Suses Outings

Suse berichtet hier im Gendertreff Blog/Magazin über ihre weiteren Outings.

Das einzige Outing was ich mir noch vorgenommen hatte war meine Schwester, wobei ich gleich schon mal davon aus ging, dass sie nicht wirklich ein Problem damit haben wird. Ich erzähle jetzt mal den kompletten vorgestrigen Tag:

Meine Schwester, die ich ca. 1 1/2 Jahre nicht gesehen hatte, kam zu Besuch, und ihr gegenüber hatte ich mich noch nicht geoutet. Allerdings wollte ich das auch nicht überfallartig machen und war deshalb auch als Mann verkleidet. Sie kam morgens um 10 Uhr und beim ersten Kaffee sprach meine Partnerin irgendein Schlüsselwort aus, was sich gut zum Überleiten eignete, um meiner Schwester das mitzuteilen was ich eigentlich wollte. Sie reagierte so wie ich es erwartet hatte. Sie war etwas überrascht, ansonsten aber recht cool und hatte überhaupt kein Problem damit. Den restlichen Tag über haben wir uns (zwischendurch gab es natürlich auch ganz andere Themen) recht viel darüber unterhalten, wann es angefangen hatte und warum so ein spätes Outing für die Öffentlichkeit usw. Zwischenzeitlich habe ich mich gestylt, damit sie mich eben auch mal live, so wie ich bin, erleben konnte. Als sie sich gegen 17:30 Uhr verabschiedete machte sie das mit den Worten: „Tschö Schwesterchen“! 🙂

Um 18:30 Uhr hatten meine Partnerin und ich einen Termin privat bei unserer Friseuse. Eigentlich wollte ich dieser „ganz normal“ als Mann begegnen, ihr kurz erklären was so mit mir los ist und ihre Kreativität fordern bezüglich eines weiblicheren Haarschnitts, der allerdings so unisex sein sollte, dass ich ihn auch problemlos zur Männerfrisur umfunktionieren könnte, da ich leider noch nicht in meinem kompletten Leben als Frau rumlaufen kann.

Da ich aber überhaupt keine Lust hatte mich zu entbrezeln, ging das Ganze dann doch eher überfallartig vonstatten. Wir kamen bei ihr die Treppe hoch und ohne uns schon gesehen zu haben rief sie „Hallo ihr Lieben“, was ihr dann etwas im Hals stecken blieb, d.h. sie bekam für ca. 20 Sekunden den Mund nicht mehr zu. Allerdings hatte sie kein Problem damit und genauso hatte ich sie auch eingeschätzt. Um es kurz zu machen, Ideen hatte sie und hat auch was Tolles hin bekommen. (das Foto haben wir an dem Abend noch mit Blitz und Billigcam gemacht, in Wirklichkeit sieht das alles viiiiieeeel besser aus!

Ehe ich jedoch unter die Schere kam, hatte ich noch einen anderen Termin in der Nähe, und meine Freundin bekam ihren Haarschnitt in der Zeit wo ich weg war.

Ein Stück weiter traf ich mich mit einer Freundin, bei der ich geoutet war, vor dem Haus einer ihrer Freundinnen, die Kosmetik vertreibt. Ich kannte weder sie noch ihre restliche Familie. Dort wollte ich verschiedene Makeups testen, um zu sehen ob die Deckkraft reicht und den richtigen Farbton herausfinden. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht, was meine Freundin ihrer Freundin bzw. deren Familie im Vorfeld erzählt hatte. Der Hausherr öffnete die Tür, gab mir die Hand, nannte seinen Vornamen und ich stellte mich mit „Suse“ vor. Im Wohnzimmer an einem Schreibtisch saß der 24jährige Sohn, der mir auch die Hand gab und artig seinen Namen sagte.

Später kam noch die Freundin des Sohnes und als ich mit der Makeupgeschichte durch war, habe ich mich noch etwas länger mit den beiden unterhalten, allerdings über alles Mögliche, nicht über Transsexualität! Alle gingen völlig normal damit um, obwohl sie im Vorfeld eigentlich nichts wussten. Es hatte aber bestimmt eine ganze Menge mit meinem selbstbewussten Auftreten zu tun, dass ich natürlich auch dringend brauchte, da ich immer zwischen Wohnzimmer und Bad, halb geschminkt, hin und her pendelte.

Gestern habe ich dann erfahren, was meine Freundin ihrer Freundin im Vorfeld sagte: „Du, ich hatte da einen Freund, das ist jetzt meine Freundin!“

So, was ich eigentlich mit diesen Buchstabenmassen ausdrücken wollte, war ein Beispiel dafür, wie Menschen, die einen jahrelang kennen, oder auch gerade kennenlernen und nie was mit dem Thema Transgender zu tun hatten, reagieren, wenn sie nicht nur Matsche im Gehirn haben. Vor allem bezüglich darauf, dass es nicht wirklich darauf ankommt besonders „stealth“ zu sein (was natürlich toll ist, wenn es in der Öffentlichkeit funktioniert), sondern man akzeptiert und toleriert wird so wie man ist!

Da der Tag damit endete, erzähle ich an dieser Stelle dann doch noch kurz, was ich schon in einem anderen Thread geschrieben hatte:

Nachdem ich eine neue Frisur hatte, die grauen Haare weg und meine Augenbrauen gezupft waren, wieder halbwegs passabel geschminkt war (es war mittlerweile 23:30 Uhr!!), musste ich noch dringend tanken.

Hinter der Kasse saß eine ältere Dame. Ich gab ihr meine EC-Karte, sie steckte sie ins Gerät und zwei Sekunden später stand auf dem Display „Zahlung erfolgt“.

Sie: Jetzt geht das nur mit Unterschrift.
Ich: Alles klar!
Sie: Ist das auch Ihre Karte?
Ich: Klar…. sehen Sie gleich bei der Unterschrift.
Sie: Ja also, ich meinte das jetzt nicht nur weil da ein Männername drauf steht, ich kontrolliere sowas lieber richtig.

🙂

LG
Suse

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Ein Outing mal ganz anders

Unverhofft kommt oft. So war es auch hier, als Rita ein etwas ungeplantes Outing bei ihrer Schwiegermutter hatte. Rita, Ava und Bernadette aus dem Gendertreff Forum berichten:

Das Outing aus der Sicht von Rita

Lange haben meine Frau und ich uns überlegt, wie wir es meiner Schwiegermutter erklären. Es gab immer irgendwelche Vorwände, die es uns unmöglich machten, ihr zu erzählen, dass es Rita gibt. Einmal war es die Gesundheit meiner Schwiegermutter und das andere Mal die Frage, wie sie es aufnimmt, und wie Sie damit lebt. Na ja, auf jeden Fall waren wir uns einig, dass sie es auf jeden Fall erfahren sollte. Schon wegen der Tatsache, dass doch viele aus meiner kleinen Stadt, aus der ich komme, Rita kennen. Denn es war eben nur eine Frage der Zeit, wann irgendein Nachbar etwas erzählt. Und das sollte auf keinen Fall passieren. Aber dass es zu solch einem Outing wie dem im folgenden beschriebenen kam, wollten wir eigentlich auch nicht.

Es war ein Samstagmorgen, wir wollten zum Zug Richtung Koblenz. Ava und Bernadette kamen zu uns nach Hause. Wir wollten nach einem Kaffee gemeinsam zum Tranny-Bahnhof Gruiten gehen. Meine Frau war noch nicht ganz fertig, und deswegen gingen Bernadette, Ava und ich schon mal vor. Die beiden gingen als erstes aus der Wohnung, und ich folgte ihnen. Plötzlich fiel mir fast die Mütze weg: Meine Schwiegermutter stand am Weg und sah uns in ihre Richtung kommen. Ich ließ einfach meinen Koffer stehen und ging so schnell es ging zur Haustür zurück, und unverzüglich in die Wohnung.

Meine Frau hatte mich vom Fenster aus beobachtet, und es entwickelte sich eine heftige Diskussion. Meine Entscheidung stand aber fest. Ich wartete, bis meine Schwiegermutter nicht mehr zu sehen war, und dachte: „Was soll´s, ich geh jetzt einfach hinterher.“

Mit meinen Koffer, der noch in der Mitte des Weges stand, dort wo ich ihn hatte stehen lassen, zog ich also los. Aber ich kam nicht weit, ohne dass ich den nächsten Schreck bekommen habe. Meine Schwiegermutter unterhielt sich mit Ava und Bernadette. Ich wechselte die Straßenseite und habe verlegen etwas gewunken.

Zum Glück verabschiedeten sich Ava und Bernadette schnell von meiner Schwiegermutter und wir konnten gemeinsam zum Bahnhof gehen. Mir hing der Schock immer noch stark in den Knochen.

Etwas später kam meine Frau hinterher, und lief meiner Schwiegermutter ebenfalls in die Arme. So konnte sie ihr schon einmal eine kurze Erklärung abgeben. Dabei stellte sich heraus, dass sie Ava, die sie zuvor als Mann bei uns kennen gelernt hatte, sofort erkannt hat. Meine Schwiegermutter hatte sich aber doch über das Outfit gewundert.

Die richtige Aussprache kam einen Tag später, als wir aus Koblenz wieder zurück waren. Und das schönste ist: Meine Schwiegermutter hat nichts dagegen, solange meine Frau damit klar kommt. Mittlerweile habe ich meine Schwiegermutter auch als Rita getroffen, und selbst als ich Sie fragte, ob ich das, was ich anhatte, so tragen kann, sagte sie: „Ja, auf jeden Fall.“

Ist das nicht schön?

Ich habe leider die Unterhaltung zwischen meiner Schwiegermutter und Ava und Bernadette nicht mit bekommen.

Das Outing aus der Sicht von Ava

Nun, eigentlich ist alles schnell erzählt: Einige von uns wollten gemeinsam nach Koblenz fahren. Um der Reise einen gemütlichen Start zu geben, trafen sich Bernadette und ich zunächst bei Rita und ihrer Frau.

Als es Zeit wurde, zum Tranny-Bahnhof Gruiten zu gehen, wollte Kirsten noch etwas erledigen, weshalb Rita, Bernadette und ich schon einmal vorgingen. Schließlich wollten wir ja auch Xenia, Ute und Gitta am Bahnhof treffen.

Gesagt, getan. Wir verließen das Haus. Plötzlich hörte ich Rita hinter mir sagen: „Scheiße, meine Schwiegermutter!“ Noch ehe ich mich umgedreht hatte, war Rita wieder im Haus verschwunden. Bernadette und ich gingen einfach weiter und an Ritas Schwiegermutter vorbei.

Ritas Schwiegermutter sagte: „Hallo“, woraufhin ich „Hallo“ erwiderte.
Dann fragte sie: „Ist Kirsten noch drin?“. Ich sagte nur: „Ja!“

Wir haben dann eine Straßenecke weiter auf Rita gewartet. Ritas Schwiegermutter kam uns nach und wir haben uns noch kurz nett unterhalten. Dabei hat sie uns viel Spaß auf unserer Reise nach Koblenz gewünscht.

Dann kam Rita, winkte etwas verschämt ihrer Schwiegermutter zu und wir gingen gemeinsam zum Bahnhof. Kurze Zeit später kam auch Kirsten auf dem Bahnhof an. Sie berichtete uns, dass sie noch kurz über das Thema mit ihrer Mutter gesprochen hatte.

Übrigens: Kirsten berichtete mir, dass ihre Mutter meinte, ich hätte in meinem Kleid richtig gut ausgesehen. 🙂

Das Outing aus der Sicht von Bernadette

Es war am Tag zur Anreise nach Koblenz. Ava und ich trafen uns bei Rita und Kirsten, um gemeinsam zum Tranny-Bahnhof Gruiten zu gehen. Nach kurzer Begrüßung und einem Kaffee brachen wir auf. Kirsten war noch nicht ganz fertig, und so gingen wir drei schon mal langsam vor. Rita mit kleinem Abstand hinter uns,

Plötzlich verstummte das Rollgeräusch von Ritas Koffer. Ich drehte mich um und sah nur den verwaisten Koffer da stehen, wo ich Rita zu sehen dachte. Rita war weg!!!!

Erst da sah ich den Grund vor uns stehen: Ritas Schwiegermutter stand vor uns und fragte, wo denn Kirsten wäre, Ava gab ihr die Auskunft, aber das Fragezeichen auf ihrem Gesicht blieb. Keine Frage nach Rita, wir reimten uns den Grund zusammen und gingen weiter. Den Rest hat dann Rita schon beschrieben.

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Conny und ich

Mit freundlicher Genehmigung von Fenya.

Den folgenden Beitrag hat unser Forumsmitglied Fenya im Gendertreff-Forum veröffentlicht. Fenya ist die Tochter von Conny-Lynn und ihr Bericht dokumentiert eindrucksvoll, wie sich ein Outing eines Transgenders im Rahmen der Familie darstellt. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Beteiligten, dass wir diesen Bericht im Rahmen unseres Gendertreff-Blog veröffentlichen dürfen.

Conny und ich

Von Conny habe ich ca. Ende 2006 erfahren. Ich habe vorher schon gemerkt, dass meine Eltern sich wieder näher waren als vorher, hätte aber niemals in Erwägung gezogen, dass so etwas dahinter steckt, um ehrlich zu sein.

Als mein Vater sich vor mir geoutet hat, war es für mich ein ziemlicher Schock und ich verstand nichts. Nach einer Minute habe ich dann komplett die Fassung verloren, geheult und gelacht vor Erleichterung und dem Schock, dessen ich mir bewusst wurde.

Er hat mir erklärt, dass er nicht schwul sei oder so, sondern sich einfach nur gern als Frau gibt, um direkt Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Ich fragte ihn, ob es OK sei, wenn ich nun erstmal in mein Zimmer ginge, um den Schock zu verarbeiten und mir eine zu rauchen. Er gab mir etwas Zeit allein in meinem Zimmer und kam anschließend nochmal hoch zu mir, um nach mir zu sehen und zu fragen, ob alles ok ist.

An das darauf folgende Gespräch kann ich mich nicht mehr erinnern. In meinem Kopf schlugen die Ereignisse Purzelbäume und ich versuchte, irgendwie das Bild von meinem Vater und das von Conny (die ich bis dato noch nicht kannte) miteinander zu verbinden, was nicht funktionierte.

Ich kam mit dem Gedanken, dass mein Vater, der so strenge, zielstrebige und kalte Manager, der mir in diesen Dingen immer ein Vorbild war, eine Transe sein sollte, nicht klar. Ich habe geweint, war sauer, wütend und verletzt zugleich. Denn in diesem Moment hat man mir meinen Vater „genommen“. Und es stellt sich Dir auf einmal eine fremde und doch sehr vertraute Person in Dein Leben.

Nach einigen Tagen hatte ich den größten Schock überstanden und habe angefangen nachzuhaken, da ich von Natur aus ein sehr neugieriger Mensch bin und mich meine Neugier dann doch packte. Ich ging mit Bedacht und Abstand an das Thema, da es mir auch etwas Angst machte. Außerdem wusste zu diesem Zeitpunkt mein großer Bruder noch nichts von Conny. Daher war Vorsicht geboten, wann man das Thema ansprach. Einige Zeit danach habe ich versucht, das Thema zu meiden.

Danach habe ich von Gendertreff erfahren, wollte mich dort allerdings nicht anmelden, da mir die ganze Sache doch noch sehr suspekt war. Schlussendlich habe ich es doch gemacht und das war gut so. Danach kam alles ins Rollen. Ich habe langsam meine Scheu verloren und die neue Welt lockte meine Neugierde wieder raus. Bald habe ich meinen Vater beim Fertigmachen gesehen. Er hat mich auch gefragt, welchen Lidschatten er benutzen sollte oder was vom Outfit her zusammenpasst.

Solche gemeinsamen Sachen nehmen einem Stück für Stück die Hemmungen, dennoch kommt es mir manchmal immer noch utopisch vor. Es wird zum normalen aktiven Teil meines Lebens. So ging ich z.B. mit meiner Mutter bummeln und sie hat einen Rock anprobiert. Sie wollte ihn kaufen und ich bin sehr eigen, was meinen individuellen Kleidungsstil betrifft. In meiner Familie habe ich die Faltenröcke sozusagen annektiert und nun wollte sie sich einen holen. Ich habe angefangen rumzuzicken und habe dann lautstark im Laden gesagt: „Erst Du und nun auch noch Pa, der meinen Stil trägt. Lasst mir wenigstens meine Faltenröcke!“ Die Verkäuferin muss ziemlich doof geguckt haben. Ich habe das allerdings nicht mitbekommen und habe erst draußen bemerkt, was in dem Geschäft von statten gegangen ist und musste anfangen zu lachen.

Später, als für mich so etwas zum Alltag wurde, habe ich mich dann bei Veranstaltungen wie einem Transenschminken wiedergefunden. Manchmal, wenn ich Geschichten meiner Freunde höre, wie cool und ausgeflippt doch ihre Eltern sind, dann denke ich nur: „Wenn Ihr wüsstet!“ und muss in mich hinein grinsen.

Mit Conny war ich das erste Mal bei Anjas Stammtisch in der Öffentlichkeit. Doch so richtig weg war ich mit Conny und meiner Mutter vor kurzem im Centro. Es war komisch, nicht „Pa“ zu rufen sondern „Conny“ und ich muss auch sagen, ich habe es irgendwie auch gemieden. Es ist mir wirklich schwergefallen, denn es bleibt immer noch mein Vater, auch wenn er als Conny rausgeht. Aber ich habe es dennoch getan und ich muss sagen, dass ich persönlich stolz darauf bin, es geschafft zu haben.

Aber irgendwie versuche ich auch, es zu vermeiden und mich anders bemerkbar zu machen, z.B. durch Schulterantippen oder so. Ich habe aber das Gefühl, dass immer eine gewisse Hemmschwelle bleibt. Ich toleriere Conny und akzeptiere sie langsam als Teil meines Vaters. Aber es war ein schwerer und steiniger Weg für mich. Dennoch haben wir es gemeinsam geschafft. Ich bin froh, jetzt von ihr zu wissen, da es in meinen Augen wichtig ist, die Kinder einzubeziehen. Denn sonst gibt es immer eine unsichtbare Barriere.

Fenya

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