Neulich im Bus

Autorin: Vivian

Ich war heute auf der Sparkasse ein bisschen Geld vom Sparbuch holen. Hatte am letzten Donnerstag meine Boutique wieder aufgesucht und das reservierte heute abgeholt. Auf dem Weg nach Hause nahm ich den Bus (faule Socke). Im Bus traf ich eine aus der Verwandtschaft meiner Frau. Sie weiß es von mir, obwohl sie Probleme ab und zu mit dem Namen hat. Sie sah meine Tasche, „Warst wieder in der Boutique?“ Ich, „Jepp“. „Zeig mal.“ „Ich habe mir wieder ein Kleid und einen Rock gekauft.“

Während wir uns unterhielten meinte der Typ neben uns: ,,Weiber“. Ich schaute ihn an und meinte, mal eine Frage, haben sie einen großen Spiegel zu Hause? Er nein wieso? Nun dann würden sie sehen wie schlampig sie herum laufen. Einige junge Frauen lachten und als der Bus anhielt stieg er aus und zeigte den Mittelfinger.

Meine Bekannte wollte unbedingt das Kleid sehen. Ihr Rock war der gleiche nur mit anderen Farben. Wir stiegen eine Station weiter aus. Von dort ist es nicht sonderlich weit bis zu mir. Im Treppenhaus holte ich das Kleid aus der Tasche. Sie meinte, weißt du Vivi, als ich dich am Anfang als Frau sah war ich überrascht und dachte das wird nichts. Wenn ich dich heute sehe, sehe ich eine schicke Frau. Mit Mut zu was anderem, hin zur Farbe.

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Wie zeige ich mich meiner Partnerin?

Autorin: Amanita

Lisa schreibt:

Liebe Amanita, die Geschichte von Dir und Deiner Frau hat mir Mut gemacht mit meiner Weiblichkeit offener umzugehen. In mir steckt seit meiner Kindheit der Wunsch ein Mädchen/eine Frau zu sein. Meine Freundin weiß auch darüber Bescheid. Nur schäme ich mich noch zu sehr vor ihr um mich als Lisa zu zeigen.Wie habt ihr das das erste Mal gemacht? Wie war das für dich als Freundin? Ich habe große Angst mich vor meiner Freundin lächerlich zu machen.

Liebe Lisa,

ich antworte Dir gerne und glaube, dass Du schon nah an Deinem Ziel bist, in Deiner Partnerschaft offen zu leben. Ich finde es total toll, dass Du Deinen Wunsch und Dein Selbst so gut kennst und auch schon lange wahrnehmen kannst. Und dass Du mit Deiner Freundin auch darüber gesprochen hast und sie positiv reagiert hat.

Mir fallen für Dich einige Wege ein, die denkbar sind:

      1. Arbeite an Deiner Selbstsicherheit.

        Bevor Du Dich zeigst, lasse Deine Selbstsicherheit noch weiter aktiv wachsen. Deine Angst, Dich lächerlich zu machen kann darauf hinweisen, dass Du verinnerlicht hast, es sei falsch so zu sein wie Du bist. Es sei falsch, sich mit dem Körper, den Du hast, weiblich zu zeigen. Es ist nicht falsch. Genauso wie Du bist und Dich zeigst, bist Du richtig. Lasse diesen Gedanken tief in Dich einsinken. Beratung von jemandem, der Dich ganz als Frau sieht, kann Dir hierbei helfen. Wenn Deine Freundin die richtige Partnerin ist, wird sie Dich dabei unterstützen, mehr und mehr Selbstsicherheit zu gewinnen.

      2. Frage Deine Freundin, ob Du Dich ihr zeigen kannst. Frage sie auch, ob es ihr lieber wäre, „nach und nach“ kleine Veränderungen an Dir zu sehen oder ob Du Dich ihr in voller Weiblichkeit mit allem, was Du normalerweise trägst, wenn Du Dich ganz angekommen fühlst, zeigen kannst. Es geht hier um Euch beide. Wie fühlst Du Dich am wohlsten, wie fühlt sie sich am wohlsten?

      3. Es wäre wunderbar, wenn Äußerlichkeiten, keine Rolle spielen würden, aber für die meisten Menschen tun sie das. Es ist wichtig, dass die Art, wie Du Dich ihr zeigst, ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Zum Beispiel ist es wichtig, dass eine Perücke – falls Du eine trägst – eine gute Qualität hat, dass Make-up – falls Du welches trägst – gut aufgetragen ist. Aber keine Angst: Perfektion muss nicht sein. Wenn sie sich gut auskennst, kannst Du sie auch bitten, Dich zu schminken oder aus Deinem Kleiderschrank ein Outfit auszusuchen, in dem sie Dich gerne sehen würde.

      4. Sei darauf gefasst, dass sie unter Umständen zuerst langsame, zögerliche Reaktionen hat, dass sie vielleicht Zeit braucht, weil gesellschaftliche Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit sie vielleicht erst irritieren und dass sie zunächst reflektieren möchte, welche Reaktionen in ihr vorgehen und woher sie kommen. Bitte Sie, Dir ganz tief in die Augen zu sehen und Deine Weiblichkeit zu spüren.

      5. Zeige ihr zuerst ein alltägliches Outfit, bevor Du ihr etwas sehr Sexuelles oder Anzügliches zeigst. Das gibt Euch beiden mehr Raum für Sicherheit, Kommunikation und Annäherung. Gehe davon aus, dass sie Dich vielleicht neu kennenlernen möchte. Eine große optische Veränderung kann bewirken, dass wir denken, wir hätten es mit einem neuen Menschen zu tun, mit dem wir erst sprechen möchten und dann nach und nach Körperkontakt aufbauen. Vielleicht möchtet ihr Euch erst einmal fest in den Arm nehmen?

      6. Spür mal tief in Dich hinein. Du kennst Euch als Paar besonders gut. In welcher Situation kannst Du Dir Euch beide am besten vorstellen? Was hilft Dir, was hilft Ihr, Euch wohl zu fühlen?

      7. Ein gemeinsamer Besuch bei einer Selbsthilfegruppe kann sehr hilfreich sein. Und/oder eine Anmeldung im Gendertreff-Forum kann auch nicht schaden.

      Bei mir war es so, dass meine Partnerin damals noch im Verborgenen lebte und wir in zwei unterschiedlichen Wohnungen waren. Sie kam also in „männlicher“ Kleidung bei mir an, zeigte mir dann aber ihre „weibliche“ Unterwäsche, die sie drunter trug. Es war für mich damals ein ungewöhnlicher Anblick, aber was ich vor allem sah, war ihr Vertrauen, ihre Echtheit, ihre Verletzlichkeit, die sie mir zeigte. Ich fand sie wunderschön. Und auch wenn ich von meiner gesellschaftlichen Prägung her immer wieder Stimmen im Kopf hatte, die sagten, sie sei „männlich“, sah ich ihre Weiblichkeit immer und immer mehr, je mehr sie sie mir emotional zeigte. Äußerlichkeiten wie dezentes Make-up, weibliche Outfits und eine gute Perücke halfen mir und auch ihr selbst, diese Weiblichkeit immer mehr zu sehen.

      Von da an war ich bei jedem weiteren Schritt mit dabei. Sie trug weibliche Kleidung zunächst nur in unseren vier Wänden, dann gingen wir eines Tages zusammen auf einen Abendspaziergang im Sonnenuntergang. Sie trug einen langen Rock und ein weich fallendes T-Shirt. Wir hatten zwei Gläser Wein dabei und stießen am Fluss darauf an, dass sie nun in Kleidung, in der sie sich wohl fühlte, das Haus verlassen hatte. Wir waren sehr glücklich!

      Amanita

      Amanita M. Nomi ist cis, ihre Partnerin ist trans. Beide verbindet eine große Liebe. Seit drei Jahren hat sich Amanita in ihrer Beratungstätigkeit auf trans*-Themen spezialisiert. Sie ist Gründerin des #transtalk auf Twitter und Autorin für verschiedene Medien. Unter www.transgender-beratung.jimdosite.com oder über ihre Email-Adresse „amanita.m.nomi(at)gmail(Punkt)com“ könnt Ihr Fragen zu verschiedenen Themen senden und erhaltet in ihrem Blog auf gendertreff.de Antworten. Beim nächsten #transtalk auf Twitter am Mittwoch um 17 Uhr geht es übrigens um Sprache: „Formulierungen die verletzen, Formulierungen die helfen“. Der #transtalk findet in englischer Sprache statt.

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Der Gendertreff feiert 15 Jahre Selbsthilfearbeit

Xenias Outing bei Ihrer Ehefrau und das erste Treffen im Oktober 2004 in Düsseldorf waren der Grundstein für den heutigen Gendertreff.

15 Jahre Gendertreff  bedeuten 15 Jahre gemeinnützige und ehrenamtliche Hilfe zur Selbsthilfe. Hilfe, die auch heute im 21. Jahrhundert noch transidente Menschen und deren Angehörige dringend benötigen. Vieles ist besser geworden in den letzten 15 Jahren und das Thema ist mehr und mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aber leider gibt es immer noch Diskriminierung!

Das Team des Gendertreff und dessen Mitglieder werden nicht müde, weiter Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um über das Thema Trans* und die daraus resultierenden Probleme zu informieren. Auch wenn viele nach erfolgter Hilfe das Forum oder die Selbsthilfetreffen verlassen, freuen wir uns über jeden, der durch sein ehrenamtliches Engagement die Arbeit des Gendertreff weiterhin unterstützt. Die Besucher der Selbsthilfegruppen und die User des Forums haben durch ihren offenen Umgang miteinander und den Willen, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, dazu beitragen, dass das Projekt „Gendertreff“ zu dem geworden ist, was es heute ist.

Das Jubiläum wurde im Rahmen des Selbsthilfetreffens Düsseldorf gefeiert. Vielen Dank an das „Restaurant Kaisershaus“ für die zu diesem Anlass gespendete Torte.

Mittlerweile gibt es viele Vernetzungen und Dachverbände, denen sich der Gendertreff angeschlossen hat. Aber wir wollen mit unserer Philosophie (Leitbild), einem gesunden Pragmatismus und auch einer gehörigen Portion Humor unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen.

Für uns sind die letzten 15 Jahre ein Ansporn, die nächsten Jahre weiterhin ehrenamtliche Arbeit im Sinne der Gemeinnützigkeit zu leisten. Alle sind herzlich eingeladen, uns auf diesem Weg zu unterstützen und die Lebenssituation transidenter Menschen nachhaltig zu verbessern. Politisch, medizinisch und gesellschaftlich gibt es noch genügend Handlungsbedarf, dem wir uns stellen wollen.

Bitte informiert euch über unser umfangreiches Informations- und Selbsthilfeangebot auf unseren zahlreichen Webseiten oder werdet selbst Teil des Gendertreff durch Teilnahme am Forum, Besuch der Selbsthilfetreffen oder durch eine Vereinsmitgliedschaft.

 

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Treffen mit dem Generalsekretär der CDU

Am 28.09.2019 trafen sich auf Einladung des Trans*Treff Iserlohn der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Paul Ziemiak, mit Vertretern des Trans*Treff Iserlohn und des Gendertreff e.V. um sich ausführlich über die Belange transidenter (transsexueller) Menschen zu informieren. Im ersten Teil des Gesprächs ging es um die Frage „ Was ist Transidentität (Transsexualität) und wie entsteht sie?“  Dabei wurden die neusten medizinischen Erkenntnisse vorgestellt, wonach Transidentität (Transsexualität) eine alternative Entwicklung bestimmter Areale im Gehirn darstellt. Im weiteren Verlauf wurden die bisherigen Probleme vor und während einer Transition erörtert. So ist bisher eine Personenstandsänderung für Transidente (Transsexuelle) immer noch nur mit einem teuren Gerichtsverfahren und zwei Gutachten möglich, während für  Intersexuelle inzwischen ein Attest eines Arztes über eine alternative Geschlechtliche Entwicklung ausreicht. Weiterhin erörtert wurden Probleme, wie eine zu geringe Zahl von Beratungsstellen und weitere Probleme, wie z.B. ein unzureichender  Schutz der Betroffenen vor Zwangsoutings, z.B. durch bewusste Nutzung der vor der Personenstandsänderung gültigen Anrede durch Dritte, sowie die zum Teil langen Wartezeiten für medizinische Maßnahmen und dadurch entstehende Probleme.

Im zweiten Teil des Gespräches ging es dann um Änderungen des aktuellen Transsexuellen-Gesetzes (TSG). Um den Sonderstatus abzuschaffen, plädieren wir sogar für die Abschaffung des Gesetzes. Von den beiden Selbsthilfeorganisationen wurde vorgeschlagen die Personenstandsänderung dahingehend abzuändern, dass ein Antrag beim Einwohnermeldeamt/Standesamt nach vorheriger Beratung durch eine ehrenamtliche Beratungsstelle (ähnlich wie bei der Schwangerschaftsberatung), die vorzugsweise durch speziell geschulte Mitglieder der örtlichen Trans*-Selbsthilfeorganisationen besetzt werden sollten, ausreichen soll. Weiterhin wurde erörtert, dass für medizinische Maßnahmen eine Indikation eines mit dem Thema Trans* vertrauten Facharztes ohne feste zeitliche Abläufe ausreichen soll. Haarentfernungen, für die bisher eine Behandlung durch einen Hautarzt notwendig  war, sollten zukünftig auch durch Kosmetikstudios mit spezieller Ausbildung gestattet werden, weil die Zahl der Hautärzte, die Haarentfernungen anbieten, ständig abnimmt. Zum Schluss wurden noch Vorschläge für den Schutz vor Zwangsouting durch Dritte unterbreitet. Dabei sollen die Änderungen nicht in ein eigenständiges neues TSG sondern in das BGB einfließen.

Paul Ziemiak bedankte sich für die sehr persönlichen Eindrücke und das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Ziemiak betonte, dass die gesetzlichen Regelungen im engen Dialog mit den Betroffenen novelliert werden müssten. Die Kritik an der aktuellen Situation konnte der CDU-Generalsekretär sehr gut nachvollziehen.

>> Forderungspapier des Gendertreff e.V. zur Reform des Transsexuellenrechts

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Wer ich bin, warum ich hier schreibe

Autorin: Amanita

Ich bin Amanita. Nein, mein richtiger Name ist das nicht. Ich habe ihn von Sense8 übernommen, der amerikanischen Serie über Seelen, menschliche Verbindungen und ein liebendes Paar aus zwei wunderbaren Frauen: Amanita und Nomi. Amanita ist Cis. Nomi ist Trans. Genauso ist es auch in meinem Leben. Ich bin Cis, meine Partnerin ist Trans. Als wir uns kennenlernten wussten wir das beide nicht. Wahrscheinlich kannte ich damals noch nicht einmal den Begriff „Cis“. Als meine Partnerin mir erzählte, dass sie Trans ist, waren wir gerade in zwei verschiedenen Ländern, etwa 5000 Kilometer voneinander entfernt. Zuerst schrieb sie, sie sei “Genderfluid”, ihr Geschlecht wechselt und sie fühle sich manchmal als Mann, manchmal als Frau. Das fand ich ziemlich interessant und sehr ganzheitlich. Ich stellte ihr viele Fragen: Wann fühlst Du Dich als Frau, wann als Mann? Folgen die Wechsel nach ein paar Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten? Ist eine Seite stärker ausgeprägt als die andere?

Durch meine vielen Fragen und ihre tiefen Überlegungen, viel Meditation und Nachspüren fand sie schließlich heraus: „Ich bin eine Frau. Immer. Nicht nur manchmal. Und immer, wenn ich vermeintlich eine männliche Phase habe, dann ist es eigentlich nur eine Phase, in der ich versuche meine Weiblichkeit zu unterdrücken, in der ich versuche, mich anzupassen an das, was andere von mir wollen.“

Ganz ehrlich, erst mal habe ich geweint, als ich das hörte. Ich wusste einfach gar nicht, was das bedeutete und was ich nun verlieren würde. Irgendwie schien die Zukunft nun plötzlich aus ganz vielen Fragezeichen zu bestehen. Heute glaube, ich dass das daran liegt, dass wir für Mann-Frau-Beziehungen so viele Vorbilder aus Büchern, Filmen und vielen Beziehungen um uns herum haben, aber fast keine Beispiele von Beziehungen, in denen viele Veränderungen im Bereich Geschlecht anstehen. Ich hatte so viele Fragen: Wie würde sie aussehen? Wie würde ich auf sie reagieren, wenn ich sie als weiblich sehe? Welcher Teil meiner Anziehung für sie hatte eigentlich mit Gender zu tun? Welcher einfach mit ihrem Kern, ihrer Seele, ganz unabhängig von Geschlecht?

Ich stellte noch tausend weitere Fragen. Auch solche, von denen ich heute weiß, dass sie sehr ignorant und uninformiert waren. Ob sie vielleicht eine Frau sein wollte, weil sie sich so viel mit Weltpolitik beschäftigte und weil da immer die Männer die Schurken sind. Ob sie vielleicht eine Frau sein wollte, weil in der Metoo-Bewegung immer die Männer die Täter sind? Ich wusste damals einfach nicht, dass sie genau so wenig eine Frau sein wollte wie ich. Denn genau wie ich war sie einfach eine Frau. Und nur das war auch der Grund, warum sie als Frau wahrgenommen werden wollte…

Wir besprachen vieles über die Distanz: Wie sie es ihren Kindern sagen wollte, wie ihren Kollegen und Kolleginnen. Wie wird wohl ein Gespräch mit den Eltern ablaufen und wie es wohl sein würde, wenn wir uns sehen? Wie wir uns wohl lieben könnten, wir beiden.

Plötzlich war alles anders. Ich, die ich dachte, ich sei nun mal eben eine Frau, die an Männern interessiert ist, hinterfragte plötzlich meine Orientierung, mein Geschlecht und meine Zukunft. Ich hatte bisher immer gedacht, ich sei eine eifrige Unterstützerin der Regenbogencommunity, aber eben leider nicht selbst L, G, B, T oder Q. Sie, die bisher dachte, sie sei ein Mann, Familienvater, LGBTQ-Aktivist und nur gelegentlich glücklich beim Experimentieren mit der eigenen Weiblichkeit, wechselte nun vom privilegierten Status als weiß, männlich, hetero zum Label T, Trans*, Transgender, Transfeminin, Transfrau: eine Frau, aber bisher unerkannt aufgrund ihrer Anatomie.

Ich möchte Euch auf dieser Plattform an unserem Leben teilhaben lassen. Von ihrem Coming out erzählen und meinem. Von den Kindern, den Eltern, der Arbeit, unserer Liebe und unserer Sexualität. Meinem Leben das sich völlig verändert hat. Und meinem Beruf, den ich nun ganz der Beratung derer widme, die Trans* sind oder sich fragen, ob sie eventuell Trans* sind. Und unserem gemeinsamen Aktivismus für eine Welt, in der es nicht mehr so schwierig ist, sich zu offenbaren. Weil Vielfalt normal ist.

Amanita

Amanita M. Nomi (sie/ihr) ist cis, ihre Partnerin (sie/ihr) ist trans. Beide verbindet eine große Liebe. Seit drei Jahren hat sich Amanita in ihrer Beratungstätigkeit auf trans*-Themen spezialisiert. Sie ist Gründerin des #transtalk auf Twitter und Autorin für verschiedene Medien. Unter www.transgender-beratung.jimdosite.com oder über ihre Email-Adresse „amanita.m.nomi(at)gmail(Punkt)com“ könnt Ihr Fragen zu verschiedenen Themen senden und erhaltet in ihrem Blog auf gendertreff.de Antworten.

 

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Manuelas Erlebnisse (2)

Autorin: Manuela

Ich freue mich, denn ich bin wieder ein Schritt weiter. Gestern Abend war der nächste Termin beim Endokrinologen. Ich wurde als Frau M. aufgerufen. Das war eine besondere Streicheleinheit für meine Seele. Das Ergebnis der Blutwerte war OK und auch die Nieren und die Leber sowie der Lungenfunktionstest waren in Ordnung. Manche fragen sich nun vielleicht, weshalb man einen Lungenfunktionstest bei einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung braucht. Da bei der Hormonbehandlung auch schwerwiegende Nebenwirkungen wie eine Lungenembolie auftreten können ist diese Untersuchung gar nicht so abwegig. Das weitere Arztgespräch war eine sehr gute Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen der Hormonbehandlung, wie z.B. Thrombose oder Brustkrebs. Besonders praktisch ist, dass der Endokrinologe gemeinsam mit seiner Frau und einem angestellten Arzt die Praxis betreibt und ich dadurch gleich noch eine neue Hausärztin gefunden habe. Nachdem meine Therapeutin nun doch die Indikation vorgelegt hatte, bekam ich das Rezept für den Testosteronblocker und das Estradiol. Da ich im ländlichen Raum als Transfrau eine Exotin bin, musste die Apotheke die Medikamente bestellen. Die kommen heute Mittag um 14 Uhr. Dann kann die Behandlung noch heute Abend begonnen werden. Den nächsten Termin für die Kontrolluntersuchung habe ich auch schon in der Tasche. Ich habe meine Frau darauf vorbereitet, dass es zu weiteren Nebenwirkungen kommen kann wie z.B. Stimmungsschwankungen.

Anfang November habe ich den nächsten Therapietermin. Dann bekomme ich eine Gutachterliste und stelle den Antrag auf PÄ/VÄ beim zuständigen Amtsgericht. Wenn ich Glück habe, werde ich im Dezember/Januar eine Anhörung beim Gericht bekommen und 2020 die Gutachtertermine durchziehen. Wenn alles gut geht und irgendwann der Gerichtsbeschluss vorliegt, beginnt die Ochsentour, Bürgerbüro, Standesamt, Führerscheinstelle, Krankenkasse, Rentenversicherung, Grundbuchamt etc., aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik.

Da die Klinik, in der ich die vaginoide Geschlechtsangleichung machen lassen möchte, darauf besteht, dass die Hormonbehandlung mindestens 8 Monate lang durchgeführt wurde, werde ich Mitte 2020 einen Beratungstermin in der Klinik vereinbaren. Die haben eine Wartezeit für die GaOP von ca. 6 Monaten. Was mir noch Kopfzerbrechen bereitet ist die Haarepilation, denn bei meinen grauen Haaren wird das sehr schmerzhaft, weil nur die Elektronadelepilation bei grauen Haaren dauerhaft wirksam ist.

Ich schwimme nun nicht mehr hilflos, orientierungslos in einem Ozean sondern ich habe nun einen klaren Fahrplan und ein klares Ziel und ich werde dieses Ziel erreichen.

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Gemeinsam mehr bewegen

Am 11. Oktober 2019 fand auf dem Potsdamer Platz der Berliner Aktionstag Selbsthilfe von Selko e.V. und SEKIS statt. Jeder der vorbei kam hatte die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, sich zu informieren und zu engagieren. Man konnte mit Betroffenen, Interessenten und Fachleuten ins Gespräch kommen. An zahlreichen Pavillons stellten rund 50 Selbsthilfeorganisationen und -gruppen aus Berlin und Brandenburg ihr Angebot vor. Mit dabei war u.a. der Gendertreff e.V. Abgerundet wurde der Aktionstag durch Darbietungen auf und um die Veranstaltungsbühne, sowie Podiumsdiskussionen und Gespräche mit Fachpersonal.

Um unser Team in Berlin zu unterstützen reisten wir mit 5 Personen aus dem Rheinland bereits am Vortag an. Leider mussten sich jeweils zwei Organisationen einen Pavillon teilen, so dass pro Gruppe nur ca. 1,50m x 3,00m (B x T) zur Verfügung stand. Durch unseren vorgestellten Roll-up und unser vielfältiges Angebot, konnten wir uns dennoch entsprechend in Szene setzen und auf uns Aufmerksam machen. Wir informierten die interessierten Besucher über das Thema Trans* und hatten so an diesem leicht vernieseltem Tag gut zu tun. Neben unserem umfangreichen Informationsmaterial und den grünen Karten für Diversity, wurden auch gerne unsere Kugelschreiber und Schlüsselbänder mitgenommen. Die Kinder erfreuten sich an unseren Luftballons. Übrigens: Vom 12. bis 21. November 2019 wird am Berliner Hauptbahnhof die Grüne Karte für Diversity als Plakat für Vielfalt und Toleranz werben.

Der Tag ging relativ schnell vorbei und wir packten unser Equipment um mit den zahlreichen U- und S-Bahnen zurück zum Hotel zu gelangen. Natürlich endete der erfolgreiche Tag mit einem guten Essen im Nikolaiviertel Berlins, dem ältesten Siedlungsgebiet der Hauptstadt. Erfreulicherweise hatten sich uns noch zwei Berliner angeschlossen: Michel der Cousin von Marina sowie Ronny von „wir-insuliner.de“.

Den Samstag nutzten wir noch, bei schönem Wetter, zu einer Besichtigung der Berliner Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten. Einem Tipp folgend gingen wir zum Abschluss in Kreuzberg essen. Dort stieß auch Alex vom Gendertreff Berlin zu der Gruppe. Das war gut! 🙂

Die Rückfahrt am Sonntag verlief ruhig und fast ohne Staus……………

 

INHALTSVERZEICHNIS

Manuelas Erlebnisse

Autorin: Manuela

Ja, wo fange ich an. Den Weg von der Geburt bis zur gelebten Transidentität kennt eh jede_r. Der Beginn meiner gelebten Transidentität war vor 6 Monaten. Ich war sowieso gerade wegen meiner Eheprobleme in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Da kam auch das Thema Transidentität auf den Tisch. Ich wurde so mutig, dass ich schon 6 Monate vor Beginn der Begleitenden Therapie bei Transsexualität komplett als transidente Frau lebte. Zuerst mal nicht mehr heimlich als Frau in der Nacht gelebt, sondern auch tagsüber. Das war einerseits eine richtige Befreiung, andererseits war da auch eine gewisse Euphorie. Etwa 4 Wochen später bemerkte ich, dass meine starken Depressionen plötzlich geringer wurden.

Anfangs war es für mich ungewohnt, die irritierten Blicke der Mitmenschen zu ertragen. Was sahen die in mir? Einen Mann in Frauenkleidern? Ich entschloss mich, nun regelmäßig zu unterschiedlichen Zeiten in unserer Kleinstadt als Transfrau gesehen zu werden. Mit der Zeit gewöhnte sich der Ort daran. Es reichte mir nicht, nur als Mann in Frauenkleidern gesehen zu werden. Ich wollte als Frau gesehen werden. Schnell war klar, es gehört auch eine Änderung des Sozialverhaltens dazu und eine etwas höhere Stimme. Störend ist nun nur noch der Bartschatten und dass ich noch keine Angleichung habe.

Ich lerne mich zu schminken und besuchte einen Schminkkurs zum Thema „smokey eyes“. Das war die Königsdisziplin für mich. Nun erteile ich meiner weiblichen Umgebung sogar Schminktipps, die von Frau gerne angenommen werden.

Das Outing gegenüber meiner Frau liegt schon viele Jahre zurück, aber nun war auch das Outing in der Öffentlichkeit und gegenüber Ärzten und Behörden dran. Den Anfang machte ich bei der Verkehrsbehörde. Eines Tages kam ein Schreiben ins Haus geflattert, mit der Aufforderung wegen Geschwindigkeitsübertretung 25 Euro zu bezahlen sowie eine Zeugenaussage zu machen, wer denn die weibliche Frau in meinem Auto ist.  Ich bezahlte das Verwarnungsgeld als Mann weil mein Konto ja noch nicht umgeschrieben werden kann. Dann zog ich mir meinen knappen Minirock und ein ebenso knappes Oberteil an und spazierte in die Verkehrsbehörde. Dort erklärte ich mich, dass ich transident bin und die Frau auf dem Foto die Manuela und damit ich selbst bin. Große irritierte Augen schauten mich an. Stotternd kam die Aussage: so etwas hatte ich in meinem ganzen Berufsleben noch nicht. Ich fand das toll, mein erstes Outing gegenüber einer Behörde war erfolgreich.

Das Outing beim Rheumatologen war keiner Rede wert. Dort werde ich auch als Frau Manuela angesprochen. Anders beim Zahnarzt. Er und die Sprechstundenhilfe sprechen mich mit meinem männlichen Namen an. Das stört mich, aber ohne weiblichen Pass habe ich erst mal kein Recht auf eine weibliche Anrede. Trotzdem mache ich mir einen Spaß daraus, die verdutzen Gesichter im Wartezimmer zu sehen, wenn ich als Frau da sitze und als Mann aufgerufen werde. Besonders lustig war es, als ich mit meiner Frau gemeinsam einen Termin beim Zahnarzt hatte. Mein Passing war super gut. Wir standen beide am Empfangstresen und die Sprechstundenhilfe fragte meine Frau: kommt ihr Mann heute später? Ich musste lachen. Die Sprechstundenhilfe bat darum sich erst an diese neue ungewohnte Situation zu gewöhnen.

Der Hausarzt drehte komplett ab. Er sollte wegen der Begleitenden Therapie irgendeinen Wisch unterschreiben. Ich bat die Sprechstundenhilfe darum, zuerst mit dem Arzt reden zu wollen. Der Arzt hielt das nicht für notwendig und schrieb als Diagnose Depression auf diesen Zettel und übergab ihn mir im Wartezimmer. Ich sah in an, sah auf meinen Minirock und sagte: das ist die falsche Diagnose, da muss drauf stehen, dass ich eine begleitende Therapie wegen Transsexualität brauche. Der Arzt wurde schon leicht rosa im Gesicht. Als ich ihm dann sagte, dass ich ihn vorher sprechen wollte und ich mich nicht ernst genommen fühle wurde er wütend, riss mir den Zettel aus der Hand und schrieb voller Wut das für ihn so schwierige Wort Transsexualität drauf, warf mir den Wisch auf den Rock, drehte sich ohne ein Wort um, ging hinter den Empfangstresen und holte sich die nächste Patientenakte. Im Rauslaufen sagte ich: so ein Idiot, der versaut mir die ganze Therapie. Der Arzt wurde knallrot im Gesicht. Der Gesichtsausdruck machte mir richtig Angst, so dass ich schnellstens aus dieser Praxis flüchtete. Nun suche ich erst mal einen neuen Hausarzt, was hier im ländlichen Raum nicht so einfach ist.

Ich wunderte mich, warum ich bisher noch keiner schwierigen Situation ausgesetzt war. Aha, zu früh gefreut. Im Sommer, es war heiß und ich trug noch eine Perücke, weil meine Haare zu kurz waren. Mit einem Haselnusseis in der Hand schlenderte ich durch die Straße. Vor mir eine Transporter der Post. Hinter mir kam ein Paketbote aus einem Geschäft und sagte: jetzt laufen die Scheiß-Transen hier auch schon rum. Da ich damals noch keine begleitende Therapie hatte war ich mir nicht sicher wie ich darauf reagieren könnte. Ich wollte nicht wie ein Mann reagieren, sonst hätte ich gesagt: scheiß-Hetero. Ich wollte wie eine Frau darauf regieren, hatte aber keine Ahnung wie. Ich konzentrierte mich erst mal auf mein Eis und versuchte das Erlebnis weg zu schlecken. Zuhause angekommen saß ich da mit meinem ganzen Frust. Ich war nicht gefrustet, wegen diesem ungebildeten Rüpel; ich war gefrustet, weil ich als Mann und nicht als Frau wahrgenommen wurde. Da fiel mir ein, dass es bei der Post eine Beschwerdestelle gibt. Ich schrieb mir den Sachverhalt von der Seele und schickte den Brief ab. Mir war klar, dass dabei nichts heraus kommt, Hauptsache war, dass ich meinen Frust erst mal los war. Dennoch war die Sache für mich nicht erledigt. Wie hätte ich besser reagieren können? Ich hätte mit der Warum-Frage antworten können: warum sind sie so zu mir; ich habe ihnen doch gar nichts getan. Das hätte zwar dazu geführt, dass ein weiterer unqualifizierter Kommentar gekommen wäre, aber die Warum-Frage nagt am Gewissen des Gegenübers. Das wäre effektiver gewesen.

Zwischenzeitlich habe ich die ersten Termine in der begleitenden Therapie gehabt. Im Oktober habe ich einen Termin beim Endokrinologen und dann entscheidet es sich, ob ich eine HRT beginnen kann. Leider ist das aufgrund meiner Leber nicht ganz sicher.

Soweit erst mal zu den Erlebnissen der letzten 6 Monate. Aktuell besteht immer noch das Problem Ehe. Ich kenne viele Transfrauen, die krampfhaft versuchen am letzten sozialen Kontakt festzuhalten. Ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich mir unsicher bin, ob ich die Beziehung beende oder ob es als gleichgeschlechtliche Beziehung später noch eine Chance hat. Das ist im Moment noch offen und auf meinem transidenten Weg die größte Baustelle.

Zwischenzeitlich kam mir die Idee, es anderen gleich zu tun und einen dgti-Ergänzungsausweis zu beantragen. Das war dankenswerter Weise ein Fehler. Erst mal Antrag ausgefüllt und abgeschickt. Dann zur Bank, und den Ergänzungsausweis bezahlt, den Nachweis bei der dgti eingereicht. Monate nichts gehört, reklamiert und dann erfahre ich, dass der Antrag verloren gegangen sei. Also erneut Antrag gestellt und die Nachricht erhalten, dass der Ausweis zum Druck freigegeben wäre. Wieder passierte nichts, wieder reklamiert, wieder die Behauptung, dass kein Zahlungseingang feststellbar wäre, obwohl die Nachricht über den Zahlungseingang bei der dgti vorlag. Das fand ich unseriös und verzichtete auf den Ausweis. Das war eine gute Entscheidung, denn nun konnte ich üben, mich als transidente Frau selbst zu erklären, was das Selbstbewusstsein enorm gesteigert hat. Dafür kann ich der dgti sogar dankbar sein.

Sobald meine HRT beginnt und ich sie gut vertrage, werde ich noch die PÄ/VÄ beantragen. Ich habe mir schon Gutachter herausgesucht, aber das wird mir nicht viel nützen, denn das für mich zuständige Amtsgericht ist bekannt dafür, dass sie selbst den Gutachter bestimmen. Durch den Besuch einer Selbsthilfegruppe konnte ich schon so manchen Trick von Gutachtern entlarven, so dass ich mich mit Hilfe meines Trans-Lebenslaufs gut auf die kommenden Gutachtertermine vorbereiten kann.

Grr. jetzt bin ich aber sauer. Die Gründerin der Selbsthilfegruppe nahm nur mit ausgesuchten 3 Personen an der Demonstration Trans Pride teil. Ich bin deshalb sauer, weil ich sowieso öffentlich als Frau lebe und gerne an dieser Demo teilgenommen hätte. Die werde ich mir demnächst mal vorknöpfen. Entweder sie sagt es allen in der SHG, oder keiner geht hin, basta.

Bisher habe ich jedenfalls überwiegend positive Erfahrungen als Frau gemacht, einerseits in der Gesellschaft, andererseits bin ich plötzlich ruhiger und nicht mehr gewalttätig wie in der Zeit, als ich die Transidentität noch nicht akzeptieren konnte. Einzig und allein bleibt nun noch das Thema Ungeduld. Am liebsten wäre es mir, wenn ich morgen schon mit allem durch wäre.

 

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Zentrum für Geschlechtsangleichende Chirurgie in München-Bogenhausen erhält zweiten Standort

Das Zentrum für Geschlechtsangleichende Chirurgie, ansässig in der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen, erhält einen zweiten Standort im Stadtteil München-Pasing. Für die Patient_innen bedeutet die Eröffnung eine deutliche Erweiterung der OP-Kapazitäten und weniger Wartezeit bei gleichbleibend hoher medizinischer Qualität. Das Leistungsportfolio konnte außerdem durch die Erweiterung weiter vergrößert werden, so dass das Zentrum ab sofort alle wesentlichen chirurgischen Eingriffe unter einem Dach anbieten kann. Der Aufbau des neuen Standortes bedeutet gleichzeitig die Gründung eines neuen Klinikverbundes mit dem Namen „Dr. Lubos Kliniken“.

 

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>> Übersicht der Kliniken, die in Deutschland, die Geschlechtsangleichende Operation durchführen

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Gendertreff immer aktuell

Um die vielen Veränderungen, die die Gesetzgebung bietet mitzubekommen, müssen auch wir uns ständig weiterbilden und Kontakt zu anderen Selbsthilfegruppen halten. Immer eine gute Gelegenheit sind Symposien, die von Krankenkassen und Fachkliniken angeboten werden.

In diesem Jahr hatten wir die Gelegenheit, an einem Symposium für Genderdysphorie teilzunehmen. Das Klinikum Essen Mitte lud an zwei Tagen zu einem sehr anspruchsvollen Programm ein, welches verschiedene Operationsmethoden für angleichende Eingriffe vorstellte und die Entwicklungen der Trans*- Gesundheitsversorgung, die Entwicklung der S3 Leitlinien und die Herausforderungen der Selbstbestimmung und Partizipation behandelte.

Dazu waren viele Fachärzte, Psychologen/ Psychiater und Vertreter für Recht und Krankenkassen eingeladen.  Frau Professor Dr. Krege und Herr Professor Dr. Heß haben es geschafft, Kollegen wie Herrn Dr. Schaff, Dr. Lederbogen, Dr. Mengel, Dr. Liedl, Dr. Löwenberg, sowie Kliniken aus Bratislava, Lausanne  und viele andere nach Essen einzuladen.

Vielleicht sehen wir ja einige auf unserer Messe und Fachtagung am 25. April 2020 in Erkrath wieder.

Des Weiteren hatten wir die Möglichkeit, auf einem Symposium für Gesundheitskompetenz, welches die AOK Rheinland / Hamburg in Grevenbroich angeboten hat, unsere Kontakte zu pflegen und zu erweitern.

Gesundheitskompetenz? Was ist das eigentlich? Das war die Eingangsfrage, die gar nicht so einfach zu beantworten war. Sicher ist, dass Patienten, die ihre Krankheit und Probleme kennen und mit ihnen umgehen können, weit weniger Probleme haben, durch das Leben zu gehen und auch noch eine gute Lebensqualität zu haben. Ein wichtiger Punkt ist die Selbstsicherheit, die wir ja bei jeder Gelegenheit ansprechen und die ein Meilenstein für Lebensqualität ist.

Beeindruckend waren auch die Gespräche mit anderen Selbsthilfegruppen, die zahlreich auf dem Symposium vertreten waren. Egal ob Rollstuhlfahrer, Diabetes, anonyme  Alkoholiker, Taubblinde, Adipositas, MS und ganz viele andere: Alle haben ihre Geschichte und Erfahrungen, die rege ausgetauscht wurden.

Ganz wichtig war die Zusammenarbeit von Selbsthilfebüros und Verbänden mit den einzelnen Selbsthilfegruppen, die ein flächendeckendes Netzwerk an Informationen führen, zusammenhalten und fördern.  

Auch 2020 bleiben wir mit Sicherheit am Ball, damit immer die aktuellsten Informationen zur Verfügung stehen.

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