M-Day Kapitel 3

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 3

Dezember 2012

In den folgenden 4 Wochen bin ich nur einem Nachbar-Ehepaar begegnet, das ein paar Häuser weiter weg in der Straße wohnt, aber gute Freunde meiner Mutter sind. Sie hatten mich zuerst gar nicht erkannt. Ich habe ihnen kurz erklärt was los ist und habe noch ein Kompliment für mein Aussehen bekommen. Die beiden hatten auch nicht viel Zeit, der Hund musste Gassi gehen…

Die Nachbarn von gegenüber haben mich inzwischen bestimmt schon zig mal gesehen. Aber die schauen mich mit dem (Hinterteil) nicht mehr an, geschweige denn, dass sie grüßen. Egal, dann eben nicht…. Bee de Hänn moan (auf gut fuldisch Platt: „Wie die Herren meinen“, im Sinne von „ist mir doch egal“  )

Mitte Dezember  hat es zwei wichtige Ereignisse gegeben:

1. Ich habe mich hausintern auf eine andere Stelle beworben. In der neuen Position würde ich im Innendienst arbeiten und zwar als Supportingenieur(in) für die Gerätegruppen, die ich bisher schon im Außendienst betreut habe. Die neue Stelle wurde ziemlich überraschend ausgeschrieben, als bekannt wurde, dass die bisherige Supportabteilung von Genf hier nach Düsseldorf verlegt wird. Und das zum 01.01.13, also reichlich kurzfristig. Auf der einen Seite finde ich es grauenhaft, wie im Konzern mit Leuten umgegangen wird, denn den Schweizer Kollegen wurde am 01.12. mitgeteilt, dass am 31.12. ihr Letzter ist. Auf der anderen Seite ist es eine Chance für mich. Eine Chance dem inzwischen fast unerträglichen Druck im Außendienst zu entkommen und auch meine eigenen Wünsche zu realisieren, aber dazu mehr unter 2.

2. Ich hatte endlich das Gespräch mit Frau W. vom Betriebsrat. Bedingt durch meine Außendiensttätigkeit und Erkrankungen ihrerseits hat es erst im 6. Anlauf geklappt mit dem Gesprächstermin. Frau W. war schon vor einem ½ Jahr von meiner (inzwischen ex-)Kollegin Frau G. (in Rente) auf den/die AGG-Beauftragte(n) angesprochen worden. Diese Stelle gibt es aber in unserem Unternehmen nicht, warum auch immer… Jedenfalls fing ich unser Gespräch mit einem Bild von mir an. Sie war nicht einmal ansatzweise erstaunt, im Gegenteil, ich bekam erst mal ein Kompliment, wie gut ich aussehe. Dann sagte sie mir, dass sie sich aufgrund von Gerüchten schon einmal im Vorfeld über Crossdressing und Transvestismus im Internet erkundigt hat. Ich machte ihr dann aber erst einmal klar, dass es bei mir schon mehr als „nur“ Crossdressing ist, dass ich außerhalb der Firma und der Firmengelände meiner Kunden nur noch als Frau lebe.

Natürlich habe ich ihr erst einmal unsere beiden Flyer gegeben und meinen dgti-Ausweis. Auch habe ich ihr gesagt, dass ich seit 1½ Jahren in psychotherapeutischer Behandlung bin und aktiv hier im „Gendertreff-Vorstand“ ehrenamtlich mitarbeite. Das alles um klar zu machen, dass es mir damit sehr ernst ist.

Das ganze Gespräch ging über eine Stunde. Am Ende sagte mir Frau W., dass sie mich auf meinem weiteren Weg unterstützen wird. Am morgigen Donnerstag wird sie meinen Fall dem Betriebsrats-Gremium vorstellen. Dazu habe ich ausdrücklich meine Zustimmung gegeben. Und im neuen Jahr werden wir meinen Fall dann wohl bei der Personalabteilung vortragen. Ab dem 01.01.2013 ist unser bisheriger Betriebsratsvorsitzender der neue Personalchef, und mit dem hatte ich ja schon vor Monaten mal ein Gespräch geführt, also er weiß sowieso schon Bescheid.

Eine Woche später wurde mir mitgeteilt, dass ich am 07.01.2013 das Vorstellungsgespräch für die neue Stelle haben werde. Dazu hatte ich mehrere Gespräche mit dem Betriebsrat. Es ging um eben jenes Vorstellungsgespräch am 07.01. und wie wir am besten vorgehen werden. Jedenfalls habe ich die Unterstützung des Betriebsrats auf meinem weiteren Weg.

Unsere provisorische Betriebsratsvorsitzende bestätigte mir noch einmal, dass eigentlich schon seit langem die ganze Firma mehr oder weniger über mich Bescheid weiß, zumindest aber meine „exzentrischen“ Kleidungsvorlieben kennt. Und auch, dass ich schon das eine oder andere Mal Thema in Besprechungen der Geschäftsleitung war.

Ich habe gefragt, warum mich niemals irgendjemand angesprochen hat. Und sie sagte mir, dass sich vermutlich niemand getraut hat, etwas zu sagen.

Sie ist auch der Meinung, dass es besser ist, wenn ich in den Innendienst gehe. Leider bestehen gewissen Bedenken, dass transidente Menschen einen negativen Einfluss auf die Kundenbeziehungen haben könnten. Leider ist die Welt der Industrie in der Beziehung noch zu konservativ.

Nach Rücksprache mit dem Betriebsrat-Gremium wurde mir geraten, das Thema Transidentität aus meinem Vorstellungsgespräch herauszuhalten.

Die Weihnachtsfeiertage habe ich als Frau verbracht. Das erste Weihnachten, an dem ich nur ICH war. Kein Verstecken, kein Umziehen, nur weil Verwandte oder Bekannte zu Besuch kommen. Nur noch Marina.

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M-Day Kapitel 2

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 2

November 2012

An meinem Geburtstag, Mittwoch der  07. November 2012, war ich auf Geschäftsreise, wie so oft. Eigentlich war es mein Fehler, dass ich da keinen Urlaub oder Ausgleich genommen habe. Und so habe ich den Abend alleine in einem langweiligen Hotelzimmer in Bad Dürkheim verbracht. Mit Langeweile und Depressionen.

Immerhin konnte ich an dem Tag so weit vorarbeiten, dass ich am Donnerstag morgen nur noch nach Hause fahren musste und somit einen ½ Tag frei hatte. Deshalb habe ich ganz spontan meine engsten Freunde zu mir zum Abendessen eingeladen. Ich habe gekocht und es wurde ein sehr schöner Abend für alle.

An diesem Wochenende dann bin ich zur Familie Heim gefahren. Mir hat allerdings die Aussicht das ganze Wochenende wieder den Sohn geben zu müssen überhaupt nicht geschmeckt. Überall sonst kann ich so sein wie ich will, nur in meinen eigenen 4 Wänden nicht? Das kann und will ich nicht mehr hinnehmen. Aber ich hatte so viel Angst davor genau das durchzuziehen. Am Freitag Abend hatte ich noch eine Sitzung bei meiner Psychotherapeutin. Das 1-stündige Gespräch hat mir aber solch eine innere Stärke gegeben, dass ich meinen Plan doch durchgezogen habe.

Als ich am Samstag morgen mit meiner Mutter wieder auf dem Weg zum einkaufen war, sagte sie mir, ich solle noch meine eine Tante mit für Sonntag einladen. Daraufhin sagte ich ihr, dass wir sie dann aber auf Marina vorbereiten sollten. Meine Mutter sagte: „Muss das sein?“ und ich sagte: „Ja, es ist schließlich meine Geburtstagsfeier“ und damit war das Thema erledigt. Meine Tante konnte aber nicht am Sonntag zum essen kommen, sie hatte schon etwas anderes vor. Also haben wir sie spontan zum Abendessen eingeladen.

An meinem Plan ihr Marina vorzustellen habe ich dennoch festgehalten. Am Abend habe ich mich dann zurecht gemacht. Als mich mein Stiefvater dann so sah hat er nur ganz kurz die Augen rollen lassen. Das war alles. Meine Tante war zuerst etwas schockiert, aber ich habe ihr erklärt was mit mir los ist. Daraufhin meinte meine Tante, dass es Ok ist wenn ich mich dabei wohl fühle, nur sollte ich mich „so“ nicht im Dorf sehen lassen…. wegen den „Leuten“….

Am Sonntag kam dann mein Bruder mit Partnerin. Wir saßen im Wintergarten, der von den Nachbarn gegenüber einsehbar ist. Passiert ist absolut nichts. Später bin ich dann noch zum Kaffee zu meinem Vater gefahren. Der weiß ja auch Bescheid und akzeptiert mich so wie ich bin.

Am darauf folgenden Donnerstag, den 15. November hatte dann meine Mutter Geburtstag. Ich bin Abends direkt von der Arbeit gekommen. Da alle Nachbarn und ihre Freunde anwesend waren musste ich wieder den lieben Sohn geben….

Am darauf folgenden Sonntag haben wir den Geburtstag meiner Mutter nach gefeiert. An ihrem eigentlichen Geburtstag letzten Donnerstag konnte mein Bruder leider aus beruflichen Gründen nicht kommen. Und so ist er eben erst heute zusammen mit seiner Partnerin deren Mutter (also die Vielleicht-Schwiegermutter) zum Mittagessen gekommen.

Ich hatte mir für das Essen schon was schönes heraus gelegt: Ein graues Strickkleid mit schwarzen Leggings. Ja, auch zu diesem Essen war Marina anwesend. Die Mutter der Partnerin meines Bruders weiß sowieso schon seit letztem Jahr Bescheid, also wozu verstecken?

Wir saßen also im Wintergarten und haben ein sehr leckeres Mittagessen verspeist (Schnitzelchen mit Spargel, Herzoginkartoffeln und Edelpilzsauce). Unser Wintergarten ist aber von unseren Nachbarn gegenüber einsehbar. Mir war jedenfalls schon letzte Woche, und heute auch aufgefallen, dass die Nachbarin immer wieder herüber geschaut hat. Und wie schon letzte Woche auch haben die mich garantiert gesehen.

Da es im Wintergarten ein bisschen eng ist mit 6 Leuten sagte meine Mutter, ich solle außen herum gehen, wenn ich mal ins Haus musste. Das bedeutet, dass mich die Nachbarin voll sehen kann. Ich fragte meine Mutter, ob sie das wirklich ernst meint und sie sagte: „Ja, inzwischen ist es mir egal“. Wow… damit hatte ich nun gar nicht gerechnet.

Später dann als sich unsere Gäste verabschiedet haben bin ich nicht mit zur Tür gegangen, aber meine Mutter sagte, ich soll ruhig kommen. „Wenn die Nachbarn was wissen wollen, dann sollen sie eben fragen“. Und so stand ich zusammen mit meiner Mutter vor der Haustür und habe unsere Gäste verabschiedet. Wow, noch so ein Hammer.

Ich hatte meine Mutter wohl auch falsch eingeschätzt. Sie weiß genau, wie wichtig mir Marina ist und sie merkt ganz genau, wie gut es mir tut. Und nun scheint sie sogar den Punkt erreicht zu haben, an dem sie sogar im Dorf zu mir steht, so wie ich bin. Ich hoffe nur, dass sie nicht wieder ihre Meinung ändert.

Beim Abendessen habe ich meine Mutter noch mal konkret darauf angesprochen, was das denn nun für mich heißt. Ob ich mich jetzt nicht jedes Mal umziehen muss kurz bevor ich ins Dorf komme. Und Ja, genau so ist es; ich kann so ein- und ausgehen wie ich will.

Ich meinte, dann sollte ich die Nachbarn aktiv ansprechen und denen erklären was los ist. Komischerweise will sie das aber nicht. Na gut, dann erkläre ich es eben, wenn ich angesprochen werde. Ist mir auch recht.

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M-Day Kapitel 1

„M“ steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 1

Juli bis Oktober 2012

Mitte 2012 hatte ich so das Gefühl, ich habe alles das erreicht, was unter den Umständen überhaupt machbar war. Meine engste Familie wusste Bescheid, aber der weitere Kreis, also die Cousins, Cousinen und die Stiefgeschwister sollten ja nichts mitbekommen. Ebenso sah es mit den Nachbarn in meinem Heimatort aus. Meine Eltern hatten panische Angst, das irgendjemand von denen etwas merken könnte. Der gute Ruf im Dorf… usw.

Bei meinem Arbeitgeber hatte ich ja auch schon mal vorsichtig vor gefühlt. Aber schon unser Betriebsrat sagte mir, dass es auf keinen Fall gehen würde. Transident mit unmittelbarem Kundenkontakt, das geht gar nicht.

Na klar hätte ich mich nach einem anderen Job umsehen können, aber mir hat meine Arbeit immer sehr viel Freude gemacht, auch wenn es durch die viele Fahrerei und das ewige Leben aus dem Reisekoffer eine ziemliche körperliche und seelische Belastung war.

Zwar konnte ich vor und nach der Arbeit immer Marina sein, dafür saß ich aber auch so gut wie jeden Abend alleine in einem Hotelzimmer in einer fremden Stadt.

An den Wochenenden, an denen keine Veranstaltung des Gendertreff war, war ich dann immer bei meinen Eltern. Und dort musste ich mir Marina größtenteils ebenfalls verkneifen. Zum Einkaufen mit der Mutter in der Stadt, das war OK. Aber ich musste mich immer erst unterwegs umziehen, und kurz bevor wir nach Hause kamen noch einmal. Bei meiner Mutter zu Hause konnte ich mich dementsprechend auch im Haus nicht so geben wie ich es bevorzugt hätte.

Lange Zeit sah es so aus, als ob das nun auf Dauer so bleiben müsste. So musste ich mich mit dem Status Quo abfinden. Mehr Marina ging eben nicht. Zufrieden war ich damit aber nicht einmal ansatzweise. Und dass ich nicht zufrieden, bin machte ich immer deutlich.

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Es muss nicht immer ein Rock sein

Joselle auf dem Weg der Besserung:

Es muss nicht immer ein Rock sein! So lautet die Überschrift. Oder das unfreiwillige Outing vor den Nachbarn, oder es hat mich jemand gegrüßt den ich kenne, oder wie ich die Tagescreme in der Apotheke geschenkt bekam.

Doch der Reihe nach.

Es muss nicht immer Rock sein, und ich finde das schönste am Krank sein, ist doch der Weg der Besserung, so dass Joselle ab heute bis zum Wochenende präsent sein sollte. So lange sollte ich eigentlich noch im Bett liegen. Aber wie gesagt. Das Beste am Krank sein, ist der Weg der Besserung!

Heute fühle ich mich gut, und so beschloss ich mich nach dem Aufstehen zu rasieren, das Frühstück zu machen (meine Liebste muss heute früh zur Arbeit), mit meiner liebsten zu frühstücken und Joselle zum Leben erwecken.

Ich wollte mal um die Augen herum Grautöne verwenden, anstatt der braunen. Nach vier Anläufen bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Aussehen und es ging an die Auswahl der Klamotten. In viele Röcke passe ich gar nicht mehr herein (nach 12 Kilo weniger), aber eine Hose mit Gürtel und einem Pullover geht doch auch. Passende Wäsche, eine Strumpfhose muss es dennoch sein. Angezogen und passende Stiefel dazu herausgesucht. O.k. die braunen gehen doch.

Wo wollte ich noch gleich hin. Richtig, Getränke im Nachbarort einkaufen. Jacke, Schaal angezogen und die Tasche gepackt. Leergut mitgenommen und ab ins Auto. Losgefahren und so ergab es sich, dass ich auf dem Weg in den Nachbarort einer Freundin begegnete, die natürlich unser Auto kennt und von weitem schon gewunken hat. Kurz aufgeblinkt und zurück gewunken ohne darüber nachzudenken, wen oder was sie nun gesehen / erkannt hat.

Im Getränkehandel angekommen – Leergut abgegeben und die Getränke auf den Wagen geladen. Völlig unspektakulär verlief der Bezahlvorgang, auch wenn die Kassiererin mich genauer betrachtete (wir gehen dort jede Woche unsere Getränke kaufen), machte ich mir keine weiteren Gedanken und so verließ ich nach dem bezahlen das Geschäft. Ich benötige aber noch ein Nasenspray. Ab ins Einkaufszentrum. Wagen geparkt und in das Zentrum gestöckelt.

Brav in der Apotheke angestanden und gewartet bis ich dran war. Ich bestellte das Nasenspray bezahlte und die Verkäuferin sagte: „Warten Sie, da habe ich noch ein paar Pröbchen für sie“. Ich bedankte mich artig, war so stolz und steckte diese auch noch in die Handtasche.
Irgendwie verlief der Tag bis dahin super und ich fühlte mich nach Tagen wieder Pudel wohl.

So ab nach Hause, auf den Parkplatz gefahren und angefangen die Einkäufe in die Tasche zu verstauen. Ich griff nach der Tasche und einer der drei Kisten, schloss den Kofferraum (piep piep – ja unser Auto spricht mit uns) drehte mich, und mein Herz blieb beinahe stehen.
Gut es musste ja irgendwann so kommen, wenn Frau nicht nur im Dunkeln in Begleitung unterwegs sein will. Da steht die Nachbarin (kenne sie sehr gut, sind etwas älter) mit Ihrer Mutter und ich glaube deren Herz blieb ebenso beinahe stehen.
In den Augen stand: Was machen Sie mit dem Auto von der Familie W….., bis ich Ihr näher kam (sie sind auf der Treppe stehen geblieben) und ich sagte: „Nicht erschrecken ich bin es, und heute als Frau.“
Warum verkleiden Sie sich? Weil es mir Spaß macht!
Ich hörte noch ein Gemurmel, konnte aber nicht verstehen, was sie gesagt hat. Ich ging meines Weges und auf dem Weg nach oben machte ich mir eigentlich nur Gedanken darüber, wie ich diesen Bericht nennen soll.

Leider habe ich es versäumt genauer auf mich einzugehen. Denn für diesen „Notfall“ habe ich ja auch die Flyer vom Gendertreff in der Tasche. Wahrscheinlich war ich selbst von der Situation überrascht. So viele Ereignisse in knapp 90 Minuten.
Ich gebe den Nachbarn nun ein bisschen Zeit und werde mich heute Abend oder morgen früh mal bei denen melden. Ist auch nicht so ungewöhnlich, das machen wir eh mehrere Tage in der Woche (Beiratsgespräche fürs Haus).
Nun, wie oben beschrieben musste es ja irgendwann mal soweit sein. Auch wenn wir (meine Frau und ich) diesen Tag selbst bestimmen wollten, so ist es nun auch nicht schlimm. Jenen Personen denen ich bisher im Hausflur begegnet bin, haben mehrfach hingeschaut, aber nie etwas gesagt. Ich hätte aber denen auch ganz höflich erklärt um was es sich handelt.

Was für ein Beginn in den Tag….

Joselle


Update:

Ava, vielen Dank für den Link. Hier im Forum gibt es so viel zu lesen / erlernen. Jeden Tag kommt was Neues für mich hinzu.

Nun,
ich habe mir dann ein Herz gefasst und kurz bei den Nachbarn angerufen und gefragt, ob sie eine Erklärung möchten. Sie haben ja gesagt, und so bin ich drei Etagen tiefer zu den Nachbarn gegangen. Der Ehemann wusste noch nichts von unserer Begegnung und hätte ich mich nicht durch meine Stimmer verraten – er wäre wohl sehr viel später darauf gekommen 😉 .
Ich habe Ihnen meinen „Werdegang“ bis zum Outing letztes Jahr bei meiner Frau erzählt und sie haben wissbegierig zugehört und die ein oder andere Frage gestellt (OP, wie gehen Sie Montag arbeiten, usw.).
Für Sie bin ich der selbe Mensch, und sie fanden mein Aussehen ansprechend.
Dann haben wir uns noch ein wenig über das Haus und die anstehenden Renovierungen ausgetauscht und ich habe denen den Flyer überlassen.

Nun brauche ich einen neuen Flyer für die Handtasche. 😉

Liebe Grüße wünscht

Joselle

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Katjas Jahresende 2012

Katja fasst das Jahr 2012 aus ihrer Sicht zusammen:

Hallo Zusammen,

seit Sommer 2012 ist in mir einiges passiert, nach dem Beitrag „1&1 der Hormone“
und einem Schuss vor den Bug.

Ich sehe im Spiegel, wie ich mich verändere. Endlich kann ich mich im Spiegel sehen und lachen und sehe, dass sich meine Seele endlich befreit fühlt.

Zum Ende des Jahres 2012 habe ich mich entschieden, auch im Beruf als Frau zu leben. Ich will endlich ganz Frau sein, die im Alltag ihre Frau steht.

Im Laufe des zu Ende gehenden Jahres bereitete ich mich auch mit der Therapeutin auf die Unterrichtung des Arbeitgebers vor. Anfang Dezember 2012 hab ich meinen Mut zusammen genommen und ein weiteres Gespräch mit dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung geführt, gleichzeitig hatte ich auch das Anschreiben an die komplette Belegschaft fertig gemacht und auf einem USB-Stick mitgebracht. Ich hatte den Termin am 19.12.2012 ins Auge gefasst um die Belegschaft multimedial und in Briefform zu informieren. Da es das Weihnachtsfest war und ein großer Teil der Belegschaft frei hatte, entschloss ich mich genau diesen Zeitpunkt auszusuchen.

Das Jahr 2012 war zu Ende und wir hatten im Gendertreff eine berauschende Silvesterfete. Ohne ein Ziel und ohne eine neue Hürde bin ich ins neue Jahr gestartet.

Es kam der 02.01.2013. Ein Tag den ich nie vergessen werde. Ich machte mich fertig, zog meine Arbeitskleidung an und fuhr zur Firma. Ja das war eine Fahrt! Je näher ich kam desto mehr Herzklopfen bekam ich.

Als erstes bin ich nicht im Personaleingang sondern im Haupteingang rein gegangen. Die Dame am Empfang kenne ich seit über zehn Jahren, aber ich sollte mich anmelden. Erst als ich zu ihr sagte, dass ich es bin, war sie sehr erstaunt und machte mir ein Kompliment, was mir sehr gut tat. Weiter ging es zur Geschäftsabteilung wo ich mich auch zeigte. Sie wünschten mir viel Erfolg und Glück für die weitere Zusammenarbeit. Trotzdem wurde mein Herzklopfen immer stärker kurz vorm Eingang des Arbeitsplatzes.

Ich sammelte mich und atmete kurz durch und wie es so ist bin ich in die Halle gegangen.
Es war nicht viel los nach dem Jahreswechsel, so dass ich zum Büro des Lagers ging und meine Kollegen begrüßte. Es war schon ein mulmiges Gefühl, aber sie sagten, dass ich gut aussehe. Meine Anspannung war auf einmal wie weggeblasen und es ging zum Tagesgeschäft über.

Ja einige Leute geben sich Mühe und sprechen mich mit dem weiblichen Namen an und einige mit dem männlichen. Ich habe ihnen zu verstehen gegeben, dass es noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird und ein Anfang gemacht ist. In letzter Zeit sind sehr schöne Arbeitstage ins Land gegangen und auch eine schöne Normalität für mich.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist und noch einige Jahre bis zum Ende des Arbeitslebens so weiter geht. Ich fühle mich wohl und könnte die ganze Welt umarmen.

Viele Grüße
Katja

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Und meine Seele lächelt

Transsexualität und Spiritualität – Mein Weg zu einem authentischen Selbst.

„Ich heiße nicht mehr Christoph, sondern Christina. Ich bin diesen Wandlungsweg als Theologin gegangen, ganz bewusst, unter dem leuchtenden Angesicht Gottes.“

Sie ist Pfarrerin und Spiritualin. Sie wurde 1962 als Mann geboren. Sie – damals noch er – studierte evangelische Theologie in Bochum und Bonn und arbeitete als Gemeindepfarrer in Westfalen.

2008 stellte sie sich ihrer Transsexualität und ist den Wandlungsweg vom Mann zur Frau gegangen. Als Grenzgängerin zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen Kirchenreligion und Mystik, Fülle und Leere, innen und außen beschreibt sie ihren Weg der körperlichen und spirituellen Transformation zu einem gottgewollten authentischen Selbst.

Mit diesem Buch möchte die Autorin ermutigen, der inneren Stimme zu folgen, loszulassen und zu vertrauen, um das eigene Leben, das Gott in uns hineingelegt hat, in seiner Tiefe zu entdecken, anzunehmen und auch zu lieben.

Auszug aus dem Buch:

…. oder einfach Transvestismus, die Neigung, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen. Es gibt sogar so etwas wie „Autogynaikophilie“, das Verliebtsein in die eigene Weiblichkeit, narzisstische Störungen und noch manches mehr. Ich kann nur allen Menschen mit solchen geschlechtlichen Identitätsirritationen raten, niemals zu schnell Entscheidungen zu treffen, sondern behutsam und gründlich hinzusehen und sehen zu lassen. Wie gut es ist, dass für die juristische Anerkennung der Transsexualität mehrere voneinander unabhängige psychologisch-psychiatrische Gutachten erforderlich sind! Auch wenn es den meisten viel zu lange dauert. ….

Christina Bergmann; Pomaska-Brand Verlag; Originalausgabe 2011; ISBN 978-3-935937-87-0

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Der Soldat der zur Frau wurde….

Reportage, GB 2008, über einen Fallschirmjäger, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog.

Ja, ist doch klar. Sie hat irgendwann gemerkt, dass irgendwas an ihr anders ist. Dass sie sich nicht wie ein Mann fühlt sondern eine Frau ist, aber äußerlich männlich. Das verwirrt dich natürlich. Und dann versuchst du dazu zugehören und auf gar keinen Fall aufzufallen. Sie hat versucht besonders männlich zu sein, damit es nicht auffällt, dass sie gar kein Mann ist……….

>> Gesendet im Februar 2013 in RTL2

>> Alle 3 Teile in YouTube

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Kleine Revolution für Intersexuelle

Quelle: Monika Lazar, MdB

Kategorie: PM Bund

Pressemitteilung, 01.02.2013

Der Deutsche Bundestag hat gestern Nacht eine Änderung des Personenstandrechtes beschlossen. Dabei wird es ermöglicht, bei intersexuellen Kindern auf einen Geschlechtseintrag zu verzichten. Dazu erklären Monika Lazar, frauenpolitische Sprecherin sowie Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher:

Es ist eine kleine Revolution. Endlich wird offiziell im Personenstandrecht die Existenz intersexueller Menschen anerkannt. Damit setzt der Bundestag eine Forderung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen um. Mit der Änderung wird der Druck von Eltern und Ärzten genommen, unmittelbar nach der Geburt eines Kindes dessen Geschlecht festzulegen.  Das Recht wird nun erstmalig geschlechtliche Unbestimmtheit zulassen.

Leider konnte sich die Koalition nicht durchringen, dringend notwendige weitere Schritte anzugehen: das Verbot von prophylaktischen, geschlechtsangleichenden Operationen, eine bessere Unterstützung von intersexuellen Kindern und ihren Eltern, eine Fristenverlängerung bei der Aufbewahrungsfrist von Krankenakten. Diese Forderungen wurden auch vom Deutschen Ethikrat erhoben. Die grüne Bundestagsfraktion wird weiterhin an der Durchsetzung der Grundrechte intersexueller Menschen arbeiten.

Mit dem beschlossenen Gesetz wird im § 22 Personenstandsgesetz ein neuer Absatz 3 eingeführt, wonach bei Geburt eines Kindes, das „weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden“ kann, der „Personenstandsfall ohne Angabe zum Geschlecht in das Geburtenregister einzutragen“ ist.

 

Kinder ohne Geschlecht

Ein Pfarrer, der zur Frau wird

Quelle: www.geo-wissen.de

Heft Nr. 50 (2012)

Von Constanze Kindel (Text) und Daniel Rosenthal (Fotos)

Er wartete ein halbes Leben, bis er das umsetzte, was er immer schon gefühlt hatte: als Frau zu leben. Und so wurde aus dem Pfarrer Christoph B., verheiratet, zwei Kinder, die Pfarrerin Christina B.

Die Geschichte einer Wandlung ….

>> Magazin Nr. 50 (2012)

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Unbedingt Beipackzettel lesen

Medikamentenchaos aus Ute`s Sicht:

Bitte lest euch den Beipackzettel von Medikamenten immer gut durch, besonders, wenn ihr euer Medikament von einem anderen Arzneimittelhersteller bekommt.

Hintergrund:
Xenia wurden die gleichen Tabletten, in der gleichen Stärke, von dem gleichen Arzneimittelhersteller vom Endokrinologen aufgeschrieben. Ich habe für Xenia das Rezept über die Hormone bei der Apotheke einlösen wollen. Mit der Aussage, dass unsere Krankenkasse einen Rabattvertrag mit einem anderen Arzneimittelhersteller geschlossen hat und der Apotheker verpflichtet ist, dieses Medikament abzugeben, wurden diese „anderen“ Tabletten bestellt. Ich bekam noch den Hinweis, dass es sich bei dem Medikament des anderen Arzneimittelherstellers auch um Estradiol 2 mg handeln würde. 2 Tage später habe ich die zwei Packungen Estradiol abgeholt. Die Packungen sahen natürlich anders aus, allerdings stand auf der Packung, dass es sich um Estradiol 2 mg handeln würde. Als Arzthelferin bin ich es eigentlich gewohnt, dass wenn dort 2 mg drauf steht, auch 2 mg des Wirkstoffes in der Tablette drin ist.

Zu Hause sah Xenia die Packung und sagt: „Ich habe aber immer andere Tabletten bekommen, das sind andere Packungen und meine alten Tabletten waren immer blau. Hoffentlich ist das richtig so, und hoffentlich vertrage ich sie!“. Diese Sätze kenne ich von den Patienten aus der beruflichen Praxis. Um dem Patienten deutlich zu machen, dass es sich um das gleiche Medikament nur von einer anderen Arzneimittelhersteller handelt, vergleiche ich mit dem Patienten den Beipackzettel. Ich hole also siegessicher den Beipackzettel aus der Packung um Xenia zu zeigen, dass die Tabletten, obwohl sie anderes aussehen und auch anders verpackt sind, tatsächlich jedoch 2 mg Estradiol enthalten. Das ist ja, wenn keine Unverträglichkeiten auf die so genannten Zusatzstoffe bekannt sind, auch das entscheidende Kriterium für ein Medikament. Gleicher Wirkstoff in der gleichen Dosis.

Ich habe also die Wirkstoffangaben gesucht und … ganz schön blöd gestaunt. Es handelte sich nicht um Estradiol, sondern um ein Estradiolderivat, das 1,56 mg reinem Estradiol entsprach. Dies hätte jedoch faktisch eine Tagesdosisminderung um ¼ bedeutet. Auf der Packung stand aber Estradiol 2 mg.

Wir gingen zurück zur Apotheke und reklamierten das Medikament. Der Apotheker schaute auch zunächst in die Wirkstoffliste und musste uns dann Recht geben, dass bei dem ausgehändigten Medikament die Dosierung nicht 2 mg Estradiol entspricht. Er empfand die Aufschrift der Verpackung als irritierend, da sie eine Dosis vorgibt, die aber nicht der tatsächlichen Dosis entspricht. Er hat es dann aufgrund der Dosisabweichung durch das aufgeschriebene Medikament getauscht.

Die Tatsache, dass das Medikament von einem anderen Arzneimittelhersteller ist, wäre völlig egal gewesen, wenn es sich tatsächlich um Estradiol in der Stärke 2 mg gehandelt hätte. Erst durch das Lesen des Beipackzettels sind wir auf den tatsächlich enthaltenen Wirkstoff und die Dosierung gestoßen. Also, immer erst den Beipackzettel lesen.

Wenn man möchte, dass man auch genau das aufgeschriebene Medikament in der Apotheke bekommt, muss der Arzt ein Kreuzchen in dem Kästchen links vor dem Medikament machen, das mit aut idem (=oder das Gleiche) bezeichnet ist. Nur mit diesem Kreuzchen darf der Apotheker das aufgeschriebene Medikament unabhängig von dem Rabattvertrag der Krankenkasse abgeben. Da das Kreuzchen fehlte, bekam Xenia das Medikament aus dem Rabattvertrag. Die Krankenkasse hat sich wahrscheinlich von der Aufschrift „Estradiol 2 mg“ verleiten lassen zu glauben, dass es sich tatsächlich um ein Medikament mit 2 mg reinem Estradiol handelt. Ob dies so ist, hat wohl niemand geprüft. Hauptsache es ist preiswert.

Ute

Kleines 1×1 der Hormone