Von Schifffahrt und Transgendern

Mit freundlicher Genehmigung von Gina Ginelli.

Es war einmal im April 2009 als ich mit meiner Frau zum Drachenfels fuhr. Als wir nach einem schönen Tag so langsam nach Hause fahren wollten, kamen wir auf dem Weg zum Auto an dem Rheinanleger der KD Bonn vorbei, wo uns ein Fahrplanständer auffiel. Da waren noch Fahrpläne für das Jahr 2009 angeschlagen. Als meine Frau dies durchlas blieb sie mit dem Blick auf Oktober 2009 hängen. Mit dem Kommentar: „Das könntet ihr ja auch mal machen!“ las sie vor: „Am 10ten Oktober Travestieshow und Disco.“ So entstand die Idee zu dieser Tour. Also rief Gina im Gendertreff Forum zur Travestie Tour mit Disco auf.

Dann war es soweit. Mit fünf Schwestern und auch zwei Gebürtigen wurde die Tour begonnen. Fünf weitere Mitstreiter würden wir dann auf dem Schiff treffen. Rita und Gina fuhren am Samstagmittag ins Schminklädchen nach Düsseldorf, während die anderen sich auf dem Weg zum Hotel nach Meckenheim machten.

Nachdem Rita und Gina gestylt und geschminkt waren, fanden sie sich gegen 16:30 Uhr auch im Hotel ein, wo die anderen schon vor Ungeduld warteten. (Wenn sich Transgender schon Stylen!) Also einchecken und dann ab zum Bahnhof und mit dem Zug von da aus nach Bonn Hauptbahnhof.

Als die „Glorreichen Sieben“ ankamen, wurde erst mal bei Pommes und Currywurst eine Stärkung zu sich genommen. Dann begab man sich durch die City zum Schiffsanleger, wo drei Schiffe am Ufer lagen.

Am ersten Schiff standen schon Fahrgäste für ein anderes Event an, die sich nach uns umschauten und uns musterten. War es Neugier, Ablehnung oder Neid? Aber die Resonanz war ruhig und gelassen.

Dann ging es auf die „Wappen von Bonn“, wo wir mit neugierigen Blicken empfangen wurden. Scheinbar hielt man uns für die Künstler, was sich im Laufe des Abends bestätigen sollte. Selbst nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, rissen die neugierigen Blicke nicht ab. Während dann die Kapitänsplatte aufgetischt wurde (Brot, Brötchen, Käse- und Wurstplatte sowie Kartoffelsalat), legte das Schiff vom Anleger ab.

Bevor das Programm begann, wurden noch die Tische wieder abgeräumt. Ein tolles Programm der Travestie wurde uns in zwei Teilen präsentiert. Zwischen den zwei Teilen der Show stand Discotime im Vordergrund. Das war Grund und die beste Gelegenheit, die Blicke wieder auf sich zu ziehen, was uns allen auch gelang. Von allen Richtungen und selbst von der Galerie wurden wir bestaunt. Es war eine tolle Erfahrung für Gina, die sich in diesen Blicken duschte und pudelwohl fühlte, denn Präsentation war ihr bis dahin fremd. Endlich mal im Mittelpunkt.

Es war ein wunderbarer Abend, den sie nicht solange vergisst, besonders, weil es sich bis zum Kapitän des Schiffes herum gesprochen hatte, dass Transgender an Bord sind. Als er dann beim Verlassen des Schiffes am Ausgang stand und uns mit den Worten: „Ihr wart super!“  verabschiedete und jedem von uns noch eine Rose in die Hand drückte, war der Abend zum Hit aufgestiegen.

Voller positiver, neuer Eindrücke und gutgelaunt fuhren wir alle im Taxi nach Meckenheim ins Hotel. Dort nahmen wir noch einen Absacker, bevor wir uns alle voneinander fürs Bett gegen 02.15 Uhr verabschiedeten.

Gina

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