Wo fange ich mit meiner Transidentität an?

Autorin: Cornelia-Lea

 

Eigentlich habe ich keine richtige Ahnung, wo ich anfangen soll?
Vieles habe ich ja schon in diversen Threads geschrieben: Höhen und Tiefen..
Vielleicht fasse ich mal die ersten Jahre in Kurzform so zusammen, wie ich es für meinen PÄ-Antrag gemacht habe. Da habe ich zwei tabellarische Lebensläufe eingereicht: meinen biographischen Lebenslauf und meinen speziellen TI-Lebenslauf.

Ich habe bereits im zarten Alter von 8 Jahren (können auch 7 oder 9 gewesen sein, so genau weiß ich das nicht mehr in der Rückschau) gemerkt das ich irgendwie anders war. Ich wurde zwar als Junge geboren und so behandelt, aber die Kleidung meiner Mutter zog mich damals schon magisch an. Ich habe sowohl mit typischen Jungen Spielzeug gespielt, als auch ganz viel mit Stoff- und Kuscheltieren, die ich umsorgt und gepflegt habe. Mit 18 Monaten erlitt ich einen Oberschenkelbruch am rechten Bein. Durch eine völlige Fehlbehandlung habe ich heute noch am rechten Fuß große Narben. Die Verbände des Streckverbandes wuchsen regelrecht in das noch zarte Gewebe des Kleinkindbeines herein. Damals Mitte / Ende der 60er Jahre waren Ärzte erst recht in einem Krankenhaus noch die „Halbgötter in Weiß“, so dass meine Eltern nichts unternahmen. Ich muss unerträglich Schmerzen gehabt haben, wenn ich mir heute 47 Jahre später die noch vorhandenen Narben ansehe. Ich glaube auch, dass es die ersten Narben auf meiner noch jungen Seele waren, die sich noch heute auswirken.

Irgendwann in den nächsten Jahren begangen die Spannungen zwischen meinen Eltern immer größer zu werden. Die Jahre zwischen meinem 11. – 17. Lebensjahr waren die schlimmsten meines Lebens. Details spare ich mir an dieser Stelle. Seelischer Missbrauch war an der Tagesordnung. Erst durch mein „Burnout“ (ich mag den Begriff eigentlich nicht) knapp 30 Jahre später und der daraus resultierenden Psychotherapie, die bis heute anhält, konnte ich Vieles in mir klären und verstehen. Noch heute leide ich unter den Spätfolgen dieser frühen Traumatisierungsjahre. Nebenbei: Ist es Schicksal oder Fügung, dass gerade ich seit vielen Jahren mit Kindern arbeite. die Ähnliches erlebt haben und das ich an diese Kinder näher herankomme? Wir haben etwas gemeinsam, wir sind die Opfer der Unfähigkeit der Erwachsenen – Eltern, Verwandte, Bezugspersonen…Wir haben bis heute Probleme unsere wahren Gefühle zu leben, versuchen Ordnung in der „Bücherregal der Gefühle“ reinzubekommen, dass die Erwachsenen „Tsunamiemäßig“ zerstört haben. Es gelingt uns kaum und nur mit viel Mühe eine Art von Ordnung herzustellen.
Wenn ich heute Eltern berate – wie neulich erst- dann versuche ich sie dafür zu sensibilisieren, dass ihre Kinder sehr sensible und empfindende Wesen sind, die auch kleinste atmosphärische Störungen wahrnehmen und versuchen auf ihre Art und Weise damit umzugehen. Diese Kinder sind nicht „verhaltensgestört“, sie agieren so, wie ihre Seele es ihnen vorgibt.

Irgendwie habe ich in diesen Jahren und auch später versucht, dieses komische und unsichere Gefühl zu verstehen, für das ich später erst einen Begriff fand: Transidentität.
Mit 17 Jahren bin ich ausgezogen, raus aus dem Ort, in dem ich mit 11 Jahren „zwangsumgesiedelt“ wurde (wer fragt schon ein Kind, ob es Lust hat aus der halbwegs sicheren und gewohnten Umgebung wegzugehen und einer unsicheren und unbekannten Zukunft entgegen zugehen?). In diesen Jahren hatte ich mehrere Schulwechsel hinter mich bringen müssen: Ich wurde gemobbt und für unfähig erklärt. Erst in den letzten Jahren fand ausgerechnet an einer sozialen Brennpunktschule Lehrer, die Geduld mit mir hatten und mich irgendwie verstanden. Noch heute gehören sie zu meinen pädagogischen Vorbildern.

Zu Beginn der 80er Jahre lebte ich in meiner eigenen kleinen Bude (24,95qm) für mich und fand endlich Ruhe. Ich besuchte ein Gymnasium, das Aufbaukurse hatte für Schüler anderer Schulformen. Von meinen Eltern bekam ich Unterhalt und Kindergeld, ich habe in dieser Zeit gelernt mit Geld umzugehen und nebenher zu arbeiten. Mein Abitur habe ich dann irgendwie geschafft – nicht toll, aber geschafft. 1986 begann ich dann mit meinem Zivildienst an einer Körperbehindertenschule. Dort wurden wir Zivis im schwerstmehrfachbehinderten Bereich eingesetzt. Es waren für mich prägende Jahre und noch heute habe ich den Wunsch irgendwann einmal wieder mit diesen Kindern zu arbeiten. Um mein Studium letztlich zu finanzieren, begann ich in einer Behinderteneinrichtung für schwerstpflegebedürftige junge Erwachsene, zunächst nur als Nebenjob gedacht, entwickelte sich daraus eine verantwortliche Teilzeittätigkeit. Letztlich blieb ich in dieser Einrichtung 10 volle Jahre – parallel irgendwie zum Studium. Als ich merkte, dass ich langsam aber sicher mit „meinen“ Bewohnern alt wurde, machte ich das 1. Staatsexamen für das Lehramt der Sonderpädagogik (Fachbereich Rehabilitation und Sozialisation der Körper- und Geistigbehinderten).

Meine Transidentität versuchte ich mehr schlecht als recht auszuleben. Zu dieser Zeit kam das Internet erst auf und es gab kaum Möglichkeiten sich zu informieren. Viele innere Kämpfe und Selbstverleugnungen waren an der Tagesordnung. Letztlich hatte ich jedoch keine Chance gegen diese „innere Stimme“ in mir. Es folgten die ersten und weiterführenden Erfahrungen, wie sie viele von uns gemacht haben. Ich glaube, ich habe so ziemlich alle Stadien durchgemacht: von „Zimmertranse“ über nächtliche Ausgänge bis hin zu Spaziergängen gut 50 km vom Wohnort entfernt. Meine Kleidungsstil war am Anfang eher seltsam (aus heutiger Sicht hilflos). Ich trug Perücken, die mir eigentlich nicht entsprachen und Sillis in viel zu großen Größen. Es war ein langer Prozess immer mehr zu mir zu stehen: „JA!“ zu mir zu sagen.
Irgendwann folgt dann das wichtigste Outing: Ich stand vor dem Spiegel, erkannte „mich“ und sprach es laut aus: „Ich bin transsexuell und ich bin eine Frau!“
Nach diversen mehr oder minder Beziehungen traf ich schließlich im Referendariat den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Meine Freundin, mit der ich noch heute seit über 15 Jahren zusammen bin. Wir erkannten irgendwie die gemeinsame Tiefe in unserer beider Seelen…
Nachdem Referendariat bekam ich dann nicht die erhoffte Stelle an der Förderschule für Körperbehinderte (ich hatte keine Lust auf Überbrückung mittels Zeitverträge) sondern mir wurde eine feste Stelle an der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung angeboten. Ich dachte damals: „Ok, feste Stelle und in spätestens 5 Jahren biste da wieder weg.“… aus 5 Jahren wurden letztlich fast 12 Jahre, gestoppt nur durch meinen völligen seelischen Zusammenbruch 2012.
Ich war fertig, nichts ging mehr.. später in der Therapie habe ich begriffen warum. Ohne diesen Zusammenbruch, ohne diese kuriosen Ausschlag im Gesicht und den guten Riecher meines Hausarztes würde ich vielleicht heute nicht mehr leben, das habe ich irgendwann begriffen. Mein Hausarzt zog mich also aus dem Verkehr, damals Ende Februar hätte ich nie gedacht, dass ich 11 Monate dienstunfähig sein würde, geschweige denn die Förderschule -irgendeine Förderschule- je wieder betreten würde (ok, wer weiß was in 5 Jahren ist, zwinker).

Mit viel Glück fand ich meine Psychotherapeutin. Ich dachte damals, dass es die Gelegenheit ist ALLES und zwar absolut ALLES auf den Tisch zu bringen, alles was ich erlebt und nicht bearbeitet hatte und natürlich meine Transidentität. Noch heute bin ich bei Frau M. in Behandlung – Traumatisierungen aufzuarbeiten dauert lange, die Gegenwart leben zu können mit den Narben der Vergangenheit ist oft noch schwierig. Meine Psychologin hat mir erklärt, dass dies posttraumatische Belastungsstörungen sind. Hinzu kommt das Entwickeln meiner „neuen“ sozialen Identität.
Heute bin ich Sonderpädagogin an einer Grundschule. Über die Vorbereitung und den Verlauf meines Outings im Juli/August diesen Jahres habe ich an anderer Stelle geschrieben.
In der Zeit der Psychotherapie in Köln konnte ich mich ausprobieren, testen, erproben, erfühlen, ob ich wirklich mein zukünftiges Leben in einer anderen sozialen Identität leben könnte und wollte, ob es sich richtig anfühlt. Unglaublich wichtig für mich war, dass meine Psychologin mir von Anfang an das Gefühl gab, dass sie mich, meine Probleme und schließlich auch meine Transidentität ernst nahm. Nach kurzer Zeit fragte sie mich, ob sie mich denn zukünftig in ihre „Frauenpatientenliste“ aufnehmen dürfe. Sie hat spezielle „Frauenbehandlungstage“. Es war wie eine Offenbarung für mich. Es gab seit dem viele Erstemale: Einkäufe, Kaffeetrinken, die berühmten Toilettengänge…Aber auch Ausflüge mit meiner Freundin als „zwei Frauen“. Das bewusste Suchen nach Herausforderungen und Erfahrungen. Im Januar 2014 begann ich schließlich mit der HRT, im September der Antrag auf Personenstandsänderung, nach 10 Wochen warten endlich die Bestätigung der Unterlagen und die berühmte Rechnung für das Verfahren.

Die „ersten Tiefschläge“ habe ich auch hinter mich gebracht. Ich habe die Tipps meiner Psychologin angenommen und versucht umzusetzen, die vergangene Woche verlief sehr positiv. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass mich meine Kolleginnen nur noch als Frau wahrnehmen und gar nicht mehr auf dem Schirm haben, was ich war und doch nie gewesen bin. Am Mittwoch meinte eine Schülerin: „Das ist doch die Klasse von Frau L., oder?“ und das ausgerechnet zur eigentlichen Klassenlehrerin, die mir das lachend erzählte.
Ich habe noch einige „Baustellen“ zu bearbeiten. Meine familiäre Situation ist immer noch nicht geklärt. Mein Bruder redet seit über 3 Jahren kein Wort mehr mit mir. Zu meiner Mutter habe ich nur brieflichen Kontakt. Einige sogenannte Freunde haben sich von mir abgewandt – „hättest ja viel früher was sagen können..“. Weder mein Bruder noch diese sogenannten Freunde haben verstanden, dass ich über Jahrzehnte eigentlich gar keine eigene (!!!) Sprache hatte. Erst durch die Psychotherapie lerne ich immer mehr Ich zu sein, zu mir und zu meinen Gefühlen zu stehen.
Im nächsten Jahr werde ich mich akribisch auf den Prozess der PÄ und meine weitere Entwicklung vorbereiten.
Ich habe in diesem Jahr mehr geschafft, als ich es je für möglich gehalten hätte: Es ist der absolute Wahnsinn. Ich unterrichte jeden Tag als LehrerIN!!
Jetzt bringen wir noch die letzten Schulwochen des Jahres 2014 hinter uns und 2015 geht es dann weiter. Im Januar werde ich mich dann nicht nur theoretisch sondern auch praktisch mit dem Thema (Nadel-) Epilation auseinander setzen.

Na dann, auf 2015!!

Cornelia

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Dieses süße Mädchen (6) ist ein Junge

Quelle: Bild.de

25.06.2013 – 16:05 Uhr
Denver (USA) – Es klingt zunächst banal, wofür die Eltern von Coy Mathis (6) seit Monaten kämpfen und nun vor Gericht Recht bekamen:
Der Ex-Marine Jeremy Mathis und sein Frau Kathryn wollten, dass ihre Tochter in der Schule auf die Mädchentoilette darf. Die Schulleitung hatte es der Erstklässlerin untersagt – weil sie ein Junge ist.

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Die letzte Bastion

Meine letzte Bastion (privat) war gestern mein Outing bei Klassenkamerad-en und –innen oder andersrum 🙂
Vorher mit meiner Frau darüber gesprochen und die Theorie durchgespielt. Und plötzlich war er da – der Termin.

Wir treffen uns so ca. 3-4 Mal im Jahr in einer kleinen Gruppe ehemaliger Klassenkameraden mit Klassenlehrer und dessen Frau zu einer Art Stammtisch. Immer ein lustiger und geselliger Abend. Nur diesmal sollte es etwas anders werden, weil ich das letzte Mal als Mann dort anwesend sein wollte. So suchte ich einen guten Übergang nach dem Essen um auf das Thema zu kommen. Aber Petra, die Ehefrau eines Klassenkameraden, war schon neugierig, denn ihr waren meine Haare und Augenbrauen aufgefallen. Außerdem hatten sie beim Abholen eine Frau auf dem Bürgersteig vermutet und dann doch überraschend festgestellt, dass ich es bin. So hatten wir schnell den Einstieg in das Thema gefunden.

Den ganzen Tag beschäftigte mich dieses Thema. Soll ich wirklich? Müssen die das wissen? Immer wieder diese anerzogenen Selbstzweifel. Und dann ….

Natürlich war ich entsprechend vorbereitet und hatte Bilder und Flyer dabei und das Ganze wurde verblüffend und auch wohlwollend sowie erstaunend aufgenommen. Ich erzählte von dem Outing 2004 und dem Eheversprechen 2007 und meine ganze Geschichte von Kind an. Alle Beteiligten fanden es klasse und mutig, dass ich mich geoutet habe und so offen mit dem Thema umgehe.

Es bringt nichts, es in sich rein zu fressen, denn irgendwann kocht es in uns hoch und dann? Die Folgen möchte keiner wirklich haben.

Alle freuen sich auf das nächste Treffen und sind gespannt, denn dann wird auch dort Xenia life und in Farbe auftreten und sich nicht mehr verstecken müssen. Kein verbiegen und kein verstecken und frei nach dem Motto: Leben und leben lassen. Denn niemand hat sich selber gemacht!

Lieben Gruß
Xenia

p.s.: Danke liebe Anwesende. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut das tut – Die Gänsehaut  und die Tränen ….

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Beste Schulfreunde

Das Thema Coming Out und Outing war schon öfter Gegenstand des Gendertreff Magazins. Hier zeigt sich: Oft kommt es ganz anders, als man denkt. So auch im folgenden Bericht, den uns Uta aus dem Gendertreff Forum zur Verfügung gestellt hat.

Meiner lieben Freundin zum „5. Geburtstag“ gewidmet

Beste Schulfreunde

Vor einigen Jahren rief mich eines Abends mein bester Schulfreund Andreas an und sagte, „…wir müssten mal wieder um den Block ziehen.“ Bei diesen Worten hatte ich auf einmal ein seltsames Bauchgefühl …

… und auf einmal waren auch all die Gedanken an eine schöne Kindheit und die vielen Abenteuer in der Schulzeit mit meinem besten Freund wieder da.

Seit ich in die 1.Klasse der neuen Schule kam, hatte sich zwischen uns eine Freundschaft gebildet, die bis heute – über 45 Jahre lang – anhält.

Ja, mal wieder um den Block ziehen, das hatten wir als Kinder und Jugendliche oft gemacht. Einfach so, ohne Ziel, durch die Straßen streifen und einfach nur über die „wichtigen Dinge unseres Lebens“ quatschen. Nicht gerade das, was Jungen in diesem Alter so tun, aber uns war das egal. Und während andere Schulkameraden Fußball spielen waren, liefen wir lieber kilometerweit durch unsere Heimatstadt.

Wir verehrten die gleichen Mädchen, ohne wirklich Konkurrenten gewesen zu sein, wir zündeten selbst gebastelte Knallkörper und störten uns nicht daran, daß diese nur mit schönem Feuerstrahl abbrannten statt einen lauten Knall zu erzeugen.

Als Einzelkind durfte Andreas gern am Wochenende auch mal einen Schulfreund auf Familienausflüge mitnehmen und so strolchten wir glücklich mit viel Blödsinn im Kopf durch die Natur.

Später trennten sich unsere Wege. Ich erlernte einen Beruf der Elektrotechnik und mein Schulfreund ging in die Landwirtschaft. Verständlich, dass unsere gemeinsamen Unternehmungen weniger wurden, zumal unsere Ausbildungsorte rund 100 km auseinander lagen.

Aber das tat der Freundschaft keinen Abbruch. Zum Ausbildungsfasching besuchte mich Andreas in unserem kleinen Dorf (so verrückt ist die Welt: er lernte Agrotechniker in der Nähe einer Großstadt und ich lernte Elektronik in einem 600-Seelendorf am Rande des Harzes). Doch Dorf-Fasching kann großartig sein!

In dieser Zeit trafen wir uns auch schon mal im Urlaub. Ich fuhr jedes Jahr mit meinen Eltern an die Ostsee und im Sommer 78 zeltete mein Freund einfach kurzerhand im Nachbarort. So konnten wir ungestört im Sand liegen oder stundenlange Strandspaziergänge machen und über „Gott und die Welt“ reden.

In den 80igern gründeten wir Familien, der eine mit, der andere ohne Kinder. Ich bin inzwischen ins Rheinland gezogen, mein Freund wohnte weiterhin im Osten Deutschlands. Und so kam es, dass die Abstände der Treffen immer größer wurden. Wir haben uns zwar nicht aus den Augen verloren, aber jeder ging so seiner Wege und nur einmal im Jahr, beim gemeinsamen Wanderwochenende beider Familien in der Sächsischen Schweiz hatten wir Gelegenheit, unsere Freundschaft aufzufrischen.

Eigenartig – bei einer der letzten Wanderungen hatte ich das erste Mal dieses unbestimmte Bauchgefühl. Mein Schulfreund kam gerade mit freiem Oberkörper aus der Dusche …

Und plötzlich dieser abendliche Anruf. Da war es schon wieder, dieses Bauchgefühl!

Wir verabredeten uns auf einen baldigen Besuch, denn mich sollte demnächst eine Dienstreise in die alte Heimat bringen.

Wir hatten uns für den Abend im Kleingarten der Freundesfamilie verabredet, aber irgend etwas ließ mir keine Ruhe. So fuhr ich (erst einmal ohne meine Frau und unter einem fadenscheinigen Vorwand) bereits am Vormittag ins Büro meines Freundes.

Mein Gefühl hat mich nicht getrogen – irgend etwas lag in der Luft.

Unbeholfen beginnt er das Gespräch: so völlig anders, als wir es bisher gewohnt waren. Er kam von Partnerschaft, komplizierten Entwicklungsphasen, inneren Spannungen über Krankheiten, … dann schlussendlich zur „Seele im Spagat“.

Ich merkte, es ist ihm unheimlich schwer gefallen, mir, seinem Besten Schulfreund, sein Herz so umfassend auszuschütten. Aber nun ist es endlich raus: mein bester Schulfreund wird demnächst meine beste Freundin sein!

Aber ich spürte bei ihm/ihr immer noch die Angst – wie wird der Schulfreund (also ich) darauf reagieren? Wird die Freundschaft an diesem Geständnis zerbrechen? Steh ich vielleicht auf und verschwinde aus ihrem Leben?

Da konnte auch ich nicht mehr anders: ich zog meine Hose ein wenig hoch und zum Vorschein kamen kleine Absatzsommerstiefel, durch deren Lochmuster zaghaft Feinstrumpfhosen durchschimmerten. Und dann bahnten sich bei uns beiden plötzlich Tränen unaufhaltsam ihren Weg…

So hatte sich Andrea ihr Outing bei mir ganz sicher nicht vorgestellt!

Das alles ist nun schon einige Jahre her. Inzwischen hatte Andrea ihren „5.Geburtstag“ und Andreas ist schon lange Geschichte.

Soweit meine kleine Anekdote für alle, die denken, Sie sind mit Ihren Problemen allein auf der Welt. Statistisch zwar sehr unwahrscheinlich, könnte trotzdem jeder/jede neben Dir in der U-Bahn, im Kino, im Supermarkt, … Deine Lebensgeschichte teilen. Oft wissen wir nur viel zu wenig über die Anderen oder trauen uns (aus scheinbar verständlichen Gründen) lange nicht, uns unseren besten Freunden anzuvertrauen.

Ich weiß – leichter gesagt als getan!

Ich hab noch Jahre gebraucht, und ehrlich – ich hab mich bis heute immer noch nicht umfassend geoutet. Im Job und im dörflichen Umfeld spiele ich weiterhin die männliche Rolle, obwohl es langsam immer schwerer fällt.

Uta

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Toilette für Transgender

Toiletten für „Damen“ und „Herren“ gab es gestern. An der Universität von Manchester heißt es heute „Toilette“ und „Toilette mit Urinal“ – jedenfalls, wo transsexuelle oder transidentische Studierende nicht weiter diskriminiert werden sollen.

Weibliche Kommilitonen, die sich mit ihrem Geschlecht nicht identifizieren können, fühlten sich eigenem Bekunden nach unwohl, Toiletten aufzusuchen, die mit einem Schild gekennzeichnet sind, das einen pieselnden Mann zeigt. Umgekehrt soll es Männer geben, die sich zwar als Frau fühlen, auf entsprechend skizzierten Toiletten jedoch nicht sitzen mögen. So kam es dort zu dieser Neuerung.

Doch scheinbar regt sich Widerstand gegen die Toiletten, denn einige Mädchen mögen eben nicht auf dieselbe Toilette gehen wie Jungen.

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