden Maßnahmen wie Operationen unterzogen, denn sie sind ja keine Frauen sondern Männer und wollen es auch bleiben. Im Iran soll es allerdings gängige Praxis sein, die Möglichkeit einer geschlechtsangleichenden Operation in Betracht zu ziehen, da Homosexualität dort verboten ist. Hier sind jedoch wohl eher politische Repressalien der Grund so etwas wie „das kleinere Übel“ zu wählen. Mit Transidentität hat das jedoch nichts zu tun.

Die Vorstellung, dass man einfach durch eine Heirat aus der DDR auswandern konnte, ist realitätsfern. Wenn überhaupt, dann nach vielen Anträgen und mit viel Geduld. Ich kenne einen Fall aus meinem persönlichen Umfeld aus der Zeit meiner Berufsausbildung. Der ehemalige Kollege hatte in der DDR seine Traumfrau kennengelernt und sie wollten heiraten. Ihm wurde angeboten, Staatsbürger der DDR zu werden, was er jedoch ablehnte. Er ließ nicht locker und seine Partnerin wurde im beruflichen Umfeld schikaniert, indem man sie zwar offiziell auf ihrer Arbeitsstelle beließ, sie jedoch dort keine Arbeiten mehr verrichten durfte. Ihm wurde derweil mehrfach die Einreise verweigert. Erst nach zwei Jahren hatten sie es geschafft: Die Partnerin erhielt einen Brief, nach dem sie binnen 24 Stunden die DDR verlassen musste. Sie verließ daraufhin die DDR und die beiden wurden in der Bundesrepublik Deutschland ein glückliches Paar.

Was soll ich noch zu dem Theaterstück sagen? Ja, das ist ein Theater. Das hat nichts mit Trans* zu tun, wird aber wohl offensichtlich so verkauft. Oft genug nimmt die Gesellschaft derartigen Unsinn für bare Münze und wir können wieder dagegen ankämpfen. Ich hoffe nur, dass dieser Quatsch keine vollen Häuser erhält. Es ist traurig, wieviel Unsinn völlig unreflektiert verbreitet wird. Ich finde, die Autoren derartiger Stücke sollten sich vor Augen halten, dass derartige völlig realitätsferne Darstellungen geeignet sind, massive Vorurteile zu schüren.

Autoren derartiger Stücke sollten sich einmal mit Trans*-Organisationen in Verbindung setzen, sich informieren oder Fachvorträge anhören. Die Gendertreff Messe & Fachtagung würde sich anbieten.

Marina sagt dazu:

Nachdem ich mir heute mal die Zeit genommen habe mal nachzulesen, um was es denn bei „Hedwig and the Angry Inch“ eigentlich genau geht, muss ich mich den anderen in den wesentlichen Punkten anschließen.

Ganz klar ist die Geschichte wie auch alle Charaktere völlig überzeichnet, was aber an und für sich nichts Ungewöhnliches wäre. Man merkt jedoch, dass diese Geschichte von einem Amerikaner geschrieben wurde, denn es werden hier einige, nicht nur historische Fakten schlicht ignoriert.

Woher sollte wohl jemand aus den „US of A“ auch wissen, wie die Verhältnisse in der DDR waren? Dass eine Heirat keinesfalls dazu führte um aus der Knechtschaft der SED entlassen zu werden? Im Gegenteil, es ist sogar davon auszugehen, dass die Heirat staatlich gar nicht anerkannt worden wäre, unabhängig davon, wo diese tatsächlich stattgefunden haben könnte (was wenn überhaupt nur ein Ostblock-Staat gewesen sein könnte). Auch dass die Person mit erheblichen bis zu extremen Repressalien durch den SED-Staat rechnen musste, wie Xenia schon geschrieben hat.

Unzweifelhaft wurden auch in der DDR geschlechtsangleichende Operationen durchgeführt; dass diese OP jedoch von einem betrunkenen Chirurgen mit stumpfem Skalpell gemacht wurden, ist schlicht lächerlich. Geschlechtsangleichende Operationen können auch schief gehen und zu erheblichen Komplikationen führen, das ist unzweifelhaft. Wir kennen aus unserer Selbsthilfearbeit leider auch ein paar solcher Fälle. Jedoch ist in keinem dieser mir bekannten Fälle ein solches schuldhaftes Versagen eines Arztes die Ursache für die Komplikationen. Der Autor dieser Geschichte hat dies wohl als Detail eingebaut, weil er wohl dachte, es wäre lustig. Das ist es für mich ganz sicher nicht. Es zeigt nur, wie ignorant der Autor gegenüber der deutschen Mentalität ist. Wie diese tatsächlich ist, brauche ich wohl hier nicht explizit auszubreiten.

Es werden mal wieder die schlimmsten Stereotypen verwendet: Drag-Queen, Show-Geschäft, Selbstdarsteller, Homosexualität usw. Es sind genau die Dinge, die wir immer wieder versuchen aus den Köpfen der Leute zu bekommen, weil sie genau diese Liste mit Transidentität assoziieren. Ich will mich nicht wiederholen, denn die anderen, die hierzu schon geantwortet haben, haben dies schon sehr klar dargelegt.

Man mag vielleicht argumentieren, dass das Stück 1998 geschrieben wurde und das „damals“ noch vieles anders war, doch das war es nicht. Unzweifelhaft waren wir Transgender 1998 noch nicht so in der Öffentlichkeit sichtbar wie wir es heute sind, aber auch vor fast 20 Jahren gab es genauso viele von uns wie es heute sind. Der große Unterschied ist, dass oftmals nur jene öffentlich sichtbar waren, die sich in dem in der obigen Liste beschriebenen Umfeld zuhause gefühlt haben. Alle anderen haben ihre Transgendereigenschaft heimlich ausgelebt und ein völlig „heteronormatives Leben“ für die „Öffentlichkeit“ gespielt. Oder aber sind sie nach Ihren anpassenden Maßnahmen völlig untergetaucht und haben irgendwo in einer fremden Stadt ein neues Leben angefangen. Wir kennen beide Fälle, wobei der erste Fall der weitaus häufigste ist. Dieser 1. Fall erklärt auch, warum so viele von uns erst in der 2. Hälfte ihres Lebens den Schritt wagten, endlich das richtige Leben zu leben. Ich selbst zähle zweifellos auch dazu.

Vielleicht mag ja der eine oder andere es amüsant finden, sich dieses Musical anzusehen. Vielleicht ist es auch für die eine oder andere von uns eine Gelegenheit, sich im Identitätsgeschlecht in die „Öffentlichkeit“ zu wagen, weil es ja scheinbar ein geschützter Bereich ist. Sicherlich ist es auch für manche Person eine Gelegenheit, gewisse fetischistische oder autogynophile Neigungen auch mal öffentlich auszuleben. Bei mir jedoch hinterlässt es nur einen schalen Nachgeschmack.

Menschen hautnah – Mädchen oder Junge?

WDR Fernsehen, Do., 27.07.2017, 22:10 Uhr – 22:55 Uhr

Menschen hautnah
Mädchen oder Junge?

Aufwachsen als Transgender-Kind

Ein Film von Norbert Lübbers

Sophia ist acht Jahre alt. Sie sieht aus wie ein Mädchen, sie fühlt sich als Mädchen. Geboren
aber wurde Sophia als Philipp. Doch mit gerade mal 4 Jahren beschließt sie, kein Junge mehr
zu sein. Sie will nur noch Röcke und Kleider tragen, lässt sich die Haare lang wachsen und
nennt sich wie die Prinzessin aus ihrer Lieblings-Fernsehserie. Am Anfang denken ihre Eltern,
das sei vielleicht nur eine Phase. Doch Sophia scheint genau zu wissen, wer sie ist. Sie sagt
nicht, dass sie ein Mädchen sein möchte. Sie sagt, dass sie ein Mädchen ist. Wenn sie mit
Philipp angesprochen wird, reagiert sie aggressiv. Schließlich überzeugt sie ihre Eltern und ihre
drei Brüder, sie als Tochter und Schwester zu akzeptieren.

Heike hatte immer die Tochter, die sie sich gewünscht hat. Seit vier Jahren heißt ihre Tochter
nun Fynn. Der Transjunge hatte mit 14 sein Coming-out. Die Mutter sagt, es sei nicht leicht
gewesen, sich von der Tochter zu verabschieden und einen Sohn zu bekommen. Heute geht es
ihr vor allem darum, dass Fynn die Unterstützung erhält, die er braucht. Er hat gerade sein
Abitur gemacht und hat jetzt nur einen Wunsch: eine Operation, um sich die Brüste abnehmen
zu lassen. Aber wieviel Veränderung muss wirklich sein, um ein glückliches Leben als Trans-
Mensch führen zu können?

Saskia Fahrenkrug leitet die Spezialambulanz am UKE in Hamburg. Mit ihrem Team betreut die
Psychotherapeutin fast 500 transidente Kinder und Jugendliche. Nachdem sie die Diagnose zur
sexuellen Identität gestellt hat, übernimmt der Hormonspezialist Achim Wüsthof die
medizinischen Maßnahmen. Gerade mit dem Einsetzen der Pubertät, wenn sich Brüste oder
Barthaare entwickeln, beobachtet der Endokrinologe bei vielen Patienten Verzweiflung und
Depressionen. Manche haben sogar Suizidversuche hinter sich. Eine Hormonbehandlung zu
unterlassen und abzuwarten, sei meist keine Option, sagt Wüsthof. Denn die als falsch
empfundene Pubertät würde den Leidensdruck deutlich verstärken.

Auch der 14-jährige Alexander und die 15-jährige Klara sind bei ihm in Behandlung. Beide
haben vor wenigen Monaten mit der gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung begonnen.
Durch das Testosteron verändert sich Alexander äußerlich langsam zum Mann. Seine Stimme
wird tiefer, die Schultern breiter und die Körperbehaarung nimmt zu. Bei Klara sorgen die
Östrogene dafür, dass ihre Formen weicher werden und langsam das Brustwachstum einsetzt.
Beide Teenager haben das Gefühl, sich nicht mehr verstecken zu müssen und endlich auch
körperlich das zu erleben, was sie fühlen.

Die Jugendlichen selbst stehen im Zentrum einer kontroversen Diskussion: Können sie wirklich
schon eine dauerhafte Aussage über ihre Geschlechtsidentität treffen? Ist Transidentität bei
Kindern und Jugendlichen eine Laune der Natur oder nur eine Phase? Und wie wird sich das
Kind weiterentwickeln?

Sophia, Klara, Alexander und Fynn: zwei Transmädchen und zwei Transjungen zwischen acht
und 19 Jahren. Menschen hautnah begleitet sie und ihre Familien auf ihrem Weg zu einer
selbstbestimmten Identität.

Redaktion: Ulrike Schweitzer

Quelle: Presseinformation des WDR vom 25.07.2017

>> Inhaltsverzeichnis

Vom zurückhaltenden Mann zur selbstbewussten Frau

Aus dem Berlin-Lichtenberger Rathaus:

 

An dem Schreibtisch, an dem früher Heinz saß, sitzt heute Doris. Die Leiterin des Fachbereiches Naturschutz im Bezirksamt Lichtenberg ist nicht in den Ruhestand gegangen und auch nicht versetzt worden. Sondern hat sich geoutet.

50 Jahre hat sie versucht ein Mann zu sein und hat dabei eine Rolle gespielt………………Heinz ist früher durch die Gänge im Amt geschlichen, heute schwebt sie über den Flur.

Und eine Selbsthilfegruppe unterstützt die Transfrau dabei, in ihrem neuen Leben anzukommen.

 

Quelle: Rathausnachrichten Lichtenberg

Ava – ein Interview

Das folgende Interview habe ich im Januar 2016 für das Magazin STRAIGHT anlässlich des Filmstarts von The Danish Girl gegeben. Da es bislang nicht online veröffentlicht wurde und viele teils sehr persönliche Eindrücke wieder gibt, habe ich es aktualisiert und gebe es an dieser Stelle wieder. Ich habe es zudem um einige Fotos aus dem vergangenen Jahr 2016 ergänzt – Ava

Wie war Dein Gefühl  als Du zum ersten Mal Ava sein zu durftest?

Wie es vermutlich bei den meisten transidenten Menschen der Fall ist, war es ein Gefühl der Befreiung. Wobei eine Formulierung wie „zum ersten Mal Ava sein durftest“ letztlich falsch ist. Denn ich bin Ava und war es schon immer.

Transidente Menschen entscheiden sich nicht, plötzlich einen „anderen Lebensentwurf“ zu leben. Vielmehr ist es so, dass eine Diskrepanz zwischen dem äußeren Erscheinungsbild (bei mir ist dies ein männlicher Körper) und dem Inneren, dem Identitätsgeschlecht (bei mir weiblich), gibt.

Die beschriebene Diskrepanz führt häufig zu einer Unzufriedenheit und Zerrissenheit. Dabei muss man bedenken, dass ich zu einer Zeit geboren wurde und auch aufgewachsen bin, zu der man noch nicht jede beliebige Information über das Internet bekam. Folgerichtig war es damals – letztlich bis in die 1990er Jahre – schwer, eine Definition dafür zu erhalten. Auch war es ungleich schwieriger, sich mit anderen Transidenten auszutauschen. Die heute verfügbaren Informations- und Selbsthilfeangebote gab es damals noch nicht.

Im Wesentlichen verfügte man über ein „Halbwissen“, das aus Erzählungen oder überwiegend dem Klamauk zuzuordnenden Filmen resultierte und aus dem sich noch heute viele Vorurteile ableiten. So hat Transidentität überhaupt nichts mit Sexualität zu tun, weshalb viele Transidente dem Begriff „Transsexualität“ eher ablehnend gegenüberstehen.

Mit zunehmender Verbreitung des Internet gab es dann nach und nach die ersten Informationsangebote. Irgendwann meldete ich mich dann in einem Internet-Forum an, gab mir den Namen Ava und einige Zeit später besuchte ich zum ersten Mal ein Selbsthilfetreffen.

Es tat einfach nur unendlich gut, zu sehen, dass man nicht alleine ist, sich mit anderen auszutauschen und auch von ihnen zu lernen. Sich nach all den Jahren einfach auszuleben, die ersten Schritte in die Öffentlichkeit zu wagen, das war ein unbeschreibliches Gefühl.

Wann hast Du für Dich das erste Mal gespürt, irgendwie schere ich aus?

Einen genauen Zeitpunkt kann ich nicht wirklich benennen. Vielmehr merkte ich es an vielen kleinen Dingen. Ich konnte z.B. nie mit dem Imponiergehabe anderer Jungen etwas anfangen. Ich habe mich immer schon für weibliche Kleidung interessiert und bin bis heute bekennendes Fashion Victim mit einer deutlichen Vorliebe für elegante Kleider und Kostüme.

Aufgrund der männlichen Sozialisierung und auch mangelnder Informationen war es jedoch für mich nicht einzuordnen, welchen Grund es dafür wirklich gibt. Meine Kindheit habe ich in den 1970er Jahren erlebt, die Pubertät in den 1980er Jahren. Damals gab es keine Informationen, die zu den Empfindungen gepasst hätten.

Also habe ich die Transidentität, eine Eigenschaft, für die ich damals nicht einmal einen Begriff kannte, letztlich nach außen hin verdrängt. Natürlich habe ich damals schon heimlich Damenkleidung anprobiert. Aber das habe ich natürlich geheim gehalten. Nach außen war ich „der ganz normale Junge“ und später eben „der ganz normale Mann“.

Letztlich leidet man innerlich. Manche mehr, manche weniger. Zum Glück bin ich eher pragmatisch eingestellt und habe immer schon ein recht dickes Fell gehabt. Trotzdem steht es einem natürlich immer wieder im Weg, wenn man sich ständig mit sich selbst beschäftigt.

Auf der Paracelsus Messe 2016 in Düsseldorf – Gespräch mit einer Messebesucherin

Wann und wie war Dein Leidenspunkt erreicht und der Wendepunkt kam?

Wie gesagt habe ich eine recht pragmatische Einstellung und bin auch mit einem relativ dicken Fell ausgestattet. Allerdings ist es so, dass niemand seine Identität jahrzehntelang verstecken kann. Irgendwann kommt der Punkt, an dem bildlich gesprochen der Druck so groß ist, dass der Kessel irgendwann zum Platzen kommt. Bei mir war dieser Punkt Mitte der 2000er Jahre erreicht.

Niemand, der es nicht selbst erlebt hat kann sich vorstellen, was es bedeutet, jahrzehntelang ein Geheimnis mit sich herumzuschleppen, über das man mit niemandem auf der Welt sprechen kann. Als ich dann irgendwann in den 1990er Jahren die ersten Webseiten entdeckte, die sich mit dem Thema befassten, stellte ich erstmals fest, dass es offenbar wesentlich mehr Transidente gab, als ich bis dahin angenommen hatte. Wichtig war auch, dass ich erstmals über Begriffe wie „Transgender“ oder „Transidentität“ stolperte, die meinem Empfinden einen Namen gaben.

Es folgten einige Jahre, in denen ich nur still mitgelesen habe. Manche Transgender hatten Webseiten mit tollen Fotos und ich habe damals gedacht, dass ich so etwas wohl niemals erreichen könnte. Doch schließlich wurde der Druck immer größer. Wie bereits beschrieben habe ich mich dann zunächst in einigen Internet-Foren angemeldet und irgendwann den Schritt gewagt, zu einem Selbsthilfetreffen zu gehen.

Diesen Schritt kann man tatsächlich als Wendepunkt betrachten. Denn ich konnte feststellen, dass es noch viele andere Transgender gab. Sehr wichtig war es auch, mir selber einzugestehen, dass ich transident bin.

Durch das Selbsthilfetreffen konnte ich damals die ersten Schritte in die Öffentlichkeit unternehmen, mich mit anderen austauschen und lernen, in der Öffentlichkeit zu meinem Identitätsgeschlecht zu stehen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, denn das hilft, einen individuellen Weg zu finden, mit der eigenen Transidentität umzugehen.

Allerdings muss ich sagen, dass ich wirklich Glück hatte, immer schon mit einer gewissen Dickfelligkeit ausgestattet zu sein. Ich habe im Laufe der Jahre durch unsere Selbsthilfearbeit im Gendertreff-Team Menschen kennen gelernt, die weitaus größere Probleme mit ihrer Geschlechtsidentität hatten als ich selber. Burn-out, Depressionen oder Alkoholismus sind durchaus Symptome, die mit der Transidentität in einem Zusammenhang stehen können. Transidentität ist keine Krankheit, kann aber sehr krank machen, da sie vielfach mit einem hohen Leidensdruck einhergeht. Deshalb ist es ja auch so wichtig, transidenten Menschen und ihren Angehörigen eine Anlaufstelle zu bieten. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich weiterhin im Gendertreff engagiere.

Mit Gendertreff-Team-Kollegin Nathalie auf der Paracelsus Messe 2016 in Düsseldorf

Wie sieht Dein Alltag aus?  

Derzeit lebe ich meine Transidentität in Teilzeit aus. Das bedeutet, dass ich als Mann arbeiten gehe. Den überwiegenden Teil meiner Freizeit verbringe ich im Identitätsgeschlecht.

Das ist weniger spektakulär, als manche sich das vielleicht vorstellen: Ich gehe Essen oder ins Kino, Shoppen usw. Es ist der ganz normale Alltag einer ganz normalen Frau.

Die Entscheidung für eine Teilzeitlösung habe ich für mich aus einer ganzen Reihe von Gründen getroffen. Es kann aber durchaus sein, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem mir auch das nicht mehr möglich ist. Das wird die Zeit zeigen.

Wer weiß, wie Du tickst?

Die Formulierung „wie Du tickst“ suggeriert, dass man sich für Transidentität entscheiden könnte. Das ist aber, wie weiter oben ausgeführt, nicht der Fall. Fragen wir also besser danach, wer von meiner Transidentität weiß.

Im privaten Umfeld wissen die meisten Bekannten Bescheid. Das lässt sich ja schlecht verhindern, wenn man privat überwiegend im Identitätsgeschlecht lebt. Auch einige berufliche Kontakte wissen es.

Wie reagiert Dein Umfeld – wie offen gehst Du damit um?

Ich gehe im beruflichen Umfeld nicht mit meiner Transidentität hausieren, verstecke mich aber auch nicht. Da ich mich im Gendertreff engagiere, nehme ich an allen möglichen Aktivitäten rund um unsere Öffentlichkeitsarbeit teil: Wir haben in jedem Jahr Infostände auf diversen Gesundheitsmessen, Informationsveranstaltungen usw. Wenn man z.B. auf dem Selbsthilfetag in der Düsseldorfer Innenstadt auf der Bühne ein Interview gibt, dann ist das schon ziemlich öffentlich.

Da ich mich auch ansonsten nicht verstecke, kann es natürlich ständig vorkommen, dass ich auch mal jemandem über den Weg laufe, der noch nicht von meiner Transidentität weiß. Ich fahre im Identitätsgeschlecht in den Urlaub oder gehe auch auf Geschäftsreisen nach meinen Terminen im Identitätsgeschlecht aus. Ich gehe so einkaufen, treffe mich mit Freunden usw. Auch auf der Gendertreff Plattform im Internet gibt es ja diverse Fotos von mir, ebenso auf dem Gendertreff-Facebook-Account usw. Man kann also sagen, dass ich sehr offen mit meiner Transidentität umgehe.

Das Umfeld reagiert überwiegend positiv. Großartige Probleme habe ich bislang nicht damit gehabt. Leider tut sich ausgerechnet meine Familie mit dem Thema sehr schwer. Sollte ich mich irgendwann dafür entscheiden, die Transition (die juristische und medizinische Angleichung an das Identitätsgeschlecht) durchzuführen, dann könnte das demnach noch Konfliktpotential beinhalten.

Mit Gendertreff-Gründerin Xenia auf der Bühne beim Düsseldorfer Selbsthilfetag 2015

Welche Gedanken treiben viele Menschen um, die sich in ihrem biologischen Körper nicht uneingeschränkt zufrieden fühlen?

Dass die Diskrepanz zwischen Identitätsgeschlecht und körperlichem Geschlecht zu einem hohen Leidensdruck führen kann, hatte ich ja bereits erwähnt. Wir haben über die Jahre unserer Selbsthilfetätigkeit viele Menschen kennen gelernt, die alle möglichen Vermeidungsstrategien hatten, nur um diesem Leidensdruck zu entfliehen. Von Workoholics über die Flucht in den Extremsport bis hin zu Menschen mit Depressionen oder Suchtkrankheiten haben wir schon viele teils schwere Probleme gesehen.

Deshalb ist es wichtig, Transidenten und ihren Angehörigen Anlaufstellen zu bieten, bei denen sie ihre Probleme besprechen und Erfahrungen, Ängste und Nöte austauschen können. Denn bis man soweit ist, dass man mit seiner Transidentität ungezwungen umgehen kann, muss man durchaus an sich arbeiten und sollte ggf. durchaus auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Weitere Bausteine sind Fragen wie die, ob man z.B. mit einer Transition beginnen sollte. Soll man eine Hormontherapie beginnen? Wann ist der geeignete Zeitpunkt? Wie steht die Familie dazu? Wie bringe ich es meinen Freunden, Verwandten usw. bei? Die Themenliste ist schier endlos.

Ein großes Problemfeld ist nach wie vor das Thema Transidentität und Beruf. Zwar kennen wir auch sehr viele Beispiele, bei denen das Coming-out und die Transition im beruflichen Umfeld sehr gut verlaufen sind. Leider gibt es jedoch auch immer noch Fälle, in denen es zu teils großen Problemen bis hin zum Verlust der Arbeitsstelle gekommen ist. Hier ist noch viel Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Deshalb hat der Gendertreff die Aktion Trans* am Arbeitsplatz ins Leben gerufen. Hier finden Transidente Hilfestellung, wie z.B. einen auf realen Erfahrungen basierenden idealtypischen Ablaufplan für das Coming-out im beruflichen Umfeld. Weiter finden Personalverantwortliche, Kollegen usw. Informationen aus erster Hand. Auf der Aktions-Webseite Trans* am Arbeitsplatz können zudem Unternehmen und Institutionen ihre Unterstützung signalisieren. Bislang konnten wir die SODEXO-Gruppe, das Universitätsklinikum Essen, die Stadt Düsseldorf, die Behörde IT.NRW sowie den DGB und die Gewerkschaft IG BCE als Unterstützer gewinnen. Weitere Unternehmen und Institutionen sind selbstverständlich herzlich eingeladen, die Aktion zu unterstützen und sich als fortschrittliche Institutionen zu präsentieren, die dem Thema Diversity offen gegenüber stehen.

Wo kann der Gendertreff helfen?

Der Gendertreff bietet zunächst einmal mit der Gendertreff-Plattform eine große Informationssammlung. Wir haben ein Verzeichnis von Links und Adressen, Erfahrungsberichte, Hintergrundwissen usw. veröffentlicht. Hier finden Transidente, Angehörige und auch die interessierte Öffentlichkeit demnach jede Menge Informationen zum Thema Transidentität.

Weiter betreiben wir mit dem Gendertreff-Forum eine Plattform zum virtuellen Austausch sowie mit dem Gendertreff Düsseldorf, dem Gendertreff Leverkusen, dem Gendertreff Iserlohn und dem Gendertreff Berlin vier Selbsthilfetreffen, bei denen sich Transidente und ihre Angehörigen austauschen können. Im Verlauf des Jahres 2017 kommt darüber hinaus mit dem Gendertreff Dessau ein weiteres Selbsthilfetreffen hinzu.

Unsere Treffen finden in öffentlichen Lokalen statt. Dies hat folgenden Hintergrund: Zum einen müssen die Besucher unserer Selbsthilfetreffen eine gewisse Hemmschwelle überwinden. Das ist wichtig, damit sie lernen können, in der Öffentlichkeit zu ihrem Identitätsgeschlecht zu stehen. Denn Schwimmen lernt man ja auch nur, wenn man ins Wasser steigt.

Weiter merken die Besucher unserer Selbsthilfetreffen dann ganz schnell, dass sie sich problemlos in der Öffentlichkeit bewegen können. So machen sie im Schutz einer Gruppe die ersten Schritte, die sich meist mehr und mehr verselbständigen. Zu guter Letzt ist es natürlich auch einfacher, sich in einer gemütlichen und lockeren Atmosphäre mit anderen auszutauschen.

Unsere Selbsthilfetreffen haben somit bewusst keinen „Stuhlkreis-Charakter“. Moderiert werden sie nur insofern, als wir darauf achten, dass Neuankömmlinge gut in die Treffen integriert werden. Weiter achten wir darauf, dass z.B. keine Dinge berichtet werden, die gefährlich werden könnten. Dinge wie z.B. das „Ausprobieren von Hormonen“ können die Gesundheit gefährden. Deshalb würden wir in einem solchen Fall einschreiten. Auch achten wir darauf, dass keine Gruppendynamik entsteht und die Besucher unserer Selbsthilfetreffen so einen individuellen Umgang mit der eigenen Transidentität finden.

Ebenfalls wichtig ist es, den Besuchern unserer Selbsthilfetreffen zu helfen, die Transidentität nicht nur aus der eigenen Sicht zu sehen. Wenn sich z.B. in einer Familie der Ehemann nach mehreren Ehejahren als transident outet, so ist es ganz normal, dass in der Familie Ängste vorhanden sind. Eine Methode nach dem Motto „mit dem Kopf durch die Wand“ ist da meist wenig hilfreich. Hier ist es wichtig, dass im Gendertreff-Team auch mehrere Partnerinnen von Transgendern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Der Gendertreff hilft insbesondere durch die Sammlung von Erfahrungen aus erster Hand. So kann man sich im Gendertreff-Forum oder auf unseren Selbsthilfetreffen mit anderen austauschen und von deren Erfahrungen profitieren. Auf unserer Gendertreff-Plattform gibt es das Gendertreff Blog / Magazin mit vielen Erfahrungsberichten. So haben wir z.B. ganze Transitions-Tagebücher veröffentlicht, in denen Transgender von ihren Erfahrungen von den ersten Empfindungen bis hin zur geschlechtsangleichenden Operation berichten.

Beispielsweise hat Gendertreff-Gründerin Xenia den Brief veröffentlicht, mit dem sie sich damals bei ihrer Frau offenbart hat. Weiter haben wir einen idealtypischen Transitionsablauf oder das „kleine 1 x 1 der Hormone“ veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Hormone im Körper wirken. Zurzeit stehen im Gendertreff Blog / Magazin beispielsweise über 150 Artikel mit Informationen und Erfahrungsberichten zur Transition und über 200 weitere Erfahrungsberichte zur Verfügung. Hinzu kommen die Beiträge im Gendertreff-Forum. Alleine das Internet-Angebot des Gendertreff bietet somit einen riesigen Fundus an Informationen.

Wichtig ist: Der Gendertreff kann helfen, Probleme zu lösen. Aber lösen muss man die Probleme schon selber. Nur wer sich wirklich mit seiner Transidentität auseinandersetzt, kann auch zufrieden im Identitätsgeschlecht leben. Jeder Mensch muss einen eigenen, individuellen Weg finden, mit der Transidentität umzugehen. Das berufliche oder familiäre Umfeld ist bei jedem Menschen anders. Ziel muss es sein, dass Transidente ihre Arbeit oder auch ihre Familie behalten und dennoch ihre Transidentität nicht verstecken.

Darüber hinaus betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit und nehmen auch an der politischen Diskussion zum Thema Transidentität teil. Hier haben wir das Ziel, durch Information Vorurteile abzubauen und somit die Lebenssituation transidenter Menschen nachhaltig zu verbessern. Seit 2016 etablieren wir zudem mit der Gendertreff Messe eine Veranstaltungsreihe zum Austausch zwischen Transgendern, Angehörigen, der interessierten Öffentlichkeit sowie Fachleuten wie Chirurgen, Psychologen, Beratungsstellen und speziellen Dienstleistern rund um Trans*-Bedarf.

Am Stand der Düsseldorfer Selbsthilfe-Organisationen während der Feierlichkeiten zum Jubiläum 70 Jahre NRW in 2016 in Düsseldorf

Was sind die häufigsten Vorurteile gegenüber Transgendern?

Mitunter werden Transidentität und Travestiekünstler verwechselt. Wir sind aber keine schrill-bunten Kunstfiguren wie z.B. Olivia Jones. Die überwiegende Zahl Transidenter sind „ganz normale Menschen“: Ganz normale Frauen, die in einem Männerkörper geboren wurden oder ganz normale Männer, die in einem Frauenkörper geboren wurden, um es mal anschaulich zu beschreiben. Zudem gibt es auch Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen und sich als non-binary bezeichnen.

Oft wird auch Transidentität mit Homosexualität verwechselt, dies insbesondere bei Transfrauen. Dabei verteilen sich Heterosexualität und Homosexualität über die Grundgesamtheit transidenter Menschen ebenso wie beim Rest der Bevölkerung. Hinzu kommt, dass derartige Begriffe von einem Geschlechtermodell ausgehen, in dem es eine klare Trennung zwischen männlich und weiblich gibt. Doch die Frage, ob z.B. ich, Ava, nun ein heterosexueller Mann mit einem weiblichen Identitätsgeschlecht bin oder aber eine lesbische Frau, die in einem Männerkörper leben muss, zeigt, dass diese Zuordnung völlig unpassend ist.

Insgesamt muss ich jedoch feststellen, dass mir selten Menschen begegnen, bei denen ich aufgrund von Vorurteilen negative Erfahrungen mache.

Dass das berufliche Umfeld mitunter problematisch sein kann, habe ich weiter oben bereits erwähnt.

Was kann da ein Film wie The Danish Girl oder die Serie Transparent beitragen?

Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn das Thema Transidentität in den Medien präsent ist, denn dies führt dazu, dass sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Fehlende Information ist bis heute nämlich die häufigste Ursache für vermeintliche und auch tatsächliche Diskriminierung.

Dabei ist es m.E. egal, über welches Medium die Information transportiert wird. Dies kann ein Kinofilm wie The Danish Girl ebenso sein wie ein Theaterstück, ein Song, ein Infoflyer oder ein Zeitungsartikel. Wichtig ist aber, dass die Information im Mittelpunkt steht und nicht Selbstdarstellung oder Sensationsgier. Leider neigen manche Medien jedoch dazu, sich eher an „Quote bringenden Charakteren“ zu orientieren und zeigen mitunter ein verzerrtes bzw. einseitiges Bild transidenter Menschen, das eben nicht der Mehrzahl der Transgender entspricht.

Der Film The Danish Girl orientiert sich an der Biographie von Lili Elbe und basiert somit auf dokumentierten Fakten. Der Trailer, den ich im Internet gesehen habe, machte einen guten Eindruck. Insofern erwarte ich, dass der Film dazu beiträgt, dass das Thema Transidentität weiter in die Mitte der Gesellschaft rückt.

Gerade in den letzten Jahren fällt auf, dass das Thema Transidentität sehr häufig in den Medien ist. Das halte ich grundsätzlich für eine positive Entwicklung, da die Medien dank ihrer enormen Reichweite viele Menschen sensibilisieren können.

Scheint es nur so, oder würdest Du bestätigen, dass die Offenheit der Gesellschaft größer geworden ist? 

Ich finde schon, dass die Gesellschaft grundsätzlich offener geworden ist. Es gibt zwar sicherlich noch viel zu bewegen, aber wir sind meiner Meinung nach auf einem guten Weg.

Auch deshalb engagiere ich mich weiterhin im Gendertreff. Denn ich bin überzeugt, dass wir mit fundierter Selbsthilfe- und Öffentlichkeitsarbeit noch sehr vielen Transgendern und ihren Angehörigen helfen können.

Im Winter 2016 auf der Zugspitze

>> Zur Inhaltsübersicht

Reformation für Alle – Transidentität/Transsexualität und Kirche

Im 500. Jahr der Reformation erneuert sich die Evangelische Kirche in Deutschland. Reformationen sind immer im Gange und beeinflussen auch das Denken aller anderen Menschen, egal ob sie evangelische Christ_innen sind oder nicht.

Lassen Sie sich von diesen neuen Wegen inspirieren und gehen Sie mit der Broschüre auf Nahreise in Welten in Ihrer Nachbarschaft.

Januar 2017

 

Die gedruckte Broschüre kann in Kürze über das Publikationsverzeichnis des www.bmfsfj.de bestellt werden.

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V. Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Mit freundlicher Genehmigung der dgti

 

>> Broschüre

>> Trans* und Kirche

>> Inhaltsverzeichnis

Trans* in der Bundeswehr

Quelle: Berliner-Kurier

Berlin – Es sind nur zwei kleine Stiche ins Ohr, die sie an einem Tag vor ihrem Urlaub machen lässt. Weil sie Ohrstecker tragen will, wie Millionen andere Frauen auch. Doch Anastasia B. weiß, dass sich ihr Leben damit dramatisch ändern wird. Sie hat es bei der Bundeswehr bis zum Oberstleutnant im Generalstab gebracht – als Mann! Doch sie fühlt sich als Frau und will in Zukunft auch so leben. 24 Stunden am Tag, also auch im Dienst………

Weiter lesen ………

 

>> Wie trans* darf die Truppe sein?

>> Inhaltsverzeichnis

Antwort der Bundesärztekammer auf den offenen Brief des Gendertreff

Aufgrund eines Hinweises im Gendertreff-Forum hatten wir am 06. Januar 2017 einen offenen Brief an die Bundesärztekammer verfasst. In diesem nahmen wir zu einem von der Bundesärztekammer veröffentlichten Positionspapier „Blutspendeausschluss von Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ Stellung. Moniert wurde unsererseits insbesondere, dass Trans*-Personen als Hochrisikogruppe für AIDS eingestuft wurden. Diese Einstufung erfolgte, da – so die Bundesärztekammer – sich viele Trans*-Personen prostituieren würden, um Geld für geschlechtsangleichende Maßnahmen zu verdienen. Dabei werden die geschlechtsangleichenden Maßnahmen im monierten Positionspapier der Bundesärztekammer sachlich falsch als „Geschlechtsumwandlung“ bezeichnet.

Der Gendertreff rügte diese Einschätzung als diskriminierend, sachlich falsch und empirisch nicht nachweisbar. Der Gendertreff führte aus, dass die überwiegende Mehrzahl der Trans*-Personen völlig normalen bürgerlichen Berufen nachgehe. Auch sei es nicht schlüssig, weshalb sich Menschen prostituieren sollten, um Leistungen zu erhalten, die in Deutschland von den Krankenkassen übernommen werden.

Den offenen Brief veröffentlichten wir auf der Gendertreff Plattform und übermittelten diesen per E-Mail sowie per Briefpost mit Schreiben vom 07.01.2017 an die Bundesärztekammer.

Mit Schreiben vom 01.02.2017 antwortete die Bundesärztekammer und informierte uns darüber, dass die in unserem offenen Brief zitierten „Erläuterungen und Regelungsoptionen zum Blutspende-Ausschluss bzw. zur Rückstellung von Personen, deren Sexualverhalten ein Risiko für den Empfänger von Blutprodukten birgt“, Stand 25.04.2012, inzwischen überarbeitet wurden.

Die Bundesärztekammer führt aus, dass eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern des „Arbeitskreises Blut“ nach § 24 Transfusionsgesetz (TFG), des Ständigen Arbeitskreieses „Richtlinien Hämotherapie“ nach §§ 12a und 18 TFG des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, des Robert-Koch-Instituts, des Paul-Ehrlich-Instituts und des Bundesministeriums für Gesundheit die aktuellen epidemiologischen Daten zusammengestellt und ausgewertet hat.

Das Arbeitsergebnis der oben genannten gemeinsamen Arbeitsgruppe wurde laut dem uns zugegangenen Schreiben vom „Arbeitskreis Blut“ nach § 24 TFG am 04.10.2016 zustimmend zur Kenntnis genommen und befindet sich nun im Beratungsprozess der Gremien der Bundesärztekammer. Vor dem Hintergrund der laufenden Beratungen bittet die Bundesärztekammer um Verständnis, dass man zu Inhalten und einem möglichen Veröffentlichungszeitpunkt noch keine Angaben machen könne.

Der Gendertreff begrüßt die Überarbeitung der zitierten Richtlinien. Wir hoffen, dass nun ein realistisches Profil von Trans*-Personen zugrunde gelegt wurde, da das in dem monierten Positionspapier „Blutspendeausschluss von Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ gezeichnete Bild von Trans*-Personen sachlich falsch, abwertend und diskriminierend war. Gerne stehen wir jederzeit für den fachlichen Austausch zur Verfügung.

Mehr zum Thema:

>> Offener Brief des Gendertreff an die Bundesärztekammer

>> Inhaltsverzeichnis

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2015

Wird ein transsexueller Bewerber aufgrund seiner Transsexualität und damit wegen seines „Geschlechts“ oder „sexuellen Identität“ abgelehnt, so kann dies einen Ent­schädigungs­anspruch nach § 15 Abs. 2 des Allgemeinen Gleich­behandlungs­gesetzes (AGG) begründen. Dies setzt gemäß § 22, § 7 Abs. 1 AGG unter anderem voraus, dass der Bewerber Indizien vorträgt und im Bestreitenfall beweist, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, er sei vom Arbeitgeber als transsexueller Mensch wahrgenommen und deshalb benachteiligt worden. Dies hat das Bundes­arbeits­gericht entschieden.

Weiter lesen ………………

 

>> Inhaltsverzeichnis