Engagement macht stark – Gendertreff beteiligt sich an der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements 2013

Unter dem Motto „Engagement macht stark“ hat das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck die Woche des bürgerschaftlichen Engagements ins Leben gerufen. Auf der Webseite der Kampagne stellen verschiedene bürgerschaftliche Organisationen beispielhaft ihre zwischen dem 10.09 und 21.09.2013 stattfindenden Aktionen dar.

Der Gendertreff beteiligt sich ebenfalls durch eine Eintragung im Engagementkalender. Denn wir wollen zeigen, dass transidente Menschen Selbsthilfe und Öffentlichkeitsarbeit selbst in die Hand nehmen. Weiter rückt auch diese Aktion das Thema Transidentität wieder ein Stück weit mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit.

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Im verschneiten Berlin 2013

Sieben Mädels auf den Spuren deutscher Geschichte

Erlebt und geschrieben von Gitta

Einige haben ihn doch schon vermisst, unseren Reporter Günni, denn lange hat man nichts mehr von ihm gelesen. Nun, er hat inzwischen eine neue Aufgabe gefunden und versucht sich als Politik-Journalist in der Hauptstadt Berlin.
So war er auch an diesem eiskalten 22. Februar nach einem Urlaub in seiner Heimat wieder einmal auf dem Weg zu seiner neuen Wirkungsstätte. Es war schlechtes Wetter vorhergesagt, Schneestürme und Eisglätte, so fuhr er dieses Mal mit dem Zug nach Berlin. Die Fahrkarte war gekauft, der Sitzplatz reserviert und so wurde es eine entspannte Fahrt…
… bis die Bahn den Hauptbahnhof in Düsseldorf erreichte. Günni traute seinen Augen nicht, als er aus dem Fenster sah. Dort standen mit schwerem Gepäck einige ihm doch sehr bekannte Menschen. Ja, tatsächlich, es waren Xenia, Ute, Rita, Kirsten, Ava, Marina und natürlich die Schlimmste von allen: dat Gitta und diese sieben stürmten auch noch sein Abteil, denn auch sie hatten reservierte Plätze.
„Na, das konnte ja heiter werden“, dachte sich Günni, als er auf den Schildchen über den Sitzen den Zielort „Berlin“ lesen konnte. Aber was jetzt kam, übertraf seine schlimmsten Vermutungen: Nachdem das Gepäck verstaut war, sich endlich alle hingesetzt hatten und die Bahn sich wieder in Bewegung setzte, kam schon wieder Unruhe in die Gruppe. Wie konnte es auch anders sein, denn jetzt packten sie ihre mitgebrachten Taschen aus. Jede Menge belegte Brötchen, kiloweise Süßigkeiten, Sektgläser und auch noch 3 Flaschen Sekt.

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Transidentität am Arbeitsplatz: zufrieden – ausgeglichen – angekommen

Transidentität am Arbeitsplatz ist eine der größten Hürden auf dem Weg zum Leben im Identitätsgeschlecht, der Transition. Zwar kennt der Gendertreff zahllose Beispiele, in denen die Integration transidenter Menschen am Arbeitsplatz sehr gut funktioniert hat. Doch leider trifft dies nicht immer zu. Mitunter haben Trans*- Menschen im beruflichen Umfeld mit erheblichen Problemen zu kämpfen – bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Vor diesem Hintergrund hat der Gendertreff, Selbsthilfeorganisation für Trans*- Personen, Angehörige und Interessierte, die Initiative „Transidentität am Arbeitsplatz: zufrieden – ausgeglichen – angekommen“ ins Leben gerufen. Mit freundlicher Unterstützung vieler Unternehmen, Organisationen, Institutionen, etc. hat der Gendertreff einen Flyer für Arbeitgeber und Arbeitnehmer (w/m/d) entwickelt, der für das Thema Trans* im beruflichen Umfeld sensibilisieren soll.

Transidentität am Arbeitsplatz betrifft alle Bereiche des Unternehmens. Ob Produktion, Lager, Management oder Verwaltung: Überall findet man transidente Menschen. Der Gendertreff kennt aus seiner Selbsthilfearbeit Trans*- Menschen aus allen sozialen Schichten und in diversen Funktionen eines fast jeden Unternehmens. Denn auch wenn Trans*- Menschen eine Minderheit bilden, so kommt Transidentität weitaus häufiger vor, als vielfach angenommen wird.

Dabei ist Transidentität nicht allein etwas, das nur die Arbeitnehmerseite betrifft. Denn selbstverständlich gibt es auch transidente Selbständige und Führungskräfte. Egal, ob es nun ein_e transidente_r Arbeitnehmer_in oder Arbeitgeber_in ist: Die Integration transidenter Menschen am Arbeitsplatz ist Managementaufgabe und somit Sache der Personalleitung bzw. der Unternehmensleitung.

Der Flyer steht auf der Webseite des Gendertreff zum Download bereit und kann auch über das Kontaktformular angefordert werden. Zudem wird er in Ämtern zahlreicher Städte ausgelegt. Weiter wird er auf Wunsch an Unternehmen versandt und liegt auf Veranstaltungen aus.

Liebe Arbeitgeber und Arbeitnehmer (w/m/d),

Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter und sexuelle Identität werden in §1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes genannt. Spricht man über Chancengleichheit am Arbeitsplatz, denkt man an diese Punkte. Wie aber ist es mit transidenten Menschen, die leider immer noch vielfach mit erheblichen Problemen am Arbeitsplatz rechnen müssen, bis zum Verlust ihrer Arbeit?

Die vorhandene Qualifikation und jahrelange Erfahrung gehen durch das Outing und das Leben im Identitätsgeschlecht nicht verloren. Nein, im Gegenteil, diese Personen sind danach zufriedener, ausgeglichener, belastbarer und stellen somit einen Mehrwert für Sie dar.

Trans*- Menschen wollen als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft behandelt werden und benötigen keine Sonderbehandlung.

Geben Sie diesen Menschen ganz selbstverständlich eine faire Chance auf Arbeit und Ausbildung und integrieren Sie sie mit Akzeptanz und Respekt in Ihre Arbeits- und Unternehmensstruktur.

Wir möchten Sie mit der Aktion sensibilisieren und ermuntern, transidente Menschen ganz selbstverständlich in Ihrem Kollegenkreis zu akzeptieren und aufzunehmen.

Der Gendertreff – Selbsthilfeorganisation für Trans*- Personen, Angehörige und Interessierte sowie viele andere Trans*- Organisationen stehen gerne für weitere Fragen zur Verfügung und kommunizieren unter anderem dieses Thema in der Öffentlichkeit. Besuchen Sie auch unsere Webseite Trans* am Arbeitsplatz

>> Download: Flyer: Transidentität am Arbeitsplatz: zufrieden - ausgeglichen - angekommen

TRANS* AM ARBEITSPLATZ

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Fotos vom Gendertreff beim Ruhr CSD 2013 in Essen

Wie berichtet war der Gendertreff auch beim Ruhr CSD 2013 in Essen mit einem Stand vertreten. Da neben dem Gendertreff auch TransBekannt auf dem Kennedyplatz vertreten waren, brachten gleich zwei Organisationen das Thema Transidentität den Besuchern des CSD näher.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Das Bild oben zeigt den Gendertreff Stand während des CSD. Das Bild unten zeigt dagegen die Ruhe vor dem großen Sturm. Denn das war wörtlich zu nehmen: Der Tag begann mit teils sehr starkem Wind, so dass alle CSD-Teilnehmer ihre Stände gut besfestigen mussten.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Hier erwarten wir also noch die ersten Besucher direkt nach dem Aufbau unseres Stands. Doch schon bald füllte sich der Kennedyplatz und einige von uns machten sich auf, um an der CSD-Parade teilzunehmen.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Die Parade begann am Hauptbahnhof Essen und führte durch die Innenstadt zum Kennedyplatz. Der für den Morgen angekündigte Regen blieb zum Glück aus und der überwiegend blaue Himmel zeigte sich dank der weißen Wolken ebenfalls in Gendertreff-Farben. 😉

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Dann ging es los: Wir nahmen Aufstellung und hielten unsere Flyer griffbereit.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Die CSD-Parade ging zunächst durch die belebte Essener Fußgängerzone und wir verteilten unsere Flyer an die Passanten. Denn wir wollen die Menschen ja schließlich darüber aufklären, was ein Transgender eigentlich ist. Je mehr die Gesellschaft über Transidentität weiß, desto selbstverständlicher kann ein transidenter Mensch seine Transgender-Eigenschaft ausleben.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Die Parade des Ruhr CSD 2013 bewegte sich weiter durch die Essener Innenstadt.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Nach ungefähr einer Stunde erreichten wir das CSD-Gelände auf dem Kennedyplatz. Ja, und wer auf solch einer Parade mitgelaufen ist freut sich dann, einmal kurz sitzen zu können.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Vor dem Gendertreff Stand wurde derweil fleißig diskutiert.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Wir führten jede Menge Gespräche, knüpften Kontakte und leisteten Aufklärungsarbeit.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Ja, und wieder einmal hatten wir richtig Glück mit dem Wetter. Es blieb trocken und es wurde sogar richtig warm. Offenbar gehört ein Sonnenbrand zu einem erfolgreichen CSD.

Gendertreff CSD Essen 2013 007

Dann hieß es auch schon: Zeitig abbauen. Denn nach dem CSD Essen hatten wir am gleichen Abend noch unser Treffen bzw. unsere Selbsthilfegruppe in Leverkusen. Also verstauten wir unseren Stand in unseren Autos, brachten das ganze Material in unser Lager und fuhren weiter nach Leverkusen zum Gendertreff Leverkusen. Dort wurde weiter fleißig bis spät in die Nacht diskutiert.

>> Pressemeldung: Gendertreff beim CSD Essen 2013

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Gendertreff beim CSD Essen 2013

Essen, 03.08.2013 Essen feiert mit dem 10. Ruhr CSD 2013 das größte Straßenfest im Ruhrgebiet. Doch ein CSD bedeutet natürlich nicht, dass nur gefeiert wird. Vielmehr zeigt das Motto der Parade, ‚Gleiche Rechte nur mit uns!‘, dass noch viele Baustellen zu bearbeiten sind. Dies gilt insbesondere auch für transidente Menschen.

Ob im beruflichen Umfeld, der medizinischen Versorgung oder der rechtlichen Situation der Transition – überall gibt es Optimierungsbedarf. Dies nimmt der Gendertreff zum Anlass, sich mit einem Stand und der Teilnahme an der Parade am CSD in Essen zu beteiligen.

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht bzw. nicht vollständig mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die meisten Transgender sind heterosexuell.

Die Transgender-Eigenschaft ist nicht einfach nur „ein Hobby“. Viele Transgender möchten sich dem Wunschgeschlecht so weit wie möglich annähern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies vielfach Probleme mit sich bringt. Die „Transition“ genannte Angleichung an das Wunschgeschlecht ist deshalb im Transsexuellen Gesetz (TSG) geregelt.

Ziel des Gendertreff ist die Hilfestellung für Transgender, Angehörige und Interessierte sowie die Information der breiten Öffentlichkeit. Dazu betreibt der ehrenamtlich geführte Gendertreff unter www.gendertreff.de eine Internet-Plattform mit einem Forum, einem eigenen Magazin und vielen weitergehenden Informationen. Darüber hinaus wird mit unseren regelmäßigen Selbsthilfegruppen, ein Angebot zum persönlichen Austausch bereitgestellt.

Viele Grüße
Team Gendertreff

>> Pressrelations

>> Pressemeldung

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In kleinen Schritten, mein Weg zum Ich: 03, 04, 05, 06 u. 07-2013

Zwischenzeitlich habe ich im März meine Steuererklärung ausgefüllt und abgeschickt. Im Formular habe ich Ehemann durch Ehefrau ersetzt und habe u.a. meine Kosten für die Personenstandsänderung und die Epilation angegeben.

Im April dann ist der Bescheid eingetrudelt und sieht folgendermaßen aus:

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Meine erste Arbeitswoche

Autorin: Stefanie1268 aus dem Gendertreff-Forum

Transidentität und Arbeitsplatz – Die positiven Erfahrungen im beruflichen Umfeld häufen sich. Hier berichtet Stefanie aus dem Gendertreff Forum über ihre erste Arbeitswoche im Wunschgeschlecht.

Hallo zusammen,

nachdem hier schon einige über ihre Umstellung im Job berichtet haben, möchte ich mich da nun anschliessen.

Nach meinem letzten Eintrag, wo ich um Meinungen darum gebeten hatte, ob ich den Schritt im Büro gehen sollte, war es nun am 01.07. soweit. Mein erster Tag im Büro als Stefanie.

Ich hatte mir vorher schon Sorgen gemacht, ich wäre an dem Tag oder Abend vorher ein nervöses Wrack, aber das passierte nun gar nicht. Ich war nur in der Vorwoche mal für ca. 5 Minuten etwas nervös, als ich an den ersten Tag dachte. Danach war es nur noch eine leichte Anspannung (die aber je näher der Tag rückte auch immer mehr nachließ) und ansonsten Vorfreude und etwas Neugierde, ob alles klappen würde.
Am 30.06. hatte ich dann passenderweise noch meine Typberatung beim ‚Engel‘ und habe dort wirklich eine Menge an Infos bekommen. Die sollten mir helfen, in Zukunft zumindest nicht komplett in die falsche Farbkiste zu greifen.

So war ich dann bestens gerüstet für den ersten Arbeitstag als Stefanie. Ich hatte am Freitag vor meinem grossen Tag mit einer Mail an die wichtigsten Kollegen schon mal die entsprechende Information rumgeschickt, so dass der allergrösste Teil entsprechend vorinfomiert war. An der Stelle muss ich sagen, dass ich mir dazu keine Infos von anderen geholt hatte, wie die es geschrieben haben, sondern einfach irgendwann innerhalb von ca. 10 Minuten den Text so wie er mir in dem Moment richtig erschien runtergetippt hatte. Mit ein wenig Stolz muss ich sagen, dass er sehr gut angekommen ist.

Ich habe dann am Montagmorgen wie üblich meinen ersten Gang in unsere Kantine gemacht, um mir mein Frühstück zu holen. Jetzt ist es um die Zeit wenn ich anfange in der Kantine noch recht leer, so dass dies keine echte Hürde darstellte. Erstaunlich fand ich es nur, dass mich die Kantinencrew wirklich nicht zu erkennen schien. Erst war es nur ein rein subjektiver Eindruck, wurde aber durch 2 weitere Erlebnisse der ersten Woche deutlich bestätigt.

Im Büro angekommen wurde ich dann von einer netten Kollegin begrüsst die mir zum Einstieg einen Energiedrink Marke ‚Shopping Power‘ und dem Aufdruck ‚Tussi on Tour‘ überreichte. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich mich schon in den Wochen vorher ausführlich mit dieser Kollegin unterhalten hatte, da sie von dem Thema an sich recht fasziniert war. Mir bot sich damit die perfekte Gelegenheit über mein aktuelles Lieblingsthema zu reden und in ihr hatte ich die perfekte Zuhörerin.

Der Rest des ersten Tages verlief eigentlich recht normal, fast so wie ein ganz normaler Arbeitstag. Ich hatte ein paar Meetings, die aber wie auch an den weiteren Tagen rein beruflich abliefen.

Ansonsten habe ich am ersten Tag auch noch etwas hinter mich gebracht (eine echte Chance hatte ich eh nicht das zu vermeiden) was mir mit am meisten Sorgen gemacht hatte, ich habe das Damenklo benutzt. Jetzt mag es für die ein oder andere ein wenig unverständlich sein, warum man gerade vor so einer Kleinigkeit ja fast schon Angst hat, aber wenn man sich immer selber eingeredet hat, dass man auf dem Damenklo nichts verloren hat, war es für mich halt ein grosser Schritt. Aber spätestens nach dem ersten Mal, als ich dann beim Händewaschen in den Spiegel schaute, war mir klar, dass ich ab sofort auf dem Herrenklo nichts mehr verloren hatte.

Ach ja, ich hatte ja solche Bedenken wegen meiner Stimme. Ja, die Stimme ist nicht so, wie ich es mir wünschen würde, aber sie wird akzeptiert und ich bin ja auch noch dabei mit Logopädie da noch was zu ändern. Bzgl. Logopädie kann ich nur sagen, wer keinen Arzt (HNO oder andere) kennt und hat, der sich mit Transsexualität auskennt, wird es schwer haben, die nötige Heilmittelverordnung zu bekommen. Ich bin letztendlich bei 4 verschiedenen Ärzten vorstellig geworden (Hausarzt, Psychologin, HNO) und erst beim HNO der mir von meiner Logopädin empfohlen wurde, bekam ich sie dann. Alle anderen fühlten sich entweder nicht zuständig dafür oder wollten sie schlicht und einfach nicht ausstellen. Sollte jemand also eine gute HNO Adresse dafür in Düsseldorf suchen, ich könnte da jemanden empfehlen.

Der Rest der ersten Arbeitswoche brachte eigentlich nur noch eine Erkenntnis: Es kann passieren, dass einen selbst Leute die einen schon länger kennen, auf einmal nicht mehr auf Anhieb erkennen. So passiert mit einem Kollegen, mit dem ich zum Frühstück verabredet war und einer Kollegin, mit der ich mich zum Mittagessen getroffen habe. Beide waren nicht wirklich weit von mir entfernt, haben aber erst einmal an mir vorbeigeschaut (und das nicht weil ich so klein bin). Erst als ich mich dann fast direkt vor sie stellte, haben sie mich dann doch erkannt.

Ebenso sitzen auf dem Gang, wo ich mein Büro habe, auch einige Leute, die nicht in dem Mailverteiler meiner Infomail waren. Ich denke, einige werden wohl auch glauben, dass einfach eine neue Kollegin angefangen hat. In einer Zeit wo eine nicht ganz kleine Umstrukturierung bei uns läuft kein wirklich ungewöhnlicher Gedanke.

So langsam merke ich aber auch, dass sich bei einigen Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit mir auch etwas verändert. Ich meine nicht, dass sich jemand distanziert (aber auch das ist zumindest in einem Fall so), sondern dass man tatsächlich anders behandelt wird. Einige Frauen werden offener, einige Männer nehmen meine Meinung nicht mehr so an wie vorher. Ich hatte schon von letzterem gelesen, aber dass ich das schon in der ersten Woche mitbekomme ist schon erstaunlich. Es ist aber nicht so, als würde mich das wirklich stören. Solange man meine Arbeit letztendlich anerkennt, sehe ich diese Verhaltensänderung schon eher als Bonus an, weil sie mir sagt, dass man mich so akzeptiert, wie ich bin.

Bisher also alles in allem ein sehr harmonischer Anfang. Nächste Woche steht mir noch eine Hürde bevor, nämlich das erste Training, das ich halten muss. Ich denke, da werde ich dann doch noch mal etwas unruhiger werden, aber auch das werde ich meistern. Ich würde mir wünschen, dass es allen bei diesem Schritt so einfach gemacht würde wie mir. Ach ja, einen Haken gibt es noch: Unsere Admins haben es bisher noch nicht geschafft mir zumindest einen Mailaccount unter Stefanie anzulegen. Aber ich habe auch schon von Kolleginnen die ‚nur‘ geheiratet haben gehört, dass das ggfs. auch ein paar Wochen gedauert hat. Aktuell kann ich aber nur sagen, das ist für mich eine reine Nebensache. Dass ich mich nun nicht mehr verstellen muss und ganz ich selber sein darf, macht das mehr als wett.

Liebe Grüsse

Stefanie

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Geschafft!

Transidentität und Arbeitsplatz – kein ganz leichtes Thema. Denn hier geht es schließlich um die Existenz. Zum Glück gibt es immer mehr positive Beispiele, dass sich beides verbinden lässt. Hier berichtet Brigitte aus dem Gendertreff Forum über ihren Weg in das Berufsleben.

Die folgenden Einträge wurden aus Brigittes Beiträgen im Gendertreff Forum entnommen.

Geschafft (1)

Hallo zusammen,

jetzt ging alles ganz schnell. Ich habe jetzt zwei Wochen Urlaub und ab 10.06. geht Brigitte zur Arbeit. Die reine Freude.

Gruß Brigitte

Kurze Zeit später:

Geschafft (2)

Hallo Mädels,

ich hatte einen Bericht versprochen.

Im Januar hatte ich mich meinem Chef, den ich seit 12 Jahren kenne, anvertraut. Zuerst geschockt, dann zugehört und am Ende verstanden. Kurz darauf bin ich zu meiner Betriebsrätin. Sie hat mit einem Lächeln zugehört und mich dann gefragt, ob ich mich nicht wundere, dass sie es so leicht nimmt. Ich sagte, dass ich mich wundere.

Darauf sagte sie, dass sie eine Cousine hat, die vor 12 Jahren noch ihr Cousin war. Dann wurden Pläne gemacht, wie wir weiter vorgehen. Zunächst haben wir meinen Abteilungsleiter informiert. Geplant war, an einem Mittwoch den Vorstand durch die Betriebsrätin unter vier Augen zu informieren. Dann sollte am Freitag ein Gespräch mit der nächsten Ebene stattfinden (Personalchef etc.). Der Vorstand sagte: „So ein Quatsch, die Kollegen informieren und gut ist es.“

Also wurden die Kollegen zusammen gerufen. Am Ende meines Vortrags wurde mir stehend applaudiert und ich wurde in den Arm genommen. Zwei Tage später hatte ich meinen neuen Dienstausweis.

Gruß Brigitte

Und wieder etwas später:

Geschafft (3)

Hallo Mädels,

falls es jemanden interessiert: Ich habe nun eine Woche Arbeit im Außendienst ohne Probleme hinter mich gebracht. Das einzige Unangenehme war: Mir ist ein Nagel abgebrochen. Und seit Montag bekomme ich meine Hormone. Was will ich mehr?

Lieben Gruß Brigitte

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E-Mail vom Chef – Transition am Arbeitsplatz

Manchmal ist es mit dem Thema Transition am Arbeitsplatz einfacher, als man denkt. Hanna aus dem Gendertreff Forum berichtet von ihrer Transition im beruflichen Umfeld.

Liebe Freundinnen,

ich kam vor ca. 1,5 Jahren recht schüchtern zum Gendertreff, als Mann, unter meinen weiten Sachen Strumpfhose, Rock, BH etc. verborgen, so wie mein Leben bis dahin. Mit euch habe ich gelernt, laufen zu lernen und heute stehe ich noch lange nicht am Ende meines Weges, habe aber schon so einige Hürden genommen. Von einer großen Hürde, dem Outing in meiner Firma, möchte ich euch kurz berichten.

Am besten kopiere ich euch einfach den Text, den meine Chefs über mich geschrieben haben. Die untere spätere Mail hat einen potentiellen Empfängerkreis von ca. 2000 Leuten, ich arbeite in einer Firma mit ca. 4000. Mein Chef sagte danach „Jetzt bist du berühmt“. Ich kann dem nicht viel hinzufügen. Am Abend nach diesen Mails habe ich vor Glück geheult und ich brauche diesen Worten nichts hinzuzufügen:

eure Hanna

(Ich werde in der Mail noch als Holger bezeichnet, gehe aktuell noch als Mann „verkleidet“ ins Büro, TTC ist meine Abteilung.)

********

From: M.,
Sent: Monday, June 24, 2013 10:29 AM
To: xxxxx approx 80 people Subject: Diversity @ TTC

Liebe Kollegen.

Dies hier ist sicherlich eine ungewöhnliche und nicht alltägliche Mail, aber ich freue mich, diese schreiben zu dürfen.

Ein Teil unserer Kultur des Unternehmens ist Vielfalt oder, um den Trendnamen zu nutzen, „Diversity“.
Für uns im Team ist das nichts Neues, wir arbeiten bereits überregional und auch global zusammen und das nicht einfach so, sondern wir sind ein echtes Team.
Wir sind so bunt wie die Gesellschaft und wir profitieren von unterschiedlichen Sichtweisen und persönlichen Hintergründen.
Die Kultur im Team, der Abteilung und letztendlich im Unternehmen wird geprägt durch unsere Vielfalt.
Akzeptanz und Toleranz sind Elemente, aber letztlich ist so etwas nur mit Wertschätzung erreichbar. Wertschätzung kommt nicht nur von der Führungskraft (oder sollte kommen 😉 ), sondern von untereinander gelebter Wertschätzung.

Um wertschätzend miteinander umgehen zu können, brauchen wir ein Umfeld, in dem sich niemand verstellen muss. Ein Umfeld, in dem wir so sein dürfen wie wir sind.
Niemand sollte seine Energie verschwenden, sich an ein wie auch immer geartetes Ideal anpassen zu müssen.

Daher bin ich froh, dass Holger H. mir über seine Transidentität (besser bekannt als Transsexualität) und die damit verbundenen Schritte berichtet hat und bewundere seinen Mut.
Ganz normal ist, dass jeder von uns eine sexuelle Orientierung und eine Geschlechter-Identität besitzt, so individuell wie der Mensch an sich.
Außergewöhnlich ist es aber (leider) immer noch, über Themen zu sprechen, die vermeintlich von einer / der gesellschaftlichen Norm abweichen.

Dazu möchte ich hier ganz klar Position beziehen!

Holger H. hat bereits damit begonnen, sich über einen längeren Zeitraum geschlechtsangleichenden Maßnahmen zu unterziehen.
Er wird dadurch auch nach außen in der Identität als Frau leben können, die ihn bereits sein ganzes Leben innerlich prägt.
Ich finde es sehr gut und einen Vertrauensbeweis, dass Holger den Mut hat, dies mit uns zu teilen.
Ich stehe uneingeschränkt hinter Holger und werde ihn in jeder Hinsicht unterstützen. Das Gleiche erwarte ich von jedem/jeder KollegIn im Team.
Selbstverständlich dürft ihr ihn bis auf weiteres mit Holger und in der männlichen Anrede ansprechen, die weibliche Form mit Hanna ist noch nicht notwendig, aber durchaus möglich.

Warum kommuniziere ich dies via Mail?
Ich wollte jedem von euch die Gelegenheit geben, diesen Schritt in Ruhe persönlich zu reflektieren.
Ich hoffe, dass ihr gemäß des rheinischen Brauchtums „jeder Jeck is anners“, mit Neugier und Aufgeschlossenheit auf Holger zugehen könnt.
Die Mail soll also kein Mittel versteckter und anonymer Kommunikation sein und bleiben, genauso wie das Thema an sich kein Tabu bleiben sollte.
Holger und ich würden uns freuen, wenn ihr das offene Gespräch sucht und ihr euch / wir uns mit Interesse auf die Veränderung einstellen.

Ich kenne euch alle gut und bin mir sicher, dass es nicht erforderlich ist, aber eines möchte ich dennoch ganz klar zum Ausdruck bringen:
Ich werde keinerlei Ausgrenzung, Diskriminierung, Ironie, Ignoranz, Tuschelei o. ä. dulden.
Am Mut von Holger sollte sich jeder ein Beispiel nehmen!

Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern sich aktiv mit den Unterschieden der Menschen beschäftigen führt zu einer Erweiterung des persönlichen Horizonts und Flexibilität im Denken.

Mit diesen letzten Sätzen möchte ich nicht nur die Mail beenden, sondern auch den virtuellen Kommunikations-Pfad verlassen.
Geht auf Holger zu, sucht das Gespräch.
Aber vielleicht braucht ihr auch zuerst einen anderen Ansprechpartner. Ein Jeder kann sich gerne vertraulich an mich oder auch an Gerda K, unsere Diversity Beauftragte, wenden.

Gruß M.

********

From: xxxx, S,
Sent: Monday, June 24, 2013 16:58 AM

To: xxxxx approx 90 to 2000 people Subject: Diversity @ TTC

I buried my best friend on Saturday; he taught me the importance of living life to the fullest. I admire and applaud your bravery, Holger, to do what is right for you to get fulfilment in your life and I echo the sentiments that Meinolf has eloquently expressed below. We’re here to support you and I wish you luck and happiness as you undertake this challenging and rewarding journey.

I can only imagine the anguish you’ve gone through before you reached the point where you were ready to overcome your anxiety and what is right for you. There are many people who become entrenched in their lifestyles, ways of working, etc. You see the need to change and you are making it happen – good for you! My wish is that you get tremendous support from those around you. Should you find anybody who be unsupportive or make you feel in any way uncomfortable, please remember two things:

  • Should anyone have their own issues or prejudices that they project that on you, shame on them and you should never feel diminished by them – for each of them, there are multiple people who feel inspired by you
  • Should anyone in the workplace treat you with less than 100% respect, I genuinely want to know about it. I want you to feel absolutely comfortable within your work community, and you have my word that I will give not tolerate anything that threatens this

That said, I believe that people are understanding and caring, and I expect you to be well supported through your transition and beyond, and safe / comfortable / happy in your working life.

S.

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Dieses süße Mädchen (6) ist ein Junge

Quelle: Bild.de

25.06.2013 – 16:05 Uhr
Denver (USA) – Es klingt zunächst banal, wofür die Eltern von Coy Mathis (6) seit Monaten kämpfen und nun vor Gericht Recht bekamen:
Der Ex-Marine Jeremy Mathis und sein Frau Kathryn wollten, dass ihre Tochter in der Schule auf die Mädchentoilette darf. Die Schulleitung hatte es der Erstklässlerin untersagt – weil sie ein Junge ist.

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