M-Day Kapitel 5

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 5

Februar 2013

Nachdem es mir wieder besser ging, hatte ich am 04.02. dann tatsächlich meinen ersten Arbeitstag im neuen Job. Ich habe dann sofort noch das Gespräch mit meinem Gruppenleiter nachgeholt und bei der Personalabteilung nach einem Gesprächstermin angefragt.

Am 14. 02. hatte ich das Gespräch mit der Personalabteilung und der Betriebsrätin. Es ging um das weitere Vorgehen in meiner Angelegenheit.
Das Gespräch verlief nicht so wie ich es mir dachte…

Zunächst ging der Personalchef davon aus, dass ich bereits einen Antrag auf Namens- und Personenstandänderung gestellt habe. Und dass dieser Vorgang bereits so weit fortgeschritten ist, dass diese Änderung in wenigen Wochen kommen würde. Ich musste ihm aber sagen, dass ich diesen Antrag bis jetzt noch nicht gestellt habe und dass es dann noch ca. 6-12 Monate dauern könnte, bis die gerichtliche Entscheidung kommt.

Dies machte das Ganze dann komplizierter als gedacht. Er meinte nämlich, dass ich noch warten sollte, bis die Personenstandsänderung rechtsgültig ist und dann die Firma darüber informiere. Genau so wie z.B. eine Nachnamensänderung nach einer Heirat bekannt gegeben wird. Aber so wird es nicht funktionieren.

Er erzählte mir, dass er in Vorbereitung auf dieses Gespräch selbst ein Gespräch mit unserer Geschäftsführerin geführt hat. Sie ist Amerikanerin und hat deshalb sehr strikte Vorgaben gemacht: Keine Änderung des Namens in der Firma, so lange dies nicht amtlich geschehen ist, auch keine Mitteilung vorab darüber. Und ich muss die Herren-Toilette benutzen, solange die geschlechtsangleichende Operation nicht erfolgt ist.

Das sind nun keine so guten Voraussetzungen, aber naja, so ist es eben.

Ich wendete ein, dass es doch sicherlich besser wäre, alle Kolleginnen und Kollegen vorzubereiten. Mir wurde gesagt, dass dies eine Management-Entscheidung ist und daran ist nichts zu rütteln.

Also besprachen wir, welche anderen Optionen wir haben. Wir sind überein gekommen, dass ich weiterhin die Kollegen einzeln bzw. in kleinen Gruppen persönlich informieren werde. Und zwar nur die, die in meiner Abteilung arbeiten.

Was die Toiletten-Frage angeht, so habe ich meine Bedenken geäußert, weiterhin die Herren-Toilette benutzen zu müssen. Aber eine Benutzung der Damen-Toilette ist aus Gründen der Firmen-Ethik ausgeschlossen. Aber man soll niemals nie sagen…

Auf dem Flur, in dem mein Büro liegt gibt es „nur“ 3 Frauen. Und wenn diese 3 kein Problem damit haben, dass ich „ihre“ Toilette benutze, dann könnte man eine Ausnahme machen. Man muss das ja zunächst nicht an die große Glocke hängen…

Also sieht der Plan so aus:

Ich informiere nach und nach die restlichen Kollegen. Parallel werde ich die Gespräche mit den Damen in unserem Flur führen, was die Toiletten-Frage angeht.

Sobald das geschehen ist, werde ich noch einmal ein Gespräch mit meinen unmittelbaren Vorgesetzten führen. In diesem Gespräch werden wir dann genau festlegen ab wann ich als Frau arbeiten gehen werde.

Mein Frauenname -Marina- wird bis zur Personenstandsänderung als ein interner Spitzname betrachtet und erscheint auf keinem Schriftverkehr nach außen.

Ich habe sowohl der Personalabteilung als auch dem Betriebsrat die Genehmigung gegeben, über mich zu informieren, wenn sie gefragt werden. Und die Fragen werden kommen, spätestens wenn ich irgendwann mal Mittags in der Kantine sitze. Denn der Rest der Firma wird ja erst einmal nicht offiziell informiert.

So benutze ich meine direkten Kollegen dazu, die Neuigkeit in der Firma zu verbreiten. Wer mehr wissen will kann mich ja ansprechen. Dann erkläre ich das Ganze sehr gerne.

Nach relativ kurzer Zeit wird es dann sowieso die ganze Firma wissen. Wichtig ist, dass meine Arbeit genau so weiter geht wie bisher.

Wenn ich so zeigen kann, dass sich für die Firma nichts verändert, außer dass ich als Frau lebe, dann werden wir vielleicht auch jener amerikanischen Geschäftsführerin zeigen können, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Mein Leitspruch ist ja sowieso: Es gibt unendlich viele Grautöne zwischen Schwarz und Weiß.

Alles in allem war es doch ein sehr positives Gespräch. Es gibt nun einen Plan, der umsetzbar ist. Und mit der Umsetzung werde ich umgehend beginnen….

Gesagt, getan…. In den folgenden 2 Wochen habe ich von Büro zu Büro in unserer Abteilung vorgearbeitet und die Kollegen und Kolleginnen in Einzelgesprächen und kleinen Gruppen informiert. Immer mit meiner Bildercollage und unserem Flyer. Niemand hat damit ein Problem, im Gegenteil, man hat mir immer wieder den Respekt ausgesprochen.

Am Mittwoch den 20.02. hatte ich das Gespräch mit dem Werkstattleiter. Er ist ein noch recht junger Kollege, den ich noch als Lehrling kennengelernt hatte, als ich damals zu meinem jetzigen Arbeitgeber kam. Naja, er kannte natürlich auch all die Gerüchte über mich und war nicht überrascht. Im Gegenteil, er bezeugte mir Respekt für meinen Mut und sagte mir, dass er kein Problem hat und denkt, dass seine Leute genauso wenig ein Problem haben werden. Da er ohnehin eine große Abteilungsrunde für den Dienstag den 26.02. angesetzt hatte, meinte er, dass dies die beste Gelegenheit wäre, alle in der Werkstatt zu informieren.

In der folgenden Woche war es dann so weit. Nachdem sich alle um 13 Uhr im Konferenzraum versammelt hatten, hatte ich das erste Wort. Wie bei allen meinen bisherigen Outings in persönlichen Gesprächen habe ich mit einem Bild angefangen, einer Collage aus 4 Bildern von mir, die ich mit dem Beamer an die Wand geworfen habe.

Ich habe meine üblichen Erklärungen losgelassen und dann noch unseren Flyer mit dem Beamer gezeigt. Und auch dazu ein bisschen was erklärt. Dann habe ich noch die verschieden Fragen der Kollegen beantwortet. Auch alle diese Kollegen fanden meinen Schritt sehr mutig und gut so.

Mit dem Informieren der Werkstatt war ich dann auch komplett mit meiner Abteilung durch. Also habe ich im Anschluss gleich noch das Gespräch mit meinem Vorgesetzten gesucht, um abzustimmen, ab wann ich denn „darf“. Beide sagten, das es ihnen egal ist, und ich das selbst festlegen kann. Also sagte ich mir, wozu noch warten? Morgen geht es los!

Der M-Day war gekommen. Marinas erster Arbeitstag am Mittwoch den 27.02.2013

Der erste Arbeitstag war aber im Endeffekt auch nicht anders als alle anderen. Ich saß an meinem Schreibtisch und habe überwiegend Emails beantwortet. Mittag war ich in der Kantine…Nichts passierte, gar nichts, außer dass unsere Betriebsrätin mich beim Vorbeigehen anlächelte und mir die Schulter drückte.

Im Versand hatte mich die eine Kollegin zuerst gar nicht erkannt. Und dann sagte sie mir, dass sie es gut findet und ich so deutlich besser aussehe.

Verschiedene andere Kollegen aus anderen Abteilungen kamen im Laufe des Tages im Büro vorbei. Von allen habe ich nur wieder den Respekt ausgedrückt bekommen und dass sie es gut finden, was ich da tue.

Inzwischen ist schon die erste komplette Woche vergangen. Es hat sich kaum etwas verändert auf der Arbeit, außer dass ich mich so wohl fühle wie nie zu vor.

Manche Kollegen bemühen sich, mich konsequent Marina zu nennen. Die überwiegende Mehrheit ruft mich noch mit meinem Männernamen. Bei meiner Familie ist es im wesentlichen genauso. Naja, es ist noch ganz frisch und ich möchte auch nichts forcieren. Das wird noch kommen, da bin ich mir sicher. Jedenfalls geht es mir so gut wie noch nie.

In der Toiletten-Frage musste ich eine gewisse Niederlage hinnehmen. Eine von den drei gebürtigen Frauen im Flur hat ihr Unbehagen geäußert. Also heißt es doch die Männertoilette benutzen. Na egal, auch das kann sich ja irgendwann mal noch ändern.

Als ich mich vor 3 Jahren und 3 Monaten beim Gendertreff angemeldet habe, hatte ich schon viele Geschichten über Outings gelesen. Wie gut und einfach es im Endeffekt war. Ich habe solche Geschichten verschlungen und mir gleichzeitig gesagt, dass ich das niemals erleben werde. Dass so etwas bei mir unmöglich ist. Und nun ist es geschehen, ich habe genau das geschafft, was ich für völlig unmöglich gehalten habe.

Allen, die dies lesen, möchte ich Mut machen, niemals aufzugeben. Das Leben kann manchmal ungeahnte Wendungen nehmen. Und manchmal lösen sich auch die größten Probleme wie von selbst. Gebt nicht auf! Das Leben kann so schön sein, wenn man sich nicht unterkriegen lässt.

Liebe Grüße
Marina

TRANSITION

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M-Day Kapitel 4

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 4

Januar 2013

Am 07.01.2013 war nun das Vorstellungsgespräch für die neue Innendienst-Stelle. Ich war als 3. von drei Bewerbern dran. Für die Firma ist natürlich noch „er“ aufgelaufen. Noch ist es nicht so weit bei mir.

Zum Gespräch waren anwesend: der Leiter Service-Support, der Gruppenleiter EU-Support, die Betriebsrätin und eine Dame aus der Personalabteilung (HR). Das Gespräch ging 45 Minuten. Ich wurde über alles mögliche ausgefragt, vor allem natürlich, warum ich aus dem Außendienst heraus will. Die Dame von HR bohrte so ein bisschen auf der Tatsache herum, dass ich ja noch nie wirklich im Innendienst gearbeitet habe. Das stimmt aber nur zum Teil. In früheren Jahren habe ich auch viel Innendienst gemacht, weil niemand außer mir bestimmte Geräte kennt. Alles in Allem glaube ich, habe ich mich ganz gut verkauft.

Eine Entscheidung steht aber noch aus, die soll aber im Laufe der Woche fallen.

Etwa 30 Minuten nach dem Gespräch klingelte mein Handy. Der Leiter Service-Support war dran und fragte mich, ob ich noch im Haus bin. Ich stand gerade in der Werkstatt und hielt ein Schwätzchen mit ein paar Kollegen. Er bat mich noch einmal in den Besprechungsraum zu kommen. Dort wurde mir gesagt, dass man sich bereits für mich entschieden hat, es gab nur noch ein paar Punkte hinsichtlich Gehalt und Firmenwagen zu klären.

Beim Vorstellungsgespräch hatte ich nämlich gesagt, dass ich nicht mehr Geld als jetzt fordere, aber mich auch nicht mit weniger als jetzt zufrieden gebe. Eine weitere Bedingung ist, dass ich den Firmenwagen behalte, denn das Auto ist ja auch ein Teil meines Gehalts. Ich habe alle meine Forderungen durchsetzen können.  Nur soll ich noch eine Weile stillschweigen bewahren, bis es offiziell bekannt gegeben wird.

14 Tage später nahm ich an einem 2-tägigen Abteilungstreffen teil. Anwesend waren alle Techniker aus dem Bezirk Mitte. Am Montag Abend, nach dem Abendessen, sind wird dann alle an der Hotelbar versumpft (wenn der Chef schon mal alles bezahlt… ).

Zu später Stunde, oder vielmehr zu früher Stunde, saß ich mit zwei Kollegen zusammen. Einer davon ist in meiner zukünftigen Abteilung, der andere ist auch Techniker im Außendienst, aber schon sehr sehr lange dabei. Da ich so nach und nach alle über meine Transidentität informieren möchte, wollte ich die Gelegenheit nutzen und den beiden Marina vorstellen. Dazu habe ich ein paar Bilder von mir gezeigt.

Der ältere Kollege meinte nur, dass er das schon seit mindestens ein paar Monaten weiß. Er, und auch alle anderen Techniker aus dem Bezirk kennen meine Bilder schon, sie kennen Gendertreff.de und wissen, dass ich Marina bin.

….Sprachlosigkeit…..Schock…..

Dann sagten mir beide, dass nicht einer meiner Kollegen irgend ein Problem damit hat. Sie waren sich nicht sicher, aber auch meine zukünftigen Vorgesetzten wissen vermutlich schon Bescheid. Aber wie gesagt, sie sind sich da nicht sicher.

Am Freitag 25.01. habe ich nun endgültig meine Vertragsänderung unterschrieben. Dazu bin ich gleich morgens in die Firma gefahren. An dem Morgen ging es mir allerdings nicht sehr gut, ich merkte schon am Abend zuvor, dass eine Erkältung im Anmarsch ist.

Unmittelbar nach der Unterschrift redete ich noch mit meinem neuen Abteilungsleiter, den ich im Übrigen auch schon 12 Jahre kenne. Neben unserem Flyer gab ich ihm noch eine Bildercollage, die ich extra dazu angefertigt habe.

Nach ein paar zusätzlichen Erklärungen meinte er nur zu mir, dass es für ihn keine Rolle spielt. Für ihn zählen nur die im Arbeitsvertrag vereinbarten Leistungen, daran werde ich gemessen. So lange ich diese erbringe, ist alles in Ordnung.

Mein künftiger unmittelbarer Vorgesetzter, der Gruppenleiter Support, war aber an dem Tag nicht im Büro. Also habe ich zunächst erst einmal alle 4 Kollegen, mit denen ich zukünftig in einem Raum sitzen werde, informiert. Wobei zwei es ja schon wussten. Die anderen beiden haben aber ganz genau so reagiert wie alle anderen Kollegen von mir: Es ist uns egal, denn du bleibst ja der selbe Mensch. Und wenn du dich wohl fühlst, dann ist es OK.

Am Freitag Abend hatte ich bereits Fieber. Deshalb bin ich noch in die Notfall-Sprechstunde meines Hausarzt gegangen. Jetzt bin ich erst einmal bis zum 01.02. krank geschrieben. Das Schlimmste habe ich aber wohl schon hinter mir, immerhin habe ich kein Fieber mehr.

Da ich nun krank bin, konnte ich heute nicht das Gespräch mit meinem Gruppenleiter führen, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Also habe ich mein „Outing“ heute mal ausnahmsweise per Email gemacht. Ich ziehe es natürlich vor, dies persönlich in einem 4-Augen Gespräch zu tun, aber das geht halt im Moment nicht. Auf der anderen Seite wollte ich die Angelegenheit nicht zu lange liegen lassen.

Mein neuer Gruppenleiter ist Niederländer. In seiner Antwort entschuldigte er sich zuerst für das schlechte Deutsch, aber er schrieb mir klar und deutlich, dass er meinen Schritt sehr mutig findet und mich in jeder Hinsicht unterstützen wird. Wenn ich nächste Woche wieder in der Firma bin, dann werden wir noch ein persönliches Gespräch führen.

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M-Day Kapitel 3

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 3

Dezember 2012

In den folgenden 4 Wochen bin ich nur einem Nachbar-Ehepaar begegnet, das ein paar Häuser weiter weg in der Straße wohnt, aber gute Freunde meiner Mutter sind. Sie hatten mich zuerst gar nicht erkannt. Ich habe ihnen kurz erklärt was los ist und habe noch ein Kompliment für mein Aussehen bekommen. Die beiden hatten auch nicht viel Zeit, der Hund musste Gassi gehen…

Die Nachbarn von gegenüber haben mich inzwischen bestimmt schon zig mal gesehen. Aber die schauen mich mit dem (Hinterteil) nicht mehr an, geschweige denn, dass sie grüßen. Egal, dann eben nicht…. Bee de Hänn moan (auf gut fuldisch Platt: „Wie die Herren meinen“, im Sinne von „ist mir doch egal“  )

Mitte Dezember  hat es zwei wichtige Ereignisse gegeben:

1. Ich habe mich hausintern auf eine andere Stelle beworben. In der neuen Position würde ich im Innendienst arbeiten und zwar als Supportingenieur(in) für die Gerätegruppen, die ich bisher schon im Außendienst betreut habe. Die neue Stelle wurde ziemlich überraschend ausgeschrieben, als bekannt wurde, dass die bisherige Supportabteilung von Genf hier nach Düsseldorf verlegt wird. Und das zum 01.01.13, also reichlich kurzfristig. Auf der einen Seite finde ich es grauenhaft, wie im Konzern mit Leuten umgegangen wird, denn den Schweizer Kollegen wurde am 01.12. mitgeteilt, dass am 31.12. ihr Letzter ist. Auf der anderen Seite ist es eine Chance für mich. Eine Chance dem inzwischen fast unerträglichen Druck im Außendienst zu entkommen und auch meine eigenen Wünsche zu realisieren, aber dazu mehr unter 2.

2. Ich hatte endlich das Gespräch mit Frau W. vom Betriebsrat. Bedingt durch meine Außendiensttätigkeit und Erkrankungen ihrerseits hat es erst im 6. Anlauf geklappt mit dem Gesprächstermin. Frau W. war schon vor einem ½ Jahr von meiner (inzwischen ex-)Kollegin Frau G. (in Rente) auf den/die AGG-Beauftragte(n) angesprochen worden. Diese Stelle gibt es aber in unserem Unternehmen nicht, warum auch immer… Jedenfalls fing ich unser Gespräch mit einem Bild von mir an. Sie war nicht einmal ansatzweise erstaunt, im Gegenteil, ich bekam erst mal ein Kompliment, wie gut ich aussehe. Dann sagte sie mir, dass sie sich aufgrund von Gerüchten schon einmal im Vorfeld über Crossdressing und Transvestismus im Internet erkundigt hat. Ich machte ihr dann aber erst einmal klar, dass es bei mir schon mehr als „nur“ Crossdressing ist, dass ich außerhalb der Firma und der Firmengelände meiner Kunden nur noch als Frau lebe.

Natürlich habe ich ihr erst einmal unsere beiden Flyer gegeben und meinen dgti-Ausweis. Auch habe ich ihr gesagt, dass ich seit 1½ Jahren in psychotherapeutischer Behandlung bin und aktiv hier im „Gendertreff-Vorstand“ ehrenamtlich mitarbeite. Das alles um klar zu machen, dass es mir damit sehr ernst ist.

Das ganze Gespräch ging über eine Stunde. Am Ende sagte mir Frau W., dass sie mich auf meinem weiteren Weg unterstützen wird. Am morgigen Donnerstag wird sie meinen Fall dem Betriebsrats-Gremium vorstellen. Dazu habe ich ausdrücklich meine Zustimmung gegeben. Und im neuen Jahr werden wir meinen Fall dann wohl bei der Personalabteilung vortragen. Ab dem 01.01.2013 ist unser bisheriger Betriebsratsvorsitzender der neue Personalchef, und mit dem hatte ich ja schon vor Monaten mal ein Gespräch geführt, also er weiß sowieso schon Bescheid.

Eine Woche später wurde mir mitgeteilt, dass ich am 07.01.2013 das Vorstellungsgespräch für die neue Stelle haben werde. Dazu hatte ich mehrere Gespräche mit dem Betriebsrat. Es ging um eben jenes Vorstellungsgespräch am 07.01. und wie wir am besten vorgehen werden. Jedenfalls habe ich die Unterstützung des Betriebsrats auf meinem weiteren Weg.

Unsere provisorische Betriebsratsvorsitzende bestätigte mir noch einmal, dass eigentlich schon seit langem die ganze Firma mehr oder weniger über mich Bescheid weiß, zumindest aber meine „exzentrischen“ Kleidungsvorlieben kennt. Und auch, dass ich schon das eine oder andere Mal Thema in Besprechungen der Geschäftsleitung war.

Ich habe gefragt, warum mich niemals irgendjemand angesprochen hat. Und sie sagte mir, dass sich vermutlich niemand getraut hat, etwas zu sagen.

Sie ist auch der Meinung, dass es besser ist, wenn ich in den Innendienst gehe. Leider bestehen gewissen Bedenken, dass transidente Menschen einen negativen Einfluss auf die Kundenbeziehungen haben könnten. Leider ist die Welt der Industrie in der Beziehung noch zu konservativ.

Nach Rücksprache mit dem Betriebsrat-Gremium wurde mir geraten, das Thema Transidentität aus meinem Vorstellungsgespräch herauszuhalten.

Die Weihnachtsfeiertage habe ich als Frau verbracht. Das erste Weihnachten, an dem ich nur ICH war. Kein Verstecken, kein Umziehen, nur weil Verwandte oder Bekannte zu Besuch kommen. Nur noch Marina.

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M-Day Kapitel 2

“M” steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 2

November 2012

An meinem Geburtstag, Mittwoch der  07. November 2012, war ich auf Geschäftsreise, wie so oft. Eigentlich war es mein Fehler, dass ich da keinen Urlaub oder Ausgleich genommen habe. Und so habe ich den Abend alleine in einem langweiligen Hotelzimmer in Bad Dürkheim verbracht. Mit Langeweile und Depressionen.

Immerhin konnte ich an dem Tag so weit vorarbeiten, dass ich am Donnerstag morgen nur noch nach Hause fahren musste und somit einen ½ Tag frei hatte. Deshalb habe ich ganz spontan meine engsten Freunde zu mir zum Abendessen eingeladen. Ich habe gekocht und es wurde ein sehr schöner Abend für alle.

An diesem Wochenende dann bin ich zur Familie Heim gefahren. Mir hat allerdings die Aussicht das ganze Wochenende wieder den Sohn geben zu müssen überhaupt nicht geschmeckt. Überall sonst kann ich so sein wie ich will, nur in meinen eigenen 4 Wänden nicht? Das kann und will ich nicht mehr hinnehmen. Aber ich hatte so viel Angst davor genau das durchzuziehen. Am Freitag Abend hatte ich noch eine Sitzung bei meiner Psychotherapeutin. Das 1-stündige Gespräch hat mir aber solch eine innere Stärke gegeben, dass ich meinen Plan doch durchgezogen habe.

Als ich am Samstag morgen mit meiner Mutter wieder auf dem Weg zum einkaufen war, sagte sie mir, ich solle noch meine eine Tante mit für Sonntag einladen. Daraufhin sagte ich ihr, dass wir sie dann aber auf Marina vorbereiten sollten. Meine Mutter sagte: „Muss das sein?“ und ich sagte: „Ja, es ist schließlich meine Geburtstagsfeier“ und damit war das Thema erledigt. Meine Tante konnte aber nicht am Sonntag zum essen kommen, sie hatte schon etwas anderes vor. Also haben wir sie spontan zum Abendessen eingeladen.

An meinem Plan ihr Marina vorzustellen habe ich dennoch festgehalten. Am Abend habe ich mich dann zurecht gemacht. Als mich mein Stiefvater dann so sah hat er nur ganz kurz die Augen rollen lassen. Das war alles. Meine Tante war zuerst etwas schockiert, aber ich habe ihr erklärt was mit mir los ist. Daraufhin meinte meine Tante, dass es Ok ist wenn ich mich dabei wohl fühle, nur sollte ich mich „so“ nicht im Dorf sehen lassen…. wegen den „Leuten“….

Am Sonntag kam dann mein Bruder mit Partnerin. Wir saßen im Wintergarten, der von den Nachbarn gegenüber einsehbar ist. Passiert ist absolut nichts. Später bin ich dann noch zum Kaffee zu meinem Vater gefahren. Der weiß ja auch Bescheid und akzeptiert mich so wie ich bin.

Am darauf folgenden Donnerstag, den 15. November hatte dann meine Mutter Geburtstag. Ich bin Abends direkt von der Arbeit gekommen. Da alle Nachbarn und ihre Freunde anwesend waren musste ich wieder den lieben Sohn geben….

Am darauf folgenden Sonntag haben wir den Geburtstag meiner Mutter nach gefeiert. An ihrem eigentlichen Geburtstag letzten Donnerstag konnte mein Bruder leider aus beruflichen Gründen nicht kommen. Und so ist er eben erst heute zusammen mit seiner Partnerin deren Mutter (also die Vielleicht-Schwiegermutter) zum Mittagessen gekommen.

Ich hatte mir für das Essen schon was schönes heraus gelegt: Ein graues Strickkleid mit schwarzen Leggings. Ja, auch zu diesem Essen war Marina anwesend. Die Mutter der Partnerin meines Bruders weiß sowieso schon seit letztem Jahr Bescheid, also wozu verstecken?

Wir saßen also im Wintergarten und haben ein sehr leckeres Mittagessen verspeist (Schnitzelchen mit Spargel, Herzoginkartoffeln und Edelpilzsauce). Unser Wintergarten ist aber von unseren Nachbarn gegenüber einsehbar. Mir war jedenfalls schon letzte Woche, und heute auch aufgefallen, dass die Nachbarin immer wieder herüber geschaut hat. Und wie schon letzte Woche auch haben die mich garantiert gesehen.

Da es im Wintergarten ein bisschen eng ist mit 6 Leuten sagte meine Mutter, ich solle außen herum gehen, wenn ich mal ins Haus musste. Das bedeutet, dass mich die Nachbarin voll sehen kann. Ich fragte meine Mutter, ob sie das wirklich ernst meint und sie sagte: „Ja, inzwischen ist es mir egal“. Wow… damit hatte ich nun gar nicht gerechnet.

Später dann als sich unsere Gäste verabschiedet haben bin ich nicht mit zur Tür gegangen, aber meine Mutter sagte, ich soll ruhig kommen. „Wenn die Nachbarn was wissen wollen, dann sollen sie eben fragen“. Und so stand ich zusammen mit meiner Mutter vor der Haustür und habe unsere Gäste verabschiedet. Wow, noch so ein Hammer.

Ich hatte meine Mutter wohl auch falsch eingeschätzt. Sie weiß genau, wie wichtig mir Marina ist und sie merkt ganz genau, wie gut es mir tut. Und nun scheint sie sogar den Punkt erreicht zu haben, an dem sie sogar im Dorf zu mir steht, so wie ich bin. Ich hoffe nur, dass sie nicht wieder ihre Meinung ändert.

Beim Abendessen habe ich meine Mutter noch mal konkret darauf angesprochen, was das denn nun für mich heißt. Ob ich mich jetzt nicht jedes Mal umziehen muss kurz bevor ich ins Dorf komme. Und Ja, genau so ist es; ich kann so ein- und ausgehen wie ich will.

Ich meinte, dann sollte ich die Nachbarn aktiv ansprechen und denen erklären was los ist. Komischerweise will sie das aber nicht. Na gut, dann erkläre ich es eben, wenn ich angesprochen werde. Ist mir auch recht.

>> M-Day Kapitel 3

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M-Day Kapitel 1

„M“ steht hier für Marina, die von ihren kleinen Schritten 2.0 berichtet:

M-Day oder manches Mal entwickeln sich die Dinge schneller als als man es selbst für möglich hält.

Kapitel 1

Juli bis Oktober 2012

Mitte 2012 hatte ich so das Gefühl, ich habe alles das erreicht, was unter den Umständen überhaupt machbar war. Meine engste Familie wusste Bescheid, aber der weitere Kreis, also die Cousins, Cousinen und die Stiefgeschwister sollten ja nichts mitbekommen. Ebenso sah es mit den Nachbarn in meinem Heimatort aus. Meine Eltern hatten panische Angst, das irgendjemand von denen etwas merken könnte. Der gute Ruf im Dorf… usw.

Bei meinem Arbeitgeber hatte ich ja auch schon mal vorsichtig vor gefühlt. Aber schon unser Betriebsrat sagte mir, dass es auf keinen Fall gehen würde. Transident mit unmittelbarem Kundenkontakt, das geht gar nicht.

Na klar hätte ich mich nach einem anderen Job umsehen können, aber mir hat meine Arbeit immer sehr viel Freude gemacht, auch wenn es durch die viele Fahrerei und das ewige Leben aus dem Reisekoffer eine ziemliche körperliche und seelische Belastung war.

Zwar konnte ich vor und nach der Arbeit immer Marina sein, dafür saß ich aber auch so gut wie jeden Abend alleine in einem Hotelzimmer in einer fremden Stadt.

An den Wochenenden, an denen keine Veranstaltung des Gendertreff war, war ich dann immer bei meinen Eltern. Und dort musste ich mir Marina größtenteils ebenfalls verkneifen. Zum Einkaufen mit der Mutter in der Stadt, das war OK. Aber ich musste mich immer erst unterwegs umziehen, und kurz bevor wir nach Hause kamen noch einmal. Bei meiner Mutter zu Hause konnte ich mich dementsprechend auch im Haus nicht so geben wie ich es bevorzugt hätte.

Lange Zeit sah es so aus, als ob das nun auf Dauer so bleiben müsste. So musste ich mich mit dem Status Quo abfinden. Mehr Marina ging eben nicht. Zufrieden war ich damit aber nicht einmal ansatzweise. Und dass ich nicht zufrieden, bin machte ich immer deutlich.

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Oh du fröhliche, oh du seelige….

Zu Hause das erste Mal „Marina“ über die Weihnachtsfeiertage:

Die Weihnachtsfeiertage sind nun auch schon wieder vorbei. Das erste Weihnachten, an dem ich nur ICH war. Kein Verstecken, kein Umziehen, nur weil Verwandte oder Bekannte zu Besuch kommen. Nur noch Marina….nur noch Marina….nur noch Marina….

Ich bin am 23.12. kurz nach Mittag bei meiner Mutter in unserem kleinen Heimatdorf bei Fulda angekommen. Meine älteste Stiefschwester C. war kurz vor mir angekommen. So wie letztes Jahr auch, blieb sie über die Feiertage bei uns. Als es dunkel wurde, sind wir zum Weihnachtsmarkt nach Fulda gefahren. Eine Runde über den Markt und dann ein Glühwein. Eine Begebenheit gab es an einem Stand, an dem frisch gebackene badische Flammkuchen und frisches Brot verkauft wurden. Ich hatte mich angestellt, weil wir gerne ein frisches Brot und 2 Flammkuchen zum Glühwein haben wollten. Die Brote lagen schon fertig auf dem Tresen, die Flammkuchen waren noch im Ofen. Meine Mutter sagte zu dem Bäcker, dass sie schon mal das Brot mitnimmt. „ER“ würde warten bis die Flammkuchen aus dem Ofen kommen und dann alles bezahlen. Der Bäcker fragte „wer ER?“, meine Mutter sagte „Na hier, der Gentleman“ und zeigte auf mich. Ich sagte dann „Ja, ist schon gut, ich zahle dann alles zusammen“. Meine Mutter weigert sich auch sonst hartnäckig, mich „Marina“ oder „sie“ zu nennen. Ich verstehe ja auch, dass es für eine Mutter sehr schwer ist zu akzeptieren, dass aus ihrem Sohn eine Tochter wird. Deshalb sage ich nichts dazu und versuche das zu ignorieren, so schwer es mir auch fällt. Meine Mutter kann man zu nichts zwingen. Ich hoffe ja, dass sie mich eines Tages auch Marina nennen wird, genauso wie sie jetzt seit kurzem Marina auch zu Hause zulässt. Weh tut es mir aber trotzdem, aber ich kann warten…

Am 24.12. haben wir den Baum geschmückt und die nächsten Tage vorbereitet. Um 17 Uhr ging es dann zur Christmette ins Kloster Hünfeld. Auch da gibt es für mich keine Ausnahme, denn ich bin zwar katholisch erzogen worden, aber streng gläubig bin ich nie gewesen.

Nach der Kirche haben wir zu Abend gegessen; Schnitzel mit Waldpilzsauce und Kroketten.

Dann gab es die Bescherung. Ich bekam ein 6-teiliges Espresso-Service für meine Wohnung, ein Buch über die Geschichte Deutschlands und eine Sweathose für zu Hause. Meiner Schwester und dem Stiefvater haben wir eine Reise nach Hamburg mit Besuch des Miniatur Wunderland Ende Mai geschenkt. Später saßen wir noch zusammen im Wintergarten bei einem Glas Wein und haben uns über dies und das unterhalten. Es war alles in allem ein schöner Abend

Am 25.12. haben wir spät gefrühstückt und dann angefangen, das Mittagessen mit meinem Bruder D. und seiner Partnerin S. vorzubereiten. Mein Bruder kam sogar fast eine ½ Stunde zu früh. Er hatte sich nämlich in der Uhrzeit geirrt. Das Familientreffen zog sich noch bis in den frühen Nachmittag, dann mussten die beiden weg. S. Vater hatte die beiden zum Abendessen eingeladen. Den Rest des Nachmittags haben wir mit Faulenzen, Nichts-Tun und Fernsehen verbracht.

Am 26.12. kam mein ältester Stiefbruder mit seiner Familie: seine Frau, seine zwei Söhne mit Partnerinnen und seine Enkelin, also die Urenkelin meines Stiefvaters. Es war auch das erste Mal, dass all diese Verwandten Marina zu sehen bekamen. Zusammengefasst habe ich keine negative Reaktion erlebt. Im Gegenteil, ich habe mehr als nur einmal Komplimente für mein gutes Aussehen bekommen. Ich habe mich so wohl gefühlt. Bis nach dem Kaffee blieben sie bei uns.

Zum Abendessen waren wir von meiner Stiefschwester L. nach Hünfeld eingeladen. Zu diesem Familientreffen kamen also alle drei Stiefschwestern mit ihren Familien. Auch hier habe ich wieder nur Komplimente bekommen, besonders von meiner Stiefschwester L. Ein durch und durch schöner Abend.

Ich fühle mich so wohl, wie noch nie zu vor in meinem Leben. Auch wenn mein Stiefvater noch ab und zu blöde Bemerkungen macht, so glaube ich, dass mich meine Familie so akzeptiert wie ich nun einmal bin. Ich werde niemandem den Namen „Marina“ aufzwingen. Außer meiner Stiefschwester L. nennen mich nämlich noch alle bei meinem Männernamen. Aber das ist schon OK. Ich kann und werde warten….

-Marina

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Marleen outet sich zu Hause

Marleen berichtet von ihrem Outing in ihrer Familie, wobei sie von ihrer Ehefrau tatkräftig unterstützt wird:

So Ihr Lieben, da bin ich wieder… 😉

Am letzten Wochenende wollte ich die Basis schaffen um auch zu Hause endlich als Frau leben und mich draußen zeigen zu können. Unsere Kinder sollten von Marleen erfahren. Am Samstag nach ausgiebigem Shopping mit meiner Liebsten – Marleen braucht ja demnächst mehr jobgeeignete Kleidung – haben wir bei Kaffee und Kuchen am Tisch gesessen und wollten die Sache angehen.

Meine Liebste nickte mir auffordernd zu, aber ich wusste nicht wie ich anfangen sollte, war das erste Mal mit einem Coming out komplett überfordert. Sabine hat dann erklärt was in mir vorgeht und wie ich mich verändere und das ich als Frau Marleen Anna Christine heißen werde.
Unser mittlerer Sohn (10) fing entsetzlich an zu weinen und ist nach draußen gerannt um sich im Garten zu verkriechen. Seine kleine Schwester (9) fing dann auch an zu weinen. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir das Herz in der Brust zersprang und ich ebenfalls in Tränen aufgelöst war. Die Kleine beruhigte sich aber schnell und kam dann zu mir auf den Schoss zum Kuscheln und zum Trösten. Eine der ersten Fragen war: „Bist du dann auch meine Mama?“ Ich musste schmunzeln und habe geantwortet, dass sie nur eine Mama hat und ich immer ihr Papa bleibe, auch wenn ich mich verändere und anders aussehe als die anderen Papas. Trotzdem sagte sie, sie wolle mich Mama 2 nennen. Mal sehen ob ich darauf höre.

Nach einer kurzen Weile kam unser Sohn wieder herein und Sabine konnte kurz mit ihm sprechen. Er sagte er habe Angst, dass Papa jetzt nichts mehr mit seiner Familie zu tun haben will und nicht mehr für alle da sei. Als er dann wieder zu uns kam, konnte ich ihm auch noch einmal in Ruhe erklären, dass meine Veränderung nichts mit meiner Liebe zu meiner Familie zu tun hat und ich noch immer alles mit ihm und seinen Geschwistern unternehmen kann und will, was wir bisher gemacht haben. Er hat sich dann schnell beruhigt und auch gleich begonnen mich mit typisch männlichen Vorurteilen über Frauen aufzuziehen. Beide haben gefragt, ob sie mit ihren Freunden darüber sprechen dürfen. Das habe ich Ihnen erlaubt, ich will nicht, dass sie sich mit einem „Geheimnis“ belasten, das in Kürze ohne hin Stadtgespräch sein wird.
Unser Großer (17) war mir eine sehr große Hilfe in der eben geschilderten Situation. Er saß neben mir, hat mich in den Arm genommen und gesagt, dass es für ihn OK wäre und er zu mir hält, ich solle mir keine Sorgen machen. Das tat richtig gut, vor Allem, da die Kleinen zunächst so entsetzt reagiert hatten.

Eine Stunde später war alles wieder normal und der Alltag ging weiter. Ab Freitag, wenn ich aus meinem „Wochenexil“ nach Hause komme lebt Marleen in unserer Familie und geht die Brötchen kaufen. Bin gespannt, wie schnell meine Veränderung in der Kleinstadt „rund“ ist und wie die Menschen, vor allem die, die mich als Mann kennen, auf mich reagieren. Ich hoffe nur, dass meine Kinder keinen Spott oder blöde Anmache ertragen müssen.

LG

Marleen

INHALTSVERZEICHNIS

Chrissies 18. Mai 2012

Autorin: Chrissie

Der gestrige Donnerstag war wiedermal geprägt von „Outings“. Vormittags machte ich mich auf den Weg zu meiner zehn Jahre jüngeren Schwester, die alleine einige Kilometer von uns entfernt wohnt. Telefonisch angemeldet mit dem Hinweis, dass ich wegen einer großen Veränderung in meinem Leben mit ihr sprechen müsste, war sie schon sehr neugierig darauf.

Obwohl die Sonne schien, war es eiskalt und so entschied ich mich dementsprechend gekleidet abzufahren. Also dunkle Damenhose, rosafarbener Pulli, schwarze halbhohe Pumps, Perücke und dezent geschminkt. Sie muss mich schon in die Einfahrt einfahren haben sehen, denn kaum stand der Wagen, war sie schon bei mir. Ungläubig, aber auch unsicher fragte sie: „Christian? Bist du das wirklich?“ Nach meinem Kopfnicken bat ich sie, ob wir nicht ins Haus gehen könnten. Hier betrachtete sie mich ausgiebig. Von oben bis unten und stellte dann „lakonisch, eher rein rhetorisch“ fest: „Das ist also deine Veränderung. Mein Gott, die ist aber wirklich nicht klein“.

Klar war ich zu Beginn wiederum äußerst unsicher. Wackelige Stimme und Beine. Und immer die gleich bohrende Frage, wird alles gut gehen? Gott sei dank legte sich die Aufregung und ich erzählte zum wiederholen Mal meine Geschichte, immer wieder unterbrochen von Fragen, die neue Antworten erforderten.

Wir unterhielten uns aber so gut, dass wir ganz die Zeit vergaßen und als sie auf die Uhr blickte, wars schon knapp 12:30 Uhr. So nahmen wir beide die Gelegenheit beim Schopf und gingen zum naheliegenden Italiener, um eine Kleinigkeit zu essen. Auch hier löcherte sie mich mit Fragen über Fragen, die ich zum Teil mir selbst noch nicht beantworten kann. Aber im gesamten Gespräch war kein einziger Vorwurf, kein böses Wort und schon gar keine Belehrungen ihrerseits. Und als ich mich verabschiedete wünschte auch sie mir alles Liebe, Gute und viel Glück im neuen Leben. Dass ich mich irre freute, als sie fragte, ob sie nächste Woche mal zum Nachschauen bei uns vorbei kommen könnte, ist leicht Untertrieben.

Am Spätnachmittag waren dann meine Schwiegereltern dran. Hier spürte nicht nur ich eine deutliche Reserviertheit, als sie sahen und hörten, was mit mir los ist. Aber was soll`s? Leben, arbeiten und zurechtkommen muss ja schließlich ich. Ebenso habe ich mir meine Transsexualität sicher nicht ausgesucht und so gingen die beiden denn mit noch vielen offenen, nicht ausgesprochenen Fragen. Also abwarten, was die Zeit hoffentlich bessern wird. Und mit der Zeit werde ich ja auch immer sicherer im Umgang mit mir und anderen. Und so gesehen war ich eigentlich recht froh, dass die Schwester meiner Frau für heute abgesagt hat.

Entschädigt für dieses nicht so optimal gelaufene Gespräch wurde ich wieder mal heute früh. Es ist ein nicht zu beschreibendes aber „Himmel hoch jauchzendes“ Vergnügen, wenn man nach dem Aufwachen überlegen kann, was man heute anzieht. Rock oder doch Kostüm, Hosenanzug oder nur leger, Bluse oder Pulli? Welches Tuch, welcher Schal würde dann passen? Und dazu welche Schuhe? Das sind dann Momente, die einem gefühlsmäßig so aufbauen.

Und, sorry, aber ich kann es nicht anders ausdrücken, aber ich bin stolz eine transsexuelle Frau zu sein. Mit all den Vorteilen aber auch Nachteilen.

So, genug für heute geschwafelt. Euch allen ein schönes, hoffentlich angenehm warmes Wochenende.

LG
Chrissie

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Suse und ihr Dorf

Nachdem Suse am 23.12.2011 von ihren Outings berichtet hatte, war nun ihr Heimatdorf dran.

So ihr Lieben, nach etwas längerer Zeit ist mal wieder ein diesmal etwas größeres Update angesagt.Zur Zeit meines letzten Updates war es ja so, dass das halbe Dorf hier gelesen (und Bilder geguckt) hat, und das ganze Dorf Bescheid wusste. Allerdings zum allergrößten Teil nur in der Theorie, d.h. die wenigsten hatten mich bis dahin mal live und in Farbe erlebt…

Beim Fußball war ich ja schon per Mail ausgetreten und auf den Spießrutenlauf durchs Dorf hatte ich auch nicht so wirklich Bock. Insofern haben mich eben nur meine Freunde, die direkten Nachbarn und evtl. ein paar indirekte Nachbarn gesehen.

Die Frage, die sich mir dann allmählich stellte war: Soll ich Karneval „the same procedure as every year“ machen oder mich geflissentlich aus allem heraushalten! Ich entschied mich für das Dinner for One…

Freitagabends ist Dorfdisco im Festzelt angesagt. Ich war mir nicht sicher, ob man mich im Dorf vielleicht als Hexe verbrennen würde und dachte mir, dass ich im Fall des Falles dann auch wenigstens so aussehen möchte!

Kurz gesagt, es war genauso schön wie immer mit dem zusätzlichen Effekt, dass ich so einige Gespräche mit Bekannten aus dem Dorf hatte, bei denen mir jeder von ihnen versicherte, damit üüüüüberhaupt kein Problem zu haben und dass ich mein Ding machen solle. Ok, wie ernst man solche Lippenbekenntnisse nehmen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben…

Samstags ist bei uns Ruhetag angesagt, da machen wir eigentlich nie was, da wir uns ja zum einen von freitags erholen müssen, zum anderen auf sonntags, den Hauptkampftag, vorbereiten müssen. Sonntags geht in Langel der Zug und für das kleine Dorf (bzw. sind es drei Rheindörfer) ist der Zug ziemlich groß und lang und schön. Meistens machen wir das so etwas fetenmäßig mit unseren Nachbarn unter uns (und einigen Freunden) zusammen, und da wir ca. 20 Meter vom Zugweg weg wohnen, stellen wir vorne an die Straße immer einen Stehtisch hin, einen Pavillon falls es regnen sollte und haben Fassbier und wenn es kalt ist etwas warmes (diesmal Hot Caipi) zu trinken. Drinnen gibt’s dann was zu essen. Zug war schön, ich war eigentlich nur präsent und zwar als Tigerin, was man zumindest daran sehen konnte, dass ich 9 cm Absatz unterm Schuh hatte…

Wenn dann der Zug vorbei ist, wird noch ein bisschen zu Hause (bzw. bei den Nachbarn) weiter gefeiert, bis alles gegessen und getrunken ist. Dann geht jeder noch dahin wo er möchte, die einen ins Zelt, die anderen in die Kneipe. Ich entschied mich, wie jedes Jahr, für die Kneipe. Kurz etwas anderes angezogen (die Tigerin war für die Kälte draußen ok, aber mit Fell in die warme Kneipe, nein danke!), und dann los. War ein schöner Restabend, hatte auch ein paar kleine Transgespräche zwischendurch, und letztendlich wusste jeder, das ich mich als Frau irgendwie verkleidet hatte und nicht als Frau verkleidet war. Das war mir schon wichtig!

Rosenmontag ist dann der nächste Ruhetag (man muss sich ja von sonntags erholen) und den Tag über haben wir zu Hause relaxed. Allerdings hatte ich abends Lust noch auf ein Bier in die Kneipe zu gehen, und das haben wir dann auch gemacht. Ich muss dazu sagen, dass Rosenmontag bei uns in der Kneipe von Karneval so gut wie nichts zu bemerken ist. Das ist wie ein ganz normaler Kneipentag, halt nur die Kneipe karnevalsmäßig geschmückt. Ansonsten gibt es kaum jemand, dem man ansieht, dass Karneval ist. Auch wir hatten uns dementsprechend nicht verkleidet… ich hatte nur ein T-Shirt mit einer Domkarikatur an, auf dem stand: „Jecke Wiever us Kölle“
An diesem Abend hatte ich echt ganz viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten.

Dienstagabend ist dann Nubbelverbrennung in unserer Dorfkneipe. Die war diesmal auch richtig toll (ist nicht immer so) und das Dorf hat viel mehr Akzeptanz gezeigt als ich das erwartet hätte, vor allem weil mir jeder mit dem ich mich über trans* unterhalten habe versicherte, dass es in Köln eigentlich kein Problem sei, aber hier auf dem Dorf… Und fast alle fanden meinen Schritt ziemlich mutig.

Ich wollte an Karneval dem Dorf eigentlich nur zeigen, dass ich mich nicht verstecke und zu dem stehe was ich bin und was ich tue, denn dadurch dass jeder es wusste, kam keiner auf die Idee, dass ich mich nur von Mann zu Frau verkleidet hätte.

Ok, aber letztendlich war es trotzdem „nur“ Karneval und ich wollte auf keinen Fall, dass die Leute auf die Idee kommen, ich würde mein Transsein nur einmal im Jahr an Karneval ausleben wollen!

Folglich habe ich nach Karneval das gemacht, was ich mir vor ein paar Monaten nicht im Traum hätte vorstellen können: Ich war seitdem ein paar mal an ganz normalen Tagen in unserer Kneipe. Gut, es kommen dann so Sätze wie von einer Bekannten an der Theke neben mir: „Ähm, warum siehst du denn so komisch aus? Karnval ist doch vorbei!“ Woraufhin ich antwortete: „Hör mal E., du willst mir jetzt nicht allen Ernstes erzählen, dass du die einzige im ganzen Dorf bist, die nicht Bescheid weiß?!“ „Nee, ich hab davon gehört.“
Also, es war einfach nur der Einstieg in das Gespräch um’s Thema, weiter nix, und das ist OK!

Als wir nach dem letzten Stammtisch im Brauhaus in Opladen im Dorf ankamen, hatte ich noch Lust ein Bier zu trinken, da ich ja den ganzen Abend über nur drei Kölsch getrunken hatte. Die Wirtin hatte echt eine enorm kurze Eingewöhnungsphase. Als wir rein kamen, stellte sie zwei Kölsch hin, machte zwei Striche auf den Deckel und schrieb „Suse“ oben drauf!

So, abschließend noch eine Sache, die ich recht spontan entschieden hatte, um das Dorf endgültig abzuarbeiten. Diese Woche Dienstag war ich nach der Arbeit als Mann in unserer Kneipe. Ein Bekannter (J. um die 70 Jahre alt) erinnerte mich daran, dass wir am Freitag Kartenspielen hätten (machen wir einmal im Monat). Ich erklärte ihm, dass ich da schon dran denken würde. Kurze Zeit später habe ich ihm dann mitgeteilt, dass ich als Frau zum Kartenspielen kommen würde und wenn er ein Problem damit habe, dann solle er es sagen, dann würde ich zu Hause bleiben. Nach 10 Sekunden Stille antwortete er: „Kein Problem, ich spiele auch mit Frauen!“ Folglich war Suse am Freitagabend erstmalig Kartenspielen. Kleine Anekdote am Rande: Ein anderer Mitspieler ist G., etwa im selben Alter wie J., der hatte mich noch nie als Frau gesehen und wusste nicht, dass ich so erscheinen würde. War aber auch kein Problem! Als wir die letzte Runde spielen wollte sagte ich: „Ich gehe vorher noch mal auf’s Klo.“ und G. antwortete: „Da komme ich mit.“ Ich: „Ich gehe aber auf das andere Klo!“ 🙂

Tja, jetzt ist das Dorf so weit abgearbeitet. Was man hinter meinem Rücken über mich erzählt, geht mir echt am hintersten Körperteil vorbei, aber ich habe den Eindruck, dass man sich schon irgendwie an mich gewöhnt hat, und ’ne Dorftranse hat hier echt Premiere, die gab es noch nicht vorher… 🙂

Jedenfalls haben sich an Karneval doch so einige mit mir zusammen fotografieren lassen, einer (ehemaliger Fußballkollege, der hatte sich gerade mit einer Frau fotografieren lassen) allerdings erst, nachdem ich ihn drauf aufmerksam machte, dass momentan Fotos mit mir zusammen hoch gehandelt würden… 🙂

LG
Suse

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Es geht voran

Auch Marina nimmt mit kleinen Schritten Ihre Familie mit und erlebt so viele schöne Momente. Aber lest doch bitte selbst Ihre Geschichte:

Nachdem ich Weihnachten das erste Mal als Frau mit meiner Familie gefeiert habe war mir klar, dass dies nicht das letzte Mal bleiben wird.

Wir hatten meinem Stiefvater zu seinem 76. Geburtstag einen Besuch des Planetariums im Vonderaumuseum Fulda mit anschließendem Familienessen in seinem Lieblingsrestaurant Kneshecke geschenkt. Leider war der einzig mögliche Termin am 04. Februar. Also während ihr anderen im Brauhaus Opladen wart, war ich mit der Familie unterwegs.

Meine Mutter hatte mir schon lange vorher gesagt, dass sie gerne ihren Sohn sehen möchte. Verständlicherweise war ich nicht besonders begeistert, habe aber erst einmal zugestimmt. Am Tag vor dem Termin habe ich meine Mutter noch einmal darauf angesprochen. Ich habe sie gefragt, was denn so schlimm für sie ist, wenn Marina mit der Familie ausgeht. Sie sagte mir, dass ich so seltsam wäre, sobald ich die Perücke trage. Ich muss hier einschieben, dass ich seit Weihnachten regelmäßig als Frau mit meiner Mutter am Wochenende einkaufen gehe. Ich fragte sie daher, ob ich denn genauso seltsam in ihren Augen bin, wenn wir zusammen einkaufen gehen. Sie sagte, nein, dann nicht. Also fragte ich sie noch einmal was dann so schlimm ist wenn Marina mitgeht. Darauf hin sagte sie mir, ich solle meine Stiefvater fragen, schließlich ist es sein Abend.

Sehr zu meiner Überraschung sagte mein Stiefvater: „Mach was du willst, mir ist es egal“. Na, das lass ich mir nicht 2x sagen. Eingeladen waren dieses Mal neben meiner Stiefschwester Carola auch ihre jüngere Schwester Linda. Ich hatte Carola Weihnachten gesagt, dass sie ruhig ihre Geschwister nach und nach auf mich vorbereiten darf, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Also wusste Linda schon so ein bisschen Bescheid.

Am Samstag Nachmittag dann habe ich mich zurecht gemacht. Wobei ich mich sehr zurück gehalten habe. Ich muss ja irgendwie das Haus verlassen, ohne dass die Nachbarn etwas „Verdächtiges“ bemerken könnten. Noch wissen die Nachbarn nicht über mich Bescheid… aber kommt Zeit, kommt Rat, sagt man ja… Also habe ich angezogen: Grauer Schalkragen-Pulli, schwarze Stoffhose, flache Winterstiefeletten, Winterjacke mit Kunstpelzkragen. Dazu das bisschen Rest-Bartschatten abgedeckt (IPL sei Dank!!!) und die Augen ganz dezent betont. Meine Perücke habe ich in die Handtasche gesteckt, denn das würden die Nachbarn sofort bemerken.

Als mich mein Stiefschwester Linda so zum ersten Mal sah war sie einerseits erleichtert, andererseits auch erstaunt. Sie hatte sich vorgestellt, dass da eine Drag-Queen kommt. Stattdessen steht da eine Frau, dezent geschminkt und völlig alltagstauglich gekleidet. Im Endeffekt war sie sehr froh, dass es nur Marina und nicht die Drag-Queen ist, die da vor ihr stand.

In dem Moment wusste ich, dass ich auch meine 2. Stiefschwester für mich gewonnen habe, denn sie hat mich sofort gedrückt und wie eine Freundin begrüßt. Ab diesem Moment hat sie mich auch nur noch mit Marina angesprochen.

So sind wir also in die Stadt gefahren. In der Tiefgarage vor dem Museum habe ich dann meine Perücke aufgesetzt und wir sind zusammen ins Planetarium gegangen. Die Vorstellung kannte ich ja schon vom Besuch mit meinem Bruder im letzten November. Es war trotzdem interessant. Dann sind wir noch ins Museums-Café auf eine Tasse Kaffee/Tee, da wir bis zum Essen noch Zeit hatten.

Um 18 Uhr dann haben wir uns dann mit meinem Bruder und seiner Partnerin im Restaurant getroffen. Das Essen war wieder erstklassig und wir hatten einen schönen Abend zusammen.

Dann sind wir nach Hause gefahren und waren um 21 Uhr wieder zu Hause. Ich habe mich dann mit Linda zusammengesetzt und ihr viele meiner Bilder gezeigt, Zwei Seelen gespielt (wobei wir beide gemeinsam geweint haben) und die Videos von CSD Konstanz/Kreutzlingen gezeigt. Linda hat mir viele Fragen gestellt und ich habe sie, so gut ich konnte, beantwortet. Auch sie hatte die üblichen Vorstellungen und Vorurteile über Transgender, größtenteils einfach aus Unkenntnis.

Linda hat mich richtig spüren lassen, dass sie durchaus die Schwester sieht, nicht nur den „verkleideten Mann“.

Das wichtigste aber war, als ich meine Mutter fragte, wie denn der Abend für sie war. Meine Mutter sagte mir, dass es ein sehr schöner Abend war. Ich fragte sie, ob ich in ihren Augen wieder so „seltsam“ war. Sie sagte nein, dieses Mal war ich ganz anders.

Mir ist klar, dass diese Situation für meine Mutter nicht gerade leicht ist. Auch ich war immer unsicher in ihrer Gegenwart. Und deshalb denke ich, dass ich mich „seltsam“ benommen habe für meine Mutter. Dieses Mal aber habe ich mich völlig sicher gefühlt. Denn sowohl Linda, Carola als auch Sarah, die Partnerin meines Bruders, haben mich immer mit Marina angesprochen. Ich war einfach ich, ohne Angst, ohne Zweifel. Und deshalb denke ich, war es auch für meine Mutter in Ordnung.

Alle anderen, meine Mutter, mein Stiefvater und mein Bruder sprechen mich (noch) mit meinem Männernamen an. Ich mache mir nichts daraus, denn ich weiß, irgendwann kann sich auch das ändern. Irgendwann… denn ich bin hartnäckig und gebe nicht so schnell auf.

Am Sonntag dann sind meine beiden Schwestern abgereist und wir haben uns von einander verabschiedet wie das nur Schwestern tun. Es ist ein schönes Gefühl, dass ich immer mehr durch die Familie akzeptiert werde. Auch wenn noch nicht alle in der Familie Bescheid wissen, es wird irgendwann kommen, früher oder später, da bin ich mir sicher. Genauso wie ich irgendwann auch meine Nachbarn einweihen werde. Doch noch ist dazu nicht der richtige Zeitpunkt gekommen. Aber der Zeitpunkt wird kommen…. und ich bin mir sicher, es wird nicht mehr lange dauern.

Viele Grüße
Marina

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