12x Gendertreff Iserlohn

Zum 12ten Mal treffen sich Transgender, Angehörige, Partner und Interessierte beim Gendertreff Iserlohn – Der Selbsthilfe in der Region Märkischer Kreis.

Im März 2015 wurde der nun etablierte Selbsthilfetreff von Chrissie und dem Team Gendertreff ins Leben gerufen. Seither ist er stetig gewachsen und gilt als feste Institution der Selbsthilfe Transorganisation Gendertreff.

Leider hat es in dieser kurzen Zeit einen Lokalwechsel gegeben, weil der Pächter aufgeben musste. Der Treff indes hat dadurch aber an Qualität dazu gewonnen.

Neben Chrissie`s ehrenamtlicher Tätigkeit beim Gendertreff, lädt sie einmal im Monat zu einem Themen- und Informationsabend ein. Unabhängig vom Gendertreff bietet sie psychologische Beratung an.

Freuen wir uns auf weitere Selbsthilfetreffen im Märkischen Kreis.

 

>> Das erste Treffen

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Jasmins Zeitlinie zur Personenstandsänderung

Autorin: Jasmin

 

Ich will hier mal die Zeitlinie festhalten in der meine / abgelaufen ist:

 

11.09.2015

Antrag auf VÄ/PÄ beim Amtsgericht Berlin-Schöneberg persönlich abgegeben. In meinem Anschreiben hatte ich den Richter persönlich angeschrieben und auf allgemeine Formulierungen verzichtet.
Gutachter habe ich keine angegeben, das wurde dann während der Anhörung erörtert. Den Namen des zuständigen Richters bekam ich von meiner Psychologin.
– das Antragsschreiben
– eine Kopie meines Personalausweises
– ein Lebenslauf, der meine transsexuelle Entwicklung aufzeigt
– ein Antrag auf Verfahrenskostenhilfe (auch Prozesskostenhilfe genannt)

16.09.2015

Ladung des Amtsgerichtes zur Anhörung am 12.11.2015

12.11.2015

Anhörung (Besonders begrüßte der Richter, das meine Frau anwesend war und die Situation aus ihrer Sicht darlegen konnte. Außerdem schien ihm zu gefallen, das ich voll umfänglich schon seit 1 Jahr im „Alltagstest“ war, d.h. auch bei Gericht natürlich in weiblicher Kleidung etc. erschienen bin. Die Prozesskostenhilfe wurde in vollem Umfang bewilligt.)

18.11.2015

Erster Termin beim ersten Gutachter

03.12.2015

Zweiter Termin beim ersten Gutachter

21.01.2016

Das erste Gutachten wurde vom Amtsgericht zugeschickt

24.02.2016

Termin wegen Gutachten bei meiner begleitenden Psychologin (die vom Gericht als zweite Gutachterin zugelassen wurde)

10.03.2016

Das zweite Gutachten wurde vom Amtsgericht zugeschickt.

26.04.2016

Der vorläufige Beschluss war im Briefkasten

07.05.2016

Der rechtsgültige Beschluss liegt im Briefkasten

 

Alles in allem, also knapp 8 Monate von der Antragstellung bis zum rechtskräftigen Beschluss. Ich denke, da hat das Amtsgericht sehr zügig gearbeitet. Die größte Verzögerung kam vermutlich durch den Urlaub meiner Psychologin zustande, so dass das zweite Gutachten erst nach 2 Monaten erstellt werden konnte.

LG Jasmin

 

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Italienisches Gericht erkennt Transgender Identität vor der GaOP an

Quelle: April 15, 2016 • von Italian Coalition for Civil Rights and Freedoms

 

Das Gericht von Savona hat entschieden, dass die Änderung persönlicher Dokumente in Bezug auf das Geschlecht eine Priorität für das Wohlbefinden der betreffenden Person und unabhängig von einer operationellen Geschlechtsumwandlung ist. Weiter lesen …..

 

>> Aus den Medien

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Eindrücke von der 1. Gendertreff Messe & Fachtagung für Transgender und Angehörige

Schon lange hatte sich das Gendertreff-Team mit der Idee einer Hausmesse für Transgender und Angehörige beschäftigt. Die Idee war, Experten und Anbieter rund um Transidentität einzuladen und so den direkten Austausch zwischen Transgendern und Experten rund um medizinische Fragen zu ermöglichen. Weiter sollten sich Transgender und Angehörige austauschen können. Es sollten Vorträge stattfinden und auch Fragen rund um das Passing beantwortet werden.

Vor einigen Monaten ergab sich dann die Möglichkeit, einen Raum im Gewerbe- und Gründerzentrum Corunna in Iserlohn zu bekommen. Also luden wir Aussteller ein und machten uns an die Planung, denn von Versicherungsfragen bis hin zur Verpflegung der Besucher_innen sind im Vorfeld viele Fragen zu klären.

Doch am 09.04.2016 war es dann endlich soweit: Die erste Gendertreff Hausmesse öffnete ihre Pforten und erwartete zahlreiche Besucher_innen.

Zuvor war jedoch erst einmal Arbeit angesagt: Der Raum musste ebenso hergerichtet werden wie der Empfangsbereich. Wir hatten für den Gendertreff einen zentralen Infostand sowie Tische und Stühle als Gesprächsmöglichkeiten vorgesehen.

Luftballons, Wegweiser und eine Gendertreff-Beachflag wiesen den Besuchern den Weg.

Im Empfangsbereich gab es erste Informationen zur Messe.

Der letzte Check vor der Eröffnung. Alle Stände sind aufgebaut, der Vortragsraum ist hergerichtet und der Empfang ist besetzt. Es kann losgehen.

Die Ruhe vor dem großen Sturm. Der Gendertreff hatte seine Informationsbroschüren ausgelegt und da man ja immer auch etwas zum Schreiben benötigt, hatten wir auch unsere Kugelschreiber verteilt.

Auch für das leibliche Wohl der Aussteller_innen und Messebesucher_innen war gesorgt: Es wurden Unmengen Kaffee gekocht. Es standen Kekse bereit und natürlich gab es auch kalte Getränke.

Dann trudelten auch schon die ersten Besucher ein und es entwickelten sich schnell die ersten Gespräche.

Nach und nach füllte sich der Raum. Ob Austausch untereinander oder mit den Ausstellern: Die Fragen waren zahlreich und wurden in vielen Gesprächen beantwortet.

Auch die aufgestellten Sitzgruppen wurden gerne für Gespräche genutzt.

Der Empfang war ständig besetzt, so dass Besucher immer einen Ansprechpartner hatten.

Auch unser Koperationspartner Lili Marlene war mit einem Stand vertreten.

Ein Beratungsgespräch am Infostand des Universitätsklinikums Essen. Herr Dr. med Jochen Heß und sein Team informieren zur geschlechtsangleichenden Operation.

Und auch Frau Dr. med Julia Schwerfeld-Bohr von den Kliniken Essen-Mitte informierte aus erster Hand.

Doch auch das Thema Beauty kam nicht zu kurz: Bei Eve-X-Nails gab es nicht nur Informationen zum Nageldesign. Wer wollte, konnte sich direkt auch French Nails machen lassen.

Leider mussten die Wellness Oase Düsseldorf und Special Trade krankheitsbedingt absagen. Doch mit Jutta Jasmin Bär stand eine kompetente Ansprechpartnerin zur Nadelepilation zur Verfügung.

Überall wurden zahlreiche Gespräche geführt.

So gab es einen intensiven Austausch untereinander. Das gesamte Gendertreff-Team war anwesend und stand als Ansprechpartner zur Verfügung.

Selbstverständlich informierten wir auch zum Informations- und Selbsthilfeangebot des Gendertreff.

Die Raucher mussten natürlich draußen rauchen. Aber auch das ist jedoch immer eine willkommene Gelegenheit zum Austausch. Und so gab es neben dem Austausch an den Infoständen auch den Austausch untereinander. Ganz so, wie man es von unseren Selbsthilfetreffen kennt.

Auch die Vorträge stießen auf großes Interesse. Der Gendertreff referierte zum Thema Trans* am Arbeitsplatz und es gab Vorträge zur Haarentfernung und der Wahl der richtigen Perücke für Transfrauen. Besonderes Interesse fanden aber die Vorträge zur geschlechtsangleichenden Operation. Hier sieht man Herrn Dr. med Jochen Heß vom Universitätsklinikum Essen bei seinem Vortrag zu Operationsmethoden der geschlechtsangleichenden Operation.

Nach den Vorträgen wurde an den Infoständen fleißig weiter diskutiert.

Die Besucher nutzten gerne die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an die anwesenden Fachleute zu richten.

Michael Scheffler, 2. stellvertretender Bürgermeister der Stadt Iserlohn und Mitglied des Landtags in NRW im Gespräch mit Herrn Dr. med. Jochen Heß vom Universitätsklinikum Essen, dem Messeteam der Klinik Essen-Mitte um Frau Dr. med. Julia Schwerfeld-Bohr sowie mit Xenia und Ava vom Gendertreff-Team.

An den Ständen des Universitätsklinikums Essen und der Kliniken Essen-Mitte war erwartungsgmäß am meisten Betrieb. Denn wann hat man schon die Chance, Fragen zur geschlechtsangleichenden Operation direkt an führende Mediziner auf diesem Gebiet zu richten?

Zum Thema Hairstyling beriet Daniela Schönekeß an ihrem Infostand.

Tanja vom Lili Marlene an ihrem Infostand.

Welche Perücke passt zu mir? Helen im Gespräch mit Karin vom Perückenstudio Cutrins Salon GmbH aus Iserlohn.

Das Angebot am Stand wurde mit Fotos auf dem Smartphone verglichen. Wer sich für eine Perücke interessierte, konnte sie in einem eigens dafür hergerichteten Raum auch ausprobieren.

Das Team der Kliniken Essen-Mitte um Frau Dr. med Julia Schwerfeld-Bohr im Gespräch.

Frau Dr. med Julia Schwerfeld-Bohr aus dem Team von Frau Prof. Dr. med. S. Krege an den Kliniken Essen Mitte während ihres Vortrags zu Operationsmethoden zur Geschlechtsangleichenden Operation.

Wer nach den Vorträgen noch Fragen hatte, wurde gerne an den Infoständen eingehend beraten.

Zwischendurch gab es eine Stärkung am Kaffee-, Tee- und Getränkestand.

Frisch gestärkt ging es dann mit dem Austausch weiter. Denn das Thema Transidentität wirft viele Fragen auf: Ob medizinische Aspekte, Transidentität am Arbeitsplatz, das Coming-out in der Familie oder im Freundeskreis – die Fülle der Fragen ist schier unendlich.

Da ist es gut, Informationen aus erster Hand zu gekommen. Gerade für Transfrauen ist oftmals das Tragen einer Perücke unumgänglich – insbesondere dann, wenn das Testosteron bereits so zugeschlagen hat wie bei dem freundlichen Herren auf dem Roll-up des Perückenstudios Cutrins Salon GmbH.

Rita im Gespräch mit Herrn Dr. med Jochen Heß vom Universitätsklinikum Essen.

Gendertreff-Gründerin Xenia hatte sich meist erfolgreich vor der Fotografin gedrückt. Hier wurde sie aber doch erwischt. 🙂

Seit Mitte der 1990-er Jahre werden am Universitätsklinikum Essen geschlechtsangleichende Operationen durchgeführt.

Wie funktioniert das nun genau mit der dauerhaften Haarentfernung? – Am Stand des Instituts Hoffmann gab es Informationen zur IPL-Haarentfernung.

Und auch der Stand des Perückenstudios Cutrins Salon GmbH war immer gut besucht.

Einzelgespräch zur geschlechtsangleichenden Operation am Stand der Kliniken Essen-Mitte.

Institut Hoffman: Die Privatpraxis für Beauty und Ästhetik informierte zur IPL-Haarentfernung.

Geduldig wurden alle Fragen beantwortet.

Bis zuletzt nutzten Aussteller_innen und Besucher_innen die Chance, sich an den Ständen auszutauschen.

Um 17:00 Uhr ging die erste Gendertreff Hausmesse für Transgender und Angehörige zu Ende. Alle Beteilgten waren sich einig: Es war eine gelungene Veranstaltung, die unbedingt wiederholt werden sollte.

>> Alle Beiträge zur Gendertreff Hausmesse 2016

>> Flyer „Gendertreff Hausmesse 2016“

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Vorträge auf der Gendertreff Messe & Fachtagung

Am 09.04.2016 findet die Gendertreff Hausmesse in Iserlohn statt. Neben den Infoständen der Aussteller erwartet die Besucher_innen ein Vortragsprogramm rund um das Thema Transidentität.

Den jeweiligen Referenten steht ein Zeitfenster von jeweils einer Stunde zur Verfügung. Die Vorträge werden jeweils zwischen 15 und 30 Minuten dauern, so dass im Anschluss Fragen gestellt werden können. Weiter stehen die Referenten natürlich auch an ihren Infoständen für Gespräche zur Verfügung.

Darüber hinaus wird es im Ausstellungsraum sog. Gesprächsinseln geben. Hier können an Gruppentischen die Themen der Vorträge diskutiert und vertieft werden.

Vortragsprogramm:

  • 12:00 – 13:00 Uhr – Gendertreff – Trans* am Arbeitsplatz – ca. 20 Minuten
  • 13:00 – 14:00 Uhr – Wellness Oase Düsseldorf – Haarentfernung – ca. 30 Minuten
  • 14:00 – 15:00 Uhr – Universitätsklinikum Essen (Dr. med. Jochen Heß) – Operationsmethode der geschlechtsangleichenden Operation – ca. 15 Minuten
  • 15:00 – 16:00 Uhr – Cutrins Salon GmbH – Perücken – ca. 20 Minuten
  • 16:00 – 17:00 Uhr – Klinik Essen Mitte (Dr. med Julia Schwerfeld-Bohr) – Operationsmethode der geschlechtsangleichenden Operation – ca. 20 Minuten

Gendertreff Hausmesse für Transgender, Angehörige und Interessierte

09.04.2016
11:00 Uhr – 17:00 Uhr

Gewerbe- und Gründerzentrum Corunna
Corunnastr. 1
58636 Iserlohn

Der Eintritt ist frei.

>> Anfahrt

>> Alle Beiträge zur Gendertreff Hausmesse 2016

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Gendertreff Hausmesse mit der Transgenderchirurgie in den Kliniken Essen-Mitte, ev. Huyssensstiftung

Am 09.04.2016 findet die Gendertreff Hausmesse in Iserlohn statt. Aussteller ist unter anderem die Transgenderchirurgie in den Kliniken Essen-Mitte, ev. Huyssensstiftung. Der folgende Beitrag stellt die Transgenderchirurgie in den Kliniken Essen-Mitte, ev. Huyssensstiftung, vor.

Transgenderchirurgie in den Kliniken Essen-Mitte, ev. Huyssensstiftung

Die Direktorin der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie, Frau Prof. Dr. med. S. Krege, führt seit 1994 die geschlechtsangleichende Operation Mann zu Frau durch. Seit April 2015 ist sie in den Kliniken Essen-Mitte tätig und betreut mit ihrem Team ca. 50 Patientinnen pro Jahr zur ersten Sitzung. Dazu kommen noch zahlreiche Korrektur-Operationen, von kosmetischen Korrekturen bis hin zu sekundären Scheidenneuaufbauten. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen OP-Termin zur ersten Sitzung beträgt bei Vorliegen der Kostenzusage der Krankenkasse zurzeit ca. 10 Monate.

Die Technik der Operation basiert auf der Methode von Frau Prof. Speer, bei der in der ersten Sitzung die gesamte Angleichung des äußeren Genitales sowie das Bilden der Neovagina erfolgen; in einer zweiten Operation – frühestens nach 8 Wochen – können dann noch notwendige funktionelle und kosmetische Korrekturen vorgenommen werden. Außerdem kann in derselben Narkose der Brustaufbau mittels Silikonimplantaten vorgenommen werden.
In den Kliniken Essen Mitte wird von insgesamt drei Ärzten operiert, Frau Professor S. Krege, Frau Doktor J. Bohr und Frau I. Kunz (alle Fachärztinnen für Urologie).

Nähere Informationen unter http://www.kliniken-essen-mitte.de

Gendertreff Hausmesse für Transgender, Angehörige und Interessierte

09.04.2016
11:00 Uhr – 17:00 Uhr

Gewerbe- und Gründerzentrum Corunna
Corunnastr. 1
58636 Iserlohn

Der Eintritt ist frei.

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>> Alle Beiträge zur Gendertreff Hausmesse 2016

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Reformation an Bayerns Schulen

Quelle: BSZ – Bayerische Staatszeitung

 

Der Sexualkundeunterricht wird reformiert: Das Kultusministerium Bayerns hat neue Richtlinien für alle Schularten erarbeitet.

 

Das Kultusministerium hat mit einer Neufassung der Richtlinien für den Sexualkundeunterricht an allen bayerischen Schulen reagiert. Diese thematisieren nun die Prävention von sexueller Gewalt, stellen sich der Herausforderung der Omnipräsenz von Sexualität in den Medien und widmen sich ausführlich den Bereichen sexuelle Orientierung und verschiedene Lebensformen.

Neu an bayerischen Schulen ist, dass im Sexualunterricht ausdrücklich Themen wie Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität von den Lehrkräften „vorurteilsfrei angesprochen“ werden. Hierzu können sich Lehrer externe Fachkräfte hinzuziehen.

Mehr und ausführlicher lesen ….

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Juliens transidenter Lebenslauf

Autor: Julien

TS Verlauf:
Ab 1994: Erste schwache Anzeichen für Transsexualität
1996: „Mama, ich will ein Junge sein.“
1999: Die Haare kommen ab!
2000: „Bist du ein Mädchen oder ein Junge?“
2005: Zweite Identität als Mann im Internet
2009-2011: Das Mannsweib
2014: Outing als Transgender bei einem Trans* Freund
2015 Februar: Outing in der Familie und öffentlicher Auftritt im gefühlten Geschlecht
Ab 2015 Mai: Psyschotherapie aufgenommen
2015 Juli: Der Selbsthilfegruppe Gendertreff beigetreten
2015 August: Outing auf der Arbeit
Ab 2015 September: Testosteron

Ab 1994: Erste schwache Anzeichen für Transsexualität
Das kleine Mädchen interessierte sich lieber für Jungensachen. Zu Karneval kam auch kein Prinzessinenkostüm in Frage. Es sollte ein Astronaut oder Batman sein, ganz egal ob die ältere Schwester Pocahontas oder eine Prinzessin war. Ich spielte auch viel lieber mit den Jungen Räuber und Gendarm, oder schlüpfte in die Rolle der PowerRangers, anstelle Hochzeit und ‚Vater, Mutter, Kind‘ mit den anderen Mädchen zu spielen.

1996: „Mama, ich will ein Junge sein.“
„Mama ich will ein Junge sein.“ Das sagte ich meiner Mutter ganz offen, die diese Aussage nicht ernst genommen hat, weil ich eben noch ein Kind war. Dass ich, viele Jahre später, nochmal auf sie zukommen würde, hat sie auch nicht gedacht.

1999: Die Haare kommen ab!
Ich wollte mir unbedingt die Haare kurz schneiden lassen und ich habe auch meine Mutter dazu überreden können. Es ging also zum Friseur und weg mit den Haaren. Damals habe ich mich darüber sehr gefreut, so auch mehr zum Jungen zu werden, jedoch begann auch die Pubertät.

2000: „Bist du ein Mädchen oder ein Junge?“
Zwei Mädchen kamen an der Bushaltestelle zu mir, die mich vorher auch immer wieder angestarrt und miteinander getuschelt haben. Sie grinsten und lachten auch leise, als eine mich dann fragte, ob ich nun ein Mädchen oder ein Junge wäre. Diese Situation war mir sehr unangenehm. Was sollte ich auch antworten? Vom Körper her war ich ein Mädchen, auch wenn meine Wunschvorstellung eine andere war. Hier zerbrach mein Traum, als ich eingestehen musste ein Mädchen zu sein. Von da an ließ ich meine Haare wieder wachsen und versuchte mich soweit es ging eben anzupassen.
Trotzdem suchte ich weiter die Gesellschaft der Jungen. Kleidung, Schmuck und Schminken gehörte nicht zu mir. Ich interessierte mich für Pokémon und Yukio. Mit den Jungs wurde in den Pausen Karten gespielt. Mein Verhalten sorgte auch dafür, dass ich bei den Mädchen immer mehr ins Mobbingfokus fiel. So kam es auch, dass ich bald für die Jungen genauso zu meiden war, auch wenn ich immer noch ein paar ‚Außenseiter‘ der Klasse weiterhin meine Freunde nennen konnte. Trotzdem wollte ich was ändern und bemühte mich noch mehr, eben meinem Körper zu entsprechen. Ich schaffte es auch mir weibliche Freunde zu suchen, was mir leider nicht mehr aus der Mobbinglage half.

2005: Zweite Identität als Mann im Internet
Das Internet war in meiner Welt geboren und zwar auch als meine zweite Geburt. Ich habe einen ‚Lebensraum‘ gefunden, an dem ich mich ausleben konnte. Rein virtuell natürlich nur. Das Internet und das MMO Rollenspiel gab mir die Möglichkeit doch noch auszuleben was ich war und das auch anonym. Nach außen war ich weiterhin die junge Frau, während ich im Internet mein inneres Leben ausleben konnte.
Jedoch hatte das zur Folge, dass ich mich mehr und mehr von meiner Umwelt abgeschottet habe. Freundschaften konnten nicht gehalten werden und man lebte sich schließlich auseinander. Das war mir auch ganz recht. Ich hatte keine Zeit mehr, weil ich jede Minute meiner Freizeit im Internet war. Zeitweise war es so schlimm, dass ich in ein so tiefes Loch gefallen war, das gar kein richtiges Leben mehr um mich herum existierte. Meine Familie machte sich große Sorgen, die ich nicht gesehen habe. Schließlich fand ich mich in meinem verdreckten Zimmer und mich ungepflegt wieder. Ich wachte auf. Ab da habe ich mein Leben wieder zum großen Teil in den Griff bekommen und auch eine Ausbildung angefangen. Trotzdem blieb ich im Internet. Ich setzte mir Grenzen, aber ohne konnte ich nicht. Es war mein Anker, der mich das Leben ertragen ließ.

2009-2011: Das Mannsweib
Im Jahr 2009 begann ich meine Ausbildung als Werbetechniker(in). Die Jahre dort halfen mir zu mehr innerer Stärke. Ich lernte auf eigenen Beinen zu stehen und zog im zweiten Lehrjahr auch von zuhause aus. Ich war kein Mann, aber in diesem Beruf musste man hart mit anpacken und unter den Kollegen war ich das Mannsweib. Damit konnte ich mich gut auseinander setzen. Schließlich war ich auch ein Mannsweib. Eine Frau war ich wirklich nicht. Das war das erste Wort mit dem ich mich schon mehr identifizieren konnte. So lebte es sich die folgenden Jahre etwas leichter, auch wenn irgendwas immer noch nicht stimmte. Noch immer kam ich kaum vor die Türe und verbrachte weiterhin meine Freizeit am PC.

2014: Outing als Transgender bei einem Trans* Freund
Durch das Internet kam ich an eine Person, die sich mir als Transgender offenbarte. Das war der erste Kontakt seit Jahren, mit dem ich auch mal gesprochen habe. Er half mir an einen Stimmenverzerrer zu kommen, sodass ich auch mit anderen sprechen konnte im Internet, ohne meine Identität als Mann zu verlieren. Das war der erste Schritt in ein geselligeres Leben. Dieser Freund erzählte mir alles über seinen bisherigen Weg und ich konnte mich so gut darin wieder erkennen, was er mir erzählt hatte. Nun hatte ich auch endlich den Namen für mein Problem. Ich bin Transsexuell.

2015 Februar: Outing in der Familie und öffentlicher Auftritt im gefühlten Geschlecht
Ich brauchte ein gutes Jahr, um für mich alles nochmal genau zu überdenken. Ich fragte mich, ob ich nicht doch als Frau weiter leben kann und eben wie bisher. Die Antwort war: Nein! Ich wollte mich nicht länger selbst belügen, mir vormachen ich kann so weiter machen und finde meine ‚Befriedigung‘ im Internet. Es ging nicht mehr und wird auch nie wieder so werden. Ich wollte aus meinen Wänden ausbrechen und mein Leben auch in der Wirklichkeit beginnen. Ich möchte sein, was ich in Wirklichkeit bin und nicht mehr mit meinem ‚Pixel-Ich‘ im Internet leben, während ich vor dem Rechner eingehe.
Also ab mit den Haaren, alle Klamotten die mir zu fraulich waren kamen weg und ich entschied mich für den Jungennamen, den ich bekommen hätte, wenn ich wirklich als Junge geboren wäre: Julien. Dazu einen Zweitnamen: Jeremy.
Als ich so dann bei meiner Mutter aufschlug, kam direkt der Spruch: „Na, willst du wieder ein Junge sein?“ Dass sie damit Recht hatte, musste sie dann erst mal schlucken. Sie steht mir aber bei, genauso wie mein Stiefvater, Schwester & ihr Freund, wie auch meine Oma.
In meiner Onlinewelt bin ich nicht geoutet, abgesehen von dem anderen Transgender der Bescheid weiß. Ich möchte auch, dass es so bleibt. Sie kennen mich alle als Julien und sehen mich als Mann. Ich möchte nicht dass sich das ändert.
Die körperliche Transition wird auch angestrebt und ich freue mich darauf, wenn die Hormontherapie mit Testosteron beginnt und auch die Operationen folgen. Schon jetzt hat sich ein Wandel in meinem Leben gezeigt. Ich bin aktiver, gesünder, bewege mich mehr, habe auf gehört zu Rauchen und gelange mehr und mehr an mein Wunschgewicht.

Ab 2015 Mai: Psyschotherapie aufgenommen
Seit Mai 2015 gehe ich zu einer Psychotherapeutin, die mich auf meinem Weg begleitet. Es hilft mir sehr und ist jedes Mal eine Erleichterung über aktuelle Probleme, aber auch Fortschritte sprechen zu können. Durch ihren Rat habe ich mich der Selbsthilfeorganisation Gendertreff angeschlossen.

2015 Juli: Der Selbsthilfegruppe Gendertreff beigetreten
Ich habe mich der Selbsthilfegruppe Gendertreff angeschlossen, mit der ich über ein Forum ständig im Kontakt bin und sich untereinander ausgetauscht werden kann. Es ist schön sich dort durch Erfahrungen informieren zu können und einfach Ängste und Sorgen zu teilen, wie sich auch untereinander zu freuen, wenn Hürden gemeistert wurden.
Jeden Monat trifft sich die Gruppe in Düsseldorf in einem Restaurant, um sich auch persönlich kennen zu lernen und bei Kaffee und Kuchen zu plaudern. Es bietet auch für Transgender eine Plattform sich mal in der Öffentlichkeit im gefühlten Geschlecht zu zeigen, auch wenn ich das selbst bereits längst im Alltag so halte. Die Gruppe ist sehr freundlich und ich habe mich gleich aufgenommen gefühlt, auch wenn es viel mehr Mann-zu-Frau sind, als Frau-zu-Mann.

2015 August: Outing auf der Arbeit
Vorab hatte ich mich bereits bei einigen Eltern, der Kinder die ich betreue, geoutet. Bisher sind dadurch keine Probleme entstanden, sondern mir meist mit Interesse und Neugier begegnet worden. Nun habe ich mich auch bei den noch ausstehenden Elternteilen geoutet, wie auch beim Jugendamt. Auch dort gab es keine Probleme, sondern Lob für mein Selbstbewusstsein und meine Offenheit. Ich bin darüber sehr erleichtert und freue mich über meinen weiteren Weg als Tagesvater.

Ab 2015 September: Testosteron
Die Blutuntersuchung ist zurzeit am Laufen und meine Indikation von meiner Therapeutin wird innerhalb der nächsten zwei Wochen ausgestellt, sodass die Behandlung mit Testosteron beginnen kann. So wird dann im September 2015 mein Start mit Testosteron sein, worauf ich mich schon sehr freue!

Julien

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Gendertreff Hausmesse mit Dr. med. Jochen Heß – Universitätsklinikum Essen

Am 09.04.2016 findet die Gendertreff Hausmesse in Iserlohn statt. Aussteller ist unter anderem das Universitätsklinikum Essen. Dr. med Jochen Heß der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen informiert über Operationstechniken der geschlechtsangleichenden Operation. Der folgende Beitrag stellt den Aussteller Universitätsklinikum Essen vor.

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Dr. med. Jochen Heß – Universitätsklinikum Essen

In unserer Gesellschaft besteht ein meist nicht in Frage gestelltes Geschlechtssystem, in welchem genau zwei Geschlechter (männlich / weiblich) akzeptiert sind. Das biologische (anatomische) Geschlecht wird bei Geburt festgelegt und oftmals mit der Geschlechtsidentität, der sozialen Geschlechtsrolle und meist der sexuellen Orientierung gleichgesetzt. Entsprechend wird auch unsere Erziehung ausgelegt.

Transidente Menschen überschreiten diese fest verankerte Einteilung aller Menschen in zwei Geschlechter, indem sie ihr Geschlecht verändern bzw. wechseln. Dies kann häufig zu mehr oder weniger starken gesellschaftlichen Sanktionen führen.

Der ärztliche Auftrag im Umgang mit transidenten Menschen liegt darin, die betroffenen Menschen in der transidenten Entwicklung zu unterstützen. Das erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen. Während manche Transidente ihre geschlechtliche Identität auch ohne eine Hormonbehandlung oder ohne genitalangleichende Operationen ausleben können, stellt die hormonelle und operative Geschlechtsangleichung für viele einen essenziellen und medizinisch notwendigen Schritt dar. Bisherige Untersuchungen und unsere eigene langjährige Erfahrung haben gezeigt, dass genitalangleichende Operationen einen positiven Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden und die Sexualfunktion haben.

Genitalangleichende Operationen von Mann zu Frau haben an der urologischen Universitätsklinik Essen seit Mitte der 1990-er Jahre eine lange Tradition. Seit Anfang 2013 besteht eine enge klinische und wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Durch unsere Kollegen der Gynäkologie / Brustzentrum bieten wir den Brustaufbau im Rahmen der zweiten Sitzung der Genitaloperation an. Dadurch erhalten Betroffene die Möglichkeit, beide Operationen in einer Narkose zu erhalten. Darüber hinaus sind wir aktiv im Qualitätszirkel Transidentität Essen, einem Netzwerk von Psychotherapeut_en_innen, Endokrinolog_en_innen und Urolog_en_innen, sowie im überregionalen Arbeitskreis Transidentität NRW.

Wir, als Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen, sind stolz auf eine langjährige Tradition in der Beratung und Behandlung von transidenten Menschen. Durch stete Weiterentwicklung der operativen Techniken und den ständigen Austausch mit Kollegen der angrenzenden Fachbereiche stehen wir für eine hohe medizinische Qualität.

Verständnis und Wertschätzung bestimmen unseren Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen. Wir respektieren die Individualität der Patientinnen und Patienten und bieten eine medizinische und pflegerische Versorgung auf höchstem Niveau.

Wir wollen eine zentrale Anlaufstelle sein für Betroffene, wie auch für Angehörige oder Ratsuchende in den Bereichen Geschlechtsidentitätsstörung und Transidentität mit dem Ziel, die Akzeptanz von Transidentität und Gender-Nonkonformität in unserer Gesellschaft zu verbessern.

Nähere Informationen unter www.uk-essen.de/urologie

Gendertreff Hausmesse für Transgender, Angehörige und Interessierte

09.04.2016
11:00 Uhr – 17:00 Uhr

Gewerbe- und Gründerzentrum Corunna
Corunnastr. 1
58636 Iserlohn

Der Eintritt ist frei.

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