Juliens Mastektomie

Autor: Julien

Tag vor der OP
Vor dem eigentlichen OP Termin und Einzug ins Krankenhaus, wurde noch ein Gespräch mit dem operierenden Arzt geführt. Dieses war im Grunde nichts anderes, wie die Voruntersuchung beim ersten Termin im Krankenhaus. Diesmal sollte ich nur noch die Einweisung von meinem Hausarzt mitbringen. Die anderen Unterlagen waren beim ersten Gespräch notwendig, bevor ich das Schreiben für die Kostenübernahme der Krankenkasse bekommen habe. Ich brachte einfach alles mit, was ich zu dem Zeitpunkt hatte. Unterlagen vom meinem Endokrinologe, die Gutachten von meiner / und auch der vorläufige Beschluss, den ich vom Gericht schon hatte. Dann die Indikation von meiner Therapeutin und der Trans*Lebenslauf.
Der Arzt ratterte nun alles an Informationen runter, als hätte er eine Kassette abgespielt. Ich will sicher auch gar nicht wissen, wie oft er diese Kassette einlegen muss. Dann wird noch die Unterschrift fällig, dass man über alle Risiken informiert wurde. Dann ging es weiter zur Verwaltung, wo ich dann nun angemeldet worden bin. Auch da musste die obligatorische Waschmaschine gekauft werden, indem man auch da wieder ein Autogramm hinterlassen hat. Mit dem nun größeren Papierstapel ging es dann weiter zur Narkoseabteilung. Der so muntere ‚Narkosateur‘, gefühlt auf Speed, ratterte dann noch seine Liste von Risiken der Narkose runter. Wäre ich an dem Tag nicht so aufgeregt gewesen, dass mir sogar schlecht war, hätte ich mich vielleicht ein wenig mehr hinreißen lassen können. So aber war mir das ein wenig zu viel. Auch dieser Schritt wurde dann mit einer Unterschrift meinerseits besiegelt. Man muss ja dazu sagen, dass der Teil eigentlich immer schön war. Immerhin konnte man seine neue Unterschrift überall drunter kritzeln und sich jedes Mal denken, wie toll das doch auf Papier aussieht. Jetzt musste der Stapel an Papieren nur wieder bei der Sekretärin der ersten Station abgegeben werden und fertig. Dann hieß es ab nach Hause und am nächsten Morgen um 7:00 Uhr auf der Matte stehen. Wie sollte ich das nur packen? Mir war so schon so schlecht gewesen und ich hatte Angst, dass ich am nächsten Tag doch noch irgendwo hin spucken müsste.

Der OP Tag
Geschlafen hatte ich gut. Die Baldriantablette hatte geholfen, die ich mir noch in der Apotheke besorgt hatte und der Filmabend mit meiner Mutter war auch schön gewesen. Ich bin entsprechend früh ins Bett gegangen und war vor dem Wecker Klingeln wieder wach. Keine Übelkeit und keine Aufregung. Das Baldrian musste ja bombe sein, auch wenn ich bezweifle, dass es wirklich daran lag. Nach der langen Wartezeit war es nun endlich soweit und ich hatte das Gefühl, dass mir und der OP nun wirklich nichts mehr dazwischen kommen konnte. Das war der Grund meiner Ruhe und Gelassenheit, gar meiner Zufriedenheit.
Ich wurde mit einem anderen Mann in ein Zimmer geführt, wo ich das sexy (Popofreien) Krankenhaushemd anziehen sollte. Es gab eine Art Netzunterhose dazu. Genauso heiß, ja. Ein Mann der geistig behindert war, war bereits im Raum und den anderen machte ich auch als Biomann aus. Ich entschied mich für das kleine Badezimmer, um mich dort umzuziehen. Abgesehen davon, dass es mir unangenehm war mich sonst frei um zu ziehen, hätte es den geistig behinderten Mann sicher auch sehr verstört, wenn ich mich da offen umgezogen hätte. Das die Schwester mich in dieses Zimmer brachte, halte ich auch jetzt noch für unüberlegt. Das hätte nicht sein müssen. Die Jungs dort waren auch wegen OPs an ihrem Bein dort. Als ich von dem neugierigen Mann, oder eher neugierigen Kind im Mann gefragt wurde warum ich da sei, habe ich gesagt, dass meine Brustdrüsen entfernt werden. Näher wollte ich nicht drauf eingehen und ich glaube, dass hat er auch gemerkt. Diese Menschen haben mehr Empathie als man ihnen vielleicht zugesteht.
Nun hieß es warten. Doch diese Wartezeit war völlig entspannt. Es gab dann auch noch die LMAA Tablette. Ich hätte sie nicht gebraucht, aber wer weiß wie ich später ohne sie noch drauf gewesen wäre. So hatte es mir dann auch nichts ausgemacht, dass ich bei der Narkose auch ein Übungsobjekt einer Studentin wurde, die es nicht packte meinen Zugang dafür zu legen. Ihr wurde dann aber noch geholfen und man sagte mir, dass es an der Hand nun was warm werden konnte. „Das fühlt sich eher drückend an, als w….“ Da war ich auch schon weg. Ich dachte eigentlich, ich würde das anzeichnen noch mitbekommen und danach würde ich erst schlafen gelegt – da hatte ich mich getäuscht. Als ich zu mir kam hatte ich Hunger und wollte ein Steak!

Eine Narkose ist nicht zu unterschätzen
Nach der Operation fühlte ich mich sehr gut. Schmerzen hatte ich überhaupt keine. Ich spürte nur den Druck des Verbandes an meiner Brust, aber sonst nichts. Erst am folgenden Morgen wurde mir  richtig bewusst, dass meine Brüste nun nicht mehr da sind. Ich schlug die Augen auf und da klatsche dieser eine Gedanke in mein Hirn, der mich augenblicklich einfach völlig einnahm und so zufrieden stimmte. Es war kein Feuerwerk von Glücksgefühlen, wie ich es erwartet hatte, sondern eine so tiefgreifende Tiefenentspannung und Glückseligkeit. Ich hatte es endlich geschafft und das Gefühl, dass ich nun ausruhen konnte. Der Stress der letzten Monate fiel von mir ab. Es war einfach nur herrlich!
Da ich mich so gut fühlte, wollte ich mir auch noch was die Beine vertreten und ging in der Nacht raus. Dass die Narkose aber noch nicht einfach so überstanden war, wusste ich nicht. Ich hatte keinerlei Erfahrung mit OPs. Das war meine erste überhaupt gewesen. Vor die Tür kam ich, aber dann sackte mir der Kreislauf weg. Ich schaffte es grad noch so mich auf eine Bank zu legen und versuchte einem Mann neben mir zu vermitteln, dass er mir doch bitte Hilfe holen soll. Leider sprach der Mann nur türkisch (mein ich zu mindestens das es diese Sprache war) und verstand mich nicht. Es kam glücklicherweise noch eine Frau, die dann den Notarzt holte. Der Arzt machte mich dann so richtig zur Sau, weil er von der Notzentrale wegen mir weg musste und da nun keiner mehr war und das ich bescheuert bin so schnell ohne Begleitung nach einer OP herum zu laufen. Am nächsten Morgen bekam ich auch noch eine Standpauke von meinem Arzt. Ich kann es ja verstehen. Jetzt. Ich habe definitiv draus gelernt, bin trotzdem der Meinung man hätte mir das vorab begreiflich machen können. Nochmal werde ich aber ganz bestimmt nicht so schnell schon wieder auf Reisen gehen, auch wenn ich mich gut fühle. Die Schmerztabletten können wunderbar für Täuschung sorgen.

Rolf
Da hängt man nun einige Tage im Krankenhaus und hat tatsächlich ein Zimmer für sich ganz allein, auch wenn sich das am vierten Tag ändern sollte. Bisher vermisste ich aber doch etwas Gesellschaft. Ab und an ging ich nach draußen, wobei man öfters einem älteren Herrn begegnet ist. „Beim dritten Mal bekomm ich einen ausgegeben.“, sagte der alte Mann. Das nahm ich beim Wort und fragte meinen Pfleger nach irgendwas, dass ich dem Mann ausgeben könnte. Ich bekam ein verpacktes Knäckebrot. Damit ging ich nach unten auf die Pflegestation. Ich war mir dann aber unsicher. Immerhin wusste ich nicht, ob er das Brot verträgt. Ich fragte die Pflegerin, die mir dann auch sagte, dass Knäckebrot nicht das richtige sei. Besser ein Jogurt. Später habe ich von dem Mann dann auch erfahren, dass er Speisröhrenkrebs hat und das er Rolf heißt. Also bin ich wieder hoch auf meine Station und habe noch den Jogurt besorgt. Rolf hat sich so darüber gefreut, auch ob der Gesellschaft, die ich ihm schenkte. Ich war dann auch immer mal wieder bei ihm, um ein paar Worte zu wechseln. Es tat auch mir gut. Besonders wenn man den ganzen Tag nur rumgammeln kann ist so eine kleine Patientenfreundschaft eine willkommene Abwechslung. Beschweren kann ich mich aber wirklich nicht. Jeden Tag habe ich Besuch bekommen, worüber ich mich so gefreut habe. Hier auch nochmal herzlichen Dank an euch alle, die da waren.

Transmann entdeckt
Auch wenn wir nicht im selben Zimmer lagen und auf der Station selbst auch noch nicht über den Weg gelaufen sind, haben Markus und ich uns draußen gefunden. Anders kann man es wohl nicht sagen. Irgendwie hat man einen Radar für transidente Menschen. Ich habe ihm gleich mal vom Gendertreff erzählt, da er noch keine Selbsthilfegruppe hat. Wahrscheinlich wird er sich aber eher der Gruppe in Essen anschließen, in der auch sein Zimmergenosse ist. Ist eben auch praktisch, wenn man dort in die Stadt zieht. Trotzdem ist es schön auch weitere Kontakte zu finden und wir haben auch gleich mal Kontaktdaten ausgetauscht. Markus sollte an dem Tag operiert werden, als ich entlassen wurde. Er hat mir später geschrieben, dass soweit alles gut gelaufen ist. Es sammelte sich nur danach Flüssigkeit in der Brust, sodass er leider noch mal auf den OP Tisch musste. Nun aber ist alles gut und ich wünsche ihm hier an der Stelle auch noch alles Gute.

Wieder Daheim
Ehrlich gesagt, wollte ich nicht unbedingt wieder nach Hause, aber die Ärzte hatten keinen Grund mich länger im Krankenhaus zu lassen. Der erste Tag daheim war auch noch ganz gut und es war ein Ausflug zur Eifel am Wochenende geplant. Leider ging es mir bereits am nächsten Tag schon nicht mehr so gut. Die Hitze in meiner Dachgeschoßwohnung setzte mir sehr zu, dazu auch Schmerzen die ich mit Bewegung hatte. Der Mieder drückte mir zusätzlich auf das Gemüt und ich hatte manchmal das Gefühl kaum noch Luft zu bekommen, sodass ich mich flach auf den Rücken gelegt habe und den Mieder geöffnet habe. Es wurde nicht besser und so habe ich auch den Ausflug in die Eifel absagen müssen. Ich flüchtete ins Gästezimmer meiner Mutter eine Etage unter meiner Wohnung. Die Nacht dort war auch eindeutig besser und kühler. Miro und meine Schwester waren auch für mich da, haben mir Trinken gebracht, Essen und auch echt wohltuendes Eis. Ich hoffe, dass es mir in den nächsten Tagen wieder besser gehen wird. Ich muss auch die Woche zu einem Chirurgen, der sich die Nähte ansehen soll. Mein Hausarzt ist der Meinung, dass eine Korrektur notwendig sein wird. Mal sehen was der Chirurg dazu sagt.
Es ist schon heftiger, als ich gedacht habe und wirklich nicht ohne. Aber auch das wird wieder vergehen und heilen. Ich bereue nichts und die Schmerzen sind es wert sie zu ertragen, um endlich das Leben führen zu können, das meines ist.

 

Julien

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Bin ich so Exotisch?

Autorin: Flora

Als allererstes danke für eure Antworten zum letzten Beitrag! Ich freue mich jedes Mal. 🙂
In letzter Zeit war ich ja (leider?) etwas weniger aktiv im Forum, was an schwierigen Problemen in meinem Freundeskreis lag. Aber vielleicht kann ich zu einem späteren Zeitpunkt etwas mehr darüber schreiben. Ich kann aber sagen, dass ich wahrscheinlich in nächster Zeit wieder mehr beitragen werde! 🙂

Jetzt aber zu dem, worüber ich schreiben wollte:
Das mag vielen anderen Trans*Menschen zwar anders gehen, aber für mich ist es ziemlich leicht, im Alltag zu vergessen, dass ich Trans* bin. Ich bin vollständig geoutet, mittlerweile traut sich niemand mehr, mich offen anzufeinden, weitgehende Toleranz und an so mancher Stelle auch wohltuende Akzeptanz sind für mich normal. Und dafür bin ich unglaublich dankbar!! Aber manchmal, so auch in letzter Zeit, nimmt es mich dann umso mehr mit, wenn mir plötzlich unerwartet oft vor Augen geführt wird, dass ich „normal“ im Sinne der Gesellschaft wohl nie sein werde.

Angefangen hat es vor ein paar Wochen, als mein Bruder mir erzählte, ein Kumpel von ihm hätte nach mir gefragt. Besagter Typ ist Anfang 20 und hat sich in seinem ganzen Leben nicht die Bohne für mich interessiert- mit seinem Bruder hatte ich sogar regelmäßig Konflikte, als wir noch zur selben Schule gingen. Und genau dieser Typ hatte ihn jetzt nach mir gefragt, nach meinen „Veränderungen“, wie ich denn jetzt aussehe usw. Kommentar von meinem Bruder: „Du bist halt jetzt Dorfgespräch!“
Ich will jetzt gar nicht lange alle Arten ausbreiten, auf die mich die ganze Situation aufgeregt hat, deshalb die Kurzfassung: Leute, denen ich immer völlig egal war, interessieren sich jetzt auf einmal für mich, weil ich ja ach so exotisch bin. „Dorfgespräch“…als hätten die alle nichts Besseres zu tun. Und wie es mir geht, was mein Umfeld macht, das alles hat ihn nicht interessiert, nur wie ich denn jetzt aussehe. Da habe ich mich doch glatt gefühlt wie ein Ausstellungsstück im Museum. Alle glotzen es an, finden es mehr oder weniger interessant, reden ausgiebig darüber, aber es ist trotzdem hinter einer Scheibe, getrennt von den Menschen und ihren Gesprächen.

Kurze Zeit später hatte meine Oma Geburtstag, also fuhren meine Eltern und ich hin. Mein Bruder kam auch nach der Arbeit, genauso wie mein Onkel und meine Tante. Es war insgesamt ein schönes Fest(chen), ein typischer Familien-Kaffeeklatsch eben. Aber im Nachhinein wird meine Erinnerung daran überschattet von ein paar wenigen Momenten: Ein paar Mal ging es wieder mal um mich und meine Transidentität. Warum genau, weiß ich schon gar nicht mehr, ich glaube es ging um die / oder so, aber immer wieder fiel mein alter Name im Zusammenhang mit meiner Vergangenheit. Zu allem Überfluss bekam dann meine Oma noch einen Anruf von ihrem Bruder, der sich nicht mehr daran erinnern konnte, dass ich nicht Enkel sondern Enkelin bin. Meine Oma musste es ihm dann so mühsam am Telefon erklären wie es eben ist. Insgesamt hat sie es toll gemacht, aber die Benutzung von Pronomen war eine Katastrophe. Als ich am Abend mit meiner Mutter nach Hause fuhr, habe ich ihr versucht zu erklären, warum es mich so stört, wenn von mir immer noch als „er“ mit meinem alten Namen geredet wird. Dass es für meine Identität schlicht falsch ist, wenn man davon ausgeht, dass ich einmal ein Junge gewesen wäre. Dass ich nicht einfach durch einen komischen Zaubertrick von einer Sekunde zur anderen auf einmal zur Frau wurde. Dass es mich eben einfach verletzt, wenn meine Weiblichkeit mehr oder weniger unterbewusst so oft hintereinander in Frage gestellt wird. So richtig eingesehen hat sie es nicht. Da musste ich merken, dass es egal ist, ob man noch so tolles „Passing“ hat, wie lange man schon zu seiner Identität steht, wie aufgeschlossen und tolerant gegenüber Intoleranz man ist- es gibt immer noch Dinge, die zu fest in den Köpfen der anderen verankert sind, um sie zu ändern. Dass ich eine Frau bin, haben alle verstanden. Dass ich aber nie ein Junge war, das geht auch in die Köpfe der nettesten Menschen offensichtlich noch nicht rein.

Und dann heute die Krönung:
Unsere Stufe plant momentan unser Abimotto für das nächste Jahr, weshalb in der WhatsApp-Gruppe viel los ist. Normalerweise halte ich mich da zurück, aber ich schickte diesmal eine Nachricht zu dem Motto, was ganz banales, das nichts mit dem zu tun hatte, was danach kam. Wenig später kam eine Sprachnachricht von irgendeinem Typen, der sich offensichtlich das Handy von einem aus meiner Stufe geschnappt hatte. Sie war nur 2 Sekunden lang, also hörte ich es mir an. Es war…etwas anderes als ich erwartet hatte. Die fremde Stimme stöhnte theatralisch erregt meinen Namen ins Mikro. Kurz darauf das ganze nochmal mit einem passenden „Jaaa“ dazu. Ich war (wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt) ziemlich geschockt und verwirrt. Da ich zu dem Zeitpunkt wo die Nachrichten geschickt wurden nicht online war, also bloß eine halbe Stunde später das ganze Gespräch lesen bzw hören konnte, konnte ich auch die Antworten der anderen aus dem Chat lesen. Nach einem „Was hast du für Freunde?“ kam noch ein „Name des Typen am Mikro ist cool!!!!!!!“ von zwei anderen ging es dann wieder weiter mit dem Gespräch über das Abimotto. Da war ich wieder richtig wütend, weil das typisch ist. Einer baut scheiße, 65 Leute schauen zu und tun nichts dagegen. Es läuft eben online genauso wie auf der Straße.

Jedenfalls habe ich dann die Initiative ergriffen und ihn im Einzelchat angeschrieben. Sinnlos provozieren und dann abhauen, damit sollte er nicht davon kommen. Ich wollte ihn zumindest stellen, auch wenn ich dafür noch mehr einstecken müsste. Die Details über den…“Austausch“ will ich euch lieber ersparen, aber so viel vielleicht: Ich erklärte ihm, dass ich das total ekelhaft fand und dass er was auch immer lieber privat und nicht in so einem Chat machen soll. Es ging dann hin und her, er schickte immer nur kurze Antworten und erzählte mir wirre Geschichten davon, wie er mich von der Bettkante stoßen würde oder davon dass sein Freund einen großen …. hätte, genau wie ich. Irgendwann bekam ich ihn aber zum Reden und am Ende erklärte er mir (in überraschend passender Wortwahl im Verhältnis zu davor), dass er gar nichts gegen Transgender hätte (er kannte sogar das Wort!!!) und dass ich einfach nur seinen „Humor“ (Damit meinte er die Nachrichten im Gruppenchat) nicht verstanden hätte. Wir verblieben dann so, dass er das nicht mehr in so einem großen Chat macht und ich mich mit seinem „Humor“ abfinde. Er wünschte mir sogar ein schönes Wochenende.

Ich weiß nicht, wie die Situation auf euch jetzt wirkt, vor allem in eingekürzter Version (gut, ganz so kurz war sie auch wieder nicht…), aber dafür, dass ich einen schwer pubertierenden, betrunkenen Typen vor mir hatte, der sich auf irgendeiner Party das Handy von seinem Kumpel geschnappt hat um damit wahllos Leute zu erniedrigen, lief es doch ganz gut! Ich muss dazu sagen, dass ich (leider) viel Erfahrung mit dieser Art Junge habe, deshalb waren meine Erwartungen sehr niedrig. Umso besser, dass es so ausgegangen ist!

Also halten wir fest: Auch als „gestandene“ Transfrau (und als solche empfinde ich mich mittlerweile) können solche Dinge immer wieder passieren. Entscheidend ist aber, was man daraus macht! Die (auf gut Deutsch gesagt) strunzblöden Meinungen kann man vielen nicht nehmen, aber man kann sie zumindest dazu bringen, sich bewusst zu werden, dass sie sie nicht einfach folgenlos irgendwo auskotzen können. Es kostet zwar viel Kraft, aber danach fühlt man sich gleich viel stärker!

Liebe Grüße,
Flora

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Victorias privates Oktoberfest

Autorin: Victoria

Oktober 2015

Hallo ihr Lieben,

in den letzten Wochen konnte ich nur sehr selten im Forum lesen. War doch beruflich sehr eingespannt. Im Prinzip bestanden die Wochen nur aus Arbeiten und schlafen.

Heute ist der 38. Tag der Hormoneinnahme. Mir geht es sehr gut. Habe fast keine Nebenwirkungen, bis auf die üblichen Wechseljahrbeschwerden. Die da sind: leichtes schwitzen in der Nacht, mein Schlafen ist etwas flacher geworden, heißt ich schlafe nicht mehr so tief und fest, wache die Nacht mindestens einmal auf. Und ein leichtes spannen spüre ich in den Oberschenkeln. Außerdem bewirken die Hormone eine leichte Gewichtszunahme, der ich aber durch Sport entgegen zu wirken versuche. Ich hoffe das gibt sich dann in den nächsten Wochen, vor allem mit dem Schlafen.

Habe nun auch Antwort vom Amtsgericht bekommen. Am 15.10. ist nun mein Anhörungstermin. Bin gespannt wie der Termin abläuft und das erste Mal als Frau bei einer öffentlichen Institution.

Gestern war ich bei Freunden auf einem privaten Oktoberfest eingeladen. So das leider auch mein Besuch beim Stammtisch in Köln ausfiel. Dort fand dann in einem weiter entfernten Bekanntenkreis mein weiteres Outing statt.
Die Gäste wurden von meinen Freunden vorher nicht über meine Transsexualität informiert. Da ich ja aus der Karnevalstadt Düsseldorf komme, hielten sie es erst für eine Verkleidung. Merkten aber recht schnell das dies nicht so war. Es fand dann ein reger Informationsaustausch statt, wo ich dann über meine Situation bzw. auch über Transgender, ich nehme hier mal den Oberbegriff, aufklären konnte. Dieses Thema war in diesem Personenkreis noch nicht vorgekommen bzw. hat man noch nicht so erlebt.
Die anwesenden Gäste drückten dann ihre Hochachtung für mich bzw. uns alle aus. Die positive Rückmeldung war immer, das nur der Mensch zählt, mit seinen Werten, und erst in zweiter Linie sein Äußeres. Nur ein Gast viel negativ auf, der sich äußerte: Nur weil du jetzt ein Dirndl trägst, brauchst du jetzt nichts anzupacken, du Schwuchtel. Diese Person wurde aber sofort von den Gastgebern und anderen Gästen in seine Schranken gewiesen, das so etwas hier in diesem Kreis gar nicht geht und er sich bei mir zu entschuldigen habe. Das hat er sich dann nicht getraut. Ich glaube es war ihm dann doch etwas peinlich, was er da gesagt hat, was man an seinen unsicheren Blicken merken konnte.
Für mich war es in diesem Moment nicht mehr so wichtig, weil alle anderen Gäste zu mir stehen. Vor allen möchten Sie an meiner weiteren Entwicklung teilnehmen und haben mich gebeten mich doch öfter zu melden um besseren Kontakt zu mir zu bekommen. Rundherum war es ein gelungenes Oktoberfest von 11.00 bis 23.00 Uhr. Bin dann müde und glücklich nach Hause gefahren.

Ich freue mich nun auf den kommen Freitag. Mein Haarteil ist eingetroffen und die erste Anprobe findet statt!

Euch nun noch einen schönen Sonntag.

LG
Victoria

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Victorias Erlebnisse

Autorin: Victoria

September 2015

Hallo ihr Lieben,

möchte euch nun endlich mal berichten was in den letzten Wochen passiert ist.

Am 24.08. hatte ich dann den Termin in der endokrinologischen Praxis. Ich wurde untersucht und Blut abgenommen. Der Doc sagte mir dann, dass er mir die ersten Hormone verschreiben möchte, um festzustellen inwieweit ich sie vertrage.
Dies war dann eine Packung für 28 Tage. Die Hormontabletten nehme ich nun seit dem 28.08. Nachdem dann die Blutwerte feststanden und ich die Tabletten vertrage, bekam ich eine Quartalspackung verschrieben.
Im November bin ich dann noch mal beim Doc, da möchte er sich die Veränderungen, die ich in meinem Erscheinungsbild mache, anschauen. Da bin ich auch gespannt drauf, wie ich mich verändern werde. Dann wird entschieden wie wir die Therapie fortsetzen.

Am 23.08. war ich beim Gendertreff in Düsseldorf und am 05.09. beim Stammtisch in Köln. Ich muss sagen es waren zwei sehr schöne Treffen, wo ich sehr nette Menschen kennengelernt habe und wir uns sehr intensiv unterhalten haben. Das schöne war, es ging nicht nur um Transsexualität, sondern auch um allerwelts Themen. Es wurde unteranderem sehr viel Gelacht, was die Atmosphäre doch sehr aufgelockert hat.

Ich hatte ja geschrieben, dass sich mein bester Freund von mir abgewendet hat.
Nun hatte mich seine Schwägerin zu ihrem Geburtstag eingeladen. Ich hatte dann angemerkt, dass ihr Schwager mit mir nichts mehr zu tun haben will. Ob ich dann überhaupt erwünscht wäre. Antwort der Schwägerin: Da muss er durch!
Ein paar Tage später meldete sich dann mein Freund, per WhatsApp, und meinte ich hätte da wohl was falschverstanden! Na, ich weiß nicht was ich davon halten soll. Ich nehme mal an das seine Frau und Schwägerin mit Ihm nochmal über mich gesprochen haben und ihm wohl ein paar Takte über seine Einstellung mir gegenüber gesagt haben. Aber ich werde mir mal die Entwicklung distanziert anschauen. Leider ist dann aus der Geburtstagsparty nichts geworden, da es in der Familie einen Todesfall gab. Sie möchte ihre Feier aber zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Bin dann gespannt auf die Reaktion meines Freundes.

Diese Woche war ich dann noch beim Coiffeur um mir ein Haarteil auszusuchen. Das war ein sehr angenehmer Besuch, der mir viel Freude gemacht hat. Habe mir ein sehr schönes Teil ausgesucht. Bin gespannt wie es an mir aussieht wenn es fertig ist. Mal schauen wie viel mir die KK anteilig dazugibt.
Vielen Dank für den guten Tipp.

Habe nun meinen Therapeuten kontaktiert, für Atteste bzw. Bescheinigungen für das Haarteil bzw. für eine Bartepilation (momentan benutze ich noch einen Homelaser). Für die Haare die der Laser nicht wegbekommt.

Ich hatte ja geschrieben, dass ich schon Antwort vom Amtsgericht habe. Die Unterlagen sind von mir mittlerweile auch ans Amtsgericht geschickt worden. Also der Stein rollt und ich sage dazu „Mein ICE hat den nächsten Bahnhof erreicht“.
Ich fühl mich richtig gut, das Leben ist so schön!
Euch noch einen schönen Abend

LG
Victoria

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Veronica hat es im Betrieb geschafft

Autorin: Veronica

 

Hi @ all,

erst mal vielen Dank an alle für die „Daumendrückaktion“.

Also ich kann euch folgendes berichten:

Geschafft !!!

Wie ihr an den Smilies sehen könnt, ist mein Coming Out sehr gut verlaufen. Alle waren dem Thema Transidentität und in diesem Bezug meinem Outing sehr aufgeschlossen gegenüber. Sie hatten Verständnis, das ich erst jetzt damit rausgerückt bin, nachdem ich erklärte, das ich alle erst mal ein wenig kennen lernen wollte (stand auch so in der Mail, die ich zuvor verschickt habe). Es gab kein noch so unterirdisches Verhalten bzw. keine unterirdischen Kommentare o. ä.
Teilweise wollten sie wissen, wie es dazu kam. Ich habe ihnen den Hintergrund erklärt, der für sie dann auch nachvollziehbar war.

Alle fand es gut, dass ich mich dazu bekannt habe und haben mir einen sehr großen Mut bestätigt. Es war für sie klar, dass es für Menschen wie uns nicht einfach ist, so in der Öffentlichkeit dazu zu stehen. Da ich ja eine Perücke trage, kamen auch hierzu Komplimente wie „sieht man gar nicht, dass das eine Perücke ist“.

Die Mail, die ich ein paar Tage vorher an alle geschickt hatte, hat alle auch gut vorbereitet (so die allgemeine Aussage). Sie fanden es gut, dass ich nicht einfach mit der Tür ins Haus gefallen bin indem ich einfach die Veronica präsentiere. Also auch hier ein Volltreffer.

Es gab dann auch Ratschläge wie „wenn Dir einer blöd kommt, dann beachte den_die einfach nicht“ oder „geh nicht drauf ein, das beweist nur, das der_die keine Ahnung hat/haben“ usw.

Es war echt toll (ich könnt das Outing grad nochmal machen) und ich habe mich sehr sehr glücklich gefühlt und bin dann an beiden Tagen mit einem Dauergrinsen im Gesicht heimgefahren.

Wie es sich gezeigt hat, macht man sich immer zu viel Gedanken und Sorgen bzw. hat Ängste. Im Prinzip ist dies ja auch gut, hilft es einem doch sich vor möglichen Schaden zu bewahren. Aber eine gute Planung und Vorbereitung kann doch einiges eingrenzen oder erst gar nicht aufkommen lassen.

Wie dem auch sei, ich bin wirklich froh, dass ich so gut angekommen bin und diese Aktion hinter mich gebracht habe. Jetzt kann ich mich voll entfalten und meine weiteren Schritte in Angriff nehmen bzw. planen.

So, muss jetzt zu meiner Schwester und dort „Bericht“ erstatten.

Ganz viele liebe Grüße

Veronica, die jetzt zu 100 % als Frau leben kann.

>> Trans am Arbeitsplatz

>> Trans und Recht

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Miro erhält Unterstützung im Betrieb

Autor: Miro

 

Hallöchen mal wieder,

es gibt doch schon wieder etwas Neues:

Am Montag hatte ich mein Outing gegenüber meiner Bereichsleitung. Es verlief sehr positiv und Sie war, wie Sie sagte, nicht sehr überrascht, sondern hatte sich so etwas schon gedacht. Na toll .. soviel dazu, in der Arbeit soll es keiner merken.
In dem Gespräch haben wir dann vereinbart, dass ich unsere Chefin per Mail um ein Gespräch bitten und es Ihr ebenfalls selbst mitteilen soll.

Ich habe dann frohen Mutes noch am Montagabend die Mail geschrieben und damit gerechnet, dass ich irgendwann nächste Woche einen Termin bekomme. Fehlanzeige!!! Die Antwortmail kam direkt heute Morgen und ich hatte um 10 Uhr mein Gespräch. Ehrlich gesagt bin ich fast vom Stuhl gefallen.
Mein Plan bei dem Gespräch mit Flyer, Bildern und so weiter aufzutauchen, war mal eben dahin.

Mit einem gefühlten Puls von 200, bin ich dann zu dem Gespräch. Es ist trotz meiner Nervosität super entspannt verlaufen und ich bin tatsächlich nach 2 Stunden völlig entspannt aus dem Termin gekommen.
Sie war überrascht, aber sehr einfühlsam und interessiert und sicherte mir jede Hilfe ihrerseits zu.
Am Nachmittag hat Sie dann auch unseren Geschäftsführer informiert und kurz danach kam die Mail, dass mich auch unser Geschäftsführer in allen Belangen voll unterstützt. Das hatte dann zur Folge dass ich erst mal kurz im Separee verschwinden musste, da ich in dem Moment meine Emotionen nicht so wirklich kontrollieren konnte. Ich hatte zwar gehofft und geahnt, dass es keine extremen Reaktionen geben wird, aber mit dem offensichtlichen Support der nun kommt, habe ich ehrlich nicht gerechnet.. das ist echt krass.

Wir haben vereinbart, sobald ich weiß, wann die Hormontherapie los geht, werden wir den etwas größeren „Rest“ des Konzerns informieren und dann in dem Zuge auch meinen Namen und die Anrede umstellen. Das ist so crazy… ich bin immer noch aufgewühlt!

Ja und dann habe ich tatsächlich noch um dem Ganzen ein Sahnehäubchen aufzusetzen einen Termin beim Endokrinologen für den 13.06. bekommen … gaaaanz lieben Dank an Jonas für die Adresse.

Ich weiß gerade nicht, ob der Herrgott gerade allen Sch… piep… der letzten Jahre versucht auf einmal gut zu machen, aber ich bin gerade einfach nur Mega glücklich und dankbar.

Total glückliche Grüße

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Miro`s Mini-Tagebuch

Autor: Miro

Hallöchen Zusammen,

nachdem ich ja eigentlich eher zur den Schreibfaulen, dafür aber verbal aktiven Menschen gehöre, soll dies hier trotzdem zu einem kleinen „Mini-Tagebuch“ werden.
(Danke an Captain J.J. und Ava, für den verbalen Tritt in den Allerwertesten.. )

So nun zur eigentlichen Statusmeldung. Der hauptsächliche Anlass bzw. Startschuss hierfür ist, dass ich seit Donnerstag letzter Woche meine Indikation seitens meines Psychotherapeuten habe und ich bei Ihm offiziell Herr … bin.

Nebenbei ist mittlerweile auch mein Vater eingeweiht und geht nach einem langen Gespräch relativ locker damit um … wir waren kurz darauf erst mal Werkzeug-Shoppen und Motoräder gucken ….
Mein Bruder und seine Frau nennen mich bereits Miro. Bei Ma und Pa wird es wohl noch dauern, bis Sie sich umgestellt haben, aber sie sollen alle Zeit bekommen, die Sie dafür brauchen. Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, wie wir damit umgehen und ich lasse Ihnen Informationsmaterial zukommen, damit Sie sich weiter informieren können, bevor die Frage aufkommt.
Nein meine Eltern haben kein Internet, kommt evtl. ab September. Demnach werden wir sehen, ob sie damit zurechtkommen und sich im Gendertreff-Forum oder auf der Webseite ebenfalls informieren können. Deshalb erstmal ganz altmodisch mit Druckmedien. Familienseitig ist damit alles in bester Ordnung. Was der Rest der Verwandtschaft denkt ist mir egal. Die werden es schon merken.

Mein engster Freundeskreis ist eingeweiht und die Jungs sind von der Umarmung zum „Checker-Handschlag“ übergegangen, die Mädels knuddeln mich weiter .
Was sich geändert hat ist die Gesprächskultur. Da ich noch nicht wirklich zu den Jungs gehöre ber auch nicht mehr zu den Mädels ist das manchmal etwas seltsam. Aber egal in ein bis zwei Jahren ist das vergessen.

Auf der Arbeit sind die Mädels aus meinem Team eingeweiht. Das war ein pragmatischer und notwendiger Schritt, da ich immer mehr aufpassen musste, was ich wie erzähle. Es ist mir immer häufiger passiert, dass ich mich verplappert habe und der Punkt, an dem es zu Fragen geführt hätte, rückte immer näher. Also hab ich mir die Mädels einzeln proaktiv geschnappt und eingeweiht. Das lief völlig entspannt, dafür werde ich jetzt von den Mädels liebenswert aufgezogen oder auch mal sofern kein Dritter im Raum ist mit Herr angesprochen.
Der nächste Schritt wird hier sein, dass ich meine Bereichsleitung und meine oberste Chefin in Kenntnis setzte, da ich auch mehr oder weniger in den „Startlöchern“ bzgl. der Hormoneinnahme stecke. Ich habe dies ja bereits mit meinem offiziellen Grund für die Psychotherapie eingestielt und kann nun daran anschließen.

Bezüglich der medizinischen Angelegenheiten, habe ich mittlerweile die Überweisung zum Endokrinologen und einen festen Termin im August. Das heißt nun auch, dass mein Hausarzt Bescheid weiß.
Im Juni kann ich bereits den ersten Bluttest machen lassen, wo es sich zeigen wird, ob alles soweit „jut“ ist oder ob sich irgendetwas Kontraindiziertes ergibt.
Der Plan, bzw. die Hoffnung ist, evtl. ab Ende Juli/Anfang August mit den Hormonen beginnen zu können. Dann werden wir auch sehen, ob sich meine Haare vom Oberkopf auf die Brust verlagern,
oder ob ich generell zum Grisly werde (bitte nicht). Beim Stimmbruch hoffe ich, dass ich nicht anfange zu „quietschen“, wie der 14-jährige Sohn meiner Freundin, das käme am Telefon eher doof.

Derzeit sitze ich über meinem „Trans-Lebenslauf“. Das erweist sich gerade als erste nervige Hürde, aber … so what… da müssen wir durch. Ich habe meinen vollständigen Namen gewählt und beschäftige mich also demnach auch so langsam mit dem Thema Personenstandsänderung.

So, mehr hab ich gerade nicht mitzuteilen…
Ich wünsche Euch einen sonnigen Rest-Sonntag und freue mich auf das nächste Selbsthilfetreffen.

LG Miro

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Mein großer Tag

Autorin: Anja

Hallo Mädels, Jungs und alle dazwischen und daneben!

Ich hab neues von der Arbeit. Heute war mein großer Tag, ich fühl mich wie …. keine Ahnung wie, ist aber toll!

Heute Morgen in unserer Teambesprechung hat mein Vorgesetzter angekündigt, ich hätte noch was zu sagen, also fing ich an von mir zu erzählen. Zum Glück fühle ich mich im Team sehr gut und so war ich auch gut drauf. Es war gerade Mal die Hälfte da, aber die anderen werden genauso gut reagieren. Im Laufe des Tages (Der beste Arbeitstag meines Lebens) hatte ich noch ein paar gute Gespräche. Ich hatte versprochen immer für alle Fragen offen zu sein, damit keine blöden Situationen entstehen. Haben sie alle angenommen wie Kaffee und Kuchen!

Danach gab es noch ein Gespräch mit meinen und anderen Beschäftigten. Auch hier sah ich viele interessierte, aufgeschlossene und auch freundlich strahlende Gesichter. Später auch hier wieder Fragen. Absolut distanzlos und direkt. Total geil! Damit muss man wirklich umgehen können. Zum Glück kann ich diese Situationen mit unseren Beschäftigten mit viel Humor sehen. Wird aber bestimmt auch noch anstrengend.

Die eMail, die dann an etwa 150 Arbeitskollegen_innen ging, wurde heute auch schon ein paar Mal beantwortet. Ein Zitat daraus, völlig überraschend, „Warst für mich schon immer eine Anja!“ Aber es kam auch eine eindeutige Warnung, dass mir auch andere begegnen werden.

Danach ging mein heutiger Rundumschlag weiter und ich habe endlich WhatsApp und Facebook korrigiert, dort gab’s auch noch eine Nachricht von mir. Das Feedback ist phantastisch!

Ich hänge hier mal mein Schreiben an die Arbeitskollegen_innen an, habe aber mal die Einleitung rausgeworfen.

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

… bla bla …

Es gibt ein wichtiges Detail in meinem Leben, das bisher keinen Platz auf der Arbeit hatte. Darum geht es in dieser Nachricht.

Ich bin Transident. Transidentität oder auch Transsexualität, bedeutet in meinem Fall, dass ich mich dem männlichen Geschlecht nicht zugehörig fühle und, nach reiflicher Überlegung, meiner angedachten gesellschaftlichen Rolle nicht mehr gerecht werden kann.

Daher habe ich mich an die Geschäftsleitung gewandt und diesen Sachverhalt besprochen. Zusammen haben wir die nötigen Schritte geklärt und beschlossen, dass ich euch ab dem 30. Mai, nach meinem Urlaub, endlich als Anja B. zur Verfügung stehe.

Um Unsicherheiten oder Unklarheiten zu vermeiden, stehe ich euch natürlich für alle eure Fragen zur Verfügung. Ich hoffe auf ein angenehmes Miteinander wie bisher.

Viele Grüße,
Anja B.

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Michaela`s Tagebuch

Autorin: Michaela

Hallo zusammen,

ich bin recht neu im Forum und nutze dann gleich mal das Tagebuch, um mich auch vorzustellen.

Ich bin 31 Jahre jung, verheiratet, zwei Kindern und stecke (noch) in einem männlichen Körper. Hinter mir liegt ein wohl doch allzu typischer Weg. Schon sehr früh hat mich das Thema „Geschlechtsangleichung“ und „Mädchen/Frau sein“ auf eine unbeschreibliche Art und Weise berührt. Aber ich hätte mich nie getraut, mich irgendjemand gegenüber zu outen; bei den wenigen, wo ich es getan habe, war es dann auch sehr halbherzig und im Zweifelsfall bin ich dann lieber mal wieder zurückgerudert.
Und so trug ich es lange mit mir herum, habe schon Ende der 90er das komplette Internet leergesurft und alle Informationen in mich hineingesaugt, um dann… NICHTS… zu tun.
Zumindest nicht mehr als lange Haare, haarlose Beine… „weil ich es so mag, aus sonst keinem Grund“, habe ich mir immer selbst gesagt

Irgendwann, nach jahrelangem Leben in der Traumwelt und Warten auf den Tag, an dem ich es endlich wagen würde, den ersten Schritt zu tun….
Irgendwann dann mein Entschluss: „Ich habe ja noch nicht wirklich versucht, als richtiger Mann zu leben… Wie kann ich da wissen, was ich will?“

Also: Haare kurz, Kinnbart wachsen lassen und dann mit Mitte 20 endlich mal auf die Suche nach einer Freundin machen. Die habe ich dann auch gefunden und alles war schön. Schließlich Familie, Kinder; gar keine Zeit mir Gedanken zu machen… Und dann hat mich das Thema doch immer wieder eingeholt. „Okay“, habe mich mir gesagt, „mich interessiert das Thema… Na und?“ „Okay“, habe ich mir gesagt, „ich wäre tatsächlich lieber eine Frau… Na und?“

Gezielt habe ich das Internet durchsucht nach Informationen und Seiten, die gegen Transition und Transsexualität wettern… Was ich von dort mitgenommen habe, möchte ich hier gar nicht wiedergeben. Sehr viele Vorurteile, dich ich von dort mitgenommen habe, die es mir auch erschwert haben.

Letztlich die Augen geöffnet hat mir meine Frau, die immer mal wieder einiges davon mitbekommen hatte. Und auch wenn sie sich Anfang des Jahres getrennt hat, weil sie Abstand brauchte und sich (leider) nicht vorstellen kann, mit einer Frau zusammen zu sein. Sie hat mir zugesichert, dass sie als Freundin immer für mich da sein wird. Tolle Frau! Wir werden sehen, wo es uns hinführt, aber wir kommen derzeit besser miteinander klar, denn je. Und auch mit den Kindern läuft alles super. Darüber bin ich sehr froh.
Sie hat mir auch beim „Outing“ im Bekannten- und Verwandtenkreis geholfen. Ich hätte damit ja noch ein wenig warten können. Aber die Reaktionen waren (fast) alle positiv. Wahnsinn!
Das hat mir sehr geholfen, mich mit mir auseinanderzusetzen. Und ich bin in mir auf große, steinerne Mauern aus Vorurteilen gegenüber mir selbst und Vorbehalten und Ängsten und Widerständen gestoßen. Die dann aber doch überraschend schnell eingerissen sind. Und dahinter kommt immer mehr die Wahrheit zum Vorschein. Eine Wahrheit, die mich auf der einen Seite ganz froh und euphorisch werden lässt. Die mich aber auch schon mal herunterholt.

Und dann bin ich ins Handeln gekommen:

  • Termin bei der Sprechstunde Transsexualität im LVR-Klinikum Essen.
    Ich fand’s hilfreich, weil ich zum ersten Mal mit jemandem „vom Fach“ ausführlich gesprochen habe. Aber alles in allem war ich doch etwas enttäuscht, weil im Prinzip nichts dabei herumkommt, außer 1. eine Therapeutenliste und 2. ein Arztbrief.
  • Termin bei der Hausärztin zwecks Überweisung dorthin. Total nette und positive Reaktion von ihr. Ich hoffe doch sehr, dass sie mir auch in Zukunft helfen wird.
  • Parallel Therapeutensuche, die bei mir sehr schnell abgeschlossen war. Danke, Frau Dr. für die Sitzung innerhalb von 2 Wochen. 2 Sitzungen sind bereits abgeschlossen
  • Termin beim Endo steht, wenn auch erst Anfang September. Naja, vielleicht sollte ich mir diese Zeit einfach noch gönnen, denn ich will ja nichts überstürzen. Auch wenn ich natürlich jetzt am liebsten mit einem Fingerschnippen…
  • Und mittlerweile auch einen Termin bei einer spezialisierten Frauenärztin. Da war ich vielleicht nervös am Telefon, wo ich doch schon so souverän war, nach all den anderen Telefonaten. Und vermutlich kann keine Cis-Frau nachempfinden, wie ich mich auf diesen Termin freue.

So, das ist bei mir der Stand. Ich bin gespannt, wer es bis hier geschafft hat .

 

Michaela

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